Die Europäische Klimapolitik 2030 aus der Perspektive der Energieintensiven Industrien

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1 Energieintensive Industrien in Deutschland (EID) Die Europäische Klimapolitik 2030 aus der Perspektive der Energieintensiven Industrien Dr. Jörg Rothermel Geschäftsführer Energieintensive Industrien in Deutschland (EID) Dr. Jörg Rothermel Datum: Seite 1

2 Agenda Klimaschutzpolitischer Rahmen Emissionshandel als Klimaschutzinstrument Minderungsfaktor und Marktstabilitätsreserve Konsequenzen für die Industrie Gestaltungsvorschläge

3 Agenda Klimaschutzpolitischer Rahmen Emissionshandel als Klimaschutzinstrument Minderungsfaktor und Marktstabilitätsreserve Konsequenzen für die Industrie Gestaltungsvorschläge

4 Klimaschutz ist eine globale Aufgabe Emissionen machen nicht an Grenzen halt Handel ist global grenzenlos Wettbewerbsfähigkeit gibt es regional und global (Isolierte) Europäische Klimapolitik geht am Ziel vorbei Bildquelle Fotolia: Romolo Tavani Dr. Jörg Rothermel Datum: Seite 4

5 Klimaschutz: Die verschiedenen Ebenen Keine global gültigen Klimaschutzvorgaben Großer Energiehunger der Gesellschaft Nachholbedarf bei Lebensqualität deshalb quantitatives Wachstum bei Emissionen Ambitionierte Klimapolitik der EU (-40% bis 2030) Ziel: Dekarbonisierung von Wirtschaft und Gesellschaft (Energieeffizienz, EE-Ausbau) Energiepolitik geleitet durch Klimapolitik Vorreiter bei europäischer Klimapolitik (-40% bis 2020) Energiewende: Ausstieg aus Kernenergie und zunehmender Verzicht auf Kohle Bildquelle Fotolia: Max_776, Ekler, Lesniewski Effizienteste Industrieanlagen Dr. Jörg Rothermel Datum: Seite 5

6 Klimaschutz: Entwicklung der CO 2 -Emissionen weltweit CO 2 -Emissionen in ausgewählten Ländern und Regionen In Mrd. Tonnen, Vergleich 1990 und 2013 in Mrd. Tonnen und in Prozent ,5 Mrd. t +285 % +0,4 Mrd. t +8 % - 0,8 Mrd. t -18 % -0,9 Mrd. t -34 % +1,4 Mrd. t +240 % +1,1Mrd. t +195 % ,1 Mrd. t +11% -0,2 Mrd. t -19 % 0 China USA EU 28 Indien Russland Mittlerer Osten Quelle: Energiewirtschaftliche Tagesfragen 9/14, VCI Japan Deutschland

7 Weltweite CO 2 -Emissionsentwicklung seit Welt ohne EU-28 EU-28 ohne Deutschland Deutschland Quelle: BP Statistical Review of World Energy 2014

8 Treibhausgase in der EU Mio. t CO2-Äqu Kyoto-Ziel: -8% -19,2% Ziele ,1%? % % EU 15 EU 28

9 Treibhausgasemissionen in der EU korrelieren mit industrieller Produktion 2007 = 100% Deutschland 90 Großbritannien Beginn der Wirtschaftskrise Italien Spanien Dr. Jörg Rothermel Datum: Seite 9

10 Entwicklung der industriellen Produktion Produktionsindex des Verarbeiteten Gewerbes 2007=100, saisonbereinigt, 2007 bis Deutschland Großbritannien Beginn der Wirtschaftskrise Italien Spanien Quelle: Feri, VCI Dr. Jörg Rothermel Datum: Seite 10

11 Komplexe Vernetzung von Europäischer und nationaler Energie- und Klimapolitik EU-Klimapolitik: Langfristziel 2050: -80% Treibhausgase Framework 2030: -40% Treibhausgase ( domestic!) EU-ETS Minderung: 2,2% Marktstabilitätsreserve Ausbau Erneuerbare Ziel: 27% Energieeffizienz -27% absoluter Energieverbrauch Aktionsplan 2020 Klimaschutzplan 2030/2050 Energiewende Ausbau Erneuerbare Ausstieg Kernkraft Energiekonzept 2010 Nationaler Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE) Nationale Klimapolitik: Langfristziel 2050: -80% bis -95% Treibhausgase Ziel 2020: -40% Treibhausgase

