Die Gewinn- und Verlustrechnung

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1 Die Gewinn- und Verlustrechnung Ein Unternehmer besitzt nicht nur Vermögensgegenstände und macht Schulden. Er hat auch laufende Aufwendungen zu tragen. Und ohne die Erzielung von laufenden Erträgen könnte er wohl nicht überleben. Aufwendungen und Erträge, die in einem Geschäftsjahr anfallen, finden am Ende des Geschäftsjahres Eingang in die Gewinn- und Verlustrechnung. Ein vereinfachtes Beispiel: Erträge rechts Aufwendungen links Aufwendungen Euro Erträge Euro Materialaufwand Umsatzerlöse Personalaufwand Sonstige Erlöse Sonstige Aufwendungen Finanzerträge SUMME SUMME Saldo Dieser Unternehmer (z.b. unser Eissalon Frisch in den Frühling ) hat im Geschäftsjahr Erträge in Höhe von Euro erwirtschaftet. Davon entfielen Euro auf sein Kerngeschäft (Verkauf von Eistüten, Lokaleis usw.). Die Erträge stellen jedoch noch nicht seinen Gewinn dar, da auch eine Reihe von Aufwendungen mit dem Betrieb des Geschäftes angefallen sind, die abgezogen werden müssen: Materialaufwand (Eis, das verkauft wird, evtl. Getränke u.a.), Personalaufwand (z.b. ein Kellner oder Eisverkäufer, der aushilft) und sonstige Aufwendungen (eine Sammelposition für alle anderen Aufwendungen wie z.b. Abschreibungen von Anlagevermögen siehe weiter unten, Miete, Versicherungen, Porti, Büromaterial, Beratung usw.). Erst die wertmäßige Differenz der beiden Seiten (Saldo) ergibt den in einem Geschäftsjahr erzielten Gewinn, der hier Euro beträgt. Wären die Aufwendungen höher als die Erträge, dann würde sich ein Verlust ergeben. Die Gewinn- und Verlustrechnung ist im Unterschied zur Bilanz keine stichtagsbezogene Rechnung, sondern eine zeitraumbezogene Rechnung. Sie summiert alle laufenden Aufwendungen und Erträge, die im Geschäftsjahr anfallen, auf. Bei der Bilanz ergeben sich hingegen die Werte durch Inventur, indem man feststellt, welche Vermögenswerte und Schulden zum Stichtag vorhanden sind. Beispiel: Unser Frisch in den Frühling -Unternehmer zahlt die laufende Miete in Höhe von 600 Euro. Aufwendungen Euro Erträge Euro Materialaufwand Umsatzerlöse Personalaufwand Sonstige Erlöse Sonstige Aufwendungen Finanzerträge SUMME SUMME Saldo Durch das Aufnehmen der Mietaufwendungen in Höhe von 600 Euro erhöhen sich die sonstigen Aufwendungen um diesen Betrag. Daher verändert sich auch der Saldo (die Differenz zwischen 1

2 Erträgen und Aufwendungen). Er beträgt nur mehr Euro. Damit wurde der Gewinn des Geschäftsjahres reduziert. Wir wissen mittlerweile, dass jeder Geschäftsfall doppelt verbucht wird. Denn: wie haben wir die Miete (Aufwand) bezahlt? Nehmen wir an, dass unser Unternehmer die monatliche Miete in Höhe von 600 Euro per Banküberweisung zahlt. Sehen wir uns die Bilanz des Unternehmers VOR der Verbuchung der Mietaufwendungen an (Achtung: das ist nicht die Bilanz, die Sie in der LV aufgestellt haben -> die Klein hat sich nämlich damals die Zahlen nicht aufgeschrieben, und wie Sie sehen: Ich habe mich nicht dazu überwinden können, ein Gebäude am Schwedenplatz zu kaufen ;-)): AKTIVA Euro PASSIVA Euro Anlagevermögen Eigenkapital Sachanlagen Eismaschine Küchenausstattung FirmenPKW Tische und Stühle EDV-System Sonstiges Anlagevermögen SUMME Anlagevermögen SUMME Eigenkapital Umlaufvermögen Fremdkapital Vorräte Rückstellungen Lieferforderungen 500 Bankkredit Guthaben bei Banken Lieferverbindlichkeiten Kassa Sonstige Schulden SUMME Umlaufvermögen Summe Fremdkapital SUMME Gesamtvermögen SUMME Gesamtkapital Und nun sehen wir uns die Bilanz NACH der Verbuchung der Mietaufwendungen an: AKTIVA Euro PASSIVA Euro Anlagevermögen Eigenkapital Sachanlagen Eismaschine Küchenausstattung FirmenPKW Tische und Stühle EDV-System Sonstiges Anlagevermögen SUMME Anlagevermögen SUMME Eigenkapital Umlaufvermögen Fremdkapital Vorräte Rückstellungen Lieferforderungen 500 Bankkredit Guthaben bei Banken Lieferverbindlichkeiten Kassa Sonstige Schulden SUMME Umlaufvermögen Summe Fremdkapital SUMME Gesamtvermögen SUMME Gesamtkapital

