predigt am , zu römer 16,25-27

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1 predigt am , zu römer 16, ehre aber sei ihm, der euch zu stärken vermag im sinne meines evangeliums und der botschaft von jesus christus. so entspricht es der offenbarung des geheimnisses, das seit ewigen zeiten von schweigen umhüllt war, 26 jetzt aber ans licht gebracht und durch prophetische schriften auf geheiss des ewigen gottes allen völkern bekannt gemacht wurde, um glaubensgehorsam zu schaffen. 27 ihm, dem allein weisen gott, sei durch jesus christus die ehre in ewigkeit, amen. liebe gemeinde, der heutige predigttext ist ein sogenannter lobpreis, eine doxologie, mit der gott gerühmt und geehrt wird. solche lobpreisungen häufig mit der formulierung ehre sei ihm kommen in der bibel an vielen stellen vor. oft am ende von bestimmten abschnitten. so enden die 5 psalmenbücher jeweils mit einer doxologie. oder paulus selbst mitten im römerbrief, am ende der kapitel 9-11, in denen er sich mit dem verhältnis von juden und nichtjuden in der gemeinde ausführlich befasst, schliesst er seine überlegungen mit einer doxologie, mit dem lobpreis gottes ab. und dann eben hier am ende des längsten paulusbriefes, des bedeutensten textes des neuen testaments auch ein: ehre sei gott. warum muss man denn gott solchermassen loben und ehren? hat er das nötig? braucht gott das lob der menschen? das wäre doch merkwürdig. gott braucht unser lob sicher nicht. 1

2 aber vielleicht brauchen wir es, dass wir gott die ehre geben, ihn loben und preisen. wie ist es bei uns? welche menschen werden mit einer doxologie bedacht? musiker beispielsweise werden mit beifall geehrt. lebensretter bekommen eine medaille. menschen, die der gesellschaft einen besonderen dienst erweisen, werden mit einem orden durch den bundespräsidenten gelobt. ganz besondere wissenschaftliche und künstlerische leistungen werden mit einem ordentlichen taschengeld aus dem erbe von herrn nobel aus schweden bedacht. in unserem doxologisieren, unserem lobpreisen und ehren drücken wir die anerkennung für besondere leistungen aus. dabei hat nicht nur derjenige das bedürfnis, der die leistung vollbracht hat, solcherart anerkannt zu werden. das ist ja nicht einmal immer der fall. es gibt auch bescheidene genies, die solche anerkennung gar nicht wollen. aber es gibt auf jeden fall ein bedürfnis der anderen, denjenigen zu ehren, der sich durch etwas besonderes hervorgetan hat. es gibt also ein menschliches bedürfnis, demjenigen, dem wir etwas verdanken, die ehre zu erweisen. dies gilt dann natürlich im besonderen mass für gott. denn ihm verdanken wir alles. ihm verdanken wir unser leben, unsere ganze existenz, ja die existenz des kosmos verdanken wir gott, dem schöpfer. 2

3 es ändert auch nichts daran, dass wir nicht so genau wissen, wie wir gott unsere existenz verdanken. es ändert auch nichts, wenn wir daran nicht glauben. kein mensch verdankt seine existenz sich selbst. wir sind im grundzug unseres wesens von einer anderen grösse abhängig, egal, wie wir sie benennen. auch die welt ist nicht durch uns entstanden wir sind höchstens in der lage, sie kaputt zu machen. sie zu schaffen, dazu sind wir nicht fähig. in allem wesentlichen sind wir abhängig von etwas ausserhalb von uns selbst. wenn wir uns dessen bewusst werden, dann können wir ins stauen kommen über die schöpfung, über all das, was ist und über unsere existenz selbst auch. dieses staunen darüber, wie wundervoll alles geschaffen ist, ist ein erster schritt des glaubens, des vertrauens darauf, dass gott es gut mit uns meint. der berühmte berliner theologe des 19. jahrhunderts, schleiermacher, beschrieb den glauben als gefühl schlechthinniger abhängigkeit. für ihn war es glaube, wenn man sich dessen bewusst ist, dass man abhängig ist in den wesentlichen dingen, z.b. der eigenen existenz. jeder, der sich das bewusst macht, glaubt an gott, so schleiermacher. es gibt also gute gründe, gott zu loben und zu preisen. zuerst deshalb, weil wir da sind, weil wir leben. aber es gibt auch ganz konkrete gründe. gründe der dankbarkeit, für das, was wir in unserem leben an wohltaten erfahren. 3

