Einblick in die Basale Förderung an der Karl-Georg- Haldenwang-Schule

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1 Einblick in die Basale Förderung an der Karl-Georg- Haldenwang-Schule Jedes Kind hat unabhängig von seinen individuellen Möglichkeiten ein Recht auf Erziehung und Bildung durch Unterricht (KARL GEORG HALDENWANG ) Statement Basale Förderung ist ein durchgängiges Unterrichtsprinzip an der Karl-Georg- Haldenwang-Schule. Sie wendet sich an alle Schüler/innen, unabhängig von Alter und Grad ihrer Behinderung. Hintergrund Grundlage der Basalen Förderung ist das Pädagogische Konzept der Basalen Stimulation von PROF. ANDREAS FRÖHLICH (* ), welches er aus der Arbeit mit Menschen mit schwerer Behinderung entwickelt hat. In seiner Weiterentwicklung entstand das heutige Prinzip der Basalen Förderung, das sich als anregendes und begleitendes Angebot für Menschen mit Behinderung versteht. Basal meint dabei, dass keine Vorleistungen seitens des Kindes notwendig sind, es also bei den Ursprüngen der Entwicklung ansetzt. Unter Förderung wird das Angebot an das Kind verstanden, sich mit dem eigenen Körper, mit Objekten seiner Umwelt und anderen Menschen sensorisch-sinnlich zu befassen. FRÖHLICH selbst beschreibt sein Konzept als eine Einladung zum Entdeckenden Dialog und als eine elementare Pädagogik, welche die eigene Person und die Umwelt erleb- und erfassbar machen soll. Basale Förderung ist demnach eine ganzheitliche Förderung zur Unterstützung der persönlichen Entwicklungsprozesse. Konzept Spricht man bei der Basalen Förderung von Ganzheitlichkeit, so sind die Bereiche 1.) Körpererfahrung, 2.) Wahrnehmung, 3.) Emotionalität, 4.) Bewegung, 5.) Kommunikation, 6.) Sozialerfahrung und 7.) Kognition gemeint. Diese Bereiche sind miteinander verbunden und bedingen sich gegenseitig. Entwicklungs- und Lernprozesse in diesen Bereichen bedürfen der Schaffung von Eigenaktivität, also der Möglichkeit für den Menschen sich handelnd mit seiner Umwelt auseinanderzusetzen. Oftmals sind diese Möglichkeiten gerade bei Menschen mit Behinderung eingeschränkt. Daher setzt Basale Förderung an verschiedenen Bereichen an, um den Kindern mit Behinderung diese Entwicklungschance zu geben. Förderbereiche können (entsprechend den Gebieten der Ganzheitlichkeit, s.o.) sein: das Körperbild, Kommunikationsförderung, Selbstversorgung, Erweiterung der Aktivitäts- und Erfahrungsmöglichkeiten, Persönlichkeitsstärkung etc. 1

2 Die Förderbereiche setzen an den verschiedenen Wahrnehmungsebenen an. Diese Wahrnehmungsebenen sind: - vestibulär (Raum-Lage; Gleichgewicht) - somatisch (Ausdifferenzierung des Knochenschemas) - vibratorisch/tiefensensorischen (Knochensystem; Festigkeit des Körpers) - auditiv (Hören) - haptisch (Fühlen) - visuell (Sehen) - gustatorisch (Schmecken) - osmatisch (Riechen) Auf diesem Erfahrungs- und Wahrnehmungsbreichen bauen alle weiteren Lernprozesse auf. Sie sind also auch Grundlage für die so genannten Kulturtechniken wie Lesen, Schreiben und Rechnen. So unterstützt z.b. die Schulung der somatischen Wahrnehmungsebene die Bildung von Raumbegriffen (oben, unten, rechts, links etc.), welches Grundlagen für das Schreiben und Rechnen sind (z.b. richtige Lage der Buchstaben/Zahlen). Da die Basale Förderung auf ein großes Maß an Nähe zwischen Pädagogen/in und Schüler/in angewiesen ist (z.b. Berührung bei Massagen), ist es wichtig, dass die Privat- und Intimsphäre des Schülers zu jedem Zeitpunkt beachtet und auf eine altersangemesse Einbettung in den schulischen Alltag Wert gelegt wird. Zusammenfassung Basale Förderung ist ein grundlegendes Förderangebot, auch für Menschen ohne schwere Behinderung, da sie Grundlage für alle weiteren Entwicklungs- und Lernprozesse ist. In der Regel vollziehen sich diese Prozesse im Alltag eines heranwachsenden Menschen. Bei Menschen mit Behinderung kann es aber notwendig werden, dass diese Bereiche gezielt geschult werden, da sie in der Lebensumwelt der Menschen nicht oder nicht genügend Raum einnehmen. Entsprechend findet sich auch der Bereich der Basalen Förderung im Bildungsplan der Schulen für Geistigbehinderte (Sonderschulen) als Lernbereich 1 wieder, der den weiteren Lernbereichen (Selbstversorgung/Selbsterfahrung (2), Umwelterfahrung und Sozialverhalten (3), Spiel, Gestaltung, Freizeit, Arbeit (4)) vorangestellt ist. Verankerung an der Karl-Georg-Haldenwang-Schule Die Karl-Georg-Haldenwang-Schule berücksichtigt in ihrem Leitbild das Prinzip der Basalen Förderung: Schülerschaft mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen bieten wir eine lebensweltorientierte Bildung, die sich im Alltag bewährt. (Leitsatz 3) Maßstab unseres pädagogischen Wirkens orientiert sich am Entwicklungspotenzial jedes einzelnen Schülers. (Leitsatz 6) Daher findet Basale Förderung sowohl im Klassen- bzw. Fächerverbund integriert, klassenübergreifend in Niveaugruppen, als auch in gezielter Einzelförderung von Schülern/innen satt. An der Karl-Georg-Haldenwang-Schule gibt es zusätzlich eine Fachgruppe Basale Förderung, die aus jeweils einem Mitglied der verschiedenen Schulstufen und weiteren Interessierten besteht. Bei regelmäßigen Treffen (die für alle offen sind) werden u.a. Erfahrungen ausgetauscht, neues Material vorgestellt und aktuelle Entwicklungen diskutiert. Der Arbeitskreis arbeitet eng verknüpft mit den anderen Fachgruppen der Schule zusammen und ist um Fort- und Weiterbildungen bemüht. 2

