Fairtrade-Baumwolle. Ein gewinn für alle.

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1 Fairtrade-Baumwolle Ein gewinn für alle.

2 Liebe Leserin, lieber Leser, InhaltsVerzeichnis S. 3 Vorwort Heinz Fuchs S. 4 Symbol großer Hoffnung S. 5 Die leidvolle Geschichte des weißen Goldes S. 7 Warum Fairtrade-Baumwolle? S. 8 Fairtrade-Patin Cosma Shiva Hagen S. 9 Biologischer Anbau statt Gentechnologie S. 10 Was wollen Konsumenten? S. 11 Kinderarbeit in der Baumwollproduktion S. 12 Fairtrade-Standards für Baumwolle S. 14 Was Fairtrade-Zertifizierung bedeutet S. 15 Inspektion und Entwicklung S. 16 Die Fairtrade-Prämie S. 17 Delphine Zoungrana: Mein Engagement beeindruckt viele S. 18 Fairtrade-Baumwolle weltweit S. 19 Produkte aus Fairtrade-Baumwolle S. 20 Blick in die Textilkette S. 21 Besuch einer Näherei in Indien S. 22 Perspektive Konkrete Hilfe in Camplan S. 23 Heidemarie Wieczorek-Zeul im Gespräch: Der Faire Handel ist eine große Erfolgsgeschichte S. 24 Warum die Gewerkschaften Fairtrade unterstützen S. 25 Die Herausgeber impressum S. 26 Information und Aktion S. 27 Baumwollfilm Bildnachweise Baumwolle ist die bedeutendste Natur-Textilfaser, doch in ihrer Produktion und Vermarktung steckt viel Leid. Die Bauern und Bäuerinnen in den Entwicklungs ländern, vor allem auf dem afrikanischen Kontinent, fordern seit Jahren den Abbau milliardenschwerer Subventionen in den Industrienationen. Bisher vergeblich. Nach wie vor sind die lokalen Marktpreise für Baumwolle so niedrig, dass viele Produzenten von dem Er lös nicht überleben können. Umwelt und Gesundheit sind ebenfalls gefährdet. Im Wettlauf um Pro - duktivität setzen sie teure und gesundheitsgefährdende Pestizide und Dünger ein. Vorwort Mit der Einführung von Fairtrade-Baumwolle in Deutschland verschwinden nicht gleich alle Probleme auf Feldern, in Fertigungshallen und Produktionsstätten in der Textilkette. Wir können aber zum wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Fortschritt beitragen und gleichzeitig Handelsgerechtigkeit fordern. Dabei geht es auch darum, gegen ausbeuterische Arbeitsverhältnisse von Kindern und Arbeiterinnen aktiv vorzugehen. Fairtrade bietet den Bauern und Bäuerinnen die Chance, ihr Einkommen zu verbessern und Zugang zu Bildung, gesundheitlicher Versorgung und einem menschenwürdigen Leben zu finden. Dieter Overath, Geschäftsführer von TransFair, zu Gast in Dano. TransFair besuchte 2007 Baumwollkooperativen in Burkina Faso. Viele Geschichten, Bil - der und Eindrücke in dieser Broschüre stammen von dieser Reise. Mit dem Siegel Fairtrade certified cotton konzentrieren wir uns auf den Rohstoff als Ausgangspunkt der textilen Kette. Die Situation der Produzenten von Baumwolle steht bei uns im Mittelpunkt. Die Weiterverarbeitung wird jedoch nicht außen vor gelassen: Spinnereien, Webereien und Konfektionäre müssen mindestens die Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) einhalten. Tr a n sfa i r betont mit diesem Engagement seine entwicklungspolitische Rolle. Das Fairtrade-Siegel steht für armutsmindernde Wirkung. Mit dieser Broschüre wollen wir Konsumentinnen und Konsumenten zeigen, wie die Baumwollproduktion, der Handel mit Baumwolle und die gesamte Textilkette fairer zu gestalten ist. Ziel ist es, Konsumentinnen und Konsumenten jeden Tag die Möglichkeit zu geben, sich für fair gehandelte Produkte und damit für soziale Entwicklung und die Einhaltung elementarer Menschenrechte zu entscheiden. Sie helfen dabei mit, indem Sie bei Ihrem Händler, in Textilgeschäften und Supermärkten immer wieder nach Produkten mit dem Fairtrade-Siegel fragen. Ihr Heinz Fuchs Evangelischer Entwicklungsdienst, Vorstandsvorsitzender Tr a n sfa i r e.v. 2 FAIrtrade-Baumwolle Fairtrade-Baumwolle 3

3 Symbol grosser Hoffnung Von François Traoré Die Baumwolle ist ein Symbol großer Hoffnung für den afrikanischen Kontinent, aber gleichzeitig auch ein politisches Konfliktfeld. In den vergangenen Jahrzehnten sind sich die afrikanischen Bauern und Bäuerinnen über die Bedeutung der weißen Blüte in ihren Ländern und der Welt bewusst geworden. Mehr als zehn Prozent der weltweiten Jahresexporte stammen aus afrikanischen Ländern. Doch seit Jahren steckt unsere Baumwollwirtschaft in einer tiefen Krise: Sie leidet vor allem unter ungerechten Subventionen, die den Produzenten im Norden des Erdballs zugute kommen. Diese Zuschüsse haben eine dauerhaft senkende Wirkung auf die Baumwollpreise am Weltmarkt. Aufgrund fehlender Einnahmen können viele afrikanische Bauern und Bäuerinnen ihre Kredite nicht mehr bezahlen. Zudem lassen die Verhandlungen in der Welthandelsorganisation kein positives Signal erkennen. Dabei spielt die Baumwolle gerade für westafrikanische Länder wie Burkina Faso, Mali oder die Elfenbeinküste eine entscheidende Rolle im Kampf gegen Armut. Ein positives Beispiel: Das Fairtrade-Programm mit Biobaumwolle in Burkina Faso gibt den Menschen neue Hoffnung. In diesem Projekt werden die Bäuerinnen und Bauern durch Fachleute im biologischen Anbau geschult. Ihre Einnahmen und eine Prämie für die Entwicklung gemeinschaftlicher Infrastruktur sind garantiert. Allerdings kann bisher nur ein Bruchteil der afrikanischen Baumwollproduzenten am Fairen Handel teilhaben. Nur Beschlüsse, die von internationalen Entscheidungsträgern gefällt werden, können den Menschen wirklich helfen und die Situation vor Ort verbessern. Das Ziel muss sein, den Millionen Bauern und Bäuerinnen zu ermöglichen, von ihrer eigenen Arbeit leben zu können. Die leidvolle Geschichte des weissen Goldes François Traoré, Dr. h.c., Präsident der Vereinigung afrikanischer Baumwollerzeuger, APROCA, und der Baumwollbauern-Union Burkina Faso, UNPCB. Es hat Jahrtausende gedauert, bis aus den Samenhaaren der Malvenpflanze, die nur in subtropischen und tropischen Regionen wächst, das global begehrte weiße Gold wurde. Baumwolle war in Europa noch unbekannt, als sie in der Neuen Welt schon längst den Rohstoff für Kleidungsstücke lieferte. So fanden sich in einer Höhle im Tal nahe der mexikanischen Stadt Tehuacán sogar Baumwollkapseln und Textilien, die auf etwa vor Christi datiert werden konnten. Auch in Indien und dem heutigen Pakistan nutzte man die Pflanze lange vor Einführung in Europa. Erst im 18. Jahrhundert wurde Baumwolle zur nennenswerten Handelsware: Neue Maschinen zum Entkernen 1 und Spinnen erleichterten die sonst extrem aufwendige Verarbeitung der Samenhaare zu Fäden. Aus Indien und später auch Nordamerika wurden immer größere Mengen importiert. Bis ins 20. Jahrhundert war Baumwolle das wichtigste Exportgut der USamerikanischen Südstaaten. Dort hatten Plantagenbesitzer im 19. Jahrhundert ihr Geschäft auf dem menschenverachtenden Einsatz afrikanischer Sklaven errichtet gab es in den so genannten Konföderierten Staaten 3,5 Millionen Sklaven unter den insgesamt 9,1 Millionen Bewohnern. Die Baumwollpflücker wurden körperlich ausgebeutet und seelisch misshandelt, Hunderttausende starben als Folge der Sklaverei. Heute wird die Pflanze auf einer weltweiten Gesamtfläche von etwa 33,6 Millionen Hektar angebaut was etwa zwei Prozent des weltweit kultivierten Ackerlandes ausmacht. In Zeiten der Konkurrenz durch synthetische Fasern geht die Fläche zur Baumwollproduktion allerdings zurück. Weltweit wurden 2007/8 geschätzte 26,945 Millionen Ton - nen Baumwolle produziert ein auch über die vergan genen Jahre recht konstanter Wert. Die Volksrepublik China (8,127 Mio. Tonnen) und Indien (5,642 Mio.) sind die Nationen mit der größten Baumwollproduktion. China ist überdies auch der weltweit führende Importeur (3,2 Mio. Tonnen), was an der florierenden Textilindustrie liegt. Größte Exporteure sind die USA (3,556 Mio.), Indien (1,236 Mio.), 1 Das Trennen der Samenkerne von den Samenhaaren. 4 FAIrtrade-Baumwolle Fairtrade-Baumwolle 5