3 Merke: NUR, wenn ein Konto der G&V (Erfolgskonto) bebucht wird, ändert sich der Gewinn bzw. Verlust, und damit das Eigenkapital. Werden ausschließlich Konten der Bilanz (Bestandskonten) bebucht, ändert sich hingegen nichts am Erfolg! Das Eigenkapital bleibt wertmäßig wie es ist. Probieren Sie es selbst: Sie heben beispielsweise 300 Euro von der Bank ab (1. Buchung = Verringerung Bankkonto) und legen das Geld in die Kassa (2. Buchung = Erhöhung Kassastand). Am Eigenkapital hat sich nichts verändert! Umsatzerlöse +/- Bestandsveränderungen + aktivierte Eigenleistungen + sonstige betriebliche Erträge - Materialaufwand - Personalaufwand - Abschreibungen - sonstiger Aufwand = Betriebsergebnis Die G&V in Staffelform Erträge aus Beteiligungen + andere Wertpapiererträge +sonstige Zinsen + Erträge aus dem Zugang/aus der Zuschreibung von Finanzanlagen - Aufwendungen aus Finanzanlagen - Zinsen und ähnliche Aufwendungen = Finanzergebnis Betriebsergebnis +Finanzergebnis = Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit Außerordentliche Erträge -außerordentliche Aufwendungen = Außerordentliches Ergebnis Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit +Außerordentliches Ergebnis = Jahresüberschuss (vor Steuern) -Steuern vom Einkommen und Ertrag = Jahresüberschuss nach Steuern 1 Ich gebe zu, dass das eine gewaltige Rechnung ist (bitte nicht die einzelnen Positionen lernen es reicht, wenn Sie die Grundstruktur verstehen erläutern wir in LV), aber sie hat ihre Vorteile. Sie sehen hier drei eingefärbte Bereiche: das Betriebsergebnis, das Finanzergebnis und das außerordentliche Ergebnis. Das sind die drei Ergebniskategorien eines Unternehmens. Erklärungen dazu in der LV! 1 Ist das Ergebnis negativ, spricht man vom Jahresfehlbetrag. 3

