Fels- und Eisklettern:

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1 Volker Schöffl Fels- und Eisklettern: Eine Risikoanalyse Diplomica Verlag

2 Inhaltsverzeichnis Inhaltsverzeichnis Abbildungsverzeichnis Tabellenverzeichnis Anlagenverzeichnis Abkürzungsverzeichnis I IV IV V VI 1. Einleitung Einführung Ziel 5 2. Risiko- und Extremsport Risikobegriff Popularität von Risiko- und Extremsport Definition Risiko- und Extremsport Risiko- und Extremsport aus der Sicht der Versicherer Fragebögen für Risiko- und Extremsportarten Kritische Betrachtung der Fragebögen Lebens-, Berufsunfähigkeits- und Unfallversicherung Versicherung Lebensversicherung Berufsunfähigkeitsversicherung Unfallversicherung Rückversicherer Terminologie Klettersport Historie Terminologie Ausrüstung Bewertung der Schwierigkeit Wettkampfklettern 22

3 5. Unfall- und Todesfallrisiko im Klettersport Definitionen und Bergunfallstatistik des DAV Verletzungsscoring Datenerfassung und Kalkulation der Expositionszeit Alpines Klettern, Sportklettern und Bouldern Indoorklettern und Wettkampfklettern Eisklettern Vergleich Klettern mit Bergsteigen Vergleich Risiko Klettersport zu populären Sportarten Risikobewertung Klettersport nach Literatur Risikobewertung Klettersport durch Rückversicherer Synopsis und Ausblick Empfehlungen zur Risikoeinstufung Praktische Umsetzung Umsetzung mit den Versicherern Internationale Studienkoordination Scoring 52 Tabellen 53 Literaturverzeichnis 64 Anlagen 77 II

4 Abbildungsverzeichnis Abb. 1: Titelbild des Time Magazine September Abb. 2: Werbeplakat Accu-chek, Roche, Archiv Schöffl 2 Abb. 3: Titelbild Alpinwelt 3/ Abb. 4: Isabelle Schöffl klettert Dream Catcher 9-, Laos 2007, Foto: V. Schöffl 19 Abb. 5: Crash pad und Spotter beim Bouldern, Frankenjura 2007, Foto: I. Schöffl 21 Tabellenverzeichnis Tab. 1: Vergleich verschiedener Schwierigkeitsgrade beim Felsklettern 53 Tab. 2: NACA Score 54 Tab. 3: Unfälle, Verletzungen und Todesfälle im Alpin- und Sportklettern 55 Tab. 4: Unfälle, Verletzungen und Todesfälle beim Indoor- und Wettkampfklettern 58 Tab. 5: Unfälle, Verletzungen und Todesfälle beim Eisklettern (Wasserfallklettern) 59 Tab. 6: Unfälle, Verletzungen und Todesfälle beim Bergsteigen 60 Tab. 7: Verletzungshäufigkeit verschiedener Sportarten pro 1000 Stunden Sportausübung 63 III

5 Anlagenverzeichnis Anlage 1: Risikomanifest des Deutschen Alpenvereins 77 Anlage 2: Versicherungsbedingungen des BMC 78 Anlage 3: Expeditionsversicherung des DAV 80 Anlage 4: Expeditionsdefinition des DAV 83 Anlage 5: Expeditionsberge und Expeditionsdefinition 85 Anlage 6: Fragebogen Gerling Konzern 87 Anlage 7: Fragebogen Zürich 88 Anlage 8: Fragebogen Skandia 90 Anlage 9: Fragebogen Alte Leipziger 92 Anlage 10: Fragebogen Canada Life 94 Anlage 11: Inauguration Konsensusgruppe 96 IV

6 Risiko ist nun weder eine grundsätzlich negative noch eine grundsätzlich positive Größe menschlichen Erlebens. Eine heile Welt ohne Risiko ist nicht überlebensfähig; sie würde den Menschen nicht anregen und fordern, sondern langweilen, demotivieren und damit auf diese Art und Weise neue Risikofaktoren produzieren. Reinhold Bergler 1 1 Vgl. Schwarz, U. (2009), S. 0 (Vorwort)

