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1 FARR wirtschaftsprüfung WP - NEWSLETTER Nr. 25 vom 01. Oktober 2010 Themenübersicht (auf können Sie die Punkte direkt anklicken) 1. Vorwort und das Vater unser für Wirtschaftsprüfer 2. Änderung des Umwandlungsrechts (Anpassung an EU-Recht) und Auswirkungen auf den WP 3. Muss man eine eigenständige BilMoG-Eröffnungsbilanz erstellen? 4. BilMoG: Rückstellungen für die Aufbewahrung von Geschäftsunterlagen - Unterschiede zwischen Handels- und Steuerbilanz (Ermittlungsmethode, Abzinsung, etc.) 5. WPK: Neues zur Berufsaufsicht, Qualitätskontrolle und Berufspolitik (WP-Netzwerk etc.) 6. WPK: Kann man die Konzernmutter prüfen, wenn man den Jahresabschluss der Tochter erstellt hat ( 317 HGB n.f.)? 7. WPK: Zu den Grundsätzen für die Erstellung von JA (IDW S 7 versus Verlautbarung der BStBK); Richtigstellung zum Newsletter Nr WPK: Zur Wiederholung nochmals zwei oft gestellte Fragen: - Darf man als Abschlussprüfer auch die Lohn- und Gehaltsabrechnung für Mandanten durchführen? - Darf man als WP / vbp einen Rundstempel verwenden? 9. IDW: Neue Stellungnahmen zu Drohverlustrückstellungen (IDW RS HFA 4), zu Herstellungskosten (IDW RS HFA 31) und zur Bewertung immaterieller Vermögenswerte (IDW S 5) verabschiedet! 10. IDW: Pflichten des Abschlussprüfers des Tochterunternehmens und des Konzernabschlussprüfers ( 264 Abs. 3 HGB; IDW PH ; Stand: ) 11. IDW: Ab wann läuft die Frist der 60-Tage-Regel bei den Arbeitspapieren? 12. DRS 18 zur Bilanzierung latenter Steuern verabschiedet ( Konkurrenz zu IDW ERS HFA 27!?) 13. Mit der neuen Steueridentifikationsnummer (ID) kann der Fiskus Steuersünder leichter aufspüren 14. Private Steuerberatungskosten sind laut BFH nicht abzugsfähig! Was nun? 15. Notebook oder USB-Stick mit Mandantendaten weg! Was tun? - Hinweise zur neuen Meldepflicht von Datenpannen 16. Auch die WP s geben sich zu wenig Mühe mit ihren Passwörtern - 6 goldene Regeln zum sicheren Passwort 17. Was gibt es Neues beim FARR NIEMANN QSS? - Die Einarbeitung des BilMoG und das neue Modul Jahresabschlusserstellung nach IDW S 7 sind da! 18. Drei neue FARR -Prüferchecklisten im IDW Verlag (Anhang der GmbH; Erstellungsbericht; Rückstellungen) 19. Peer Review-Fortbildung jetzt im Oktober / November 2010 (jährliches update mit 8 Unterrichtseinheiten) 20. FARR-Fortbildung 2010 / 2011 in Kooperation mit der IDW Akademie GmbH (die erfolgreiche Serie WP aktuell 2/2010 läuft ab wieder in 19 Städten) und andere Fortbildungsangebote Anlage 1: Anlage 2: FARR-Fortbildungsveranstaltungen 2010 / 2011 (Gesamtüberblick) Formular zur Seminaranmeldung Impressum Seite 1 von 41

2 1. Vorwort und das Vater unser für Wirtschaftsprüfer Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrte Berufskolleginnen und -kollegen, heute übersenden wir Ihnen unseren aktuellen WP-Newsletter Nr. 25. Wir hoffen, dass wir auch mit diesem Newsletter wieder einige wichtige Informationen und Anregungen für Ihre berufliche Arbeit zusammengestellt haben. Wir sind mehrfach gefragt worden, ob es für unseren WP-Newsletter einen Suchbefehl gibt? Ja, Sie müssen auf der FARR-Homepage oben links nur ihren Suchbegriff eingeben und dann werden alle bisherigen WP-Newsletter durchsucht. Es erscheint evtl. eine Trefferliste, auf der Sie dann das gewünschte Dokument anklicken können. Hier sind - wie gewohnt - wieder ein paar Witze zum Weitererzählen: Putin und Merkel auf einer Dinner Party Merkel geht zu Putin und sagt ihm: Es gibt viele Arten, Geld zu verdienen, aber nur eine ehrliche! Darauf Putin: Und die wäre? Merkel: Wusst ich's doch, dass Sie die nicht kennen! Sex uff schwäbisch Ein Paar aus Stuttgart sitze beim Therapeuten. Der Therapeut fragt: Was kann ich für Sie tun? Der Mann antwortet: Würden Sie uns bitte beim Sex zuschauen...? Der Therapeut ist erstaunt über dieses Anliegen, stimmt aber zu. Als das Paar fertig ist, sagt der Therapeut. Es tut mir leid, aber ich finde nichts außergewöhnliches an Ihrer Art Sex zu haben und verlangt 80 Euro für die Sitzung. Im folgenden Quartal wiederholt sich das Ganze. Zweimal in der Woche kommt das Paar, hat Sex, bezahlt die 80 Euro und geht wieder... Nach einigen Wochen fragt der Therapeut: Entschuldigen Sie, aber was genau versuchen Sie eigentlich herauszufinden? Sagt der Mann: Nix... Aber sie isch verheiratet, zu ihr könnet mer net, i bin au verheiratet, zu mir könnet mer also au net...! Das Holiday Inn verlangt 150 Euro für s Zimmer, das Graf Zeppelin 360 Euro. Wenn mir zu Ihne kommet, dann henn mir: a) a sau gut s Alibi... b) 's koschtet uns nur 80 Euro... und c) die Krankenkass erstattet uns 67,50 Euro zurück. Seite 2 von 41

