Ökonomische Analyse des Gesellschaftsrechts. Ökonomische Theorie der

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1 Ökonomische Analyse des Gesellschaftsrechts Ökonomische Theorie der Unternehmungen Non-Profits von Professor Dr. Michael Adams Auf der Grundlage von Henry Hansmann, Kapitel 12-14, The Ownership of Enterprise, Harvard University Press, (1996), Cambridge, Massachusetts

2 Non-Profit-Organisationen: Allgemein (1) Begriffsbestimmung Non-Profits sind gekennzeichnet durch eine Non-Distribution- Constraint, die satzungsmäßig oder praktisch den Gewinnbezug der Kontrollinhaber ausschließt Erwirtschaftung und Anhäufung von Gewinnen in der Organisation sind erlaubt, aber keine Gewinnausschüttung an diejenigen, die die Organisation kontrollieren. Der Name Non-Profit irreführend. Non-Profits sind sehr profitabel. Gewinne müssen für den Zweck der Organisation, wie er in den Statuten festgelegt ist, verwendet werden. Es gibt keine vollen Eigentümer, nur Kontrollinhaber (Teilrechtsabspaltung) Professor Dr. M. Adams 2

3 Non-Profit-Organisationen: Allgemein (2) Beispiele: Vereine, Stiftungen Oftmals rechtliche Besserstellung Steuern Geringe Vorstandskontrolle und Buchprüfung Subventionen Entstehungsvoraussetzungen Non-Profits treten auf, wenn zumindest für eine Klasse von Patrons sowohl die Kosten von Marktverträgen mit der Organisation als auch die Eigentumskosten sehr hoch sind, so dass keiner Patrongruppe Eigentum zugeordnet werden kann Non-Profits verzichten im Kern auf das volle Eigentum zugunsten eines stärkeren Treuhandverhaltens des Managements gegenüber den organisierenden Patrons Professor Dr. M. Adams 3

4 Non-Profit-Organisationen: Allgemein (3) Non-Profits als Kundenschutz Marktverträge bestimmter Kunden unterliegen hohen Kosten asymmetrischer Information, d.h. Kunden können Produkt in Qualität oder Menge nicht bewerten und unterliegen der Gefahr der Ausnutzung, wenn Eigentum in der Hand einer anderen Gruppe ist Gruppe ist jedoch so heterogen, dass bei Eigentum auch die Kontrollkosten t relativ zur Größe der individuell id mit der Organisation getätigten Transaktionen zu hoch sind Deshalb auch keine Kundenkooperative Professor Dr. M. Adams 4

5 Non-Profit-Organisationen: Allgemein (4) Non-Profits bei asymmetrischer Information Leistung wird an Dritte erbracht, die mit den Kunden, z.b. den Spendern, keinen Kontakt haben (Hilfsorganisationen als Intermediäre der Spendenzahler) Überprüfung der Leistung weder durch die Kunden noch die Begünstigten möglich (z.b. Care, Rotes Kreuz, Tierschutz, Caritas) Extremer Fall asymmetrischer Information Non-Profits dienen dann als Treuhandorganisation für die Spender zur Qualitätssicherung Professor Dr. M. Adams 5

6 Non-Profit-Organisationen: Allgemein (5) Kommerzielle Non-Profits Verkauf komplexer Güter an Kunden mit Informationsdefiziten z.b. Krankenhäuser, Kindergärten, Schulen Entstanden aus historischen Gründen Langsamer Exit Bei Wettbewerb mit For-Profits kein erkennbaren Vorteil für Non- Profits (Beispiel: Krankenhäuser) Professor Dr. M. Adams 6

