Einführung in das Wertpapiergeschäft. Sparkasse Musterstadt

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1 Einführung in das Wertpapiergeschäft

2 Was ist die Börse? Die Börse ist ein Marktplatz, auf dem Unternehmen ihre Waren in Form von Wertpapieren, Devisen usw. an Investoren (Aktionäre) verkaufen. Unternehmen, die Geld brauchen, verkaufen Unternehmensanteile (Aktien) an Aktionäre, die Geld in das Unternehmen investieren möchten. Die Kursfeststellung erfolgt in der Regel durch Börsenmakler. Ursprüngliche Börsenform: Präsenzbörse Heute: v. a. Computerbörsen mit elektronischem Handel (z. B. Xetra oder die Terminbörse EUREX) 2

3 Bulle und Bär Sinnbilder für steigende und fallende Kurse Schon im 16. Jahrhundert ein starkes Paar Erklärung: Wenn ein Bär nach einem Gegner oder Opfer schlägt, haut er mit der Tatze von oben nach unten. Der Bulle stößt umgekehrt mit den Hörnern von unten nach oben. Auf die Aktienmärkte übertragen heißt das: Die Bären schlagen die Kurse nach unten (Bärenmarkt), während die Bullen die Kurse nach oben drücken (Bullenmarkt). 3

4 Börsenplätze in Deutschland In Deutschland gibt es sieben Börsen: Wichtigste Börse ist die Deutsche Börse in Frankfurt a. M. mit dem elektronischen Handelssystem Xetra. Fünf regionale Wertpapierbörsen: Stuttgart, München, Düsseldorf, Hamburg/Hannover und Berlin Sonderfall: Strom- und Energiebörse Leipzig (European Energy Exchange) 4

5 Börsenplätze weltweit International bedeutend sind folgende Börsenplätze: NYSE (New York Stock Exchange) Euronext (Zusammenschluss der Börsen in Amsterdam, Paris, Brüssel und Lissabon) Tokio London (Zusammenschluss mit der Börse Mailand) NASDAQ OMX (der Zusammenschluss der Börsen in Stockholm, Kopenhagen, Helsinki, Reykjavik, Tallinn, Riga, Vilnius und der NASDAQ) In Europa gibt es in fast jeder Hauptstadt eine Wertpapierbörse, z. B. in Madrid, Wien, Warschau... 5

6 Was ist eine Aktie? Eine Aktie ist eine Geldanlage. Der Geldanleger (Aktionär) ist damit Miteigentümer an einer Aktiengesellschaft (AG). Der Aktionär partizipiert sowohl am Erfolg als auch am Risiko des Unternehmens. Der Ertrag der Aktie (die sog. Dividende) hängt vom Gewinn des Unternehmens ab. Heute werden Aktien in der Regel nicht mehr als Urkunden (effektive Stücke) ausgegeben, sondern als Globalurkunde verbrieft. Gehandelt wird somit nur noch mit virtuellen Stücken. 6

7 Der Wert einer Aktie Der Wert einer Aktie bestimmt sich über dessen Nennwert. Dies ist der Teilbetrag des Grundkapitals einer AG, den der Aktionär besitzt. Er wird in Geldeinheiten angegeben (z. B. 5 Euro, 50 Euro). Er kann erheblich vom Kurswert abweichen, der durch die Nachfrage an der Börse bestimmt wird. Seit Einführung des Euro wurde vermehrt auf nennwertlose Aktien umgestellt (Stückaktien/Quotenaktien). Deren Wert steht für einen prozentualen Anteil an einer AG und beläuft sich nicht auf einen festen Betrag. 7

8 Rechte eines Aktionärs Teilnahme an der Hauptversammlung Stimmrecht auf der Hauptversammlung (außer bei Vorzugsaktien) Auskunftsrecht durch den Vorstand Bezugsrecht bei Ausgabe neuer Aktien zur Kapitalerhöhung Anspruch auf Gewinnbeteiligung (Dividende) 8

9 Aktienorder Frau Stock Berater der Sparkasse Börse Beauftragt Kauf von Aktien Prüft Liquidität und gibt Order an die Börse Kauf billigst Kauf mit Limit Kauf mit Stop Rechnet Kauf mit Kundin ab Liefert Aktien Hinweis: Der Verkauf von Aktien läuft auf die gleiche Weise ab. 9

10 Wie entsteht ein Aktienkurs? Notierungen erfolgen nach Angebot und Nachfrage. Im Präsenzhandel ermittelt der Makler die Notierungen. Im Computerhandel erfolgt die Kursermittlung automatisch innerhalb festgelegter Regeln. Kurse werden außerdem beeinflusst von: der allgemeinen Wirtschaftslage politischen Entscheidungen der internationalen Börsensituation Nachrichten und Meinungen etc. 10

11 Beispielhafte Kursanzeige einer Aktie Quelle: Hinweis: Das dargestellte Wertpapier ist lediglich eine beispielhafte Darstellung und stellt keinerlei Handlungsempfehlung Ihrer Sparkasse dar. 11

12 Indizes Geben die Veränderung einer definierten Anzahl von Aktien an Sind für Kapitalanleger eine Orientierungshilfe Deutschland Europa Sonstige DAX 30* Dow Jones EuroSTOXX 50* Dow Jones 30* MDAX 50* FTSE 100* (GB) Nikkei 225* (Japan) SDAX 50* CAC 40* (F) S&P 500* (USA) TecDAX 30* IBEX 35* (E) NASDAQ 100* (USA) NASDAQ OMX * Anzahl der Aktien, die im jeweiligen Index enthalten sind 12