4 Usbekistan (887 Mio.) und die westafrikanische Franc-Zone 1 (667 Mio.). Der Marktanteil in Afrika hat sich in den vergangenen drei Jahrzehnten verdoppelt, denn nur dieses Produkt verspricht einen Zugang zum Weltmarkt. Etwa 15 Millionen Kleinbauernfamilien leben in Westafrika von der Baumwolle. Ohne diese Einnahmen droht ihnen ein Leben in Armut, denn die Kleinbauern verdienen deutlich weniger als das jährliche Pro-Kopf-Einkommen, das regional zwischen 700 und 1800 US-Dollar variiert. Das Geschäft mit der Baumwolle erlebte 1871 eine institutionelle Revolution: Damals nahm die erste Baumwollbörse im führenden Umschlagplatz New Orleans ihre Arbeit auf. Sie sollte den chaotischen Markt übersichtlich machen. Entsprechende Börsen entstanden auch an den Häfen und Handelsstandorten New York, Liverpool und Bremen. Bis heute gibt es keinen Weltmarktpreis, sondern lokal sehr unterschiedliche Preise. Der garantierte Mindestpreis bei Fairtrade orientiert sich nicht an Börsennotierungen, sondern an Produktionskosten, Qualität und Region und nimmt dabei Rücksicht auf die schwierigen Ausgangsbedingungen der Bauern und Bäuerinnen in den Entwicklungsländern. Heute gehört Baumwolle, wie die meisten anderen Agrar-Rohstoffe, zu den rege gehandelten Titeln an den Waren-Terminbörsen. Die Preise unterliegen gewaltigen Schwankungen. In der Welthandelsorganisation ist das Thema Baumwolle eines der strittigsten, vor allem weil die Produzenten in Entwicklungsländern sich durch Subventionen in Industriestaaten benachteiligt sehen. 1 Die Länder im Einzelnen: Burkina Faso, Mali, Benin, Kamerun, Tschad, Elfenbeinküste und Togo. Warum Fairtrade-Baumwolle? Baumwolle ist mit Abstand die wichtigste Naturfaser. Allein in Produktion, Transport, Lagerung sind rund 350 Millionen Menschen beschäftigt. Mittlerweile ist Baumwolle an der New Yorker Terminbörse ein begehrtes Spekulationsobjekt. Dies kann dazu führen, dass der Terminmarkt seine Funktion zur Preisfindung und Absicherung verliert mit grossen Risiken für die gesamte Baumwollwirtschaft. Jan B. Wellmann, Geschäftsführender Direktor der Bremer Baumwollbörse Wenn Diplomaten in der Welthandelsorganisation WTO um verbindliche Regelungen ringen, gehört die Baumwolle seit Jahren zu den hoch sensiblen Themen. Auf entscheidende politische Durchbrüche warten insbesondere afrikanische Entwicklungsländer noch immer vergeblich. Subventionen und Einfuhrbeschränkungen im Norden machen den Bauern im Süden das Leben noch schwerer. Den jährlichen Verlust durch US-Subventionen allein für die so genannten C4-Staaten ein Zusammenschluss der Länder Benin, Burkina Faso, Tschad und Mali beziffern unterschiedliche Studien auf 43 bis 126 Millionen Dollar. In den USA erhalten die Baum wollbauern zwischen zwei und drei Milliarden US-Dollar jährlich an Zuschüssen, in der EU (Spanien und Griechenland) sind es etwa 275 Millionen Euro. So bleiben die Bauern aus Industriestaaten wettbewerbsfähig und der durchschnittliche lokale Marktpreis für Baumwolle bleibt niedrig. Für die Bauern im Süden dagegen sinken die Margen wenn sie nicht gar ein Verlustgeschäft machen. Der Faire Handel mit Baumwolle soll helfen, diesen Kreislauf zu durchbrechen. Schon seit einigen Jahren ist Fairtrade in diesem Bereich aktiv: Die Siegelinitiativen Max Havelaar in Frankreich und der Schweiz sowie die Fairtrade Foundation in Großbritannien vermarkten bereits seit 2005 Textilien mit Fairtrade-Baumwolle. Zu den Bezugsquellen gehören Handels ketten wie Marks & Spencer, La Redoute und Migros. Im Mittelpunkt stehen die Baumwollbauern, die sich zu Kooperativen zusammenschließen. So erhielten zum Beispiel Fairtrade-Produzenten in Burkina Faso 2007 pro Kilogramm Baumwolle einen festen Mindestpreis von 0,42 Euro im Vergleich zum üblichen Marktpreis von 0,22 Euro. Außerdem fließen 5 Cent pro Kilogramm Baumwolle, die Fairtrade-Prämie, in Gemeinschaftsprojekte der Bauern- Koope rative: Projekte wie Brunnen, Gesundheitsfürsorge und Schulausstattung können daraus finanziert werden. Fairtrade fördert zudem den biologischen Anbau und zahlt einen Bio-Aufschlag. Bauern erhalten Unterstützung bei der Umstellung auf Bio-Anbau. In Westafrika und Indien ersetzen bereits viele Produzenten chemisch-synthetisch hergestellte Düngemittel und Pestizide durch organische Dünger und standortgerechte Bewirtschaftung. Statt Unkrautvernichtungsmitteln werden Nützlinge angepflanzt. Auch ressourcen- und ener- 6 FAIrtrade-Baumwolle Fairtrade-Baumwolle 7

