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1 1 Begriff Eigentum ist seit Jahrtausenden Untersuchungsgegenstand von Philosophen, Juristen, Theologen und Ökonomen. So existieren viele verschiedene Theorien über Eigentum. Mit Eigentum haben sich beispielsweise Hobbes, Locke, Blackstone, Hume, Comte oder Bastiat beschäftigt. Coase (1959, 1960) hat mit zwei bahnbrechenden Aufsätzen über Umweltnutzungskonflikte eingeführt und eine neue ökonomische Sicht aufs Eigentum ermöglicht. Der Anstoss von Coase hat seither zu vielen Publikationen über und zur Gründung neuer wissenschaftlicher Disziplinen geführt (z.b. Neue Institutionenökonomik, Ökonomische Analyse des Rechts). 2 Transaktionskosten sind eng mit n verwandt. («property rights») sind sozial anerkannte Rechte zur bestimmten Nutzung eines knappen Guts. werden mittels Gesetzen, Traditionen, sozialen Normen oder wiederholten Transaktionen durchgesetzt. Private sind einer bestimmten Person exklusiv zur Nutzung zugeordnet und können mit ähnlichen n getauscht werden. Transaktionskosten: Alle Kosten, welche beim Ergattern, Transfer und Schutz von n entstehen. Coase (1959) «Thus, whether we have the right to shoot over another man s land has been thought of as depending on who owns the airspace over the land. It would be simpler to discuss what we should be allowed to do with a gun.» Beschreibung Eigentum über ein Gut bedeutet eine ganze Anzahl von verschiedenen Verfügungsmöglichkeiten zu haben. In der Folge kommen immer in Bündeln (Abbildung 1) vor, wobei gerade bei natürlichen Ressourcen kaum alle Bündel dem gleichen Eigentümer gehören. über natürliche Ressourcen werden nach Zutritt, Nutzung, Management, Ausschluss und Veräusserung gruppiert (Ostrom 2000, vgl. Tabelle 1). Tab. 1: Mit der Stellung einer Person assozierte Rechtebündel bei natürlichen Ressourcen. Quelle: Ostrom (2000). 1 Eigentümer Besitzer Begünstigter Nutzer Betreter Zugang X X X X X Nutzung X X X X Management X X X X Ausschluss X X Veräusserung X 1 Hostettler M (2014). Bern: Cycad AG, Skripten «Ökonomische Grundlagen». 8 p. 2 Engl.: «new institutional economics», «law and economics».

2 Abb. 1: kommen in Bündeln. 2 Fotos: Silvan Hostettler (2010). bündel lassen sich einfach an einem Beispiel illustrieren. In der Schweiz gehören zu jeder Waldparzelle eine Vielzahl von n, wobei nur einige von ihnen dem Waldeigentümer gehören. Gewisse gehören so dem Kanton (z.b. Jagdregal) und andere der Eidgenossenschaft (z.b. Rodungs- und Umnutzungsrecht). Werden die einzelnen Rechte nun als Stäbchen dargestellt, so besitzen die aufgezählten Personen und Körperschaften je ein Verfügungsrechtsbündel. Es liegt auf der Hand, dass sich diese bündel auch umkonfigurieren lassen, indem ein einzelnes Verfügungsrecht («Stäbchen») den Besitzer beziehungsweise das Bündel wechselt. Auf den ersten Blick lassen sich für eine Waldparzelle zahllose ausmachen. Vom Betretungsrecht übers Pilzesammeln bis hin zur Holznutzung kann ein solchermassen differenzierter Eigentumsbegriff letztlich auch jedes Baumblatt und jeden auf der Parzelle lebenden Regenwurm einzeln erfassen. Hoch differenzierte sind der wichtigste Schlüssel zum besseren Verständnis von Umweltnutzungskonflikten.