4 Exkurs: Die Abschreibung In der o.a. Bilanz finden Sie im Anlagevermögen die Position Eismaschine, ausgewiesen mit einem Buchwert in Höhe von Euro. Vielleicht wurde diese Maschine vor 5 Jahren zu einem Nettoverkaufspreis (ohne USt) in Höhe von Euro angeschafft. Oder anders ausgedrückt: Sie als Unternehmer haben damals reichlich viel Geld für diese Maschine ausgegeben. Wird eine Maschine angeschafft, dann buchen wir diese ins Anlagevermögen (man sagt dazu Aktivierung -> Aktiva), und wenn wir per Banküberweisung zahlen, dann wird der Betrag auf unserem Bankkonto kleiner. Zwei Positionen in der Bilanz ändern sich: Anlagevermögen wird mehr, Bankkonto wird weniger das hat aber keine Auswirkung auf unseren Gewinn oder Verlust. Sie werden sich fragen, wie das sein kann, denn die finanziellen Aufwendungen waren doch beträchtlich, immerhin damals Euro! Für abnutzbares Anlagevermögen gibt es deshalb das Instrument der planmäßigen Abschreibung. Diese berücksichtigt den vorhersehbaren Wertverlust (Zeitablauf, normaler Verschleiß usw.) der Vermögensgüter. Häufig verwendet man die sog. lineare Abschreibung, das bedeutet, dass man den Anschaffungswert eines Vermögensgegenstandes über die voraussichtliche wirtschaftliche Nutzungsdauer gleichmäßig verteilt. Zurück zu unserer Eismaschine: Nehmen wir also an, diese wurde im Jahr 2010 um Euro (netto) erworben. Die voraussichtliche wirtschaftliche Nutzungsdauer beträgt 10 Jahre. Bei der linearen Abschreibung macht das pro Jahr Euro aus ( Anschaffungswert dividiert durch die Anzahl der Nutzungsjahre). Abschreibungen finden Eingang in die G&V, sie sind Aufwand. Und damit haben wir unsere finanziellen Aufwendungen berücksichtigt, denn Abschreibungen vermindern den Gewinn! Gäbe es hier keine gesetzlichen Vorschriften, hätte man die ursprünglichen Euro auch sofort abschreiben können und damit den Gewinn gleich um diesen Betrag reduzieren können, ABER: das würde bedeuten, dass wir im ersten Jahr einen hohen Aufwand haben, in den Folgejahren keinen Aufwand mehr. Wir nutzen aber die Eismaschine 10 Jahre lang. Daher ist die Idee der planmäßigen Abschreibung durchaus sinnvoll, welche diese Aufwendungen auf die gesamten 10 Jahre verteilt. Sehen wir uns dieses Beispiel genauer an: Im Jahr 2010 schreiben Sie Euro ab, das Gleiche gilt für die Jahre 2011, 2012, 2013, Jedes Jahr werden Euro abgeschrieben und vermindern somit den Wert der Anlage -> jedes Jahr ergibt sich dadurch ein neuer (immer niedriger werdender) Buchwert für die Eismaschine. So stehen nach 5 vollzogenen Abschreibungen nur mehr Euro zu Buche. Natürlich wird auch am Ende des Jahres 2015 eine planmäßige Abschreibung vorgenommen, womit sich der Buchwert auf Euro reduziert. Oder anders: Nach weiteren 5 Jahren ist die Eismaschine vollständig abgeschrieben. Der gesamte ursprüngliche Kaufpreis wurde damit berücksichtigt. ACHTUNG: Hätten wir die Maschine im Jahr 2010 in der zweiten Jahreshälfte (ab 1. Juli) erworben und in Betrieb genommen, dann dürften wir im ersten Jahr nur die Hälfte abschreiben, das sind Euro -> Halbjahresabschreibung. Neben der vorhersehbaren Abschreibung, die wir planmäßige Abschreibung nennen, gibt es auch außerplanmäßige Abschreibungen für einfach ausgedrückt unvorhersehbare Fälle. Beispielsweise 4

5 könnte ein irreversibles Maschinengebrechen vorliegen und unsere Eismaschine wertlos machen. Es müssen nicht unbedingt technische Gründe zu einer außerplanmäßigen Abschreibung führen, auch Nachfrageverschiebungen können beispielsweise eine Rolle spielen, in unserem Beispiel dann, wenn die Kunden unser Eis nicht mehr wollen und die Produktion von Eis wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll ist. Etwa in dem Fall, dass ein naher Konkurrent die Super -Eismaschine erfunden hat, und alle wollen nur noch dieses Super -Eis. Müssen wir also mit einer dauerhaften Wertminderung rechnen, dann muss außerplanmäßig abgeschrieben werden, manchmal sogar der gesamte verbleibende Buchwert. Liebe KollegInnen: Zur Prüfung sollten Sie planmäßige Abschreibungen berechnen können -> siehe auch Beispiel 3 der Arbeitsunterlage. 5

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