3 Der Große Schwabe Im Himmel ist ein Treffen mit Vertretern aller Bundesländer. Es werden die Akzente verteilt. Der Bayer bekommt Bayerisch, der Hesse bekommt Hessisch, der Pfälzer bekommt Pfälzisch usw. Als alle Akzente verteilt sind, da meldet sich der Schwabe und fragt: Und welchen Akzent bekomme ich? Da antwortet Gott: Jetzt habe ich gerade alle Akzente vergeben. Ha da schwätz halt soo wie Ihh. Das Vater unser für Wirtschaftsprüfer [Von einem netten Berufskollegen, Herrn WP W. aus dem Frankenland (Vielen Dank!)] Qualität unser, die du bist im Sicherungs-Himmel. Geheiligt werde Deine Kontrollprüfung. Dein Inspektionsverfahren komme. Dein BMWi-APAK-Wille geschehe. Wie im 319 a Börsen-Himmel. So auch mit Vorgaben auf 319-er-Erden. Unser tägliches Prüfungsmandat gib uns heute. Und vergib uns unsere Mängel, wie auch wir vergeben unseren Inspektoren. Und führe uns nicht in Dumping-Versuchung, sondern erlöse uns von dem Qualitätskontroll-Gesamturteil. Denn Dein ist das Inspektionsverfahren und die APAK Kraft und die BMWi-Herrlichkeit der öffentlichen Aufsichtsstelle In WPK-Inspektoren-Ewigkeit, Amen. Falls Sie einen der vorhergehenden WP-Newsletter nicht erhalten haben, können Sie sich diesen in dem Newsletter-Archiv auf unserer Homepage herunterladen. Möchten Sie selbst unsere WP-Newsletter archivieren, dann legen Sie einfach in Ihrem MS-Outlook oder auf Ihrer Festplatte einen neuen Ordner FARR WP-Newsletter an (oder als spezielle -Adresse, z. B.: Zu unseren Kontaktdaten verweisen wir auf das Impressum am Ende des WP- Newsletters. Herzliche Grüße aus Berlin von WP / StB Dr. Wolf-Michael Farr Seite 3 von 41

4 2. Änderung des Umwandlungsrechts (Anpassung an EU-Recht) und Auswirkungen auf den WP Quellen: BMJ Newsletter vom (www.bmj.bund.de); WPK Magazin 3/2010, S. 41; WPg 17/2010, S Das Bundeskabinett hat am die Änderung des Umwandlungsgesetzes beschlossen. Die Bundesjustizministerin hat dazu Folgendes erklärt: Die heute beschlossene Änderung des Umwandlungsgesetzes sieht wesentliche Vereinfachungen bei der Verschmelzung und Spaltung von Unternehmen vor. Dadurch werden die Kosten von Umwandlungsmaßnahmen deutlich reduziert. Insbesondere bei der Umstrukturierung von Aktiengesellschaften werden sich die Änderungen auswirken. Die Neuregelung führt zu einer spürbaren Entlastung der Unternehmen und wahrt zugleich den Schutz der Anteilseigner und Gläubiger. Zum Hintergrund: - Das Änderungsgesetz dient in erster Linie der Umsetzung einer Richtlinie, die der EU-Ministerrat im Juli vergangenen Jahres beschlossen hatte und die am 22. Oktober 2009 in Kraft getreten ist. Das deutsche Umwandlungsrecht beruht zum Teil auf Vorgaben des Gemeinschaftsrechts und muss daher bis zum 30. Juni 2011 angepasst werden. - Der Gesetzentwurf sieht insbesondere eine weitere Vereinfachung der Vorbereitung der Hauptversammlung vor, die über die Umwandlungsmaßnahme beschließen soll. Dies umfasst die Bereitstellung von Unterlagen zur Unterrichtung der Aktionäre auf elektronischem Wege und die Möglichkeit, auf eine gesonderte Zwischenbilanz zu verzichten. - Bei der Verschmelzung einer 100%igen Tochtergesellschaft auf die Muttergesellschaft kann in weitergehendem Maße als bislang auf einen Hauptversammlungsbeschluss verzichtet werden. - Im Zusammenhang mit der Verschmelzung einer 90%igen Tochtergesellschaft auf die Muttergesellschaft ist eine Modifizierung des sog. "Squeeze-out" (Ausschluss von Minderheitsaktionären) vorgesehen. Außerhalb dieser Konstellation bleibt das System des Ausschlusses von Minderheitsaktionären unverändert. - Unabhängig von der Umsetzung von EU-Recht soll zusätzlich klargestellt werden, dass bei der Verschmelzung einer GmbH die Aktualisierung der Gesellschafterliste in den Händen des Notars liegt und keine zusätzliche Pflicht der GF besteht. Änderungen, die den Berufsstand betreffen: Im WPK Magazin 3/2010, S. 41 werden folgende drei Änderungen aufgezeigt: - Wenn neben einer Verschmelzungsprüfung auch eine Prüfung einer Sacheinlage stattzufinden hat, dann kann jetzt zum Prüfer der Sacheinlagen auch der Verschmelzungsprüfer bestellt werden. - Bei einer Verschmelzung durch Neugründung kann jetzt zum Gründungsprüfer auch der Verschmelzungsprüfer bestellt werden. - Bei einer verhältniswahrenden Spaltung einer AG ist kein Spaltungsbericht und keine Prüfung mehr erforderlich. Seite 4 von 41

5 3. Muss man eine eigenständige BilMoG-Eröffnungsbilanz erstellen? Quellen: Zwirner, Notwendigkeit eine eigenständigen BilMoG-Eröffnungsbilanz, DB 34/2010, S ff.; Begr. zum RegE des BilMoG zu Art. 67 EGHGB; IDW RS HFA 28, Tz. 42. Derzeit hört man immer wieder die Frage, ob man bei der Umstellung auf das Bil- MoG eine gesonderte Eröffnungsbilanz erstellen muss. Rechtlich besteht dazu keine Pflicht, denn weder das neue HGB noch das EGHGB sehen eine gesonderte Eröffnungsbilanz vor. Im IDW RS HFA 28 (Tz. 42) zu den Übergangsregelungen wird bezüglich des Übergangs bei den Pensionsrückstellungen Folgendes empfohlen: Der erforderliche Zuführungsbetrag ist der Differenzbetrag zwischen dem (grundsätzlich) zurückzustellenden Betrag nach dem alten und nach dem neuen Recht. Er ist insgesamt, d. h. auf den gesamten Posten bezogen (Gesamtbetrachtung), und nur einmal auf den Zeitpunkt der erstmaligen Anwendung der neuen Vorschriften zu berechnen und anschließend anzusammeln. Die Ermittlung des Zuführungsbetrags erfolgt zweckmäßigerweise auf den Beginn des ersten nach dem beginnenden Geschäftsjahres (im Regelfall demnach zum ). Anderenfalls, d.h. im Falle einer Ermittlung erst auf den Abschlussstichtag des Jahres der Erstanwendung des HGB i.d.f. des BilMoG (im Regelfall zum ), wäre vom so ermittelten Differenzbetrag der Betrag abzuziehen, der regulär der Pensionsrückstellung für das betreffende Jahr zuzuführen ist. Die Begr. zum RegE (s. o.) lässt allerdings auch eine Ermittlung des Unterschiedsbetrags im ersten JA nach BilMoG (i.d.r. zum ) zu. Fazit: Nicht rechtlich, aber faktisch besteht ein Zwang zur Erstellung einer eigenständigen BilMoG-Eröffnungsbilanz, besser einer BilMoG-Umstellungsbilanz. Zwirner leitet dies in seinem aktuellen Aufsatz (s. o.) wie folgt ab: Ein Blick auf die gesamten Änderungen der Rechnungslegung durch das BilMoG und die damit verbundenen Übergangsregelungen des EGHGB verdeutlicht, dass die Umstellung auf die neue Rechnungslegung gesondert abzubilden respektive vorzunehmen ist. Zwirner spricht von einer Vielfalt der Notwendigkeit einer eigenständigen BilMoG- Eröffnungsbilanz. Er leitet die Notwendigkeit aus folgenden sechs Punkten ab: (1) Rechnungslegung: Die div. Umstellungsentscheidungen (z. B. Ausnutzen der Fortführungs- und Beibehaltungswahlrechte) müssen in einer gesonderten Dokumentation festgehalten werden (z. B. welche Posten zum nach altem Recht beibehalten und welche aufgelöst werden). (2) Bilanzpolitik: Die Übergangsregelungen erlauben zahlreiche Gestaltungen. Erst wenn der Bilanzierende die Umstellungseffekte zum kennt, kann er eine für ihn zielführende Ausübung der einzelnen Umstellungswahlrechte vornehmen. Seite 5 von 41

