Mehrsprachigkeit fördern. Vielfalt und Reichtum Europas für die Schule nutzen (MES).

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1 INSTITUT FÜR ROMANISTIK Prf. Dr. Franz-Jseph Meißner Didaktik der rmanischen Sprachen Karl-Glöckner-Str. 21 G D Gießen Tel. +49(0) Sekr. +49(0) Fax +49(0) Gießen, den Presseinfrmatin Mehrsprachigkeit fördern. Vielfalt und Reichtum Eurpas für die Schule nutzen (MES). Schüler der Klassen 5 und 9 äußern sich zu Sprachen und Fremdsprachenunterricht (EU-Skrates-Prjekt, Knventin ) Die Attitudinalstudie Vielfalt und Reichtum Eurpas für die Schule nutzen (MES). Schüler der Klassen 5 und 9 äußern sich zu Sprachen und Fremdsprachenunterricht (bzw. Pur le multilinguisme: expliter à l écle la diversité des cntextes eurpéens) erfasst Schülerinnen und Schüler 1 der Jahrgangsstufen 5 und 9 in zehn Znen und fünf Ländern der Eurpäischen Unin. Die MES-Studie fragte nach Haltungen, Einstellungen und Lernmtivatinen gegenüber Sprachen Muttersprachen, Umgebungssprachen (Migratins- und Nachbarsprachen) und Fremdsprachen swie nach Erfahrungen mit Fremdsprachenunterricht. Das Frageinteresse betraf swhl jene Sprachen, zu denen die Schüler Unterrichtserfahrung besitzen, als auch slche, die sie nch lernen möchten und denen gegenüber ihrerseits eine bestimmte Lernerwartung besteht. Die deutschen Stichprben bestanden aus Schülern aus Berlin und den hessischen Landkreisen Gießen und Limburg-Weilburg. Hierneben wurden im Schulwesen Verantwrtung tragende Persnen zu ihren Meinungen zur Sprachenplitik und zum Fremdsprachenunterricht befragt. Die Schülerstudien sind, bezgen auf das Gesamt der Schülerschaft aller Schularten, innerhalb der Znen repräsentativ und im eurpäischen Rahmen vergleichbar. Anders als die natinalen Leistungsvergleichsstudien (PISA, DESI usw.) beansprucht die attitudinal ausgerichtete MES-Studie keine natinale Repräsentativität. 1 Im Weiteren bezeichnet Schüler swhl Jungen als auch Mädchen. 1/4

2 Im Hinblick auf Attitüdenprfile gegenüber fremden Sprachen und Ländern erschien es (auch) im deutschen Kntext nicht sinnvll, die Alten Sprachen in die Studie einzubeziehen. Der Grund bestand darin, dass sich viele relevante Fragen für Latein und Altgriechisch bzw. für den altsprachlichen Unterricht nicht stellen lassen. Dies betrifft mit Ausnahme des Lesens die Teilfertigkeiten des Sprechens, Hörenden-Verstehens und des Schreibens, die interkulturelle Kmmunikatinsfähigkeit und das interkulturelle Lernen swie Einstellungen und Haltungen zu den Sprachen der Nachbarn, schließlich die Kmplexe Vielsprachigkeit und Multikulturalität in einer glbalisierten Welt. Diese aber sind ganz zentrale Ziel- und Gegenstandsbereiche des Unterrichts lebender Sprachen. In gedruckter Frm liegen swhl eine eurpäische Versin in französischer Sprache vr, die eingehend die eurpäischen Daten in vergleichender Sicht behandelt, als auch natinale Fassungen, darunter eine deutsche. Diese beleuchtet auf der Flie des eurpäischen Vergleichs die Daten aus Hessen und Berlin mit Blick auf die Besnderheiten der hiesigen Entwicklungen. Alle Berichte sind als pdf-dateien vn der Internet-Seite des MES-Prjekts abrufbar (und können zum Beispiel für das Unterrichtsgespräch über Sprachen und Fremdsprachen lernen genutzt werden). Die Adresse wurde im Titel genannt. * Die flgenden Bemerkungen fassen einige zentrale Ergebnisse der MES-Studie zusammen. Um einen eindeutigeren Bezug zwischen den Daten und ihren Knsequenzen für die Weiterentwicklung des Fremdsprachenunterrichts herzustellen, werden in unmittelbarem Anschluss an die Kernaussagen Empfehlungen frmuliert. Was nun sind die für den deutschen Kntext relevanten Ergebnisse und welches die Empfehlungen für die Optimierung des Sprachunterrichts? Allgemeine Ergebnisse: Auch die deutschen Schüler zeigen ganz überwiegend ein grßes Interesse daran, mindestens zwei, ft jedch deutlich mehr mderne Sprachen zu lernen. Das Interesse der Schüler an der Mehrsprachigkeit geht weit über die üblichen Schulfremdsprachen hinaus. In der Lebenswelt der Schüler ist die Vielsprachigkeit zwar präsent, jedch wird sie seitens der Schulen nicht hinreichend wahrgenmmen. Durchgehend bleiben wichtige Ptentiale für erflgreiches Lernen bei bilingualen Kindern (ft mit Migratinshintergrund) ungenutzt. Der Fremdsprachenunterricht muss sich allgemein stärker bemühen, auch Jungen zu erreichen (das gilt vr allem für den Fremdsprachenunterricht außer Englisch). Die Frschung wird die Genderspezifik verstärkt unter diesem Gesichtspunkt zu untersuchen haben. Wer mehr Sprachen kennt, kann auch leichter Sprachen lernen. Vr dieser allgemein bekannten Erfahrung steht die Feststellung: Entscheidend für den Aufbau vn schulisch begründeter Mehrsprachenkmpetenz sind die Schullaufbahnen, d.h. die angebtenen Fremdsprachen und die Sprachenflgen. das Sprachenangebt im Bereich der ersten und zweiten Fremdsprachen diversifizieren; jede Schule sllte, wenn möglich zwei Eingangsfremdsprachen anbieten. bei der Realisierung eines Fremdsprachenangebts berücksichtigen, welche Flgen sich für die Mehrsprachigkeit der Schüler langfristig ergeben. die Methdik des Fremdsprachenunterrichts adressatenspezifisch diversifizieren. muttersprachlichen Stützunterricht für Kinder mit Migratinshintergrund anbieten und diesen mit dem Unterricht vn Deutsch als Zweitsprache (Unterrichtssprache) verbinden. den Eltern und Schülern eine qualifizierte Sprachenberatung anbieten, die über die Relevanz vn Sprachen, Sprachenflgen und Lernen des Lernens vn Sprachen infrmiert. 2/4

