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1 81 E. Strategien zur Verbesserung des Ratings und der Unternehmensfinanzierung Niggemann, Karl A. und Simmert, Diethard B. Inhaltsverzeichnis Inhaltsverzeichnis Einleitung Finanzierbarkeit und Finanzierungskosten Rating-Ermittlung Rating und Bilanzpolitik Beeinflussung durch Finanzierung Fazit... 97

2 82 E Strategien zur Verbesserung des Ratings und der Unternehmensfinanzierung 1 Einleitung Die Bedingungen für die Unternehmensfinanzierung haben sich deutlich verändert. Früher kannten Unternehmer ihren Banker und sein eingespieltes Team in der Regel langjährig. Jeder wusste, was er vom anderen zur erwarten hatte. Für Unternehmer war es nahezu selbstverständlich, dass anstehende Investitionen oder das angestrebte Unternehmenswachstum durch die Hausbank finanziert wurden. Zwischen den Gesprächspartnern bestand ein gewachsenes Vertrauensverhältnis. Die Entscheidungswege waren kurz - und die Entscheidungen entsprachen überwiegend der Zielsetzung der Unternehmen. Dramatische Kreditverluste haben Kreditinstitute jedoch zu einer Änderung des Risikomanagements veranlasst. Die Folge: Immer mehr mittelständische Unternehmen klagen über Finanzierungsprobleme. Selbst für Unternehmen mit langjährigen unproblematischen Bankverbindungen wird es zunehmend schwieriger, den Finanzierungsbedarf bei den Hausbanken gedeckt zu erhalten. Verschärft wird dieses Problem durch die Umsetzung der neuen Baseler Eigenkapitalvereinbarung für Banken (Basel II). Basel II trägt insbesondere den Kreditausfallrisiken Rechnung. Bisher mussten Banken unabhängig vom finanzierten Risiko 8 % ihrer Kreditforderungen pauschal mit Eigenkapital unterlegen (Basel I). Basel II erfordert für Kredite bei guter Bonität wesentlich weniger Eigenkapital als für Kredite schlechter Bonität. Der Ausgleich für erhöhte Eigenkapitalbindung und größeres Risiko erfolgt über die Konditionen. Aber es sind nicht nur Banken, die Unternehmen vor einer Kreditvergabe auf ihre Kreditwürdigkeit hin untersuchen. Immer mehr private Investoren und Lieferanten verlassen sich nicht allein auf den guten Ruf von Unternehmen - sie prüfen in gleicher Weise die Bonität. Kapitalanleger und Banken sind nur dann bereit, ein höheres Kapitalausfallrisiko in Kauf zu nehmen, wenn als Ausgleich zusätzliche Sicherheiten, höhere Zinsen oder Ergebnisbeteiligungen geboten werden. Damit hat die Kreditwürdigkeit einen direkten Einfluss auf die Kosten der Fremdfinanzierung und das Bestreben nach guter Bonität. Die Wechselwirkung zwischen guter Bonität sowie Finanzierungsmöglichkeiten und Finanzierungskosten ist für mehr als die Hälfte aller deutschen Unternehmen eine der wichtigsten Herausforderungen.

3 E Strategien zur Verbesserung des Ratings und der Unternehmensfinanzierung 83 2 Finanzierbarkeit und Finanzierungskosten Die IFD-Initiative Finanzstandort Deutschland verpflichtet Banken, ihre bankinternen Ratings zum Zentrum der Kommunikation mit dem Kunden zu machen, insbesondere im Hinblick auf die Preisgestaltung. Geschaffen wurde - mit dem Mittelstand als Zielgruppe ein 6stufiges Ratingraster, das die Kundenbonität in Abhängigkeit des Ausfallrisikos (Probability of Default = PD) darstellt. Dies ermöglicht den mittelständischen Unternehmen den Quervergleich der bankinternen Ratings anhand einer objektivierten und transparenten Werteskala. 2.1 Ratingskala IFD Mapping der Banken IFD- Commerz- Deutsche Dresdner HypoVereins- KfW- PD Be- Rating- bank Bank Bank bank Banken- reich Stufe gruppe*) **) I iaaa - ibbb II ibbb ibb M1 - M7 bis 0,3 % 6, M8 M9 0,3 bis 0,7 % III ibb M10 M11 0,7 bis 1,5 % IV ibb- - ib+ 9 (ggf. 10) V ib ib- (ggf. 10) M12 M M14 M15 1,5 bis 3 % 3 bis 8 % VI ab 5.0 ab iccc >7 M16 M20 ab 8 % *) gilt nur für KfW-Direktkredite **) Angabe des PD-Bereichs von (inkl.) bis (exkl.)