6 (3) Vertragsgestaltungen: An die externe Rechnungslegung knüpfen häufig Vertragsgestaltungen an (z. B. interne Verträge, wie Vergütungsvereinbarungen; externe Verträge wie Kreditklauseln). Für solche Verträge ist es empfehlenswert, den Bil- MoG-Umstellungseffekt (z. B. der Kennzahlen) gesondert zu dokumentieren. (4) Controlling und Reporting: Für eine sachgerechte Unternehmenssteuerung ist es unvermeidbar, die lfd. Geschäftsvorfälle von den einmaligen Umstellungseffekten zu trennen. Um die Effekte der BilMoG-Umstellung zutreffend abzubilden, hat eine nachvollziehbare und isolierte Ableitung dieser Effekte in einer eigenständigen Umstellungsrechnung zu erfolgen. (5) EDV / IT / Organisation / Systeme: Wie die lfd. Geschäftsvorfälle sind auch die BilMoG-Umstellungsbuchungen in der Buchführung und damit in der EDV zu erfassen (z. B. unmittelbare Buchungen im Eigenkapital: Saldierung der eigenen Anteile; Gewinnrücklagen). Die BilMoG-Umstellung sollte in einem separaten Buchungslauf vorgenommen werden, der es erlaubt, eine eigenständige Bilanz, GuV und einen Eigenkapitalspiegel zu generieren. (6) Abschlussprüfer: Mit der Umstellung auf das BilMoG wird der Bilanzzusammenhang auseinander gerissen. Die BilMoG-Eröffnungsbilanzwerte sind gesondert zu ermitteln, denn sie stellen für das GJ 2010 die relevanten Eröffnungswerte dar. Nur eine zeitnahe Prüfung der Umstellung durch den Abschlussprüfer kann sicherstellen, dass die zum erstellte Bilanz auf zulässigen und bilanzrechtlich vertretbaren Startwerten aufsetzt. Der Prüfung der BilMoG-Eröffnungsbilanz muss eine angemessene zeitliche und personelle Kapazität und Priorität eingeräumt werden. Wegen Einzelheiten hierzu verweisen wir auf das Seminar WP aktuell 2/2010 ( siehe unten TOP 20). Seite 6 von 41

7 4. BilMoG: Rückstellungen für die Aufbewahrung von Geschäftsunterlagen - Unterschiede zwischen Handels- und Steuerbilanz (Ermittlungsmethode, Abzinsung, etc.) Quellen: Überarbeiteter IDW RH HFA (Stand: ), FN-IDW 8/2010, S. 354 f.; WPg 17/2010, S Vgl. bereits die FARR-WP-Newsletter Nr. 4 vom und Nr. 7 vom ; BFH-Urteil vom (BStBl. II 2003, S. 131 = DB 2002, S. 2653); OFD Magdeburg, Verfügung vom S St 211, DB 46/2006, S. 2491; Krüger / Schult / Vedder, Digitale Betriebsprüfung, Berlin 2010, S. 167 ff. a) Handelsbilanz (lt. IDW RH HFA n.f., Stand: ) Der IDW RH HFA (Stand: ) wurde anlässlich des BilMoG vom HFA überarbeitet (Stand: ). Gegenstand des RH sind Ansatz und Bewertung von Rückstellungen für ungewisse Verbindlichkeiten nach 249 Abs. 1 Satz 1 HGB aufgrund von Pflichten zur Aufbewahrung von Geschäftsunterlagen sowie für die Aufstellung, Prüfung und Offenlegung von Abschlüssen und Lageberichten. aa) Bilanzansatz Für zukünftige Aufwendungen aus der Erfüllung gesetzlicher oder vertraglicher Aufbewahrungspflichten für Geschäftsunterlagen ist (=Pflicht) eine Rückstellung nach 249 Abs. 1 Satz 1 HGB zu bilden (öffentlich-rechtliche Verpflichtungen, die wirtschaftlich in der Zeit vor dem Abschlussstichtag verursacht wurden). Werden Geschäftsunterlagen länger aufbewahrt als der Bilanzierende hierzu gesetzlich oder vertraglich verpflichtet ist, dürfen die korrespondierenden zukünftigen Aufwendungen für die Aufbewahrung insoweit nicht als Rückstellung passiviert werden (wegen des Wegfalls von 249 Abs. 2 HGB a.f.). bb) Bewertung Die Bewertung der Rückstellungen für die Aufbewahrung von Geschäftsunterlagen hat nach 253 Abs. 1 Satz 2 HGB n.f. in Höhe des nach vernünftiger kaufmännischer Beurteilung notwendigen Erfüllungsbetrags, d. h. unter Berücksichtigung der voraussichtlich im Erfüllungszeitpunkt geltenden Kostenverhältnisse, zu erfolgen. Dazu gehören auch die voraussichtlich anfallenden internen Aufwendungen, nämlich insbesondere: - einmaliger Aufwand für die Archivierung der Unterlagen, - die auf die Archivierung entfallenden Raum- und Personalkosten, - Abschreibungen auf für die Archivierung genutzte Gegenstände des AV. [NEU] Abzinsung: Nach 253 Abs. 2 Satz 1 HGB sind Rückstellungen mit einer RLZ von mehr als einem Jahr mit dem ihrer RLZ entsprechenden durchschn. Marktzinssatz der vergangenen 7 Geschäftsjahre abzuzinsen. Bei einer Rückstellung für die Aufbewahrung von Geschäftsunterlagen ergibt sich eine Abzinsungspflicht für die Ausgaben, die nach Ablauf des dem Abschlussstichtag folgenden Geschäftsjahres anfallen. Der jeweilige Zinssatz wird von der Bundesbank auf deren Webseite bekannt gemacht. Seite 7 von 41

