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1 I N F O R M A T I O N zur mit Landesrat Rudi Anschober 10. Februar 2012 zum Thema Erfolge und Chancen für Atomgegner: Tschechien kündigt Rückzug auf Mega-Ausbau der Atomenergie an und Frankreich erleidet Debakel der Atomenergie

2 LR Rudi Anschober Seite 2 Erfolge und Chancen für Atomgegner: Tschechien kündigt Rückzug auf Mega-Ausbau der Atomenergie an und Frankreich erleidet Debakel der Atomenergie Die Atomgroßmacht Frankreich mit einem Atomstromanteil von 75 Prozent war das Vorbild Tschechiens. Aber nach der Ankündigung Tschechiens, sich aus dem geplanten Mega-Ausbau der Atomenergie um bis zu 18 Reaktoren zurückzuziehen, haben die Atomgegner Rückenwind und werden sich nun in Tschechien ganz auf das Verhindern des Ausbaus von Temelin konzentrieren. Das sichtbar gewordene Erdbebenrisiko des Standortes Temelin und das aktuelle Energiefiasko Frankreichs bietet dazu hervorragende Argumente. Und in wenigen Monaten könnte die bisherige Atomgroßmacht Frankreich nach Deutschland, der Schweiz, Belgien und etlichen anderen als nächstes den Einstieg in den Ausstieg fixieren. Die klirrende Kälte in ganz Europa zeigt die dramatischen Schwächen der Energieprogramme der Atomstaaten auf: durch Elektroheizungen sollte der Absatzmarkt für die Atomenergie gesichert werden. Jetzt zeigt sich, dass diese bei großer Kälte zu Versorgungsengpässen und immer größeren sozialen Problemen führen. Frankreich hatte in den 70er Jahren innerhalb von 15 Jahren den Atomstromanteil von Null auf 75 % Prozent gesteigert. Ein flächendeckendes Ausbauprogramm von Elektrodirektheizungen sollte dabei den gesicherten Absatzmarkt bringen. Heute haben 7 Millionen Haushalte Stromheizungen - die gemeinsam mit schlechter Isolation vieler Gebäude den Stromverbrauch in Kältephasen dramatisch erhöhen. Da ein Drittel aller Häuser (bei Neubauten sogar 80 %) Stromheizungen besitzt, bringt in Kältezeiten wie diesen eine um einen Grad sinkende Temperatur eine Erhöhung des Stromverbrauchs um MW - die Leistung von mehr als zwei AKW. Derzeit sind zwar die Temperaturen nicht so tief wie in Deutschland oder Österreich, aber dennoch steht Frankreich vor einem Energiekollaps. Der Stromverbrauch hat bereits die Schallmauer von MW übertroffen und ist so hoch, dass 80 AKW zur Erzeugung notwendig wären (58 sind in Betrieb). Daher wird in großem Stil Strom importiert - aus Großbritannien und aus Deutschland.

3 LR Rudi Anschober Seite 3 Besonders gefährdet sind im Augenblick die Bretagne und die Region Provence- Alpes-Cote d'azur (Paca) - hier wurde bereits zu Produktionsdrosselungen und Absenkungen der Raumtemperatur aufgerufen. Frankreich steht in einzelnen Regionen knapp vor dem Blackout. Binnen zehn Jahren stieg der Verbrauch der Elektroheizungen um ein Drittel an. Immer mehr Besitzer/innen von Stromheizungen führt dieser enorme Mehrverbrauch an Strom in die Armutsfalle. In den französischen Medien häufen sich Geschichten über Menschen, die nach der Abschaltung von Strom in der Wohnung ihr Essen auf Kerzen kochen. Denn ist der Strom weg, sind in diesen Haushalten alle Energiequellen weg. Frankreich hat die Wahl - noch mehr Atom oder Einstieg in den Ausstieg Diese alarmierenden Risikoberichte über etliche Atomanlagen und ein Bericht des französischen Rechnungshofes, der die realen Kosten der Atomenergie als viel teurer als bisher angegeben bezeichnet (50 statt 30 Euro je Megawattsstunde) könnten die kommenden Wahlen (Präsidentschaft und Nationalversammlung) entscheidend beeinflussen - denn verliert Sarkozy und gewinnt Rotgrün, dann wird es zum Einstieg in den Ausstieg kommen. Bereits seit Fukushima gibt es eine umfassende öffentliche Debatte über den zukünftigen Energiekurs. Frankreich wird sich mit den Wahlen im Frühling entscheiden: in den kommenden zehn Jahren erreichen 22 von 58 Reaktoren das Alterslimit - es muss also entweder sehr viel Geld in die Hand genommen werden für die Fortsetzung der Atomkurses oder für den schrittweisem Umstieg in Energieeffizienz und Erneuerbare. EU muss einen schrittweisen Ausstieg aus den Stromheizungen starten Elektrodirektheizungen sind Versorgungsrisiken und Armutsfallen - sie sind energiepolitische Sackgassen, dieses Konzept ist gescheitert. Eine moderne soziale und ökologische Energiepolitik muss daher aus diesen Elektrodirektheizungen aussteigen und in Energieeffizienz und auf Erneuerbare umsteigen. Dies würde der Atomenergie den Boden entziehen und wäre für Oberösterreichs grüne Technologien eine Riesenchance.

