Empathie und prosoziales Verhalten

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1 Empathie und prosoziales Verhalten 1. Entwicklungskonzept der Empathie 2. Geschlechterspezifische Unterschiede der Empathie 3. Entwicklungsabhängige Veränderung im prosozialen Verhalten 4. Individuelle Unterschiede der Hilfsbereitschaft 1 / 19

2 Empathie 2 / 19

3 Entwicklungskonzept der Empathie Entwicklungspsychologische Konzepte von Piaget (moralische Entwicklung) und Kohlberg (moralisches Urteilen) inspirierten Selman nach Niveaus sozialer Perspektivenübernahme (Empathie) zu suchen: Niveau 0: Egozentrisch (3-8 Jahre) Keine Unterscheidung zwischen der eigene Interpretation und der der anderen Niveau 1: Differenzierte Perspektivenübernahme ( 5-9 Jahre) Unterscheidung zwischen eigener Perspektive und der der anderen 3 / 19

4 Entwicklungskonzept der Empathie Niveau 2: Selbstreflexive Perspektivenübernahme ( 7-12 Jahre) Wachsende Fähigkeit Gedanken und Handlungen aus der Sicht eines anderen zu betrachten Niveau 3: Gegenseitige Perspektivenübernahme (10-15 Jahre) Fähigkeit die Perspektiven als System wahrzunehmen Niveau 4: Gesellschaftlich Perspektivübernahme ( ab 12 Jahren) Gesellschaftliche, moralische Perspektiven anwenden Soziale Perspektivenübernahme gilt als einflussreicher Erfahrungsfaktor der moralischen Entwicklung Mit zunehmender kognitiver Reife erlangt man die Fähigkeit die Sichtweise eines anderen einzunehmen 4 / 19

5 Geschlechterspezifische Unterschiede der Empathie [Feshbach] Es gibt Unterschiede in der Empathie Empfindung und dem daraus resultierenden prosozialen Verhalten bei Kindern Faktoren : Geschlecht Natur des erlebten Affektes (Glücksgefühle, Stolz, Trauer, Angst) Intensität des erlebten Affektes Bei Jungen führen unbequeme empathische Erfahrungen dazu zu Helfen Starke euphorische Empathie führen zu Hyperaktivität und Aggressivität Mädchen verhalten sich prosozial, unabhängig von der Intensität und Natur des Affektes 5 / 19

6 Geschlechterspezifische Unterschiede der Empathie [Feshbach] Gründe: Mütterliche Erziehung trägt zur Empathie der Töchter bei Empathie korreliert positiv mit der mütterliche Toleranz, und Nachgiebigkeit, negativ mit Bestrafung und Ablehnung Väterliche Erziehung hat keine Auswirkungen auf Empathie empfinden der Töchter Empathie entwickelt sich auch durch Ihre Rollenidentifikation Väterliche Erziehung steigert das Konkurrenzdenken bei Söhnen und verringert die Empathie Empathie gehört nicht zum Rollenbild des Mannes Empathie bei Jungen durch kognitive Fähigkeiten im sozialen Verstehen 6 / 19

7 Entwicklungsabhängige Veränderung im prosozialen Verhalten Die Fähigkeit Sichtweisen eines anderen einzunehmen erklärt den altersbezogener Anstieg von prosozialem Verhalten Modell mit moralisch ansteigenden Motiven des prosozialen Verhaltens: (Bar-Tal et al. 1980) 1. Stufe: Auf Wunsch wird helfendes Verhalten gezeigt (Belohung/Strafe) 2. Stufe: Kind hilft auf Wunsch oder Anordnung einer Autorität 3. Stufe: Selbst initiiertes helfendes Verhalten, mit Erwartung einer Belohnung 7 / 19

8 Entwicklungsabhängige Veränderung im prosozialen Verhalten 4. Stufe: Helfendes Verhalten um soziale Anerkennung zu erhalten / soziale Anforderungen zu erfüllen (empathiefähig) 5. Stufe: Helfendes Verhalten mit dem Hintergedanken später selber Hilfe zubekommene (Reziprokes System) 6. Stufe: Freiwilliges helfendes Verhalten ohne Erwartung einer Belohung (Altruismus) Je weiter Kinder kognitiv und moralisch entwickelt sind, desto bereitwilliger und in größerem Ausmaß helfen sie. 8 / 19