8 Frage: Ist hier wirklich jede der 10 Jahresscheiben ( 10 Jahre Aufbewahrungspflicht) mit dem jeweiligen Zinssatz des Jahres 10, 9, 8, 7 usw. abzuzinsen? b) Steuerbilanz (lt. Verfügung der OFD Magdeburg) aa) Rückstellung dem Grund nach Rückstellungspflicht (vgl. BFH-Urteil vom , siehe oben) Aufbewahrungsfrist 10 Jahre (z. B. JA, Belege) bzw. 6 Jahre (z. B. Handels- und Geschäftsbriefe) Bei freiw. längerer Aufbewahrung kommt eine Rückstellung nicht in Betracht bb) Bewertung der Rückstellung Rückstellung ist mit dem Betrag zu passivieren, der nach den Preisverhältnissen des jew. Abschlussstichtags für die Erfüllung von Verpflichtungen voraussichtlich notwendig ist ( keine Preissteigerungen!) Die Sachleistungsverpflichtung ist mit den Einzelkosten und einem angemessenen Teil der notwendigen Gemeinkosten zu bewerten ( 6 Abs. 1 Nr. 3a b) EStG) Einzubeziehen sind: - Einmaliger Aufwand für die Einlagerung der am Abschlussstichtag noch nicht archivierten Unterlagen (ggf. Mikroverfilmung, Digitalisierung, Datensicherung) - Raumkosten (anteilige Miete bzw. Gebäude-AfA, Grundsteuer, Gebäudeversicherung, Instandhaltung, Heizung, Strom) Vereinfachung: Anteiliger Aufwand entspr. dem Verhältnis der Fläche des Archivs zur Gesamtfläche (es sei denn, dies führt zu einem unangemessenen Ergebnis) - Einrichtungsgegenstände (z. B. AfA für Regale) - Anteilige Personalkosten (z. B. Hausmeister, Reinigung, Lesbarmachung) Nicht rückstellungsfähig sind: - Anteilige Finanzierungskosten für die Archivräume - Kosten für die künftige Anschaffung von Regalen und Ordnern - Entsorgung der Unterlagen nach Ablauf der Aufbewahrungsfrist - Einlagerung künftig entstehender Unterlagen Möglichkeiten der Ermittlung: (1) Die jährl. Kosten werden für die Unterlagen eines jeden aufzubewahrenden Jahres gesondert ermittelt und dann mit der Anzahl der Jahre bis zum Ablauf der Aufbewahrungsfrist multipliziert. (2) Die jährlich anfallenden Kosten für einen Archivraum, in dem die Unterlagen aller Jahre aufbewahrt werden, können mit dem Faktor 5,5 multipliziert werden ( durchschnittl. Restaufbewahrungsdauer bei einer Aufbewahrungsfrist von 10 Jahren). Die Unterscheidung in die 10 bzw. 6 Jahre aufzubewahrenden Unterlagen kann i.d.r. unterbleiben. Die Aufwendungen für die Einlagerung, Mikroverfilmung etc. fallen nur einmal an und sind daher nicht zu vervielfältigen. Die Rückstellung ist nicht abzuzinsen. Seite 8 von 41

9 c) Unterschiede zwischen Handels- und Steuerbilanz Seit Inkrafttreten des BilMoG bestehen folgende Unterschiede (= grau unterlegt): Einbeziehungsumfang - Aufwand für Archivierung - Raum- und Personalkosten - Abschreibungen (z. B. Regale) Abzinsung Pflicht Verbot Handelsbilanz Steuerbilanz Ansatz Pflicht Pflicht Freiwillig längere Aufbewahrung Verbot Verbot Bewertung Erfüllungsbetrag mit Preissteigerung Preisverhältnisse des jew. Abschlussstichtags wie Handelsbilanz Seite 9 von 41

10 5. WPK: Neues zur Berufsaufsicht, Qualitätskontrolle und Berufspolitik (WP-Netzwerk etc.) a) Neuordnung der Berufsaufsicht und der Qualitätskontrolle - weitere Entwicklung Quellen: WPK Magazin 3/2010, S. 12. Vgl. bereits FARR-WP-Newsletter Nr. 22 vom (TOP 6). Zunächst die spannendeste Frage: Wie geht das mit der öffentlichen Aufsichtsstelle, dem Inspektionsverfahren und der Qualitätskontrolle weiter? Im WPK Magazin 2/2010, S. 6 gab es noch eine gewisse Unsicherheit und Hoffnung bzgl. dieses Projekts. Im neuesten WPK Magazin (3/2010, S. 12) ist nun zu lesen, dass jedenfalls kurzfristig nicht mit einer gesetzgeberischen Initiative in diesem Bereich zu rechnen ist. Im WPK-Newsletter (Sonderausgabe vom ) steht folgende wichtige Mitteilung hierzu:... Inzwischen ist klar geworden, dass die Neuordnung noch auf sich warten lassen wird. Maßgeblicher Grund dafür ist das von der Europäischen Kommission für diesen Herbst angekündigte Grünbuch zur Abschlussprüfung, welches sich - soweit bekannt - folgender Untersuchungsbereiche annehmen wird: Konzentration auf dem Prüfungsmarkt, Bedeutung kleiner und mittelgroßer Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, Prüfung von kleinen und mittelgroßen Unternehmen, Internationale Prüfungsstandards (ISA) sowie Überlegungen zu einer Aufsichtsbehörde über Abschlussprüfer auf europäischer Ebene. Das WPK Magazin 3/2010 berichtet zu diesem Thema auf den Seiten 12 f. und 20. Das Bundeswirtschaftsministerium möchte das Grünbuch abwarten und hat daher die Neuordnung des Aufsichtssystems zurückgestellt. Vor diesem Hintergrund hat der Vorstand der WPK beschlossen, den Jour fixe Berufspolitik aktuell erst nach Veröffentlichung des Grünbuchs stattfinden zu lassen. Die Mitglieder der WPK werden dann eine Einladung zu den neuen Veranstaltungsterminen erhalten. Wegen der Verschiebung der Neuordnung des Aufsichtssystems gelten die derzeitigen Regelungen für das Qualitätskontrollverfahren unverändert fort. Alle Mitglieder, deren Teilnahmebescheinigungen demnächst bzw. im nächsten Jahr ablaufen werden, seien deshalb daran erinnert, rechtzeitig eine neue Qualitätskontrolle zu beauftragen und dies der WPK mitzuteilen ( 9 Satzung für Qualitätskontrolle).... Die WPK wird im Internet und im WPK Magazin über die weitere Entwicklung informieren. b) Rolle des Abschlussprüfers - aufgrund der Finanzmarktkrise - in der Diskussion Quelle: WPK Magazin 3/2010, S. 12 f. und S. 20. Während im Zuge der globalen Finanzmarktkrise bisher lediglich die wirtschaftlichen Hauptakteure (Banken, Rating-Agenturen und Hedge-Fonds) im Mittelpunkt der Diskussion standen, ist es nun aus Sicht der EU-Kommission wohl an der Zeit, auch den Seite 10 von 41