5 gieschonende Wasserbewirtschaftung werden gefördert. Im konventionellen Anbau haben Pestizide oft einen nicht kalkulierbaren Einfluss auf die Gesundheit. Viele Menschen leiden unter Atemproblemen und Hautkrankheiten, bei Frauen ist das Risiko einer Fehlgeburt erhöht. Entwicklungsorganisationen wie die Schweizer Helvetas kooperieren mit Fairtrade und Produzentenvereinigungen, um der Landbevölkerung notwendiges Wissen über nachhaltige Anbaumethoden zu vermitteln. Ein Modell, das Schule macht: Allein in Burkina Faso verdreifachte sich die Produktion von Fairtrade-Bio-Baumwolle zwischen 2006 und Viele Frauen haben die Produktion von Bio-Baumwolle aufgenommen, bewirtschaften eigene Flächen und organisieren sich in Kooperativen. So entstand der Begriff Frauen-Baumwolle als Synonym für die biologisch angebaute Baumwolle. Zwar bleibt diese Produktionsweise bislang eine Nischenerscheinung aber doch eine mit Signalwirkung für Landbevölkerung, Weltmärkte und Konsumenten. Fairtrade-Mindestpreis für Baumwolle Der Mindestpreis für Baumwolle ist abhängig von der Anbauregion und der Baumwollsorte. Für Baumwolle mit normaler Stapellänge bekommen Bauern in Westafrika 0,42 Euro pro Kilogramm Baumwolle. In Südasien bekommen die Bauern 0,38 Euro. Die Fairtrade-Prämie beträgt 0,05 Euro pro Kilogramm Baumwolle. Für Baumwolle in Bio-Qualität werden höhere Mindestpreise gezahlt, die je nach Region zwischen 0,43 und 0,61 Euro pro Kilogramm Baumwolle liegen. Eine Auflistung aller Fairtrade-Baumwollpreise finden Sie unter Biologischer Anbau statt Gentechnologie Fairtrade-Patin Cosma Shiva Hagen Bei Fairtrade stimmt nicht nur das Styling, sondern auch das Konzept dahinter. Während man sich mit so oberflächlichen Dingen wie Klamotten beschäftigt, kann man gleichzeitig dazu beitragen, dass Menschen nicht mehr ausgebeutet werden. Und man weiss, wo das, was man kauft, herkommt. Ich hoffe wirklich sehr, dass sich viele Menschen damit auseinandersetzen und dieses Angebot wahrnehmen. Cosma Shiva Hagen, Schauspielerin Von Landwirtschaft mit gentechnisch modifizierten Pflanzen versprechen sich immer mehr Bauern Vorteile: Die Pflanzen seien widerstandsfähiger gegen Schädlinge und erforderten weniger Pestizide. Doch der Fortschritt birgt gewaltige Risiken, die viele individuelle Schicksale negativ beeinflussen. Das Beispiel Indien zeigt es: Einerseits ist die Produktivität als Folge der Gentechnik-Baumwolle angestiegen. Die Gesamtproduktion verdoppelte sich im letzten Jahrzehnt, die Exporte schnellten binnen vier Jahren auf das Zehnfache ihres Ausgangswerts. Andererseits gab es viele persönliche Katastrophen in Folge mangelnder Aufklärung, wie die Tr a n sfa i r-mitgliedsorganisation Brot für die Welt über die vergangenen Jahre beobachtet hat. Ein Hauptproblem ist, dass Biotech (BT)-Baumwolle mindestens dreimal soviel Wasser wie herkömmliche Pflanzen braucht. Die Felder waren für diese Saaten, vor allem wegen fehlender Bewässerung, schlecht geeignet. Gleichzeitig sanken die Marktpreise für Baumwolle immer weiter in den Keller. Dadurch landeten viele Produzenten in der Schuldenfalle. Ein Extrembeispiel sind die Baumwollhochburgen im westindischen Maharashtra. Dort stellten viele Bauern auf BT-Saaten um, hatten aber nicht genügend Wasser. Es gab dramatische Ernteausfälle und eine ansteigende Selbstmord-Welle unter verschuldeten Bauern. In der Region Vidarbha nahmen sich allein 2006 mehr als 1000 Landwirte das Leben ein Selbstmord alle sechs Stunden. Brot für die Welt nennt eine weitere Ursache für die Verschuldung: Ursprünglich konnten die Bauern eigenes Saatgut nachzüchten und organischen Dünger wie Kompost einsetzen. Das verursachte nur geringe Kosten. Mit BT-Pflanzen müssen sie Saaten und chemische Dünger auf Kreditbasis kaufen. Die Abhängigkeit von Pflanzenzüchtern steigt, denn die BT-Saat muss jedes Jahr neu gekauft werden. Neu sind außerdem widerstandsfähigere Schädlinge, die die Ernte zerstören. Können die Bauern aus diesen Gründen ihre Kredite nicht mehr zurückzahlen, wird ihr Land gepfändet und sie verlieren jegliche Perspektive. Fairtrade schließt grundsätzlich wegen der Risiken für Mensch und Umwelt den Einsatz von gentechnisch verändertem Saatgut aus. 8 FAIrtrade-Baumwolle Fairtrade-Baumwolle 9

6 Was wollen Konsumenten? Kinderarbeit in der Baumwollproduktion Kunden wollen ihre Kleidung mit gutem Gewissen tragen ein deutlicher Trend, der sich in der Bekleidungsindustrie abzeichnet. Einer Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GFK) zufolge sind über 80 Prozent der Deutschen für das Thema Socialwear sensibilisiert, 25 Prozent davon sogar sehr stark. Dabei steht die Umweltverträglichkeit nicht im Vordergrund. Für mehr als 80 Prozent der Käufer ist es entscheidend, dass Arbeiterinnen bei der Produktion nicht ausgebeutet wurden und dass die Kleidung nicht aus Kinderarbeit stammt. Die Umfragewerte der GFK im Bereich der Socialwear zeigen: Zwei Drittel der Kunden erklären sich bereit, bei gleichem Preis und vergleichbarer Qualität solche Kleidung vorzuziehen, die entsprechende Sozialstandards erfüllt. Leider spiegeln sich die Umfrageergebnisse nicht in dem Angebot der Bekleidungsgeschäfte wider. Nach Textilien aus Fairtrade-Baumwolle suchen Kunden in den meisten Geschäften noch vergebens. Eine Studie des Marktforschungsinstituts Nielsen in Österreich zeigt, dass Kunden ein einheitliches Siegel für Textilien wünschen. Jüngere, Besserverdienende und Akademiker wären auch bereit, geringfügig mehr für Kleidung auszugeben, wenn sie fair produziert wird. Auch das konstante Wachstum bei Fairtrade in Deutschland spricht für diesen Trend: 2007 steigerte sich der Absatz von Fairtrade-Produkten um 33 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das passt ins Bild der internationalen Dynamik: Für immer mehr Menschen sind nicht nur der Preis und die Qualität von Produkten, sondern zunehmend auch die Herstellungs- und Verarbeitungsbedingungen kaufentscheidend. Seit 2003 setzt sich die TransFair-Mitgliedsorganisation Welthungerhilfe mit der internationalen Kampagne Stopp Kinderarbeit! Schule ist der beste Arbeitsplatz für das zweite Millenium-Entwicklungsziel ein: das Recht eines jeden Kindes auf den Besuch einer guten staatlichen Tagesschule. Mit Informationsmaterialien und Veranstaltungen in der Öffentlichkeit soll der Zusammenhang zwischen der Abschaffung von Kinderarbeit und dem Zugang zu Grundbildung aufgezeigt werden. Informationen über die Kampagne finden Sie unter Interview mit Gerd Billen, Vorsitzender des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen Warum achten Verbraucher beim Kleidungskauf immer häufiger auf ethische Standards? Viele Verbraucher haben erkannt, dass beispielsweise Klimawandel und Umweltverschmutzung globale Herausforderungen sind und dass sie durch ihre Konsumentscheidungen Einfluss nehmen können. Allerdings sind die Verbraucher nicht bereit, bei fair erzeugten Textilien Abstriche im Hinblick auf Qualität und Ästhetik hinzunehmen. Daher stehen die Hersteller von fair erzeugter Kleidung vor der Herausforderung, nicht nur ethisch korrekt zu produzieren, sondern auch modische Ware herzustellen. Ist dieses Käuferverhalten ein kurzfristiger Trend oder der Anfang einer anhaltenden Entwicklung? Nachhaltig erzeugte Produkte und Dienstleistungen werden in den letzten Jahren zunehmend nachgefragt. Verbraucher sind aber nur bedingt bereit oder in der Lage, hierfür Preisaufschläge zu zahlen. Sie tun dies nur dann, wenn glaubhaft nachgewiesen wird, das Umwelt und Arbeitnehmer davon profitieren. Dieses Vertrauen darf nicht erschüttert werden. Mit Sorge nehmen wir zur Kenntnis, dass eine Reihe von Unternehmen ihren Aktivitäten lediglich einen grünen Anstrich verleihen. Ist es für den Kunden wirklich transparent, dass seine Kaufentscheidung den Produzenten zugute kommt? Auf Verbraucherorganisationen und Nichtregierungsorga nisationen kommt bei der Überprüfung der Aktivitäten der Unternehmen eine wichtige Rolle zu. Schließlich kann der Verbraucher selbst nicht kontrollieren, ob seine Kaufentscheidungen auch tatsächlich den Produzenten zugute kommen. Er kann nur auf die Glaubwürdigkeit des Engagements der Unternehmen vertrauen und auf eine kritische Öffentlichkeit hoffen. Kinder, die ihre Körper schinden, um die globale Nachfrage nach Textilien zu befriedigen: Eine schmutzige Realität und ein eklatanter Verstoß gegen internationale Übereinkommen. Die Fairtrade-Standards schließen illegale Kinderarbeit aus. Die meisten Kinderarbeiter weltweit gibt es in der Landwirtschaft und zwar in jenen Teilen der Bevölkerung, in denen die Bildungsarmut besonders groß ist. Laut der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) sind es 132 Millionen Kinder, die in der Landwirtschaft arbeiten, mehr als eine Millionen arbeiten unter besonders schlechten Bedingungen in der Baumwollproduktion. Sie sind extremen Witterungen, Pestiziden, verbaler, physischer und sexueller Gewalt ausgeliefert, tragen überschwere Lasten, opfern ihre Gesundheit und werden schlecht oder gar nicht bezahlt sowie ihrer Bildungschancen beraubt. In Usbekistan zum Beispiel verordnet der Staat, dass Schulen zur Baumwollernte schließen. Bereits zehnjährige Kinder werden für Monate fernab ihrer Familien in der Ernte eingesetzt. Die Koalition gegen erzwungene Kinderarbeit in Usbekistan, ein Zusammenschluss internationaler Nichtregierungsorganisationen (NGO), versucht, die Weltpolitik und -wirtschaft für Sanktionen zu gewinnen. Die britische Handelskette Sainsbury s boykottiert bereits usbekische Baumwolle. Untersuchungen für den indischen Baumwollgürtel gehen von rund vor allem jungen Mädchen in der Produktion von Baumwollsaatgut aus. Viele Mädchen sind in Schuldknechtschaft gefangen. Auch multinationale Unternehmen wie Bayer CropScience und Monsanto gerieten unter Verdacht, dass ihre Zulieferer Kinderarbeit für die Baumwollproduktion nutzen. Auf Beschwerde von NGO s prüfte die Nationale Kontaktstelle für die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen die Praxis von Bayer CropScience. Die Beschwerdeführer behaupteten, dass Zulieferbetriebe der Bayer CropScience im indischen Bundesstaat Andrah Pradesh Kinder im Baumwollanbau beschäftigten und dass keine ausreichenden Gegenmaßnahmen ergriffen worden seien. Zum Abschluss des Verfahrens verpflichtete sich das deutsche Unternehmen, die OECD-Regeln gegen Kinderarbeit einzuhalten und auch weiterhin aktiv gegen Kinderarbeit einzutreten. 10 FAIrtrade-Baumwolle Fairtrade-Baumwolle 11