13 Wertpapierarten Aktien Langfristig verbriefte Anteile an einem Unternehmen (Aktiengesellschaft) Geldanleger Wird Teilhaber am Unternehmen i. d. R. Stimmrecht auf der Hauptversammlung: kann Unternehmensentscheidungen beeinflussen Kann seine Aktien nur über die Börse weiterverkaufen Unternehmer Muss Kapital nicht zurückzahlen Ist an die Entscheidungen auf der Hauptversammlung gebunden Zahlt eine vom Geschäftserfolg abhängige Dividende an den Investor (Geldanleger, Aktionär) Hinweis: Der Kurs einer Aktie kann starken Schwankungen unterliegen und sogar zum Totalverlust führen. 13

14 Wertpapierarten festverzinsliche Wertpapiere Garantieren dem Anleger einen festen Zins für eine feste Laufzeit Werden von Staaten, Sparkassen und anderen Kreditinstituten und Unternehmen ausgegeben Geldanleger Kein Einfluss auf die Geschäftspolitik des Unternehmens Erhält bei Fälligkeit 100 % des Anlagekapitals zurück Kann während der Laufzeit das Wertpapier nur an der Börse verkaufen, sofern es dort gehandelt wird Schuldner, z. B. Unternehmen Muss das Kapital zu einem festen Termin zurückzahlen Zahlt einen festen Zinssatz an den Investor unabhängig vom Geschäftserfolg Hinweis: Während der Laufzeit können festverzinsliche Wertpapiere im Kurs stark schwanken. Die Rückzahlung erfolgt in Abhängigkeit von der Bonität des Schuldners, ggf. bei Insolvenz bis hin zum Totalverlust. 14

15 Wertpapierarten Investmentfonds Eine Kapitalanlagegesellschaft bildet aus mehreren Wertpapieren einen Fonds. Es gibt verschiedene Anlageklassen je nach Fondszusammensetzung (z. B. Aktien, Indizes, Renten, Immobilien, Rohstoffe). Keine feste Gewinn-/Zinsausschüttung, diese ist abhängig von den Erträgen der investierten Werte. Geldanleger Wird Miteigentümer am Fondsvermögen Kann jederzeit seinen Anteil an die Fondsgesellschaft zurückgeben und erhält den taggleichen Gegenwert ausgezahlt Hat innerhalb der Fondsausrichtung keinen direkten Einfluss auf die einzelnen Investitionen des Fondsmanagers Hinweis: Der Kurs eines Fonds kann starken Schwankungen unterliegen und sogar zum Totalverlust führen. 15

16 Zusammenfassung Hinweis der Sparkasse zum Wertpapiergeschäft Chancen Der Aktionär partizipiert an der positiven wirtschaftlichen Entwicklung des Unternehmens in Gestalt von Dividendenzahlungen und Kurssteigerungen. Der Aktionär darf an der Hauptversammlung teilnehmen und hat dort grundsätzlich ein seiner Beteiligung entsprechendes Stimmrecht (Ausnahme: stimmrechtlose Vorzugsaktien). Bei einer Kapitalerhöhung hat der Aktionär grundsätzlich ein Bezugsrecht auf junge Aktien und ist dadurch vor einer Verwässerung seiner Beteiligung geschützt (Ausnahme: Kapitalerhöhung unter Ausschluss des Bezugsrechts). 16

17 Zusammenfassung Hinweis der Sparkasse zum Wertpapiergeschäft Risiken Der Aktionär ist am Unternehmen beteiligt und trägt daher ein unternehmerisches Risiko; im Fall eines Konkurses kann ein Totalverlust eintreten. Die Dividendenzahlung hängt von der wirtschaftlichen Entwicklung des Unternehmens ab und kann nicht garantiert werden. Der Kurs der Aktie kann fallen; das Kursrisiko geht bis zum Totalverlust. Aufgrund irrationalen massenpsychologischen Verhaltens der Marktteilnehmer können Kursentwicklungen eintreten, die sich rein aus einer Analyse der Kennzahlen nicht begründen und daher nicht prognostizieren lassen. 17

18 Börsenweisheiten An der Börse ist alles möglich auch das Gegenteil. (André Kostolany) Die Börse ist ein Paternoster. Es ist ungefährlich, durch den Keller zu fahren. Man muss nur die Nerven behalten. (John Kenneth Galbraith) Der dümmste Grund, eine Aktie zu kaufen, ist, weil sie steigt. (Warren Buffett) Die ganze Börse hängt nur davon ab, ob es mehr Aktien gibt als Idioten oder umgekehrt. (André Kostolany) Regel eins lautet: Nie Geld verlieren. Regel zwei lautet: Vergesse nie die Regel Nummer eins. (Warren Buffett) Wenn alle auf eine todsichere Sache spekulieren, geht es fast immer schief. (André Kostolany) Verwenden Sie auf den Aktienkauf ebenso viel Zeit wie auf den Kauf eines Gebrauchtwagens! (André Kostolany) 18

19 Mögliche Arbeitsaufgaben Was ist die Börse? Teilen Sie Zeitungsartikel aus und lassen Sie die Schüler dazu ein aktuelles Thema/Beispiel suchen. Wie entsteht ein Kurs? Kurse werden auch von politischen Entscheidungen/Ereignissen beeinflusst. Diskutieren Sie mit den Schülern aktuelle Fälle. Wie lese ich den Kursteil einer Zeitung? Schüler bekommen z. B. das Handelsblatt oder eine regionale Tageszeitung mit Kursteil und müssen vorgegebene Aktienkurse suchen. Welche Konflikte können sich für nachhaltige Unternehmen ergeben? Schüler diskutieren über die drei Säulen der Nachhaltigkeit, wie diese von Unternehmen umgesetzt werden können und zu welchen Zielkonflikten es kommen kann. 19

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