11 Berufsstand der Wirtschaftsprüfer einer genaueren Betrachtung zu unterziehen. Hierzu sei auf folgende Abhandlungen verwiesen: Rolle des Abschlussprüfers in der Diskussion vgl. WPK Magazin 3/2010, S. 12 f. Grünbuch der EU-Kommission zur Corporate Governance in Finanzinstituten (bereits veröffentlicht) vgl. WPK Magazin 3/2010, S. 20. Grünbuch der EU-Kommission zur Abschlussprüfung (angekündigt) vgl. WPK Magazin 3/2010, S. 20. c) Wie geht es mit den IAS und den IFRS für KMU weiter? Quelle: WPK Magazin 3/2010,S. 8 und S. 20 f. Bei der IAASB-Sitzung in Mainz am wurde mit dem Chairman des IAASB gesprochen. Es ging natürlich auch um die Frage der ISA-Implementierung in Europa (und in Deutschland) und um die Frage der Skalierbarkeit. Im WPK Magazin (3/2010, S. 8) steht als Ergebnis hierzu: Wie es mit der ISA-Implementierung in Europa aussieht, ist derzeit aus zeitlicher Sicht unklar, da der neue EU-Binnenkommissar Barnier diesem Thema offenbar etwas reservierter gegenübersteht. Die Konsultation der EU-Kommission zur Übernahme des IFRS für KMU in die Bilanzrichtlinien hat gezeigt, dass diese Frage auf sehr unterschiedliche Auffassungen, insbesondere auf Skepsis stößt. Vgl. dazu WPK Magazin 2/2010, S. 22 und 3/2010, S. 20 f. d) Nochmals: Erfassen von Netzwerken im Berufsregister - Gemeinsame Marke und Netzwerkzugehörigkeit Quelle: WPK Magazin 3/2010, S. 31 sowie 4/2009, S. 23 und 2/2010, S. 31. Es geht hier um die Frage: Wenn eine gemeinsame Marke vorliegt, ist dann zwingend von einer Zugehörigkeit der Markenverwender zu einem Netzwerk auszugehen? Ist jedes gemeinsame Logo schon eine Marke? Die zuständige Vorstandsabteilung der WPK hat sich mit diesem Thema eingehend auseinandergesetzt und Überlegungen darüber angestellt, wie trotz Verwendung eines gemeinsamen Logos eine Netzwerkzugehörigkeit entkräftet werden kann. Im WPK Magazin 4/2010 soll hierüber weiter berichtet werden. e) Gesamt-Fazit: Es ist alles im Fluss. Wegen Einzelheiten hierzu verweisen wir auf das Seminar WP aktuell 2/2010 ( siehe unten TOP 20). Seite 11 von 41

12 6. WPK: Kann man die Konzernmutter prüfen, wenn man den Jahresabschluss der Tochter erstellt hat ( 317 HGB n.f.)? Quellen: WPK Magazin 1/2010, S. 26 f. und 3/2010, S. 37. Vgl. auch Zwirner / Boecker, BB 24/2010, S. VI - VII. Frage 1 an die WPK: WPK-Mitglieder haben bei der WPK angefragt, ob der Ausschlussgrund des 319 Abs. 3 Satz 1 Nr. 3a HGB (= Mitwirkung des WP bei der Führung der Bücher oder der Aufstellung des JA) vorliegt, wenn ein Konzernabschlussprüfer bei der Erstellung des JA eines Tochterunternehmens mitgewirkt hat und dieser JA danach von einem anderen Prüfer geprüft wurde? Antwort der WPK:... Wenn der Jahresabschluss eines Tochterunternehmens von einem anderen Prüfer unter Einhaltung der Voraussetzungen des 317 Abs. 3 Satz 2, 3 HGB a. F. befreiend geprüft worden ist, konnte ein Ausschlusstatbestand bei dem erstellenden Konzernabschlussprüfer auf Grundlage der bisherigen Fassung der Regelung verneint werden, weil seine Pflichten als Konzernabschlussprüfer im Hinblick auf die Jahresabschlüsse der Tochterunternehmen eher gering waren. Nach der Neufassung des 317 Abs. 3 Satz 2 HGB, durch den das Modell der befreienden Prüfung durch andere Abschlussprüfer abgeschafft worden ist, kann dies nicht mehr aufrechterhalten werden. Der Konzernabschlussprüfer muss nunmehr die Arbeiten der anderen Abschlussprüfer überwachen und dies dokumentieren. Dies führt mittelbar zu einer Selbstprüfung der von ihm erstellten Jahresabschlüsse. Frage 2 an die WPK: Es wurde weiter gefragt, ob es sich bei dieser Fallkonstellation um einen absoluten Ausschlussgrund i.s.d. 319 Abs. 3 Satz 1 Nr. 3a) HGB handelt oder aber um einen Fall, der vom Auffangtatbestand des 319 Abs. 2 HGB (hier evtl. Schutzmaßnahmen möglich) erfasst wird? Antwort der WPK: Sofern ein Konzernabschlussprüfer einen in diese Prüfung einzubeziehenden JA eines Tochterunternehmens selbst erstellt hat, liegt eine Selbstprüfung i.s.d. 319 Abs. 3 Satz 1 Nr. 3a) HGB und somit ein absoluter Ausschlussgrund vor. Das Gleiche gilt, wenn der JA des Tochterunternehmens von einem Netzwerkpartner erstellt wurde. Fazit: Man muss als Konzernabschlussprüfer bei der Auftragsannahme prüfen, ob man nicht für ein in den Konzernabschluss einbezogenes Tochterunternehmen den Einzelabschluss erstellt hat. Diese Überprüfung gilt vor allem auch für WP-Netzwerke ( 319b HGB). Im Betriebs-Berater (24/2010, vom , S. VI - VII) haben Zwirner / Boecker zu diesem Thema Stellung genommen und auch eine Checkliste zur Einhaltung der Anforderungen des 317 Abs. 3 Satz 2 HGB abgedruckt. Seite 12 von 41