7 FAIRTRADE-STANDARDS FÜR BAUMWOLLE Ökonomie, Ökologie und Soziales sind die drei Säulen der Fairtrade-Standards. Produzenten verpflichten sich, ILO-Kernarbeitsnormen und Umweltkriterien einzuhalten. Gentechnisch manipuliertes Saatgut ist nicht erlaubt, ebensowenig der Einsatz gesundheitsgefährdender Pestizide. Ein fairer Mindestpreis wird nach Anbauregion festgelegt und eine Fairtrade-Prämie gezahlt. Letztere wird zur Finanzierung sozialer Projekte, zur Unterstützung der Umstellung auf organischen Anbau oder zur Verbesserung der Infrastruktur eingesetzt. Lizenznehmer im Norden verpflichten sich, vertraglich Mindestpreise und Fairtrade-Prämien bei den Produzenten sowie eine Lizenzgebühr an die Siegelinitiative zu zahlen. Produzenten, unabhängige Experten, Händler, Vertreter nationaler Siegelinitiativen und der Zivilgesellschaft erarbeiten gemeinsam neue Produktstandards bzw. überarbeiten in regelmäßigen Abständen die bereits existierenden. Kriterien hierfür werden auch auf der Grundlage der UN-Menschenrechtscharta, der WHO-Leitlinien und internationaler Vereinbarungen zum Umweltschutz entwickelt. In den Fairtrade-Standards für Baumwolle wird ein Nachweis über die Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen verlangt. Das gilt für alle Schritte der Weiterverarbeitung wie Entkernung der Baumwolle, Spinnen, Färben, Stricken, Weben, Konfektionieren. Ist kein Nachweis vorhanden, übernimmt FLO-CERT die Überprüfung. International Labour Organisation Die Gründung der International Labour Organisation (ILO) im Jahre 1919 steht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Ende des Ersten Weltkrieges. Die Verfassung der Organisation ist Bestandteil des Friedensvertrags von Versailles. Die ILO ist wie in der Präambel formuliert davon überzeugt, dass der Weltfriede auf Dauer nur auf sozialer Gerechtigkeit aufgebaut werden kann. Zu den Grundprinzipien des internationalen Abkommens gehören auch die Kernarbeitsnormen. Sie beinhalten unter anderem die Abschaffung von Zwangs- und Kinderarbeit, das Verbot von Diskriminierung im Beruf und die Freiheit der Arbeiter, sich in einem Betriebsrat oder gewerkschaftlich zu organisieren. Nachgewiesen werden kann die Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen durch: SA 8000 Zertifikat Ein international gültiger Sozialstandard von Social Accountability International (SAI) Fair Wear Foundation (FWF) Die Stiftung engagiert sich für die kontinuierliche Verbesserung der Textilbranche. Sie arbeitet auf der Basis des Code of Labour Practices. Die Clean Clothes Campaign kooperiert mit der FWF. Zertifikate von: Ethical Trading Initiative Fair Labour Association Workers Rights Consortium Testat einer Gewerkschaft, die von dem internationalen Dachverband der Gewerkschaften anerkannt ist und die Einhaltung sozialer Rechte der Beschäftigten in ihrem Betrieb bestätigt. Inspektionsbericht mit dem Model Code for Trade, der gesundheits- und bautechnische Risiken in der Textilindustrie berücksichtigt. Befindet sich ein Unternehmen im Besitz der Arbeiter, muss dies über die Statuten nachgewiesen werden. Kernarbeitsnormen der ILO: > keine Diskriminierung > Verbot von Kinderarbeit > Verbot von Zwangsarbeit > Recht auf Organisationsfreiheit und kollektive Tarifverhandlungen Weitere Normen: > Zahlung von Mindestlöhnen, die den gesetzlichen oder den Branchenstandards entsprechen > Gewährleistung von Gesundheits- und Sicherheitsschutz am Arbeitsplatz > Arbeitszeiten > soziale Sicherheit / Arbeitsverträge > ökologische Standards 12 FAIrtrade-Baumwolle Fairtrade-Baumwolle 13

