Shape!T in der Bankenbranche

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1 Opinion Paper Shape!T in der Bankenbranche Entwicklung eines IT-Zielbilds für die Bankenbranche mit Shape!T 2011/11 We make ICT strategies work

2 Inhaltsverzeichnis 1 Executive Summary Aktuelle Trends in der Bankenbranche Herausforderungen und Entwicklungen Zentrale technologische Trends Kurzvorstellung Shape!T Entwicklung eines IT-Zielbilds für die Bankenbranche mit Shape!T Schlussbetrachtung Der Autor Das Unternehmen Opinion Paper 2 Detecon International GmbH

3 1 Executive Summary Die Bankenbranche hat in den letzten Jahren drastische Veränderungen erfahren. Das umfasst sowohl die Branchenumwelt als auch die Branche selbst. Dass Bankkunden zunehmend das Internet zur Abwicklung ihrer Geldgeschäfte nutzen, hat erheblichen Einfluss auf die Branche. Online-/Mobile-Banking und die Informationsbeschaffung im Netz ersetzen das Filialgeschäft. Das Dienstleistungsangebot der Banken und deren Preisgestaltung haben schließlich erheblich an Transparenz gewonnen. Die voranschreitende Globalisierung erleichtert zudem den Markteintritt von ausländischen Banken. Weiterhin ist das Vertrauen der Kunden in die Branche deutlich gesunken, vor allem aufgrund der seit 2007 anhaltenden Finanz- und Wirtschaftskrise. Die Banken haben ihren einstigen Vertrauensvorschuss verloren und sehen sich mit aktiven Protesten konfrontiert 1. Sie müssen sich deshalb aktiver als bisher um das Vertrauen von Kunden und Bürgern bemühen. Parallel zum Vertrauensverlust gehen mit der Finanz- und Wirtschaftskrise auch regulatorische Auswirkungen einher. So ist das Reformpaket Basel III eine Reaktion der Politik auf die Krise und legt strengere Regeln zu Eigenkapital und Liquidität der Banken fest. Diese Trends und die mit ihnen einhergehenden Auswirkungen auf die Banken erfordern konkrete Antworten. Diese müssen in zwei Richtungen zielen. Einerseits gilt es, Effizienz zu steigern und Kosten zu reduzieren. Andererseits müssen Geldinstitute die Möglichkeit ergreifen, neue Geschäftsmodelle, Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln, um sich von ihren Wettbewerbern zu differenzieren. Oftmals haben bestehende Trends direkte Auswirkungen auf die IT einer Bank. Die zentrale Aufgabe der IT ist dabei, Branchen- und Technologietrends zu verstehen, sie mit den Unternehmenszielen zu verknüpfen und daraus ein optimales IT-Zielbild zu entwickeln. Aus diesem IT-Zielbild müssen die Änderungsbedarfe der IT-Fähigkeiten abgeleitet werden. Auf Basis dieser Aspekte ist ein Maßnahmenkatalog zur zielgerichteten Ausrichtung der IT zu erstellen. Mit Shape!T stellt Detecon ein Vorgehensmodell bereit, das die IT einer Bank bei diesen Schritten gezielt unterstützt. Die zentralen Aspekte sind: Entwicklung eines strategischen Optionenraums, der Branchen-, Technologietrends und Unternehmensziele integriert. Erarbeitung und Bewertung möglicher Alternativen der IT. Mögliche Szenarien der IT sind pragmatisch zu modellieren. Ableitung und Definition des IT-Zielbilds und der IT-Fähigkeiten. Dabei adressiert Shape!T sowohl die Rolle der IT als Enabler neuer Geschäftsmodelle, Dienstleistungen und Produkte als auch die des Effizienzsteigerers. In diesem Opinion Paper wird auf Basis von Shape!T gezeigt, welche Auswirkungen zentrale Trends auf eine Bank haben. Schließlich werden mit Shape!T IT-Zielbilder & -Fähigkeiten entwickelt. 1 Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Opinion Papers beherrschen die Occupy-Wall-Street Bewegung und ihre globalen Ableger die öffentliche Diskussion. Opinion Paper 3 Detecon International GmbH