12 Kein zusätzlicher Beitrag des Erneuerbaren Ausbaus und Energieeffizienzvorgaben zum Klimaschutz in der EU Ausbau EE- Energieeffizienz EU- Emissionshandel

13 EU-Klimaschutzstrategie und internationaler Rahmen EU bislang einzige Industrieregion mit einem absoluten Treibhausgasminderungsziel bis 2020 (-20%), das allerdings auch erreichbar ist Geplante absolute EU-Minderungszielsetzung bis 2030 von -40% (Basis 1990) liegt weit über allen bisherigen Zielsetzungsbekundungen ( Pledges ) anderer Staaten im Rahmen der Diskussion für ein neues Klimaabkommen

14 Bisherige internationale Zielsetzungen zum Klimaschutz im Vergleich Entwicklung der Emissionen gemäß Zielsetzungen Treibhausgasemissionen in Millionen Tonnen CO 2 -Äquivalenten (China: CO 2 -Emissionen) USA Treibhausgasemissionen (EPA) China CO2-Emissionen (BP) EU-28 Treibhausgasemissionen (EEA) D Treibhausgasemissionen (EEA) China: Reduzierung der Zuwachsrate auf Null bis 2030 USA: 26% Reduzierung 2025 gegenüber EU: -40% 2030 gegenüber 1990 D: -55% 2030 gegenüber 1990 D: -55% 2030 gegenüber 1990 Quelle: EEA, EPA, BP und VCI-Berechnungen

15 EU-Klimaschutzstrategie und internationaler Rahmen Abschluss eines Abkommens 2015 in Paris ist offen und nach Lima offener denn je Fest steht bereits, dass, wenn überhaupt ein Abkommen zustande kommt, dieses nicht zu einheitlichen Rahmenbedingungen mit gleichem Belastungsniveau für die Industrie führt Eine -40%-Zielsetzung für die EU führt zwangsläufig zu Maßnahmen in allen Bereichen (z.b. Verschärfung des Minderungsfaktors im ETS) : schon in der Vergangenheit überproportionaler Beitrag der Chemie, der sich noch vergrößern wird (-70% bis 2030) Carbon Leakage-Gefahr bleibt erhalten und steigt tendenziell weiter

16 Agenda Klimaschutzpolitischer Rahmen Emissionshandel als Klimaschutzinstrument Minderungsfaktor und Marktstabilitätsreserve Konsequenzen für die Industrie Gestaltungsvorschläge

17 Lastenteilung bei der Erreichung von Klimaschutzzielen im Ungleichgewicht ETS-Sektoren Basisjahr: 2005 Non-ETS-Sektoren: Gebäude, Haushalte, Verkehr, Landwirtschaft, Abfallwirtschaft Dr. Jörg Rothermel Datum: Seite 17

18 Treibhausgasemissionen und Produktion seit 1990 Entwicklung der absoluten und spezifischen Treibhausgasemissionen (energiebedingte CO 2 -Emissionen und N 2 O-Emissionen), Index 1990 = Absolute Treibhausgasemissionen SpezifischeTreibhausgasemissionen Produktionsindex Zielwert absolute THG-Emissionen für 2012: Reduzierung um 45% Quelle: VCI-Berechnungen auf der Grundlage von Daten des Statistischen Bundesamtes und eigener Erhebungen Dr. Jörg Rothermel Datum: Seite 18

19 Potenziale Für Treibhausgasminderungen im energetischen Bereich Wirtschaftlichkeitsgrenze (unter Berücksichtigung der Wettbewerbsfähigkeitsgrenze Minderungspotenziale Kosten der Umsetzung Zeit Dr. Jörg Rothermel Datum: Seite 19

20 Carbon Leakage findet bereits statt Entwicklung der Auslandsinvestitionen der deutschen chemischpharmazeutischen Industrie nach Regionen, in Mio. Euro Restliches Europa NAFTA Lateinamerika Asien, Australien, Sonstige Quelle: VCI Dr. Jörg Rothermel Datum: Seite 20