4 84 E Strategien zur Verbesserung des Ratings und der Unternehmensfinanzierung 2.2 Die Ratingskala von IFD wird so definiert: Ratingstufe Beschreibung PD-Bereich I II III IV Unternehmen mit sehr guter Bonität Unternehmen mit guter bis zufriedenstellender Bonität Unternehmen mit befriedigender bzw. noch guter Bonität Unternehmen mit überdurchschnittlichem bis erhöhtem Risiko bis 0,3 % 0,3 bis 0,7 % 0,7 bis 1,5 % 1,5 bis 3 % V Unternehmen mit hohem Risiko 3 bis 8 % VI Unternehmen mit sehr hohem Risiko ab 8 % Die Praxis beweist, dass die Ratingstufen V und VI bankmäßig und mit Kapitalmarktprodukten praktisch nicht mehr finanzierbar sind. Unternehmen, die sich in diesen Ratingstufen befinden, werden in aller Regel nur noch Eigenkapitalpartner finden, die die Zukunftsperspektiven des Unternehmens positiv beurteilen. Zwangsläufig haben ungünstige Ratings Auswirkungen auf die Konditionen. Einerseits können Kreditinstitute mit Kreditnehmern mit ungünstigem Rating bei gleichem Eigenkapital nur geringeres Kreditvolumen abwickeln, da Basel II eine erhöhte Eigenmittelunterlegung erfordert. Andererseits muß erhöhtes Risiko einkalkuliert werden. Erfahrungsgemäß erfordern darüber hinaus Kredite an bonitätsmäßig schwache Adressen erhöhten Betreuungsaufwand. Bei der Kalkulation des Kreditzinssatzes sind diese Aspekte entscheidend: Kreditzinssatz Betriebskosten Geld/Kapitalmarktzinssatz Standardrisikokosten Eigenkapitalkosten

5 E Strategien zur Verbesserung des Ratings und der Unternehmensfinanzierung 85 Ausgangspunkt für die Zinssatzkalkulation sind in jedem Fall die Interbankensätze. Die Standardrisikokosten lassen sich aus den Informationen der Banken in der Regel ableiten. Dass sich zwischen einzelnen Gruppen des Bankgewerbes keine dramatischen Abweichungen ergeben, verdeutlichen diese Übersichten: DSGV Standard-Rating Rating des BVR Bundesverband der Volksbanken und Raiffeisenbanken Ratingklasse Ausfallwahrscheinlichkeit in % Ratingklasse Ausfallwahrscheinlichkeit in % 1 bis 0,08 % 1 a 0,07 % 2 0,12 % 1 b 0,10 % 1 c 0,15 % 3 0,17 % 1 c 0,15 % 1 d 0,23 % 4 0,30 % 1 e 0,35 % 5 0,40 % 1 e 0,35 % 2 a 0,50 % 6 0,60 % 2 a 0,50 % 2 b 0,75 % 7 0,90 % 2 b 0,75 % 2 c 1,10 % 8 1,30 % 2 c 1,10 % 2 d 1,70 % 9 2 % 2 d 1,70 % 2 e 2,60 % 10 3 % 2 e 2,60 % 3 a 4 % 11 4,40 % 3 a 4 % 12 6,70 % 3 b 6 % % 3 c 9 % % 3 d 13,50 % % 3 e 20 % Die PD gibt die Ausfallwahrscheinlichkeit an, daß ein Kreditnehmer innerhalb eines Jahres ausfällt. Ein Unternehmen mit der Ratingklasse 9 beim Sparkassen-Rating führt zu einer Ausfallwahrscheinlichkeit von 2 %. In der Regel werden die Sparkassen einen darüber hinausgehenden Aufschlag fordern, da neben den Risikokosten auch noch die Betriebskosten und die Eigenkapitalkosten gedeckt werden müssen. Liegt der Interbankensatz für eine 4jährige Finanzierung bei 3,75 %, wird der Aufschlag unter Berücksichtigung von Betriebs-, Standardrisiko- und Eigenkapitalkosten in der Regel bei 2,4 % liegen, so daß sich eine Gesamtkondition von 6,15 % ergibt. Bei einem Unternehmen der Rating-Klasse 4 werden die Konditionen mindestens 1,7 % günstiger sein, da in dieser Höhe allein geringere Risikokosten anfallen.

