Einführung in die BWL und die Forstökonomie

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1 Einführung in die BWL und die Forstökonomie Geschichte der BWL Überblick über die BWL Methoden der Ökonomie Geschichte Forstökonomie / Forstlichen BWL Einige Daten zur Forstwirtschaft in Deutschland 1

2 Wirtschaftswissenschaften im System der Wissenschaften Metaphysische Theologie Wissenschaft Die Betriebswirtschaftslehre im System der Wissenschaften Quelle: Raffée 1974, S. 23 Teile der Philosophie Nicht- Metaphysische Formalwissen- schaft Logik Mathe- matik Realwissenschaft Naturwissenschaft Kulturwissenschaft Physik Chemie Biologie usw. Sozialpsychologie Soziologie Ökonomie Politologie usw. BWL VWL 2

3 Ökonomistisches Basiskonzept Sozialwissenschaftliches Basiskonzept BWL als eigenständige, autonome Wirtschaftswissenschaft Idee der Einkommensorientierung Autonome Betriebswirtschaftslehre BWL als spezielle, interdisziplinär geöffnete Sozialwissenschaft Idee der Bedürfnisbefriedigung Sozialwissenschaftliche Integration Grundkonzepte erster Ordnung Quelle: in Anlehnung an Raffée 1974, S. 79ff. 3

4 Übersicht über die Teildisziplinen der Betriebswirtschaftslehre Funktionenlehren Institutionen- lehren Industriebetriebslehre Handels- betriebslehre Bankbetriebslehre Versicherungsbetriebslehre Produktion Marketing Investition und Finanzierung Die Aufzählung der Institutionenlehren und Funktionenlehren sind unvollständig. Es fehlt insbesondere das Rechnungswesen, die Beschaffung, die Organisationslehre, die Steuerlehre etc. Es kommen stärker methodisch orientierte Teildiziplinen dazu, insbesondere Operations Research 4

5 Fragestellungen in den einzelnen Teildisziplinen der BWL Beschaffung Produktion Marketing Finanzierung Investition Controlling Organisation Personal/Führung Operations Research Optimierung von Beschaffungsmengen, Lagermengen Optimierung von Produktionsprozessen, beispielsweise Optimierung von Losgrößen, Maschinenbelegung, Zuschnitt Optimierung des Marketing-Mix, beispielsweise Optimierung der Produktpalette, des Preissystems, der Distribution, der Kommunikation Optimierung der Finanzierung bzw. Minimierung der Finanzierungskosten Auswahl des optimalen Bündels an Investitionen, Gestaltung eines optimalen Systems zur Auswahl der Investitionen Gestaltung des optimalen Lenkungssystems im Unternehmen Optimierung der Aufbauorganisation der Unternehmung Optimierung der Ablauforganisation Optimierung des Führungsverhaltens Optimierung der Personalauswahl Bereitstellung von Optimierungsmodellen für alle Teildisziplinen 5

6 Betriebswirtschaftslehre BWL als Wissenschaft Erkenntnisobjekt Wirtschaftlichkeit Erfahrungsobjekt Menschen in Betrieben Es werden die Verhaltensgesetzmäßigkeiten gesucht, um Grundlagen zu schaffen, damit sich die Menschen wirtschaftlicher verhalten können. Betriebswirtschaftslehre BWL als Lehrfach (Management-Lehre) Es werden Kenntnisse über Gesetzmäßigkeiten vermittelt, damit Manager gute Entscheidungen treffen können. Dazu gehören aber auch viele Sätze, die wissenschaftlich nicht gesichert sind. Ferner werden viele Kenntnisse der Institutionen (Regelwerk, Rahmenbedingungen) vermittelt, die notwendiges Faktenwissen darstellen. 6

7 Teildisziplinen der BWL Produktionslehre Marketing (einschl. Beschaffung) Finanzierung Investition Controlling, Rechnungswesen Logistik Organisation Führung, Management Steuerlehre Industriebetriebslehre Bankbetriebslehre Handelsbetriebslehre Versicherungsbetriebslehre Landwirtschaftliche Betriebslehre Forstliche Betriebslehre Operations Research Statistik, Ökonometrie 7

8 Nachbardisziplinen der BWL Volkswirtschaftslehre Rechtswissenschaft Mathematik Statistik Psychologie Ethik Philosophie 8

