Buchhaltung Kapitel IV : Martin Becker Dozent : Müller Die Verbuchung laufender GVFe in Industriebetrieben

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1 Kapitel 4 : Die Verbuchung laufender Geschäftsvorfälle in Industriebetrieben : I. Begriff des Industriebetriebs - Industriebetriebe stellen Erzeugnisse her mit dem Ziel der Gewinnmaximierung (betriebliche Funktion : Produktion) bei mehrstufigen Produktionsprozessen 1. Halbfabrikate (unfertige Erzeugnisse) [ue] 2. Fertigfabrikate (fertige Erzeugnisse) [fe] Bewertungsmaßstab Herstellungskosten [HgK] werden im Gesetz Kosten genannt eigentlich aber Aufwand! Nicht : Anschaffungskosten (existieren nicht für Fabrikate) Bestandteile der HgK (siehe 255 II HGB) 1. Einzelkosten Aktivierungspflicht nach Handelsrecht und nach Steuerrecht (Steuerrecht Regel 31 EStR 2001) = Kosten, die jedem Erzeugnis unmittelbar zugeordnet werden können v.a. : i. Rohstoffe ii. Fertigungslöhne, soweit direkt dem Produkt zurechenbar 2. Gemeinkosten Aktivierungswahlrecht nach Handelsrecht, Aktivierungspflicht nach Steuerrecht = Kosten die dem Erzeugnis nur mittelbar zurechenbar sind v.a. : i. Hilfsstoffkosten ii. Betriebsstoffkosten Also : Material-Einzelkosten + Fertigungseinzelkosten + Sondereinzelkosten der Fertigung = Wertuntergrenze der Herstellungskosten (nach Handelsrecht) + Materialgemeinkosten + Fertigungsgemienkosten = Wertobergrenze der HgK (nach Handelsrecht) = HgK (Nach Steuerrecht) II. Werkstoffverbrauch Rohstoffe - Werkstoffe Hilfsstoffe Betriebsstoffe - Arten von Werkstoffkosten 1. Bestandskosten (Rohstoffe, Hilfsstoffe, Betriebsstoffe) 2. Aufwandskosten (Rohstoffaufwand, Hilfsstoffaufwand, Betriebsstoffaufwand) 3. Ertragskosten (Bestandsänderungen) 1. Zugang von Werkstoffen - nach jedem einzelnen Werkstoffbeschaffungsvorgang wird ein Zugang gebucht, z.b. : BS 1 : Rohstoffe an Verb. L+L Vorsteuer

2 2. Abgang von Werkstoffen a. Inventurmethode v.a. Kleinbetriebe = keine Erfassung der Einzelabgänge, sondern einmalige Verbrauchsermittlung durch Inventur am Jahresende Vorteil : Einfachheit analog zur Verbuchung des Wareneinkaufs S Rohstoffe H S Rohstoffaufwand H AB Salo = Abgang Verbrauch Saldo Zugang EB lt. Inventur = Rohstoffaufwand Abschluss des Rohstoffkontos : EB lt. Inventur : BS 2 : SBK an Rohstoffe Saldo des Rohstoffkontos : BS 3 : Rohstoffaufwand an Rohstoffe Abschluss des Rohstoffaufwandkontos : BS 4 : GuVK an Rohstoffaufwand b. Skontrationsmethode v.a. Mittel- und Großbetriebe = Erfassung aller Einzelabgänge (mit Hilfe von Materialentnahmescheinen als Beleg) durch Buchungssatz : Rohstoffaufwand an Rohstoffe S Rohstoffe H S Rohstoffaufwand H AB a. Verbr. I a. Verbr I Saldo Zugang b. Verbr. II b. Verbr II 5000 abgeschlossen ins GuVK 2c. Verbr. III c. Verbr. III Saldo (!) EB nicht lt. Inventur abgeschlossen ins SBK Einzelverbuchung der Einzelverbräuche BS 2a : Rohstoffaufwand an Rohstoffe BS 2b : Rohstoffaufwand an Rohstoffe BS 2c : Rohstoffaufwand an Rohstoffe Abschluss des Rohstoffkontos : Verbuchung des EBs, der sich hier als Saldo ergibt BS 3 : SBK an Rohstoffe Abschluss Rohstoffaufwand : BS 4 : GuVK an Rohstoffaufwand Vorteile der Skontrationsmethode : 1. Bestelloptimierung Zu jedem beliebigen Zeitpunkt ist eine Ermittlung der Vorratsbestände möglich 2. Verbrauchskontorolle Zu jedem beliebigen Zeitpunkt ist eine Ermittlung des Werkstoffverbrauchs möglich 3. Bestandskontrolle - tatsächlicher EB ergibt sich aus Saldo - Vergleich des Saldos mit EB lt. Inventur möglich Prüfung der Ordnungsmäßigkeit der Lagerbuchführung 2

