Informationen für Ärzte zum Thurgauer Brustkrebs-Früherkennungsprogramm (Mammascreening)

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1 Informationen für Ärzte zum Thurgauer Brustkrebs-Früherkennungsprogramm (Mammascreening) Februar 2012 Die Evaluation des ersten Jahres des Brustkrebs-Früherkennungsprogramms im Kanton Thurgau hat gezeigt, dass noch einige Unklarheiten bestehen. Deshalb sind in diesem Dokument die wichtigsten Informationen zusammengefasst. Einladungen gehen automatisch alle 2 Jahre an alle im Kanton Thurgau wohnhaften Frauen zwischen 50 und 70 Jahren. Die dazu benötigten Daten werden von den Einwohnerämtern geliefert. Im ersten Jahr wurde die erste Hälfte der Zielgruppe eingeladen, die zweite Hälfte wird im zweiten Jahr eingeladen (eine ganze Screening-Runde dauert 2 Jahre). Dies erklärt, weshalb einige Frauen bereits eine Einladung erhalten haben, andere jedoch noch nicht. Ab 70 Jahren können sich Frauen weiterhin zu den gleichen Bedingungen zum Screening anmelden, sie erhalten allerdings keine automatische Einladung mehr. Die betroffenen Frauen werden entsprechend über das geänderte Vorgehen informiert. Der Selbstkostenbeitrag beträgt knapp Fr. 20.-, die Franchise ist davon nicht betroffen. Interessierte Frauen müssen sich nach erfolgter Einladung selber für das Screening anmelden, selbstverständlich können sie sich auch ohne Einladung anmelden. Bitte beachten: Eine Überweisung durch den Arzt gilt als Anmeldung zur diagnostischen Untersuchung nicht als Anmeldung für das Screening (RadiologIn betrachtet die Bilder sofort, ev. zusätzlich Ultraschall, höhere Kosten). Prinzipiell dürfen für die diagnostische Mammografie nur Patienten mit einer klinischen Indikation angemeldet werden. Eine reine Vorsorgeuntersuchung im Rahmen der diagnostischen Mammografie ist keine Pflichtleistung der Krankenkasse und müsste entsprechend von der Patientin selbst bezahlt werden. Standorte des Screening sind die Kantonsspitäler Münsterlingen und Frauenfeld sowie das Röntgeninstitut RIWAG in Weinfelden. Die Auswertung der Bilder erfolgt dezentral. Das Programmzentrum befindet sich im Haus ARA am Kantonsspital Frauenfeld. Wir stellen keine analogen Röntgenfilme her. Ärzten wird auf Wunsch eine CD der Untersuchung zugesandt, auf Wunsch wird bei positiven Befunden automatisch eine CD gesandt. Der Regierungsrat des Kantons Thurgau hat die Radiologie Spital Thurgau beauftragt, die mammografische Brustkrebsvorsorge durchzuführen. Zurzeit werden Folgeabklärungen, die sich aufgrund von Screeningbefunden ergeben, nicht automatisch durch die Spital Thurgau AG durchgeführt. Die betroffene Frau und ihr Hausarzt/Gynäkologe werden informiert, dass eine weitere Abklärung nötig ist und entsprechend muss der Hausarzt/Gynäkologe sie zur weiteren Abklärung anmelden. Dieses Prozedere steht im Gegensatz zu den meisten anderen Vorsorgeprogrammen und im Widerspruch zu den europäischen Leitlinien zur Qualitätssicherung im Screening, wurde aber im Thurgau gewählt, um eine hohe Akzeptanz bei den praktizierenden Ärzten zu erreichen.