9 Individuelle Unterschiede der Hilfsbereitschaft Warum, wann und wie sich Menschen prosozial Verhalten Aspekte prosozialen Verhaltens nach Eisenberg: 1. Aufmerksamkeit für die Bedürfnisse Anderer Persönliche und situative Faktoren, Sozialisation, Fähigkeiten 2. Motivationale Faktoren Gefühlslage, Kosten-Nutzen Überlegung, Selbstwahrnehmung 3. Hierarchie der persönlichen Ziele (Bewertung der Situation) (Un-)Moralische Ziele, Wünsche, Bedürfnisse 4. Absicht zu helfen Abhängig von Zielen und Situation 9 / 19

10 Individuelle Unterschiede der Hilfsbereitschaft 5. Verbindung zwischen Absicht und Verhalten Subjektive Nützlichkeit, soziale Erwartungen, Kompetenz 6. Konsequenz des prosozialen Verhaltens Verstärkung des Selbstbildes Zum Verständnis von prosozialem Handeln müssen sozial-, persönlichkeits-, und entwicklungspsychologische Ansätze integriert werden 10 / 19

11 Gibt es eine altruistische Motivation? 1. Modelle zur Erklärung von helfendem Verhalten 2. Schlussfolgerungen 11 / 19

12 Modelle zur Erklärung von helfendem Verhalten Aus Sicht der operanten Konditionierungs-, Psychoanalytischen und Humanistischen Theorie, entsteht ein Bild, des Menschen als eigennütziges Wesen. Frage: Wie sind Phänomene, des Helfens, Teilens, Spendens zu erklären Modelle zur Erklärung prosozialer Aktivität: Empathie-Altruismus Hypothese Reduktion eines unangenehmen inneren Zustands (Negative State- Relief Hypothese) Optimierung der Bekräftigungsbilanz des Akteurs 12 / 19

13 Modelle zur Erklärung von helfendem Verhalten Empathie-Altruismus Hypothese Empathie regt altruistische Motivation an Eigener Erlebniszustand kann nur durch Hilfehandlung verbessert werden Hilfe kann durch eigene Handlung, oder durch Dritte erfolgen 13 / 19

14 Modelle zur Erklärung von helfendem Verhalten Reduktion eines unangenehmen inneren Zustands Negativer Erlebniszustand durch: Diskrepanzen zwischen persönlichen Normen und dem tatsächlichen Handeln Helfen { Flucht / ablegen der Verantwortung 14 / 19

15 Modelle zur Erklärung von helfendem Verhalten Optimierung der Bekräftigungsbilanz des Akteurs Prosoziales Handeln durch Vermehrung von Belohnung oder Vermeidung von Bestrafung Die Hilfsbedürftigkeit des Opfers ist nur Stimulus, der anzeigt, dass Belohnung erworben / Bestrafung vermieden werden kann Bei positiver Kosten/Nutzen Bilanz erfolgt eine Hilfehandlung, ansonsten psychologische Schadensbegrenzung durch Flucht / ablegen der Verantwortung 15 / 19

16 Modelle zur Erklärung von helfendem Verhalten 16 / 19

17 Schlussfolgerungen Altruismus: Ich helfe anderen primär, um deren Lage zu verbessern Prosoziales Verhalten: Damit es mir besser geht helfe ich anderen Zusammenfassung: Intention von Handlungen sind nur indirekt nachweisbar Daher kann keine Aussage über die Existenz von Altruismus mit letzter Bestimmtheit getroffen werden Altruismus scheint Teil der menschlichen Natur zu sein, weil wir ein Empathie-Empfinden haben 17 / 19

18 Vielen Danke für die Aufmerksamkeit! 18 / 19

19 Literatur Empathie motivationale Grundlage prosozialen Verhaltens, Magisterarbeit von Margret Purrmann-Viedenz, Engelskirchen Gibt es eine altruistische Motivation?, Peter Borkenau, Psychologische Rundschau, / 19

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