Resilienz. KIDcare Fachstelle für Familienplatzierungen. Referat 19. Juni Lic. phil. Barbara Los-Schneider, Dozentin ZHAW.

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1 Departement Soziale Arbeit Weiterbildung Resilienz Referat 19. Juni 2014 KIDcare Fachstelle für Familienplatzierungen Lic. phil. Barbara Los-Schneider, Dozentin ZHAW Resilienz Dazu kommt noch, dass ich ausserordentlich viel Lebensmut habe, ich fühle mich immer so stark und imstande, viel auszuhalten, so frei und jung! Als ich das zum ersten Mal merkte, war ich froh, denn ich glaube nicht, dass ich mich schnell unter den Schlägen beuge, die jeder aushalten muss. Tagebuch der Anne Frank, Sommer

2 Inhalt Was ist Resilienz? Was sind Resilienz fördernde Faktoren? Was können Sie als Pflegeeltern dazu beitragen? Tages- Anzeiger vom

3 Resilienz Engl: resilience: Spannkraft, Elastizität, Widerstandskraft Gedeihen trotz widriger Umstände Schutzmantel der Seele Psychische Widerstandsfähigkeit Bewältigungskompetenz Was ist Resilienz? Definition 1: Fähigkeit, sich von nachteiligen Folgen früherer Erfahrungen schnell zu erholen oder angesichts belastender Lebensumstände ohne offensichtliche psychische Schädigungen zu bestehen und Bewältigungskompetenzen zu entwickeln (Petermann et al., 1998, S. 222) 3

4 Was ist Resilienz? Definition 2: Resilienz meint eine psychische Widerstandsfähigkeit von Kindern gegenüber biologischen und psychosozialen Entwicklungsrisiken. (Wustmann, 2008, S. 18) Bedingungen für Resilienz 1. Biologische und / oder psychosoziale Belastungen und Entwicklungsrisiken 2. Die erfolgreiche, positive Anpassung und Bewältigung dieser widrigen Lebensumstände (vgl. Wustmann, 2008) 4

5 Mögliche Belastungen Andauernder, hoher Risikostatus (z.b. Armut, psychische Erkrankung von Elternteilen, Multiproblemfamilien Akute Stressbedingungen (non-normative Lebensereignisse, z.b. Trennung, Scheidung) Traumatische Erlebnisse (z.b. Tod eines Elternteils, sex. Missbrauch, Kriegserlebnisse) Resilienz heisst Bewältigung dieser Risiken auf zwei Ebenen: Abwesenheit von psychischen Störungen / Verhaltensauffälligkeiten Erwerb und Erhalt altersangemessener Fähigkeiten Bewältigung von Entwicklungsaufgaben 5

6 Vulnerabilität Gegenstück zu Resilienz Verletzlichkeit Empfindlichkeit gegenüber bestimmten Umweltbedingungen (Risikofaktoren) Resilienzforschung Fokus weg von der Forschung von Risiken hin zur Frage: Welche Faktoren und Bedingungen führen dazu, dass sich Menschen trotz widrigen Umständen gut entwickeln? Was hält Menschen gesund? 6

7 Salutogenese Antonovsky (1997): Kohärenzgefühl (sense of coherence SOC) Gefühl der Verstehbarkeit Bewältigbarkeit Sinnhaftigkeit Fokus des Resilienzkonzepts Erfolgreiche Bewältigung von Risikobedingungen, Fähigkeiten und Stärken Eigenaktivität: Kind als aktiver Bewältiger und Mitgestalter seines Lebens (vgl. Wustmann, 2008) 7

8 Partnerarbeit Diskutieren Sie mit Ihrem/Ihrer SitznachbarIn folgende Fragen: Welchen Belastungen sind oder waren die von Ihnen betreuten Kinder ausgesetzt? Wie schätzen Sie die Resilienz bzw. Vulnerabilität der von Ihnen betreuten Kinder ein? Sehen Sie Unterschiede zwischen den Kindern bezüglich Resilienz und Vulnerabilität? Haben Sie Ideen, warum es diese Unterschiede gibt? Resilienz im Kontext von Schutz- und Risikofaktoren Schutzfaktoren (protektive Faktoren): Ressourcen und Fähigkeiten, welche dem Individuum zur Verfügung stehen und in belastenden Situationen aktiviert werden können. Sie begünstigen eine gesunde Entwicklung und können Risikofaktoren abschwächen Risikofaktoren: Belastungen bzw. Beeinträchtigungen, die die Entwicklung eines Individuums und die Bewälti-gung von Lebensereignissen erschweren können 8

