Website-Entwicklung mit lokalem Apache Webserver

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1 Tutorials für die Website-Entwicklung 2007 René von Bulmerincq, Siteform Website-Entwicklung mit lokalem Apache Webserver 4 Warum brauche ich einen Webserver? Wenn Sie beginnen, Ihre erste Website zu bauen, planen Sie vermutlich, Ihr Ergebnis am Ende auch zu veröffentlichen. Die News-Rubrik Ihrer neuen Website erreichen Sie dann z.b. mit dem URL Solange Sie Ihre Seiten ohne lokal installierten Webserver entwickeln, werden Sie dieselbe Seite auf Ihrem System (ich gehe der Einfachheit halber von Windows aus) vielleicht mit C:\Eigene Dateien\meine websites\example.com\news\index.html aufrufen. Alles klappt: Die Bilder werden angezeigt, Ihre internen Links funktionieren. Und wenn Sie alles richtig gemacht haben, klappt das auch im Web. Aber wieso taucht in unserer obigen URL der Dateiname index.html nicht auf? Und weshalb klappt plötzlich nichts mehr mit dem kopierten Web Ihres Freundes, welches Sie überarbeiten sollen? Weil es mehr Verlinkungsarten als die dokumentrelative Verlinkung gibt (die Sie wohl benutzt haben, aber nicht Ihr Freund), und weil es keine gute Idee ist, auf den Dateinamen index.html zu verlinken, brauchen Sie einen Webserver bei der Entwicklung Ihrer Site. Spätestens, wenn Sie mit fortgeschrittenen Kenntnissen dynamische Websites bauen, geht es ohne Webserver nicht mehr. Erst ein lokal installierter Webserver erlaubt es Ihnen, Ihre Seiten unter den gleichen Bedingungen wie im Web zu testen. Sie können die Vorteile aller Verlinkungsarten (dokumentrelativ, stammrelativ, absoluter URL) ausnutzen, Sie können direkt auf ein Verzeichnis linken, ohne den Dateinamen der Startseite anzugeben, und Sie sind einen großen Schritt weiter auf dem Weg zum Website-Profi.

2 4 Apache auf Windows installieren Den Webserver, auf dem vermutlich auch Ihre Website später laufen wird, finden Sie auf Laden Sie für Windows das aktuelle.msi-release dieser freien Software herunter und starten Sie die Installation mit einem Doppelklick auf die.msi-datei. Wir wählen durchweg die Standard-Installationsroutine und bekommen es nur mit einem Fenster zu tun, welches näher erklärungsbedürftig ist: Sofern Ihr Apache in die Eingabefelder noch nicht selbst alles eingetragen hat, weil er die Daten aus Ihrem System auslesen konnte, tragen Sie folgendes ein: 1. Die Network Domain ist localhost 2. Der Server Name ist ebenfalls localhost 3. Die Administrator- -Adresse muss irgendeine Adresse im gültigen - Format sein. 4. Wir installieren den Webserver als Windows-Service auf dem Standard-Port 80. localhost ist der Domainname, über den Sie einen lokal installierten Webserver erreichen. Wenn Sie die Installationsroutine anschließend mit den Standardeinstellungen zu Ende bringen, geben Sie nach erfolgreicher Installation in die Adresszeile Ihres Browsers ein. Wenn die öffnende Webseite Ihnen It works! vermeldet, sehen Sie gerade die Startseite Ihres Webservers. Zwar sehen die Startseiten von spiegel.de oder apple.com (noch) spannender aus, aber nun hat auch Ihr Rechner eine Internetadresse: Mit diesem URL rufen Sie Ihre eigene Website von Ihrem eigenen Webserver auf. Allerdings funktioniert das nur lokal auf Ihrem Rechner, aber mehr brauchen wir ja gar nicht für die professionelle Web- Entwicklung Das kleine Icon unten rechts im Systemtray mit dem Play-Pfeil und der Apache-Feder zeigt Ihnen übrigens ebenfalls, dass Ihr Webserver aktiv ist.

