Tagung Krebs zwischen Schrecken und Sensation vom in der Evang. Akademie Tutzing

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1 Tagung Krebs zwischen Schrecken und Sensation vom in der Evang. Akademie Tutzing Statement von Herrn Stamm zum Podiumsgespräch Informations- und Motivationskampagnen in der Öffentlichkeit zwischen Anspruch und Wirklichkeit Krebs mehr Information, mehr Kommunikation, mehr Versorgung aus Sicht der BARMER Krebserkrankungen zählen zu den am meisten gefürchteten Erkrankungen überhaupt. Annähernd Menschen erkranken in Deutschland jedes Jahr neu an Krebs. Nach den Herz-Kreislauf-Erkrankungen steht Krebs an 2. Stelle der Todesursachenstatistik. Etwa jeder dritte Bürger wird im Laufe seines Lebens an Krebs erkranken, jeder Vierte wird an dieser Erkrankung sterben. Dank stetiger medizinischer Fortschritte sind heute viele Krebserkrankungen bei frühzeitiger Entdeckung und Behandlung heilbar. Dennoch bedeutet solch eine Erkrankung für den Betroffenen und die Angehörigen doch immer einen schwerwiegenden Einschnitt in sein bisheriges Leben. Eine zentrale Herausforderung unseres Gesundheitssystems besteht darin, alle Kräfte zu bündeln, um die Zahl der Krebsneuerkrankungen zu senken bzw. im Krankheitsfall diese so früh wie möglich zu erkennen. Dadurch kann vor allem viel menschliches Leid erspart werden, ebenso können aber auch die enormen Krankheits- und Folgekosten verringert werden. Ich freue mich daher besonders, an dieser Tagung zum Thema Krebskommunikation teilnehmen und auch aus Kassensicht einige Worte an Sie richten zu können. Viel zu lange und nahezu ausschließlich haben wir uns in Deutschland mit der Kuration von Krankheiten beschäftigt. Um die gesundheitliche Versorgung effizienter zu gestalten, bedarf es einer grundlegenden Umorientierung hin zu mehr Prävention. Prävention und Gesundheitsförderung sind zentrale Bestandteile einer zukunftsfähigen und nachhaltigen Gesundheitspolitik. Nach Expertenschätzungen ließe sich erheblicher Teil der Krebserkrankungen vermeiden. Die gezielte Vermeidung von Risikofaktoren, also Faktoren, die die

2 Entstehung einer bestimmten Krebsart begünstigen können, spielt dabei eine große Rolle. Neben erblichen Vorbelastungen zählen in erster Linie das Rauchen, aber auch übermäßiger Alkoholkonsum, Bewegungsmangel und ungünstiges Ernährungsverhalten zu den gesicherten Risikofaktoren. Hohe Bedeutung hat darüber hinaus die regelmäßige Inanspruchnahme der Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung. Leider werden diese hervorragenden Chancen der Prävention und Früherkennung von Krebserkrankungen bislang aber nicht oder nur unzureichend genutzt. Wir verfügen in Deutschland über ein umfangreiches gesetzliches Programm zur Krebsfrüherkennung. Innerhalb der letzten drei Jahre sind wir damit und das sollte hier ruhig einmal deutlich gesagt werden mit der Einführung der Screening- Koloskpie für Darmkrebs sowie das aktuell in der Umsetzung befindliche Mammographie-Screening zur Früherkennung von Brustkrebs einen gewaltigen Schritt vorangekommen. Dennoch beteiligen sich zur Zeit nur rund die Hälfte der anspruchsberechtigten Frauen und nur etwa jeder fünfte Mann an den von den Krankenkassen angebotenen kostenlosen Früherkennungsuntersuchungen. Warum ist das so? Und noch viel wichtiger: Wo können wir ansetzen, um diese Situation zu verbessern? Ich denke, es gibt eine ganze Reihe vielversprechender Ansätze, die ich kurz erläutern möchte: Zum einen gilt es, die Menschen stärker zu gesundheitsbewusstem Handeln zu motivieren. Mit ihrem Bonusprogramm aktiv pluspunkten hat die BARMER hier einen wichtigen Akzent gesetzt. Für die Teilnahme an den gesetzlichen Krebsfrüherkennungsmaßnahmen sowie an ausgewählten Präventionsangeboten erhalten unsere Versicherten festgelegte Punktwerte gutgeschrieben, die sie sammeln und am Jahresende gegen wertvolle Sachprämien mit Gesundheitsbezug eintauschen können. In diesem Bonusprogramm sehen wir eine gute Möglichkeit, für die Versicherten einen Anreiz zu schaffen, selbst für die eigene Gesundheit aktiv zu werden und gleichzeitig (ungleich teurere) Behandlungskosten einzusparen.