4 LR Rudi Anschober Seite 4 Auch Tschechien wollte auf Elektroheizungen setzen - angekündigter Rückzug aus dem Mega-Atomprogramm ist eine Chance für eine energiepolitische Wende Wir haben im vergangenen Sommer aufgezeigt, dass Tschechien einen dramatischen Ausbau der Atomenergie nach dem Vorbild Frankreichs plant - bis 2060 sollten bis zu 18 neue Atomreaktoren errichtet und der Anteil der Atomenergie von 30 auf bis nahezu 80 Prozent erhöht werden. Unter anderem mithilfe eines massiven Ausbaus der Stromheizungen. Nun kündigte der neue Industrieminister Martin Kuba den Rückzug aus den Atomplänen seines Vorgängers an: "Realistisch ist nur der Ausbau von Temelin und eine Betriebsverlängerung des AKW Dukovany", sagte Kuba der Zeitung HN. Anschober: "Wir werden genau kontrollieren, ob diese Ankündigung auch im geplanten neuen tschechischen Energiekonzept ihren Niederschlag findet. Und wir werden uns daher ab sofort ganz stark auf den Widerstand gegen den weiteren Ausbau von Temelin konzentrieren." Die Hauptargumente: - schon jetzt exportiert Tschechien die gesamte Produktion von Temelin, - es geht auch für Tschechien um eine moderne Energiewende, weg von Atom und Stromheizungen und hin zu Effizienz und Erneuerbaren, die von der tschechischen Politik massiv unterschätzt werden. Das ist auch für Tschechien die wirtschaftlichste Energiezukunft, die die Chance auf viele neue grüne Arbeitsplätze bringt, - der Standort Temelin besitzt ein wesentliches Erdbebenrisiko, - ein Ausbau Temelins würde enorme Summen binden 1, die viel effizienter und effektiver und mit höheren Beschäftigungseffekten für die Energiewende investiert werden könnten. Statt den anvisierten 4 Milliarden Euro pro Reaktor wird bereits von der Verdoppelung der Investitionskosten gesprochen. 1 Beispiel: Die Kosten für den Bau eines neuen Atomkraftwerkes des Typs EPR (Europäischer Druckwasserreaktor) im französischen Flamanville und im finnischen Olkiuoto überschritten bereits 6 Milliarden Euro (ca. 147 Milliarden Kronen), sie erreichten also fast das Zweifache der ursprünglich geplanten Summe.

5 LR Rudi Anschober Seite 5 Die Massnahmen: - Konzentration aller politischen und rechtlichen Instrumente auf den Widerstand gegen den Ausbau von Temelin und auf Informationen über die Chancen der Energiewende - Ausbau bestehender und Schaffung neuer Partnerschaftsprojekte für die Energiewende - starke Allianzen mit Wirtschaft und dem Finanzsektor, aus dem immer mehr Interesse an grünen Technologien kommt (investiert Tschechien Milliarden in den Atomausbau, verliert es den Anschluss in den Zukunftsmärkten) - die gescheiterte Energiepolitik Frankreichs werden wir gemeinsam mit den NGO zum Thema machen - im Finale der Stresstests werden wir das geplante Durchwinken der tschechischen AKW (so wie anderer) nicht akzeptieren - intensive Kooperation mit allen Nachbarregionen Temelins: dazu wird Oberösterreich für 18. Mai 2012 die Nachbarregionen zur ersten Konferenz nach Linz einladen, um eine breite Allianz zu schmieden

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