3D PRODUKT- [ VERFASSER ] PRÄSENTATION IM WEB. Linus Fütterer, B.A. Medien und Informationswesen Hochschule Offenburg [ BACHELOR THESIS ]

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1 3D PRODUKT- PRÄSENTATION IM WEB Analyse anhand einer Konzeption & Entwicklung von Prototypen [ BACHELOR THESIS ] Bearbeitungszeitraum bis [ VERFASSER ] Linus Fütterer, B.A. Medien und Informationswesen Hochschule Offenburg [ BETREUENDE DOZENTEN ] Prof. Dr. Roland Riempp Dipl.-Ing. (FH) Benjamin Braun

2 Inhaltsverzeichnis 1 Vorwort D im Internet Reichweite Umsetzung Rechenbeispiel Produktverkauf in 3D Gestaltung Objekt Gestaltungsart Farbe Farben im Marketing Komposition Interaktivität Flash Flash Player D Frameworks Alternativa3D Alternativen zu Flash Microsoft Silverlight Moonlight Unity Peugeot RCZ Webspecial WebGL Browserunterstützung ii

3 6 Performance Molehill Grafikkarten DirectX Vision Atelier Pfister App Ray-Ban: Virtual Mirror Projektablauf Konzeption D Modelling Export/Import Animation in Flash Navigation Animation der 3D Objekte Erkenntnisse Perspektive Quellenverzeichnis Prototyp Eidesstattliche Erklärung iii

4 Abbildungsverzeichnis Abbildung Avatar definiert 2009 den Maßstab für 3D im Kino neu Abbildung Seit 1996 wurden die meisten Charaktere von Konsolen dreidimensional Abbildung Die Entwicklung von 3D im Internet wurde lange aufgrund technischer Hürden gebremst Abbildung Ausstattung privater Haushalte mit Internetzugang und Breitbandanschluss Abbildung Fotografie als Ersatz zu echten 3D Darstellungen Abbildung Klassische 360 Fotografie eines Autos iv Abbildungen

5 Abbildung Das Interesse an 3D Produktpräsentationen ist momentan sehr zurückhaltend Abbildung Sehr detaillierte und realistisch texturierte 3D Automodelle Abbildung Das Bosch Innovation Special beinhaltet ein 3D Objekt im Infografik-Stil Abbildung Abstraktion durch Veränderung der Farbe und den Einsatz von futuristisch und clean anmutenden Reflexionen Abbildung Monochromer Phosphor-Screen von IBM Abbildung RGB-Farbdreieck Abbildungen v

6 Abbildung Vergleich der Farbmischungen Abbildung Beispiel von Farb- und Layoutvarianten, derjeweiligen Zielgruppe angepasst Abbildung Die Sinusmilieus 2010 in Deutschland Abbildung Ansicht des selbst gestalteten 3D Modells Abbildung Trendige Gewinne als zusätzlicher Anreiz Abbildung Effizientes Speichern einzelner RGB- Werte von Texturen ist eine Alternative zum Speichern ganzer Texturen vi Abbildungen

7 Abbildung Das Spiel MAX Racer nutzt Alternativa3D 8 Abbildung Gelungene Webseite durch Alternativa3D 7 Abbildung Die geringe Polygonanzahl ist an Rad und Kotflügel gut zu erkennen Abbildung Dreidimensionale Navigation Abbildung Detailreiches und ästhetisches 3D Modell des Peugeot RCZ Abbildung Vor allem an abgerundeten Stellen wird die hohe Polygonanzahl deutlich Abbildungen vii

8 Abbildung Durch ausgeklügelte Fahrphysik wirkt der Peugeot beim Fahren äußerst lebendig Abbildung Mit Unity iphone und Unity Android bedient Unity Technologies den Mark für Smartphones Abbildung Demonstration einer 3D Szene in WebGL Abbildung Die fünf großen Browser teilen sich im Januar 2011 mehr als 98% des Markts Abbildung Hardwarebeschleunigung soll 3D Flash-Inhalten zukünftig auf die Sprünge helfen Abbildung Flash Videospiel MAX Racer, vorgestellt auf der Adobe MAX 2010 viii Abbildungen

9 Abbildung Der Markt wir von nur zwei Herstellern beherrscht Abbildung Die Atelier Pfister App auf iphone & ipad Abbildung Anwendungsbeispiel der Atelier Pfister App Abbildung Installation des Plugins zur Benutzung des Virtual Mirror von Ray-Ban Abbildung Der Virtual Mirror von Ray-Ban Abbildung Mindmap zum Produktionsablauf einer 3D Produktpräsentation Abbildungen ix