6 86 E Strategien zur Verbesserung des Ratings und der Unternehmensfinanzierung Darüber hinaus bleiben Unternehmen mit Non-Investment-Grade viele Finanzierungsquellen verschlossen, da mit vielen Programmen nur Unternehmen mit Investment-Grade finanziert werden. Allerdings gibt es auch erste Programme, mit denen auch Unternehmen mit eigenkapitalähnlichen Mitteln finanziert werden, die Non-Investment-Grade sind. 3 Rating-Ermittlung Rating ist ein mathematisch-statistisches Beschreibungsmodell, das die ausfallrelevanten Merkmale eines Kreditnehmers in eine Bonitätsaussage (Ratingnote "Ausfallwahrscheinlichkeit") transformiert. Aus verständlichen Gründen haben Kreditinstitute nicht im Detail veröffentlicht, durch welche Kriterien das Rating beeinflußt wird. Je nach Kreditnehmer haben die "harten Faktoren" Einfluß zwischen 40 % und 70 %. Zwangsläufig werden die harten Faktoren bei jungen Unternehmen untergewichtet, da entsprechendes Zahlenmaterial noch fehlt. Wie die harten Faktoren beispielhaft gewichtet werden, veranschaulicht diese Übersicht aus der Sparkassenorganisation: Bereich Gewichtung A. Finanzlage Cash-flow 1 9,0 % Cash-flow 2 9,0 % Betriebsergebnis 9,0 % Kreditorenlaufzeit in Tagen 6,0 % B. Ertragslage Return-on-Investment 4,0 % Zinsaufwand/Gesamtleistung 6,0 % besondere Aufwandsquote 3,0 % Betriebsergebnis/Gesamtleistung 2,0 % Rohertrag/Gesamtleistung 2,0 % C. Vermögenslage Eigenkapitalquote 20,0 % Liquiditätskennzahl 2,0 % Kapitalbindung 10,0 % Fremdkapitalstruktur 10,0 % Lagerkennzahl 4,0 % Lagerdauer 4,0 % Die Übersicht verdeutlicht die große Bedeutung der Eigenkapitalquote. Durch Veränderungen in diesem Bereich lässt sich das Rating leicht verändern.

7 E Strategien zur Verbesserung des Ratings und der Unternehmensfinanzierung 87 Bei den weichen Faktoren ergeben sich Unterschiede, insbesondere hinsichtlich der Unternehmensgröße. Für Unternehmen mit mehr als 20 Mio. EUR Umsatz gibt es beispielhaft diese Gewichtung: 20 % Unternehmensführung 10% Unternehmensplanung und -steuerung 50% Marktstellung und Produktpalette 20 % Wertschöpfungskette Im Hinblick auf den dominierenden Anteil der "harten Faktoren" ist es zielführend, das Rating über diese Faktoren zu beeinflussen. 4 Rating und Bilanzpolitik Bilanzpolitische Ziele von Unternehmen wurden in der Vergangenheit ü- berwiegend von diesen Aspekten geprägt: Minimierung der Steuerbelastung, langfristige Stärkung der Substanz des Unternehmens durch Bildung stiller Reserven, Beeinflussung der Entnahmemöglichkeiten der Personengesellschafter, Vermeidung von finanziellen Begehrlichkeiten der Arbeitnehmer, der Geschäftspartner und anderer unternehmensexterner Institutionen (Publizitätsgesichtspunkte). Einige Ziele werden häufig nicht ausgesprochen: Kompensation der Auswirkungen von Fehlern der Geschäftsführung über den Jahresabschluss, Ergebnisverbesserung zwecks Anhebung erfolgsabhängiger Vergütungen, Ergebnisverbesserung angesichts einer in nächster Zeit bevorstehenden Unternehmensveräußerung, Verschlechterung des Ergebnisausweises im Jahr eines Managementwechsels zwecks aufwandsmäßiger Entlastung der Zukunft. In jüngster Vergangenheit hat dieses bilanzpolitische Ziel große Bedeutung gewonnen: Günstiges Rating zur Verbesserung der Kreditwür-