4 2 Aktuelle Trends in der Bankenbranche 2.1 Herausforderungen und Entwicklungen Die Bankenbranche hat in den letzten Jahren drastische Veränderungen durchlaufen. Dies wird sich in den kommenden Jahren weiter fortsetzen. Um eine ganzheitliche Sicht auf diese Entwicklungen zu erhalten, ist es erforderlich, die Bankenbranche aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Eine zentrale Rolle spielen Entwicklungen im direkten Umfeld der Banken, welche durch Kunden, Wettbewerber und Zulieferer ausgelöst werden oder diese betreffen. Die Entwicklungen, die nicht im direkten Umfeld der Banken stattfinden, wie soziodemografische sowie politische und gesetzliche Faktoren, haben ebenfalls einen erheblichen Einfluss auf die Branche besonders im Hinblick auf die anhaltende Finanz- und Wirtschaftskrise. Nicht zuletzt haben technologische Faktoren bedeutende Auswirkungen auf die Branche und ihre Akteure. Die folgende Grafik führt aus verschiedenen Blickwinkeln zentrale Trends auf, die auf die Bankenbranche wirken. Sozidemografische Faktoren Lieferanten & Zulieferer Technologische Faktoren Paradigmenwechsel Technikaffinität der jüngeren Generation "Die neuen reichen Alten" Technikskepsis der Gesellschaft Nationale & internationale Regularien Systemische Risiken der Finanzdienstleistungsprodukte Alternative Wertschöpfungsketten für Finanztransaktionen Verwundbarkeit im Internet Verfügbarkeit der Unternehmensinformationen für Unternehmenssteuerung IT-Unterstützung im Kern auf alten Plattformen Wechsel zu Mobile- /Online Banking Systemische Risiken der Finanzdienstleistungsprodukte Zunehmende Transparenz der Finanzdienstleistungsprodukte Wettbewerber Wirtschaftliche Faktoren Kunden Politische & gesetzliche Faktoren New Banks Alternative Finanztransaktionsdienste (Paypal, Click & Buy) Steigende Effizienz in der Transaktionsabwicklung mancher Wettbewerber Liquiditätsrisiken Einbruch Immobiliengeschäft & Investment Banking Aufwand im Produkt Lifecycle Preisbewusstsein der Kunden Abnehmende Kundenloyalität ("Bank hopping") Vertrauensverlust Bankenfond/ Rettungsschirm Basel II/III Regularien Abbildung 1: Trends in der Bankenbranche (Detecon International GmbH) Um zukünftig wettbewerbsfähig zu bleiben, ist es erforderlich, die aufgeführten Faktoren zu verstehen und auf die damit verbundenen Fragen und Probleme entsprechende Antworten zu finden. Dabei ist es wichtig, nicht nur reaktiv zu handeln; vielmehr bieten die einzelnen Entwicklungen Chancen und Möglichkeiten, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und neue Kundengruppen und Märkte zu erschließen. Opinion Paper 4 Detecon International GmbH

5 Die aufgeführten Trends unterscheiden sich erheblich hinsichtlich Folgen und Auswirkungen auf die IT einer Bank. Da die IT der zentrale Betrachtungsgegenstand von Shape!T ist, werden im weiteren Verlauf dieses Opinion Papers lediglich diejenigen Branchentrends betrachtet, welche die größten Auswirkungen auf die IT haben. Die Trends sind im Einzelnen: Technikaffinität der jüngeren Generationen Die jüngeren Generationen sind zunehmend bereit, sich mit angebotenen technischen Möglichkeiten zu befassen und diese aktiv zu nutzen. Vor allem die Nutzung von Mobiltelefonen, Internet und Sozialen Netzwerken ist ein fester Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens. Diese Entwicklung korreliert positiv mit dem folgenden Trend (Wechsel zu Mobile-/Online-Banking). Wechsel zu Mobile-/Online-Banking Die Nutzung von Online-Banking nimmt stetig zu, während der Gang zur Bankfiliale für die Erledigung von Finanzgeschäften abnimmt. Durch die zunehmende Verbreitung von Smartphones und mobilem Internet steigt besonders die Nachfrage an Lösungen für Mobile- Banking. Alternative Finanztransaktionsdienste (Paypal, Click-and-Buy) Durch den Handel im Internet sind neue Transaktionswege und Bezahlfunktionen entstanden, die zwischen Nutzer und Bank geschaltet sind. Diese Angebote ersetzen die direkte Kommunikation zwischen Kunden und Banken zur Abwicklung von Geldgeschäften. Steigende Effizienz in der Transaktionsabwicklung mancher Wettbewerber Die zunehmende Globalisierung ermöglicht größeren, global aufgestellten Banken, in neue Märkte einzudringen und sich dort zu etablieren. Durch die Nutzung von Skaleneffekten können diese Banken eine sehr effiziente Transaktionsabwicklung anbieten. Preisbewusstsein der Kunden Die zunehmende Transparenz über Kosten und Bestandteile von Finanzdienstleistungen ermöglicht es den Kunden, Angebote direkt zu vergleichen. Dies steigert das Preisbewusstsein der Kunden und erhöht zudem die Bereitschaft, den Bankdienstleister zu wechseln. Abnehmende Kundenloyalität ( Bank Hopping ) Die persönliche Bindung des Kunden zu seiner Bank nimmt kontinuierlich ab. Das Internet ermöglicht es, sich von jedem Ort und zu jeder Zeit über Finanzprodukte zu informieren und Finanzgeschäfte zu tätigen, während dies früher mit dem Gang in die Bankfiliale verbunden war. Der Trend Abnehmende Kundenloyalität geht dabei über den Trend Preisbewusstsein der Kunden hinaus. Opinion Paper 5 Detecon International GmbH

