Suchtvorbeugung 2015 Peer-Projekt an Fahrschulen jung, mobil & KLAR

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1 Suchtvorbeugung 2015 Peer-Projekt an Fahrschulen jung, mobil & KLAR Landratsamt Esslingen Beauftragte für Suchtprophylaxe / Koordination Suchtprophylaxe Elke Klös und Christiane Heinze

2 Alkoholprävention im Straßenverkehr 2015: Peer-Projekt an Fahrschulen jung, mobil & KLAR Junge Fahrer sind besonders häufig an Verkehrsunfällen mit der Unfallursache Alkohol- oder Drogeneinfluss beteiligt. Die Disco-Unfälle verdeutlichen, dass gerade an den Wochenenden zwischen Alkohol- oder Drogenkonsum und Autofahren nicht immer zuverlässig und verantwortlich getrennt wird. Diese Unfälle haben oft schwere gesundheitliche Folgen für alle Beteiligten für die Verursacher, aber auch für die unschuldigen Opfer. Konzept und Ziele Im Peer-Projekt gehen Peers, d.h. Gleichaltrige, in Fahrschulen. Sie informieren die Fahrschüler/-innen in zusätzlichen Einheiten über die Gefahren von Alkohol und Drogen im Straßenverkehr und diskutieren zusammen über mögliche Folgen. In den so genannten Peer- Einheiten werden gemeinsam mit den Fahrschülern Strategien und Regeln entwickelt, wie alkohol- und drogenbedingte Rauschfahrten vermieden werden können. Mit den Peer- Einheiten wird das Ziel verfolgt, Jugendliche und junge Erwachsene über die Ursachen der Entstehung von Trink-Fahr-Konflikten zu informieren. Die Fahrschüler/-innen bekommen alltagstaugliche Strategien vermittelt bzw. erarbeiten diese gemeinsam, die dabei helfen, Rauschfahrten in jedem Fall zu vermeiden. Die Peer-Einheiten In den Peer-Einheiten werden von den Peers Diskussionsrunden zum Thema Alkohol und Drogen im Straßenverkehr initiiert. Die peer-geleiteten Unterrichtsstunden erweitern die eigentliche Führerscheinausbildung, um das Problem Alkohol/Drogen und Straßenverkehr deutlich und nachdrücklich zu thematisieren. Dabei stehen nicht nur die gesetzlichen Bestimmungen und die gerade gültige Promillegrenze im Mittelpunkt. Den Fahrschülern/-innen wird die Möglichkeit gegeben, eigene Regeln und Haltungen im Umgang mit legalen und illegalen Drogen zu entwickeln. Die Auseinandersetzung wird den Jugendlichen und Heranwachsenden geboten, bevor das Fahrzeug einen festen Platz in ihrem Alltag, und vor allem in ihrer Freizeitgestaltung, einnimmt. Allgemein findet der Ablauf einer Peer-Einheit unter folgenden Rahmenbedingungen statt: eine Peer-Einheit wird jeweils von zwei Peers durchgeführt, eine Peer-Einheit dauert zwischen 45 und 60 Minuten, eine Peer-Einheit wird zusätzlich zum Pflichtunterricht in der Fahrschule angeboten.