3 Welche Faktren schlagen für die Mtivatin, eine knkrete Sprache zu lernen der das Erlernen einer Sprache aufzugeben, zu Buche? Neben zahlreichen mtivatinsrelevanten Faktren macht das Unterrichts- der Lernerlebnis allein zwischen 20% und 30% am Gesamt der invlvierten Variablen aus. Das Lernen gezielt und lernbegleitend thematisieren. Es ist eine berufsbezgene Lehrerausbildung und eine qualitätssichernde Lehrerfrtbildung sicherzustellen. (Es sei an dieser Stelle auf die einschlägigen Ausführungen der DESI-Studie 2 verwiesen. Das drt Gesagte dürfte nicht nur für Lehrende der englischen Sprache gelten.) Aufgrund der mtivatinalen Interferenzen zwischen den einzelnen Sprachenfächern sllte das Lernen des Lernens vn Sprachen auch fächerübergreifend und krdiniert rganisiert werden. Zur ersten Fremdsprache (Englisch) Obwhl das Fach Englisch als 1. Fremdsprache starke Zustimmung findet, wünscht sich eine Mehrzahl der Befragten eine Sprachenflge, die mit einer anderen Fremdsprache einsetzt. Allerdings verzeichnet keine Sprache für sich genmmen s viele Nennungen wie das Englische. Das Fach Englisch erfreut sich einer anhaltenden Beliebtheit bei den Schülern swhl der Klassen 5 als auch der 9. Vergleichsanalysen zwischen den einzelnen Fremdsprachen ergeben signifikante Unterschiede, die zumeist zu Gunsten des Englischen ausfallen. Wie keine andere Schulfremdsprache prfitiert das Fach Englisch vn einer sehr hhen Leistungsbereitschaft, die mit einem hhen Maß an Anwendungsmöglichkeit und Außendruck Englischkenntnisse gelten als unverzichtbar einher geht. Leider ziehen Schüler aus dieser richtigen Einschätzung ft die falschen Knsequenzen; s etwa, wenn sie meinen, dass die Kenntnis anderer Sprachen nicht wirklich wichtig wäre. Im Englischunterricht sllten die Plyfunktinalität des Englischen (als Sprache grßer anglphner Gesellschaften, als lingua franca) und das Thema interkulturelle Kmmunikatin mit Bezug auf unterschiedliche Sprecherrllen (welche die Schüler in deutscher, englischer der einer weiteren Fremdsprache übernehmen) behandelt werden. Dies müsste auch dazu führen, dass den Schülern die ambivalente Rlle einer lingua franca bewusst wird. Es sllte deutlich gemacht werden, dass Kmmunikatin in einer lingua franca (z.b. zwischen einem Deutschen und einem Chinesen) Grenzen hat, weil die sprachlichen und kulturellen cmmn grunds eingeschränkt sind. Der Englischunterricht sllte seine privilegierte Stellung nicht gegen den Ausbau der Mehrsprachigkeit wenden (indem er etwa das Erlernen weiterer Fremdsprachen behindert), sndern dieses gezielt fördern. Die zweiten Fremdsprachen Die Wichtigkeit vn Kenntnissen in weiteren Fremdsprachen wird vn den Schülern dann hchgradig erkannt, wenn die Kenntnisse in einem Zusammenhang mit der eigenen Lebenspraxis stehen der vermutet werden z.b. regelmäßiger Kntakt mit dem Zielland, drtige Urlaube, Schüleraustausch, internatinaler Prjektunterricht, der Wunsch, mit Französischsprachigen (Plnischsprachigen...) zu arbeiten, im rmanischen der slawischen Ausland zu studieren usw /4