9 Wichtige wissenschaftliche Zeitschriften der BWL ZfbF, Zeitschrift für betriebswirtschaftliche Forschung (Schmalenbach) ZfB, Zeitschrift für Betriebswirtschaft BFuP, Betriebswirtschaftliche Forschung und Praxis Die Betriebswirtschaft Es gibt viele Zeitschriften, die auf Teildisziplinen der BWL spezialisiert sind, beispielsweise Marketing, Operations Research, Betriebswirtschaftslehre für öffentliche Betriebe 9

10 Wissenschaftliche Gesellschaften der BWL Deutsche Gesellschaft für Betriebswirtschaft e.v. - Schmalenbach Gesellschaft Verband der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft (VHB) International Federation of Scholarly Associations of Management (Dachverband) Academy of Management (AoM) 10

11 Wissenschaftliche Gesellschaften der Ökonomie Verein für Socialpolitik - Gesellschaft für Wirtschaftsund Sozialwissenschaften Wilhelm-Epstein-Straße 14 D Frankfurt Tel.: Fax : Website:http://www.socialpolitik.de gegründet 1872 American Economic Association 2014 Broadway, Suite 305 Nashville, TN Telephone: Fax: du. EURAM Secretariat c/o EIASM Place de Brouckère Plein, 31 B Brussels Tel: Fax: EUROPEAN ECONOMIC ASSOCIATION Office of the Secretary Prof. Ian Walker and Fiona Brown Department of Economics University of Warwick Coventry CV4 7AL Tel: Fax:

12 Lehrbücher der BWL Bücher einzelner Autoren bzw. von Autorenkollektiven Günther Wöhe: Einführung in die Betriebswirtschaftslehre Jean-Paul Thommen, Ann-Kristin Achleitner: Allgemeine Betriebswirtschaftslehre Günter Specht und Ingo Balderjahn: Einführung in die Betriebswirtschaftslehre Waldemar Hopfenbeck: Allgemeine Betriebswirtschafts- und Managenmenlehre Helmut Schmalen: Grundlagen und Probleme der Betriebswirtschaft Kompendien von vielen Autoren Vahlens Kompendium der Betriebswirtschaftslehre Bea, Dichtl, Schweitzer: Allgemeine Betriebswirtschaftslehre 12

13 Einführung in die BWL und die Forstökonomie Geschichte der BWL Überblick über die BWL Methoden der Ökonomie Geschichte Forstökonomie / Forstlichen BWL Einige Daten zur Forstwirtschaft in Deutschland 13

14 Methoden der Wissenschaft Hermeneutik (Methode des nachfühlenden Verstehens) Induktion Deduktion axiomatisch-deduktive Modellanalyse realtheoretische Modellanalyse deduktiv-nomologische Erklärungsmethode deduktive Deutungsansätze der Erklärung Nomologie = Lehre von den Denk-Gesetzen Quelle: nach Raffee, in Vahlens Kompendium der BWL 14

15 Hermeneutik = Kunst des Auslegens, Lehre des nachfühlenden Verstehens Definition: (aus dem Griechischen) [die Kunst des] Interpretierens, Übersetzens, Erklärens und Auslegens, leitet sich her von Hermes, dem Götterboten, der den Menschen den Götterwillen immer verschlüsselt, also interpretationsbedürftig gebracht hat. Anwendungsgebiete: Die empirischen Wissenschaften erklären, die Hermeneutik versteht. In erster Linie bei der Auslegung von Texten, Kunstwerken oder Musikstücken. In der Theologie findet die Hermeneutik in Form der Biblischen Hermeneutik Anwendung, in der Philosophie wird sie universal als Weltdeutung verstanden und die Rechtshermeneutik dient der Frage nach der Anwendung und Interpretation von Gesetzestexten. Wissenschaftstheoretisch können Naturwissenschaften (Empirie) und Hermeneutik (Geisteswissenschaften) einander gegenüberstehen. Naturwissenschaften erklären etwas, fragen nach Ursachen (erklären z. B. den Tod eines Menschen medizinisch). Geisteswissenschaften versuchen etwas (im umfassenderen Sinne) zu verstehen (fragen z. B. Was ist der Tod?) In den Sozialwissenschaften unterscheidet man subjektive und objektive Hermeneutik. Während erstere das einfühlende Verstehen z. B. in die persönliche Situation eines Menschen bezeichnet (auch Empathie genannt), ist die objektive Hermeneutik bemüht, die tatsächlichen Beweggründe, Botschaften eines Handelns oder einer Situation zu verstehen. Dies geschieht unter anderem durch die Interpretation von Kontextmerkmalen einer Situation oder eines Ereignisses. Die objektive Hermeneutik stellt auch eine Methode der qualitativen Sozialforschung dar. Kritik: Ungeklärt ist die Frage nach der Validität oder Glaubwürdigkeit hermeneutischer Aussagen. Hermeneutik hat eine heuristische Wissenschaftsfunktion, d.h. es geht Um Wirkungszusammenhänge im Sinne einer vorwissenschaftlichen Betrachtung. Damit werden unsinnige Erklärungshypothesen von vornherein ausgeschlossen. Es besteht aber auch das Risiko, dass bestimmte gute Erklärungshypothesen nicht weiter verfolgt werden. 15