3 sind privat oder gehören öffentlichen Zwangskörperschaften (z.b. Einwohnergemeinde, Staat, Bund). Je mehr die staatlich und nicht privat zugeordnet sind, desto sozialistischer ist eine Wirtschaftsordnung (Alchian 1987; Demsetz 1998). In einer sozialistischen Wirtschaftsordnung sind Manager («agents») Besitzer der. können zusammengelegt und werden dann häufig als «common property rights» bezeichnet («joint production», «team production»; z.b. Aktiengesellschaft, Burgergemeinde). Mit der Zusammenlegung werden weitgehend an Dritte (z.b. Management) übertragen, was effizient oder ineffizient sein kann. Entstehung Es existieren mehrere Erklärungsansätze zur Entstehung von n, welche mehr oder weniger optimistisch bezüglich der erreichten Effizienz sind (Richter & Furubotn 2010). Ökonomen folgen häufig der Demsetz-These 3 und gehen in der Regel davon aus, dass mit zunehmender Knappheit einer natürlichen Ressource Gemeinschaften den freien Zugang («open access», auch «the commons») auf die Gemeinschaft selbst beschränken (Gemeinschaftseigentum, «common property»). Mit weiter zunehmender Knappheit bildet sich zunehmend privates Eigentum heraus («private property») oder die Ressource wird verstaatlicht («state property»). Private Ökonomen umschreiben starke private häufig mit den 3-D-Voraussetzungen: «clearly defined, easily defended against invasion, and divestible (transferable) by owners on terms agreeable to buyer and seller.» (Stroup 2007:202). Private sind ein Menschenrecht, weil sie Wahlfreiheit bedeuten (Alchian 2007). Ohne private kann aber auch die Marktwirtschaft nicht funktionieren. Für eine liberale Wirtschaftsordnung kommt deshalb privaten n eine überragende Bedeutung zu. «Free-market environmentalism» versucht mittels starken n Umweltnutzungskonflikte zu lösen (Anderson & Huggins 2003; Stroup 2007; kritisch Cole 2002). 3 Umweltunternehmer Umweltunternehmer («enviropreneurs») definieren unklare, erfinden neue Technologien zur Verteidigung von n (z.b. Stacheldraht; vgl. Anderson & Hill 2001; Hornbeck 2010) und bündeln derart, dass möglichst wenig Umweltnutzungskonflikte verbleiben. Sie identifizieren und vermarkten neue Umweltgüter, wozu sie mittels Firmen und Organisationen Umwelt- und Humanressourcen neuartig kombinieren, messen und steuern (Anderson & McCormick 2004). Freier Zugang und Trittbrettfahrer («free riders») können sie marginalisieren. Umweltunternehmer bzw. Verhandlungen für effizientere Rechtearrangements scheitern häufig an Verteilungsfragen, an Unsicherheit und an Messproblemen (Libecap 1989). 3 Demsetz (1967), kritisch Eggertsson (1990).

4 Neue werden im politisch-bürokratischen Prozess, mit Los oder durch Erstbesitz («first possession) einem Eigentümer zugeordnet. Letzteres führt häufig dazu, dass die Kosten zur Ergatterung des Rechts den Wert des Rechts teils oder ganz dezimieren («rent dissipation»; z.b. Warteschlange). Freier Zugang («open access») Unproblematisch ist der freie Zugang einzig bei nicht knappen Ressourcen. Bei knappen Ressourcen führt der freie Zugang meistens zu deren Übernutzung. Der freie Zugang zu einem Gut oder zu einer (natürlichen) Ressource kann mehrere Gründe haben (Ostrom 2000). Die Abgrenzung und Verteidigung des Verfügungsrechts ist rechtlich, technisch oder wirtschaftlich nicht möglich. Beispiel: Fischereiwirtschaft. Die Abgrenzung und Verteidigung des Verfügungsrechts ist staatlich verboten, d.h. der Staat hat das Verfügungsrecht bewusst für den freien Zugang geöffnet. Beispiel: Betretungsrecht von Wald und Weide. Die verstaatlichte Ressource wird nicht verteidigt bzw. ungenügend gegen unberechtigte Nutzer geschützt. Beispiel: Staatswälder in Thailand, Nepal und Indien (Ostrom 2000). Gerade umgekehrt wirken hohe Transaktionskosten, welche zur Unternutzung einer Ressource führen («anti-commons»). Ursache sind beispielsweise breit verteilte Vetorechte zur Unterbindung einer Ressourcennutzung (z.b. Alchian 1987; Buchanan & Yoon 2000). 4 Ökonomen vs. Juristen Ökonomen und Juristen sehen Eigentum verschieden (Barzel 1997). In der realen Welt lassen sich wegen zu hoher Transaktionskosten keineswegs unendlich differenzierte oder beliebig zusammengestellte Rechtebündel beobachten. Merrill & Smith (2000) sprechen in diesem Zusammenhang von Standardisierung und vom Numerus clausus im Eigentumsrecht. Anders Ökonomen: Analytisch differenzieren sie (Eigentum) nach Belieben, womit sie auch Vermögen beziehungsweise Vermögensveränderungen exakter und einfacher erfassen als sich dies Juristen gewohnt sind. Rechtlicher Schutz (Eigentum, Haftung und Unübertragbarkeit) Der rechtliche Schutz von Eigentum beinhaltet, soweit definiert sind, die physische Unversehrtheit und den üblichen Gebrauch. Ungeschützt ist der Tauschwert des Eigentums und selbstverständlich auch den (subjektiven) Wert für dessen Eigentümer. werden rechtlich mit verschiedenen Typen von Regeln geschützt (Calabresi & Melamed 1972). Unterschieden werden Eigentumsregeln («property rules»), Haftungsregeln («liability rules») und Unübertragbarkeit («inalienability»). Haftungsregeln treten zum Beispiel dann in Erscheinung, wenn der umfassende Schutz des Eigentums bzw. des Verfügungsrechts zu kostspielig wird (z.b. Schutz vor Verkehrsunfällen, Notfallnutzung). Eigentums- und Haftungsregeln unterscheiden sich bezüglich Freiwilligkeit der Veräusserung. Haftungsregeln sind