6 2.2 Zentrale technologische Trends Die Bankenbranche ist neben den zuvor beschriebenen Trends zusätzlich mit Herausforderungen konfrontiert, die durch konkrete technologische Entwicklungen und Innovationen getrieben sind. Einerseits betreffen diese Entwicklungen die interne IT von Banken: sie zielen auf die Effizienzsteigerung der IT und damit auf Kostensenkung ab. Andererseits betreffen die Entwicklungen die Interaktion mit dem Kunden und erfordern neue Dienstleistungen und Produkte. Die relevanten technologischen Trends werden im Folgenden aufgeführt: Trend Beschreibung Wirkung Cloud Services Abstraktion von zugrundeliegender Infrastruktur (für Rechenkapazität, Datenspeicher etc.) Bedarfsorientierte Kapazitätsanpassungen Leistungsangebot über definierte Schnittstellen Abstraktion von zugrundeliegender Infrastruktur (für Rechenkapazität, Datenspeicher etc.) Bedarfsorientierte Kapazitätsanpassungen Leistungsangebot über definierte Schnittstellen GreenIT Optimaler Einsatz und Nachhaltigkeit von IKT (Infrastruktur und Anwendungsgebiete) Deckt alle IKT-Aspekte ab: u.a. Endgeräte, Rechenzentren, Kommunikationslösungen Neue Geschäftsmodelle hinsichtlich CO2- und Energie-Reduktion Effizienterer Einsatz von Ressourcen Reduktion von Kosten für Ressourcen Geringerer Bedarf an Emissionsrechten Mobility/Mobile (Web) Applications Nearfield Communication Software-as-a- Service Virtual Desktop Infrastructure Anwendungen stehen dem Anwender auf einem mobilem Endgerät zur Verfügung Oftmals reduzierte Funktionalität Entweder als eigenständiges Programm auf dem Endgerät, als App oder als Webanwendung Abschließen von Zahlungen, indem ein Endgerät an einen kompatiblen Leser gehalten wird Daten werden aus Entfernung von max. 10 cm gelesen Infrastruktur übermittelt Abrechnungsdaten und führt Billing durch Bereitstellung von Anwendungen als Dienst über das Internet Präsentationsschicht auf Endgerät Anwendungen und dafür erforderliche Ressourcen werden durch Anbieter bereitgestellt Weiterentwicklung der Server- und Speichervirtualisierung Desktopdienstleistungen werden zentral im Rechenzentrum bereitgestellt Zugriff der Anwender über Thin-Client- Dienste; Berechnungen werden im Rechenzentrum durchgeführt Unterstützung von mobilen Tätigkeiten Abnehmende Bedeutung vom physischen Standort Allgegenwärtige Verfügbarkeit von Anwendungen Beschleunigung von Zahlungsvorgängen für kleine Zahlungsbeträge Kundenbindung durch vereinfachte Zahlung Kostensenkung durch Anwendungsoutsourcing Zahlung nach tatsächlichem Nutzen Flexibilität durch dynamische Kapazitätsanpassung Reduktion von Wartungs- /Administrationstätigkeiten Vereinheitlichung der Arbeitsplatzinfrastruktur Bereitstellung von Anwendungen durch zentrale Systeme Reduktion der Kosten und des Betreuungsaufwands Abbildung 2: Technologietrends Diese technologischen Trends bilden exemplarisch die Grundlage für die weitere Betrachtung im Rahmen von Shape!T. Opinion Paper 6 Detecon International GmbH