3 Des Weiteren gibt es an der Schule eine einmal wöchentlich stattfindende Freizeit- AG zur Basalen Förderung, die spielerisch an den Bedürfnissen der Schüler/innen anknüpft. Räumlichkeiten zur Basalen Förderung Speziell für die Basalen Förderung gibt es an der Karl-Georg-Haldenwang-Schule einen Basal- und einen Matschraum. Der Basalraum befindet sich im Werkstatthaus der Schule und ist mit verschiedenen Fördermaterialien ausgestattet. So steht in ihm z.b. ein Wasserbett, eine Leuchtsäule, eine Lichtbox sowie diverse weitere, spezielle Materialien. Der Raum kann verdunkelt werden und sowohl zur Einzelförderung als auch im Unterricht mit kleinen Gruppen genutzt werden. Einige Bilder aus dem Basalraum: Auf dem Wasserbett können Übungen zur Entspannung gemacht werden, wie z.b. eine Traumreise. Dabei wird durch die Schwingungen des Wassers die vibratorische Körperwahrnehmung gefördert. Die Lichtbox ermöglicht es, die Aufmerksamkeit der Schüler auf einen bestimmten Bereich zu bündeln. Es können z.b. Schreibübungen im Sand gemacht und dabei die visuelle Wahrnehmung geschult werden. 3

4 Mit diesen unterschiedlichen Teilstücken kann eine Fühlstraße gelegt werden. Dies schult die Sensibilität der Füße und fördert die haptische Wahrnehmung. Die Klangschalen dienen der akustischen Wahrnehmung. Sie können aber auch für eine Klangschalenmassage genutzt werden, welche die vibratorische Wahrnehmung stärkt. Der Matschraum befindet sich unmittelbar neben dem schuleigenen Schwimmbad, so dass die sanitären Vorrichtungen dort benutzt werden können. Der Raum ist komplett mit Fliesen ausgestattet und hat eine kleine Badegelegenheit. Im Matschraum kann auf vielfältige Weise mit Farben, Schaum und Wasser experimentiert werden oder aber er kann z.b. für Entspannungseinheiten wie ein Verwöhnbad genutzt werden. 4

5 Hier Beispielbilder einer Einheit zum Thema Körperpflege in der Mittelstufe. Hier wurde der Matschraum genutzt um Körperabdrücke herzustellen. Dabei wurden u.a. die Tiefensensorik und die somatische Wahrnehmung gefördert, d.h. es ging um die Bewusstmachung der eigenen Körperlichkeit. Die Schüler/innen werden am ganzen Körper mit Farbe angemalt, so dass ein Abdruck vom Körper entsteht. Nun ist es wichtig, dass sich bewusst gemacht wird, wie stark man mit welchem Körperteil auf das Tuch drückt. Die fertigen Resultate! 5

6 Beispiel von Unterrichtseinheiten / Fördereinheiten In der Freizeit-AG zur Basalen Förderung wurde zusammen mit den Schülern/innen ein Fußpfad angelegt. Hier konnten auch andere Schüler/innen der Schule die Sensibilität ihrer Füße schulen (Haptische Wahrnehmung). Der Barfußpfad wurde mit verschiedenen Naturmaterialien gestaltet (Erde, Sand, Holz, Steine, Wasser), die im Umfeld der Schule gesammelt wurden und verschiedene Empfindungen zulassen: spitz, kalt, rau, angenehm, unangenehm etc. Der Fußpfad Die ersten Schritte 6

7 Die Materialien: Sand Matsch Holz Erde Literatur (u.a.) - ANDREAS FRÖHLICH: Basale Stimulation, das Konzept.-Düsseldorf:Verlag Selbstbestimmtes Leben, 1998, 4. Auflage CHRISTEL BIENSTEIN, ANDREAS FRÖHLICH: Basale Stimulation in der Pflege. Die Grundlagen, Kallmeyer Düsseldorf DIETER NIEHOFF: Basale Stimulation und Kommunikation, Bildungsverlag EINS Troisdorf

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