8 Was Fairtrade-Zertifizierung bedeutet Inspektion und Entwicklung Die FLO-CERT GmbH verantwortet die Zertifizierung der Produzenten, Händler und Hersteller. Die unabhängige Zertifizierungsgesellschaft, die seit 2007 auch ISO 65-akkreditiert ist, kontrolliert gemeinsam mit lokalen Inspektoren die Einhaltung der Standards in der gesamten Kette. Bei Mängeln verlangt FLO-CERT Korrekturen. Gelingen diese nicht in der vorgesehenen Zeit, droht eine Aberkennung des Fairtrade- Zertifikats. Weitere Informationen über die Zertifizierung finden Sie unter ISO 65 ist die international führende Leitlinie für Zertifizierungsorganisationen. Sie bestätigt, dass ein Qualitätsmanagement existiert, das den Service kontinuierlich verbessert, der Zertifizierungsprozess transparent ist und Produzenten und Konsumenten regelmäßig informiert werden unbeeinflusste und unabhängige Entscheidungen zur Zertifizierung getroffen werden glaubwürdige Ergebnisse und Zertifikate präsentiert werden eine Kontrolle des Zertifizierers von dritter Seite erfolgt und die Glaubwürdigkeit der Organisation bestätigt. Fakten zur Baumwolle: - Die Produktion von 1 kg Baumwolle verbraucht 1 Kubikmeter Wasser. - Die Herstellung einer Jeans verbraucht 8000 Liter Wasser Prozent aller weltweit versprühten Pestizide landen auf Baumwolle. - Der hohe Bedarf an Chemie frisst über 50 Prozent der bäuerlichen Erlöse. - Jährlich sterben über Menschen an den Folgen einer Pestizidvergiftung /2007 haben sich in Indien im Bundesstaat Mahrashtra über 1000 Baumwollbauern aus Verzweifelung das Leben genommen. Suraj Padmanabhan arbeitet seit 2004 für FLO-CERT in Indien als Inspektor und überprüft vor Ort die Organisationsstruktur der zertifizierten Kooperativen und Betriebe, die Arbeits- und Umweltbedingungen sowie die Verwendung der Fairtrade- Prämie. Er hat Landwirtschaft studiert und an Schulungen von FLO-CERT in Deutschland und Sri Lanka teilgenommen. Um die Baumwoll-Kooperativen zu erreichen muss Suraj Padmannabhan oftmals in entlegene Gebiete ohne Straßenanbindung reisen. Manchmal muss er kilometerweit zu Fuß gehen, um die Kooperativen zu erreichen. Es sei eine große Herausforderung, die gesamte Produktionskette in der Textilindustrie lückenlos zu zertifizieren, sagt Padmanabhan. Doch das System, die einzelnen Schritte chronologisch abzuarbeiten, habe sich bewährt. Natürlich gibt es bei den Produzenten auch Probleme. Zu Beginn der Zusammenarbeit ist der Informationsbedarf groß. Es gilt zu klären, wie die Einhaltung von Kriterien im Einzelnen nachgewiesen werden kann oder welche Maßnahmen zur Verbesserung der Produktion sinnvoll sein können. Doch das Wissen über die Aufgaben und Ziele von Fairtrade verbessert sich nach und nach. Der Anspruch, den die Fairtrade-Standards voraussetzen, sei höher als bei vielen anderen Zertifikaten, sagt Padmanabhan. Gerade deshalb sei der regelmäßige Austausch mit den Produzenten entscheidend. Bei den ersten Besuchen bleiben die Inspektoren oft mehrere Tage, um Verständnis für ihre Arbeit zu schaffen. Dabei gilt es in den Interviews mit den Produzenten auch, kulturelle Konventionen einzuhalten. Inspektoren sollten gängige Begrüßungsformeln kennen und einige Worte der Muttersprache der Bauern beherrschen. Aber auch kulturelle Eigenarten müssen sie respektieren. In manchen Ländern etwa dürfen Arbeiterinnen nicht ohne Beisein eines Mannes befragt werden. Wichtig ist für die Inspektoren, das Vertrauen der Produzenten zu gewinnen. Dann ist der Weg bereitet, um gemeinsam Schritt für Schritt die Produktion auf Fairtrade umzustellen. 14 FAIrtrade-Baumwolle Fairtrade-Baumwolle 15

9 Die Fairtrade Prämie Baumwolle bestimmt das Leben von Pandé Karidia Sory. Die siebenfache Mutter aus dem Dörfchen Naniagara im südwestlichen Burkina Faso bekam 2004 von ihrem Mann einen Hektar Land überlassen. Dort baut sie seither mit stets wachsendem Ertrag Fairtrade-Bio-Baumwolle an. Sie war Vorreiterin in der Region inzwischen produzieren Hunderte Bauern aus der Anbauzone Tiefora die weißen Büschel zu Fairtrade-Bedingungen. Neben dem garantierten Fairtrade-Preis, den Sory und ihre Nachbarn erhalten, bedeutet vor allem die Fairtrade-Prämie Motivation und Verbesserungen im Leben der Bauern. Die Prämie dient dazu, gemeinschaftliche Sozialprojekte zu finanzieren. Pro Kilogramm Baumwolle erhält die Kooperative 5 Euro-Cent zusätzlich. Das Geld wird jedes Jahr einmal als Bonus-Zahlung auf das Gemeinschaftskonto überwiesen. Die Fairtrade-Prämie stärkt die Infrastruktur im ländlichen Raum, wie sich an zahlreichen Beispielen zeigt: In Mali sind Mühlen, Brunnen und Schulen errichtet worden. In D Apoury, anderthalb Stunden von Burkina Fasos Hauptstadt Ouagadougou entfernt, sparte man ebenfalls für die Einrichtung einer Schule. Und in der kleinen Gemeinde von Bäuerin Sory im hügeligen Südwesten gibt es Trinkwasserbrunnen mit Pumpmechanismus. Auch eine Krankenstation soll gebaut werden. Von Fairtrade profitiert nicht nur der einzelne Bauer, sondern die gesamte Gemeinschaft. Die Rolle der Frauen im ländlichen Raum wird durch den Fairen Handel gestärkt. Pandé Koridia Sory ist ein Beispiel dafür sie ist heute Präsidentin der Kooperative. Ende 2007 erzielten allein im Örtchen Naniagara fast 30 Frauen ihr eigenes Einkommen mit der Fairtrade-Baumwolle. Rund 40 Prozent der Bio-Baumwollbauern in Burkina Faso waren 2007 weiblich. So übernehmen Frauen in Fairtrade-Kooperativen immer stärker wirtschaftliche Verantwortung und verbessern mit ihren Einnahmen das Leben in ihren Dörfern und Familien: Medizinische Versorgung und Bildung stehen im Vordergrund ihrer Bemühungen. Delphine Zoungrana, 1976 geboren, arbeitet für den Baumwollbauernverband UNPCB (Union Natio nal Des Producteurs de Coton Du Burkina Faso) und koordiniert gemeinsam mit der Schweizer Entwicklungshilfeorganisation Helvetas das Bio-Baumwollprojekt in der Anbauregion Tiefora im Südwesten Burkina Fasos. Sie studierte als eine der ersten Frauen ihres Landes Agraringenieurwesen und war die einzige Frau in ihrem Abschlussjahrgang Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder. Pandé Karidia Sory aus Burkina Faso. Delphine Zoungrana: Mein Engagement beeindruckt viele Frau Zoungrana, was bewirkt die Fairtrade-Prämie bei den Auf welche Weise beeinflusst diese Art der Landwirtschaft Menschen? die Rolle der Frauen in der ländlichen Ökonomie? Die Prämie erlaubt es den Produzenten, notwendige Sozialprojekte in den Dörfern zu benennen und eigenständig umzu- Verdienerin. Sie blühen auf, werden unternehmerischer, auto- Mit den Programmen kommen Frauen erstmals in die Rolle der setzen. Dies verstärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt nomer. Sie können sich auch mal um ihre eigenen Bedürfnisse und fördert die Eigenverantwortung. Die Bauern gewinnen kümmern. Sie nehmen aktiv an den Entscheidungsprozessen das Gefühl, zur Entwicklung ihrer Gemeinschaft etwas Wichtiges beizutragen. in ihrer Gruppe teil und tragen zur Entwicklung bei. Sie sind ein außergewöhnliches Beispiel: Eine studierte Agraringenieurin in einem von Männern dominierten Wie verändert Fairtrade das Gemeinschaftsleben der Bauern? Land. Wie wirken Sie auf andere Frauen? Alle teilnehmenden Produzenten sind in Gruppen organisiert, Ich denke, meine Präsenz, mein Engagement und meine Arbeit in einer Männerdomäne beeindruckt viele Menschen. die nach Fairtrade-Prinzipien funktionieren. Das bedeutet demokratische Entscheidungen und transparente Ausgaben. Und mir wurde von einigen Mädchen und jungen Frauen im Das Beispiel von Fairtrade-Kooperativen dient heute auch anderen Bauern als Ideal. treiben möchten. Die harte Arbeit auf den Feldern wird aller- Verwandtenkreis berichtet, die nun auch ihre Studien vorandings weiterhin dazu führen, dass Frauen nur eingeschränkt landwirtschaftliche Berufe ergreifen. 16 FAIrtrade-Baumwolle Fairtrade-Baumwolle 17