10 Abbildung Struktur eines Projekts in FlashDevelop, beide Bibliotheken referenziert Abbildung Funktionsweise der 3D Engine Alternativa3D 7 Abbildung Kamera-Algorithmus auf dem Papier entwickelt Abbildung Konzept für die Navigation im 3D Raum Abbildung Konzept für das Design und die Interaktivität eines 3D Objeks x Abbildungen

11 Abbildungen xi

12 1 Vorwort Wahrig - Deutsches Wörterbuch drei-di-men-sio-nal [Adj.] mit drei Dimensionen versehen, räumlich; Auf dem Bildschirm kann man die Entwicklung von 3D Inhalten in verschiedene Richtungen erkennen. Es gibt einerseits die passive Unterhaltung durch dreidimensionale Filme, die ihren Fortschritt vor allem Hollywood zu verdanken hat. Auf der anderen Seite gibt es die aktive Unterhaltung, vertreten durch 3D Videospiele auf Konsolen oder dem Computer, die ihre Wurzeln in Japan hat. Die Verwendung der dritten Dimension zu Werbezwecken, welche im Vergleich mit den beiden Unterhaltungsmedien noch einen kräftigen Nachholbedarf verspürt, hat als Medium vorwiegend das Internet. Abbildung 1.1 Avatar definiert 2009 den Maßstab für 3D im Kino neu com Foto von net/2009/12/ Die Entwicklung von 3D in der Filmindustrie erlebte ihren Durchbruch im Jahr 1995 mit dem ersten komplett in 3D gestalteten Animationsfilm Toy Story von Pixar, der auf Computergrafik spezialisierten Abteilung der Walt Disney Company. Toy Story spielte über 190 Mio US-Dollar ein (Kerlow, 2004) sprengt der von James Cameron gedrehte Film Avatar sämtliche Kassenrekorde (mehr als 2,7 Mrd US- Dollar). Ein Grund für den Erfolg: Der mit visuellen Effekten gespickte Film wurde in 3D in einer sehr hohen Qualität gedreht. Durch ein äußerst ausgereiftes 3D Stereoskopie-Aufnahmeverfahren verschmelzen real gedrehte Szenen perfekt mit den am Computer erstellen 3D Modellen und Effekten. 2 Vorwort

13 Bei Videospielen sieht die Entwicklung sehr ähnlich aus. 3D Spiele haben sich seit Jahren etabliert und können seit mehr als 15 Jahren eine große Anzahl von Anhängern begeistern. Die PlayStation von Sony und die Sega Saturn sind schon seit Ende 1994 auf dem Markt, Nintendo hatte sein Debüt Anfang 1996 mit dem Nintendo 64 (Foster, 2009). Alle Spielekonsolen wurden im japanischen Markt gelauncht, brachten über die Jahre eine Unzahl an Spielen mit sich und wurden mehrfach hinsichtlich 3D Qualität und Bedienung erneuert. In puncto Interaktivität markierte die Nintendo Wii 2006 die Spitze. Durch Infrarot-Sensoren und einen Beschleunigungsmesser kann man die Wii als Pionier der dreidimensionalen Steuerung im Videospielesektor bezeichnen. Abbildung 1.2 Seit 1996 wurden die meisten Charaktere von Konsolen dreidimensional Grafik von Wie man sieht, ist 3D in der Computerspiele-Branche und in der Filmbranche seit Mitte der 1990er Jahre vertreten und hat sich in den vergangenen 15 Jahren außerordentlich gut etabliert. In beide Branchen werden Milliardenumsätze erzielt und ein weltweiter Markt abgedeckt. Da ist es umso erstaunlicher, dass ein im Verhältnis noch sehr junges Medium, das Internet, den beiden oben genannten Unterhaltungsmedien bei der Verbreitung von 3D Inhalten deutlich hinterherhinkt. Das Internet hinkt bei der 3D Darstellung anderen Medien hinterher Gerade in der Präsentation von Produkten ist von echtem 3D im Internet noch recht wenig zu sehen. Vorwort 3

