J2: Ich weiß inzwischen nicht, ob unsere Idee wirklich gut ist! J1: Klar doch! Ne Church-Party! Kirche macht was los! Hier lassen wir es krachen!

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1 Langschläfergottesdienst am mit Abendmahl in der Prot. Kirche Essingen We will have a party F (f) este feiern Konfirmanden und Präparanden Pfarrer Richard Hackländer und Vikar Christoph Krauth Anspiel Pfarrer und die Jugendlichen stehen am Stehtisch Pfr.: So, gleich kommt der Betreiber der Diskothek A65, um uns zu beraten. Ihr Jugendlichen seid dort wohl öfters?! Bei mir ist es schon Ewigkeiten her. J1: Na, dann wird es mal wieder Zeit! J2: Ich weiß inzwischen nicht, ob unsere Idee wirklich gut ist! J1: Klar doch! Ne Church-Party! Kirche macht was los! Hier lassen wir es krachen! Pfr.: Ja, die Musik ist im A65 bestimmt ohrenbetäubend, schlimmer als unsere Glocken. Obwohl unsere Orgel auch nicht ohne ist. Aber ich vermute mal, dass für unseren Organisten eine Musikbeschallung wie in der Disko eine echte Herausforderung wäre! J1: Na und? Dafür ist es Live-Musik! Für den Diskobetreiber vom A65 ist unsere Idee bestimmt auch ne Herausforderung. Einen Junggesellenabschied organisiert der mit links, aber ein Pfingstfest als Birthdayparty der Kirche? J2: Mal sehen, ob wir ihn überzeugen können. Da kommt er schon mit seinen Türstehern. Wie Bodyguards begleiten sie ihn. Der Diskothekbetreiber rückt mit den Türstehern im Gefolge an. Die Türsteher schauen drohend nach rechts und links. Pfr.: Na endlich sind Sie da. Wir haben schon auf Sie gewartet. Ich bin gespannt auf Ihre Ideen, wie wir die Kirchenbänke an Pfingsten wieder füllen können. A65: Tja mein Lieber. Das ist eine gute Frage. Ich meine: Ne Eventagentur, die schon zweitausend Jahre alt ist und ihr letztes Update vor 500 Jahren bekommen

2 hat das ist schon ne ganz schöne Herausforderung. Aber Sie haben schon das Richtige angesprochen: Die Kirchenbänke. Die müssen natürlich raus Pfr.: (entsetzt) Waaas? A65: Na klar. Wir brauchen Platz zum Tanzen. J1: Das ist ja suuuupeer! J2: Das war ja mal was ganz anderes. Tanzen in der Kirche. Oder ist das nicht erlaubt? Pfr.: Nein, Tanzen ist nicht grundsätzlich verboten. Es fragt sich, was mit dem Tanz ausgedrückt wird. Wenn Gott damit gelobt wird Wie heißt es schon in der Bibel: Lobt Gott mit Trommeln und Freudentanz. Aber deswegen gleich die Kirchenbänke rausreißen?! A65: Also Tanz und Musik sind nach meiner Erfahrung ganz wichtig. Und deswegen haben Sie mich ja eingeladen, nicht wahr, Hochwürden? Pfr.: Bitte einfach nur Pfarrer Müller. Hochwürden ist mein kath. Amtskollege. Aber tatsächlich: Wir möchten uns von Ihnen beraten lassen. Musik kommt bei uns ja in jedem Gottesdienst vor A65: aber oft ganz schön lahm und altmodisch. J2: Wir haben auch neue Lieder in unserem Gesangbuch! A65: Und wie alt ist Ihr Gesangbuch? Pfr.: 1994 ist es herausgekommen. A65: Also bei mir ist ein Titel, der mindestens 20 Jahre alt ist, wenn überhaupt, eher was für eine Ü-40-Party. Sie müssen unbedingt aktuelle Hits reinbringen. Und überhaupt, es muss nicht immer die Orgel spielen. Wen wollen Sie eigentlich erreichen? Wer ist die Zielgruppe? J2: Wir laden alle ein! A65: Das haben mir schon meine Türsteher vorhin erzählt. Die haben gerade am Kirchenportal die Location und das Publikum getestet. Abgesehen von den Tänzerinnen hätten die keinen reingelassen, wenn s nach ihnen gegangen wäre. Ich meine: Sie müssen den Zugang beschränken. Es gibt ein eisernes Gesetz im

