Podiumsdiskussion Mobbing als gesellschaftliches und schulisches Phänomen Ursachen, Formen, Folgen, Lösungsansätze

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1 1 Podiumsdiskussion Mobbing von Bertram Noback Podiumsdiskussion Mobbing als gesellschaftliches und schulisches Phänomen Ursachen, Formen, Folgen, Lösungsansätze Donnerstag Uhr, Theaterraum des Hölderlin-Gymnasiums 1. Die Teilnehmer (von links nach rechts) Günther Bubenitschek (Erster Kriminalhauptkommissar, Kriminalprävention) Mobbing als besondere Form der Gewalt Ebene: Folgen Regine Schumacher (M.A. Erziehungswissenschaft / Ethnologie) LUCA Ansätze: Prävention, Klassenklima, Konflikte Ebene: Prävention, schulische Lösungsansätze Bertram Noback (Moderator und Lehrer am Hölderlin-Gymnasium Heidelberg) Susanne Halfar (Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin) analytische Kindertherapeutin betroffene Akteure kommen zu ihr vermehrt auch Täter Ebene: Folgen, Individuallösungen Stefan Lindenau (M.A. Pädagogik, Kriminologie, Kinder- und Jugendpsychiatrie) Fairmann Ansatz: Anti-Gewalt-Training / soziale Kompetenzentwicklung Ebene: Folgen, Lösungsansätze (Jungen) Meinolf Hartmann (Psychotherapeut und Anti-Gewalt-Trainer) Fairmann selbstständiger Jugenpädagoge (z.b. Sucht, Gewalt, Essstörungen) Klasse 2-9 Kernansatz: Beziehungen aufbauen, Probleme verdeutlichen Ebene: Folgen, Lösungsansätze (Jungen)

2 2 Podiumsdiskussion Mobbing von Bertram Noback 2. Ursachen des Phänomens Mobbing (zentrale Erkenntnisse aus der Diskussion) zunehmender Druck in Familie, Schule und Gesellschaft typische Konflikte und gruppendynamische Prozesse der Adoleszenz Zwangsgruppen und Schulstruktur veränderter Medienkonsum (z.b. Cybermobbing) unreflektiertes Ausleben von Aggressionen individuell abweichendes Verhalten (z.b. Neurosen, Überempfindlichkeit) narzisstisches und individualistisches Zeitalter (Egomanentum statt soziales Miteinander) Formen von Mobbing in der Schule Merkmale von Mobbing dauerhaft keine Einzelaktion Gruppenstruktur (Akteure: Täter, Opfer, Mitmacher, Zuschauer, Wegschauer, Helfer) Machtungleichgewicht Zwangsgemeinschaft (z.b. Schule, Arbeitsplatz) Perspektivlosigkeit gezielt keine Fluchtmöglichkeit meist subtil Dimensionen Extremform: offene physische und psychische Gewalt Normalfall: subtilere Formen / daher auch schwerer zu erkennen und zu beheben (Devise: Je älter und gebildeter die Personen, desto subtiler das Mobbing!) Unterschied: gemobbt werden und sich gemobbt fühlen Mobbing in der Schule dissen Spitznamen Kommentierung von Schülerbeiträgen schubsen Sachen wegnehmen ignorieren alleine stehen lassen nachäffen Typisierung Mof (Mensch ohne Freund) KERN: 1. Wiederholende Muster 2. Für jeden Einzelnen gibt es unterschiedliche Grenzen