2 Die Programmteilnehmerinnen entscheiden, ob ihr Hausarzt/Gynäkologe über das Resultat der Untersuchung informiert werden soll. Ist dies der Fall, erhält der angegebene Arzt den schriftlichen Befund, unabhängig vom Resultat. Dabei geht der Bericht immer einen Tag früher an den Arzt als an die Programmteilnehmerin, so dass er im Falle eines Rückrufs durch seine Patientin schon vorinformiert ist. Besteht nach einer Vorsorge-Mammografie im Rahmen des Früherkennungsprogramms ein Verdacht auf einen pathologischen Befund, erhält der Hausarzt/Gynäkologe zusätzlich zu den Untersuchungsunterlagen und dem Befund einen medizinischen Fragebogen zugeschickt. Dieser ist nach Abschluss der abklärenden Folgeuntersuchungen von ihm auszufüllen und an das Programmzentrum zurückzusenden, falls diese Abklärungen nicht in der Spital Thurgau AG durchgeführt werden. Resultate von Folgeabklärungen, die in der Spital Thurgau AG stattfinden, werden direkt ans Programmzentrum weitergeleitet. So ist gewährleistet, dass Frauen mit negativem Befund wieder ins Programm integriert werden und Frauen mit positivem Befund sich weiter abklären lassen. Die Teilnehmerin ihrerseits erhält ein Schreiben des Programmzentrums mit der Empfehlung, sich mit ihrem Hausarzt/Gynäkologen in Verbindung zu setzen. Das Programmzentrum führt in verschiedenen Gemeinden verteilt über den ganzen Kanton Informationsanlässe für potentielle Teilnehmerinnen und Interessierte durch. Diese Daten und weitere Informationen zum Brustkrebs-Früherkennungsprogramm werden auf der Homepage der ÄTG und auf der Homepage des Brustkrebs-Früherkennungsprogramms publiziert. Ausschluss aus dem Programm: Brustkrebs im Screening entdeckt Intervallkrebs, zwischen 2 Screeningterminen entdeckt Kein Ausschluss aus dem Programm: Klinische Symptome während der Mammografie (Knoten, Ausfluss, anderes); dies wird vermerkt und die Information steht bei der Befundung zur Verfügung. Operationen, Verletzungen, Brustimplantate (in diesem Fall wird zusätzlich ein Ultraschall empfohlen) Sehr dichter Drüsenkörper (in diesem Fall wird zusätzlich ein Ultraschall empfohlen) Mammografie vorhanden (Screening-Mammografie frühestens 12 Monate nach Datum letzte Mammografie) Brustkrebs bekannt. Für Frauen, auf die dies zutrifft und die die Einladung annehmen, kann das Früherkennungsprogramm eine Gelegenheit sein, eine individuelle Nachsorge aufzunehmen und den behandelnden Arzt zu informieren. Frauen, die einer solchen Empfehlung nicht nachkommen oder die keinen behandelnden Arzt haben, dürfen nicht ausgeschlossen werden. Mit Vorbehalt kein Ausschluss aus dem Programm: Erhöhtes histologisches Risiko bei der Biopsie eines Befundes im Screening (lobuläres carcinoma in situ, atypische duktale Hyperplasie): dies ist kein vollständiger Ausschluss. Es

3 ist erlaubt, jedes zweite Jahr die Mammografie im Rahmen der Vorsorge bei erhöhtem Risiko über das Früherkennungsprogramm durchzuführen. Erhöhtes onkogenetisches Risiko: dies ist kein vollständiger Ausschluss. Es ist erlaubt, jedes zweite Jahr die Mammografie im Rahmen der Vorsorge bei erhöhtem Risiko über das Früherkennungsprogramm durchzuführen. Das Brustkrebs-Früherkennungsprogramm kann eine Möglichkeit sein, diesen Risikogruppen zugehörigen Frauen eine auf sie zugeschnittene Vorsorge zu empfehlen, wenn sie sich aufgrund der Einladung melden und sich herausstellt, dass sie keine individuelle Betreuung haben. Unten angefügt das Informationsblatt zur Definition des familiären Risikos Familiäres Risiko: Wichtige Mitteilung an Frauen, die Angst haben, aufgrund ihres familiären (vererbten) Risikos an Brustkrebs zu erkranken: - Die meisten Frauen erkranken nicht an Brustkrebs, und von denen, die daran erkranken, haben die meisten kein familiäres Risiko. - Für die meisten Frauen ist das zunehmende Alter der größte Risikofaktor. - Die große Mehrheit der Frauen mit Brustkrebs in der Familie fallen nicht in eine Hochrisiko Kategorie und erkranken nicht an Brustkrebs. - Die große Mehrheit der Frauen mit einer Verwandten mit Brustkrebs hat kein wesentlich erhöhtes Brustkrebsrisiko. Beispiele für das relative Risiko: - Bei einer Grossmutter, welche mit 67 Jahren an Brustkrebs erkrankt ist, erhöht sich das Risiko, während des ganzen Lebens an Brustkrebs zu erkranken, von 11,9% auf 12% => keine Indikation für eine individuelle Vorsorge. - Bei einer Frau, bei der die Mutter mütterlicherseits mit 49 Jahren erkrankt und die Grossmutter mütterlicherseits mit 50 Jahren erkrankt, erhöht sich das relative Risiko um einen Faktor 7, d.h. das Lebenszeitrisiko beträgt 80% => Indikation für eine individuelle Vorsorge. Je mehr und je früher nahe Verwandte an Brust- oder Eierstockkrebs erkrankt sind, desto eher sollten Abklärungen einsetzen, spätestens 10 bis 5 Jahre vor dem frühesten Erkrankungsalter in der Familie. Wenn die Mutter also mit 40 Jahren erkrankt ist, sollte die Tochter mit den Kontrolluntersuchungen im Alter von 30 bis 35 Jahren beginnen; bei nachgewiesener Veranlagung ab dem 25. Lebensjahr. Frauen mit nachgewiesener Veranlagung und auch Verwandten ersten Grades in einer Risikofamilie werden intensivierte Früherkennungs-Untersuchungen empfohlen.