13 7. WPK: Zu den Grundsätzen für die Erstellung von JA (IDW S 7 versus Verlautbarung der BStBK); Richtigstellung zum Newsletter Nr. 24 Quellen: Schreiben der WPK vom ; WPK Magazin 3/2010, S. 29 f. Die WPK hat zu unserem Beitrag hierzu im FARR-WP-Newsletter Nr. 24 vom Stellung genommen. Die WPK hält die dort getroffene Wertung einer 1. Priorität für den IDW S 7 bei gleichzeitiger Möglichkeit der Anwendung der BStBK- Verlautbarung bei Doppelbändern, Doppelgesellschaften sowie WP in gemischten Sozietäten für gut vertretbar. Aus Sicht der WPK nicht zutreffend ist dagegen unsere Einschätzung, wonach WP, vbp und die entspr. Berufsgesellschaften ohne zusätzliche Bestellung als StB oder Anerkennung als StBG nur den IDW S 7 anwenden dürfen und umgekehrt reine StB und StBG sich auf die BStBK-Verlautbarung zu beschränken haben. Wenn es für einen WP / vbp, der zugleich als StB bestellt ist, möglich ist, die BStBK- Verlautbarung anzuwenden, kann - nach Ansicht der WPK - nichts Anderes für einen Berufsangehörigen gelten, der nicht zusätzlich auch als StB bestellt ist. Auch hier ist die Aussage ja (1. Priorität) für den IDW S 7 und ja, möglich für die BStBK- Verlautbarung nach der WPK die zutreffende Antwort. Bei WPK-Mitgliedern mit gleichzeitiger Bestellung als StB besteht ein Interesse zu erfahren, ob (nunmehr) die BStBK-Verlautbarung angewendet werden kann, ohne hierdurch gegen Berufspflichten zu verstoßen. Der Vorstand der WPK befasste sich daher eingehend mit dieser Thematik. Die Ergebnisse werden im WPK Magazin 3/2010, S. 29 f. im Einzelnen dargestellt. Hier die wichtigen Aussagen hierzu (nur Auszüge): Bescheinigungstexte: Die in der BStBK-Verlautbarung jetzt enthaltenen Bescheinigungstexte entsprechen nicht nur inhaltlich, sondern auch im Wortlaut den berufsrechtlich bedenkenfreien Bescheinigungstexten im IDW S 7. Auch in der Verlautbarung selbst entsprechen die Passagen, die sich zum Thema Selbstprüfung verhalten, wörtlich dem IDW S 7. Redepflicht: Nicht zur Unzulässigkeit der Anwendung der BStBK-Verlautbarung führt, dass die in Tz. 78 des IDW S 7 beschriebene Pflicht, das Unternehmen ggf. über Bestandsgefährdungen oder Gesetzesverstöße von gesetzlichen Vertretern oder Mitarbeitern im Erstellungsbericht oder in sonstiger Weise schriftlich zu berichten (Redepflicht), in der BStBK-Verlautbarung nicht erhalten ist. Eine solche Pflicht kann sich ungeachtet der Art des Erstellungsauftrags bereits aus der vertraglichen Treuepflicht ergeben. Bei dem Passus in Tz. 78 des IDW S 7 handelt es sich daher in erster Linie um einen rechtlichen Hinweis, dessen Fehlen in der BStBK-Verlautbarung nicht dazu führt, dass der Anwender von dieser Pflicht befreit ist oder einen entsprechenden Eindruck erweckt. Allerdings sollte dieser Hinweis auch bei Anwendung der BStBK-Verlautbarung beachtet werden, um aus einer unterlassenen Information unter Umständen resultierende Haftungsgefahren zu vermeiden. Berufspflicht der Unparteilichkeit: In ähnlicher Weise beurteilt es der Vorstand der WPK, dass in Tz. 19 der BStBK-Verlautbarung anders als in Tz. 19 des IDW S 7 nicht auf die Berufspflicht der Unparteilichkeit hingewiesen wird. Dies liegt daran, dass die StB eine entsprechende Berufspflicht nicht kennen. Auch dies führt aber nicht dazu, dass die BStBK-Verlautbarung für WP/vBP nicht anwendbar ist. Die Berufspflicht der Unparteilichkeit bei Erstattung von Gutachten und Prü- Seite 13 von 41

14 fungsberichten gilt unabhängig davon, ob hierauf in einer Verlautbarung ausdrücklich hingewiesen wird oder nicht. Einholung einer Vollständigkeitserklärung: Ebenfalls mit Blick auf die berufsrechtliche Zulässigkeit der Anwendung der BStBK-Verlautbarung nicht von Bedeutung ist auch, dass die nach Tz. 52 des IDW S 7 verpflichtende Einholung einer Vollständigkeitserklärung von dem beauftragenden Unternehmen in der BStBK-Verlautbarung nur empfohlen wird.... Die Erstellung muss letztlich gewissenhaft erfolgen. Wenn der Berufsangehörige aufgrund anderer Informationen davon ausgehen kann, alle relevanten Unterlagen hierfür zur Verfügung zu haben, reicht dies aus. Die Vollständigkeitserklärung ist letztlich in erster Linie für Nachweiszwecke hilfreich. Formale Gesichtspunkte Auch bei Anwendung der BStBK-Verlautbarung ist ein WP/vBP selbstverständlich nicht von den sich aus der WPO und der BS WP/vBP ergebenden Regelungen und Berufspflichten befreit. Dies gilt für die Pflicht zur Führung der Berufsbezeichnung ebenso wie etwa für die Unzulässigkeit der Verwendung eines Steuerberaterrundstempels. Insoweit sind Anpassungen der Bescheinigungstexte ebenso erforderlich wie etwa auch bei Heranziehung des IDW S 7 durch einen vbp, eine WPG oder eine mit der Erstellung beauftragte Sozietät. Bsp.: So hat etwa ein WP/StB auch bei Heranziehung der BStBK-Verlautbarung die Bescheinigung als Bescheinigung des Wirtschaftsprüfers zu bezeichnen, diese auch als Wirtschaftsprüfer zu unterzeichnen und die Verwendung eines Steuerberaterrundstempels zu unterlassen (vgl. dazu auch unten TOP 8, Punkt b). Fazit: Insgesamt kann festgehalten werden, dass die BStBK-Verlautbarung nach Auffassung des Vorstandes der WPK keine inhaltlichen Aussagen enthält, die bei Anwendung durch den WP/vBP zur Annahme einer Verletzung von Berufspflichten führen würde. WP / vbp dürfen - anstelle des IDW S 7 - auch die BStBK - Verlautbarung anwenden, müssen dabei aber die Berufspflichten aus WPO und BS WP / vbp beachten (Frage: Warum, wenn hierdurch keine maßgebenden Erleichterungen verbunden sind?). Die Anwendung der BStBK-Verlautbarung (oder Teilen hiervon) könnte allerdings Sinn machen, wenn die Regelungen dort über den IDW S 7 hinausgehen (z. B. Bescheinigungstexte für den Fall der steuerlichen Gewinnermittlung). Wegen Einzelheiten hierzu verweisen wir auf das Seminar WP aktuell 2/2010 ( siehe unten TOP 20). Seite 14 von 41