3 4 Mehr als ein lokales Web verwalten Der Gedanke liegt nahe, das Verzeichnis auf Ihrer Festplatte zu lokalisieren, in dem sich die 'It works!'-seite befindet und diese Seite einfach gegen Ihre eigene Webseite auszutauschen. Wir werden es aber besser machen! Die Startseite Ihres Apache finden Sie in einem Verzeichnis namens htdocs (= Hypertext Documents) unterhalb des Installationsverzeichnisses. Bei der Standardinstallation sollte der Pfad zu Ihrer Startseite "C:\Programme\Apache Software Foundation\Apache2.2\htdocs\index.html" lauten. Dies ist die Webseite, die Sie mit bekommen und das Verzeichnis htdocs, aus dem diese Seite stammt, ist der sogenannte Document Root, das Dokumenten-Stammverzeichnis. Alles, was Sie jemals über Ihren Webserver erreichen können, kann nur unterhalb des Document Root liegen. Windows konfigurieren Wenn Sie in das htdocs-verzeichnis Ihre eigenen Webseiten packen, können Sie nie mehr als genau ein Web gleichzeitig entwickeln. Wir werden uns deshalb einen Entwicklungsordner auf der Festplatte anlegen und dem Apache beibringen, wo sich die verschiedenen 'Document Root'-Verzeichnisse unserer Websites befinden und mit welchen Adressen/URLs die jeweiligen Startseiten aufgerufen werden können. Dazu bringen wir im Vorfeld Windows bei, dass es auf unserem Rechner noch mehr Domainnamen als 'localhost' geben soll, mit denen wir unseren lokalen Webserver erreichen. Die Datei, welche wir hierfür mit einem Texteditor, wie z.b. Notepad++ (http://notepad-plus.sourceforge.net/ ), editieren müssen, heißt 'hosts' und befindet sich unter Windows XP im Verzeichnis C:\WINDOWS\system32\drivers\etc. In dieser Datei sind alle Zeilen, die mit einer Raute (#) beginnen, Kommentare, die von Windows nicht berücksichtigt werden. Die einzige Zeile ohne beginnende Raute lautet: localhost Richtig: Hier erfährt Windows, dass zu der Standard-Netzwerk-IP des eigenen Systems der Domainname localhost gehört. Wir fügen nun in jeweils einer neuen Zeile die Domainnamen unserer zu entwickelnden Websites dieser IP hinzu. Unsere neue hosts- Datei könnte danach so aussehen:

4 Ich habe bewusst dev.example.com statt gewählt, damit ich die existierende Website weiterhin im Web erreichen kann. Mit dev.example.com (dev = development) erreiche ich nämlich gleich nur noch meinen lokalen Webserver. Starten Sie Ihren Apache neu, in dem Sie mit der linken Maustaste auf das Apache-Icon im Systemtray klicken und Apache2 Restart auswählen. Ihr Webserver zeigt Ihnen seine 'It works!'-seite jetzt auch an, wenn Sie im Browser 'dev.example.com' oder 'dev.mywebsite.de' eingeben. Unsere beiden neuen Entwicklungs-Websites sollen jedoch ihren eigenen Document Root und damit auch ihre eigene Startseite besitzen. Wir legen dazu ein Entwicklungsverzeichnis auf unserer Festplatte an, z.b. C:\websites. Das Verzeichnis 'websites' enthält wiederum für jedes Projekt einen Unterordner, der idealerweise den Domainnamen des zu entwickelnden Webs trägt, z.b. dev.example.com. Dem Projektordner geben wir mit einem Unterordner htdocs jetzt auch noch sein 'Document Root'-Verzeichnis. Das ganze könnte dann so aussehen:

5 Apache konfigurieren Damit Ihr Apache-Server lernt, dass es mittlerweile drei lokale Domainnamen gibt (localhost, dev.example.com, dev.my-website.de) und alle drei Domains ihr eigenes 'Document Root'-Verzeichnis htdocs besitzen, müssen wir in zwei seiner Konfigurationsdateien ein paar Einträge hinzufügen. Unsere lokalen Domains heißen in der Webserver-Terminologie Virtual Hosts und die Konfigurationsdateien unseres Apache finden Sie in seinem Installationsverzeichnis im Unterordner 'conf'. Öffnen Sie mit unserem Texteditor als erstes die httpd.conf und suchen Sie die Stelle mit dem Text " # Note that from this point forward". Die Raute (#) am Zeilenanfang kennzeichnet wieder einen Kommentar und am Ende dieses mehrzeiligen Kommentars fügen wir eine sogenannte Directory-Anweisung ein: Mit dem Platzhalter * bestimmen wir für alle Unterverzeichnisse von c:\websites, also unsere Projekte, folgendes: AllowOverride All erlaubt uns, innerhalb unserer Projektverzeichnisse mit einer Konfigurationsdatei namens.htaccess die globale Serverkonfiguration zu überschreiben. Dies benötigen wir im Augenblick noch nicht, allerdings kann es später für Sie mal eine wertvolle Option sein. Order allow,deny / Allow from all gestattet uns, überhaupt auf unsere Virtual Hosts zuzugreifen. DirectoryIndex index.html index.htm index.php definiert die Startdatei, die beim Aufruf eines Verzeichnisses vom Webserver geliefert wird. In diesem Fall schaut unser Apache zuerst nach einer index.html, dann nach einer index.htm und abschließend nach einer index.php. Sollte er keine dieser Dateien im aufgerufenen Verzeichnis finden, wird er Ihnen ein 'Forbidden' anzeigen. Ist Ihnen übrigens aufgefallen, dass wir in der Apache-Konfiguration nicht mehr den unter Windows üblichen Backslash als Verzeichnistrenner benutzen, sondern immer den unter Unix üblichen Slash? Als nächstes suchen Sie die Zeile " #Include conf/extra/httpd-vhosts.conf" und entfernen die Raute am Anfang der Zeile: Unser Apache weiß nun, in welcher Datei er die Definitionen unserer 'Virtual Hosts' findet.

6 Öffnen Sie jetzt mit dem Texteditor die httpd-vhosts.conf im Verzeichnis extra und suchen Sie die Zeile ' NameVirtualHost *:80'. Diese Zeile darf kein Kommentarzeichen (#) am Anfang haben: Sie finden in dieser Datei weiter unten eventuell 'Virtual Host'-Beispiele, die Sie auskommentieren sollten. Direkt im Anschluss definieren wir dann unsere drei virtuellen Hosts 'localhost', 'dev.example.com' und 'dev.my-website.de': Jetzt haben wir mit drei sogenannten VirtualHost-Containern die jeweiligen 'Document- Root'-Verzeichnisse für die entsprechenden Domains definiert und unser Apache weiß nun, welche Inhalte bei welchem Domainaufruf geliefert werden. Der Pfad zum Document-Root unserer Standard-Domain localhost steht in Anführungszeichen, damit er trotz der Leerzeichen im Pfad als zusammenhängende Zeichenkette erkannt wird. Übrigens ist ein Tippfehler in diesen Pfadangaben eine häufige Ursache dafür, dass Ihre virtuelle Domain nicht funktioniert. Überprüfen Sie in solch einem Fall als erstes, ob Pfadangaben in der httpd-vhosts.conf und die tatsächlich von Ihnen angelegten Verzeichnisse übereinstimmen! 4 Testen Sie Ihre lokalen Websites Nachdem Sie alle Änderungen in den Konfigurationsdateien gespeichert haben, müssen Sie Ihren Apache neu starten, damit er die Neuigkeiten in seinen Dateien mitbekommt. Und falls Sie beim Aufruf einer Ihrer neuen lokalen Domains nur ein 'Forbidden' erhalten, geht das übrigens in Ordnung Sie müssen noch eine index.html in Ihr 'Document-Root'- Verzeichnis legen. Viel Spaß bei der Website-Entwicklung!

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