Was ist Bluthochdruck? Jeder zweite alte Mensch hat Hypertonie 33%

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1 Bluthochdruck Was ist Bluthochdruck? Bluthochdruck, hoher Blutdruck und arterielle Hypertonie sind Begriffe für dasselbe Krankheitsbild. Darunter wird die krankhafte Erhöhung des Blutdrucks über 140/90 mmhg in Ruhe verstanden. Ein einmalig oder selten über diese Grenzwerte hinausgehender Blutdruck bedeutet aber nicht, dass eine Hochdruckkrankheit vorliegt. Man spricht erst dann von Bluthochdruck, wenn bei mehrfacher Messung der obere (systolische) Blutdruck gleich oder höher als 140 mmhg und/oder der untere (diastolische) Blutdruck gleich oder größer als 90 mmhg ist, die Druckwerte diese Grenze also häufig überschreiten. Niedriger liegt die Grenze für Patienten mit Begleiterkrankungen. Hypertonie gehört zu den häufigsten chronischen Erkrankungen und ist damit eine Volkskrankheit. Experten schätzen, dass etwa 20 Millionen Menschen in Deutschland darunter leiden, etwa jeder vierte Erwachsene im Alter von über 40 Jahren. Die Dunkelziffer ist hoch, weil viele Betroffene nichts von ihren erhöhten Blutdruckwerten wissen. Man bezeichnet Bluthochdruck auch als stumme Gefahr oder sogar als»stillen Killer«. Anteil der Hypertoniker (%) Jeder zehnte junge Mensch hat Hypertonie 15% 23% 33% Jeder zweite alte Mensch hat Hypertonie Lebensjahre Hypertoniehäufigkeit in Abhängigkeit vom Alter. 12

2 Was ist Bluthochdruck? Der Blutdruck steigt mit zunehmendem Alter kontinuierlich. So leidet etwa jeder zweite Erwachsene über 70 Jahren unter hohem Blutdruck. Einer der Gründe dafür ist die mit dem Alter nachlassende Gefäßelastizität, d. h., die Anpassungsfähigkeit der Gefäße an den Blutdruck nimmt ab. Etwa ab dem Lebensjahr steigt vor allem der systolische Blutdruck, während der diastolische Blutdruck weitgehend unverändert bleibt oder sogar sinkt. Der sich vergrößernde Unterschied zwischen beiden Blutdruckwerten heißt Pulsdruck, auch Pulsdifferenz oder Blutdruckamplitude genannt. Je höher der Pulsdruck, desto starrer sind die Blutgefäße. Bei Gesunden beträgt der Pulsdruck etwa 50 mmhg. Ein Pulsdruck über 65 mmhg bei ebenfalls erhöhtem systolischem Blutdruck muss behandelt werden. Im Alter sind der Pulsdruck und der systolische Wert bedeutsamer für die Entstehung von Komplikationen als der diastolische Wert. Wissen Unterschiede zwischen Männern und Frauen Bei Männern bis zum 50. Lebensjahr kommt hoher Blutdruck viel häufiger vor als bei Frauen. Diese sind allerdings auch in jungen Jahren gefährdet, wenn sie die»pille«nehmen und rauchen. in den Wechseljahren und besonders danach steigt der Blutdruck und damit auch das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen bei vielen Frauen deutlich an. Die hohe Konzentration der weiblichen sexualhormone ist in jüngeren Jahren ein schutzfaktor, der mit den Wechseljahren verloren geht. nun ist die Hypertoniehäufigkeit größer als bei gleichaltrigen Männern. so erklärt sich, dass Frauen mit etwa 65 Jahren die Männer in Bezug auf die Herzinfarkthäufigkeit eingeholt haben. 13