4 wir können dankbar dafür sein, dass wir auch in diesem neuen jahr wieder viele neue möglichkeiten haben, unser leben zu gestalten. wir können dankbar sein für die menschen, denen wir begegnen. wir können dankbar sein für die freude und inspiration, die wir erhalten durch die betrachtung von kunstwerken und das hören von musik. wir dürfen uns freuen über die gemeinschaft in unserer gemeinde. darüber, dass sich viele unterschiedliche menschen zusammengehörig fühlen in dieser von gott gestifteten gemeinschaft des glaubens. wir können uns auch erfreuen an den produkten der technischen und wissenschaftlichen kreativität des menschen, die wir ja letztlich auch gott verdanken, an moderner medizin, an kommunikationsmitteln, an allem, was das leben erleichtert. es wäre doch gut, wenn sich jeder mal am anfang dieses jahres darüber gedanken macht, wofür er oder sie ganz konkret im eigenen leben dankbar sein kann, bezogen auf dinge, die er nicht selber vollbringt, sondern die er anderen oder gott selbst verdankt. und dann kann man seine eigene doxologie formulieren. ein dankgebet an gott, ein lobpreis dessen, der uns in unserem leben so reich beschenkt hat, ein ehre sei gott, der mich ins leben gerufen hat. 4

5 bei paulus hier am ende des römerbriefes hat die doxologie auch ganz konkrete gründe: so entspricht es der offenbarung des geheimnisses, das seit ewigen zeiten von schweigen umhüllt war, jetzt aber ans licht gebracht und durch prophetische schriften auf geheiss des ewigen gottes allen völkern bekannt gemacht wurde. etwas schwer zu verstehen, aber was paulus zum lobpreis gottes hinreisst ist die tatsache, dass das geheimnis gottes nicht mehr nur dem volk israel, dem von gott erwählten volk, offenbart ist, sondern jetzt auch und zwar durch jesus von nazareth, allen völkern bekannt gemacht wurde. damit sind wir auch am 2. sonntag nach weihnachten noch einmal beim weihnachtsthema. in dem menschen jesus von nazareth, der wie jeder andere mensch geboren wird, kommt gott uns menschen menschlich nahe, weil jesus sein leben in gottes nähe, im unbedingten vertrauen auf gott gelebt hat. diese nähe gottes zu uns menschen ist nicht mehr nur auf ein volk beschränkt, so paulus, sondern ist ein angebot für alle menschen aus allen völkern, die an den messias gottes jesus christus glauben und gott so vertrauen, wie er ihm vertraute. für den juden paulus erfüllt sich damit der glaube seiner väter, der glaube seines volkes. dieser glaube war schon immer darauf ausgerichtet, dass irgendwann einmal alle völker zum zion, also nach jerusalem zum tempel, kommen und gott dort gemeinsam anbeten. 5

6 darin, dass sich der glaube jesu schon wenige jahre nach dessen tod und auferstehung rasant in der völkerwelt verbreitet hat, sieht paulus die bestätigung dieser alten hoffnung und verheissung. dies kann auch für uns heute noch grund zur freude und zum lobpreis gottes sein, denn dieser tatsache verdanken wir unseren jüdisch-christlichen glauben und unsere existenz als gemeinschaft der kirche. ihm, dem allein weisen gott, sei durch jesus christus die ehre in ewigkeit, amen. 6

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