Dokumentation. Fachkurs II für seniortrainerinnen im Rahmen des Multitplikatorenprogramms Erfahrungswissen für Initiativen (EFI)

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1 Dokumentation Fachkurs II für seniortrainerinnen im Rahmen des Multitplikatorenprogramms Erfahrungswissen für Initiativen (EFI) Beratung und Unterstützung von Initiativen und engagementfördernden Einrichtungen November 2003, Akademie Frankenwarte in Würzburg Leitung: Hans Lucas und Karin Stiehr Veranstalter: Bundesarbeitsgemeinschaft Seniorenbüros e.v. (BaS) Gegenstand des Seminars waren strukturelle Rahmenbedingungen, die Freiwilligenarbeit unabhängig von ihrer inhaltlichen Ausrichtung prägen. Sie reichen von rechtlichen Grundlagen, gerade auch im Zusammenhang mit Versicherungsschutz, über Techniken der Konzeptentwicklung bis hin zu Finanzierungsfragen. Nicht zuletzt sind Organisationen lokal und regional in ein komplexes soziales System eingebunden, dessen strukturelles Zusammenspiel eine wichtige Rolle für erfolgreiche ehrenamtliche Arbeit spielt. Für den Seminaraufbau war ein Wechsel zwischen Vorträgen mit Diskussionen auf der einen Seite und Arbeit in Kleingruppen auf der anderen Seite vorgesehen. So hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, neu erworbene Informationen sukzessive in die Konzeption einzelner Projektideen einfließen zu lassen, zu deren Bearbeitung sich die Gruppen entschieden hatten. Die Projektkonzepte wurden am Ende der Veranstaltung in Form von Rollenspielen vorgetragen: Zwei Arbeitsgruppen präsentierten ihre Projekte einem Bürgermeister, dessen politische und finanzielle Unterstützung zu erlangen war. Ein weiteres Projektkonzept wurde einer möglichen Kooperationspartnerin, der örtlichen Seniorenbeiratsvorsitzenden, vorgestellt, deren Unterstützung die Realisierungschancen des Projektes erhöhen würde. Ein viertes Konzept sah organisatorische Umstrukturierungen eines Vereins vor, um dessen Funktionsfähigkeit zu verbessern; hier galt es, die Zustimmung eines dominanten Vorsitzenden zu erlangen, der sich Veränderungen bislang widersetzt hatte. Ein weiteres Element des Seminars war die konzeptionelle Einzelberatung die von der Seminarleitung an beiden Abenden angeboten und von vielen Teilnehmern/innen zur Besprechung konkreter Probleme in ihren eigenen Projekten genutzt wurde. Im folgenden Sachbericht werden die Inhalte und Ergebnisse des Seminars in der entsprechenden zeitlichen Reihenfolge wiedergegeben.

2 NOTWENDIGE RAHMENBEDINGUNGEN FÜR BÜRGERSCHAFTLICHES ENGAGEMENT AM BEISPIEL DES KREISES OFFENBACH Einführung Entsprechend der Vielfalt des Ehrenamts gibt es im Kreis Offenbach eine Fülle von Einrichtungen, Organisationen, Vereinen und Verbänden, die sich mit dieser Thematik befassen. Allein in der Kreisverwaltung gibt es mehr als zehn Stellen, die sich mit dem ehrenamtlichen Engagement beschäftigen. Das ist in anderen Landkreisen sicherlich genau so. Ich werde im Folgenden bezogen auf das Thema Rahmenbedingungen mich beschränken auf die Darstellung von Aktivitäten an denen die Kreisverwaltung unmittelbar beteiligt ist. Aber auch hier ist die Fülle der Aktivitäten so groß, dass nur die wesentlichen Aspekte herausgegriffen werden können, also kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben wird. Verschiedene Aspekte der Rahmenbedingungen Ehrenamt braucht um sich entwickeln zu können einen Rahmen, der die unterschiedlichsten Aspekte beinhaltet, die im Zusammenspiel miteinander die Ehrenamtskultur einer Region, hier des Kreises Offenbach ausmachen. Der Rahmen sollte die folgenden Aspekte umfassen: Erstattung der Auslagen Die Ehrenamtlichen müssen ohne eigene Kosten versicherungstechnisch abgesichert sein. Im Mittelpunkt der Förderung steht das konkrete Engagement, d.h. dass nicht ausschließlich die Arbeit der Funktionsträger unterstützt wird, sondern dass die Unterstützung allen ehrenamtlich tätigen zu gute kommt. Ehrenamtlich Engagierte werden in ihrem Anliegen ernst genommen. Das bedeutet beispielsweise, dass es Qualifizierungskurse geben muss, die auf die entsprechende Tätigkeit zugeschnitten sind und Ansprüchen höchster Qualität gerecht werden. Fachliche Beratung: Vereinsgründung etc., Bereitstellung von Fachwissen Bedarfsgerechte Qualifizierung (hoher Bedarf bei Engagierten) Öffentlichkeitsarbeit (Broschüren und Veranstaltungen, usw.) Förderung und Organisation des Austausches (Arbeitskreise, Gruppentreffen) Vernetzung und Kooperation in der Region

3 materielle Unterstützung (finanzielle Mittel und Ressourcen) Anerkennung und Wertschätzung der ehrenamtlichen Tätigkeit Auf einige Aspekte soll im Folgenden bezogen auf den Kreis Offenbach gesondert eingegangen werden. Kooperation und Vernetzung In der Kreisverwaltung besteht ein Fachdienst, der sich ausschließlich mit dem Thema Ehrenamt beschäftigt Unter der Federführung des Fachdienstes Ehrenamt hat der Kreis Offenbach im Jahre 1998 mit der Initiative 99 begonnen die verschiedenen Bereiche miteinander zu vernetzen und gemeinsame Projekte zu planen. Ein Ergebnis war der Markt der Vereine und die Fortbildungsreihe der KVHS, von denen noch zu sprechen sein wird. Als weiteres Koordinationsgremium besteht seit etwa einem Jahr ein Arbeitskreis, der sich mit der Einrichtung einer Ehrenamtsagentur im Kreis Offenbach befasst (Mitglieder). Eine weitere Besonderheit im Kreis Offenbach ist die umfassende Förderung und Unterstützung des bürgerschaftlichen Engagements älterer Menschen. Hier gibt es eine sehr enge Kooperation zwischen dem Paritätischen Wohlfahrtsverband, dem Seniorenbüro Winkelsmühle, den verschiedenen Gruppen des bürgerschaftlichen Engagements und der Ehrenamtsagentur des Kreises Offenbach. Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist ein breit gefächertes Angebot an Projekten und Initiativen Finanzielle Unterstützung Neben der regulären Vereinsförderung gibt es eine Reihe von Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung im Kreis Offenbach. Drei sollen hier genannt werden: Stiftung: Miteinander leben Stiftungsvermögen 2,5 Millionen Euro Bürgerstiftung Förderung gemeinnütziger Projekte Insbesondere Projekte des ehrenamtlichen Engagements der Bürger/innen Fonds der Generationen Gemeinschaftsprojekt von Ev. Kirche und Kreis Offenbach Drei Jahre. pro Jahr (20.000,- Euro) Maßnahmen der Altenhilfe Förderung von innovativen Projekten älterer Menschen und der Hospizarbeit z.b. 13 Seniorengenossenschaften mit Mitgliedern