3 Bluthochdruck Anzeichen: Woran erkenne ich Bluthochdruck? Häufig verursacht Bluthochdruck keinerlei Beschwerden, sodass viele Menschen mit zu hohem Blutdruck gar nichts von ihrem Leiden wissen. Viele Betroffene fühlen sich trotz ihres Bluthochdrucks jahrelang vollkommen wohl und leistungsfähig. Aber dieses Gefühl ist trügerisch. Hoher Blutdruck ist immer gefährlich. Der Bluthochdruck wird in den meisten Fällen zufällig und dabei leider oft zu spät entdeckt. Die einzig sichere Maßnahme zur rechtzeitigen Erkennung ist die regelmäßige Blutdruckmessung. schäden an Organen gekommen ist. Dazu gehören: Kopfschmerzen (vor allem am frühen Morgen und besonders im Hinterkopfbereich), Schwindel, Atemnot bei körperlicher Belastung, häufiges Nasenbluten und Sehstörungen. Diese Beschwerden sind recht unspezifisch und können auch viele andere Gründe haben. Es ist wichtig, dass Sie zum Arzt gehen, wenn solche Warnsignale mehrfach auftreten. Denn dann kann abgeklärt werden, ob wirklich ein Bluthochdruck vorliegt und die Beschwerden lassen sich mit einer bluthochdrucksenkenden Therapie bessern. Ursachen: Wie kommt es zu Bluthochdruck? Grundsätzlich wird zwischen einem primären und einem sekundären Bluthochdruck unterschieden. Bei über 90 % der Patienten liegt eine primäre Hypertonie vor, auch essenzielle Hypertonie genannt, deren Entstehungsursachen bis heute noch nicht genau Es gibt Warnsignale, die auf einen noch unentdeckten Bluthochdruck hinweisen können. Sie treten aber meist erst dann auf, wenn es bereits zu Folgegeklärt sind. Der Hochdruck ist hier die Grundkrankheit und die Schäden, die er bewirkt, sind Folgeerscheinungen. Es wird geschätzt, dass die primäre Hypertonie in etwa 60 % der Fälle vererbt wird. Der primäre Bluthochdruck gilt als typische»zi- 14

4 Was ist Bluthochdruck? vilisationskrankheit«. Folgende Risikofaktoren wirken bluthochdruckfördernd: Übergewicht, Bluthochdruck in der Familie, Bewegungsmangel, seelische Belastungen (Stress), ein hoher Salzverbrauch, Rauchen und regelmäßiger Alkoholkonsum. Ein Bluthochdruck, der infolge einer anderen Grunderkrankung auftritt, heißt in der medizinischen Fachsprache sekundäre Hypertonie. Diese kommt in weniger als 10 % der Fälle vor und ihre Ursachen sind in der zugrunde liegenden Erkrankung zu suchen, etwa der Niere oder des Hormonsystems. Eine Schilddrüsenerkrankung kann ebenso einen erhöhten Blutdruck mit sich bringen wie eine angeborene Gefäßverengung der Hauptschlagader. Eine Behandlung der jeweiligen Grunderkrankung führt im Allgemeinen zu einer Normalisierung der Blutdruckwerte. Auch manche Medikamente haben als Nebenwirkung einen blutdrucksteigernden Effekt. Dazu zählen etwa die Antibabypille, Rheumamittel, sogenannte Antirheumatika, und Schmerzmittel zur Behandlung von Arthrose- und Arthritisbeschwerden. Test zum Hypertonierisiko Belastungsfaktoren, die einen primären Bluthochdruck begünstigen oder verschlechtern können, sind bekannt. Der folgende Test (siehe Seite 16) hilft Ihnen dabei, Ihr persönliches Bluthochdruckrisiko einzuschätzen. Jede Antwort mit Ja erhöht die Wahrscheinlichkeit für eine Hypertonie. Risikofaktoren für Herz- Kreislauf-Erkrankungen Bluthochdruck ist ein Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfall und Herzinfarkt. Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems gehören zu den häufigsten Todesursachen. Viele wissenschaftliche Untersuchungen in den letzten Jahrzehnten haben gezeigt, dass es eine Reihe von Faktoren gibt, die ein erhöhtes Risiko mit sich bringen, eine Herz-Kreislauf- Krankheit zu entwickeln. Sie beschleunigen z. B. die Entwicklung einer Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) erheblich. Zu unterscheiden sind dabei Risikofaktoren, die wir selbst, z. B. durch einen gesunden Lebensstil, beeinflussen können und unbeeinflussbare Risikofaktoren, etwa unser Alter. Folgende Risikofak- 15