15 8. WPK: Zur Wiederholung nochmals zwei oft gestellte Fragen: - Darf man als Abschlussprüfer auch die Lohn- und Gehaltsabrechnung für Mandanten durchführen? - Darf man als WP / vbp einen Rundstempel verwenden? a) Darf man als Abschlussprüfer auch die Lohn- und Gehaltsabrechnung für seinen Mandanten übernehmen? Aufgrund einer Anfrage bei der WPK ist zu diesem Thema Folgendes festzustellen (vgl. bereits FARR-WP-Newsletter Nr. 8 vom , TOP 8): Die Erstellung von Lohn- und Gehaltsabrechnungen für den Mandanten stellt grundsätzlich keinen Ausschlussgrund als Abschlussprüfer gem. 319 Abs. 3 Nr. 3a) HGB bzw. 49 zweite Alt. WPO i.v.m. 23a BS WP / vbp dar, wenn der Mandant oder dessen Mitarbeiter für die Lohn- und Gehaltsabrechnung als solche inhaltlich verantwortlich bleiben, d. h. die Belege kontieren und die Buchungsanweisungen vornehmen. Werden durch den WP / vbp nur technische Arbeiten und Dienstleistungen durchgeführt (z. B. DATEV-Eingaben o.ä.), ist die anschließende Prüfung des JA i.d.r. kein Verstoß gegen das Selbstprüfungsverbot. Solche technischen Dienstleistungen zeichnen sich nämlich dadurch aus, dass sie keinen eigenen gedanklichen Einsatz des WP / vbp beinhalten, der ohne vorherige Kontrolle durch einen Dritten in die Buchführung und damit in den JA Eingang findet. Die Wertung, dass derartige nicht eigenständige Leistungen des WP / vbp i.s. des Selbstprüfungsverbots als unschädlich angesehen werden, kommt auch in 23a Abs. 6 S. 2 BS WP / vbp zum Ausdruck. Seite 15 von 41

16 b) Wann kann ein WP / vbp noch den Rundstempel verwenden? (hier: einfache Partnerschaftsgesellschaft und Steuerberatungsgesellschaft)? Quellen: WPK Magazin 4/2004, S. 29; vgl. bereits FARR-WP-Newsletter Nr. 6 vom (TOP 13). Nach 18 Abs. 4 BS WP / vbp besteht für WP bzw. vbp grundsätzlich ein Verbot der Verwendung siegelimitierender Rundstempel (gemeint ist hier insbes. der Steuerberater-Rundstempel). Die WPK ist daher vor einiger Zeit der Frage nachgegangen, ob dieses Verbot in allen Fällen gilt, z. B. hier im Falle der Rechtsform der Partnerschaftsgesellschaft (PartG): Soweit es sich hierbei nicht um eine als WPG / BPG anerkannte PartG, sondern um eine einfache PartG handelt (die zur Durchführung von Vorbehaltsaufgaben des WP / vbp und zur Siegelführung nicht befugt ist), muss der Berufsangehörige daneben noch befugt bleiben, gesetzlich vorgeschriebene Abschlussprüfungen durchzuführen. Er muss daher entweder zusätzlich in eigener Praxis oder als Angestellter bei einer WP- / vbp-praxis tätig sein. Seit dem siebten Steuerberatungs-Änderungsgesetz dürfen auch einfache PartG als solche unbeschränkt Steuerrechtshilfe leisten, sofern die in der PartG vertretenen Berufe ebenfalls hierzu befugt sind. Nach den Hinweisen der BStBK zur Verwendung (und Gestaltung) von Rundstempeln vom 11. / dürfen einfache PartG auch einen eigenen Rundstempel führen. Im Falle einer Beteiligung von WP oder vbp in der PartG ist auch deren Berufsbezeichnung in den äußeren Kreis des Rundstempels aufzunehmen. Damit stellt sich die Frage, ob der WP- / vbp-partner bei sonstigen Erklärungen über Prüfungsergebnisse (z. B. freiwillige JAP) die Wahlmöglichkeit hat, diese Erklärungen entweder mit seinem Berufssiegel oder mit dem Rundstempel der PartG zu versehen. Der Vorstand der WPK hält es - im Hinblick auf die rechtliche Verselbständigung der PartG - für zulässig, dass die PartG auch bei Beteiligung von WP / vbp einen Rundstempel verwendet, denn es handelt sich hier um den Rundstempel der PartG und nicht um den der einzelnen Partner (WP / vbp). Die Rechtslage ist somit vergleichbar mit der bei einer Steuerberatungsgesellschaft, die - als eigene juristische Person - einen Rundstempel verwenden darf, auch wenn ein WP / vbp dort eine Leitungsfunktion ausübt. In der neuen Verlautbarung der BStBK vom 12. / zur Erstellung von JA (analog IDW S 7; hier S. 12, Fn. 8) wird für StB in dem Fall der JA-Erstellung die Führung eines Rundstempels empfohlen (vgl. oben TOP 7). Seite 16 von 41

17 9. IDW: Neue Stellungnahmen zu Drohverlustrückstellungen (IDW RS HFA 4), zu Herstellungskosten (IDW RS HFA 31) und zur Bewertung immaterieller Vermögenswerte (IDW S 5) verabschiedet! a) IDW RS HFA 4: Zweifelsfragen zum Ansatz und zur Bewertung von Drohverlustrückstellungen (Stand: ) Quellen: FN-IDW 7/2010, S. 298 ff.; WPg 15/2010, S. 755; WPg Supplement 3/2010. Die im Hinblick auf das BilMoG überarbeitete Stellungnahme befasst sich mit Ansatz und Bewertung von Drohverlustrückstellungen. Die Grundsätze können nicht ohne weiteres auf Verbindlichkeitenrückstellungen übertragen werden. Gliederung des IDW RS HFA 4: 1. Vorbemerkung 2. Ansatz von Drohverlustrückstellungen 2.1. Begriff der schwebenden Geschäfte i.s.d. 249 Abs. 1 Satz 1 HGB 2.2. Begriff des drohenden Verlustes i.s.d. 249 Abs. 1 Satz 1 HGB 2.3. Abgrenzung der Drohverlustrückstellungen von den Rückstellungen für ungewisse Verbindlichkeiten 2.4. Vorrang außerplanmäßiger Abschreibungen vor der Bildung einer Drohverlustrückstellung 2.5. Abgrenzung des Saldierungsbereichs 3. Bewertung von Drohverlustrückstellungen 3.1. Bewertung schwebender Beschaffungsgeschäfte 3.2. Bewertung schwebender Absatzgeschäfte 3.3. Künftige Kosten- und Preisverhältnisse 3.4. Abzinsung der Drohverlustrückstellungen 3.5. Grundsatz der Bewertungsstetigkeit Wegen Einzelheiten hierzu verweisen wir auf das Seminar WP aktuell 2/2010 ( siehe unten TOP 20). Seite 17 von 41