5 solche, welche die erzwungene, von welcher Seite auch immer, Übertragung regeln. Der wichtigste Nachteil von Haftungsregeln liegt in der ausserhalb des Marktprozesses erfolgenden Festlegung der Eigentümerkompensation. Kosten und Nutzen sind per definitionem subjektiv, weshalb die Kompensation und der Wert für den Eigentümers wesentlich divergieren können. Mittels ausgeklügelten Haftungsregeln lässt sich dieser Nachteil teils beheben (Ayres 2005). Bedeutung von privaten n im Alltag (Gwartney et al 2003) Damit private sich im Alltag auch wirklich positiv auswirken, müssen sie sicher und stabil sein. Private unterliegen einem Paradox: Obschon sie «privat» heissen, stützen sich private Entscheidungen über deren Nutzung auf gesamtgesellschaftliche Evaluationen ab (Alchian 2007). Eigentümer gewinnen, wenn sie ihre Ressource möglichst zum Nutzen anderer einsetzen. Und sie tragen die Opportunitätskosten, wenn sie die Wünsche anderer Menschen ignorieren. Menschen bemühen sich die Sachen so zu pflegen und zu bewahren, dass sie von anderen Menschen möglichst hoch geschätzt werden. Beispiele: kein grellfarbiger Anstrich eines Wohnhauses, vermietetes Ferienhaus. Eigentümer haben einen starken Anreiz zu Sachen Sorge zu tragen. Beispiele: Dachreparatur, nicht jedoch Fischereiwirtschaft. Eigentümer denken langfristig. Und sie gehen mit Ressourcen sparsam um, wenn sie eine Wertsteigerung erwarten. Beispiel: Weinlager. Eigentümer bzw. Besitzer haften für Schäden, welche von ihrem Eigentum bzw. Besitz ausgehen. Die Konsequenzen einer Entscheidung sind so an den Entscheidenden gebunden. Beispiel: herabfallender Ziegel. für Wald Für die Ressource Wald lassen sich beliebig viele verschiedene unterscheiden und abgrenzen. Die Erfahrung zeigt, dass die Menge der knappen einem steten Wandel unterworfen ist (z.b. CO2-Senke). Die einzelnen weisen untereinander komplexe Beziehungen auf. In den meisten Ländern sind für Wald einer Vielzahl von staatlichen Regulierungen unterworfen und instabil. Die Verfügungsrechtsanalyse nimmt die Ressource Wald als komplexe Verfügungsrechtsbündel wahr und schärft den Blick für die Rechtezuordnung beziehungsweise die Umverteilung von Rechten durch gesetzliche Vorschriften. 5 Referenzen Wörterbücher Alchian AA (1987) Property rights. In: Eatwell J, Milgate M, Newman P, editors. The New Palgrave: a dictionary of economics, volume 3 (K to P). London: Macmillan. pp Alchian AA (2007) Property rights. In: Henderson DR, editor. The concise encyclopedia of economics. Indianapolis: Liberty Fund. pp

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8 Andere Anderson TL, Huggins LE (2003) Property rights: a practical guide to freedom and prosperity. Stanford: Hoover Inst Press. 94 p. 8 Cycad AG, CH-3011 Bern a44 sct property rights v3

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