Außerbetriebliche Partner im Arbeitsschutz - die Unfallversicherungsträger. Skript. Inhaltsverzeichnis. Seite

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1 Außerbetriebliche Partner im Arbeitsschutz - die Unfallversicherungsträger Skript Inhaltsverzeichnis Seite 1 Die gesetzliche Unfallversicherung Wer ist versichert? Was ist versichert? Arbeitsunfälle Wegeunfälle Berufskrankheiten Die ehrenamtliche Selbstverwaltung Der gesetzliche Auftrag Prävention Rehabilitation Medizinische Rehabilitation Berufliche Rehabilitation Soziale Rehabilitation Entschädigung... 6 Seite 1 von 7

2 1 Die gesetzliche Unfallversicherung Die gesetzliche Unfallversicherung ist Teil des deutschen Sozialversicherungssystems, bestehend aus Krankenversicherung Rentenversicherung Arbeitslosenversicherung Pflegeversicherung. Träger der gesetzlichen Unfallversicherung sind die gewerblichen BGen, die landwirtschaftlichen BGen sowie die Unfallversicherungen der öffentlichen Hand. Rund 3,0 Mill. Unternehmen werden allein von den gewerblichen BGen betreut. Im Gegensatz zu Kranken-, Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung werden die Beiträge zu den Berufsgenossenschaften alleine durch die Unternehmer aufgebracht. In der Praxis heißt das: kein Arbeitnehmer findet auf seiner Entgeltabrechnung Abzüge für Beiträge zur gesetzlichen Unfallversicherung. Zu den Grundprinzipien der gesetzlichen Unfallversicherung aus dem Jahre 1884 gehört die Ablösung der gesetzlichen Haftpflicht des Unternehmers gegenüber seinen Mitarbeitern durch einen verschuldensunabhängigen Anspruch gegen die Berufsgenossenschaft. Der Verletzte hat nach dem Sozialgesetzbuch VII Anspruch auf Leistungen. Abbildung 1: Die Unternehmer Haftpflicht Seite 2 von 7

3 1.1 Wer ist versichert? Alle Arbeitnehmer, vorübergehend Beschäftigte, Heimarbeiter und Auszubildende sind kraft Gesetz versichert, ohne dass es dazu einer besonderen Erklärung oder einer Anmeldung bedarf. Über den Abschluss einer freiwilligen Versicherung besteht auch für den Unternehmer selbst die Möglichkeit, sich für einen Versicherungsunfall grundsätzlich die gleichen Ansprüche zu sichern. 1.2 Was ist versichert? Arbeitsunfälle Ein Unfall ist ein gesundheitsschädigendes plötzlich auftretendes und von außen einwirkendes Ereignis. Um einen Arbeitsunfall handelt es sich, wenn zu den genannten Kriterien für einen Unfall noch die beiden Kriterien versicherte Person und versicherte Tätigkeit hinzukommen. Nicht versichert sind dagegen Tätigkeiten, die nicht dem Unternehmen, sondern privaten Zwecken dienen. Dazu zählt, was unabhängig vom Beschäftigungsverhältnis erledigt werden muss wie zum Beispiel Essen, Trinken, Schlafen, Einkaufen oder Spazierengehen. Das bedeutet: Der Weg zur Kantine ist versichert, der Aufenthalt in der Kantine selbst jedoch nicht Wegeunfälle Wegeunfälle sind Unfälle, die sich auf dem unmittelbaren Weg von und zur Arbeit bzw. Kindertageseinrichtung, Schule oder Hochschule ereignen. Versichert sind auch Umwege, die zum Beispiel nötig werden, um Kinder in Kindergarten, Schule oder bei Familienmitgliedern unterzubringen bei Fahrgemeinschaften bei Umleitungen weil der Arbeitsplatz über einen längeren Weg (z. B. Autobahn) schneller erreicht werden kann. Seite 3 von 7

4 1.2.3 Berufskrankheiten Versichert sind außerdem Berufskrankheiten, die durch besondere Einwirkungen bei der Arbeit verursacht worden sind. Diese Krankheiten müssen außerdem in der Berufskrankheiten - Verordnung (BK-Liste) verzeichnet oder nach neuen medizinischen Erkenntnissen durch den Beruf verursacht worden sein. Die sogenannten Volkskrankheiten wie Muskel- und Skeletterkrankungen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen können deshalb in der Regel keine Berufskrankheiten sein. Die Liste der Berufskrankheiten beruht auf einer von der Bundesregierung mit Zustimmung des Bundesrates erlassenen Rechtsverordnung. Die häufigsten Anzeigen auf Verdacht einer Berufskrankheit sind bei den Metall- Berufsgenossenschaften Lärmschwerhörigkeit Hautkrankheiten durch Asbest verursachte Erkrankungen. 1.3 Die ehrenamtliche Selbstverwaltung Die Berufsgenossenschaften sind Körperschaften des öffentlichen Rechts und unterliegen staatlicher Kontrolle. In den Sozialwahlen werden aus Vertretern der Arbeitnehmer und Vertretern der Arbeitgeber die Vertreterversammlung ( Legislative ) gewählt. Diese ist paritätisch besetzt (zahlenmäßige Gleichheit) und ehrenamtlich tätig. Sie beschließt über die Satzung und sonstiges autonomes Recht (z. B. Unfallverhütungsvorschriften) des Versicherungsträgers. Abbildung 2: Ehrenamtliche Selbstverwaltung Seite 4 von 7