4 Ein Beispiel für Wertschätzung und Anerkennung: die Ehrenamts Card Die Ehrenamts - Card ist ein Angebot, dass sich vor allem an Ehrenamtliche richtet, die an der Basis tätig sind. Kriterium für die Auswahl der Berechtigung ist die Dauer der Tätigkeit. (mindestens 5 Stunden in der Woche). Hauptziel der Ehrenamts Card ist es, die Wertschätzung für die ehrenamtlich Tätigen zum Ausdruck zu bringen. Deswegen steht auf der Vorderseite schlicht und einfach das Wort Danke. Die Ehrenamts Card ist ein Projekt, das parallel in den Landkreisen Offenbach und Bergstraße durchgeführt wird. Jede Gebietskörperschaft gibt 500 Cards aus. Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet vom Institut für soziale Infrastruktur (ISiS), und gefördert von der Aktion Gemeinsam Aktiv der Hessischen Staatskanzlei. Die Ehrenamts - Card bietet seinen Besitzern/innen: - Vergünstigungen bei Veranstaltungen und verschiedenen Dienstleistungen z. B. Museen, Schwimmbäder, Konzertveranstaltungen, Kursen der Volkshochschule 5. Qualifizierung und Fortbildung Ein wichtiger Bereich, der von vielen Engagierten auch als Gratifikation gewertet wird, ist der Bereich der Qualifizierung, da er nicht nur für die Ausübung der Tätigkeit Bedeutung hat, sondern auch als Möglichkeit den Horizont zu erweitern gesehen wird. Die Wertschätzung der Tätigkeit wird auch durch die Wahl der Referenten/innen deutlich gemacht und auch durch das Ambiente, in der die Qualifizierungskurse stattfinden. Fortbildungsreihe der KVHS seit 1999 Kooperation von KVHS, Fachdienst Ehrenamt, Verbände und Vereine Qualifizierung für Verantwortlich in Vereinen Themen - Fundraising - Steuerrecht - Vereinsrecht - Öffentlichkeitsarbeit - Rhetorik - Gesprächs- und Versammlungsführung - Gewinnung von Ehrenamtlichen Fortbildungsprogramm der Ehrenamtsagentur zur Unterstützung des bürgerschaftlichen Engagements - Fortbildung maßgeschneidert für Initiativen (Beispiel Seniorengenossenschaften und Hospizgruppen) - Fortbildungen für alle Ehrenamtlichen, gemeinsam mit Paritätischen Wohlfahrtsverband und Seniorenbüro Winkelsmühle Sommerkurs: Sozialstruktur

5 Workshop zur Einsamkeit Multiplikatorenschulung zum Generationendialog 6. Partizipation Ein weiterer Aspekt der Rahmenbedingungen ist es, den einzeln Engagierten mehr Entscheidungs- und Mitbestimmungsrechte einzuräumen. Dies gilt insbesondere für Engagierte, die in einer großen Organisation oder auch bei der Kommune selbst aktiv sind. Dabei geht es nicht nur um mehr Mitbestimmung der Engagierten in der eigenen Organisation, Beteiligung kann sich auch darin ausdrücken dass Engagierte bei Entscheidungen, die in einer Kommune gefällt werden nach ihrer Meinung gefragt werden. In diesem Bereich der Bürgerbeteiligung ist in den Kommunen in den letzten Jahren einiges passiert. In vielen Orten gibt es mittlerweile eine Reihe von Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung. An der Initiierung und Durchführung einiger neuer Formen der Bürgerbeteiligung ist der Kreis Offenbach federführend beteiligt. Neue Formen - Präventionsräte flächendeckend im Kreis Offenbach - Ausbildungsforen - Runde Tische - Agendagruppen - Jugendparlamente Klassische Formen - Seniorenvertretungen - Ausländerbeiräte Formen der Öffentlichkeitsarbeit Die klassische Form der Öffentlichkeitsarbeit im Bereich des Ehrenamts ist die Ehrung herausragender Leistungen der ehrenamtlichen Arbeit. Diese hat natürlich auch im Kreis Offenbach ihren gebührenden Stellenwert. Für den Kreis Offenbach möchte ich in unserem Zusammenhang den Bürgerpreis für ehrenamtliche Sozialarbeit herausheben. Darüber hinaus ist geplant, einen speziellen Preis für das ehrenamtliche Engagement herauszugeben, der in einer gesonderten Veranstaltung jeweils am 5. Dezember verliehen wird. Auch der jährlich stattfindende Markt der Vereine trägt zu einer positiven Wahrnehmung ehrenamtlicher Tätigkeit bei. Seit einigen Jahren ist es im Kreis Offenbach Usus geworden zu den verschiedensten Anlässen auch die Vertreter ehrenamtlich tätiger Organisationen einzuladen. Auch dies ist ein Zeichen öffentlicher Anerkennung. Im Kreis Offenbach wird das Ehrenamt im Laufe des Jahres regelmäßig in öffentlichen Veranstaltungen zum Thema gemacht.

6 8. Ehrenamt als Objekt wissenschaftlicher Forschung Auch die Vergabe von Forschungsaufträgen ist eine Form der Wertschätzung und der öffentlichen Anerkennung. In diesem Zusammenhang sei hier die Untersuchung Ehrenamt und Lebensqualität erwähnt, die auf Initiative von Dr. Jürgen Palm vom Institut für Soziale Infrastruktur durchgeführt wurde. Die Studie wurde vor einigen Wochen der Öffentlichkeit vorgestellt. Auch die Einbindung in Bundesmodellprogramme bringt es mit sich, dass Erfahrungen wissenschaftlich begleitet werden. In diesem Zusammenhang ist das Seniorenbüro Winkelsmühle und die Ehrenamtsagentur in Kooperation mit dem BüroAktiv in Frankfurt als Anlaufstelle am Bundesmodellprogramm Erfahrungswissen für Initiativen (EFI) beteiligt. Die Aufgabe der Anlaufstellen ist es, ältere Menschen für die Tätigkeit als Seniortrainer zu gewinnen und zu begleiten, die ihrerseits qualifiziert werden Initiativen und Projekt der unterschiedlichsten Art zu unterstützen.