16 Induktion und Deduktion Induktion Deduktion Schließen vom Besonderen auf das Allgemeine Schließen vom Allgemeinen auf das Besondere 16

17 Induktion Beobachtung Ereignisse a.org/wiki/image:mona_ Lisa_detail_eyes.jpg mage:hoeckerschwan_familie.jpg Suche nach Gemeinsamkeiten Verallgemeinerung der Gemeinsamkeiten alle Schwäne sind weiß Theorie 17

18 Das deduktiv-nomologische Erklärungsschema Explanans 1. nomologische Hypothese(n) 2. Randbedingung(en) Explanandum 3. Ein aus 1. und 2. ableitbarer Satz Quelle: Raffee: Kompendium der Betriebswirtschaftslehre, 1989, S

19 Gesetze (nomologische Hypothesen): Anfangsbedingungen: G 1, G 2,..., G n A 1, A 2,..., A k Explanans logische Ableitung realer Sachverhalt: E Explanandum Hempel-Popper-Schema oder Hempel-Oppenheim-Schema wissenschaftlicher Erklärungen 19

20 Modelle als zentrale Elemente der Betriebswirtschaftslehre Modelle sind vereinfachte Abbilder der Realität, die charakteristische Eigenschaften hervorheben. Forschung Es wird ein Modell (Hypothese, Theorie) formuliert. Dann wird geprüft, ob es durch die Realität widerlegt wird. Erklärungsmodell Beispiel: Führungsstile Praxis Für die Realität wird ein passendes Modell gesucht, mit den konkreten Daten wird eine Lösung berechnet. Wenn möglich, wird die Lösung auf die Realität übertragen. Entscheidungsmodell Beispiel: Berechnung der optimalen Bestellmenge 20

21 realer Betrachtungsgegenstand Abbildung Modell z.b. Produktnachfrage Preisabsatzfunktion: Absatz = α - β Preis Modellbildung Quelle: Bea 2000a, S

22 Erklärungsmodell - Entscheidungsmodell Jedes Erklärungsmodell kann auch als Prognosemodell oder Entscheidungsmodell verwendet werden. Unter bestimmten Rahmenbedingungen und Anfangsbedingungen gilt eine bestimmte Wenn/Dann-Aussage. Kenne ich die Rahmenbedingungen und will ein bestimmtes Ergebnis erreichen, dann sagt mir das Modell, wie ich die Anfangsbedingungen setzen muß (technologische Nutzung als Entscheidungsmodell). Kenne ich die Rahmenbedingungen und die Anfangsbedingungen, kann ich das Ergebnis prognostizieren (Prognosemodell) 22

23 Struktur der Erklärung durch ein Modell Anfangsbedingungen Wenn/Dann-Aussagen Explanandum Randbedingung, unter denen die Wenn/Dann-Aussagen wahr sind Quelle: nach Patzelt: Einführung in die Politikwissenschaften,

24 Strukturidentität von Erklärung, Prognose und Technologie nach dem Hempel/Oppenheim-Schema Erklärung Prognose Technologie Gesetz gesucht gegeben gegeben Randbedingung gegeben gegeben gesucht Welche Maßnahmen führen zum Ziel? Explanandum gegeben gesucht Was wird passieren? gegeben vgl. Wunderer/Grunwald 1980, S. 20 f. 24

