Edukation Anpassung Entwicklung Veränderungen der Sitzposition

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1 Edukation Anpassung Entwicklung Veränderungen der Sitzposition 3. interdisziplinäre Konferenz für Sitzen und Mobilität & 04. April 2014 Dr. Anke Scheel-Sailer, ärztliche Leiterin Forschung RQM

2 Wissen Trauma/ Depression Körperwahrnehmung Anpassungsfähigkeit Autonomie Vertrauen Posturales Gleichgewicht Struktur- und Körperebene Biomechanik

3 Dekubitus: Im Spannungsfeld zwischen Krankheit und Edukation

4 Einleitung Was ist ein Dekubitus? Wie kommt es zu einem Dekubitus? Gefährdete Körperstellen Alltagssituationen mit Dekubitusfolge Was machen wenn? Dekubitusklassifikation Dekubitusvorsorge und Früherkennung Hautrötung- was ist zu tun? Behandlung: Dekubitus Grad 1-2 Behandlung: Dekubitus Grad 3-4 Nach dem Dekubitus- was hat sich verändert? Zusammenfassung und Abschluss

5 Idee und Haltung Fantasie anregen Mut machen Neugierig machen Wissen vermitteln Konsequenzen aufzeigen Individualität ermöglichen Wert schätzen Abschrecken Verantwortung übergeben, aber kein «schlechtes Gewissen machen»

6 Psychoedukation Visuelle und taktile Kompensation Checkliste bekannter protektiver und Risikofaktoren Motivierung zu Selbstmanagement Förderung der Selbstwahrnehmung Förderung hilfreicher Bewältigungsstrategien (Akzeptanz, Humor, soziale Integration..)

7 «Unter Berücksichtigung von Grenzen und Möglichkeiten können Sie trotzdem eine hohe Lebensqualität und Freiheit erreichen. Wir wünschen es Ihnen.»

8 Conclusion: Verbesserungen im Wissen führen nicht unweigerlich zu einer Verbesserung der Problemlösungsstrategien auch wenn die Themen als relevant eingestuft wurden. Deswegen müssten mehr aktive Lernstrategien oder Kontext integrierte Strategien in die Edukationsprogramme integriert werden, um den Transfer des Wissens in den Alltag zu verbessern.

9 GERHARD ROTH INSTITUT FÜR HIRNFORSCHUNG UNIVERSITÄT BREMEN NEUROBIOLOGISCHE UND PSYCHOLOGISCHE GRUNDLAGEN DES LEHRENS UND LERNENS V. Emotionen und emotionales Gedächtnis ã G. Roth, 2003

10 ORGANISATION DES GEDÄCHTNISSES DEKLARATIVES (EXPLIZITES) GEDÄCHTNIS EMOTIONALES GEDÄCHTNIS PROZEDURALES (IMPLIZITES) GEDÄCHTNIS Positiv Negativ Vertrautheits-G. Wissens-G. G.-Module Episodisches G. Autobiografisches G. Quellen G. Fertigkeiten Auswendiglernen Gewohnheiten Klassische Konditionierung Priming

11 Körperliche Bedürfnisse wie Müdigkeit, Durst, Hunger, Geschlechtstrieb Emotionen Affekte wie Wut, Zorn, Aggressivität, Stress Gefühle wie Furcht, Freude, Glück, Verachtung, Ekel, Belastung, Neugierde, Hoffnung, Enttäuschung und Erwartung Stimmungen wie Hochgefühl, Niedergeschlagenheit, Angst. Emotionen werden durch das limbische System hervorgebracht und kontrolliert