7 DIE SCHRITTE ZUR ENTWICKLUNG EINES KONZEPTS Vorzüge eines schriftlich fixierten Konzepts Ein Konzept, dem eine Schriftform gegeben wird, erfüllt eine Reihe von wichtigen Funktionen, wenn es um die Umsetzung von Ideen in die Praxis geht: Ein schriftliches Konzept zwingt die Person oder Gruppe, die es verfasst, zu einer Präzisierung der zuvor vergleichsweise unsystematischen Sammlung von Ideen zu Inhalten und Verfahren eines Projekts. Es sortiert die verschiedenen Aspekte und führt zu einer genauen Abstimmung der einzelnen Bestandteile des Projekts aufeinander. Eine Niederschrift ist verbindlicher als die Äußerung von Ideen und Bewertungsaspekten, etwa in einer Diskussionsrunde. Sie bringt alle Beteiligten dazu, sich auf Inhalte und Verfahren zu einigen und unterschiedliche Perspektiven zu integrieren. Auch wenn dies ein schwieriger Prozess ist, hat ein solches Projekt bessere Realisierungschancen als eines, bei dem ein Dissens zwischen den Beteiligten erst im Zuge der einzelnen Umsetzungsschritte offenkundig wird und dadurch erst in einer wesentlich kritischeren Phase zu Reibungsverlusten führt. Ein schriftlich fixiertes Konzept ist ein Arbeitsprogramm, mit dessen Hilfe man das Vorgehen in der Umsetzung koordiniert gestalten kann, obwohl Abweichungen immer wieder erforderlich sein werden. Notwendige Anpassungen geschehen dann nicht unreflektiert im Zuge eines praktischen Arbeitsprozesses, in dem Sach- und Zeitzwänge oft die Oberhand gewinnen, sondern stellen ein bewusstes Abweichen von einem Kurs dar, das im Einzelnen überprüft und gewichtet werden kann. Ein schriftliches Konzept wird in allen Fallen unerlässlich sein, wenn Entscheidungen über seine Realisierung von übergeordneten Instanzen getroffen werden. Dies gilt umso mehr, wenn finanzielle Mittel für seine Umsetzung gebraucht werden. Diese werden grundsätzlich nur im Falle einer Vorlage bewilligt, die den Einsatz dieser Mittel vernünftig erscheinen lassen. Ein schriftliches Konzept kann zur Seite gelegt werden, wenn seine Realisierungschancen zurzeit nicht günstig sind. Oft ändern sich die Rahmenbedingungen aber. Wer ein schriftliches Konzept in der Schublade hat, kann sich den schwierigen Prozess der Ideengewinnung und -ausarbeitung ein zweites Mal komplett oder in Teilen ersparen. Aufbau eines Konzepts Projektkonzepte sind Pläne, wie bestimmte Handlungen von wem an einem bestimmten Ort und zu einer bestimmten Zeit durchgeführt werden. Der Aufbau eines Konzepts folgt einer Rezeptur in immer gleichbleibender Zusammensetzung. Nur die Ausprägung und Dosierung der einzelnen Bestandteile verändert sich je nach Projekt. Ein Konzept beantwortet 10 W s: 1 1 In Anlehnung an: Pedro Graf, Konzeptentwicklung, Alling 1996

8 1. Wer sind wir? Wie setzen wir uns zusammen? 2. Warum wollen wir etwas tun? Welche Notlagen, Probleme und Missstände fordern uns heraus? Welchen Bedarf wollen wir abdecken? 3. Für wen bzw. mit wem (im Falle von Selbsthilfegruppen) wollen wir etwas tun? Welches sind die Adressaten und Zielgruppen unseres Vorhabens? 4. Wohin sollen unsere Aktivitäten führen? Was sind unsere Ziele, was wollen wir erreichen? 5. Was wollen wir tun? Welche Leistungen wollen wir erbringen? Welche Einrichtungen wollen wir schaffen? Welche Veranstaltungen wollen wir durchführen, welche Programme anbieten? 6. Wie wollen wir arbeiten? Welche Arbeitsformen, Methoden und Vorgehensweisen sind angemessen? Welche Kooperationspartner brauchen wir? 7. Wo soll unsere Arbeit stattfinden? An welchem Standort und für welches Umfeld? In was für Räumen? 8. Wann sollen bestimmte Aktivitäten erfolgen? In welcher Abfolge sollen die einzelnen Arbeiten durchgeführt werden? Welche Fristen oder Termine sind zu beachten, an denen bestimmte Ergebnisse vorliegen müssen? 9. Durch wen soll die Arbeit geschehen? Wie viele haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter/innen brauchen wir dafür? Was sollen die Aufgaben der einzelnen Mitarbeiter/innen sein? 10. Womit wollen wir arbeiten? Welche sachlichen und finanziellen Mittel brauchen wir? Von jeder und jedem im sozialen Bereich tätigen Ehren- und Hauptamtlichen werden ständig konzeptuelle Entscheidungen verlangt. Einerseits liegt fast jeder Verrichtung in der Alltagsarbeit ein Plan zugrunde, warum wer was und wann zu tun hat. Aber auch komplexere Entscheidungen, vor allem dann, wenn Lösungen für Probleme gefunden werden müssen, haben in der Regel implizit oder explizit ein Konzept. Als Mitglied einer Gruppe von seniortrainerinnen stellen Sie eine zunehmende Verschlechterung des Betriebsklimas in Ihrer Anlaufstelle fest, wobei sich Fronten zwischen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern herausbilden. Die Leiterin der Anlaufstelle teilt Ihre Einschätzung, dass Kooperationsbeziehungen viele Probleme

