Wahrheit und Legende: Kann Ernährung Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verhindern?

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1 Wahrheit und Legende: Kann Ernährung Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verhindern? Professor Dr. Dr. Karin Michels Leiterin Tumorepidemiologie Universitätsklinikum Freiburg

2 Lasst Eure Nahrungsmittel Eure Heilmittel sein und Eure Heilmittel Eure Nahrungsmittel Hippokrates ( v. Chr.)

3 Verwertbare Daten Stand der Wissenschaft

4 Antioxidantien (Radikalfänger) Einfluss auf das Erbgut Einfluss auf das Zellwachstum Hemmung des Bakterienwachstums Nahrungsbestandteile Einfluss auf das Hormonsystem Modulation des Immunsystems Einfluss auf Entzündungsvorgänge

5 Basis für Empfehlungen: Epidemiologische Studien Ernährung? Gesundheit

6 Population ( ) Erfassung der Ernährungsgewohnheiten Neu diagnostizierte Erkrankungen

7 Keine Nüsse Viele Nüsse Keine Herz-Kreislauf-Erkrankung Herz-Kreislauf-Erkrankung

8 Basis für Empfehlungen: Epidemiologische Studien Ernährung! Gesundheit

9 Legende: Eine gesunde Ernährung ist der beste Weg, Krebs und Herz-Kreislauf- Erkrankungen zu verhindern Wahrheit: Vermeidung von Übergewicht und regelmäßige körperliche Bewegung sind wichtiger!

10

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12 Legende: Eine fettarme Ernährung ist gut für das Herz Wahrheit: Der durchschnittliche Gesamtfettanteil der Ernährung in der Bevölkerung sollte nicht geändert werden. Auf die richtigen Fette kommt es an!

13 Ernährungsweise und koronare Herzerkrankung (KHK) Herzerkrankung Gesamtfettmenge - Einfach/mehrfach ungesättigtes Fett Gesättigtes Fett Transfett Kohlenhydrate

14 Wirkung von Fettsäuren auf den Fettstoffwechsel Fettsäuren gesättigt einfach ungesättigt mehrfach ungesättigt Transfettsäuren HDL ( gutes Cholesterin) LDL ( schlechtes Cholesterin)

15 Legende: Margarine ist gesünder für das Herz als Butter Wahrheit: Sowohl Margarine als auch Butter erhöhen das Risiko für Herz- Kreislauf-Erkrankungen, aber Butter ist weniger schädlich! (Ausnahme: transfettfreie Margarine)

16 Transfett

17 Transfettsäuren und koronare Herzerkrankung (KHK) RR 1,8 1,6 1,4 1,2 1,0 0,8 0,6 0,4 0,2 0 Margarine Rotes Fleisch Kekse Weißbrot Willett. Lancet 1993;341;581-8

18 (in Dänemark gibt es kein Transfett mehr)

19 Legende: Eine kohlenhydratarme Ernährung ist gut für das Herz Wahrheit: Auf die Kohlenhydrate kommt es an!

20 Zucker und Wei brot Schlaganfall KHK Diabetes Typ 2

21 Vollkornverzehr und Diabetes mellitus Typ 2 1,2 1,1 RR 1,0 0,9 0,8 0,7 0, Vollkornverzehr (Quantile) Liu. Am J Public Health 2000;90:1409-1

22 Legende: Der Verzehr von rotem Fleisch ist wichtig, um einem Eisenmangel vorzubeugen Wahrheit: Tierisches Eisen aus rotem Fleisch erhöht das Herzinfarkt-Risiko. Eisen aus Gemüse und Vollkorn ist gutes Eisen und die Aufnahme wird durch Vitamin C begünstigt!

23 Legende: Alkohol schadet der Gesundheit Wahrheit: Es kommt auf das Organ an! Alkoholkonsum schützt das Herz, erhöht aber das Risiko von Krebserkrankungen und Leberzirrhose

24 Alkohol und Herzerkrankungen

25 Alkoholkonsum und Brustkrebs RR 1,6 1,5 1,4 1,3 1,2 1,1 1 0,9 0, Alkoholkonsum (g/tag) Chen et al., 2007

26 Alkohol, Folsäure und Brustkrebs Zhang: JAMA, 1999;28:

27 Legende: Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in erster Linie erblich bedingt Wahrheit: 74 % aller Herz-Kreislauf- Erkrankungen und 82 % aller koronaren Herzkrankheiten könnten durch eine gesunde Lebensführung vermieden werden!

28 Geringes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen 1. Guter Ernährungswert 2. Nichtrauchen 3. Moderate bis starke körperliche Aktivität 30 Min/Tag 4. Body Mass Index (BMI) < Alkoholkonsum 5 g/tag (1/2-1 Glas Wein/Bier pro Tag) Stampfer. NEJM 2000;343:16-22

29 Guter Ernährungswert wenig Transfettsäuren viel Omega 3-Fettsäuren viel mehrfach ungesättigte Fettsäuren im Verhältnis zu gesättigten Fettsäuren viel Ballaststoffe ausreichend Folsäure

30 Legende: Eine Ernährung reich an Obst, Gemüse und Ballaststoffen schützt vor Krebserkrankungen Wahrheit: Obst, Gemüse und Ballaststoffe beeinflussen das Krebsrisiko wenig. Verzehr von rotem Fleisch und Alkohol erhöhen das Risiko!