25 Die Entwicklung eines (betriebswirtschaftlichen) Modells Realität (objektiv) Problem (im Bewusstsein eines Menschen) natürliche Sprache Abstraktion verbales Modell formale Sprache, Perception Bewusstsein Anspruchsniveaus (subjektiv) Anpassung der An- Sprüche, Änderung des Realitätsausschnitts nein Mathematisches Real-Modell Rechenmodell Algorithmus Entschluss ja akzeptabel? Lösung des Rechenmodelles Nicht-quantifizierte relevante Probleme Tatbestände Lösung des Problems Interpretation Interpretation Lösung des Real-Modelles nach: Zusammenhänge zwischen Problemen, Modellen und Algorithmen (Zimmermann, 1992, S. 1) 25

26 Erkenntnisgewinnung durch Modellbildung reales Entscheidungsproblem Auswahl des problemrelevanten Realitätsausschnitts (isolierende Abstraktion) Abbildung relevanter Realitätsmerkmale im Modell gelöstes Realproblem (Entscheidung) Übertragung der Lösung in Reale Kategorien Lösung des Formal- Problems des Modells Vollzug Überprüfung des Lösungsoptimums ggf. Korrektur des Lösungsalgorithmus Realitätssphäre Transformationssphäre Modellsphäre Quelle Federmann, R.: Allgemeine BWL, 1976, S

27 Karl Popper Wichtigstes wissenschaftstheoretisches Werk: Wichtigstes gesellschaftsphilosophisches Werk: Logik der Forschung (1934) Die offene Gesellschaft und ihre Feinde (1945) 27

28 Kritischer Rationalismus - Positivismusstreit Popper verlangt, daß wissenschaftliche Aussagen widerlegbar (falsifizierbar) sind. Nicht widerlegbare Aussagen sind nicht wissenschaftlich. Es besteht die Gefahr, daß Wissenschaftler eine Theorie aufstellen und die Experimente dann so anlegen, daß die Theorie bestätigt wird. Die Newton sche Physik ist gut. Die Aussagen aber widerlegbar. Sie wurden widerlegt. Das ist wissenschaftlicher Fortschritt. Die Einstein sche Physik ist besser. wikipedia.org/wiki/kritischer_rationalismus 28

29 Karl Popper Karl Popper wurde in Wien am als Sohn des jüdischen RA Simon Siegmund Carl Popper und Jenny, geborene Schiff, geboren. Simon Siegmund stammte aus Prag, die Vorfahren seiner Mutter kamen aus Schlesien und Ungarn. Die Situation der Juden zu dieser Zeit in Wien war schwierig. Zum einen nahmen sie wichtige Positionen ein; Poppers wohlhabender Vater beispiels weise arbeitet eng mit dem damaligen liberalen Bürgermeister der Stadt zusammen. Zum anderen waren Vorurteile alltäglich. Popper trat aus der sechsten Klasse der Realschule aus, legte seine Abitur als Auswärtiger ab und macht eine Gesellenprüfung als Tischler. Als Popper sein Studium begann, dominierte für eine kurze Zeit die politische Linke. Das so genannterote Wien erlebte seine Blüte. Popper engagierte sich dort - zunächst vor allem an pädagogischen Fragen interessiert - auch in der sozialistischen Jugendbewegung. Für kurze Zeit war er sogarkommunistisch organisiert. Nach dem Erlebnis der Niederschießung einer Demonstration wandte er sich aber schnell wieder von der Bewegung ab, begegnete jedoch in der damals einzigartigen Wiener Atmosphäre Menschen wie Ruth Fischer, Hanns Eisler, Paul Lazarsfeld, Oskar Kokoschka, Adolf Loos, Arnold Schönberg, Rudolf Serkin. Nach der Promotion mit einem mathematischen Thema bei dem Psychologen und SprachtheoretikerKarl Bühler im Jahre 1928 erwarb Popper 1929 die Lehrberechtigung für die Hauptschule in den Fächern Mathematik und Physik. Popper nahm Kontakt zum Wiener Kreis auf. Da er viele wichtige Ansätze des Kreises kritisierte, gestaltete sich dies zunächst als schwierig. Allerdings fühlten sich die Wiener gezwungen auf seine begründeten Vorwürfe einzugehen. Sein wissenschaftstheortisches Hauptwerk Logik der Forschung erschien schließlich, obwohl Popper darin ihren Positivismus kritisiert, toleranterweise bei einer Schriftreihe des Wiener Kreises (was Popper fälschlich den Ruf eines Positivisten einbrachte). Es wurde vom Wiener Kreis als ein den ihren Diskussionen entsprungenes Werk gewürdigt. Die darin beschriebene Forderung nach Falsifizierbarkeit von Aussagen gilt heute als Grundlage der modernen wissenschaftlichen Arbeit. Der Wiener Kreis, vielleicht die wichtigste philosophische Gruppe des frühen 20. Jahrhunderts, wurde an der Wiener Universität immer mehr angefeindet; der Inspirator Moritz Schlick 1936 von einem Studenten erschossen - zum Jubel der deutschnationalen Presse jener Zeit wanderte Popper nach Neuseeland aus, um dem Einmarsch der Nazis in Österreich zu entgehen. Versuche, in die USA oder nach GB zu entkommen zerschlugen sich. Popper musste seine Familie, die damals kranke Mutter, seine Schwester, Onkel, Tanten und Nichten zurücklassen. Von ihnen wurden 16 bis 1945 durch die Nazis getötet. Am Canterbury College in Christchurch, Neuseeland, fühlte Popper sich vereinsamt und von der Welt abgeschnitten. Trotzdem publizierte er weiter nahm Popper einen Lehrauftrag für Philosophie an der London School of Economics and Political Science in England an. Vor allem Friedrich August von Hayek unterstützte ihn beim Erreichen dieser Stellung. Poppers Haltung zum ausgeprägt liberalen Hayek ist nicht völlig klar. Obwohl sie sich methodologisch nahe standen und er grundlegende Konzepte von Hayek übernahm, misstraute Popper den reinen Marktmechanismen. Die Armut und Verzweiflung, die er in seiner Wiener Jugend erlebte, formten sein Weltbild. Popper propagierte eine sozial orientierte Reformpolitik, die jedoch nicht in Staatsgehorsam enden dürfe wurde Popper von Queen Elisabeth II. für sein Lebenswerk zum Ritter geschlagen emeritierte er, publizierte aber stetig weiter. Er war Mitglied der von Hayek gegründeten neoliberalen Denkfabrik Mont Pelerin Society, der Royal Society (London) und der International Academy of Science. Befreundet war er u.a. mit dem deutschen Bundeskanzler Helmut Schmidt. Popper starb am 17. September 1994 in East Croydon (London) 29

