Gemeinsames Strukturkonzept

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1 Hannelore Paulini-Schlottau Neue kaufmännische Ausbildungsberufe im Dienstleistungssektor Ab August 2001 kann erstmalig in den drei neuen Ausbildungsberufen Kaufmann/-frau im Gesundheitswesen, Sport- und Fitnesskaufmann/-frau sowie Veranstaltungskaufmann/-frau ausgebildet werden. Im Erarbeitungs- und Abstimmungsverfahren wurde eine Ausbildungsordnung für diese drei Ausbildungsberufe unter Federführung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) gemeinsam mit Sachverständigen der Spitzenorganisationen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern erarbeitet. Die neue Ausbildungsordnung wurde im Juni 2001 vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie im Einvernehmen mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung erlassen und dann im Bundesgesetzblatt veröffentlicht. Ausgangspunkt für die Neukonzeption und Neuordnung von Ausbildungsberufen sind generell aktuelle und zukünftig absehbare technische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Erfordernisse und deren Entwicklung (nach 25 BBiG). Grund für das Entstehen der drei neuen Ausbildungsberufe Kaufmann/-frau im Gesundheitswesen, Sport- und Fitnesskaufmann/-frau sowie Veranstaltungskaufmann/-frau waren die Professionalisierung in den kaufmännischen Tätigkeitsfeldern sowie der bisherige Mangel an kaufmännischen Ausbildungsberufen in den drei Dienstleistungsbereichen Gesundheitswesen, Sport- und Fitnesswirtschaft sowie Veranstaltungswirtschaft. Diese Bereiche zeichneten sich in den letzten Jahren durch eine dynamische Entwicklung aus, Aufgaben sind neu entstanden oder haben sich verändert. Für die vielfältigen und sehr unterschiedlichen Aufgabenfelder müssen Qualifikationen zur Verfügung gestellt werden, die den Anforderungen an den Arbeitsplätzen bei den sich stark verändernden Aufgaben gerecht werden. Es werden zur Erledigung der Aufgaben qualifizierte Mitarbeiter/ -innen benötigt, um auf dem Markt bestehen zu können. Mit der Schaffung der drei neuen Ausbildungsberufe wird eine Anpassung an die Anforderungen im Beschäftigungssystem durch die Erweiterung des Angebotes an Ausbildungsberufen vorgenommen. Ausbildung in den Dienstleistungsbereichen Abgeleitet aus dem Dienstleistungsaspekt entstand ein Strukturkonzept für die drei kaufmännischen Ausbildungsberufe in solchen Dienstleistungszweigen, die wachsen und sich verändern sowie die sich durch Innovationen auszeichnen und deren Betonung auf der Funktion der Dienstleistung liegt. Das war auch der Grund, weshalb diese drei Ausbildungsberufe bei der Neuordnung zusammen behandelt wurden. Entwicklung der Dienstleistungsbereiche Die Dienstleistungsbereiche Gesundheitswesen, Sport- und Fitnesswirtschaft sowie Veranstaltungswirtschaft sind geprägt durch innovative, dynamische Veränderungen und Umstrukturierungen. Die Entwicklung der einzelnen Bereiche gestaltet sich folgendermaßen: Das Gesundheitswesen bewegt sich im Spannungsfeld zwischen den Veränderungen in den Geschäftsprozessen, den steigenden Erfordernissen der Anspruchsberechtigten im System sozialer Sicherung sowie den Kostenerwägungen bei sinkenden öffentlichen Mitteln für die Versorgung mit Gesundheitsdienstleistungen. Es wird zunehmend wichtiger, bei der Entwicklung, Bereitstellung und Vermarktung von Gesundheitsdienstleistungen auch auf Umfang und Qualität sowie auf Anforderungen und Wünsche von Kunden bzw. Patienten einzuge-