14 Das Thema wird noch immer stiefmütterlich behandelt, obwohl die Voraussetzungen auf wirtschaftlicher und technologischer Ebene durchaus gegeben sind. Durch leistungsfähigere Hardware und immer schneller werdende DSL Leitungen eignet sich das Internet mehr und mehr für dreidimensionale Visualisierung. Es entstehen völlig neue Möglichkeiten der Gestaltung, die vor allem durch verbesserte technische Gegebenheiten vorangetrieben werden. Durch die Erweiterung des Internet in die dritte Dimension sind neue Interaktionen mit den Usern möglich. Produktkonfigurationen, narrative Handlungsabläufe sind in gleichem Maße realisierbar wie intuitive Navigation. Mein Forderung lautet also: MEHR 3D FÜRS INTERNET Das Ziel meiner Arbeit ist es, einen Überblick über die aktuelle Situation von 3D Inhalten im Hinblick auf Produktpräsentationen im Internet zu geben. Hierbei möchte ich, dem Studiengang Medien & Informationswesen entsprechend, nicht nur einen Aspekt des Themas beleuchten, sondern vielmehr einen Querschnitt durch die gesamte Situation schaffen. Aus diesem Grund beziehe ich verschiedene Bereiche, die 3D im Internet betreffen, in meine Arbeit mit ein. 4 Vorwort

15 Einige Kapitel sollen lediglich als Teaser einen kurzen Ausblick über den Tellerrand schaffen, auf andere werde ich hingegen tiefer eingehen. Die Spanne der Themen reicht von der Gestaltung mit einer kreativen wie visuellen Sichtweise, zu wirtschaftlichen Aspekten, über die 3D Inhalte betreffenden Technologien der Hardware bis hin zur Programmierung auf der Informationsebene. Außerdem werde ich Gründe für den Erfolg von 3D Produktpräsentationen anhand von Beispielen und Theorien erläutern und den Prozess der Erstellung anhand einer Konzeption und der Produktion eines Prototypen erklären. Vorwort 5

16 2 3D im Internet 3D steckt noch in den Kinderschuhen Wie ich schon im Vorwort kurz erwähnte, steckt 3D im Web zum jetzigen Zeitpunkt, also um die Jahreswende 2010/2011, noch in den Kinderschuhen. Da stellt sich automatisch die Frage, warum das so ist und seit wann es überhaupt dreidimensionale Inhalte im Web gibt. Ein sehr wichtiger Faktor für die erfolgreiche Verbreitung von Technologien wie die 3D Visualisierung im Internet ist die Reichweite des Mediums. Der Grund dafür ist folgernder: Die Umsetzung neuer Technologien bedarf einer Menge an Geld. Investitionen in neue Technologien sind nur dann lukrativ, wenn mit ihnen ein breite Masse erreicht wird. Ein Markt muss gefunden werden. Und dafür sind seit langem die Weichen gestellt. 2.1 Reichweite Abbildung 2.1 Die Entwicklung von 3D im Internet wurde lange aufgrund technischer Hürden gebremst Foto von In Deutschland ist seit Jahren eine positive Entwicklung hinsichtlich der Verbreitung des Internet und somit der medialen Reichweite erkennbar. Laut statistischem Bundesamt (2009) lag der Anteil der deutschen Haushalte mit Internetanschluss 2002 bei 43 % und erreichte 2008 einen Anteil von 69 %. Dieser positiven Entwicklung liegt eine ausgezeichnete Infrastruktur zu Grunde, die eine schnelle Datenübertragung ermöglicht. Denn der Hauptgrund für einen Mangel an dreidimensionalen Inhalten im Internet lag eine lange Zeit an der schlechten Datenübertragungsrate. 6 3D im Internet

17 Mit einem analogen Modem waren Webseiten auf die Darstellung von Text und sehr gering aufgelösten Bildern beschränkt, da die Übertragungsrate maximal 56 kbit/s betrug. ISDN-Anschlüsse zur digitalen Übertragung der Daten haben die Geschwindigkeit immer noch auf 128 kbit/s beschränkt. Von 3D Darstellung im Internet war man also rein technisch noch weit entfernt. Erst als 1999 die ersten Haushalte an DSL-Leitungen angeschlossen wurden, waren die technischen Voraussetzungen für eine angemessene Übertragung geschaffen. Bei den ersten DSL-Leitungen der Telekom lag die Übertragungsgeschwindigkeit zwar noch bei knapp 1000 kbit/s, welche auch noch teuer bezahlt werden wollten, aber schon im Jahr 2000 wurde der Markt vergrößert und die ersten DSL-Flatrates wurden in Deutschland verkauft, was die Verbreitung von DSL beschleunigte wurden in Dtld. die ersten DSL-Flatrates angeboten Anteil Internet an Haushalten gesamt Anteil Breitband an Internetanschlüssen % Abbildung 2.2 Ausstattung privater Haushalte mit Internetzugang und Breitbandanschluss Eigene Abb. nach Quelle: Bauer D im Internet 7

