Impulse für Weiterbildung. Rede von. Elke Hannack

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1 Betriebliche Weiterbildung mitgestalten. Fachtagung der Transferstelle Weiter bilden am 16.Oktober 2014 in Berlin Impulse für Weiterbildung Rede von Elke Hannack

2 Sehr geehrte Damen und Herren, gerne will ich auf der heutigen Tagung einige Impulse für die Weiterbildung geben. Laut Duden ist ein Impuls Anregung und Antrieb. Und in der Physik wird der Impuls beschrieben als Produkt aus Kraft und Dauer eines Stoßes. Diese Definitionen passen sehr gut. Es bedarf schon einiger Kraftanstrengungen, um die Weiterbildung voranzubringen. Und es gab in den letzten Jahren vielfältige Impulse. So feiern wir in diesem Jahr ein Jubiläum. Vor zehn Jahren hat die unabhängige Expertenkommission Finanzierung Lebenslangen Lernens ihren Schlussbericht veröffentlicht und empfohlen, eine Gesamtarchitektur für das lebenslange Lernen zu entwickeln. Ein neues und besseres Weiterbildungssystem kann nur vom Staat, den Tarifvertragsparteien und den Betrieben gemeinsam gestaltet werden. Nötig sind eine innovative betriebliche Weiterbildung, mehr Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen sowie eine aktive staatliche Weiterbildungspolitik. Ermahnt wurden also alle. Die Beschäftigten, der Staat und die Unternehmen. Und ich erinnere daran, dass die Beteiligungsquoten an Weiterbildung zwar angestiegen sind. Es aber dennoch eine Beteiligungskluft zwischen verschiedenen Erwerbsgruppen gibt. Eine Gesamtsystemarchitektur des lebenslangen Lernens existiert nicht und es bestehen nach wie vor erhebliche Diskontinuitäten in der Beratung und Organisation sowie in der Finanzierung. Grundlegend für eine erfolgreiche Umsetzung der systematischen Weiterbildung ist es, die Interessen und Bedürfnisse aller Beteiligten einzubeziehen. Gebraucht wird ein neues Verständnis von Qualifizierung und Kompetenzentwicklung. Arbeitsorganisation, Weiterbildung und Personalentwicklung müssen aufeinander abgestimmt und weiterentwickelt werden. Wir wissen, dass insbesondere ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer seltener an Maßnahmen teilnehmen oder einbezogen werden. Und wir wissen, dass An- und Ungelernte häufig nicht berücksichtigt werden. Zugänglichkeit und Durchlässigkeit dürfen auch nicht an einfachen oder mangelnden formellen Bildungsabschlüssen scheitern.

3 Gerade bei diesen Beschäftigten gilt es, Lernwiderstände zu überwinden und sie für die Teilnahme an Weiterbildung zu motivieren sowie Führungskräfte zu überzeugen, dass Weiterbildung eine Investition in die Wettbewerbsfähigkeit und in den Erfolg des Unternehmens ist. Und für den Betriebsrat spielt dabei eine wichtige Rolle, in Qualifizierungsfragen mitzubestimmen und im Sinne der Beschäftigten deren Arbeitsplatz zu sichern. Betriebe müssen also heute fragen, was können unsere Beschäftigten? Welchen Bedarf haben wir und wie entdecken wir die unausgeschöpften Potenziale? Ich möchte dies an einem Betriebsbeispiel aus der Initiative weiter bilden erläutern. In dem Unternehmen werden elektronische Kleinstantriebe für die Automobiltechnik hergestellt. Im Unternehmen arbeiten rund Beschäftigte mit einem hohen Anteil an An- und Ungelernten. Und es galt, gerade diese Kolleginnen und Kollegen für Qualifizierungsmaßnahen zu gewinnen. Unter dem Motto Push Your Job wurde eine betriebliche Marketingstrategie entwickelt und mit einem Flyer geworben. Einige Fragen und Antworten will ich aufführen: Was kann ich erreichen? Wenn die Arbeit reibungsloser läuft, ist es leichter für Sie, Ihre Tagesziele zu erreichen. Das kann sich auch finanziell auszahlen. Und der Job macht einfach mehr Spaß. Schaffe ich das? Ja. Denn Ihre Weiterbildung wird genau auf Sie zugeschnitten. In einem Gespräch legen wir gemeinsam Ihre Lernziele fest. Ihr persönlicher Lernberater hilft Ihnen dann, dies Ziel Schritt für Schritt zu erreichen. Das heißt: Sie bestimmen selbst, wie viel und wie schnell Sielernen. Wann findet das Ganze statt? Die Zeiten, in denen Sie Ihre Weiterbildung machen, können individuell und in Absprache mit dem jeweiligen Vorgesetzten festgelegt werden z. B. vor oder nach der regu-