4 Wir haben uns zu folgendem Schema entschlossen: Hinweise auf das Vorliegen von familiärem Brustkrebs Mindestens zwei Frauen in der Familie (z.b. Mutter, Schwester, Tochter oder selbst erkrankt) mit Brust- oder Eierstockkrebs, wobei mindestens eine Frau zum Zeitpunkt der Erkrankung unter 50 Jahre alt gewesen ist. Eine Frau in der Familie (Mutter, Schwester, Tochter oder selbst erkrankt) mit einseitigem Brustkrebs, wobei die Erkrankung im Alter von 30 Jahren oder früher aufgetreten ist. Eine Frau in der Familie (Mutter, Schwester, Tochter oder selbst erkrankt) mit beidseitigem Brustkrebs, wobei die Erkrankung im Alter von 40 Jahren oder früher aufgetreten ist. Eine Frau in der Familie (Mutter, Schwester, Tochter oder selbst erkrankt) mit Eierstockkrebs, wobei die Erkrankung im Alter von 40 Jahren oder früher aufgetreten ist. Eine Frau in der Familie (Mutter, Schwester, Tochter oder selbst erkrankt), bei der Brust- und Eierstockkrebs aufgetreten sind. Ein männlicher Verwandter mit Brustkrebs. Wenn eine familiäre Risikosituation festgestellt wurde, wird sich die Überwachung nicht nach dem allgemeinen Screening richten, sondern den folgenden Empfehlungen folgen: Vorsorgeempfehlungen bei familiärem Brustkrebs Alter Untersuchung Häufigkeit ab dem 25. Lebensjahr (bzw. 5 Jahre vor dem frühesten Erkrankungsalter in der Familie) Selbstuntersuchung der Brust Tastuntersuchung durch Frauenarzt Brustultraschall monatlich halb halb

5 ab dem 30. Lebensjahr (oder ab dem 35. Lebensjahr, abhängig von der Brustdrüsendichte) Mammografie MRI (Magnetresonanz- Untersuchung) ab dem 40. Lebensjahr eventuell Brustultraschall Mammografie in 2 Ebenen zwischen dem 25. und 50. Lebensjahr bei Mitgliedern von Hochrisikofamilien oder bei unklaren Ultraschall- und Mammografie- Befunden und abhängig von der Brustdrüsendichte Kernspin- Mammografie** Empfehlungen vom Konsortium für das Hereditäre Mamma- und Ovarial-Karzinom der Deutschen Krebshilfe Quelle: Familiärer Brust- und Eierstockkrebs - Ausführliche Informationen, Hrsg. von der Deutschen Krebshilfe, Bonn 4/2003 Eine genetische Beratung ist nicht zu verwechseln mit einem Gentest. Sie ist jedoch eine unabdingbare Voraussetzung, bevor man einen Gentest durchführt. In einer genetischen Beratung kann u. a. sorgfältig abgewogen werden, ob ein Gentest ins Auge gefasst werden könnte oder sollte, und was dies für die Betroffenen und ihre Angehörigen allenfalls bedeutet. Die Kosten für die genetische Beratung werden von der Grundversicherung der Krankenkasse bezahlt, sofern sie von dazu berechtigten Ärztinnen und Ärzten durchgeführt wird. Medizinisches Team: Denis Wetter Kathrin Leupi-Skibinski Michael Henning Roman Hodek Programmverantw. Arzt Oberärztin mbf Oberarzt mbf Oberarzt mbf Kantonsspital Münsterlingen Ärztl. Leiterin RIWAG Kantonsspital Frauenfeld Kantonsspital Münsterlingen Elise Durand Oberärztin Kantonsspital Münsterlingen Kontakt: Denis Wetter Leitender Arzt Radiologie PVA Vorsorgeprogramm KantonsSpital Münsterlingen Spital Thurgau AG Phone: Fax: Monica Mayr Programmleiterin Brustkrebsvorsorgeprogramm Kantonsspital Frauenfeld (ARA) Phone: Fax: Brustzentrum: Tel KSF: Tel KSM:

6 Links: (Informationen)

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