9 Schutz- und Risikofaktoren Schutz- und Risikofaktoren Interne: Biologisch-genetische und erworbene Externe: Familiäre und andere psychosoziale Aus: Wustmann, 2008, S. 55 9

10 Resilienz fördernde Faktoren Zwei Ebenen: Personale Ressourcen: angeborene und erworbene Schutzfaktoren im sozialen Umfeld: familiäre und ausserfamiliäre Personale Ressourcen Geschlechts- und lebensalterspezifisch: einfaches Temperament Sichere Bindungsmuster Gute Intelligenz / Problemlösefähigkeiten Interessen / Aktivitäten / Hobbies Positives Selbstbild / Selbstsicherheit Internale Kontrollüberzeugungen Aktive Problembewältigungsmuster (vgl. Frick, 2007, Petermann et al., 1998 und Wustmann, 2008) 10

11 Personale Ressourcen Gefühl der Sinnhaftigkeit, Kohärenzgefühl Individuell angemessene, persönliche Zielsetzungen Antizipation einer besseren Zukunft / Optimismus Erfolg in der Schule Schreibe- und Lesefähigkeiten Fähigkeit, sich zu distanzieren (vgl. Frick, 2007, Petermann et al., 1998 und Wustmann, 2008) Familiäre Schutzfaktoren Unterstützende Verbundenheit mit mind. einem Elternteil Emotional warmes, offenes aber auch strukturierendes Erziehungsklima Interesse am Kind und realistische Erwartungen Rollenvorbilder für konstruktives Bewältigungsverhalten Thematisieren von Konflikten und Sprechen über Gefühle Einbezug des Kindes in Entscheidungsprozesse Unterstützung bei Problemen Anbieten einer anregenden Umwelt (vgl. Frick, 2007, Petermann et al., 1998 und Wustmann, 2008) 11

12 Schutzfaktoren im sozialen Umfeld Eine Vertrauensperson ausserhalb der Familie Tragende soziale Beziehungsnetze, positive Peer- Kontakte Schule als Schutzraum: positive Schulerfahrungen Ressourcen auf Gemeindeebene: z.b. Unterstützungsangebote Gute Arbeits- und Beschäftigungsmöglichkeiten Positive Normen und Werte in der Gesellschaft Fazit: Was ist Resilienz? R. ist kein Persönlichkeitsmerkmal, sondern ein dynamischer Anpassungs- und Entwicklungsprozess R. ist das Ergebnis sozialer und individueller Faktoren R. ist situationsspezifisch und multidimensional R. ist lernbar (vgl. Wustmann, 2008) 12

13 Was können Pflegeeltern zur Resilienzentwicklung beitragen? Förderung von Individuellen und sozialen Ressourcen Resilienzfaktor vertraute Bezugsperson Echtes Interesse am Kind zeigen Eine sichere Basis darstellen Das Kind genau beobachten und seine Bedürfnisse und Fähigkeiten wahrnehmen Gesprächsbereitschaft signalisieren Das Kind so akzeptieren, wie es ist 13

14 Förderung der Selbstwirksamkeit und Selbstsicherheit Leistungen der Kinder erkennen und loben Von den Stärken ausgehen Realistische Zielsetzungen erarbeiten Dosierte Verantwortung übernehmen lassen Den Fähigkeiten entsprechende Anforderungen stellen Kompetenz Aufgaben Fähigkeiten Förderung der Problemlösefähigkeit An das Kind und seine Möglichkeiten der Problemlösung glauben Modell für konstruktive Problemlösungen sein Wahlmöglichkeiten anbieten Probleme benennen, Schritte zur Problembewältigung entwickeln und mögliche Konsequenzen anschauen 14