7 3 Kurzvorstellung Shape!T Shape!T stellt eine Methode zur Entwicklung eines Zielbilds für Unternehmen dar. Kern der Methode ist es, unter Berücksichtigung aktueller Branchen- und Technologietrends als externe Faktoren sowie der Unternehmensziele als interne Faktoren, Unternehmen einen strategischen Optionenraum aufzuspannen. Auf dieser Basis werden unterschiedliche Szenarien zur Ausprägung der zukünftigen Informationstechnologie entwickelt und der Unternehmensstrategie gegenübergestellt und evaluiert. Aus dem präferierten Szenario wird ein IT-Zielbild abgeleitet und die erforderlichen IT-Fähigkeiten beschrieben. Unternehmensfokus Trends & Unternehmensziele Relevante Technologietrends Business Enabler Betrachtung von Branchentrends, Technologietrends (inkl. Vorauswahl) und Unternehmenszielen Analyse der Trends, die das Unternehmen unterstützen Definition neuer Geschäftsmodelle auf Basis der analysierten Technologietrends Mgl. Anpassen ausgewählter Technologietrends IT-Fokus Auswirkungen auf die IT Zielbild & Capabilities Analyse der Auswirkung der Trends auf die IT-Bausteine 1 Entwicklung des IT-Zielbilds Ableiten der erforderlichen IT Capabilites/Handlungsbedarfe 1 Clients, Anwendungen, Storage, Server, Daten, Konnektivität, Schnittstellen, Drucken, Sicherheit, Systems & Service Abbildung 3: Shape!T-Vorgehensmodell Das Shape!T-Vorgehensmodell umfasst fünf zentrale Schritte, um aus den Trends und Unternehmenszielen ein an der Unternehmensstrategie ausgerichtetes IT-Zielbild inklusive der erforderlichen IT-Fähigkeiten zu ermitteln. Hieraus werden Maßnahmen identifiziert, um die Lücke zwischen dem Ist-Zustand und dem IT-Zielbild zu schließen. Zur systematischen Entwicklung des IT-Zielbilds finden folgende Werkzeuge Anwendung: Mit Hilfe der Business Technology Matrix wird evaluiert, welche Technologietrends das Unternehmen in welcher Intensität bei der Erreichung seiner Ziele und der Adressierung der relevanten Branchentrends unterstützen. Die Business Enabling Matrix zeigt, welche Teile der Wertschöpfungskette des Unternehmens durch die aufgeführten Technologietrends positiv beeinflusst werden. Hierbei werden sowohl die effizienzsteigernde als auch die differenzierende Wirkung eines Technologietrends untersucht. Mit Hilfe der Technology Enabling Matrix wird analysiert, welche Bausteine der IT durch die ausgewählten Technologietrends verändert werden. Opinion Paper 7 Detecon International GmbH

8 4 Entwicklung eines IT-Zielbilds für die Bankenbranche mit Shape!T Die in Kapitel 2 vorgestellten Branchen- und Technologietrends stellen die Eingangsparameter für Shape!T dar. Von ihnen ausgehend wird durch Shape!T identifiziert, welche Technologien die Ziele unterstützen und auf welche Stufen der Wertschöpfungskette sie einzahlen. Somit basieren die Entwicklung des IT-Zielbildes und die Ableitung der erforderlichen IT-Fähigkeiten auf diesen Trends. Anders als in einer unternehmensspezifischen Betrachtung mit Shape!T finden Unternehmensziele bei der folgenden Betrachtung keine Anwendung. Im ersten Schritt werden die Branchen- und Technologietrends entlang der Achsen der Business Technology Matrix abgetragen. Daraufhin wird für jeden Technologietrend bestimmt, in welchem Ausmaß er die Businesstrends unterstützt. Die folgende Grafik stellt die Business Technology Matrix für die identifizierten Branchen- und Technologietrends in der Bankenbranche dar; der Füllgrad der Kreise zeigt an, wie stark der Technologietrend den Branchentrend unterstützt: Technologietrends Cloud Services GreenIT Mobility/Mobile Applications Nearfield Communication Softwareas-a-Service Virtual Desktop Infrastructure Technikaffinität der jüngeren Generationen Switch zu Mobile-/Online- Banking Branchentrends Alternative Finanztransaktionsdienste Steigende Effizienz der Transaktionsabwicklung Preisbewusstsein der Kunden Abnehmende Kundenloyalität = keine = gering = mittel = hoch = sehr hoch Abbildung 4: Business Technology Matrix Unterstützung der Branchentrends durch Technologietrends Opinion Paper 8 Detecon International GmbH

