Psychosoziale Konflikte im Betrieb Wege zur Lösung. Ein interdisziplinäres Beratungsmodell

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1 Psychosoziale Konflikte im Betrieb Wege zur Lösung Ein interdisziplinäres Beratungsmodell

2 Der Verein für Arbeitsschutz und Gesundheit durch systemische Mobbingberatung und Mediation hat sich vor 7 Jahren gegründet mit dem Ziel, die interdisziplinäre Arbeit innerhalb und außerhalb von Organisationen und Betrieben zur Lösung von Mobbingproblemen und faires Personal- und Gesundheitsmanagement zu forcieren. 2

3 Probleme und Konflikte braucht der Mensch Problemlösung gehört zum elementaren Bestandteil der menschlichen Weiterentwicklung Konflikte können entstehen, wenn das Handlungsrepertoire nicht mehr ausreicht, um ein Ziel zu erreichen. 3

4 Mobbing ist die höchste Kunst der destruktiven Konfliktaustragung Übergang zu Mobbing ist fließend z.b. das Gewinner-Verlierer-Spiel führt ohne, dass Verantwortliche ein Riegel davor schieben zu Mobbing. Bei Mobbing kann von Verselbständigung der Konfliktdynamik gesprochen werden. 4

5 Opfer sowie Täter : Bauernopfer Die Suche nach Opfer und Täter kann die Mobbingstrukturen unterstützen und verfestigen. Das Fällen von (Vorweg) Urteilen befriedigt zwar kurzfristig, aber Konfliktlösung hat nicht das Ziel Schuldige dingfest zu machen, sondern zuerst einmal betrieblich/kommunikative Ursachen zu ermitteln. 5

6 Mobbing ist ein Thema des Arbeits- und Gesundheitsschutzes Mobbing fällt unter die Kategorie: psychische Fehlbelastung am Arbeitsplatz Bedingt durch die soziale Aussonderung und die spezifische Art, wie mit dem Mitarbeiter kommuniziert wird 6

7 Besondere psychischen Stressoren Persönliche Ebene: Handlungsunfähigkeit und Existenzangst Kommunikative Ebene: Double-bind - Botschaften, Tribunale, soziale Stigmatisierung, Aussonderung aus Arbeitsprozessen Höchstleistungsanforderungen, ausschließlich negative Rückmeldungen Persönlichkeitsgrenzen des Betroffenen werden unterlaufen Betriebliche Ebene: tribunalähnliche Personalgespräche, arbeitsrechtliche Maßnahmen. 7

8 Ansatzmöglichkeiten für den Gesundheitsund Arbeitsschutz Krankenstand Stressoren bei Mobbingbetroffenen Klima in dem spezifischen Team Bewertung der sozialen Beziehungen Gesundheitsmanagement im Betrieb Aufklärungsarbeit der Führungskräfte 8

9 Phasenmodell nach Leymann Phase. 1 Betriebliche Ebene Konflikte in der Organisation Einzelne Unverschämtheiten und Gemeinheiten Persönliche Ebene Erste Stresssymptome, Bewältigung durch individuelle Anpassung: Versöhnungsangebote, Ignorieren, Phase 2 Mobbing und Psychoterror Konzentration auf eine einzelne Person Angst, Verwirrung, Selbstzweifel, Zunahme der Isolierung, psychosomatische Störungen Phase 3 Rechtsbrüche durch Über- und Fehlgriffe der Personalverwaltung Versetzung, Abmahnung, Drohungen, Abqualifizierung, Innere Kündigung, Rückzug oder Auflehnung, Beschwerden, Erschöpfung und verstärkte psychosomatische Störungen Phase 4 Ärztliche und therapeutische Fehldiagnosen; Vergebliche juristische Schritte Generelle Verunsicherung und Misstrauen, tiefe Verzweiflung, posttraumatisches Stresssyndrom Phase 5 9 Ausschluss aus der Arbeitswelt Versetzungen (mehrfach), Abschieben auf funktionslosen Arbeitsplatz, Kaltstellen, langfristige Arbeitsunfähigkeit, Einlieferung in eine Nervenheilanstalt, Kündigung, Depression, Obsession, Suchtmittelmissbrauch, massive Gesundheitsstörungen, posttraumatisches Stresssyndrom, Persönlichkeitsstörungen, Selbstmord-(versuche)