8 88 E Strategien zur Verbesserung des Ratings und der Unternehmensfinanzierung digkeit! Da bis zu 70 % des Gesamtratings durch sogenannte Hard Facts geprägt werden, ist es ein legitimes Bemühen von Unternehmen, durch geeignete bilanzpolitische Maßnahmen das Rating zu verbessern. Welche bilanzpolitischen Möglichkeiten bestehen, verdeutlicht diese Ü- bersicht: Gestaltung vor dem Stichtag Bilanzpolitik im weiteren Sinne Gestaltung von Sachverhalten Darstellung von Sachverhalten Informations- Ansatzpolitik Gewinnverwendung nach dem Stichtag Formelle Bilanzpolitik Materielle Bilanzpolitik relevante Ausweispolitik Größenmerkmalsrelevante Ausweispolitik Bilanzpolitik im engeren Sinne Ermessensspielräume Explizite Wahlrechte Individualspielräume Verfahrensspielräume bzw. Faktische Wahlrechte Spielraumorientierte Bilanzpolitik Wahlrechtsorientierte Bilanzpolitik Bewertungspolitik Quelle: Klaus-Rüdiger Veit, Bilanzpolitik, S. 6, 8.

9 E Strategien zur Verbesserung des Ratings und der Unternehmensfinanzierung 89 Maßgeblich können Sachverhaltsgestaltungen vor dem Stichtag sein. Das verdeutlicht das praktizierte Treuhandmodell einer Maschinenbau-GmbH: Dem Treuhandmodell liegt im Ergebnis eine Kombination unterschiedlicher Behandlungsweisen zwischen Handelsrecht und Steuerrecht zugrunde. Die Maschinenbau-GmbH gründete eine Besitz- und Verwaltungs- GmbH als alleinige Gesellschafterin. Die Besitz- und Verwaltungs-GmbH und die Maschinenbau GmbH gründeten sodann eine Besitz-GmbH & Co. KG, wonach einziger Kommanditist dieser GmbH & Co. KG wiederum die Maschinenbau-GmbH ist. Am Vermögen der Besitz GmbH & Co. KG sind die Besitz- und Verwaltungs-GmbH als Komplementärin mit 1 % und die Maschinenbau-GmbH als Kommanditistin mit 99 % beteiligt. Die Komplementärin, die Besitz- und Verwaltungs-GmbH, hält ihren Anteil am Vermögen der Besitz GmbH & Co. KG treuhänderisch für die Maschinenbau-GmbH. Diese Treuhandabrede bewirkt, daß die Besitz- und Verwaltungs-GmbH als Komplementärin zwar weiterhin formal Gesellschafterin der Besitz GmbH & Co. KG ist - im Innenverhältnis jedoch allein an die Weisungen der Muttergesellschaft der Maschinenbau-GmbH gebunden ist und für deren Rechnung handelt. Daraus folgt, daß unter einkommensteuerlichen und körperschaftsteuerlichen Aspekten die Weisungsgebundenheit des Treuhänders hinsichtlich seiner Stellung als Mitunternehmer am Vermögen der Besitz-GmbH & Co. KG allein dem Treugeber zugerechnet wird. Dies hat zur Folge, daß die Mitunternehmerstellung der Besitz- und Verwaltungs-GmbH auf die Muttergesellschaft, die Maschinenbau GmbH, übergeht, so daß hieraus folgend die Mitunternehmerstellung des Komplementärs und die des Kommanditisten allein auf die Maschinenbau GmbH vereinigt ist. Dies hat zur Folge, daß in Ermangelung eines zweiten Mitunternehmers die Besitz-GmbH & Co. KG einkommensteuerlich und körperschaftsteuerlich irrelevant ist und lediglich als Betriebsstätte der Muttergesellschaft, der Maschinenbau GmbH, angesehen wird. Die Besitz-GmbH & Co. KG verfügt somit steuerlich über kein Gesamthandsvermögen, weshalb auf Ebene der Besitz-GmbH & Co. KG keine gesonderte und einheitliche Gewinnfeststellung durchzuführen ist. Handelsrechtlich bleibt jedoch die GmbH & Co. KG als eigene Rechtsperson bestehen. Sie ist im Gegensatz zum Steuerrecht handelsrechtlich Alleinträger von Rechten und Pflichten und ist auch verpflichtet, eine Handelsbilanz aufzustellen. Der Maßgeblichkeitsgrundsatz der Handelsbilanz