9 Ausgehend von der Business Technology Matrix werden die Technologietrends hinsichtlich ihrer positiven Wirkung auf die primären und sekundären Prozesse der Wertschöpfungskette einer Bank untersucht. Dabei werden sowohl die effizienzsteigernde als auch die differenzierende Wirkung der Technologietrends untersucht und abgebildet. Dies wird in den folgenden beiden Grafiken in Form der Business Enabling Matrix dargestellt: Primäre Prozesse Transaktionsabwicklung Produktentwicklung Branding/ Marketing Vertrieb/ Verkauf Admin./ Risiko- Kunden- Cloud Services GreenIT Technologietrends Mobility/Mobile Applications Nearfield Communication Software-as-a-Service Virtual Desktop Infrastructure differenzierend effizienzsteigernd Abbildung 5: Business Enabling Matrix primäre Prozesse: Differenzierende und effizienzsteigernde Wirkung Sekundäre Prozesse Finance & Controlling Einkauf HR IT Cloud Services GreenIT Technologietrends Mobility/Mobile Applications Nearfield Communication Software-as-a-Service Virtual Desktop Infrastructure differenzierend effizienzsteigernd Abbildung 6: Business Enabling Matrix sekundäre Prozesse: Differenzierende und effizienzsteigernde Wirkung Opinion Paper 9 Detecon International GmbH

10 Die Business Enabling Matrix zeigt, dass die Technologietrends Cloud Computing, Softwareas-a-Service und Virtual Desktop Infrastructure eine ausschließlich effizienzsteigernde Wirkung haben, während Mobility/Mobile Applications und Nearfield Communications differenzierend wirken. Green IT hat sowohl differenzierende als auch effizienzsteigernde Wirkung. Die differenzierend wirkenden Technologietrends nehmen die Rolle der Business Enabler ein: Sie ermöglichen es, neue Produkte und Geschäftsmodelle zu entwickeln. Um die Wirkung der Technologietrends auf die einzelnen IT-Bausteine zu definieren, wird die Technology Enabling Matrix verwendet. Diese zeigt auf, ob die Technologietrends eine Auswirkung auf die IT-Bausteine haben. Die Technology Enabling Matrix ist in der folgenden Grafik dargestellt: IT-Bausteine Client Server Anwendung Netzwerk Storage Druck Schnittstellen Daten SSM 1 Sicherheit Cloud Services GreenIT Technologietrends Mobility/Mobile Applications Nearfield Communication Software-as-a-Service Virtual Desktop Infrastructure 1 SSM: System & Service Abbildung 7: Technology Enabling Matrix IT-Bausteine, die durch Technologietrends beeinflusst werden Die Technology Enabling Matrix ist die Basis für die Definition des IT-Zielbilds und der IT- Fähigkeiten. Sowohl für das IT-Zielbild als auch für die IT-Fähigkeiten werden die Technologietrends in sinnverwandten Gruppen oder aber einzeln betrachtet. Die folgende Betrachtung konzentriert sich auf die Gruppe Cloud Services, Software-as-a-Service und Virtual Desktop Infrastructure einerseits sowie auf den Trend Mobility/Mobile Applications andererseits. Die verbleibenden Technologietrends werden im Rahmen dieses Opinion Papers nicht betrachtet. Die zentrale Idee hinter den Technologietrends Cloud Services, Software-as-a-Service und Virtual Desktop Infrastructure ist es, Teile der IT eines Unternehmens an externe Dienstleister auszulagern. Cloud Services ermöglichen es Banken, IT-Infrastrukturen (Server und Datenbanken) nicht mehr selbst bereitzuhalten, sondern deren Betrieb durch einen Dienstleister erbringen zu lassen. Software-as-a-Service geht einen Schritt weiter, indem nicht nur IT-Infrastruktur durch einen externen Dienstleister bereitgestellt wird, sondern auch die Anwendungen selbst. In beiden Fällen greift eine Bank auf die bereitgestellten Dienste über das Internet zu. Dabei können verschiedene Dienstleister für unterschiedliche Aspekte beauftragt werden. Opinion Paper 10 Detecon International GmbH

