Einführung. Was ist Eclipse?

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1 1 Was ist Eclipse? Die erste Version von Eclipse wurde im November 2001 freigegeben. Angekündigt wurde Eclipse von IBM als ein 40 Millionen Dollar Geschenk an die Open-Source-Gemeinde. Die ersten Reaktionen auf dieses Geschenk waren zwiespältig. Während viele Java-Programmierer das Erscheinen von Eclipse begeistert begrüßten (wann wäre man über ein 40 Millionen Dollar Geschenk nicht begeistert?), waren die Reaktionen bei Sun Microsystems zunächst recht wütend. Man fühlte sich übergangen, und in der Tat war Sun nicht zur Eclipse-Initiative eingeladen worden. IBM behauptet das Gegenteil: Auch Sun Microsystems hätte zum Kreis der Eingeladen gezählt. Und dieser Kreis ist nicht klein: Die Eclipse Organisation hat etwa 150 Mitglieder, zum Vorstand gehören Leute von Borland Software Corp., Merant International Ltd., Oracle, QNX Software Systems, Rational Software Corp., Red Hat Inc., Suse Inc. und TogetherSoft Corp. sowie natürlich IBM (Microsoft ist nicht dabei.) Wie dem auch sei, die Atmosphäre zwischen IBM und Sun Microsystems war zunächst frostig. Inzwischen hat sich die Aufregung gelegt, und von beiden Firmen wird Eclipse als eine wichtige Chance angesehen, Microsofts.NET-Initiative Paroli zu bieten und vor allen Dingen Java zurück auf den Desktop zu bekommen. Erhebt sich jetzt die Frage, was genau ist Eclipse? Ist es ein Java IDE? Ist es ein neues GUI für Java-Applikationen? Ist es eine Ablaufplattform? Laut ist Eclipse eine Plattform für»alles Mögliche und nichts im Besonderen«. Dass man damit Java-Programme entwickeln kann, ist nur eine spezielle Anwendungsmöglichkeit dieser Plattform. Doch das eigentliche Anwendungsfeld von Eclipse geht weit über diese Anwendung hinaus. Dank seiner Plugin-Architektur ist Eclipse wandlungsfähig wie ein Chamäleon und kann in den verschiedensten Szenarien ein Habitat finden. Das Eclipse Java-IDE ist nur ein herausragendes Beispiel für ein Eclipse-Plugin. Eine große Anzahl von Plugins ist bereits von verschiedenen Firmen und Entwicklern für Eclipse entwickelt worden oder befindet sich in der Entwicklung (Anhang A enthält eine kleine Auswahl solcher Entwicklungen). In diesem Buch

2 2 werden wir uns freilich auf die Java-Entwicklung mit Eclipse beschränken. So gibt es beispielsweise bereits einen Plug-in für die C++-Entwicklung. Weitere Plug-ins für andere Programmiersprachen wie etwa RPG oder COBOL sind in Vorbereitung. Eclipse ist allerdings mehr als eine reine Entwicklungsumgebung. So stellt es mit seinen SWT- und JFace-Bibliotheken Alternativen zu Suns Laufzeit-Java-Bibliotheken AWT und Swing zur Verfügung. Diese Bibliotheken gestatten es, Java-Anwendungen zu erstellen, die in punkto Ansprechverhalten und Look&Feel dem Verhalten nativer (also z.b. in C oder C++ geschriebener) Anwendungen in nichts nachstehen. Mit Swing implementierte Benutzeroberflächen verhalten sich dagegen oft etwas träge und entsprechen trotz auswechselbarer Skins nicht immer den auf dem jeweiligen Betriebssystem vorherrschenden Standards. SWT und JFace könnten für Java den Durchbruch bei Desktop-Applikationen bewirken. Es wundert nicht, dass derzeit auf den entsprechenden Diskussionsforen (z.b. auf eine Debatte pro und contra SWT/JFace beziehungsweise AWT/Swing stattfindet. IBM hat hier einen Stein in den Java-Teich geworfen, der ziemliche Wellen schlägt. Schließlich stellt Eclipse ein umfangreiches Framework für Java- Applikationen zur Verfügung. Über die GUI-Bibliotheken hinaus stehen höhere Klassen wie Editoren, Viewer, Ressourcenverwaltung, Aufgabenverwaltung, Problembehandlung, Hilfesystem, verschiedene Assistenten und Wizards zum Einbau in eigene Applikationen bereit. Alle diese Klassen werden von Eclipse selbst z.b. bei der Implementierung der Workbench oder beim Java-IDE verwendet. Das Lizenzierungsmodell von Eclipse erlaubt es Anwendern jedoch, diese Klassen in eigene Anwendungen einzubetten, zu verändern, und als Bestandteil der eigenen Anwendungen mit auszuliefern, selbstverständlich ohne dass Lizenzgebühren fällig würden. Der gesamte Code von Eclipse steht als Quellcode zur Verfügung und kann so leicht eingesehen werden sowie als Ausgangspunkt für eigene Entwicklungen dienen. Das Eclipse-Umfeld Eclipse wurde natürlich nicht auf der grünen Wiese entwickelt. Es hat sozusagen einen Stammbaum. Der Autor dieses Buches, dessen Lieblings-Java-IDE jahrelang Visual Age for Java war, kann viele Konstruktionselemente dieses Werkzeugs in Eclipse wieder erkennen. Und in der Tat dieselbe Firma, die hinter der Entwicklung von Visual Age stand, steht auch hinter der Entwicklung von Eclipse. Es ist die Rede