3 Eventmanagement: Wenn du willst, dass viele Leute kommen, dann mach dich rar. Es muss ein Privileg sein, auf Ihre Events zu kommen. J1: Warum denn? Wenn Gott einlädt, bleibt keiner außen vor. Gott will uns was sagen, SEIN Haus ist für alle offen. Pfr.: Alte und Junge, Frauen und Männer, Fromme und Neugierige. Und für Sie auch! Für jeden sind unsere Türen offen. A65: Ich merke, ich war schon lange nicht mehr in der Kirche. Am Sonntagmorgen bin ich immer todmüde, vor 12 Uhr komme ich nicht aus den Federn. Sie könnten ja mal was am Sonntagabend anbieten A65 zeigt auf die Presbyteriumsbank. Aber ich sehe, Sie haben hier einige VIP-Plätze! Wer gehört denn zu diesem exklusiven Kreis? J1: Unser Presbyterium. Die sitzen da aber nicht, weil sie besonders wichtig sind, sondern weil sie den anderen ein Vorbild sind. J2: Und zusammen mit dem Pfarrer den Gottesdienst leiten. Das war schon immer so. A65: Ich merk schon, Tradition ist hier wichtig. Wozu brauchen sie denn dann meine Türsteher? J2: Ihre Türsteher sind doch stark, oder? Türsteher plustern sich auf, zeigen ihre Muskeln und rufen: Und ob! J2: Dann könnten sie doch den weniger mobilen Besuchern beim Betreten der Kirche zur Hand gehen. Mit dem Rollator oder Rollstuhl über die Stufe helfen. Türsteher staunen. J1: Ihre Türsteher sorgen also dafür, dass alle in die Kirche kommen! Türsteher strahlen etwas verlegen. A65: OK. Ich leihe Ihnen meine Türsteher. Und was ist mit dem Eintritt? Pfr: Der Eintritt zum Gottesdienst ist frei. Grundsätzlich! Keiner wird ausgeschlossen.

4 A65: Und wie wollen Sie die Feier bezahlen? Haben Sie ne Ahnung, was so ne erstklassige Feier kostet? Pfr: Die meisten unserer Gäste sind Mitglieder unserer Kirche und zahlen Kirchensteuer. Und oft wird am Ausgang auch noch gespendet. A65: Nicht schlecht! Das macht sie unabhängig! Wie werden die Mitarbeiter beteiligt? J2: Die allermeisten arbeiten ehrenamtlich. J1: Also für Gotteslohn! A65: Davon kann doch keiner leben! J2: Nein, aber auf jeden Fall lässt sich s mit Gott besser leben. A65: Ich merk schon, lauter Idealisten und Weltverbesserer! Pfr.: Wissen Sie, es gibt da eine Geschichte in der Bibel, die erzählt davon, dass ein Sohn sich sein Erbe hat auszahlen lassen. Dann zog er los, hinaus in die Welt. Er verprasste sein ganzes Geld. Die Volxbibel schreibt: Mit Glücksspiel und ausufernden Partys. Als es ihm richtig schlecht ging und er nichts mehr hatte, ging er zurück zu seinem Vater. Er wusste, dass er dort Arbeit finden würde. Und als er zurück zu seinem Vater kam, was meinen Sie, wie der sich verhalten hat? A65: Na, ich denke, der hat ihn nicht rein gelassen. Ich meine, was sollte er denn noch mit ihm zu tun haben wollen? Der Sohn ging doch freiwillig. Er war an seinem Absturz doch selbst schuld. Pfr.: Sicher. Aber der Vater reagierte ganz anders, er verzieh ihm. Der Vater freute sich und nahm den Sohn in den Arm und gab eine große Party für ihn. Alle Freunde und Verwandten waren eingeladen. Und sie feierten gemeinsam. J1: Das ist ja echt ne klasse Nummer von dem Vater. A65: Aber was hat das mit mir zu tun? Was hilft mir die Geschichte dabei, Ihnen zu helfen, die Kirche voll zu bekommen? J2: Na klar. Ich hab s verstanden. Ich glaube der Vater steht für Gott; und der Sohn, das sind wir alle. Ich glaube auch wir können immer wieder zu Gott kommen, er vergibt uns.

5 Pfr.: Genau. Und deshalb können wir auch keine Einlasskontrolle am Eingang machen, weil jeder von Gott eingeladen ist, so wie er ist. Egal was er getan hat. J1.: Ja, und dann steckt in der Story noch mehr drin. Wer zu Gott gehört, der hat auch Freunde unter den Menschen. Das ist wie in einer großen Familie. Wir alle sind Brüder und Schwestern. Pfr.: Ja, ich glaube das kann man so sagen. Und wissen Sie, darum geht es auch im Abendmahl. A65: Wie im Abendmahl? Ich hab gedacht, da geht es um Essen und Trinken. Brot und Wein und so Pfr.: Sicher. Das sind die Elemente, mit denen wir feiern. Aber der Sinn ist, dass wir untereinander und mit Gott, der uns vergibt, Gemeinschaft haben. Wir glauben, dass Gott in dieser Feier, man könnte sagen bei dieser Party, mitten unter uns ist, mit seinem Geist. A65: Und so was Großartiges feiern Sie mit nem Stück trockenen Brot? Das ist ja wie im Gefängnis. Pfr.: Aber das Brot ist ein Grundnahrungsmittel. Wir brauchen Gottes Vergebung und unsere Gemeinschaft, wie unser tägliches Brot. J2: Diesmal gehen wir aber nach dem Abendmahl nicht auseinander, sondern wollen im Gemeindehaus noch gemeinsam brunchen. J1: Und vielleicht gibt s dann noch mehr Ideen, wie wir die Kirchenbänke füllen können. A65: Bevor Ihr sie rausreißt. Pfr.: Na dann lasst uns singen.

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