9 überstehen können, nicht aber den Abbruch der Kommunikation. Deshalb beschließen Sie gemeinsam, an jedem ersten Dienstag im Monat ein anderthalbstündiges Arbeitsgespräch anzuberaumen, das sich ausschließlich der Thematik Kooperation von Haupt- und Ehrenamtlichen widmet. Obwohl diese Entscheidung ein Minimum an Vorarbeiten benötigt, liegt ihr ein ausgereiftes Konzept zugrunde: warum? wer? was? mit wem? wann? wo? wohin? wie? durch wen? womit? Weil das Betriebsklima ernsthaft gefährdet ist, führen die Leiterin der Anlaufstelle und Sie als Mitglied der Gruppe von seniortrainerinnen ein Arbeitsgespräch zum Thema Kooperation zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen mit allen Kolleginnen und Kollegen an jedem ersten Dienstag im Monat im Besprechungsraum der Anlaufstelle durch. Irritationen und Verärgerungen zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen sollen damit offen angesprochen und Lösungen für bestehende Probleme gefunden werden. Jedes Treffen wird einem bestimmten Thema gewidmet. Die erste Sitzung beschäftigt sich damit, welche Unterstützungsleistungen seniortrainerinnen von der Anlaufstelle erwarten zu können. Am Ende jeder Sitzung wird gemeinsam ein Thema für das folgende Treffen vereinbart. Die Organisation der Treffen wird von der Leiterin der Anlaufstelle übernommen, die Moderation wird gemeinsam durchgeführt. Der Einsatz hauptamtlicher Arbeitszeit für derartige Treffen ist mit der Trägerorganisation abgestimmt; Sachkosten entstehen keine. Dieses Vorhaben unterscheidet sich von einem Projekt nur dadurch, dass die Bedingungen für seine Durchführung vergleichsweise kalkulierbar sind. Ganz anders verhält es sich, wenn zum Beispiel ein Zeitzeugenprojekt in Schulen aufgebaut oder ein örtlicher Senioren-Computer-Club ins Leben gerufen werden sollen. Je unsicherer die Bedingungen für die Durchführung eines Projekts sind, desto wichtiger ist ein ausgereiftes, schriftlich fixiertes Konzept und desto schwieriger ist es, das Konzept zu erarbeiten. Für ein umfangreiches Konzept, das lesefreundlich und übersichtlich zugleich ist, könnte folgender Aufbau gewählt werden: 1. Hintergrund und Zielsetzung des Projekts warum? wer? für wen? wozu? 2. Arbeitsinhalte und -methoden was? wie? wo? durch wen? 3. Zeitplan wann? 4. Kostenplan womit?( weitere Erläuterungen s. Möglichkeiten der Finanzierung..)

10 RECHTLICHE GRUNDLAGEN IM ZUSAMMENHANG MIT DEM VERSICHE- RUNGSSCHUTZ IN DER FREIWILLIGENARBEIT Vortrag und Diskussion Der Versicherungsschutz gehört sicherlich zu den komplexesten Feldern in den Rahmenbedingungen der Freiwilligenarbeit. Er lässt sich am besten anhand von konkreten Beispielen erklären. Dennoch sollen vorab einige Grundstrukturen vorgestellt werden. Zu unterscheiden ist nämlich zunächst einmal zwischen Schäden, die Freiwillige erleiden: Denkbar sind hier primär Unfälle, etwa ein Sturz auf der Treppe während des Einsatzes oder Unfälle auf dem Weg zum und vom Einsatz; aber auch Überfälle, z. B. auf Sammlerinnen für einen Hilfsdienst, würden dazu gehören. Schäden, die Freiwillige anrichten: Hierzu gehören sowohl Bagatellschäden, etwa das Überhitzen des Kopierers, wenn rasch einmal 500 Kopien gemacht werden müssen, aber auch ernsthaftere Schäden sind bekannt. Durch eine an sich gut gemeinte Freiwilligenarbeit sind auch schon Menschen verletzt worden oder zu Tode gekommen. Zunächst zu den Schäden, die Freiwillige bei Ausübung ihrer Arbeit selbst erleiden können. Hier sind vor allem Unfallversicherungen gefragt. Unfallversicherungen können zum einen kraft Gesetz bestehen: Das Sozialgesetzbuch VII sieht für alle Erwerbstätigen einen gesetzlichen Unfallversicherungsschutz vor, ähnlich wie es auch gesetzliche Renten-, Kranken- oder Pflegeversicherungen gibt. In einigen Fällen sind auch Freiwillige in diesen Schutz eingeschlossen, und die Leistungen sind sehr attraktiv: Nicht nur gibt es Behandlungen in spezialisierten Kliniken und Reha-Leistungen, bei Bedarf wird auch die Wohnung rollstuhlgerecht umgebaut oder ein behindertengerechter Pkw gestellt. Auch Witwen- und Waisenrenten sind möglich, und auch Freiwillige können eine Verletztenrente beziehen, selbst wenn sie keinerlei Einkommen aus der Freiwilligenarbeit hatten. Für Freiwillige kommt hinzu, dass sie zumindest im Bereich Gesundheit und Soziales durchgängig kostenlos versichert sind. zum anderen qua Vertrag abgeschlossen werden: Zwar sind hier die Leistungen wesentlich eingeschränkter und natürlich kosten private Unfallversicherungen Geld. Außerdem kennt man die oft aufreibenden Verhandlungen über den Invaliditätsgrad, der durch einen Unfall erreicht wurde. Aber eine private Unfallversicherung kann trotzdem die schlimmsten Folgen erleichtern, so dass sie mehr als eine Verlegenheitslösung sind. Die Länder Hessen und Niedersachsen haben übrigens eine Unfallversicherung für alle hessischen Freiwilligen abgeschlossen, die durch die Maschen des gesetzlichen Unfallversicherungsschutzes fallen. Andere Länder, wie Rheinland-Pfalz ab 2004, planen ebenfalls entsprechende Versicherungen. Auch das BMFSFJ hat dafür gesorgt, dass alle seniortrainerinnen zumindest privat unfallversichert sind, wenn Zweifel am gesetzlichen Schutz bestehen. Träger der gesetzlichen Unfallversicherung sind Berufsgenossenschaften und Unfallkassen der öffentlichen Hand. Begrifflich wird unterschieden zwischen Ehrenamtlichen,