15 Zum Schulerfolg beitragen Eltern und Lehrpersonen als Partner Im regelmässigen Kontakt bleiben Wünsche / Erwartungen / Beobachtungen proaktiv aber mit Verständnis für die andere Seite vorbringen Kind schulisch unterstützen, jedoch auch altersgemässe Anforderungen stellen Strukturierter Alltag Vorbeugen ist besser als heilen Gemeinsam Lösungen suchen und Regeln erarbeiten Als Eltern als Team funktionieren Konsequent sein aber nicht stur Vorbild sein Sich überlegen, was Gegenstand von Auseinandersetzung sein soll Konsequenzen in Zusammenhang mit Verhalten bringen 15

16 Interessen / Aktivitäten fördern Interesse / Hobbies fördern Dem Kind Möglichkeiten geben, etwas aktiv tun zu können Integration in Gruppen fördern Offen sein für Freundschaften / Kontakte des Kindes Geschichten zur Resilienzförderung Geschichten von Kindern, die es trotz widrigen Umständen schaffen: Bewältigung eines Problems steht im Mittelpunkt Protagonist übernimmt selbst Verantwortung zur Lösung seines Problems Er ist selbstsicher und ist sich seiner Stärken bewusst Er kann eigene und soziale Ressourcen mobilisieren Er übernimmt Verantwortung für sich und andere 16

17 Geschichten zur Resilienzförderung z.b. Pippi Langstrumpf Rosalind Huckleberry Finn Positive Zukunftsperspektive Erfolge aufzeigen Dem Kind vermitteln, dass es an sich glauben kann Aus Fehlern lernen Vorbild sein 17

18 Ein resilientes Kind sagt: Ich habe vertrauenswürdige Menschen um mich, die mich lieben die mir Grenzen setzen die Vorbild sind die mich unterstützen die mir bei Problemen helfen Ein resilientes Kind sagt: Ich bin jemand der geschätzt und geliebt wird froh, andern zu helfen verantwortungsbewusst zuversichtlich 18

19 Ein resilientes Kind sagt: Ich kann mit anderen sprechen Lösungen für Probleme finden mein Verhalten kontrollieren jemanden finden, der mir hilft, wenn ich es brauche (Wustmann, 2008, S. 118) Was können Pflegeeltern zur Resilienzentwicklung beitragen? Diskussion in Kleingruppen à 3-4 Personen: Welche der genannten Schutzfaktoren können Sie bei Ihren Pflegekindern darstellen? Was könnten Sie noch verstärken/verbessern? Weitere Ideen, um die Resilienz Ihrer Pflegekinder zu verstärken? Fragen an die Referentin Bitte sammeln Sie Ihre Diskussionspunkte sowie Fragen schriftlich zum Austausch im Plenum 19

20 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und viele Resilienz fördernde Stunden mit Ihren (Pflege)Kindern Fachliteratur zum Thema Antonovsky, A. (1997). Salutogenese: Zur Entmystifizierung der Gesundheit. Tübingen: Dgvt Verlag. Brooks, R. & Goldstein, S. (2007). Das Resilienzbuch. Wie Eltern ihre Kinder fürs Leben stärken. Stuttgart: Klett-Cotta. Frick, J. (2007). Ermutigendes Konzept. Psychoscope, 6, 4-7. Hurrelmann, K. & Unverzagt, G. (2008). Kinder stark machen für das Leben. Freiburg i.br.: Herdern. Opp, G. (Hrsg.) (2008) Was Kinder stärkt. Erziehung zwischen Risiko und Resilienz (3. Aufl.). München: Reinhardt. Petermann, F., Kusch, M. & Niebank, K. (1998). Entwicklungspsycho-pathologie. Ein Lehrbuch. Weinheim: Beltz. Schiffer, E. (2001). Wie Gesundheit entsteht: Salutogenese: Schatzsuche statt Fehlerfahndung. Weinheim: Beltz Taschenbuch. Wustmann, C. (2008). Resilienz: Widerstandsfähigkeit von Kindern in Tageseinrichtungen fördern (2. Aufl.). Berlin: Cornelsen. 20

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