2 hen, aber auch Wirtschaftlichkeit und Effizienz in den Einrichtungen und Unternehmen zu berücksichtigen. Die Aufgaben an den Arbeitsplätzen, in den Verwaltungen und Organisationseinheiten des Gesundheitswesens sind komplexer geworden und veränderte Anforderungen resultieren aus sozial- und gesundheitsrechtlichen Veränderungen bei der Leistungserbringung und abrechnung, dem gesundheitsspezifischen Rechnungswesen, der Einführung des Qualitätsmanagements nach dem Sozialgesetzbuch, dem Einsatz computergestützter Informations- und Kommunikationstechniken und -systeme, der Nutzung von medizinischen pflegerischen Dokumentationssystemen sowie der Anwendung medizinischer Fachterminologie für Dokumentations-, Buchführungs- und Abrechnungsaufgaben. Der Sport- und Fitnessbereich ist dadurch gekennzeichnet, dass sich in der Gesellschaft die Ansprüche an Sport und Fitness verändert haben: In allen Bevölkerungsgruppen ob jung oder alt verstärkte sich das Bedürfnis und der Wunsch, Sport aus den unterschiedlichen Gründen auszuüben und dabei die breite Palette der Sportangebote zu nutzen. Die Motivation hierzu sind besonders Spaß, Gesundheit und Fitness, aber auch Freude an der Bewegung und an der Gemeinschaft mit Menschen, die ähnliche Interessen haben. Die Nachfrage nach sportlichen Angeboten ist inhaltlich wesentlich differenzierter und anspruchsvoller geworden. Die Anforderungen an Anleitung und Betreuung der Sportsuchenden sind qualitativ gewachsen. Eine Vielzahl an Sportvereinen und zunehmend auch Fitnessstudios und andere kommerziell organisierte sportlichen Einrichtungen bieten ein vielfältiges sportliches Angebot für Gruppen oder für Einzelpersonen je nach Sportart an. Mit den dadurch ständig wachsenden Anforderungen im Sport haben sich die Strukturen der Aufgabenerledigung verändert. Angesichts der Notwendigkeit, effizienter zu agieren, werden auch die Handlungsabläufe professioneller gestaltet. Neue Beschäftigungsbereiche entstehen, und durch die notwendig wachsende Arbeitsteilung in den Vereinen (Sportstättenverwaltung, Sportmarketing, Organisation von Sportveranstaltungen, Mitgliederorganisation usw.) wird ein Bedarf für ausgebildetes Fachpersonal auf Sachbearbeiterebene deutlich. Dieses Fachpersonal soll die dort anfallenden Verwaltungs- und Organisationsaufgaben wahrnehmen und dadurch auf der organisatorischen und betriebswirtschaftlichen Ebene zu einem reibungslosen Sportbetrieb beitragen. Die Veranstaltungswirtschaft zeichnet sich aus durch hohe Zuwachsraten sowie durch Dynamik, Innovation Internationalität und neue Strukturen. Für die Erledigung der Aufgaben rund um die Planung, Organisation, Durchführung und Nachbereitung von Veranstaltungen verschiedener Ausprägung werden qualifizierte Fachleute für die kaufmännische Abwicklung von Veranstaltungen benötigt. Hier entwickelte sich ein Bereich, in dem fachkundiges Personal unter Beachtung ökonomischer, ökologischer sowie rechtlicher Grundlagen die Qualifikation erwirbt, eigene und fremde Veranstaltungsdienstleistungen zu konzipieren, zu koordinieren und sie zielgruppengerecht zu vermarkten. Gemeinsames Strukturkonzept Bei den drei Ausbildungsberufen Kaufmann im Gesundheitswesen / Kauffrau im Gesundheitswesen, Sport- und Fitnesskaufmann/ Sport- und Fitnesskauffrau sowie Veranstaltungskaufmann/ Veranstaltungskauffrau handelt es sich um drei Monoberufe, d.h. um Ausbildungsberufe ohne Spezialisierungen in Fachrichtungen oder Schwerpunkte, aber mit Gemeinsamkeiten. Die Gemeinsamkeiten bilden die Kernqualifikationen im kaufmännischen Bereich und für Dienstleistungstätigkeiten, die die Hälfte der Ausbildungszeit umfassen. Sie sind zu Beginn der Ausbildung sehr stark, nehmen aber im Verlauf der Ausbildung immer mehr ab. Die Kernqualifikationen als gemeinsame Inhalte für alle drei Ausbildungsberufe bestehen aus technischen, kaufmännischen und sozialen, markt- und kundenorientierten Kompetenzen, wie das Anwenden moderner Informations- und Kommunikationstechniken, die Vermittlung von Grundlagen des Marketing und Vertriebs sowie der kaufmännischen Steuerung und Kontrolle, der Leistungserstellung und Organisation, der Personalwirtschaft, der Kommunikation und Kooperation sowie Fragen zum Ausbildungsbetrieb. Zusammenfassend ist zu sagen, dass bei den gemeinsamen Qualifikationen die Besonderheit der Dienst-