11 d.h. Personen, die ein formal geregeltes Ehrenamt bekleiden, und unentgeltlich Tätigen, d.h. Personen, die praktische Unterstützungsleistungen im gemeinnützigen Bereich erbringen. Für freiwillig Engagierte in Vereinen, Kirchen und Kommunen ist in der Regel einer der drei folgenden Versicherungsträger zuständig: Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) betreut Organisationen, die sich die Gesundheit und Pflege kranker oder pflegebedürftiger Menschen oder die Hilfe für gesundheitlich, wirtschaftlich oder sozial benachteiligte Menschen zum Ziel gesetzt haben. Zuständig ist die BGW für Ehrenamtliche o in der Freien Wohlfahrtspflege, z. B. als Vorstands-, Ausschuss- oder Beiratsmitglied im Sinne der Satzung oder der Statuten der betreffenden Organisation, o in einer Körperschaft, Anstalt oder Stiftung des öffentlichen Rechts, z. B. als Vorstands-, Ausschuss- oder Beiratsmitglied der berufsständischen Kammern des Gesundheits- und Veterinärwesens. Unentgeltlich Tätige, z. B. o im Rahmen von Sammlungen, die von den Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege (Arbeiterwohlfahrt, Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband, Diakonisches Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland, Deutscher Caritasverband, Deutsches Rotes Kreuz, Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland) veranstaltet werden, o Helferinnen und Helfer in Krankenhäusern, Altenheimen und ähnlichen Einrichtungen in Trägerschaft der Wohlfahrtsverbände, z. B. im Rahmen von Besuchsdiensten, o Personen, die im Auftrag eines Vereins in der Nachbarschaftshilfe, Alten-, Hausund Familienpflege tätig sind. Ehrenamtlich und unentgeltlich Tätige, die in den Zuständigkeitsbereich der BGW fallen, sind beitragsfrei versichert. Andere Berufsgenossenschaften erheben für Ehrenamtliche Beiträge; diese sind aber vom Träger aufzubringen. Die Berufsgenossenschaft der Banken, Versicherungen, Verwaltungen, freien Berufe und besonderen Unternehmen (Verwaltungs-Berufsgenossenschaft) ist zuständig für Kirchenverwaltungen, religiöse Gemeinschaften, bedingt auch andere weltanschauliche Organisationen, Berufs-, soziale und sonstige Verbände, Sportvereine und -einrichtungen sowie Vereine und Einrichtungen, die der Entspannung, Erholung, Belehrung, Unterhaltung und Geselligkeit dienen. Unter letzteres fällt das Gros von Vereinen mit Freizeit-, Bildungsoder kulturellen Zwecken. Zuständig ist die VBG für Ehrenamtliche o in kirchenverfassungsrechtlichen Gremien bzw. Organen, z. B. als Mitglied des Kirchenvorstands, Pfarrgemeinderats oder Presbyteriums, o als Mitglied von Kirchenchören, soweit originär kirchliche Tätigkeiten wahrgenommen werden.

12 Unentgeltlich Tätige, die im Sinne von 2 Abs. 2 SGB VII wie Beschäftigte eingesetzt sind, unter anderem o Trainer und Übungsleiter im Sport, o Platz- und Zeugwarte im Sport, sofern ihre Tätigkeit erheblich über ihre mitgliedschaftlichen Verpflichtungen hinausgehen, o andere Personen, die weit über das hinaus tätig werden, was der Verein ihnen als mitgliedschaftliche Verpflichtung abverlangen kann. Bei den Unfallkassen der öffentlichen Hand sind Personen versichert, die im Interesse von Kommunen, Ländern und Bund ehrenamtlich oder unentgeltlich tätig sind. Hierzu gehören unter anderem Ehrenamtliche, wie Gemeinde-, Kreis- und Bezirksräte, Beigeordnete, ehrenamtliche Bürgermeister, ehrenamtliche Richter, Elternbeiräte, Naturschutzbeauftragte, vom Vormundschaftsgericht bestellte ehrenamtliche Betreuer, Schülerlotsen, Volkszähler, Mitglieder von Wahlorganen, freiwillige Helfer im Katastrophenschutz und in Unternehmen zur Hilfe bei Unglücksfällen (z. B. Freiwillige Feuerwehren, Rotes Kreuz, Deutsche Lebensrettungsgesellschaft, Arbeiter-Samariter-Bund, Malteser-Hilfsdienst oder Johanniter-Unfallhilfe), unentgeltlich Tätige, die im Auftrag einer hauptamtlichen Arbeitskraft in kommunalen Projekten Unterstützungsleistungen erbringen, z. B. bei der Organisation des Sommerfestes des kommunalen Seniorenbüros, häusliche Pflegepersonen, z. B. Familienangehörige, Freunde und Nachbarn, die eine anerkannt pflegebedürftige Person nicht erwerbsmäßig (mit Bezügen über das gesetzliche Pflegegeld hinaus) in häuslicher Umgebung mindestens 14 Stunden wöchentlich pflegen. Weiterhin sind bei den Unfallkassen der öffentlichen Hand Personen versichert, die über die genannten Bereiche hinaus im Interesse der Allgemeinheit tätig sind, insbesondere Personen, die bei Unglücksfällen, allgemeiner Gefahr oder Not Hilfe leisten oder einen anderen zu retten versuchen, z. B. Erste-Hilfe-Leistungen bei Verkehrsunfällen oder der Einsatz bei Naturkatastrophen, Personen, die Blut, körpereigene Organe, Organteile oder Gewebe spenden, Personen, die sich bei der Verfolgung oder Festnahme einer Person, die einer Straftat verdächtig ist, oder zum Schutz eines widerrechtlich Angegriffenen persönlich einsetzen, Zeugen, die von einer dazu berechtigten Stelle, wie dem Gericht, zur Beweiserhebung, und Personen, die von einer öffentlichen Institution zu einer Diensthandlung herangezogen werden. Die Zuständigkeitsbereiche der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen lassen sich für Außenstehende nicht immer leicht voneinander trennen. Beispielsweise fallen Fördervereine von Schulen im Prinzip in den Bereich der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft. Bieten sie jedoch Schülern ein Betreuungsprogramm außerhalb der Unterrichtszeiten an, gewinnt der soziale Aspekt der Tätigkeit so weit an Bedeutung, dass die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege für den Verein zuständig ist. Zweifelhafte Zuständigkeiten klären die Berufsgenossenschaften unter sich. Zeigt zum Beispiel

