Mein Auslandsjahr in Brasilien

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1 Mein Auslandsjahr in Brasilien (Bericht 1) Selma Pauline Jepsen D1810 Rotary Club Siegen Schloß -> D4760 Belo Horizonte-Oeste

2 Nun bin ich schon seit etwas mehr als 3 Monaten hier in Belo Horizonte, im Staat Minas Gerais im Südosten Brasiliens und ich kann nur sagen, dass ich überglücklich bin, mich für dieses Auslandsjahr entschieden zu haben. Bei dieser Gelegenheit möchte ich mich bei allen Beteiligten, die mir diese besondere Erfahrung ermöglicht haben, bedanken! In der historischen Nachbarstadt Ouro Preto

3 ANKUNFT UND FAMILIE Am 8. August ging für mich das große Abendteuer nach Brasilien los, 9302 km entfernt von Zuhause. Wir waren insgesamt 60 Austauschschüler, die gemeinsam vom Frankfurter Flughafen nach Sao Paulo geflogen sind, bis sich unsere Wege trennten. Von dort bin ich dann mit vier anderen weiter in die 7 Millionen Stadt Belo Horizonte. Voller Aufregung und Erwartungen liefen wir fünf durch die Schiebetür des Flughafens doch keine einzige Familie stand da um uns in die Arme zu schließen. Doch nach 20 Minuten kamen dann meine Gastmutter und Gastschwester um mich mit einem riesigen Plakat zu empfangen. Am Anfang war ich etwas geschockt von der Stadt, weil sie unglaublich groß ist und ich noch nie Favelas gesehen habe, von denen es hier leider sehr viele gibt. Ich wohne hier nah am Zentrum in einem kleinen Apartment mit meinen Gasteltern, einem Bruder(13), einer Schwester(19) und einem Hund. Meine andere Schwester hat nur noch zwei Wochen bei uns gewohnt, weil sie dann ihren Austausch in Taiwan begonnen hat. Und hier ist es üblich dass jede Familie eine Hausangestellte hat, die jeden Tag kommt und den Haushalt macht. Aber ich finde das Gefühl etwas komisch, dass jemand für mich arbeitet, vor allem weil sie sehr wenig verdienen.

4 Hier ein kleiner Teil der Stadt und unsere Wohnung ist zu sehen Mit meiner ersten Gastfamilie

5 SCHULE Ich besuche die eher kleine Schule Edna Roriz und bin im letzten Jahrgang in einer Klasse für ehemalige Austauschschüler. Das war am Anfang sehr gut für mich, weil alle fließend englisch sprechen. An meinem ersten Tag wollte jeder mit mir reden und ich wurde direkt auf Partys am Wochenende eingeladen. Der Unterricht hier in Brasilien ist sehr anders als in Deutschland, denn man muss sich nicht mündlich beteiligen und Bücher haben sie auch nicht. Und das Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern ist freundschaftlich, die Lehrer spricht man generell mit dem Vornamen an. Was ich sehr gut finde ist, dass jede brasilianische Schule Schuluniform hat, was viel angenehmer ist. Meine Uniform besteht nur aus einem T-Shirt mit einer beliebigen langen Hose. Andere Schulen haben einen Jogginganzug. Zweimal wöchentlich habe ich mit einem anderen Austauschschüler in meiner Schule aus Mexiko portugiesisch Nachhilfe. Der Unterricht endet hier für mich immer um 12 Uhr. Außerdem gehe ich einmal die Woche zu Cultura Inglesa mit einer Amerikanerin und wir geben Kindern aus der Favela Englischunterricht. Meine Klasse mit insgesamt nur 16 Schülern

6 SPRACHE Als ich angekommen bin konnte ich so gut wie gar nichts auf Portugiesisch sagen und habe den ganzen ersten Monat ausschließlich Englisch gesprochen und mit meiner Schwester deutsch, weil sie ein Jahr in der Schweiz war. Ich habe kein Wort verstanden am Anfang aber dann kam es nach und nach. Mir fällt das erlernen von sprachen leicht und jetzt kann ich schon fließend im Alltag sprechen. KULTUR Zu der brasilianischen Kultur gibt es viel zu sagen, da sie sehr verschieden und interessant ist. Ich habe noch nie so offene, glückliche und hilfsbereite Menschen wie hier gesehen. Zum Beispiel einmal, als ich gerade angekommen war und mit einer deutschen Freundin den Bus nehmen wollte und wir nicht wussten welchen, wollte uns jeder helfen. Alle haben sofort jemanden angerufen um zu fragen und dann hat uns jemand im Bus dahin gefahren. Aber ich muss leider auch sagen, dass Brasilien ein gefährliches Land ist und man immer sehr vorsichtig sein muss. Mir ist es passiert, dass ich von Männern aus der Favela überfallen worden bin und sie mir mein Handy abgenommen haben. Diese Zeit war nicht einfach, aber mit der Hilfe von Freunden und Familie habe ich sie gut überstanden. Das Essen hier schmeckt mir sehr gut, obwohl ich am Anfang dachte, dass ich das nicht ein Jahr lang essen könnte. Es gibt jeden Tag das gleiche, Reis mit Bohnen und Salat. Aber ich mag keine Bohnen. Aber es gibt noch vieles Anderes, das ich vorher gar nicht kannte wie zum Beispiel Brigadeiro (=Schokoladencreme), Farofa (=geröstetes Maniokmehl), Pao de Queijo (=kleine Brötchen mit Käse im Teig) und Acai (=Nachtisch aus einer Frucht ). Das Wetter hier könnte kaum besser sein, denn im Winter liegt die Mindesttemperatur bei 25 C und im Sommer wird es bis zu 40 C in Belo

7 Horizonte. Also das perfekte Wetter um viel im Pool zu sein. Aber in der Trockenzeit, also im Winter, gibt es leider viele Waldbrände. FREIZEIT Zum Glück habe ich hier sehr viel Zeit, da ich nichts für die Schule machen muss und so kann ich viel mehr unternehmen. Meistens treffe ich mich mit welchen der 25 Austauschschüler hier und wir gehen in den Tennisclub zum schwimmen und sonnen oder wir treffen und in der Stadt oder im Park und gehen in Cafés. Neben dem Fußball sind Partys für die Brasilianer sehr wichtig und deswegen gehe ich am Wochenende mit Freunden auf Churrascos also Barbecues oder verreise mit meiner Familie oder Freunden in umliegende Städte. Fast jeden Montagabend gehe ich zum Rotary Treffen in meinem Club mit noch zwei anderen Austauschschülern aus Mexiko und den USA. Waterrafting fahren im zweitgrößten Fluss Brasiliens (Rio Sao Francisco)

8 Mit meiner besten Freundin ein einem kleinen, der unzähligen Wasserfälle in Minas Gerais Das wars dann auch schon mit meinem ersten Bericht, ich hoffe ich habe nichts Wichtiges vergessen. Es gibt so viel zu sehen und zu erfahren in Brasilien, dass ich gar nicht alles aufschreiben kann. Und ich kann nicht beschreiben wie froh ich bin, diese Chance bekommen zu haben, denn das ist jetzt schon das beste Jahr meines Lebens!

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