3 Über dieses Buch 3 von OTI ( Schon 1988 entwickelte OTI mit ENVY eine kollaborative Entwicklungsplattform für Smalltalk, die später unter dem Namen Visual Age von IBM lizenziert wurde. Darauf folgte die Entwicklung von Visual Age für Java. Aber auch Visual Age für Java war noch in Smalltalk implementiert. Mit Eclipse hat nun OTI die nächste Generation der Entwicklungswerkzeuge eingeläutet. Viele der Designprinzipien von Visual Age finden sich in Eclipse freilich mit dem Unterschied, dass Eclipse in Java geschrieben ist und eine wesentlich offenere Architektur hat als Visual Age. Auch Eclipse wurde von IBM lizenziert, um es später der Open- Source-Gemeinde zur Verfügung zu stellen. Das geschah durchaus nicht ohne Eigennutz: Eclipse bildet sozusagen die Community-Edition der WebSphere Studio Workbench. Diese schließt die Funktionalität von Eclipse mit ein, bietet darüber hinaus allerdings zusätzliche Plugins für die Entwicklung von Web- und Datenbank-Applikationen. Langfristig ist es geplant, praktisch sämtliche in einem Unternehmen verwendeten Werkzeuge wie UML-Editoren, Workflow-Editoren, XML-Editoren oder EJB-Konnektoren als WebSphere-Plug-ins verfügbar zu machen. Über dieses Buch Es ist praktisch unmöglich, ein einziges Buch über Eclipse zu schreiben. Eclipse ist derart umfangreich, dass es durchaus Stoff für mehrere Bücher bietet. Wir haben versucht, besonders die Themen herauszustellen, bei denen Eclipse wesentlich Neues zur Java-Entwicklung beiträgt. Dies sind insbesondere die neuen GUI-Bibliotheken (SWT, JFace) und die Verwendung von Eclipse als Ablaufplattform für Desktop-Applikationen. Außen vor bleiben Themen wie die J2EE- und Servlet-Entwicklung und andere WebSphere-spezifische Themen. Außerdem wollte ich, nach jahrelanger Beschäftigung mit Web-Themen und Electronic Business, zur Abwechslung mal ein Buch über Desktop- Applikationen schreiben. Hier bei der Entwicklung von Desktop- Anwendungen liegen auch die Stärken von Eclipse. Für die Entwicklung von Webapplikationen fehlt z.b. im Moment noch eine gute JSP- Unterstützung. Dieses Buch ist auch keine in die Programmierung mit Java. Kenntnisse in der Programmiersprache Java und in der objektorientierten Programmierung werden vorausgesetzt. Die im Buch verwendeten Beispiele sind alle nicht-trivial. Zwei entstammen dem Multimediabereich. Hier hat der Leser die Möglichkeit,»cutting-edge«

4 4 Java-Technologien wie die Sprachausgabe oder MP3-Ausgabe (in reinem Java!) kennen zu lernen. Im dritten Beispiel machen wir dann etwas Nützliches und implementieren ein Rechtschreibprüfungs-Plug-in für Eclipse. Schluss mit den ewigen Tippfehlern in Java-Kommentaren! Das Buch wendet sich also an Java-Programmierer vom Studierenden bis hin zum Profi die eigene Desktop-Applikationen mit Hilfe (beziehungsweise auf Grundlage) von Eclipse entwickeln wollen. Dabei lernen wir alle Techniken kennen, die für die professionelle Gestaltung solcher Applikationen notwendig sind. Wie dieses Buch organisiert ist Der Anfänger, der sich Eclipse nähert, fühlt sich zunächst einmal auch wenn es sich um einen erfahrenen Java-Programmierer handelt von der Fülle der Funktionen überwältigt. Dabei sind die dem Benutzer sichtbaren Funktionen nur die Spitze des Eisbergs. Steigt man in die inneren Mechanismen von Eclipse, in sein API, ein, so kann man sich leicht verirren. Allein der Eclipse-Download ist inzwischen 66 MByte groß. Dieser riesigen Menge von Informationen gegenüber vertritt dieses Buch einen pragmatischen Ansatz. Getreu der Devise, dass die Erkenntnis von außen nach innen geht, schauen wir uns zunächst an, wie sich Eclipse gegenüber dem Endbenutzer darstellt. Der Nutzen hier ist zweifach: Zum einen ist der Programmierer Endbenutzer des Elicpse Java IDE, zum anderen werden die einzelnen Komponenten der Eclipse-Workbench, die Editoren, Views, Menüs, Dialoge, und vieles andere mehr in eigenen Programmen auftauchen. Erfahrene Programmierer mögen vielleicht die in die Benutzung der Java IDE für überflüssig erachten. Trotzdem ist es nützlich, sich gründlich mit der Benutzeroberfläche von Eclipse vertraut zu machen, da man so wesentliche Konzepte und viele Details kennen lernt, die später bei der Gestaltung eigener Applikationen angewandt werden können. In Teil 1 dieses Buches führen wir deshalb zunächst in die praktische Arbeit mit Eclipse ein, insbesondere natürlich in die Java-Entwicklungsumgebung. Eclipse präsentiert sich hier als ausgesprochen starkes Java IDE, welches die positiven Traditionen von Visual Age for Java fortsetzt, gleichzeitig aber neue und mächtige Funktionen einführt. Insbesondere sind hier die Funktionen für die Codevervollständigung zu nennen, aber auch die Funktion für das Umorganisieren (Refactoring) von Programmen, das Unterbreiten von intelligenten Korrekturvorschlägen und das Führen einer lokalen Historie, die eine Rückkehr zu früheren Codeversionen erlaubt.