13 ein Verein die Eröffnung seines Unternehmens bei der BGW an und hält diese die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft für zuständig, werden die Unterlagen dorthin weitergeleitet. Am besten ist es jedoch, einzelne Fälle und Fragen aus der Praxis zu besprechen. (Bitte um Beiträge) Nun zur zweiten Kategorie von Schäden, nämlich solchen Schäden, die Freiwillige bei ihrer Arbeit anrichten können. Zum einen gilt natürlich der Rechtgrundsatz, dass jede Person, die vorsätzlich oder fahrlässig das Leben, den Körper, die Gesundheit, die Freiheit, das Eigentum oder ein sonstiges Recht eines anderen verletzt, diesem kraft Gesetz zum Ersatz des Schadens verpflichtet ist. Trotzdem haben Freiwillige aber schon aufgrund gesetzlicher Regelungen hier keine schlechten Karten. Zwischen Träger und Klienten besteht nämlich ohne dass es hierfür der Schriftform bedarf ein sozialer Dienstleistungsvertrag. In diesem verpflichtet sich der Träger, eine Dienstleistung zu erbringen; der Klient erklärt sich im Gegenzug bereit, die Dienstleistung anzunehmen. Wenn nun also der Träger zur Betreuung einer, sagen wir, alleinlebenden und mobilitätseingeschränkten alten Frau eine Freiwillige schickt, die auf ihrem Weg durch die Wohnung der Betreuten die teure chinesische Bodenvase umstößt und zerbricht, ist dies eine klare Verletzung des Vertrags durch den Dienstleister. Die geschädigte Person kann deshalb frei wählen, ob sie den Träger, die Freiwillige oder gegebenenfalls auch beide haftbar machen möchte. Zwar könnte der Träger, wenn er den Schaden ausgleichen muss, zwar theoretisch die Freiwillige im zweiten Schritt wiederum in Regress nehmen. Nach der geltenden Rechtssprechung ist dies aber unbillig, wenn der Schaden nicht vorsätzlich oder grob fahrlässig herbeigeführt wurde. Grobe Fahrlässigkeit wird dann unterstellt, wenn schon sehr einfache und naheliegende Erwägungen zu möglichen Schadenfolgen unterbleiben, z. B. wenn jüngere Kinder beim Schwimmern oder beim Entfachen eines Lagerfeuers unbeaufsichtigt bleiben oder in der Drogenberatung personenbezogene sensible Daten während der Mittagspause unverschlossen in einem Raum liegen gelassen werden, der allgemein zugänglich ist. Also zusammengefasst: Wenn ein Träger über kein nennenswertes Vermögen verfügt, kann er durch Schäden, die seine haupt- oder ehrenamtlichen Mitarbeiter verursachen, ernsthaft in Schwierigkeiten geraten. Jeder einigermaßen professionell arbeitende Träger hat deshalb eine Vereinshaftpflichtversicherung, die alle Grade der Fahrlässigkeit inkl. grobe Fahrlässigkeit abdeckt; im Idealfall hat er auch andere Versicherungen. Aber auch hier sind praktische Beispiele am besten geeignet, dies zu erläutern. (Bitte um Beiträge) Somit bleibt noch ein letzter wichtiger Punkt: Sachschäden, die Freiwillige bei ihrer Arbeit selbst erleiden.

14 Diese Eigenschäden sind nicht leicht versicherbar, einfach weil sie sich der Überprüfung weitgehend entziehen. Sowohl Träger als auch Freiwillige könnten sich natürlich in Absprache und unter Erfüllung des Tatbestandes des Versicherungsbetrugs darauf verständigen, Schäden an ihrem jeweiligen Eigentum zu deklarieren und sich rasch einen neuen Computer oder eine neue elektronische Gitarre, die bei einem Ausflug mit Jugendlichen eingesetzt wurde, beschaffen. Allerdings sollten Träger, deren Freiwilligen einmal beim Einsatz eine Jacke beschädigt wird oder die ein Büromöbel mit der Zigarette verbrannt haben, großzügig behandeln. Auch Hauptamtliche werden für solche Schäden in der Regel nicht in Regress genommen, und der Ersatz einer Jacke kann die Weiterarbeit des Freiwilligen retten. Nur ein Eigenschaden lässt sich sehr gut versichern, und zwar Schäden, die Freiwilligen durch einen selbst verursachten Verkehrsunfall mit dem eigenen Pkw entstehen. Zwar besteht ja für jedes Kraftfahrzeug eine Kfz-Haftpflichtversicherung, aber der Halter, in diesem Fall der Freiwillige, wird bei einem selbst verursachten Schaden zurückgestuft und muss künftig höhere Beiträge bezahlen. Auch der Selbstbehalt bei der Kasko- Versicherung schlägt hier zu Buche. Für diese Fälle haben Träger die Möglichkeit, eine sogenannte Dienstreisekasko- mit Rabattverlustversicherung für ihre Haupt- und Ehrenamtlichen abzuschließen, die entsprechende finanzielle Nachteile ausgleicht. Diese Versicherungen sind nicht ganz billig (seniortrainerinnen haben sie jedoch), wären aber etwa für Fahrdienste ein Muss. In anderen Fällen und wenn entsprechende Mittel nicht zur Verfügung stehen wäre es jedoch nur recht und billig, wenn Träger ihre Freiwilligen auf das entsprechende Risiko hinweisen. Dann kann jeder und jede selbst entscheiden, ob das Risiko bewusst eingegangen oder auf öffentliche Verkehrsmittel umgestiegen wird. (Klärung noch offener Fragen)

15 MÖGLICHKEITEN DER FINANZIERUNG VON INITIATIVEN UND PROJEK- TEN Das Hauptproblem vieler Initiativen ist in einer Zeit, in der die öffentlichen Kassen leer sind, die Frage der Finanzierung eines Projektes. Daher war dieser Punkt ein wesentlicher Bestandteil des Seminars, denn es kann davon ausgegangen werden, dass Seniortrainer/innen bei der Beratung von Initiativen und Projekten immer wieder mit diesem Thema konfrontiert sein werden. Kooperationen als Möglichkeit zur Kostenreduzierung Eine Initiative steht vor dem Beginn eines Projektes vor der Frage, wie die Kosten, die nicht von der Initiative selbst getragen werden können klein gehalten werden können. Unabhängig von Inhalt und Art des Projektes ist es jeder Initiative möglich, einen Teil der Kosten aus eigenen Mitteln zu bestreiten. Die Basis für das Einbringen von Eigenmitteln lässt sich durch Kooperationen erheblich erweitern. Diese wirken sich dabei in dreifacher Hinsicht kosten reduzierend aus: durch Kooperationen werden die Gesamtkosten eines Projektes auf mehrere Schultern verteilt und somit für die einzelne Initiative entsprechend der Anzahl der Partner/innen aufgeteilt Kooperationspartner verfügen über haupt- oder ehrenamtliche Mitarbeiter/innen die ihre jeweiligen Kenntnisse und Fähigkeiten dem Projekt nutzbar machen. Konkret kann dies z.b. bedeuten, dass die Honorare für Referenten/innen bei Fortbildungen und Veranstaltungen gespart werden können bzw. den finanziellen Anteil, der als Eigenmittel eingebracht wird, erhöht. Kooperationspartner verfügen über Ressourcen, die dem Projekt somit unentgeltlich zu gute kommen. Dies können sein: Räume, technische Ausrüstung wie Beamer, Kopierer, Computer u.a. Durch diese Aufzählung wird deutlich, dass Kooperationen einen erheblichen finanziellen Vorteil bieten. Dennoch wird bei den meisten Projekten ein Teil Kosten übrig bleiben, der über einen Zuschuss von außen finanziert werden muss. Formen der finanziellen Förderung Die einzelnen Formen der Förderung orientieren sich nach den unterschiedlichen Finanzgebern. Dabei lassen sich die folgenden Formen unterscheiden: - Förderung durch Kommune, Land, Bund Europäische Kommission (öffentliche Förderung) - Förderung durch Stiftungen und Fonds - Spenden durch die Privatwirtschaft - Sponsoring