10 90 E Strategien zur Verbesserung des Ratings und der Unternehmensfinanzierung für die Steuerbilanz wird in diesem Fall durch 39 Abs. 2 AO durchbrochen mit der Folge, daß die Besitz-GmbH & Co. KG als steuerliche Betriebsstätte der Muttergesellschaft, der Maschinenbau-GmbH, gerade nicht Subjekt einer gesonderten Einkunftsermittlung sein kann. Damit laufen Handels- und Steuerrecht auseinander. Dies gilt nach Auffassung der Finanzverwaltung jedoch nur für die Einkommensteuer und Körperschaftsteuer, nicht jedoch für die Gewerbesteuer. Diese Auffassung der Finanzverwaltung ist heftig umstritten. Die Auswirkungen dieses Treuhandmodells auf Ebene der Maschinenbau- GmbH sind die, dass die Maschinenbau-GmbH handelsrechtlich Grundstücke, Gebäude und Maschinen an die Besitz-GmbH & Co. KG erfolgswirksam verkauft. Hiermit wird handelsrechtlich Eigenkapital geschaffen! In der Bilanz der Maschinenbau-GmbH kommt es insoweit zu einem Aktivtausch, als anstelle der bisherigen Wirtschaftsgüter Grundstücke, Gebäude und Maschinen im Anlagevermögen die Beteiligung der Besitz-GmbH & Co. KG aktiviert wird. Steuerlich wird für Zwecke der Körperschaftsteuer die bisherige Situation nicht verändert. Hinsichtlich des Treuhandmodells kommt es auch zu keiner Grunderwerbsteuer bei Grundstücken und Gebäuden, wobei die Maschinenbau- GmbH selber zu 100 % an dem handelsrechtlichen Gesamthandsvermögen der GmbH & Co. KG beteiligt bleibt. Insoweit ist mit dem Treuhandmodell erreicht, dass unter größtmöglicher steuerlicher Neutralität die Handelsbilanz durch Aufdeckung der stillen Reserven verbessert wird. Die Verbesserung der Bilanzstruktur der Maschinenbau-GmbH wird um so deutlicher, wenn diejenigen Bankkredite, die bisher den Bereichen Grundstück, Gebäude und Maschinen zuzuordnen sind, auf die Besitz-GmbH & Co. KG umgeschrieben werden. Insoweit würden dann auch die Passiva von den Bankverbindlichkeiten befreit. Ergebnis: Das Rating des Maschinenbau-Unternehmens wurde dramatisch verbessert. Aus einem Unternehmen mit einer Ausfallwahrscheinlichkeit von 2,40 % wurde ein Kreditnehmer, bei dem die Ausfallwahrscheinlichkeit lediglich 0,68 % ausmachte. Die Vorteile: Die Kreditkonditionen ver-

11 E Strategien zur Verbesserung des Ratings und der Unternehmensfinanzierung 91 besserten sich um 2 % p. a., das Unternehmen erreichte Investment-Grade und konnte dadurch neue Finanzierungsquellen erschließen. Natürlich gibt es auch noch eine Vielzahl von alternativen Gestaltungsmöglichkeiten. Die wohl einfachste Gestaltung ist die Verlegung des Bilanzstichtages bei Unternehmen mit saisonal nennenswert schwankender Mittelbindung. Eine hohe Mittelbindung in Vorräten und Forderungen belastet einige ratingrelevante Kennzahlen wesentlich. Praxisbeispiele verdeutlichen, daß durch bloße Stichtagverlegung zum Teil nennenswerte Ratingveränderungen erreicht werden konnten. Eine Maßnahme kann auch die Umstellung auf internationale Rechnungslegung (IFRS) sein. Einige Beispielsfälle verdeutlichen, daß sich vorteilhafte Auswirkungen aufgrund unterschiedlicher Bilanzierungsgepflogenheiten ergeben. Möglicherweise wird die bessere Einstufung aber auch durch die bonitätsmäßig günstigere Vergleichsgruppe erleichtert. Gerade gute Unternehmen stellen nach IFRS um. Für bonitätsmäßig weniger gute Adressen sind die Aufwendungen der Umstellung zum Teil zu hoch. 5 Beeinflussung durch Finanzierung Die Eigenkapitalquote hat maßgeblichen Einfluß auf das Rating. Das ist verständlich, denn: Eigenkapital ermöglicht dauerhafte Stabilität und sichert die Unternehmensentwicklung auch als "Verlustausgleichspolster". Eigenkapital muß weder verzinst noch getilgt werden. Die Eigenkapitalquote deutscher Unternehmen ist im internationalen Vergleich unterdurchschnittlich. Nicht zuletzt dadurch sind deutsche Unternehmen krisenanfälliger. Die Praxis beweist, dass viele deutsche Unternehmen wenig Phantasie entwickeln, wenn es um die Beschaffung von Eigenkapital geht. Welche Möglichkeiten bestehen, verdeutlicht diese Übersicht:

12 92 E Strategien zur Verbesserung des Ratings und der Unternehmensfinanzierung Erhöhung der EK-Quote Indirekte Erhöhung Direkte Erhöhung Bilanzsummenmanagement Verkauf nicht betriebsnotwendigen Vermögens Sale-and-lease-back für Anlagevermögen Vorratsabbau durch Bestandsmanagement Forderungsabbau durch Debitorenmanagement Off-Balance-Finanzierungen z. B. für Patente, Markenrechte, Projekte Verkauf von Geschäftsbereichen oder Beteiligungen Leasing/Mietkauf Factoring/Forfaitierung Asset Backed Securities Einlage der Gesellschafter Gesellschafterdarlehen Thesaurierung von Gewinnen Mitarbeiter-Kapitalbeteiligung Führungskräftebeteiligung Finanzinvestor (Private, Beteiligungsgesellschaften) strategische Partner Börsengang (IPO) Mezzanine-Kapital (Nachrangdarlehen, typisch und atypisch stille Beteiligung, Genußrecht, Wandel-/Optionsanleihe Unternehmen, die sich mit der gebührenden Ernsthaftigkeit mit Fragen der Unternehmensfinanzierung beschäftigen, wissen, dass gutes Finanzmanagement von Unternehmen auf der Aktivseite beginnt. Deshalb kommt der indirekten Erhöhung der Eigenkapitalquote dominierende Bedeutung zu. Das verdeutlicht dieses Beispiel: Das Kunststoff verarbeitende Unternehmen mit Handelsunternehmen als Abnehmer erreicht durchschnittlich Forderungen, die 50 % der Bilanzsumme entsprechen (im Durchschnitt deutscher Unternehmen liegt die Quote bei etwa 25 %). Bilanz TEUR Anlagevermögen Forderungen TEUR Eigenkapital Fremdkapital Vorräte Eigenkapitalquote x 100 = 16,7 %

13 E Strategien zur Verbesserung des Ratings und der Unternehmensfinanzierung 93 Mit 16,7 % Eigenkapitalquote liegt das Unternehmen unter dem Durchschnitt von Unternehmen in vergleichbarer Größenordnung. Mit der Hausbank wird dahingehend verhandelt, dass der Zessionskredit durch ein "unechtes Pensionsgeschäft" abgelöst wird. Danach verkauft das Unternehmen die Forderungen an die Bank. Der Forderungsverkauf wirkt Bilanz entlastend. Allerdings erhält die Bank die Möglichkeit einer Rückbelastung, wenn die Forderungen nach 60 Tagen nicht eingegangen sind. Die bilanziellen Auswirkungen verdeutlicht diese Übersicht: Bilanz nach Neuordnung TEUR Anlagevermögen Forderungen TEUR Eigenkapital Fremdkapital Vorräte Eigenkapitalquote x 100 = 27,8 % Nur durch die Umstellung vom Zessionskredit zum unechten Pensionsgeschäft erhöht sich die Eigenkapitalquote von 16,7 % auf 27,8 %. Darüber hinaus verändern sich einige Kennzahlen positiv. Das Rating verbessert sich merklich. Ein gleiches Ergebnis kann mit Factoring oder Asset-Backed-Securities (ABS)-Finanzierungen erreicht werden. Eine ähnliche Wirkung (Bilanzsummenmanagement) kann mit Leasing erreicht werden. Kreditinstitute unterstützen wirkungsvoll das Bemühen ihrer Unternehmenskunden, das Rating zu verbessern, durch ideenreiche Finanzierungen. So erfordern die Aufträge der Automobilindustrie an die Zulieferer häufig große Mittelbindung. Kreditinstitute initiieren gemeinschaftlich mit den Zulieferern eine sogenannte "Einzweckgesellschaft, die die Gesamtfinanzierung eines derartigen Auftrages übernimmt. Die gewählte