3 Zum anderen sollte, um möglichst breite Bevölkerungskreise für Prävention und Früherkennung zu begeistern, das gesamte Spektrum der modernen Informationsund Aufklärungsarbeit genutzt werden. Dies bedeutet nicht, dass herkömmliche Kommunikationsformen an Bedeutung verlieren. Nein, auch in Zukunft werden fundierte Sachinformationen, als Printmedien, abrufbar im Internet oder in Form von Informationsveranstaltungen, weiterhin einen hohen Stellenwert besitzen. Diese Infokanäle nutzt die BARMER mit einem breiten Spektrum an Informationsbroschüren und ihrem Internetauftritt intensiv. Zudem bieten wir unseren Versicherten mit dem BARMER Gesundheitstelefon fundierte medizinische Informationen. rund um das Thema Gesundheit, zur Prävention und allen relevanten medizinischen Themen. Gemeint ist damit vielmehr, Kreativität in der Kommunikation entwickeln und auch andere als die klassischen Informationswege zu wählen. In diesem Sommer haben wir gemeinsam mit dem Deutschen Präventionsnetzwerk eine Darmkrebsinitiave in über Haus- und Facharztpraxen gestartet. Ziel ist es, über die Möglichkeiten der Vorbeugung und Früherkennung von Darmkrebs aufzuklären. Entgegen den üblichen Bevölkerungskampagnen setzt die Kampagne bewusst auf den direkten Arzt-Patienten-Kontakt, um insbesondere für die Teilnahme an der Vorsorge-Koloskopie zu werben. Wir nutzen also die Funktion des Hausarztes als primärem Ansprechpartner in Gesundheitsfragen, um die Präventionsbotschaft gezielt zu kommunizieren. Ein anderes Beispiel ist die Aufklärungskampagne Brust-Check zusammen mit der Women s Health Initiative, der Frauenselbsthilfe nach Krebs, der Deutschen Krebshilfe, dem Berufsverband der Gynäkologen und anderen Partnern. Diese breit angelegte Kampagne ist vor kurzem in Bayern angelaufen und begleitet die Einführung des Mammographie-Screenings in Deutschland. Ziel dieser Kampagne ist, Frauen in der relevanten Altersgruppe, also im Alter von 50 bis 69 Jahren, zur Teilnahme am Mammographie-Screening zu motivieren. Kernstück der Kampagne ist die Broschüre Was Sie über Brustkrebs-Früherkennung wissen müssen. Unter dem Motto besser informiert besser entscheiden geht die Broschüre u.a. auf die Vorteile, aber auch auf Nachteile der einzelnen Früherkennungsmethoden ein. Unsere weiblichen Versicherten wollen wir so in die Lage zu versetzen, eigenverantwortlich eine informierte Entscheidung über die Teilnahme an den Früherkennungsuntersuchungen zu treffen.

4 Schließlich möchte ich in diesem Zusammenhang noch die Theaterproduktion Alarm im Darm erwähnen, die im Auftrag der Stiftung Lebensblicke entwickelt worden ist. Dieses 2-Personen-Theaterstück nähert sich dem Tabuthema Darmkrebs auf humorvolle Art und ist m.e. ein lohnenswerter Ansatz, Früherkennungsmuffel zu mobilisieren. In einem etwa einstündigen Dialog verstehen es die Schauspieler in verschiedenen Szenen, das noch immer stark tabuisierte Thema Darmkrebs kurzweilig auf die Bühne zu bringen und den Zuschauern quasi nebenbei die wesentlichen Sachinformationen zu vermitteln. Gemeinsam mit der Stiftung Lebensblicke und der Deutschen Krebsgesellschaft überlegen wir, dieses Theaterstück an mehreren Orten im Bundesgebiet aufzuführen. Von gleich hoher Bedeutung wie die Krebsfrüherkennung, aber in der Öffentlichkeit noch zu wenig bekannt sind die Möglichkeiten der Primärprävention, also der Vorbeugung von Krebserkrankungen. Jeder kann durch seinen persönlichen Lebensstil, durch den Verzicht auf das Rauchen und einen übermäßigen Alkoholkonsum, durch ausreichende regelmäßige körperliche Aktivität und eine gesunde Ernährung dazu beitragen, nicht nur sein Wohlbefinden und seine allgemeine Fitness zu verbessern, sondern auch sein persönliches Krebsrisiko zu senken. Um diese Erkenntnisse stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken, hat die BARMER mit großem Erfolg ihre Initiative Prävention AKTIV gestartet, die darauf abzielt, die Möglichkeiten und Notwendigkeit der Prävention und Gesundheitsförderung aufzuzeigen und im Verhalten jedes einzelnen Versicherten stärker zu verankern. Unter diesem Motto Prävention AKTIV bietet die BARMER ihren Versicherten ein umfangreiches Angebot qualitätsgesicherter Präventionsmaßnahmen in den Handlungsfeldern Ernährung, Bewegung, Stressbewältigung/Entspannung und Suchtmittelkonsum. Große Aufmerksamkeit erzielt auch unsere bundesweite Kampagne Deutschland bewegt sich mit BILD am Sonntag und ZDF, die darauf abzielt, eine Breitensportbewegung zu schaffen, die in den nächsten Jahren große Teile der Bevölkerung an gesundheitsfördernde Sportarten heranführt.