16 - Finanzierung durch Beiträge - Finanzierung durch Verkaufserlöse (Merchandising) - Bußgelder Jede dieser Finanzierungsmöglichkeiten muss eigenständig betrachtet werden und erfordert unterschiedliche Maßnahmen. Aus Zeitgründen haben wir uns im Rahmen des Seminars im Wesentlichen mit der öffentlichen Förderung befasst. Möglichkeiten der Finanzierung durch öffentliche Förderung. Die Initiatoren/innen jedes gemeinnützigen Projekts können bei den unterschiedlichen öffentlichen Stellen Mittel beantragen. Als erstes kommt hierfür natürlich die Kommune in Betracht. Bei Projekten mit einem geringen Finanzbedarf wird die Förderung durch die Kommune auch ausreichend sein. Bei der Förderung durch das Land ist in den letzten Jahren zu verzeichnen, dass immer mehr Länder wie z.b. Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland die Möglichkeit der Förderung von gemeinnützigen Projekten geschaffen haben, die eine sehr direkte unkomplizierte Art der projektbezogenen Förderung ermöglicht. Die Möglichkeit der Förderung durch den Bund oder die europäische Kommission sind für die meisten Projekte, in denen Seniortrainer/innen tätig sind aufgrund der Größenordnung nicht relevant. Bei jeder Form der öffentlichen Förderung sind zur Erlangung eines Zuschusses neben einem schriftlichen inhaltlichen Konzept auch ein aussagefähiger Kostenplan und ein Finanzierungsplan notwendig. Kostenplan Dieser enthält: Personalkosten Sachkosten Stellen aufgeschlüsselt nach Funktion und Qualifikation Berechnung der Gehälter in Anlehnung an BAT Personalnebenkosten, z. B. für Fortbildung und Supervision Miete und Mietnebenkosten Büromaterial Kommunikationskosten (Porto, Telefon, Telefax, ) Fahrtkosten Kosten der Öffentlichkeitsarbeit Fachliteratur Andere projektspezifische Arbeitsmittel Einmalige Ausgaben (z. B. Büromobiliar oder technik)

17 Finanzierungsplan Eigenmittel Mitgliedsbeiträge Freistellung bezahlter Arbeitskräfte für das Projekt Einnahmen aus dem Projekt, z. B. Beiträge, Eintrittsgelder Fremdmittel aus anderen Quellen Zuwendungen aus öffentlichen Mitteln, insbesondere kommunale, Landes- und Bundesmittel, Mittel der Arbeitsverwaltung, Mittel aus europäischen Programmen oder sonstige öffentliche Mittel wie Bußgelder Laufende private Mittel, z. B. Spenden Zuschüsse aus Stiftungen Beantragter Zuschuss Die Finanzierungsplanung gehört zu den schwierigsten Entscheidungen im Rahmen einer Konzeptentwicklung. Falsche Bescheidenheit kann den Eindruck von Unprofessionalität erwecken und dazu führen, dass das Scheitern des Projekts bereits im Kern angelegt ist. Umgekehrt ist eine übertriebene Einschätzung des Bedarfs an Ressourcen ein noch schnellerer Weg, mögliche Geldgeber zu verprellen. Realistische Schätzungen des Finanzbedarfs, sparsames Wirtschaften, das Ausnutzen von Möglichkeiten, Mittel im Zuge des Projekts einzunehmen und das Signal, dass das Projekt der Trägerorganisation auch der Einsatz von Eigenmitteln Wert ist, überzeugen hingegen auch kritische und sparsame Geldgeber.

18 STRUKTUREN DES SOZIALEN SEKTORS IM KOMMUNALEN UMFELD Spannbreite des sozialen Sektors Das soziale Segment ist ein sehr umfangreicher gesellschaftlicher Bereich. Es reicht von der öffentlichen Sozialverwaltung über die Wohlfahrtsverbände bis hin zu unzähligen kleinen Vereinen und Selbsthilfegruppen. Bei den Inhalten reicht der soziale Sektor von der Jugend- über die Alten- und Behindertenhilfe bis zur Selbsthilfe im Gesundheitswesen. Dazu gehören außerdem eine Fülle von Beratungsangeboten wie Erziehungsberatung, Schuldner/innenberatung, Migrationsberatung, Beratung zur Sexualität,(Pro Familia) und Beratung für Frauen in Not oder Arbeitslosenselbsthilfe um nur einige zu nennen. Begünstigt wird diese Vielfalt der Organisationen und Gruppen durch das Prinzip der Subsidiarität. Dies besagt, dass der Staat eine soziale Aufgabe erst dann selbst ausüben darf, wenn sich keine Organisation der Wohlfahrtspflege dieser Aufgabe annimmt. Diese Bedeutung der freien Wohlfahrtspflege ist in Europa in dieser Form einmalig. Ein Großteil der Einrichtungen im Sozialbereich wird von den sechs Wohlfahrtsverbänden betrieben. Diese Verbände betreiben nach Zahlen aus dem Jahre % aller Jugendhilfeeinrichtungen - 51% der Altenheime - 39% der allgemeinen Krankenhäuser Insgesamt gehören zu den Wohlfahrtsverbänden Unternehmen mit 1,2 Millionen Mitarbeiter/innen und einem Jahresumsatz von 60 Milliarden. Es ist davon auszugehen, dass diese Werte heute noch höher anzusetzen sind. Wenn wir die Sozialverwaltungen, die staatlichen und privaten Einrichtungen hinzunehmen, so kommen wir auf schätzungsweise 2,5 bis 3 Millionen Beschäftigte und einem Jahresumsatz von über 100 Milliarden D-Mark. Das sind mehr als 10% des Bruttosozialproduktes. Was hier verdeutlicht werden sollte ist, dass der soziale Sektor zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor geworden ist. Strukturen des sozialen Sektors im kommunalen Umfeld am Beispiel der Altenarbeit In der Bundesrepublik ist der Sozialbereich in Bezug auf die konkrete Arbeit in viele Teilbereiche aufgegliedert. Obwohl dies sicherlich an vielen Stellen notwendig wäre, gibt es bisher kaum Verbindungen zwischen den einzelnen Gebieten. Selbst innerhalb der großen Verbände, die in verschiedenen Bereichen tätig sind gibt es lediglich sporadische Zusammenarbeit aber keine zielgerichtete Vernetzung. Daher lassen sich die kommunalen Strukturen am besten an einem Beispiel, hier der Altenhilfe darstellen.