3 3 Podiumsdiskussion Mobbing von Bertram Noback Woran erkennt man als Lehrer Mobbing? Probleme: Dadurch, dass Mobbing auch in der Schule meist sehr subtil abläuft und dass er meist an Orten (z.b. Schulhof, kleine Pause, Schulweg) stattfindet, an denen der Lehrer nicht anwesend ist, ist das Problem nur sehr schwer zu erkennen. Außerdem muss man als Lehrer auch aufpassen, dass man nicht zu viel in eine Situation hineininterpretiert (Unterschied zwischen Konflikten und systematischem Mobbing) und dadurch einen eventuell kleinen Konflikt mit verschärft. Zusätzlich erschweren organisatorische Rahmenbedingungen (z.b. Zeitrahmen, beziehungsfeindliche Strukturen, Leistungsdruck, volle Bildungspläne, Arbeitsbelastung, große Klassen) und das Machtungleichgewicht zwischen Lehrern und Schülern in einer hierarchischen Institution einen angemessenen Umgang. Mögliche Symptome die Beiträge eines einzelnen Schülers werden immer wieder kommentiert ein Schüler wird immer als letzter gewählt ein Schüler sitzt abseits und ist auch in den großen Pausen meist alleine Leistungsabfall, häufiges Fehlen, plötzliche Bauchschmerzen und Kopfweh Schüler sucht in der kleinen Pause immer wieder die Nähe zum Lehrer. Woran erkennt man als Eltern Mobbing? Leistungsabfall Schulangst häufiges Fehlen, Bauchweh,Kopfschmerzen 4. Folgen Für die Opfer Leistungsabfall in der Schule psychische Folgen negative Beeinträchtigung der Bildungskarriere (bis ins Studium) [siehe hierzu: Psychosoziale Beratungsstelle für Studierende, PBS 1 ) negative Beeinträchtigung der Persönlichkeitsentwicklung (z.b. schlechtes Selbstwertgefühl, fehlendes Selbstbewusstsein, Angst, konfliktscheues Verhalten, introvertiertes Auftreten, psychische Unsicherheiten und Neurosen...) Familiäre Probleme Erlernen von unsozialem, abweichendem Verhalten (Täter, Mitläufer, Zuschauer) Gewalt als Mittel der Kommunikation und Konfliktlösungsstrategie Wegschauen, Gleichgültigkeit als normales Verhalten fehlende Empathiefähigkeit unsoziales Verhalten am Arbeitsplatz Ausgrenzung von Minderheiten oder Menschen, die irgendwie anders sind Extrem: Förderung krimineller Energien (künftige Straftäter) 1

4 4 Podiumsdiskussion Mobbing von Bertram Noback 5. Lösungsansätze Schule Problembewusstsein entwickeln gemeinsame Lösungen suchen (Einigkeit statt Einzelkämpfertum) menschenfreundliche Schulkultur fördern (konstruktives Schulklima, gutes Miteinander von oben nach unten, freundliche Lernen) keine Stigmatisierung ( TÄTER OPFER ), sondern Verflüssigung der Konfliktlinien Aufklärung (Programme, Veranstaltungen...) Soziales Lernen im Schulcurriculum Lehrer als Vorbild (Schüler brauchen die Erwachsenen als Bezugspunkt) Beziehungslernen fördern Theaterpädagogische Programme (freie, offene Lernatmosphäre) Landschulheimfahrten (= raus aus dem hierarchischen Beziehungsmuster Schule) Sicherheits- und Ruheräume schaffen Mediatoren enger Austausch zwischen Klassenlehrerteams, Verbindungslehrer, Präventionsbeauftragtem und Beratungslehrer sensibles Schulleitungsteam, das besonnen und konsequent agiert Elternhaus Kommunikation und Beziehung aufbauen Hinschauen konstruktiver (nicht angreifend-aggressiver) Kontakt zur Schule Druck von den Kindern nehmen (schlechte Noten sind kein Beinbruch) Zeit nehmen nicht überempfindlich reagieren, nicht zu sehr einmischen Kontakt zu außerschulischen Einrichtungen Außerschulische Einrichtungen, Initiativen LUCA Heidelberg 2 Fairmann Heidelberg 3 Sicherheid Heidelberg 4 AGJ Freiburg: Konfliktkultur als Ansatz 5 Aktion Jugendschutz 6 anonyme Anfragen an die Jugendstelle der Polizei 7 Kinder- und Jugendpsychologen

5 5 Podiumsdiskussion Mobbing von Bertram Noback 6. Wünsche der Referenten an die Schule und die Eltern Susanne Halfar Regine Schumacher Schulseite Klima der Offenheit schaffen Klassenklima fördern Vielfalt fördern (z.b. Inklusion) Kleinere Klassen, um dadurch mehr Gemeinschaft zu ermöglichen Günther Bubenitschek Kommunikation als Thema Soziale Kompetenzen fördern Stefan Lindenau Meinolf Hartmann Verständnis für die Eltern Austausch mit den Eltern Gute Schulkultur (das Kollegium reproduziert seine eigene Binnenstruktur) Beziehungen fördern Selbstreflexion (z.b. eigener Umgang mit Konflikten) Elternseite Vermitteln, dass es eine Vielfalt gibt / Geliebtwerden gehört zu den Grundbedürfnissen Besonnenheit Austausch mit anderen Eltern, der Schule Gemeinsam an dem Problem arbeiten statt gegenseitige Schuldzuweisung In Kontakt zur Schule und zum Kind bleiben Verständnis für die Schule Austausch mit der Schule Konstruktiver Umgang mit der Schule Selbstreflexion (Wie gehe ich selbst mit Konflikte um?) Perspektive der Schulleitung (Frau Beust) Stärkung der Persönlichkeit Leitbild fördern Vermehrter innerschulischer und außerschulischer Austausch

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