7 Non-Profit-Organisationen: Allgemein (6) Kosten und Ineffizienzen Häufig Auftauchen von Non-Profits, wenn Kosten der Managementkontrolle zu hoch für die einzig effiziente Patrongruppe Erzeugung g von Treuhandverhalten Häufig Management von Non-Profits ohne Kontrolle durch Patrons und kooptierend Auch z.b. Ärzte indirekt Eigentümer von Non-Profits Eigentum vieler For-Profits so aufgeweicht, dass Manageranreize dort nahe an denen von Non-Profits Kooperativen versus Non-Profits - Kooperativen tauchen auf, wenn nicht niedrige Qualität sondern hohe Preise gefürchtet werden - Non-Profits tauchen auf bei Qualitätsproblemen Professor Dr. M. Adams 7

8 Non-Profit-Organisationen: Allgemein (7) Keine kostengünstige Überprüfung des Erfolges des Managements anhand der Organisationsziele möglich - Kapitalgesellschaften = Return on Investment - Non-Profits = Gemeinnützige, oftmals schwer objektivierbare Ziele - Folge: Ineffizienzen des Managements und Selbstbedienung (z.b. Kap Anamur, Caritas, Tierhilfswerk) - Ausnahme: Wenn die Güter der Non-Profits auch auf Wettbewerbsmärkten gehandelt werden Kein Anreiz zur Kontrollausübung, da kein Residualaneignungsrecht - Somit kein effektives Monitoring - Raum für opportunistisches Management-Verhalten Professor Dr. M. Adams 8

9 Non-Profit-Organisationen: Allgemein (8) Kapitalimmobilität = Probleme bei der Anpassung der nötigen optimalen Menge an Kapital bei Nachfrageschwankungen - Non-Profits können ihr Eigenkapital nur durch Spenden, Verschuldung und Gewinne generieren - Keine Aufnahme von Kapital auf dem Markt möglich - Keine Anpassung des Kapitals nach unten, wenn die Gewinne zurückgehen (Non-Distribution-Constraint!) - Folge: Non-Profits bleiben wegen Thesaurierung länger am Markt als Kapitalgesellschaften. Dies entspricht auch den Managerinteressen. Ergebnis: Non-Profits sind eine Kapitalfalle - Keine schnelle Anpassung an veränderten Kapitalbedarf möglich Professor Dr. M. Adams 9

10 Banken als Non-Profits Neben Banken im Eigentum von Kapitalgebern auch Banken im Eigentum von Kunden oder als Non Profits Banken im Kundeneigentum (Genossenschaftsbanken) werden oftmals wie Non Profits verwaltet Board of Directors benennt sich selbst und verwaltet die Assets als Treuhänder Banken im Kundeneigentum sind damit Non Profit Banken sehr ähnlich Professor Dr. M. Adams 10

11 Geschichtliche Betrachtung Banken als Non Profits im frühen bis mittleren 19 Jh. als einzige Banken für Privatpersonen mit geringem Einkommen Banken in Investorenhand damals nicht vertrauenswürdig genug aufgrund fehlender Rechtsvorschriften und Regulierungsmaßnahmen Minimales Eigenkapital der Banken Banken hatten Anreiz hochspekulativ zu investieren Entweder hoher Profit oder Insolvenz ohne großen eigenen Verlust Banken im Kapitalgebereigentum im 19 Jh. vor allem für Spekulationsgeschäfte 50% der Banken von 1810 waren 1825 bereits pleite 50% der gegründeten Banken war bereits 1845 pleite Hohe Informationsasymmetrie für Kleinanleger Daher Bedarf an vertrauenswürdigen Banken für Kleinanleger Professor Dr. M. Adams 11

12 Heutige Rolle von Non Profit Banken Staatliche Regulierung hat Banken in Investorenhand gebändigt Eigenkapitalvorschriften (Basel II) Liquiditätssicherung Mindestanforderungen an Risikomanagement Prüfungsberichte Notwendigkeit für Non Profits entfällt damit Non Profits bestehen allerdings weiter Capital lock-in Subventionen Professor Dr. M. Adams 12