10 Fairtrade-Baumwolle weltweit Produkte aus Fairtrade- Die Fairtrade Foundation aus Großbritannien, Max Havelaar in Frankreich und der Schweiz vergeben seit 2005 das Fairtrade-Siegel für Textilien aus Fairtrade-Baumwolle an Lizenznehmer. In Großbritannien bieten mittlerweile große Supermarktketten wie Marks & Spencer, TopShop, Tesco oder Sainsbury s Textilien aus Fairtrade-Baumwolle an. Marks & Spencer kündigte an, bis zum Jahresende 2007 seine Kollektion auf 20 Millionen Kleidungsstücke mit dem Fairtrade certified cotton -Siegel auszubauen. Der Absatz von Fairtrade- Baumwolle konnte so 2007 in Großbritannien um 1655 Prozent gesteigert werden. In Frankreich gibt es bereits Arbeitsbekleidung aus fair gehandelter Baumwolle, in der Schweiz konnte 2007 ein Umsatzwachstum von 83 Prozent im Bereich Baumwolle verzeichnet werden. In Deutschland, Österreich, Italien, Australien und Neuseeland wurden 2007 Textilien aus Fairtrade-Baumwolle erfolgreich eingeführt. 20 Produzentenorganisationen aus neun Ländern bieten derzeit ihre Fairtrade-Baumwolle an waren es noch 14 Organisationen. Seit Juli 2008 wird der Fairtrade-Mindestpreis für Baumwolle nicht mehr nach Land, sondern nach Region bezahlt. Dadurch haben Produzenten aus 76 Ländern Zugang zum Fairen Handel mit Baumwolle. Baumwolle Der Fairtrade-Kleiderschrank ist in Deutschland inzwischen gut bestückt: Im Juni 2008, knapp ein Jahr nach der Einführung, boten bereits 22 Firmen Textilien mit Fairtrade-Baumwolle an. Jeans, Kleider, Röcke, Hemden, T-Shirts, Handtücher, Badematten und Bettwaren aus fair gehandelter Baumwolle gibt es bereits auf dem deutschen Markt. Die Internetseite bietet eine aktuelle Liste aller Lizenznehmer und Produkte, die aus Fairtrade-Baumwolle hergestellt werden und in Deutschland erhältlich sind. armedangels ein Beispiel für ethische Mode. Fragen an Martin Höfeler und Anton Jurina Was ist das Besondere an armedangels? Unter dem Markenname armedangels vermarkten und vertreiben wir fair und ökologisch produzierte Street Fashion. Das Besondere ist die Verbindung von Style und Haltung. Unsere zeitgemäße Mode wird von jungen Designern aus der ganzen Welt gestaltet und mit einer kompromisslosen Absage an Kinderarbeit, Ausbeutung und Umweltverschmutzung produziert. Wie funktioniert das genau? Alle unserer Produkte sind von Fairtrade zertifiziert und mit dem Fairtrade-Siegel für Baumwolle ausgezeichnet. Das heißt, dass in unserer Produktionskette, angefangen beim Baumwollanbau bis hin zu den Näherinnen, Fälle von Kinderarbeit, unmenschlichen Arbeitsbedingungen oder eine unfaire Entlohnung ausgeschlossen sind. Diese kommen in der herkömmlichen Textilindustrie leider immer wieder vor. Außerdem wird die Baumwolle für unsere Textilien biologisch angebaut, dadurch wird die Umweltbelastung minimiert. 18 FAIrtrade-Baumwolle Fairtrade-Baumwolle 19

11 Blick in die Textilkette Besuch einer Näherei in Indien Die Jeans von heute ist weit gereist. Bis eine Hose ihren Käufer kleidet, hat sie bereits einmal den Erdball umrundet. Die Globalisierung hat die Bekleidungsindustrie längst erfasst. Produktionsstätten ziehen von heute auf morgen von einem Land ins nächste. Während Modedesigner in Mailand und Paris die Schnitte der Saison schaffen, läuft die Massenproduktion ihrer Kreationen zumeist in Niedriglohnländern wie China, Indien, Bangladesch oder Malaysia. Knöpfe, Reißverschlüsse und Waschzettel werden aus Großbritannien, Japan oder Deutschland angeliefert. Gardeur, ein Tr a n sfa i r-lizenznehmer, hat für seine Denim-Erzeugnisse nicht nur eine wesentlich kürzere, sondern auch eine lückenlos zertifizierte Produktionskette aufgebaut: Ausgangspunkt für die sechswöchige Reise ist die Baumwoll-Kooperative Dougourakoroni im westafrikanischen Mali. Im Jahr 1996 haben sich 169 Kleinbauern zu einer Produzentengruppe zusammengeschlossen, um mit Fairtrade- Baumwolle am Weltmarkt teilzunehmen. Der belgische Händler UCO kauft den von Hand gepflückten Rohstoff ein, auf Lastern erreicht die Ware die senegalesische Hafenmetropole Dakar, von wo es per Schiff nach Antwerpen geht. Nach Abstechern in Brügge und Gent, wo der Rohstoff entkörnt, zu Garn gesponnen und gewebt wird, geht die aufgerollte Ware per Schiff nach Tunesien zur Firma Gartex. In der Näherei mit Sitz in der Hauptstadt Tunis arbeiten 775 Mitarbeiter an der Fertigung der Hosen. Sie schneiden den Stoff zu, nähen, schmirgeln ihn nach Mode und waschen ihn. Die tunesischen Arbeiter fügen auch sämtliche Einzelteile, wie Knöpfe, Nieten und Etikette ein. Containerschiffe transportieren die fertige Fracht ins italienische Genua, von wo aus LKW das Beinkleid ins Gardeur-Lager nach Mönchengladbach bringen. Fairer Handel bedeutet für mich, dass es in unserer Fabrik jetzt geregelte Arbeitszeiten, ausreichende Pausen und ein angemessenes Gehalt gibt. Ich kann davon meine Familie ernähren, und meine Tochter hat die Möglichkeit, in die Schule zu gehen. Sie möchte später einmal Lehrerin werden. GOVINDO DEVNATH, 32, Näher und Schneider in den Rajlakshmi Mills Daten und Fakten zur gardeur -Jeans Verkaufspreis: 89 Euro Material: 78 Prozent Baumwolle, 22 Prozent Elastomultiester Gewicht: 550 Gramm, davon 378 Gramm Baumwolle Zusammensetzung: 43 Einzelteile Die Kölner Mediendesignerin Nina Lorkovic entschied im September 2007, mit ihrer Firma milch Faitrade Shirt bedruckte T-Shirts aus Fairtrade-Baumwolle auf den Markt zu bringen. Die Ware, die sie größtenteils über ihren Online-Shop verkauft, wird von den Rajlakshmi Mills im indischen Kolkata gefertigt. Ihre Entwürfe schickt sie via , die Mitarbeiter nähen und bedrucken die Shirts. Das Unternehmen wurde 1934 gegründet und gehört zu den wenigen Produktionsstätten in Indien, die komplett auf Bio-Baumwolle umgestellt haben. Seit zwei Jahren stellt überdies ein FLO-CERT-Audit sicher, dass die ILO-Kernarbeitsnormen eingehalten werden. Um sich selbst ein Bild von der Entstehung ihrer Shirts zu machen, reiste Lorkovic nach Kolkata. Was sie vorfand, ist ein Beispiel dafür, wie sich auch im Niedriglohnland Indien High-Tech und Fairer Handel wirtschaftlich miteinander verknüpfen lassen. Innerhalb von zwei Jahren hat das Unternehmen die Zahl der Mitarbeiter von 100 auf 450 aufgestockt. Die Einkommen liegen zwischen 20 und 25 Prozent über dem lokalen Mindestlohn. Vor einem Jahr sind die Rajlakshmi Mills in ein 5000 Quadratmeter großes Gebäude mit modernen Maschinen umgezogen. 20 FAIrtrade-Baumwolle Fairtrade-Baumwolle 21