10 Ein interdisziplinäres Beratungsmodell Erstberatung bei Mobbingberatung Konflikt am Arbeitsplatz Erstberatung beim Rechtsanwalt Ziele klären weitere Recherchen weitere Berater 10

11 Nein Erarbeitung von Handlungsstrategien mit RA und Mobbingberatung Hinzuziehen von: (Betriebs-) arzt; Psychologen; Betriebsrat; Gewerbeaufsicht Intervention?? JA 11

12 interne Intervention Veränderung des Verhaltens der anderen, durch eigene Verhaltensänderung (Coaching) Konfliktbewältigung wird laufender Prozess Wirksamkeitsüberprüfung Runder Tisch im Betrieb Beendigung des Arbeitsverhältnisses 12

13 45 Mobbing-Handlungen nach Leymann 1.Angriffe auf die Möglichkeit mich mitzuteilen: Der Vorgesetzte schränkt meine Möglichkeit ein, mich zu äußern. Ich werde ständig unterbrochen. Kollegen schränken meine Möglichkeit ein, mich zu äußern. Anschreien und lautes Schimpfen. Ständige Kritik an meiner Arbeit. Ständige Kritik am Privatleben. Telefonterror. Mündliche Androhungen. Schriftliche Androhungen. Kontaktverweigerung durch abwertende Blicke oder Gesten. Kontaktverweigerung durch Andeutungen, ohne daß man etwas direkt anspricht. 13

14 45 Mobbing-Handlungen nach Leymann 2. Angriffe auf die soziale Beziehung: Man spricht nicht mehr mit mir. Man läßt sich nicht ansprechen. Versetzung in einen Raum weitab von den Kollegen. Den ArbeitskollegenInnen wird verboten, mich anzusprechen. Man behandelt mich wie Luft. 3. Auswirkungen auf das soziale Ansehen: Hinter meinem Rücken wird schlecht über mich gesprochen. Man verbreitet Gerüchte. Ich werde lächerlich gemacht. Man verdächtigt mich, psychisch krank zu sein. Man will mich zu einer psychiatrischen Untersuchung zwingen. Man macht sich über meine Behinderung lustig. Man imitiert meinen Gang, Stimme oder Gesten, um mich lächerlich zu machen. 14

15 45 Mobbing-Handlungen nach Leymann Auswirkungen auf das soziale Ansehen Man greift meine politische oder religiöse Einstellung an. Man macht sich über mein Privatleben lustig. Man macht sich über meine Nationalität lustig. Man zwingt mich Arbeiten auszuführen, die mein Selbstbewußtsein verletzten. Man beurteilt meinen Arbeitseinsatz in falscher und kränkender Weise. Man stellt meine Entscheidungen in Frage. Man ruft mir obszöne Schimpfworte oder andere entwürdigende Ausdrücke nach. Sexuelle Annäherungen oder verbale sexuelle Angebote. 15

16 45 Mobbing-Handlungen nach Leymann 4. Angriffe auf die Qualität der Berufs- und Lebenssituation: Man weist mir keine Arbeitsaufgaben zu. Man nimmt mir jede Beschäftigung am Arbeitsplatz, so daß ich mir nicht einmal Aufgaben ausdenken kann. Man gibt mir sinnlose Aufgaben. Man gibt mir Aufgaben, die weit unter meinem Können liegen. Man gibt mir ständig neue Aufgaben. Man gibt mir Aufgaben, die meine Qualifikation übersteigen, um mich zu diskriminieren. Man gibt mir kränkende Arbeitsaufgaben. 5. Angriffe auf die Gesundheit: Zwang zu gesundheitsschädlichen Aufgaben. Androhung körperlicher Gewalt. Anwendung leichter Gewalt, z.b. jemandem einen Denkzettel verpassen. Körperliche Mißhandlung. Man verursacht Kosten für mich, die mir schaden. Man richtet physischen Schaden im Heim bzw. am Arbeitsplatz an. Sexuelle Übergriffe. 16

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