19 Inhaltlich besteht der Bereich der Altenarbeit aus drei Teilen: der stationären, der ambulanten und der offenen Altenarbeit. Ziel in der Altenarbeit ist es eine ortsnahe und bedürfnisgerechte Versorgung der älteren Menschen sicherzustellen. Dazu ist es notwendig, dass alle Dienst und Einrichtungen der Altenarbeit auf der Ortsebene eng zusammen arbeiten. Zur Koordination dieser Dienste besteht an einigen Orten eine Beratungs- und Koordinierungsstelle, die neben der koordinierenden Funktion auch Anlaufstelle für die älteren Menschen und deren Angehörigen in der Kommune ist. Organ der Koordination ist in vielen Städten ein Arbeitskreis, in dem alle Bereiche der Altenarbeit vertreten sind. Hier finden sich neben den Pflegeheimen, den Pflegediensten und Vertreter/innen der Altenclubs auch ehrenamtliche Initiativen wie Hospizgruppen und Seniorengenossenschaften. Neben dieser Vernetzung auf der Ortsebene existieren weitere Koordinierungsorgane auf der Ebene des Landkreises. Seit Einführung der Pflegeversicherung gibt es auf dieser Ebene so genannte Pflegekonferenzen, in denen sich alle Bereiche die mit Pflege zu tun haben finden, neben den Bereichen der Altenarbeit finden sich hier auch Vertreter/innen des Gesundheitswesen z.b. aus Krankenhäusern oder von niedergelassenen Ärzten. Dazu kommen die Vertreter/innen des Landkreises und der Pflegekasse als Kostenträger im bereich der Pflege. Ein wichtiger Aufgabenbereich der Pflegekonferenzen ist neben der fachlichen Abstimmung die Pflegeplanung für den Landkreis. So oder ähnlich sind auch die anderen Bereiche des sozialen Sektors miteinander vernetzt. Wie bereits erwähnt, gibt es jedoch kaum Organe, die die verschiedenen Bereiche miteinander vernetzen. Da die Probleme in Zukunft noch komplexer werden und zumeist mehrere Bereiche umspannen, wird es immer notwendiger werden die unterschiedlichen Bereiche miteinander zu vernetzen.

20 KONZEPTENTWICKLUNG IN ARBEITSGRUPPEN Zum Thema Konzeptentwicklung wurde nach einer Einführung in Arbeitsgruppen von den Teilnehmern/innen gearbeitet. Aufgabe war es, ein Konzept für ein Projekt zu entwickeln, welches dann in form eines Rollenspiels präsentiert wurde. Im Folgenden ist als Beispiel für ein solches Konzept das Ergebnis der AG 2 ausführlich dokumentiert. Da in den Arbeitsgruppen nach dem gleichen Schema gearbeitet wurde, wird auf die Darstellung der anderen drei Ergebnisse hier verzichtet. Konzept zur Verbesserung der Funktionsfähigkeit eines bestehenden Vereins Hintergrund-Information: Der Verein wurde im März 2003 gegründet mit dem Ziel, Mädchen und Jungen bei der Bewältigung ihrer Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache zu unterstützen. Freiwillige, so genannte Mentoren/innen, setzen sich mit leseschwachen Kindern in Schulen zusammen und üben Lesen und Schreiben. Der Verein organisiert die Zusammenarbeit zwischen Eltern, Schulen, Lehrern/innen und Mentoren/innen. Der Initiator und Vater dieses Projektes ist eine charismatische Person, sehr bekannt, mit guten Kontakten - aber organisatorisch völlig untüchtig. Das Projekt erfreut sich in der Öffentlichkeit einer sehr hohen Resonanz, viele Freiwillige haben sich bereits zum Mitmachen gemeldet. Das Projekt läuft aber mehr schlecht als recht wegen der völlig desolaten Organisation innerhalb des Vereins. Hier setzt die Arbeitsgruppe an: Die Funktionsfähigkeit des Vereins soll verbessert werden. Gemäß der 10 Punkte aus der Vorlage zur Konzeptentwicklung wird folgendes Konzept präsentiert: 1. Wer: Getragen wird die Initiative zur Verbesserung der Funktionsfähigkeit des Vereins durch die Leiterin des Freiwilligenzentrums und drei seniortrainer/innen. 2. Warum: Erhebliche Struktur- und Organisationsdefizite sind offenkundig: Die Arbeit ist demotivierend, und auch andere Freiwillige beklagen sich. Es muss etwas geschehen, wenn sie bei der Stange gehalten werden sollen. Viele Mentoren warten auf ihren Einsatz, und sind enttäuscht, dass sie keine Einsatztermine erhalten. Einige besonders prekäre Beispiele: Es finden keine regelmäßigen Arbeitsbesprechungen statt. Arbeiten sind nicht aufeinander abgestimmt. Zuständigkeiten sind nicht geregelt. Es gibt keine geordnete Aufgabenverteilung. Arbeiten werden häufig doppelt verrichtet. Informationen fehlen. Workshops werden zwar durchgeführt, sind aber für die Beteiligten nicht zufrieden stellend. 3. Für wen: Der Vorstand soll entlastet werden. Es könnte alles erfolgreicher ablaufen. Dazu sind die Beteiligten angetreten. Sie wollen dem Vorstand helfen und eine bessere Zusammenarbeit mit den Mentoren/innen, Referenten/innen für die Workshops, und den Büromitarbeitern/innen organisieren.

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