7 1. Einleitung und Abgrenzung 1.1. Einführung Das Titelbild des Time Magazine September 1999 zeigt einen Sportkletterer und trägt die Überschrift Why we take risks - From extreme sports to unprotected sex, thrill seeking is becoming more popular. 2 Abb.1: Titelbild des Time Magazine September 1999 Dies demonstriert anschaulich das Bild der Öffentlichkeit vom Klettersport als Risikosport. Weiter genährt wird dieses durch reißerische Bilder und Medienberichte sowie durch die Implementierung von Klettersport in die Werbung. Paradoxerweise verkörpert Klettersport im Werbebereich zweierlei Qualitäten: Einerseits Sicherheit, Verantwortungsbewusstsein und Vertrauen, so wie von Roche für das Blutzuckermessgerät Accuchek (siehe Abb. 2) 3 genutzt. Andererseits genau das Gegenteil: Freiheitsbewusstsein, Draufgängertum und Risikobereitschaft (siehe Abb. 3). Paradoxerweise bewegt sich der Kletterer auf dem Titelbild des Time -Magazin direkt am Bohrhaken, ein zweiter Haken ist nur einen Meter entfernt in überhängendem Gelände und somit fast völlig gefahrenfrei. Währendessen hat der Kletterer in der Roche-Werbung zwar seine Route bereits vollendet, allerdings einen fatalen Fehler begangen, indem er die Karabiner in den Ho- 2 Vgl. Titelblatt Time Magazine, September Vgl. Werbung Accu-chek, Roche, Archiv Schöffl 1

8 senbund einhängt. Sich mit diesem in einen Haken einzuhängen, verschafft falsche Sicherheit und kann schnell ernste Konsequenzen erzeugen. Abb.2 Werbeplakat Accu-chek, Roche Abb. 3. Titelbild Alpin Dennoch demonstriert vor allem das Time -Magazin Bild deutlich die geltende Volksmeinung von Klettersport als Risiko- und Abenteuersport. 4 Vgl. Alpinwelt 3 (2007). 2

9 Allgemein steigt das erwartete Gesundheitsrisiko einer Sportart mit der Abnahme der persönlichen Beteiligung, gleichzeitig werden die Akteure der fraglich gefährlichen Sportarten überwiegend bewundert (solange keine Fremdgefährdung besteht). Sportarten, die von einer größeren Bevölkerungsschicht betrieben werden, gelten hingegen subjektiv als ungefährlich. 5 Andererseits weisen Extremsportler eine überdurchschnittliche Bildung und Intelligenz auf. Unter Freeclimbern finden sich vermehrt Hochschulprofessoren und Akademiker. 6 Dies entspricht nicht dem klassischen Bild vom Extremsportler. Welche Sportart ist nun aber "extrem" und "risikoreich"? Meyers Lexikon definiert dies wie folgt: Extremsport, das Ausüben außergewöhnlicher sportlicher Disziplinen, wobei der Betreffende höchsten physischen und psychischen Belastungen ausgesetzt ist. Ist bei Durchführung der betreffenden Disziplin ein objektiv vorhandenes und/oder subjektiv empfundenes Gesundheits- bis Lebensrisiko vorhanden, spricht man von Risikosport. 7 Diese Definition ist zwar sehr treffend, sagt aber nichts über das tatsächliche Risiko aus, dem sich der Sportler bei der Sportausübung aussetzt. Unabhängig von diesen Risikoanalyen erlebte der Klettersport durch die zunehmende Anzahl an Felsklettergebieten, Indoor-Kletteranlagen und Kletterwettkämpfen in den letzten zwei Jahrzehnten einen rasanten Aufstieg mit mittlerweile über Aktiven in Deutschland. Des Weiteren hielt er Einzug in den Schul- und Rehasportbereich, die Sozialpädagogik und die Physiotherapie. Nachdem Bienia 8 bereits 1962 Klettern in der Physiotherapie und medizinische Rehabilitation einsetzte, hat es inzwischen dort seinen festen Platz. 9 Obwohl Klettern eine Aktivierung aller Muskelgruppen bewirkt ist dennoch die Hand- und Fingerkraft leistungslimitierend. 10 Die verschiedenen Grifftechniken (z.b. aufgestellte Fingerposition oder Einfingerlochgriff 11 ), welche Verwendung finden, übertragen dabei sehr hohe Kräfte auf die Finger. 12 Als logische Konsequenz 5 Vgl. Henke, T. und Glaser, H (2000), S Vgl. Veraszto, A. (2008), S Vgl. Meyers Lexikon (2008). 8 Vgl. Bienia, J. (1962). S Vgl. Hochholzer, T., Schöffl, V. (2007), Heitkamp, H. C., Fichter, C., Grau, S., Rapp, W., Nieß, A., Horstmann, T. (2005), S. 288, Heitkamp, H. C., Worner, C., Horstmann, T. (2005). S , Heit kamp, H. C., Mayer, F., Böhm, S. (1999), S , Schlageter, M. (2004). S , Scharler, D. und Nepper, H. U. (2000). S , Forster, R., Penka, G., Bosl, T., Schöffl, V. R (2008), Schöffl, V. (2006). 10 Vgl. Schöffl, I., Einwag, F., et al. (2007). S , Schöffl, I., Oppelt, K., et al. (2009). In print, Schöffl, V. (2008). S , Schöffl, V., Einwag, F., Strecker, W., Schöffl, I. (2006). S , Quaine, F. und Vigouroux, L. (2004). S , Quaine, F., L. Vigouroux, Martin, L. (2005), S , Vigouroux, L. und F. Quaine (2006). S , Schweizer, A. (2001), S Vgl. Hochholzer, T., Schöffl, V. (2007). 12 Vgl. Schöffl, I., Einwag, F., Strecker, W., Schöffl, I. (2006). S , Quaine, F. und Vigouroux, L. 3