4 Bedauernswerterweise erlaubte der geringe Diversifikatinsgrad des Schulsprachenangebts keinen statistisch zulässigen Vergleich zwischen dem Französischen und einer weiteren zweiten Fremdsprache; deshalb war es nicht möglich, den Spanischunterricht mit dem Englischunterricht der Französisch und Spanisch als zweite Fremdsprachen miteinander zu vergleichen. Französisch Leider gelingt es dem Unterricht der 2. Fremdsprache (Französisch), wie es bereits anklang, im Vergleich zum Englischunterricht nur unzureichend, die Leistungsbereitschaft der Schüler auf hhem Niveau zu halten. Dies krreliert u.a. damit, dass die Werte für Anwendungsmöglichkeit und Außendruck (die betreffende Sprache zu lernen) deutlich niedriger als für das Englische ausfallen. Dies trifft auf alle Fremdsprachen zu. Der Erflg der ersten Fremdsprache Englisch bringt die zweite lebende Fremdsprache in erhebliche Schwierigkeiten (mtivatinale Interferenz), da die Schüler ffenbar deren Unterricht mit aus dem Englischunterricht bekannten Schemata vergleichen. Eine slche Erwartungshaltung aber verkennt, dass jede Sprache schn aus strukturellen Gründen einer jeweils eigenen Prgressin flgen muss; Beispiel: *Ich kmm mit mein neu Aut / I ( ll) cme with my new car / Ich kmme mit meinem neuen Aut / Je viendrai avec ma nuvelle viture(/ma viture neuve) / VerrÒ (unregelmäßiger Stamm: venire) cn la mia macchina nuva. Es ist wahrscheinlich, dass sich hinter einer latenten der ffenen Kritik am Französischunterricht eine Kritik am Unterricht einer zweiten Fremdsprache nach Englisch verbirgt. Eine Vrverlegung der 2. Fremdsprache auf die Jgst. 5 der 6 kann im Verein mit einer Diversifizierung des Angebts diese Situatin verbessern. Zur Verbesserung der Einstellungen und Haltungen bzw. der Mtivatin der Schüler bezüglich der einzelnen Sprachen sllten im Rahmen der Lernberatung flgende Themen aufgegriffen werden (dabei kann das Eurpäische Sprachenprtfli eine Hilfe sein: Warum lerne ich Fremdsprachen und welche Rlle spielen Fremdsprachenkenntnisse in der Welt, in die ich hineinwachse? Was kann ich mit der Fremdsprache X anfangen? Welche Rlle spielt sie im Rahmen meines persönlichen Sprachenhaushalts? Was heißt es, eine Muttersprache, Zweitsprache der eine Fremdsprache zu können? Wie lerne ich erflgreich Fremdsprachen? Wvn hängt meine Mtivatin, eine Sprache zu lernen, ab? Was bedeutet diese für mein individuelles Sprachenlernen? Über 40% der Schüler sind der Meinung, dass sie im Französischunterricht keine echten Frtschritte machen. Empfehlung: Zusätzlich zu den ben genannten Empfehlungen im Französischunterricht die Aufmerksamkeit auf das richten, was die Schüler schn können, und ihnen den eigenen Kmpetenzfrtschritt bewusst machen. Die Schriftlichkeit als Lernhilfe nutzen, stärker den Fkus auf Kmmunikatin denn auf frmale Krrektheit legen. Über Mtivatin, Mtiviertheit und Kmpetenzfrtschritt im Französischunterricht und ihren Rückwirkungen auf das Sprach- und Lernerlebnis sprechen. Weitere zweite und dritte Fremdsprachen Aufgrund der zu geringen Anzahl an Spanischbelegungen in den Jahrgangsstufen 5 und 9 knnte der Spanischunterricht, wie gesagt, nicht in vergleichende Analysen zwischen den Fächern Englisch und Französisch einbezgen werden. Die eher ganz überwiegend psitiven 4/4

5 Aussagen zu dieser Sprache antwrten auf die Frage nach dem Unterricht einer Sprache, die man nch lernen will. Es ist nicht zu bezweifeln, dass das Spanische eine äußerst starke Nachfrage auf sich zieht, die sich mit der nach Französisch durchaus vergleichen lässt. Unter den Sprachen, die die Schüler nch zu lernen wünschen, sind zwar die rmanischen die Spitzenreiter, aber auch das Türkische stßen auf ein deutliches Interesse. Spracheninteressierte dehnen indes ihr Interesse auf viele weitere Sprachen aus. Prf. Dr. Franz-Jseph Meißner Christine M. Beckmann, Dipl.-Sprachenlehrerin Anna Schröder-Sura, Dipl.-Rmanistin 5/4

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