12 Heidemarie Wieczorek-Zeul, Bundesministerin Perspektive für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, im Gespräch: Der Faire Handel ist eine grosse Erfolgsgeschichte Konkrete Hilfe in Camplan den zahlreiche Pflanzensorten. So verliert die Menschheit die Um die Armut der Baumwollproduzenten zu bekämpfen, ist Chance, das Saatgut dieser Pflanzen später für neue Züch- Welche welthandelspolitischen Voraussetzungen sind Entwicklungsarbeit nötig. Ein Beispiel ist die Unterstützung, tungen oder Kreuzungen zu nutzen und damit auf neue Ent- nötig, damit Baumwoll-Produzenten in der dritten Welt die Tr a n sfa i r den Bauern im Dörfchen Camplan im Südwesten wicklungen reagieren zu können. fairere Chancen haben, von ihrer Arbeit zu leben? Burkina Fasos zugesagt hat: Tr a n sfa i r fördert in den kommen- Gerade hinsichtlich der Klimaprognosen ist eine große Sorten- Die Baumwollproduktion ist insbesondere in Afrika ein wich- den Jahren die aufwändige Umstellung von konventioneller vielfalt wichtige Grundlage einer angepassten Landwirtschaft: tiger Wirtschaftsfaktor. In Subsahara-Afrika leben 20 Millio- auf biologische Baumwolle. Nur sie ermöglicht eine standortgerechte Landwirtschaft und nen Menschen vom Baumwollanbau. Diesen Menschen scha- Ziel ist es, den Bauern durch den Bio-Anbau unter Fairtrade-Be- langfristig sichere Ernteerträge. Weltweit mehren sich des- den die Subventionen der Industrieländer, insbesondere die dingungen höhere Einnahmen zu ermöglichen. Mit dem Projekt halb Projekte, mit denen die Pflanzenvielfalt gesichert wer- der USA, unmittelbar. Gerechte Marktbedingungen würden in Camplan unterstützt Tr a n sfair die Arbeit des Verbandes der den soll. Ein solches Projekt betreibt Vandana Shiva in Indien der Wirtschaft in Subsahara-Afrika einen riesigen Wachs- Baumwollbauern aus Burkina Fasos UNPCB (Union Nationale Des mit Navdanya. Die Organisation besitzt Samenbanken, die tumsschub bringen. Um nur ein Beispiel zu nennen: In Benin Producteurs De Coton Du Burkina Faso) und der Schweizer Hilfs- traditionelle Sorten, darunter auch Baumwollsamen, vorhält. wäre dieser Schub größer als alle bisherigen Leistungen der organisation Helvetas. Mit der Finanzierung von fünf zusätzlichen Diese werden zu einem günstigen Preis direkt an die Bauern deutschen Entwicklungszusammenarbeit zusammen. Ohne Technikern soll die Anzahl der Produzenten in den kommenden vertrieben. Damit trägt das Projekt sowohl zur Wirtschaftlich- die Subventionen würden weite Teile der amerikanischen Jahren verdoppelt werden. Rund 250 Tonnen Bio-Baumwolle keit als auch zur Nachhaltigkeit der Kleinbetriebe bei. Baumwollproduktion nicht überleben können. Die Folge sind könnten zusätzlich produziert werden. Die Händlerseite soll auf Überschüsse, die extrem billig auf dem Weltmarkt entsorgt diese Weise für den Fairen Handel aktiviert werden. werden. In manchen Jahren führt das zu Preisen, die kaum noch die ohnehin geringen Produktionskosten in Entwick- Pflanzen-Vielfalt Crop Diversity lungsländern decken. Diese können mit den verzerrten Tarifen Die Vielfalt der Natur bewahren das ist keine romantische Vandana Shiva Wie bewerten Sie den Ausbau der Fairtrade-Idee auf den nicht konkurrieren und ihre eigene Baumwolle nicht mehr ge- Forderung, sondern der einzig gangbare Weg für eine nach- Baumwollsektor? winnbringend absetzen. Dieses grundlegende Gerechtigkeits- haltige Landwirtschaft. Auch Fairtrade setzt sich für dieses Ich finde es wunderbar, dass es nun auch Baumwollprodukte problem wird derzeit im Rahmen der WTO verhandelt und ich Ziel ein und steht im Einklang mit einer der führenden Ver- mit dem Fairtrade-Siegel zu kaufen gibt. Immer mehr Verbrau- erwarte, dass die USA endlich ihre marktverzerrenden Sub- treterinnen der so genannten Crop Diversity (Pflanzen-Viel- cher interessieren sich für nachhaltige Produkte. Die daraus ventionen abbauen. falt), Vandana Shiva. Die Trägerin des alternativen Nobelprei- entstehende Nachfrage führt zu einer Stärkung sozialer und ses argumentiert: Der Erhalt der Bio-Diversität, die Förderung ökologischer Aspekte des internationalen Handels und damit Was müssen die Entwicklungsländer verbessern, damit sie biologischer Landwirtschaft und Fairer Handel sollten vorange- zu einer gerechten Gestaltung der Globalisierung. Der Faire an den globalen Baumwoll-Märkten in Zukunft konkur- bracht werden, um Bauern zu retten. Während Monokulturen 1 Handel insgesamt ist eine große Erfolgsgeschichte. Bis heu- renzfähig sind? oft dazu führen, dass natürliche Ressourcen ohne Rücksicht te konnten weltweit über 1,6 Millionen Produzenten der Ar- Die afrikanischen Baumwolle produzierenden Länder müssen auf die Folgewirkungen verbraucht und die Verwendung von mut entkommen, weil ihre Produkte fair gehandelt werden. in der regionalen Produktion ihre Wertschöpfungskette ver- gentechnisch verändertem Saatgut heiß diskutiert werden, Aus diesem Grund halte ich eine Erweiterung der Palette fair längern. Und nicht jedes Land muss über die ganze Kette ver- trägt Pflanzen-Vielfalt zur Zukunftssicherung bei. gehandelter Produkte für sehr begrüßenswert, insbesondere fügen. Auf Ebene der Produzenten kann durch eine gezielte Die meisten Nutzpflanzen, eben auch die Baumwolle, gibt es da konventionelle Baumwolle sehr häufig unter schrecklichen Beratung in neuen ökologisch verträglichen Anbauformen die in zahlreichen Varianten, die je nach Klima- und Boden-Bedin- sozialen und ökologischen Bedingungen produziert wird. Produktivität erhöht werden. Hierin und in einem verbesserten gungen unterschiedlich gut existieren können. Qualitätsmanagement liegt erhebliches Potential, die Erlöse Werden Kulturpflanzen 2 zu sehr vereinheitlicht, verschwin- zu verbessern. Die Baumwolle produzierenden Entwicklungs- 1 Monokultur: Eine Form der Bodenbewirtschaftung. Dabei wird auf einer land- oder forstwirtschaftlich genutzten Fläche nur eine bestimmte Art von Nutzpflanzen meist mehrfach aufeinanderfolgend länder müssen gezielt den Dialog mit den großen Abnehmerländern der Baumwolle (China, Indien) aufnehmen, um ihre angebaut. 2 Kulturpflanzen: Aus wildwachsenden Arten gezüchtete Pflanzen, die als Nutzpflanzen oder Zier- Baumwolle zu bewerben und die Abnahmewege auszubauen. pflanzen angebaut werden. 22 FAIrtrade-Baumwolle Fairtrade-Baumwolle 23