12 Design: Umfrage per mail. Teilnehmer: 826 Teilnehmer mit traumatischer Querschnittlähmung, älter als 18, mindestens 5 Jahre seit dem Trauma, Rollstuhlabhängig. Von diesen 633 mit einer Dekubitusgeschichte, aber nur 13% mit aktuell wiederkehrenden Dekubitus. Untersuchungsinstrumente: Zuckermann- Kuhlmann Personality Questionnaire, Multi Dimensional Health Locus of Control Scale, Behavioral Risk Factor Surveillance, Older Adult Health and Mood Inventory. Outcome: Das Auftreten von Dekubitus (nie; nur direkt nach dem Unfall; mehrere Dekubitus in unregelmässigen Abständen; jährliche Dekubitus; andauernde Dekubitus)

13 Arch Phys Med Rehabil 2004; 85;

14

15 ICF-Komponente Gesundheitsstörungen Körperfunktionen Aktivität und Partizipation Umweltfaktoren Beeinflussungsfaktoren Psychische Störungen: - Depressive Störungen - Angststörungen - Substanzgebundene Abhängigkeit - Chronische Schmerzen - Schizophrenie Kognitive Beeinträchtigungen Berufliche/sinnerfüllende Tätigkeiten Lebensstil: Ernährung, Körperhygiene Problematisches Gesundheitsverhalten: - Rauchen - Alkohol-/Substanzgebrauch oder missbrauch - Mangelnde Bewegung - Mangelnde Möglichkeit oder Fähigkeit zur Selbstkontrolle gefährdete Hautbereiche Soziale Unterstützung (im Zus.hang mit adherence Einstellungen im Behandlungsteam

16 ICF Komponente Personbezogene Faktoren: Soziodemographie Personbezogene Faktoren: Vorgeschichte Personbezogene Faktoren: Erleben und Verhaltensmuster Beeinflussungsfaktoren Risikofaktoren: - Männlich - Älter / älter bei Ereignis - Allein stehend - Niedriges Bildungsniveau - Unterbringung in Pflegeeinrichtung - Suizid in der Vorgeschichte - Psychische Störungen oder Erkrankungen in der Vorgeschichte - Nicht verarbeitete einschneidende Lebensereignisse - Prämorbide Persönlichkeit und Persönlichkeitsveränderungen - Selbstwirksamkeit - Emotionale Belastungen, erhöhte Ängstlichkeit und Depressivität - Lebenszufriedenheit - Selbstwertgefühl - Locus of Control (Kontrollüberzeugung); internal, external - Überzeugungen über Dekubitusrisiko und Effektivität der Nachsorge - Berufliche oder private Überforderung - Mangelnde Akzeptanz der Behinderung - Vermeidung und Rückzug (Copingstrategien) - Körperwahrnehmung (Abspaltung, Ablehnung gelähmter Körperteile, Integration in die Gesamtkörperwahrnehmung) - Selbstwahrnehmung - Trait Neurotizismus/Ängstlichkeit - Frustrationstoleranz - Soziale Problemlöse-Fähigkeiten und strategien - Verhaltensmanagement Strategien - Verantwortung für Hautversorgung - Mangelnde Fähigkeit für Selbstfürsorge - Selbstwirksamkeitsüberzeugung

17 Posttraumatisches Stresssyndrom 3 4 Vernunft Stirnhirn Thalamus Informations-Overload 2. Gefühlslabilisierung (Alarm!) 3. Speicherblockade 4. Kontroll-Versagen Limbisches System Hippocampus

18 The traumatized self Zeit - Verlust von Zeiterfahrung, Verlust von aktiver Zeit- und Erinnerungsgestaltung Gedanken negative Gedanken, Dissoziation in die neurale Perspektive, «Du» statt «Ich» Körper physiologisches Hyperarousal, Depersonalisation Gefühle generell negativer Affekt, gedämpfte Gefühle: Freeze flight fight fright flee - faint Lanius R Trauma-Related Altered States of Consciousness 2014

19 Körperschema ist gestört Selbstwertgefühl sinkt Patient wird depressiv Der Aufbau eines Behinderten-Selbst und die positive Bewertung des gelähmten Körpers sind entscheidend für die Anpassung der Sitzposition und die Decubitusprophylaxe Hermine Jochum, Dissertation Basel, 2003

20 Lageerlebnis am Beispiel eines Skiunfalls Hermine Jochum, Dissertation Basel, 2003

21 Aufbau eines neuen Körperschemas durch optische Kontrolle über taktile Reize durch Bewegung/ Aktivität durch Selbstwahrnehmung Hermine Jochum, Dissertation Basel, 2003

22 Körperschema Der Mensch identifiziert sich über sein Erleben und Empfinden. Dies täglich neu zu konstituieren und gleichzeitig aufzubauen ist seine Aufgabe.