18 b) IDW RS HFA 31: Aktivierung von Herstellungskosten (Stand: ) Quellen: FN-IDW 7/2010, S. 310 ff.; WPg 16/2010, S. 798 f.; WPg Supplement 3/2010. Der HFA hat am den IDW RS HFA 31 verabschiedet. Gegenstand der im Hinblick auf das BilMoG überarbeiteten Stellungnahme (Vorgänger war HFA 5/1991) ist die Ermittlung der Herstellungskosten nach 255 Abs. 2 und 3 HGB n.f. Zusätzlich zum Entwurf (Stand: ) wird jetzt auch die Frage aufgegriffen, ob bei Grundstücken, die der Bilanzierende nach Bebauung veräußern will, auch solche Zinsen für FK in die HK des bebauten Grundstücks einbezogen werden dürfen, das zur Finanzierung des Erwerbs des Grund und Bodens aufgenommen wurde. Die Ermittlung der HK von selbst geschaffenen immateriellen Vermögensgegenständen des AV ( 255 Abs. 2a Satz 1 HGB) wird im IDW RS HFA 31 nicht angesprochen (kommt wohl als eigenständiger Standard heraus). Gliederung des IDW RS HFA 4 (im Vergleich zu HFA 5/1991): IDW RS HFA 31 (Stand: ) 1. Vorbemerkungen 2. Grundsatz 3. Zeitraum der Herstellung 3.1. Beginn der Herstellung 3.2. Unterbrechung der Herstellung 3.3. Beendigung der Herstellung 4. Abgrenzung von Pflicht- und Wahlrechtsbestandteilen 5. Eliminierung von Leerkosten 6. Umfang einzurechnender Abschreibungen 7. Einbeziehung von Fremdkapitalzinsen 8. Zölle und Verbrauchsteuern HFA 5/ Grundsatz 2. Zeitraum der Herstellung 2.1. Beginn der Herstellung 2.2. Unterbrechung der Herstellung 2.3. Beendigung der Herstellung 3. Abgrenzung von Einzel- und Gemeinkosten 4. Eliminierung von Leerkosten 5. Umfang einrechenbarer Abschreibungen 6. Einbeziehung von Fremdkapitalzinsen 7. Zölle und Verbrauchsteuern Wegen Einzelheiten hierzu verweisen wir auf das Seminar WP aktuell 2/2010 ( siehe unten TOP 20). Seite 18 von 41

19 c) IDW S 5: Grundsätze zur Bewertung immaterieller Vermögenswerte (Stand: ) Quellen: FN-IDW 8/2010, S. 356 ff.; WPg 16/2010, S. 801; WPg Supplement 3/2010. Der Fachausschuss für Unternehmensbewertung und Betriebswirtschaft (FAUB) hat am den IDW S 5 verabschiedet. Der HFA hat ihn am billigend zur Kenntnis genommen. Im Vordergrund des IDW S 5 stehen die betriebswirtschaftlichen Bewertungsgrundsätze, nach denen WP s immaterielle Vermögenswerte bewerten. Die Frage der Bilanzierbarkeit und die Besonderheiten der Bewertung immaterieller Vermögenswerte für bilanzielle Zwecke sind Gegenstand des IDW RS HFA 16 (Stand: ). Gliederung des IDW S 5: 1. Vorbemerkungen 2. Begriffliche Grundlagen 2.1. Begriff des immateriellen Vermögenswerts 2.2. Bewertungsanlässe und Funktion des Wirtschaftsprüfers 2.3. Bewertungsobjekte 2.4. Wert und Preis immaterieller Vermögenswerte 3. Bewertungsverfahren 3.1. Marktpreisorientiertes Verfahren 3.2. Kapitalwertorientiertes Verfahren Grundlagen der Wertermittlung Finanzielle Überschüsse als Ausgangspunkt der Bewertung Kapitalisierung der künftigen finanziellen Überschüsse Berücksichtigung von Steuern 3.3. Kostenorientiertes Verfahren 4. Maßgeblichkeit des Bewertungsanlasses 5. Besonderheiten bei der Bewertung von Marken 5.1. Begriff und Abgrenzung 5.2. Anwendbare Bewertungsverfahren 5.3. Nutzungsdauer der Marke 5.4. Markenspezifische Kapitalisierung der zukünftigen finanziellen Überschüsse 5.5. Plausibilisierung 6. Besonderheiten bei der Bewertung von kundenorientierten immateriellen Werten 6.1. Begriff und Abgrenzung 6.2. Einzelbewertung vs. Gruppen- oder Portfolioansatz 6.3. Bewertungsmethoden 6.4. Ableitung der Nutzungsdauer 6.5. Kapitalisierung der zukünftigen finanziellen Überschüsse 6.6. Plausibilisierung 7. Dokumentation und Berichterstattung 7.1. Arbeitspapiere 7.2. Bewertungsgutachten Seite 19 von 41

20 10. IDW: Pflichten des Abschlussprüfers des Tochterunternehmens und des Konzernabschlussprüfers ( 264 Abs. 3 HGB; IDW PH ; Stand: ) Quellen: FN-IDW 6/2010, S. 239; WPg Supplement 2/2010; WPg 13/2010, S Der HFA hat in seiner Sitzung am eine überarbeitete Fassung des IDW PH verabschiedet. Der Prüfungshinweis befasst sich mit der Frage, wie der Abschlussprüfer damit umzugehen hat, dass er im Zeitpunkt der Erteilung des Bestätigungsvermerks regelmäßig noch nicht abschließend beurteilen kann, ob die Voraussetzungen erfüllt sind für die zulässige Inanspruchnahme der Erleichterungen des 264 Abs. 3 HGB (die Vorschriften zur Aufstellung von JA und LB sowie zu deren Prüfung und Offenlegung brauchen nicht angewendet werden). Gliederung des IDW PH : 1. Vorbemerkungen 2. Pflichten des Abschlussprüfers des Tochterunternehmens 2.1. Zulässige Inanspruchnahme von 264 Abs. 3 HGB 2.2. Unzulässige Inanspruchnahme von 264 Abs. 3 HGB 3. Pflichten des Abschlussprüfers des Konzerns Seite 20 von 41

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