31 Obst / Gemüse und Darmkrebs RR and 95% CI 1,8 1,6 1,4 1,2 1 0,8 0,6 0,4 0, < Obst- und Gemüseverzehr (Mahlzeiten/Tag) Michels KB, et al. JNCI 2000

32 Ballaststoffe und Darmkrebs 1,1 RR 1 0,9 0,8 0,7 0,6 0,5 Q1 Q2 Q3 Q4 Q5 Ballaststoffverzehr (Quantile) Park Y, JAMA, 2005

33 Ballaststoffe und Brustkrebs 1,2 RR 1,1 1 0,9 0,8 0,7 0,6 0,5 Q1 Q2 Q3 Q4 Q5 Ballaststoffverzehr (Quantile) Holmes, Am J Epidemiol 2004;159:732-9

34 Legende: Milch ist gesund Wahrheit: Kuhmilch ist auf den Bedarf von Kälbern abgestimmt und hat eine andere Zusammensetzung als Muttermilch. Kuhmilch erhöht das Risiko für Prostatakrebs und möglicherweise auch Brustkrebs!

35 Milchkonsum und Prostatakrebs Anzahl der Gläser pro Tag Snowden et al., 1984

36 Altersstandardisierte Brustkrebs- Sterberate pro Menschen Trends im Milchverbrauch und Brustkrebs - Sterblichkeitsrate in Japan Breast Cancer Milk Consumption Milchkonsum: Verhältnis im Vergleich zu 1950 Adapted from Li et al 2003

37 Milchprodukte und prämenopausaler Brustkrebs 2 1,8 1,6 1,4 RR 1,2 1 0,8 0,6 0,2 0,5 0,8 1,1 2,2 Milchprodukte mit hohem Fettanteil (Portionen/Tag) Cho. JNCI 2003;95:

38

39 Legende: Sonnenschutzmittel reduzieren das Krebsrisiko Wahrheit: Stimmt zwar für Hautkrebs, aber Vitamin D-Mangel begünstigt die Krebsentstehung!

40 Vitamin D und Brustkrebs 52 ng/ml = 4000 IU 25-Hydroxycholecalciferol (aktive Form von Vitamin D) Garland CF et al., J Steroid Biochem Mol Biol. 2007;103:708-11

41 Vitamin D und Dickdarmkrebs 1 Chancenverhältnis (Odds ratio) P trend = 0,03 50%ige Verringerung bei 23 ng/ml Ø-Gehalt an 25(OH)D im Serum (ng/ml) Tangrea J et al.. Cancer Causes Control 1997;8:615 25

42 Quellen für Vitamin D IU IU ~300 IU / ~85 g Vitamin D 3 Vitamin D 3 UVB 95% durch Sonnencreme mit LSF 8+ gehemmt gehemmt durch Vitamin A

43 Legende: Calcium und Milchkonsum schützen vor Stürzen und Knochenbrüchen Wahrheit: Vitamin D ist sehr viel wichtiger!

44 Calciumaufnahme und Hüftfrakturen bei Frauen pooled RR (95% CI) Gesamt-Calciumaufnahme (mg/tag) Reference >1100 Bischoff-Ferrari et al.

45 Milchkonsum und Hüftfrakturen bei Frauen pooled RR (95% CI) Gläser Milch pro Woche Reference > 5-10 > > > 30 Bischoff-Ferrari et al.

46 Relatives Risiko (95% CI) Vitamin D-Aufnahme mit der Nahrung und Hüftfrakturen (postmenopausale Frauen) < Nahrungs-Vitamin D (IU/Tag) Feskanich et al, 2003

47 Legende: In Plastik sind unsere Nahrungsmittel gut aufgehoben Wahrheit: Endokrin wirksame Substanzen lösen sich aus dem Plastik, gelangen in die Nahrung und können das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs erhöhen!

48 Endokrin wirksame Substanzen Polycarbonat Bisphenol A

49 Was versteht man unter gesunder Ernährung?

50 kalorienreiche Mahlzeit leere Kalorien wenig Nährstoffe begünstigt die Entstehung von Krankheiten Mahlzeit mit ausgewogenen Kalorien hoher Nährwert pro Kalorie viele Nährstoffe fördert die Gesundheit

51

52 Deutsche Gesellschaft für Ernährung

53

54 Erinnerst Du Dich noch an die Zeiten, als wir die Kinder erst noch mästen mussten?

55 Essen, trinken, schlafen, Sex - alles in Maßen - Exzesse verursachen Krankheiten Pythagoras ( v. Chr.)

56

57 Die Vorteile überwiegen die Nachteile Eine sinnvolle Nahrungsergänzung mit einer Multivitamin- Multimineral-Kombination beeinhaltet die folgenden Vitamine: Vitamin D (1000 IU +) Vitamin B 6 (RDA*: 2 mg) Vitamin B 12 (RDA*: 6 μg) (verminderte Aufnahme bei älteren Menschen!) Folsäure (RDA*: 400 μg) * RDA = Recommended Dietary Allowances (Nährstoffempfehlung USA)

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