14 94 E Strategien zur Verbesserung des Ratings und der Unternehmensfinanzierung Rechtsgestaltung erfordert auch keine Konsolidierung dieser Einzweckgesellschaft mit der Bilanz des Automobil-Zulieferers. Durch diese Vorgehensweise werden die Kennzahlen des Unternehmens deutlich begünstigt - unabhängig davon werden für das Unternehmen neue Finanzierungsquellen erschlossen. Ähnliche Finanzierungskonzepte gibt es auch für Patente und Markenrechte. Darüber hinaus haben sich auch die Möglichkeiten der direkten Kapitalerhöhung deutlich verbessert. Aktuell streben sowohl strategische Partner als auch Finanzinvestoren unternehmerische Beteiligungen an und sind zum Teil bereit, sehr hohe Unternehmenswerte zu akzeptieren. Häufig sind gerade mittelständische Unternehmer jedoch nicht daran interessiert, das Eigenkapital zu erhöhen. Sie wünschen keine Informationspflichten gegenüber Dritten und möchten auch Kapitalgebern keine Kontrollrechte zugestehen. Dieser "Herr-im-Haus"-Standpunkt verhindert oft die angemessene Ausstattung von Unternehmen mit "echtem" Eigenkapital. Vor diesem Hintergrund haben in jüngster Zeit eigenkapitalähnliche Mittel Marktbedeutung gewonnen. Dieses Kapital fließt in Form von Nachrangdarlehen, typisch stillen Beteiligungen, Genußrechten oder atypisch stillen Beteiligungen in die Unternehmen. Wie sich Eigenkapital, Mezzanine-Kapital und Fremdkapital abgrenzen, verdeutlicht diese Übersicht:

15 E Strategien zur Verbesserung des Ratings und der Unternehmensfinanzierung 95 Kriterien Eigenkapital Mezzanine-Kapital Fremdkapital Rechtliche Stellung (Mit-)Eigentümerstellung unterschiedlich schuldrechtliche Gläubigerstellung Haftung mindestens in der Höhe der Einlage im Ausmaß des in Eigenkapital gewandelten Anspruchs keine Haftung i. d. R. fester Zinsanspruch, kein GuV- Anteil Erfolgsbeteiligung Teilhabe an Gewinn und Verlust erfolgsabhängige Verzinsungsanteile Vermögensanspr uch quotal (wenn Liquidationserlös > Schulden) ja, über Equity- Kicker Rückanspruch in Höhe der Gläubigerforderung Unternehmensleitung i. d. R. berechtigt Stimm- und Kontrollrechte möglich grundsätzlich ausgeschlossen, teilweise aber faktische Möglichkeit Kapitalüberlassung unbefristet i. d. R. befristet i. d. R. befristet Besicherung keine keine oder mit Rangrücktritt (vorrangige) Kreditsicherheiten Steuerliche Belastung Gewinn voll belastet von ESt, KSt, GewSt (variiert nach Rechtsform) je nach Art: Zinsen als Aufwand absetzbar Zinsen als Aufwand absetzbar (Einschränkung bei GewSt) Liquiditätsbelastung nicht fix, nur bei Gewinnausschüttung flexibel gestaltbar fix (Zinsen und Tilgung) Renditeerwartung ca % p. a. ca % p. a. ca. 5 9 % p. a. Quelle: Bredeck, Private Equity im Firmenkundengeschäft regionaler Kreditinstitute, S. 58 Bei der Prüfung von Finanzierungsoptionen im Bereich von Mezzanine- Instrumenten gibt es einige wichtige Kriterien, die für Unternehmen entscheidungsrelevant sind. Wesentliche Entscheidungskriterien lassen sich aus der folgenden Übersicht ableiten:

16 96 E Strategien zur Verbesserung des Ratings und der Unternehmensfinanzierung Kriterien Nachrangdarlehen Typisch stille Beteiligung Verkäuferdarlehen Wandel-/ Optionsanleihe Genußrecht Atypisch stille Beteiligung Vergütung Kapitalgeber Fix und Wandlungsrecht Fix und Variabel Fix Fix und variabel Fix und variabel Fix und variabel ca %; bei Equity- Kicker 20 % Renditeerwartung Kapitalgeber p. a. ca % ca % ca % ca %; bei Wandlung ca % ca % Informations-/Zustimmungsrechte Kapitalgeber Gläubi- ger- Stellung i. d. R. mit Vetorechten Gläubigerstellung Vertragliche Zustimmungsund Kontrollrechte sowie gesetzliche Informationsund Kontrollrechte Vertragli che Zustimm ungsund Kontrollrechte Gläubigerstellung; nach Wandlung bzw. Optionsausübung Gesellschafterstellung bzw. Gläubiger und Gesellschafterstellung Mitunternehmerstellung, vertragliche Zustim- mungs- /Kontrollre chte Haftung im Insolvenzfall Nein, aber ggf. Rangrücktritt gegenüber Gläubigern Nein, aber Rangrücktritt gegenüber Gläubigern Nein, aber ggf. Rangrücktritt gegenüber Gläubigern Nein, aber ggf. Rangrücktritt gegenüber Gläubigern Nein, aber ggf. Rangrücktritt gegenüber Gläubigern Gestaltungsabhängig Bilanzielles Eigenkapital Nein Nein Gestaltungsabhängig Erst ab Wandlung bzw. Optionsausübung Gestaltungsabhängig Gestaltungsabhängig Wirtschaftliches Eigenkapital im Rating- Prozeß Ja Ja Ja Ja (bei ent- Sprechender Gestaltung) Erst ab Wandlung bzw. Optionsausübung Ja Nicht erforderlich Unternehmensbewertung Nicht erforderlich Nicht erforderlich Nicht erforderlich Erforderlich bei Einstieg Nicht erforderlich Verlustteil- Nein Nein Grund- Nein In der nahme sätzlich Regel ja, kann ja jedoch vertraglich ausgeschlossen werden Quelle: Häger/Elkemann-Reusch "Mezzanine Finanzierungsinstrumente", S. 25. In der Regel ja

17 E Strategien zur Verbesserung des Ratings und der Unternehmensfinanzierung 97 Kernprobleme aus Unternehmenssicht sind in der Regel: - Gesamtkosten - "Bilanz-Qualität" - Dauer der Beteiligung - Ausstiegsszenarien Der Markt für eigenkapitalähnliche Mittel hat sich in der letzten Jahren stark verändert. Unternehmen mit vertretbarer Bonität haben Möglichkeiten, sich Kapital zu Konditionen zu beschaffen, die deutlich unterhalb der Erwartung von Eigenkapitalgebern liegen. Gleichzeitig haben die Investoren keine Mitbestimmungsrechte, so daß der Unternehmer weiterhin die unternehmerischen Entscheidungen treffen kann. 6 Fazit Mehr als die Hälfte aller deutschen Unternehmen hält Fragen der Unternehmensfinanzierung für die wichtigste anstehende Aufgabe. Nach einer Meinungsumfrage haben mehr als 40 % aller Unternehmen die Erfahrung machen müssen, dass Kreditprolongationen verweigert oder Wachstumsoder Investitionsfinanzierungen abgelehnt wurden. Eine noch größere Quote von Unternehmen hat aufgrund eines ungünstigen Ratings deutliche Erhöhungen der Zinssätze nicht verhindern können. Zwischenzeitlich haben immer mehr Unternehmen bewusst zur Kenntnis genommen, dass über ein gutes Rating die Finanzierung nicht nur erleichtert wird, sondern dass auch die Finanzierungskosten deutlich reduziert werden können. Vor diesem Hintergrund arbeiten viele Unternehmer und deren Berater intensiv daran, ihr Rating zu verbessern. In erster Linie konzentrieren sie sich dabei natürlich auf die Verbesserung der wirtschaftlichen Situation durch eine positive Veränderung der Ertragskraft. Da damit in der Regel aber kurzfristig nicht das erwartete Ziel erreicht werden kann, gewinnen Maßnahmen aus dem Bereich der Bilanzpolitik und insbesondere der Unternehmensfinanzierung zunehmende Bedeutung.

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