30 Deutungsansätze Deutungsansätze sind nicht-nomologische Ansätze deduktiver Erklärungen, die sich allgemeiner Aussagen bedienen, die nicht den Charakter von Gesetzen besitzen. Kennzeichen von Deutungsansätzen ist ihre inhaltliche Festlegung auf einen bestimmten Erklärungshintergrund. So werden interessierende Sachverhalte erklärt, indem sie z.b. als (1) zweckorientierte Handlungen (2) Bedingungen für das Funktionieren eines Systems (3) Resultate gesellschaftlich historischer Prozesse Entsprechend sind zu unterscheiden: 1. Teleologische bzw. rationale Deutungsansätze 2. Funktionale Deutungsansätze 3. Gesellschaftlich historische Deutungsansätze 30

31 Schema für eine Erklärung nach dem sinnrationalen Deutungsansatz (Deduktion) 1. Person P befolgt die Handlungsmaximen M 1... M n, die in bestimmter Weise strukturiert sind 2. P befindet sich in der Situation S, auf der die Maxime M i allen anderen ebenfalls anwendbaren Maximen von P übergeordnet ist 3. M i ist die Aufforderung für P, in S den Sachverhalt A herbeizuführen 4. zur Herbeiführung des Sachverhaltes A ist die Ausführung der Handlung H notwendig Also ist die (geschehene) Ausführung von H sinnrational erklärt Quelle: Raffee, Kompendium der Betriebswirtschaftslehre, 1989, S

32 Funktionen der Betriebswirtschaftslehre, Erfahrungsobjekt und Erkenntnisziel Erfassungsfunktion Beschreibungsfunktion Erklärungsfunktion Gestaltungsfunktion beobachten beschreiben erklären gestalten Das Erfahrungsobjekt das wirtschaftliche Handeln in Betrieben muß erst beobachtet und beschrieben werden. Auf der Beschreibung aufbauend wird der Versuch gemacht, die Gesetzmäßigkeiten zu finden. Das ist die eigentliche Erkenntnisgewinnung. Theoretisches Wissenschaftsziel. Unter Kenntnis der Gesetzmäßigkeiten können Gestaltungsvorschläge gemacht werden. Pragmatisches Wissenschaftsziel. 32

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