5 Bluthochdruck Kurztest zum Bluthochdruckrisiko. Frage Ja Nein Haben sie deutliches Übergewicht? (ihr BMi liegt über 30) Haben ein oder beide elternteile auch Bluthochdruck? nehmen sie mit ihrer ernährung viel salz zu sich? Haben sie viel stress? Rauchen sie? Trinken sie regelmäßig mehr als 1 2 Gläser Alkohol am Tag? Bewegen sie sich zu wenig? in Anlehnung an: Martin Middeke: Bluthochdruck endlich wieder gute Werte. TRiAs Verlag, stuttgart 2005, s. 14. toren begünstigen das Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen: beeinflussbare Risikofaktoren: Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen (insbesondere erhöhte Cholesterin- und/ oder Triglyceridwerte im Blut), Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), Übergewicht, Rauchen, Bewegungsmangel, Dauerstress in Beruf und/oder Familie nicht beeinflussbare Risikofaktoren: erbliche Veranlagung (Herz- Kreislauf-Erkrankungen bei Eltern und Geschwistern), Alter, männliches Geschlecht Wenn Sie einen oder gleich mehrere dieser Risikofaktoren aufweisen, ist die Wahrscheinlichkeit für eine Herz-Kreislauf- Erkrankung höher, als wenn bei Ihnen keine Risikofaktoren vorliegen. Leider ist es auch so, dass sich Ihr Risiko bei Vorhandensein mehrerer Risikofaktoren eher potenziert als addiert. Folgend ein Beispiel: Ein 45-jähriger Mann, der aufgrund familiärer Veranlagung unter einem hohen Blutdruck leidet, zudem erhöhte Cholesterinwerte hat und außerdem noch raucht, ist etwa 10-mal mehr gefährdet als ein Mann gleichen Alters, der diese Risikofaktoren nicht aufweist. 16

6 Was ist Bluthochdruck? Folgen: Warum ist Bluthochdruck so gefährlich? Ein zu hoher Blutdruck kann an fast allen Organen Schäden hervorrufen und verkürzt die Lebenserwartung. Bleibt ein Bluthochdruck jahrelang unbehandelt, schädigt er das Gefäßsystem, indem er zu einer Schlagaderverengung und -verkalkung (Arteriosklerose) führt. Besonders gefährliche Folgen, die sich daraus entwickeln können, sind Schlaganfall, Herzinfarkt und Nierenversagen, die häufig einen tödlichen Ausgang nehmen. Ein tödlicher Hirnschlag oder Herzinfarkt kommt bei Hochdruckkranken, die nicht behandelt werden, mehr als doppelt so oft vor wie bei Menschen gleichen Alters mit normalem Blutdruck. Durch Bluthochdruck kann es zudem zu Erweiterungen der Hauptschlagader (Aneurysma) kommen, mit der Gefahr des inneren Verblutens bei einer Ruptur. Bluthochdruck kann die kleinen Gefäße im Auge schädigen und Sehschwächen verursachen. Ein anhaltend hoher Blutdruck, der an den Blutgefäßen den Grundstein für die Entstehung der Arterienverkalkung legt, kann auch zu Durchblutungsstörungen der Beine führen. Insbesondere die kleinen Arterien werden durch hohen Blutdruck stark in Anspruch genommen. Zum Schutz vor dem hohen Druck kommt es zu einer Verstärkung der Arterienwände, sodass der Durchmesser der Gefäße kleiner wird und ihre Elastizität nachlässt. Der hohe Blutdruck setzt auch den Innenwänden der Gefäße zu und verletzt sie. Cholesterin, Kalk und andere Blutbestandteile lagern sich herdförmig in den sehr kleinen Wunden ab. Die Arterien verengen langsam und verhärten sich, sodass der Blutfluss immer mehr beeinträchtigt wird. Dieser Prozess, der als Arterienverkalkung (Arteriosklerose oder Atherosklerose) bezeichnet wird, kann über Jahre oder sogar Jahrzehnte unbemerkt verlaufen, bis es zu ersten Beschwerden kommt, die aber gleich lebensgefährlich sein können, wie z. B. ein Herzinfarkt. Durch Bluthochdruck verursachte Organschäden betreffen in besonderer Weise das Gehirn, das Herz, die Gefäße und die Nieren. Dies kann gleichermaßen für hämophile und nichthämophile Patienten gelten. 17