4 lären Schicht. Natürlich wird diese Zeit als Arbeitszeit berechnet und ganz normal bezahlt. Meine Damen und Herren, dies ist nur ein Beispiel. Für mich ist dabei entscheidend, dass im Unternehmen ein Weiterbildungsklima geschaffen wurde. Da haben Personalabteilung und Betriebsrat an einem Strang gezogen. Da haben die Beschäftigten an ihrem Arbeitsplatz auf sie zugeschnittene Lernangebote erhalten. Und da wurden Berater qualifiziert, die mit jeder einzelnen Arbeitnehmerin und jedem einzelnen Arbeitnehmer die Lernschritte gemeinsam besprochen haben. Was in der Metall verarbeitenden Industrie gelungen ist, wurde auch in vielen anderen Branchen verwirklicht. Nicht nur für angelernte Beschäftigte. Die Gewerkschaften haben gemeinsam mit den Arbeitgeberverbänden in den letzten Jahren eine Vielzahl von Qualifizierungstarifverträgen auf den Weg gebracht. Immer geht es darum, den Bedarf zu ermitteln, individuelle Beratungsgespräche durzuführen, um dann gemeinsam Maßnahmen einzuleiten. Ziel und Anspruch der Initiative weiter bilden war und ist es, hierauf aufzubauen. Vereinbarungen zu unterstützen, sie mit Leben zu füllen und neue Vereinbarungen abzuschließen, ist die Förderphilosophie der ESF-Richtlinie. Weiterbildung ist eben kein Selbstläufer und es bedarf immer wieder konkreter Unterstützung, um vorhandene Regelungen tatsächlich in den Betrieben umzusetzen. Nun stellt sich ja die Frage, ob sich dieser Aufwand denn eigentlich lohnt. Kommen die Mittel des ESF hier zum richtigen Einsatz? Meine Antwort wird niemanden verwundern. Natürlich lohnt es sich. Aber nur dann, wenn diese Investitionen auch nachhaltig wirken. Und da bin ich dann wieder beim Impuls, der ja bereits als Kraft und Ausdauer beschrieben wurde. Es geht also darum, Stellschrauben langfristig einzusetzen. Wir brauchen Ausdauertraining. Die Projekte, die im Betrieb kraftvoll starten, müssen auch nach der Förderphase wesentlicher Bestandteil der Unternehmenskultur sein.

5 Hier setze ich auf das Engagement der betrieblichen Akteure. Und wenn dann einmal die Kraft nachlässt, müssen die Sozialpartner sich aktiv einbringen. Das Ganze funktioniert natürlich auch umgekehrt. Meine sehr verehrten Damen und Herren, im Plenum sitzen ja auch zahlreiche Weiterbildungsträger. Auch bei Ihnen möchte ich mich bedanken. Wichtig ist für mich, dass Sie die Nachfrage aus den Betrieben unterstützen. Häufig hilft der Blick von außen, um wesentliche Gestaltungsfaktoren zu benennen. Ich freue mich darüber, die Initiative weiter bilden so erfolgreich war und auch hoffentlich bald - eine neue Richtlinie aufgelegt wird. An der einen oder anderen Stelle haben wir Gewerkschaften da noch Verbesserungswünsche. Wichtig ist aber, dass wir den Konsens herstellen. Lassen Sie mich zusammenfassen: In der aktuellen Koalitionsvereinbarung wird eine Allianz für Aus- und Weiterbildung gefordert. Wir Gewerkschaften unterstützen dies nachdrücklich. Wer die Weiterbildung in Deutschland voranbringen will, muss klare Strukturen schaffen, die für mehr Verbindlichkeit, Verlässlichkeit und Planungssicherheit für alle Beteiligten sorgen. Gebraucht werden Lernzeiten, sichere Finanzierung, mehr Beratung und Transparenz, bessere Qualitätssicherung und Zertifizierung. Hier gilt es als noch einige Bretter zu bohren. Aber wir beginnen nicht bei null. Eine Allianz für Weiterbildung existiert ja schon. BMAS, BDA und DGB haben sich gemeinsam auf dem Weg gemacht und gezeigt, eine gemeinsame Umsetzung ist möglich. Dies Programm ist erfolgreich, weil - es an vorhandene Aktivitäten der Sozialpartner anknüpft, - es gemeinsame Maßnahmen der Sozialpartner fördert und - branchenbezogene Strategien zur beruflichen Weiterbildung entwickelt werden.

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