23 Körperschema Nach Roberts (1986) entsteht das Körperbild aus Interaktion zwischen Wahrnehmung und Erfahrung. Im Körperbild ist somit eine aktuelle und eine gespeicherte Vorstellung (Erinnerungsbild) enthalten. Das Körperbild enthält nicht nur die Körperwahrnehmung, sondern auch Werte und Gefühle, die man gegenüber dem eigenen Körper hat. Gesamthaft gesehen ist es eine Einheit von Zeit-, Umweltund Persönlichkeitsfaktoren.

24

25 Rehabilitation der Zukunft Quality of life Information Wissen Entscheidungsfindung Querschnittlähmung Autonomie

26 Herausforderungen für Entscheidungsfindung und Autonomiefähigkeit Akut- Medizin Rehabilitation Leben mit Behinderung Fremdbestimmung Abhängigkeit Befähigung Selbstbestimmung

27 Erwachsenenschutzrecht State of the art guidelines Patient Individuum DRG Versicherung Lebenswelt Kontext

28 Gesetz SAMW Fachgesellschaft Organisation Individuum

29 Neues Erwachsenenschutzrecht, Garantie der Menschenwürde Selbstbestimmungsrecht soll gefördert werden. Unterstützung in ihrer Individualität und gewohnten Lebensführung Sicherstellung Wohl und Schutz der hilfsbedürftigen Person Vorsorgeauftrag: Bestimmung eines Vertreters bei Urteilsunfähigkeit. Patientenverfügung: Festlegung von medizinischen Massnahmen im Fall der Urteilsunfähigkeit.

30 Informierte Zustimmung informed consent 1. Eine umfassende Aufklärung, die verstanden und begriffen wird ( substantial understanding ) 2. Die Freiwilligkeit des Entscheides ohne wesentlichen Einfluss von anderen ( substantial absence of control by others ) 3. Der Patient ist befähigt, den Entscheid zu fällen ( competence ) 4. Die autonome Autorisierung, die vorgeschlagene Therapieform durchzuführen oder auch zu unterlassen ( autorizes a professional ) Faden und Beauchamp, 1986

31 kooperative Autonomie Patient und Therapeut als kooperative Partner Der Therapeut taucht in die Welt des Patienten ein und begleitet ihn zu einer gemeinsamen Entscheidung Den Anderen im Vertrauen als einen anzuerkennen, dem vertraut werden kann, heisst, darauf zu verzichten, ihn in seinem Vertrauen zu überwachen, und etabliert das, was man als kooperative Autonomie bezeichnen kann. Martin Hartmann 2011

32 independence: making independent functioning a personal challenge and learning from others self-determination: keeping oneself informed, setting personal goals and being assertive. participation: making challenges out of barriers, planning and organizing, asking and accepting help, dealing with reactions of others. identification: taking life as it comes and focussing on positive aspects of life.

33 Selbstverantwortung und Autonomie

34 Change management The Kotter model

35 Wissen Trauma/ Depression Körperwahrnehmung Anpassungsfähigkeit Autonomie Vertrauen Posturales Gleichgewicht Struktur- und Körperebene Biomechanik

36 Take home Die körperliche und psychische Situation unserer Patienten ist komplex. Anpassungen wirken auf zahlreichen Ebenen und brauchen individuell unterschiedlich Zeit. Kooperierende Autonomie ermöglicht einen guten therapeutischen Prozess.

37

38 Hautkontrolle - täglich vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit

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