3 leistungserstellung als Abgrenzung zum klassischen Produktionsbegriff eine Rolle spielen, weshalb Aspekte von Dienstleistungs-/ Kundenorientierung sowie Qualitätsmanagement in den zu vermittelnden Inhalten enthalten sind. Mit den Kernqualifikationen werden die kaufmännischen, dienstleistungsorientierten Qualifikationen exemplarisch für den jeweiligen Bereich vermittelt, so dass diese Qualifikationen obwohl gleich formuliert ihre berufsspezifische Ausprägung durch das jeweilige Einsatzfeld erhalten. Die folgende Übersicht zeigt das Strukturkonzept mit Kern- und Fachqualifikationen: Kaufmännische Dienstleistungsberufe Kaufmann/frau im Gesundheitswesen 1. Der Sport- und Fitnesskaufmann/frau Ausbildungsbetrieb 2. Geschäfts- und Leistungsprozess 3. Information, Kommunikation und Kooperation 4. Marketing und Verkauf 5. Kaufmännische Steuerung und Kontrolle 6. Personalwirtschaft Veranstaltungskaufmann/frau Erste Ergebnisse zu der Anzahl der Ausbildungsverhältnisse Obwohl die Ordnungsmittel der drei Ausbildungsberufe Kaufmann/ Kauffrau im Gesundheitswesen, Sport- und Fitnesskaufmann/ -frau sowie Veranstaltungskaufmann/ -frau erst kurz vor Beginn des Ausbildungsjahres (im Juni 2001) erlassen wurde und die Vorbereitungszeit für die Einführung der neuen Berufe sehr kurz war, wurden sie im unterschiedli-

4 chen Umfang von den Ausbildungsbetrieben angenommen. Mit 397 Ausbildungsverhältnissen ist der Ausbildungsberuf Sport- und Fitnesskaufmann/ -frau am stärksten vertreten, der Kaufmann/ -frau im Gesundheitswesen hat mit 177 Ausbildungsverträgen nur halb so viel wie der/ die Sport- und Fitnesskaufmann/ -frau. Der/ die Veranstaltungskaufmann/ -frau liegt von der Anzahl im Mittelfeld. Es wird erwartet, dass die Ausbildungsverträge im Jahr 2002 um ein Vielfaches zunehmen

5 Abgeschlossene Ausbildungsverträge 2001 in den neuen kaufmännischen Dienstleistungsberufen Bundesländer Kaufmann/-frau im Gesundheitswesen Sport- und Fitnesskaufmann/-frau Veranstaltungskaufmann/-frau Schleswig-Holstein 4 4 Hamburg Niedersachsen Bremen Nordrhein-Westfalen Hessen Rheinland-Pfalz Baden-Württemberg Bayern Saarland Berlin Brandenburg Mecklenburg- Vorpommern Sachsen Sachsen-Anhalt Thüringen Berufe insgesamt: Quelle: Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), Erhebung zum 30. September Weitere Informationen Weitere Informationen zu diesen drei kaufmännischen Dienstleistungsberufe sind als Materialien des BIBB mit dem Titel Die neuen kaufmännischen Dienstleistungsberufe im Juli 2001 herausgegeben worden. Sie können aber auch auf der Internet-Seite des BIBB unter unter Arbeitsmaterialien abgerufen werden.

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