5 Die Auseinandersetzung mit Krebserkrankungen unter dem Aspekt mehr Information, mehr Kommunikation, mehr Versorgung ist durchaus komplex. Im Bereich der Prävention und Früherkennung ist es wichtig, durch breit angelegte Kommunikationsstrategien eine größtmögliche Zahl von Versicherten zu informieren und für die Nutzung der Möglichkeiten zu interessieren. Dabei gilt es, die Versicherten weder durch die Menge der Informationen zu überfrachten, noch durch unangemessen detaillierte Darstellungen Ängste vor einer Krebserkrankung zu schüren. Sobald eine Krebserkrankung festgestellt wird, muss sich die Informations- und Kommunikationsstrategie u.e. verändern. Im Mittelpunkt steht hier der einzelne Patient Es ist wichtig, seine jeweiligen Bedürfnisse sensibel aufzugreifen und Hilfen anzubieten. Dazu haben wir ein ganzes Bündel von Möglichkeiten geschnürt, um die unterschiedlichen Formen des Informationsbedürfnisses zu befriedigen. Mit Informationen auf der BARMER-Homepage und unserem bereits erwähnten Gesundheitstelefon bieten wir unseren Versicherten fundierte Informationen zur Diagnostik und Behandlung verschiedener Krebserkrankung. Bei jeder Form der Information und Kommunikation ist zu bedenken, dass viele Krebserkrankungen noch heute zu den Tabuthemen gehören. Insofern versteht es die BARMER als ihre Aufgabe, Patienten dabei zu unterstützen, ihre Ängste, Wünsche und Sorgen zum Ausdruck zu bringen. Wir sind davon überzeugt, dass sich informierte Patienten bewusster mit ihrer Situation auseinander setzen können und damit eine bessere Chance zur Krankheitsbewältigung erhalten. Ein gelungenes Beispiel ist das strukturierte Behandlungsprogramm für Frauen mit Brustkrebs. An diesem DMP möchte ich Ihnen darstellen, wie die BARMER die Anforderungen an das Programm nutzt und Patientinnen erfolgreich unterstützt. Die Therapiegrundsätze des Behandlungsprogramms fordern die individuelle Behandlung jeder Patientin und zeichnen sich durch eine ausdrückliche Betonung der Information und Kommunikation aus. Die Betroffene erhält die Chance, ihre Behandlung als gleichberechtigte Co-Managerin mitzugestalten. Zur Nutzung dieser Möglichkeit wird Sie von der BARMER in vielfältiger Weise begleitet. Geschulte Mitarbeiter, sog. Versorgungskoordinatoren, stehen als persönliche Ansprechpartner zur Verfügung, um die Versorgungssituation bestmöglich zu

6 gestalten. Medizinische Fragen können durch die Ärzte und das medizinische Fachpersonal unseres Frauengesundheitstelefons qualifiziert beantwortet werden. Eine Reihe von Printmedien, wie die Patientinnenleitlinie oder themenspezifische Broschüren, runden das Angebot ab. Bei allen Angeboten ist es uns wichtig, die Information nicht aufzudrängen, sondern an den individuellen Erfordernissen auszurichten. Ein weiteres Musterbeispiel für onkologische Versorgung ist der BARMER-Vertrag zur Versorgung für Menschen mit einem Bronchialkarzinom (CIO). In diesem Vertrag der Integrierten Versorgung ist eine patientengerechte, indikationsbezogene Versorgung durch ein Center of Excellence geregelt. Der Vertrag bedient sich dabei etablierter Leitlinien als Handlungsanleitungen der sektorübergreifenden Versorgung. Dieser Vertrag hat eine wegweisende Funktion für die Versorgung krebskranker Menschen. Neben einer hochwertigen medizinischen Versorgung werden grundsätzlich die individuellen Wünschen des Patienten respektiert und dessen Fähigkeit zum Selbstmanagement gefördert. Heute blicken wir auf eine Reihe von Erfahrungen zurück, die wir nutzen, die Kommunikation zum Thema Krebs stetig zu verbessern. Ich möchte dabei betonen, dass die Gestaltung von Information, Kommunikation und Versorgung bei Krebserkrankungen eine anspruchsvolle Herausforderung darstellt. Erfolgreich kann hier nur sein, wer die Bedürfnisse der Betroffenen ernst nimmt Die BARMER stellt sich dieser Herausforderung für ihre Versicherten gern.

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