5 Wie dieses Buch organisiert ist 5 Auch gehen wir in diesem Teil auf die Organisation der Workbench ein, auf die Ressourcen des Eclipse-Workspace wie Projekte, Verzeichnisse und Dateien, auf ihr Verhältnis zum nativen Dateisystem und welche Hilfsmittel zur Navigation es hier gibt. Wir erklären, was Perspektiven sind, und wie sie für die effektive Arbeit mit Eclipse genutzt werden können. Auch der Java-Debugger kommt nicht zu kurz genauso wie das Durchführen von Regressionstests mit Hilfe von JUnit und eine kurze in die Teamarbeit. Bei den Beispielen halten wir uns noch zurück und programmieren zunächst brav mit AWT und Swing. Das wird sich allerdings in Teil 2 rasch ändern. Hier führen wir in die Geheimnisse des SWT und des JFace ein. Beim SWT behandeln wir die Ereignisverarbeitung, die verschiedenen GUI-Elemente wie Textfelder, Tabellen, Tasten, Bäume, usw., die verschiedenen Layouts, Grafikoperationen samt der Koexistenz von SWT und Java2D und die Ausgabe auf den Drucker. Auch erläutern wir die Besonderheiten der Thread- und Ressourcenverwaltung im SWT. Beim JFace geht es dann um die höheren Schichten der Benutzeroberfläche wie Fenster, Dialoge, Viewer, Aktionen und Menüs, Textverarbeitung, Wizards und Präferenzen. Als Beispiel implementieren wir einen MP3-Player komplett mit SWT und JFace, der aber unabhängig von der Eclipse-Plattform einsetzbar ist. Besonders interessant ist hier der Einsatz von SWT in einer Anwendung mit mehreren Threads. In Teil 3 geht es darum, eigene Produkte auf der Grundlage der Eclipse-Plattform zu entwickeln: entweder als Plug-ins zu Eclipse oder aber als eigenständige Applikationen. Da Eclipse fast nur aus Plug-ins besteht, führen wir zunächst in die Plugin-Architektur von Eclipse ein. Hier erläutern wir die Grundausstattung für eine minimale Plattform, führen in die Arbeit mit Ressourcen ein und zeigen, wie Plug-ins mit Hilfe eines Manifestes gegenüber dem Gesamtsystem deklariert werden können. Dann diskutieren wir die verschiedenen Komponenten der Workbench wie Editoren, Views, Aktionen, Dialoge, Wizards, Präferenzen, Perspektiven und das Hilfesystem. Alle diese Komponenten stehen dem Anwendungsentwickler als Bausteine zur Verfügung, was die Erstellung komplexer und anspruchsvoller Applikationen beträchtlich beschleunigen kann. Schließlich zeigen wir noch, wie eigene Produkte für die Auslieferung fertig gemacht werden können. Auch hier bietet Eclipse eine integrierte Unterstützung für alle Tätigkeiten an, die bis zur Erstellung einer Update-Site und dem automatischen Einspielen von Updates reicht. Als Beispiel entwickeln wir ein universelles und voll funktionsfähiges Plug-in für die Rechtschreibeprüfung in Eclipse-Plattformen.

6 6 Im Anhang A listen wir noch einige weitere interessante Plug-ins auf, die von verschiedenen Autoren auf dem Web zur Verfügung gestellt werden. In Anhang B erläutern wir, was bei einem Versionswechsel der Eclipse-Plattform zu tun ist. Anhang C enthält Downloadadressen für die in diesem Buch verwendete Software und für den Quellcode der Beispielprogramme.

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