3 III. Bestandänderungen bei fertigen Erzeugnissen und unfertigen Erzeugnissen Erforderliche Konten : Bestandskonten Ertragskonten 1. fertige Erzeugnisse 1. Bestandsänderung an fertigen Erzeugnissen 2. unfertige Erzeugnisse 2. Bestandsänderung an unfertigen Erzeugnissen 1. Bestanderhöhung EB > AB Soll fertige Erzeugnisse Haben AB EB lt. Inventur Saldo : Bestandserhöhung ERTRAG Soll Bestandsänderungen an fertigen Erzeugnissen Haben 3. Saldo GuVK Bestandsmehrung Buchungsschritte : Ermittlung des EB lt. Invernut u. Bewertung mit HgK : BS 1 : SBK an fe Abschluss des Kontos fertige Erzeugnisse : BS 2 : fe an BÄfE Abschluss des Kontos Bestandsänderungen an fertigen Erzeugnissen : BS 3 : BÄfE an GuVK Fazit : Im GuVK stehen sich gegenüber : 1. Aufwendungen für RHB, Personal, etc., soweit sie bisher angefallen sind 2. Erträge aus Bestandserhöhung (in gleicher Höhe!) Realisationsprinzip bleibt somit gewahrt! 2. Bestandsminderung EB < AB Soll fertige Erzeugnisse Haben AB Saldo : 6000 Bestandminderung AUFWAND 1. EB lt. Inventur Soll Bestandsänderungen an fertigen Erzeugnissen Haben 2. Bestandsminderung Saldo

4 Buchungsschritte : Ermittlung des EB lt. Invernut u. Bewertung mit HgK : BS 1 : SBK an fe Abschluss des Kontos fertige Erzeugnisse : BS 2 : BÄfE an fe 6000 Abschluss des Kontos Bestandsänderungen an fertigen Erzeugnissen : BS 3 : GuVK an BÄfE 6000 IV. Gesamt- und Umsatzkostenverfahren Annahme : neutraler Ertrag = neutraler Aufwand = 0 a. Kontenformen GuVK (GKV) GuVK (UKV) 1. Bestandsmehrungen 1. Erlöse Umsatzaufwand Umsatzerlöse 2. Produktions- 2. Bestandsaufwendungen erhöhungen Saldo : Gewinn Saldo : Gewinn b. Staffelform [ 275 HGB] GuV-Rechnung (GKV) GuV-Rechnung (UKV) Umsatzerlöse Umsatzerlöse + Erhöhungen des Bestandes - Umsatzaufwand an fe oder ue = Jahreserfolg (Gewinn/Verlust) ODER - Minderung des Bestands an fe oder ue = Gesamtleistung - Produktionsaufwand = Jahreserfolg (Gewinn/Verlust) Buchungstechnische Unterschiede zwischen GKV und UKV : Buchungstechnik GKV UKV 1. Abschluss der Konten Diverse Aufwendungen Ins GuVK 2. Ausbuchung der EB Ins SBK laut Inventar 3. Ausbuchung des Saldos In Konten BÄ-fE bzw. BÄ-uE In die Konten ue bzw. fe (anteilige Zurechnung der div. Aufwendungen auf ue und fe; falls nicht anders angegeben : Vereinfachungsannahme, dass : 50 % der Kosten fe und 50 % der Kosten ue berühren) Ins SBK a. Konto ue ins Konto fe b. Konto fe ins GuVK [im UKV gibt es keine BÄ-Konten] 4. Abschluss der BÄ-Konten Ins GuVK / M.a.W. : Zentrale Unterschiede 1. beim UKV gibt es keine Bestandänderungskonten 2. beim UKV werden die diversen Aufwendungen in die Erzeugniskonten abgeschlossen aber : Beide Verfahren führen zum gleichen Jahreserfolg! 4

5 Praktische Unterschiede zwischen UKV und GKV : GKV UKV Einfachheit Sehr einfach Etwas komplizierter Ungeeignet Geeignet Erfolgskontrolle (da Aufwand nach (da Aufwand nach Aufwandsarten Produktarten gegliedert wird) Gegliedert wird) 5

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