21 Carbon Leakage - Realität in Europa

22 Agenda Klimaschutzpolitischer Rahmen Emissionshandel als Klimaschutzinstrument Minderungsfaktor und Marktstabilitätsreserve Konsequenzen für die Industrie Gestaltungsvorschläge

23 Zweck des Emissionshandels Art. 1 Abs. 1 Emissionshandelsrichtlinie Mit dieser Richtlinie wird ein System für den Handel mit Treibhausgasemissionszertifikaten in der Gemeinschaft (nachstehend Gemeinschaftssystem genannt) geschaffen, um auf kosteneffiziente und wirtschaftlich effiziente Weise auf eine Verringerung von Treibhausgasemissionen hinzuwirken.

24 Zweck des Emissionshandels Der Emissionshandel war dazu gedacht: den Klimaschutzbeitrag des Emissionshandelssektors zu gewährleisten was er unabhängig vom Preis der Zertifkate tut Klimaschutz auf kosteneffiziente Weise bewirken was er tut, je niedriger der Preis für die Zertifikate ist Der Emissionshandel ist nicht gedacht als : Technologieförderinstrument Instrument zur zwingenden Energieeffizienzsteigerung Finanzierungsinstrument für Staatshaushalte

25 Emissionshandel 4. Handelsperiode: Was soll geändert werden? Erhöhung des Minderungsfaktors auf 2,2%/a: Verschärfung des CAPs, Verknappung der Zertifikatemenge Zertifikatepreiserhöhung Erhöhung des sektorübergreifenden Korrekturfaktors für die kostenlose Zuteilung Erhöhung der Unterdeckung für industriellen Prozesse, d.h. Erhöhung der direkten Carbon Leakage-Gefahr Einführung Marktstabilitätsreserve Dauerhafte Verknappung des Zertifkateangebots im Markt Zertifikatepreiserhöhung Strompreiserhöhung, d.h. Erhöhung der indirekten Carbon Leakage-Gefahr

26 Kein Beitrag der Marktstabilitätsreserve zum Klimaschutz ETS-CAP Verschärfung des Minderungsfaktors auf 2,2%/Jahr Überschuss

27 Kein Beitrag der Marktstabilitätsreserve zum Klimaschutz ETS-CAP Marktstabilitätsreserve Verschärfung des Minderungsfaktors auf 2,2%/Jahr Marktstabilitäts-

28 Emissionsminderung aufgrund verringerter Produktion

29 Agenda Klimaschutzpolitischer Rahmen Emissionshandel als Klimaschutzinstrument Minderungsfaktor und Marktstabilitätsreserve Konsequenzen für die Industrie Gestaltungsvorschläge 29

30 Wirkung Minderungsfaktor von 2,2%: Beispiel Chemie + 57 % Deutsche chemisch-pharmazeutische Industrie Energieverbrauch absolut Emission Treibhausgase absolut Produktion - 16 % - 18,5 % - 47 % 2012 Quelle: VCI-Berechnungen auf der Grundlage von Daten des Statistischen Bundesamtes und eigener Erhebungen -70% 2030 Dr. Jörg Rothermel Datum: Seite 30

31 Wirkung der Marktstabilitätsreserve Preissteigerung bei Zertifikaten Expertenanhörung der EU-Kommission am : Anstieg der Preise auf 40 bis 80 /t erwartet Impact-Assessment der EU-Kommission: 40 /t Grund für Preisanstieg: MSR senkt verfügbare jährliche Menge deutlich unter den Hedging-Bedarf der Stromversorger (geschätzt auf 1,1 bis 1,3 Mrd. Zertifikate/Jahr)

32 Belastungen Energieintensive Industrien Direkte Belastungen Ca. 130 Mio. t direkte Emissionen Ca. 1 Mrd. Zusatzbelastung Indirekte Belastungen Ca. 120 TWh Gesamtstromverbrauch Ca. 4,6 Mrd. Zusatzbelastung Dr. Jörg Rothermel Datum: Seite 32

33 Agenda Klimaschutzpolitischer Rahmen Emissionshandel als Klimaschutzinstrument Minderungsfaktor und Marktstabilitätsreserve Konsequenzen für die Industrie Gestaltungsvorschläge