10 stehen Verletzungen und Überlastungserscheinungen der Hand und hier vor allem der Finger im Vordergrund. 13 Schwere Verletzungen mit eventuell gar tödlichem Ausgang finden sich nur selten. 14 Klettern kann, quasi natürlich, bereits in jungen Jahren 15 begonnen werden und bis ins hohe Alter hindurch ausgeübt werden. 16 Zunehmend hat sich auch Eisklettern in der Form von Wasserfallklettern eine eigene stetig wachsende Anhängerschaft geschaffen. 17 Ganz anders stellt sich allerdings die Einschätzung des Unfall- und Todesfallrisiko durch die Versicherer im Bereich der Unfall-, Berufsunfähigkeits- und Lebensversicherung dar. Nur der Versicherer des British Mountaineering Counsil (BMC) bietet seinen Mitgliedern einen umfassenden Versicherungsschutz (Ausnahme Eiskletten) für die verschiedenen Spielarten des Klettersportes an. 18 Anders ist die Situation im deutschsprachigen Europa. Generell gilt, dass in der Privatversicherung Personen mit höherem Risiko eine höhere Prämie bezahlen. In der Lebensversicherung werden daher für Sonderrisiken Risikozuschläge verrechnet. Zu diesen Sonderrisiken zählen neben Berufsund Aufenthaltsrisken auch Extrem- oder Risikosportarten. Rückversicherer in Deutschland sowie Österreich und der Schweiz versichern Klettersport nur mit entsprechenden Einschränkungen. So darf z.b. der sechste Schwierigkeitsgrad nach UIAA nicht überschritten werden, nur innerhalb Europa geklettert werden, Eisklettern überhaupt nicht betrieben werden usw.. 19 Dies scheint mehr auf subjektiver Wahrnehmung denn auf objektiven Daten zu beruhen und führt immer wieder zur Diskussion. (2004). S Vgl. Schöffl, V., T. Hochholzer, Karrer, A., Winter, S., Imhoff, A (2003). S , Schöffl, V., T. Hochholzer (2004a), Schöffl, V., Hochholzer, T. et al. (2004b). S. 6-7, Schöffl, V. und Schöffl, I. (2007). S. 70-8, Haas, J. C. und Meyers, M. C. (1995). S , Jones, G., Asghar, A., Llewel lyn, D. J. (2007), Josephsen, G., Shinneman, S., Tamayo-Sarver, J., Josephsen, K., Boulware, D., Hunt, M., Pham, H. (2007). S , Logan, A. J., Makwana, N., Mason, G., Dias, J. (2004). S Vgl. Schöffl, V. (2002). S. 41-5, Schöffl, V. und Küpper, T. (2008). S , Schöffl, V. und Küpper, T. (2006). S , Josephsen, G., Shinneman, S., Tamayo-Sarver, J., Josephsen, K., Boulware, D., Hunt, M., Pham, H. (2007). S Vgl. Hartsock, L. A., Feagin, J. A., Jr., Ogilvie, B. C. (1991). S , Morrison, A. B. und Schöffl, V. R. (2007), Küpper, T. (2005). S Vgl. Hartsock, L. A., Feagin, J. A., Jr., Ogilvie, B. C. (1991). S Vgl. Schwarz, U., Küpper, T., Schöffl, I., Dickschas, J., Schöffl, V. (2008). S , Schöffl, V., Schöffl, I., Schwarz, U., Hennig, F., Küpper, T. (2009). 18 Vgl. British Mountaineering Counsil (2009). 19 Vgl. Risikofragebögen, Anlage

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