3 Chancen des Peer-Projektes jung, mobil & KLAR Erste Erfahrungen mit Alkohol und ggf. auch illegalen Drogen haben die Jugend-lichen zum Zeitpunkt der Fahrausbildung bereits gesammelt. Die Peers sind auch Fahranfänger/-innen und wissen von den Trink -Fahr Konfliktsituationen, in die junge Fahrer/-innen geraten können. Da sie zudem aus der gleichen Region stammen, kennen sie die lokalen Treffpunkte, Discotheken, Parties etc., die für die Adressaten von Interesse sind. Mit ihren eigenen Erfahrungen besitzen die Peers für die Jugendlichen eine hohe Authentizität, so dass eine offene Diskussion möglich wird und auch heikle Themen besprochen werden können. Informationen über gesetzliche Bestimmungen, Gesundheitsgefährdung, Risikopotenziale und Vermeidungsmotive und -strategien können somit niederschwellig und für die Zielgruppe verständlich und angemessen an die Jugendlichen vermittelt werden. Kooperation Landkreis Esslingen und Göppingen In Baden-Württemberg ist das Peer-Projekt einmalig und war als Modellprojekt initiiert vom Landesgesundheitsamt und Sozialministerium. Die Idee stammt aus Magdeburg, dort ist das Projekt an eine Fachhochschule angebunden, die Peers sind allesamt Studierende, die dafür Scheine erwerben. Die Landkreise Esslingen und Göppingen übernahmen die Erprobung als Modellprojekt und haben aufgrund der sehr positiven Erfahrungen das Projekt fest etabliert im Unterstützungsangebot der Suchtprophylaxe. Durch die finanzielle Förderung der Kreissparkasse Esslingen-Göppingen war es erst möglich, das Projekt auf sichere Füße zu stellen und kontinuierlich umzusetzen. In den Landkreisen Göppingen und Esslingen kommen die Peers aus unterschiedlichen Bereichen, sie sind Schüler/-innen, Azubis, Studierende oder selten auch Arbeitnehmer/- innen, d.h. sie bringen einen ganz unterschiedlichem sozialen und Bildungshintergrund mit und in die Arbeit ein. In Baden-Württemberg gibt es kein weiteres vergleichbares Projekt an Fahrschulen. Insgesamt gilt es als schwierig, junge Menschen in diesem Alter suchtpräventiv zu erreichen. Die meisten Projekte wenden sich an Jüngere z.b. in Schulen. Zudem ist das Projekt mit einem höheren Organisationsaufwand verbunden und es müssen regelmäßig neue Peers gewonnen und auch gepflegt werden. Ausbildung der Peers Die Peers werden für den Einsatz an Fahrschulen geschult: Informationsabend: Das Projekt wird vorgestellt und alte Peers berichten aus ihren Erfahrungen und warum sie im Projekt mitarbeiten. Zwei-tägige Schulung: Die Peers erhalten von Fachleuten der Polizei und Beratungsstellen (Sucht- und Jugend- und Drogenberatung) Grundlagenwissen und interessante und neue Informationen rund um den Themenbereich Alkohol, Drogen und Straßenverkehr vermittelt. Gemeinsam werden Haltungen diskutiert, Ideen für die Einsätze an den Fahrschulen gesammelt und Tandems gebildet, die später zusammen die Einsätze an den Fahrschulen machen wollen.

4 Präsentation der Einheit Nach der Schulung bereiten die einzelnen Tandems einen Einsatz ganz konkret und individuell vor und stellen ihn bei einem weiteren Treffen den anderen Peers vor. Dort wird es diskutiert, Rückmeldung und Anregungen für die konkrete Umsetzung gegeben. Regelmäßiger Austausch In regelmäßigen Treffen (mindestens 3 x pro Jahr) tauschen sich die Peers aus. Dabei können Ideen und Erfahrungen über den Einsatz in den Fahrschulen diskutiert werden. Es werden aktuelle und interessante Informationen eingebracht, die die Peers weiter qualifizieren sollen. Diese Treffen fördern die Beziehungen untereinander. Es werden besondere Aktionen dort vereinbart, wie z.b. die Teilnahme an Fachtagungen zur Vorstellung des Projektes, die Vorbereitung der Jubiläumsveranstaltung des Peer-Projektes, Erarbeitung von Informationen für die Homepage u.a.