34 Was sagt der EU-Ratsbeschluss vom 23. Oktober 2014? Kostenlose Zuteilung auch nach 2020, um Carbon Leakage zu verhindern, solange keine vergleichbaren Bemühungen in anderen bedeutenden Ökonomien Periodische Überprüfung der Benchmarks, Anpassung an den technologischen Fortschritt Betrachtung von direkten und indirekten Kosten Keine ungerechtfertigten Kosten, die zu Carbon Leakage führen könnten für die effizientesten Anlagen Zukünftige Allokation besser an wechselnde Produktionslevels anpassen Nicht (noch) mehr Administration Begrenzte Möglichkeit für Staaten mit GDP < 60% des EU-Durchschnitts für kostenlose Allokation an den Energiesektor

35 ETS-Konzept 2030 Was ist zu tun? Kostenlose Zuteilung Berücksichtigung der Produktionsschwankungen sowohl nach oben als auch nach unten Abdeckung von Produktionswachstum: Bildung einer Industriereserve (aus Zuflüssen bei niedrigerem Produktionslevel und aus der derzeitigen Backloading- Menge) Deutliche Absenkung des Minderungsfaktors für die Industrie Kostenlose Zuteilung auf Basis einer dynamischen Allokation Jeweils aktuelle Produktion des letzten Jahres als Basis statt fester historischer Produktionsbasis, d.h. Verringerung der Zuteilungsmenge im Folgejahr, wenn Produktion gesunken Erhöhung der Zuteilung im Folgejahr, wenn Produktion gestiegen Abdeckung von zusätzlichem Zuteilungs-Bedarf infolge von Produktionswachstum durch die Industriereserve

36 ETS-Konzept 2030 Was ist zu tun? Ausgestaltung der Marktstabilitätsreserve Optimal: Verzicht auf die MSR, weil systemfremd Emissionshandel ist ein Instrument zur Mengenkontrolle MSR bringt zusätzlich eine Preiskontrolle in das System Verkürzung der Reaktionszeit auf 1 Jahr Technisch machbar, Daten sind verfügbar Verhindert, dass im Falle erheblicher Preissteigerung in einem Jahr nicht noch mehr Zertifikate entnommen werden und Effekt noch verstärkt wird Anhebung des oberen Schwellenwertes durch Anhebung des Wertes für die Mindestentnahmemenge (z. B. 150 statt 100 Mio. t) Oberer Schwellenwert ergibt sich rechnerisch aus der Mindestentnahmemenge Nähert den Überschusskorridor dem Hedging-Bedarf der Stromversorger an

37 ETS-Konzept 2030 Was ist zu tun? Strompreiskompensation Derzeitiges Strompreiskompensationssystem nicht ausreichend: Beispiel Chemie: Erwartete Kompensation nach derzeitigem System bei 40 /t Zertifikatepreis: ca. 500 Mio bei erwarteten 2,2 Mrd. Belastung Scope der zu kompensierenden Sektoren zu klein Ausweitung der Sektorenliste (analog zur Carbon Leakage-Liste für direkte Emissionen) Pauschalabzug von 20% beim Kompensationssatz ungerechtfertigt 100% satt 80% Kompensation Garantie eines ausreichenden Kompensationsbudgets Bisherige 350 Mio. Euro reichen gerade aus, um den heutigen Kompensationsbedarf (restriktive Regeln, niedrigerer Zertifikatepreis) zu decken Kompensationsvolumen muss mit Zertifikatepreis atmen

38 Ausweitung des EU-Emissionshandelssystems auf andere Sektoren EU-Emissionshandelssystem regelt weniger als die Hälfte der EU- Treibhausgasemissionen Optimierung des Systems durch Einbezug anderer Sektoren, wie Verkehr, Haushalte,? Was spricht dafür? Vergrößerung des Emissionsvolumens und damit der Spielräume Möglichkeit der Verminderung unfairen Burden Sharings Nutzung unterschiedlicher Vermeidungskostenlevels Was spricht dagegen? Keine Lenkungswirkung für viele Sektoren weil zu kleinteilig Sozialisierung unterschiedlicher Minderungserwartungen für unterschiedliche Sektoren Sehr unterschiedliche Zertifikatepreis-Sensibilitäten in den verschiedenen Sektoren

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