11 Die Virtual Desktop Infrastructure überträgt diese Idee auf die Desktop-Welt: Das Betriebssystem und die Anwendungen werden nicht mehr lokal auf einem Arbeitsplatzrechner betrieben, sondern zentral in einem Rechenzentrum, mit dem die Arbeitsplatzrechner verbunden sind. Diese benötigen daher weniger eigene Ressourcen, so dass entweder leistungstechnisch schlicht ausgestattete Rechner Anwendung finden oder diese durch ThinClients 2 ersetzt werden. Aus diesen Technologietrends ergibt sich das nachfolgend dargestellte IT-Zielbild: Service Provider (IT-Services) Unternehmen 4 Computing Service Support Service Power Provider 8 extern (IT-Services) Service 4 Computing Provider Service Support Power 8 extern (IT-Services) 8 Administration Service Support extern 8 Standorte/Mitarbeiter 1 Client Computing Power 4 8 Service 3 SAN Support extern 2 Applikationen 3 SAN 2 Applikationen 3 SAN Applikationen 2 Interne IT 2 Computing Applikationen 3 SAN 4 Pow er Middleware Orchestrierung = Kommunikationsbeziehung = Administrationsbeziehung 1= Client, 2= Anwendungen, 3= Storage, 4= Server, 5= Konnektivität, 6= Schnittstellen, 7= Sicherheit, 8= System & Service Abbildung 8: IT-Zielbild Technologietrends Cloud Services, Software-as-a-Service und Virtual Desktop Infrastructure Die Auslagerung von Infrastruktur, Daten und Anwendungen an Dienstleister (Service Provider) erfordert zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen, da die Kommunikation zwischen einzelnen Systemen nicht mehr in einem geschützten, firmeninternen Netzwerk stattfindet, sondern über ungeschützte und offene Netze wie das Internet läuft. Zusätzlich zu den Sicherheitsmaßnahmen müssen weitere Schnittstellen definiert und implementiert werden, um die Kommunikation zwischen den verschiedenen Systemen zu ermöglichen. Für geschäftskritische und -sensible Daten und Anwendungen sowie aus regulatorischen Gründen kann weiterhin der Bedarf bestehen, zusätzlich unternehmensinterne Infrastrukturen und Anwendungen zu betreiben. Um das Zusammenspiel der einzelnen internen und externen Systeme über die unterschiedlichen Schnittstellen zu realisieren, muss eine Middleware bereitgestellt werden, welche die verschiedenen Infrastrukturen und Anwendungen sowie die Datenkommunikation orchestriert. Die Middleware gewährleistet die Verzahnung der verschiedenen Module miteinander. 2 Thin Clients stellen lediglich eine Benutzerschnittstelle bereit. Die Datenverarbeitung selbst erfolgt auf einem Server. Daher müssen Thin Clients weniger Hardwareleistung zur Verfügung stellen. Opinion Paper 11 Detecon International GmbH

12 Da die Arbeitsplatzrechner der Anwender ebenfalls über ein Netz an Infrastruktur und Anwendungen angebunden werden, sind auch hier besondere Schnittstellen und Sicherheitsmaßnahmen erforderlich. Die Verlagerung an externe Dienstleister verändert nicht nur die IT, sondern auch den Support von Seiten der Bank. Die Unterstützung für die ausgelagerten Aspekte der IT erfolgt entweder direkt durch die IT der Bank oder durch den Anbieter selbst. Auch die Administration kann hierbei entweder durch Mitarbeiter der IT-Organisation der Bank oder durch den jeweiligen Dienstleister erfolgen. Aus der Definition des IT-Zielbilds ergeben sich veränderte Anforderungen an die IT- Fähigkeiten der Bank. Welche IT-Fähigkeiten für die Umsetzung des IT-Zielbilds erforderlich sind und welcher Veränderungsdruck hierbei entsteht, stellt die folgende Grafik dar: Strategiemanagement Wertemanagement Architekturmanagement Transformationsmanagement Sourcing Business- IT-Alignment IT-Performance Architectual Principles Design IT-Portfoliomanagement Service Provider IT-Governance & Strategy Design IT-Procurement IT-Product Design Programm-/Projektmanagement IT-Service Development IT-Innovation IT-Quality Assurance IT-Application Design IT-M&A- IT-Application Development IT-Process Shaping IT-Finance IT-Infrastructure Design IT-Infrastructure Development Business Demand IT-Benefit Realization IT-Production IT-Partner IT-Security IT-Support IT-Resources IT-Cultural IT-Device IT-Marketing = gering = mittel = hoch = sehr hoch Abbildung 9: Anforderungen an IT-Fähigkeiten durch Technologietrends Cloud Services, Software-as-a- Service und Virtual Desktop Infrastructure Die vorherige Betrachtung hat die Aspekte der IT beleuchtet, die für die Bank selbst einen Effizienzgewinn realisieren. Der Bankkunde ist von einer Umsetzung des beschriebenen IT- Zielbilds nur indirekt betroffen beispielsweise, wenn Kostenersparnisse an ihn weitergegeben werden. Der Technologietrend Mobility/Mobile Applications hingegen betrifft den Kunden direkt, indem ihm durch mobile Anwendungen ein Mehrwert angeboten wird: Er wird dazu befähigt, seine Bankgeschäfte unabhängig von einem Rechner mit Hilfe seines Smartphones oder Tablets an jedem beliebigen Ort zu erledigen. Mobility/Mobile Applications ermöglicht somit eine stärkere Kundenbindung. Opinion Paper 12 Detecon International GmbH