5 2 Der gesetzliche Auftrag Gemäß den Anforderungen des Sozialgesetzbuch VII haben die UVT gesetzlich festgelegte Aufgaben zu erfüllen. Aufgabe der UVT ist es mit allen geeigneten Mitteln Arbeitsunfälle inkl. Wegeunfälle, Berufskrankheiten sowie arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren zu verhüten den Ursachen von arbeitsbedingten Gefahren für Leben und Gesundheit nachzugehen eine wirksame Erste Hilfe sicherzustellen nach einem Arbeitsunfall oder einer Berufskrankheit den Versicherten gesundheitlich wiederherzustellen den Versicherten - wenn möglich - beruflich wieder einzugliedern durch Geldleistung für die soziale Sicherung des Versicherten und seiner Familie zu sorgen. 2.1 Prävention Produktqualität und wirtschaftliche Ergebnisse stehen im direkten Zusammenhang mit sicheren und gesundheitsgerechten Arbeitsprozessen. Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz zählen deshalb zu den unverzichtbaren Zielen jedes erfolgreichen Unternehmens. Betriebe, die auf diese Art und Weise ihrer sozialen Verantwortung gerecht werden, profitieren nicht nur von der hohen Motivation ihrer Mitarbeiter und einer großen Personalverfügbarkeit, sondern sie erreichen auch eine höhere Produktivität. Die UVT en bieten zur Prävention ein umfassendes Leistungsangebot an. Abbildung 3: Prävention Seite 5 von 7

6 2.2 Rehabilitation Auch wenn die Erfolge bei der Prävention von Unfällen und Berufskrankheiten beeindruckend sind, vollständig vermeiden lassen sich diese nicht. Kommt es doch zu einem schweren Unfall, dann bietet die gesetzliche Unfallversicherung ihr umfassendes Betreuungssystem an. Der Grundsatz dabei lautet Rehabilitation vor Rente. Das bedeutet: Die optimale medizinische Betreuung der Versicherten sowie die berufliche und soziale Wiedereingliederung stehen stets im Vordergrund Medizinische Rehabilitation Erstversorgung (Erste Hilfe) Ambulante und stationäre Behandlung Häusliche Krankenpflege Heil- und Hilfsmittel Belastungserprobung Berufliche Rehabilitation Maßnahmen, um den alten Arbeitsplatz zu sichern oder einen neuen zu erlangen Berufliche Anpassung, Fortbildung, Ausbildung, Umschulung Wiedereingliederungsbeihilfen an die Unternehmer / - innen Betreuung durch den Berufshelfer Soziale Rehabilitation Umbau der Wohnung z. B. der sanitären Einrichtungen oder Einbau von breiten Treppen, Aufzügen, Rampen Umbau oder Kauf von speziell ausgerüsteten Fahrzeugen Haushaltshilfe 2.3 Entschädigung Während der Arbeitsunfähigkeit und der medizinischen Rehabilitation zahlt die BG nach Ablauf der Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber - in der Regel ab der siebten Kalenderwoche - Verletztengeld. Dieses beläuft sich auf 80 Prozent des entgangenen regelmäßigen Bruttoentgelts und darf nicht höher sein als das regelmäßige Nettoarbeitsentgelt. Maximal wird dieses Verletztengeld für weitere 72 Wochen gezahlt. Im Vergleich dazu: Das Krankengeld in der gesetzlichen Krankenversicherung beträgt 70 Prozent des Bruttoentgelts und höchstens 90 Prozent des Nettoentgelts. Während der Teilnahme an einer berufsfördernden Maßnahme zahlt die BG Übergangsgeld. Seite 6 von 7

7 Können Versicherte im Anschluss an eine medizinische Rehabilitation nicht wieder uneingeschränkt am Erwerbsleben teilnehmen, wird eine Rente gezahlt. Voraussetzung dafür ist, dass die Minderung der Erwerbsfähigkeit infolge des Versicherungsfalls mehr als 26 Wochen besteht und die Minderung der Erwerbsfähigkeit mindestens 20 Prozent beträgt. Bei vollständigem Verlust der Erwerbsfähigkeit wird eine Vollrente gezahlt. Diese beträgt zwei Drittel des vor dem Arbeitsunfall oder der Berufskrankheit erzielten Jahresarbeitsverdienstes (JAV). Beispiel: Jahresarbeitsverdienst: MdE: 20% (Minderung der Erwerbsfähigkeit) Rente: x 2/3 x 20 % = jährlich bzw. 400 monatlich. Bei tödlich verlaufenden Arbeitsunfällen, Wegeunfällen oder Berufskrankheiten leisten die Berufsgenossenschaften an Hinterbliebene (Ehegatten, Kinder und seit 2005 auch eingetragene gleichgeschlechtliche Lebenspartner) Sterbegeld, Überführungskosten und Hinterbliebenenrente. Seite 7 von 7

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