13 Versicherungen Hohe Bedeutung von Versicherungen als Non Profits in den USA Unternehmensanzahl Unternehmensgröße Unterscheidung in Lebensversicherungen und Haftplichtund Sachversicherungen. Neben Marktvertrags- und Eigentumskosten wie bei Banken auch geschichtlicher Hintergrund bedeutend für die Analyse der jetzigen Situation Professor Dr. M. Adams 13

14 Lebensversicherungen Lange Vertragsdauer Hohe Unsicherheit allgemein und speziell Inflationsrisiko Vertrag, der alle Eventualitäten abdeckt, ist schwierig zu entwerfen Informationsasymmetrie zwischen Anbieter und Kunden Adverse Selektion und Kunden Lock-In Problem ungenügender Reserven und fehlender Solvenz (insbesondere zu Beginn bei geringer Kundschaft) Kein Anreiz für Versicherungen in Investorenhand Fehlende Möglichkeit Kunden von Vertrauenswürdigkeit zu überzeugen euge Treuhandkonten als mögliche Lösung Professor Dr. M. Adams 14

15 Lösungsmöglichkeit: Lebensversicherer als Kundenkooperative Kein Anreiz für Opportunismus der Versicherung Eliminierung der Marktvertragskosten durch Substitution mit Eigentumsverhältnis Eliminierung des Inflationsrisikos Versicherte sind on both sides of the gamble Professor Dr. M. Adams 15

16 Eigentumskosten von Lebensversicherern als Kundenkooperative Geringer Kapitalbedarf erleichtert Gründung einer Versicherung als Kundenkooperative Relativ homogenes Produkt Wenig Interessenkonflikte zwischen den Kunden/Inhabern Kunden jedoch nahezu ohne Einfluss auf das Tagesgeschäft g Management nicht durch Kunden Trennung von Eigentum und Kontrolle Versicherungen als Kundenkooperative letztendlich t sehr ähnlich einer Non Profit Organisation Nachteil: Excess Capital Professor Dr. M. Adams 16

17 Alternative: Regulierung von Lebensversicherern in Investorenhand Regulierung und Kontrolle der Reserven zur Solvenzsicherung Verhinderung von Ooportunismus Signal der Vertrauenswürdigkeit Restriktionen bei Investitionen Nur risikoarme ik Investments t der Versicherungen Minimales Risiko, dass die Assets stark im Wert verfallen Professor Dr. M. Adams 17

18 Haftplicht und Sachversicherungen Im Vergleich zu Lebensversicherungen relativ kurze Vertragsdauer Asymmetrische Informationsverteilung über Risiken Versicherter weiß potentiell mehr als der Versicherer (anders als bei Lebensversicherungen) Ein Tarif für alle Versicherten Anreiz für Unternehmen mit geringen Risiken eine Versicherung als Kundenkooperative zu gründen Zudem: Im 19Jh. operierten Versicherer geographisch begrenzt Geringer Wettbewerb, monopolistische Preise Anreiz zur Gründung einer Kundenkooperative Vermeidung von Moral Hazard als Anreiz für Gründung einer Kundenkooperative Professor Dr. M. Adams 18

19 Haftplicht und Sachversicherungen Versicherer als Kundenkooperative versichern regelmäßig nur in ihrer Industrie Andernfalls heterogene Produkte und damit heterogene Kundschaft und Interessenkonflikte Kundenkooperativen daher relativ klein und Versicherer in Investorenhand relativ groß Fortschritte in Kommunikationstechnologien t i und auf den Finanzmärkten sowie erhöhter Wettbewerb und verstärkte Regulierungsmaßnahmen g verkleinern Gründe für Bestehen von Kundenkooperativen Capital Lock-in als Grund für weiteres Bestehen von Versicherungen in Kundenhand d Versicherungen in Kundenhand ähneln stärker Non Profit Unternehmen als typischen Kundenkooperativen Professor Dr. M. Adams 19

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