13 Das entsprechende IT-Zielbild zu diesem Trend ist in der folgenden Grafik dargestellt: Unternehmen 8 Administration Service Support extern 8 Kunden 1 Client 1 Endgerät Interne IT 2 SAN Computing Applikationen 3 4 Power 7 2 Middleware 5 Mobile 6 7 = Kommunikationsbeziehung = Administrationsbeziehung 1= Client, 2= Anwendungen, 3= Storage, 4= Server, 5= Konnektivität, 6= Schnittstellen, 7= Sicherheit, 8= System & Service Abbildung 10: IT-Zielbild Technologietrend Mobility/Mobile Applications Die zentrale Infrastruktur einer Bank bleibt von diesem Trend weitgehend unberührt. Sie muss lediglich die Bereitstellung von Daten für die mobilen Anwendungen (oder mobile Webseiten) unterstützen. Besonderes Augenmerk gilt allerdings den Sicherheitsmaßnahmen, da Finanz- und Kundendaten über das Internet übertragen und Bankgeschäfte schließlich mobil über Smartphones abgewickelt werden. Deshalb muss sichergestellt sein, dass kein unberechtigter Zugriff auf die Daten erfolgen kann und die Kommunikation zwischen Banksystemen und Endgeräten der Kunden über sichere Verbindungen erfolgt. Für (mobile) Webseiten müssen darüber hinaus Vorkehrungen getroffen werden, die Phishing 3 unterbinden. Zusätzlich müssen Schnittstellen definiert werden, so dass ein Datenaustausch mit mobilen Endgeräten möglich ist. Der mobile Bankkunde erwartet einerseits eine ständige Verfügbarkeit von Anwendungen und andererseits einen Support, der ihn bei auftretenden Fragen hinsichtlich der mobilen Anwendungen unterstützt. Um Letzteres zu gewährleisten, müssen Support-Mitarbeiter ausgebildet und zur Verfügung gestellt werden. 3 Phishing bezeichnet den kriminellen Versuch, Daten eines Benutzers (Nutzername und Passwort) zu erlangen. Dies geschieht über gefälschte Internetadressen und -Seiten sowie über s und Kurznachrichten. Opinion Paper 13 Detecon International GmbH

14 Das definierte IT-Zielbild stellt veränderte Anforderungen an die IT-Fähigkeiten einer Bank dar. Die zur Umsetzung des IT-Zielbilds erforderlichen IT-Fähigkeiten und dem Veränderungsdruck, dem diese jeweils unterliegen, ist in der folgenden Grafik dargestellt: Strategiemanagement Wertemanagement Architekturmanagement Transformationsmanagement Sourcing Business- IT-Alignment IT-Performance Architectual Principles Design IT-Portfoliomanagement Service Provider IT-Governance & Strategy Design IT-Procurement IT-Product Design Programm-/Projektmanagement IT-Service Development IT-Innovation IT-Quality Assurance IT-Application Design IT-M&A- IT-Application Development IT-Process Shaping IT-Finance IT-Infrastructure Design IT-Infrastructure Development Business Demand IT-Benefit Realization IT-Production IT-Partner IT-Security IT-Support IT-Resources IT-Cultural IT-Device IT-Marketing = gering = mittel = hoch = sehr hoch Abbildung 11: Anforderungen an IT-Fähigkeiten durch Technologietrend Mobility/Mobile Applications Opinion Paper 14 Detecon International GmbH