13 Warum die Gewerkschaften Fairtrade unterstützen Klaus Priegnitz, IG Metall Vorstand Die Herausgeber Wie sehen Sie die Entwicklung von Fairtrade im Bereich Textilien und wie könnte eine Kooperation mit den Gewerkschaften aussehen? Die IG Metall unterstützt alle Aktivitäten, die dazu dienen, das Millenniums-Entwicklungsziel zu erreichen, nämlich die Armut auf der Welt bis 2015 zu halbieren. Die Fairtrade-Initiative ist konkret und kann zu realen wirtschaftlichen Fortschritten bei den Produzentinnen und Produzenten bzw. Pflückerinnen und Pflückern führen. Für die internationale Gewerkschaftsbewegung ist die Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen, auch über bilaterale Vereinbarungen hinaus, von zentraler Bedeutung. Unabhängige Kontrolle ist hier anzustreben. Die IG Metall ist unter anderem Mitglied in der Internationalen Textil-, Bekleidungs- und Lederarbeiter Vereinigung (ITBLAV). Die ITBLAV ist mit ihrer Regionalorganisation auch in Afrika sehr aktiv. Hier liegt auch die entscheidende Schnittstelle einer vertieften Kooperation zwischen der internationalen Gewerkschaftbewegung und Fairtrade-Baumwolle. Brot für die Welt Brot für die Welt ist eine Hilfsaktion der evangelischen Landesund Freikirchen in Deutschland. Sie wurde 1959 in Berlin gegründet. In mehr als Projekten leistet sie gemeinsam mit einheimischen Kirchen und Partnerorganisationen in Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa Hilfe zur Selbsthilfe. Leitmotiv der Arbeit ist: Den Armen Gerechtigkeit. Evangelischer Entwicklungsdienst (EED) Der Evangelische Entwicklungsdienst e.v. (EED) ist ein Entwicklungswerk der evangelischen Kirchen in Deutschland. Jedes Jahr fördert er etwa 300 Projekte und Programme von Partnerorganisationen in Afrika, Asien und Lateinamerika, in Ozeanien, Südosteuropa und im Kaukasus. Zusammen mit seinen Partnern engagiert sich der EED in seiner Bildungs- und Lobbyarbeit für eine menschliche Gestaltung der Globalisierung und ein Leben in Würde für alle Menschen. Der EED ist Gründungsmitglied der GEPA und von Tr a n sfa i r. In Deutschland unterstützt er die entwicklungspolitische Bildungsarbeit von 500 Gruppen und Gemeinden, z.b. Gruppenberater im Fairen Handel. Welthungerhilfe Die Welthungerhilfe leistet Hilfe aus einer Hand: von der schnellen Nothilfe nach einer Katastrophe bis zu langfristigen Projekten mit einheimischen Partnern. Den Hunger zu überwinden heißt für die Welthungerhilfe auch, die Armut überwinden. Sie unterstützt in Not und Armut geratene Menschen unabhängig von ihrer Hautfarbe, Konfession oder Weltanschauung. Helfen kann aber nicht heißen, Geschenke zu verteilen. Wirksame Hilfe heißt: Menschen Chancen zu eröffnen und ihr Leben, ihre Zukunft frei von Hunger und Not selbst zu gestalten Hilfe zur Selbsthilfe. Tr a n sfa i r e.v. Als unabhängige Organisation han delt Tr a n s- Fair e.v. nicht selbst mit Waren, sondern vergibt das Fairtrade-Siegel für fair gehandelte Produkte. Tr a n sfa i r wird von 35 Mitgliedsorganisationen unterstützt. Derzeit bieten in Deutschland 110 Lizenznehmer rund 800 Fairtrade-Produkte wie Kaffee, Tee, Schokolade, Kekse, Kakao, Honig, Bananen, Fruchtsäfte, Eistees, Wein, Sportbälle, Reis oder Rosen an. Weltweit profitieren bereits 1,5 Millionen Bauern von Fairtrade. Die Produkte stammen aus über 630 Produzentengruppen in fast 60 Ländern auf der ganzen Welt. Mit der Kontrolle der Fairtrade-Standards hat Tr a n sfa i r die unabhängige Zertifizierungsorganisation FLO-CERT GmbH beauftragt. FLO-CERT ist der einzige Sozial-Zertifizierer, der der internationalen Akkreditierungsnorm für Zertifizierungsorganisationen, der ISO 65, entspricht. Impressum: TransFair e.v. Remigiusstrasse Köln Telefon: Telefax: V.i.S.d.P.: Dieter Overath Redaktion: Tim Farin, Tina Gordon, Christian Parth, Maren Richter Layout: Dreimalig Werbeagentur, Köln Druck: Druckerei & Verlag Hermann Bösmann, Detmold Papier: 100% Recycling, FSC 24 FAIrtrade-Baumwolle Fairtrade-Baumwolle 25

14 Faire Information Handelsstrukturen und Aktion entlasten auch die Steuerzahler in den reichen DVD Kartonage BEL :55 Uhr Seite 1 Ländern Interview Was ich tun mit Renée kann? Ernst, Beauftragte für die Literatur UN-Millenniumkampagne in Deutschland und und Tajudeen Frankreich. Abdul-Raheem, Eine Erkundung Beauftragter der Glo- für die UN-Millenniumkampagne Afrika balisierung, die mit dem Lettre Ulysses 1. Am Fairen Handel teilnehmen M. Rafiq Chaudhry/Andrei Guitchounts: Award für die Kunst der literarischen Fairtrade-Baumwolle braucht Konsumenten, Cotton Facts. International Cotton Advi- Reportage ausgezeichnet wurde. damit sie etwas bewirkt. Interessiersory Committee, 2003, 158 Seiten, 50 US- te können in Ihrer Gegend nach Filialen Dollar. Filme suchen, die fair gehandelte Produkte vertreiben: Tr a n sfa i r bietet auf seiner Der internationale Baumwoll-Beratungsinstitution Fairtrade-Baumwolle Anziehend anders Website Links zu Modefirmen, die in ihren ICAC hat in diesem Sammel- (auf und in dieser Bro- Produkten fair gehandelte Baumwolle band die Grundlagen der Baumwollschüre beigelegt) verwenden. Viele Weltläden führen wirtschaft gesammelt: Informationen Baumwoll-Textilien im Sortiment. zur Biologie der Pflanze, zum Anbau, zu Desaster im Baumwollfeld, Community Schädlingen, Produktqualitäten, Verarbeitung, Media Trust, Indien 2007, 28 Minuten. Geför- Preisfindung und dem Handel dert vom eed, beziehbar über 2. Die Faire Woche nutzen sind kompakt gesammelt. Jedes Jahr organisiert das Forum Fairer Dort ebenfalls erhältlich: Handel, getragen von Tr a n sfa i r und einer Wolfgang Mönninghoff: King Cotton. Die beiden DVDs King Cotton oder Baum- Reihe Fairhandelsorganisationen, die Kulturgeschichte der Baumwolle. Artewolle als Schicksal, Peter Heller, Deutsch- Faire Woche. Bundesweit finden jedes mis & Winkler, 2006, 240 Seiten, 24,90 land und Tansania Jahr im September Aktionen und Informationsveranstaltungen Euro. statt. Der freie Autor Wolfgang Mönninghoff liefert eine faktenreiche Geschichte der Internet Textilfaser. Er widmet sich dabei der kulturgeschichtlichen 3. Unterricht und Projekte gestalten Bedeutung des Stoffs, FLO e.v. Für Unterrichtseinheiten und schulische aber auch den ausbeuterischen Praktiken FLO CERT GmbH Projektwochen sind die Themen Fairtrade in der Sklavenhaltergesellschaft und der und Baumwolle gut geeignet. Grundlagenmaterialien Historie der Textilindustrie bis ins Globa- Cotlook sind über diverse Quellen erlisierungs-zeitalter des 21. Jahrhunderts. Probedruck Umfangreiches Informationsangebot zur hältlich, beispielsweise unter Marktsituation bei Baumwolle. über die Katholische Érik Orsenna: Weiße Plantagen. Eine Land jugendbewegung KLJB (www.kljb.de, Reise durch unsere globalisierte Welt. hier gibt es auch den C.H. Beck, 2007, 288 Seiten, 18,90 Euro. Helvetas 80-seitigen Werkbrief Öko-fair tragen Die Schweizer Entwicklungshilfeorganisation mit Informationen zum Fairen Textilhandel Der 1947 geborene Schriftsteller Érik Orsenna Helvetas engagiert sich als Koo- sowie zu fair hergestellten Baumwolltextilien). unternimmt eine Reise durch die perationspartner von Tr a n sfa i r stark im Welt der Baumwolle: Er schildert das Leben Baumwoll-Sektor. Auf der Website bietet auf Plantagen in Mali, bei den Bau- Helvetas umfangreiches Informations- ern in den USA, besichtigt Forschungslabors material. in Brasilien, Textilfabriken in China Der Fairtrade-Baumwollfilm wurde 2007 in Burkina Faso aufgenommen und zeigt in rund 10 Minuten, wie der Faire Handel mit Baumwolle funktioniert. Gesprochen wird der Film von Schauspielerin und Fairtrade-Patin Cosma Shiva Hagen. Martin Langer Bildnachweise: S.1, S. 4, S. 13, S. 24, S. 28: David Klammer S. 11, S.12, S. 14, S. 15, S.27: Oliver Menebröcker S. 3: David Boucherie S. 17: Tr a n sfa i r / Nurcan Alinc S. 5: Jupiterimages Corporation S. 18: Morten Moltum / S. 6: Bremer Baumwollbörse Max Havelaar France S. 7: fairtrade Österreich S. 19: Switcher, Nanso, Bestseller, S. 8: Martin Langer fabrizio, armedangels S. 9: fairtrade Österreich / S. 20: gardeur Stefan Lechner S. 21, S. 24: nina Lorkovic S. 10: Bundesverband der S. 22: epd Verbraucherzentralen S. 23: BMZ 26 FAIrtrade-Baumwolle Fairtrade-Baumwolle 27

15 Fairtrade-Baumwolle Ein gewinn für alle.

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