5 Peer-Projekt 2015 Peers und Einsätze Im Jahr 2015 wurden zwei Ausbildungen (Frühjahr und Herbst) angeboten: Es konnten insgesamt 21 neue Peers ausgebildet werden. Schon die Peer-Ausbildung ist ein wichtiger Baustein in der Suchtprävention mit jungen Erwachsenen. Die Peers kommen mit vielen Fragen rund um das Thema Alkohol und Drogen, sie berichten von Erfahrungen im Freundeskreis, auch von Unfällen unter Alkohol- oder Drogeneinfluss, bis hin zu tödlichen Unfällen. Die Peer-Ausbildung ist inhaltlich und thematisch sehr intensiv (über 1 1/2 Tage) und die jungen Menschen setzen sich dabei mit ihren eigenen Konsumerfahrungen auseinander. Dies wirkt in ihnen und nehmen sie mit, nicht nur in die Umsetzung von Peer-Einheiten, sondern auch in ihren Freundeskreis oder auch in ihr Elternhaus. Hier wirkt das Peer-Projekt viel weiter über die eigentlichen Peer-Einheiten in den Fahrschulen hinaus. Die Durchführung von Peer-Einheiten ist bei aller Motivation der jungen Menschen immer wieder schwierig zu organisieren: sie sind schulisch oder im Studium sehr eingebunden, viele engagieren sich auch privat in der Jugendarbeit, in Sportvereinen, Musikvereinen u.a., was die zeitlichen Abstimmungen nicht ganz leicht macht. Bisher durchgeführte Peer-Einsätze im Jahr 2015 (Stand: ): 12 Einsätze im Landkreis Esslingen Beteiligte Fahrschulen: 10 Aus den Rückmeldebögen der Peers (12 Rückmeldungen) Die Peers dokumentieren ihre Einsätze und werten die Erfahrungen aus. Die Einsätze verlaufen aus Sicht der Peers in aller Regel gut, meist mit einem sehr guten Feedback des Fahrlehrers und der Fahrschüler/-innen. Gesamtzahl der erreichten Fahrschüler/-innen: 116 Fahrschüler/-innen Die durchschnittliche Teilnehmer/-innenzahl einer Peerveranstaltung beträgt ca. 10 Personen. Durchschnittsalter: Die Fahrschüler sind im Alter zwischen 16 und 50 Jahren die meisten zwischen 17 und 19 Jahre alt. Rückmeldung zu folgenden Fragen (pro Einsatz): Was halten die Fahrschüler von Alkohol und Drogen im Straßenverkehr? Halten nichts davon: 10 Haben sich bisher noch keine Gedanken gemacht: 1 Hast du eine Veränderung der Einstellungen gegenüber diesem Thema bei den Fahrschülern bemerkt? Positive Einstellungsänderung: 2 Haltung gestärkt: 8 Nicht sicher: 2

6 Rückmeldungen der Peers - Zitate aus den Rückmeldebögen: Die Fahrschüler/-innen waren neugierig und wollten sehr viel wissen. Die Fahrschüler/-innen waren von uns begeistert, haben etwas gelernt und hatten Spaß. Die Fahrschüler/-innen sind bereits sehr verantwortungsbewusst. Sie haben für sich selbst Angst und dass sie Mitfahrer oder andere Verkehrsteilnehmer gefährden könnten. Das Ampelspiel finden sie sehr gut und alle haben prima mitgemacht. Die Einheit ging mega-schnell vorbei. Die Fahrlehrerin und Schüler waren begeistert, Langeweile kam nicht auf. Ein gelungener Einsatz! Die Gruppe war schüchtern und zurückhaltend. Die Fahrschüler/-innen haben viele Fragen gestellt.

7 Bundesweite Vernetzung Alle Peer-Projekte in Deutschland vernetzen sich aktuell zu einer Interessengemeinschaft. Einheitliche Qualitätskriterien und ein bundesweites Logo wurden abgestimmt, ein gemeinsamer Dokumentationsbogen und eine standardisierte Rückmeldung der Fahrschüler/-innen, die in den Projekten gut eingesetzt werden können. Es wurde eine gemeinsame Homepage neu gestaltet und wird regelmäßig aktualisiert ( Ein Bundesnetzwerktreffen fand im Mai 2015 in Hamburg statt, an dem die Koordination Suchtprophylaxe und einzelne Peers aus dem Landkreis Esslingen und Göppingen teilgenommen haben. Bundesweit betreut und begleitet wird das Peer-Projekt weiterhin von MISTEL/SPI- Forschung ggmbh in Magdeburg. In Baden-Württemberg ist das Peer-Projekt jung, mobil & KLAR der Landkreis Esslingen und Göppingen einzigartig.

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