15 5 Schlussbetrachtung Die Bankenbranche hat in den vergangenen Jahren erhebliche Veränderungen erlebt, die sowohl durch einen politischen und gesellschaftlichen Wandel nicht zuletzt ausgelöst durch die Finanz- und Wirtschaftskrise als auch durch tiefgreifende technologische Entwicklungen getrieben wurden. Die zentrale Herausforderung für Banken ist heute und in Zukunft, diese Trends zu identifizieren, aufzugreifen und gewinnbringend zu nutzen. Hierzu ist es unabdingbar, dass die IT der Banken diesen Prozess zielgerichtet unterstützt. Dies kann nur geschehen, wenn die Branchen- und Technologietrends sowie die Unternehmensziele verstanden werden und hiervon ausgehend ein zukunftsfähiges IT- Zielbild und die hierzu erforderlichen IT-Fähigkeiten abgeleitet werden. Hierbei ist eine konsequente Berücksichtigung der zur Verfügung stehenden Ressourcen, eine Analyse der Wirkung und Priorisierung einzelner Maßnahmen sowie die Verzahnung zu anderen Projekten erfolgskritisch. Die Umsetzung von Maßnahmen erfolgt gewöhnlich durch das Programm- und Projektmanagement. Für die zielgerichtete Unterstützung des Unternehmens durch die IT sind folgende Faktoren von zentraler Wichtigkeit: Klares Verständnis der IT für das Geschäftsmodell der Bank und eine stringente Fokussierung auf die Geschäftsstrategie Wissen über die aktuellen und zukünftigen Anforderungen, die sich aus dem Geschäft heraus ergeben Überblick über die Branchen- und Technologietrends Wahrnehmen der Rolle der IT als Enabler für neue Dienstleistungen und Produkte der Bank Zielgerichtete Ableitung der Maßnahmen zur Veränderung der IT-Bausteine und der IT- Fähigkeiten Mit Shape!T stellt Detecon ein strategisches Instrument zur Verfügung, welches diesen Faktoren Rechnung trägt. Unter Berücksichtigung von Branchentrends und Unternehmenszielen werden die Auswirkungen von Technologietrends auf die Wertschöpfungskette einer Bank identifiziert. Hiervon ausgehend werden das IT-Zielbild und die erforderlichen IT-Fähigkeiten definiert und in ihrem Zielzustand dargestellt. Aus dem Delta des Zielzustands und dem Status quo wird der konkrete Handlungsbedarf der IT abgeleitet. Programme und Projekte, die zur Schließung dieses Deltas aufgesetzt werden, zielen nun auf ein gemeinsames Ziel und sind konsequent und untereinander stringent auf die Unternehmensziele hin ausgerichtet. Opinion Paper 15 Detecon International GmbH

16 6 Der Autor Martin C. Müller: Martin C. Müller ist bei Detecon in der Competence Practice Information Technology in Bonn als Consultant tätig. Nach seinem Studium der Informatik an der Universität Karlsruhe (TH) sowie der Norwegian University of Science and Technology mit den Schwerpunkten Informationssysteme und Telematik sowie Unternehmensführung und Organisation kam er 2009 als Business Analyst zu Detecon. Als Mitglied der Gruppe ICT Strategy & Business Alignment verfügt er über ein fundiertes Wissen im Bereich der IT-Strategie und der Verzahnung von Geschäftsfeldern und IT. Er ist erreichbar unter: oder Opinion Paper 16 Detecon International GmbH

17 7 Das Unternehmen We make ICT strategies work Detecon ist ein Beratungsunternehmen, das klassische beratung mit einem hohen Technologieverständnis vereint. Unsere Unternehmensgeschichte beweist dies: Detecon International ging aus der Fusion der 1954 gegründeten - und IT-Beratung Diebold und der 1977 gegründeten Telekommunikationsberatung Detecon hervor. Unser Leistungsschwerpunkt besteht demnach in Beratungs- und Umsetzungslösungen, die sich aus dem Einsatz von Informationsund Kommunikationstechnologien, engl. Information and Communications Technology (ICT), ergeben. Weltweit profitieren Kunden aus nahezu allen Branchen von unserem ganzheitlichen Know-how in Fragen der Strategie und Organisationsgestaltung sowie beim Einsatz modernster Technologien. Das Know-how der Detecon bündelt das Wissen aus erfolgreich abgeschlossenen - und ICT-Beratungsprojekten in über 160 Ländern. Wir sind global durch Tochter- und Beteiligungsgesellschaften sowie Projektbüros vertreten. Detecon ist ein Tochterunternehmen der T-Systems International, der Geschäftskundenmarke der Deutschen Telekom. Als Berater profitieren wir daher von der weltumspannenden Infrastruktur eines Global Players. Know-how und Do-how Die rasante Entwicklung von Informations- und Telekommunikationstechnologien beeinflusst in immer stärkerem Maße sowohl die Strategien von Unternehmen als auch die Abläufe innerhalb einer Organisation. Die daraus folgenden komplexen Anpassungen betreffen dementsprechend nicht nur technologische Anwendungen, sondern auch Geschäftsmodelle und Unternehmensstrukturen. Unsere Dienstleistungen für das ICT- umfassen sowohl die klassische Strategie- und Organisationsberatung als auch die Planung und Umsetzung von hochkomplexen, technologischen ICT-Architekturen und -Anwendungen. Dabei agieren wir herstellerunabhängig und sind allein dem Erfolg des Kunden verpflichtet. Detecon International GmbH Oberkasselerstr Bonn Telefon: Internet: Opinion Paper 17 Detecon International GmbH

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