7 Bluthochdruck Bluthochdruck Schlaganfall Hirnblutung Herzmuskelverdickung bzw. Herzerweiterung Herzmuskelschwäche Gefäßschäden Hirnerweichung Hirnleistungsschwäche (Demenz) Herzinfarkt Schrumpfniere Durchblutungsstörungen, z. B. der Kopf-, Herzkranzgefäße und Beine Gesundheitliche Folgeschäden durch hohen Blutdruck. Gehirn Für das Gehirn und den Schlaganfall ist die Hypertonie der wichtigste und häufigste Risikofaktor. Das gilt sowohl für den durch eine Mangeldurchblutung bedingten Schlaganfall als auch für die Gehirnblutung. Die Hypertonie erhöht das Schlaganfallrisiko etwa um das 4-Fache. Die Therapie des Bluthochdrucks ist dementsprechend sehr erfolgreich in der Reduktion der Schlaganfallhäufigkeit. Das zeigen große internationale Therapiestudien mit einer Reduktion von % in der Behandlungsgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe. Bluthochdruck ist ebenfalls ein wichtiger Risikofaktor für die Entwicklung einer Hirnleistungsschwäche (Demenz). Maßgeblich 18

8 Was ist Bluthochdruck? ist ein gar nicht oder unzureichend behandelter Bluthochdruck im mittleren und fortgeschrittenen Alter für eine spätere Demenzentwicklung im höheren Alter. Wie erste Untersuchungen zeigen, lässt sich ein solcher Fortschritt mit einer Bluthochdrucktherapie verhindern. Herz Ein über Jahre andauernder, nicht oder schlecht behandelter Blutdruck ist eine der häufigsten Ursachen für eine Herz schwäche. Je höher der Blutdruck, desto schwerer muss das Herz arbeiten, um die Organe und das Gewebe mit Blut zu versorgen. Wird dieser Zustand nicht beseitigt, verdickt sich im Laufe der Zeit die Wand der linken Herzkammer. Die Muskelmasse des linken Herzens nimmt zu; damit versucht das Herz, gegen den erhöhten Druck anzupumpen. Nach einer Kompensations phase reagiert das Herz mit einem Nachlassen seiner Pumpleistung und es bildet sich eine Muskelschwäche des linken Herzens. Luftnot und eine Leistungsminderung, besonders bei Belastung, zählen zu den Beschwerden. Dazu kommen die krankhaft verengten Herzkranzgefäße mit der Gefahr eines Herzinfarktes. Nieren Weniger bekannt ist, dass Nierenerkrankungen und -versagen am häufigsten durch Bluthochdruck verursacht werden. Die Funktion der Nieren wird durch verengte Gefäße eingeschränkt bis hin zum vollständigen Versagen. Besonders gefährlich für die Nieren ist die Kombination von Bluthochdruck und Diabetes mellitus. In diesen Fällen ist der Blutdruck besonders aufmerksam zu behandeln. 19

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