18 Im Jahr 2003 lag der Anteil an DSL-Anschlüssen bei 17%. Bis 2006 waren ungefähr 50% aller deutschen Internetanschlüsse eine Breitbandverbindung lag die Verbreitung bei stattlichen 73% (Bauer, O., 2009). Heute liegt die Verfügbarkeit von DSL-Anschlüssen deutschlandweit bei über 90%. Den technischen Problemen der Datenübertragung sind wir also längst Herr geworden. 2.2 Umsetzung Pixelbasiertes oder vektorbasiertes 3D? Da stellt sich die Frage, warum wir heute immer noch relativ wenig 3D im Internet zu sehen bekommen. Zwar stößt man auf den meisten Webseiten von Fahrzeugherstellern auf 360 Präsentationen ihrer Modelle, doch diese sind momentan allesamt pixelbasiert und täuschen lediglich eine 3D Ansicht vor. Hergestellt wurden diese Ansichten, die man meist mit der Maus bewegen kann, durch die sogenannte 360 Produktfotografie. Hier wird eine gewisse Anzahl von Fotos geschossen, während sich das abzulichtende Objekt auf einer Drehscheibe befindet. Abbildung Fotografie als Ersatz zu echten 3D Darstellungen Eigene Abbildung Dadurch wird eine gewisse Anzahl von Fotos erstellt, die durch das Bewegen des Mauszeigers oder das Klicken eines Pfeils in der entsprechenden Reihenfolge 8 3D im Internet

19 in Flash abgespielt werden. Für den Benutzer wird das Modell räumlich dargestellt. Der Nachteil dieser pixelbasierten Methode zur Erzeugung von Räumlichkeit ist die Tatsache, dass die Modelle nach dem Fotoshooting, welches an sich schon eine Menge an Personal, Zeit und somit Kosten verursacht, nur noch in geringem Maße angepasst oder verändert werden kann. So können durch Fotoretusche Schatten erzeugt, oder Farben angepasst werden. Aber der Blickwinkel auf das Modell, also die Betrachtungsweise, ist im Nachhinein nicht veränderbar. Auch eine Rotation über mehr als eine Achse ist selten umsetzbar, da die Anzahl an benötigter Fotos exponentiell ansteigen würde Rechenbeispiel Für eine relativ flüssige, vollständige Drehung über die Y-Achse benötigt man mindestens 25 Fotos. Auf diese Weise fängt man den Blick natürlich nur aus einer Position ein, was mit einem horizontalen Kameraschwenk um das Objekt herum vergleichbar ist. Wünscht man die Möglichkeit einer Rotation über eine weitere Achse (vertikaler 360 Schwenk), so würde sich die Anzahl im schlimmsten Falle quadrieren, da man schließlich für jede Position wieder 25 Bilder für diese Achse benötigte. Auf diese Weise landet man bei einer dynamischen Produktansicht schnell im dreistelligen Bereich an benötigten Fotografien, was einerseits den Aufwand ins Unermessliche treibt und andererseits die Speichergröße explodieren lässt. Abbildung 2.4 Klassische 360 Fotografie eines Autos Screenshots von Die Grenzen der 360 Fotografie sind beim Thema Interaktivität schnell erreicht 3D im Internet 9

20 Mangelnde Interaktivität bei der 360 Fotografie Wie dieses Beispiel verdeutlicht, sind der 360 Fotografie Grenzen bei der Interaktivität gesetzt. Momentan ist sie dennoch äußerst populär, da aus ästhetischer Sicht die Ergebnisse äußerst überzeugend sind. Da am Computer generierte 3D Modelle durch die Verbesserung von Schattenwurf, Reflexionen, Einsatz von verschiedenen Lichtquellen aber immer realistischer und ästhetischer werden und somit schon bald auf Augenhöhe mit der 360 Produktfotografie ziehen, sehe ich in der 360 Fotografie keine Zukunft. Vor allem die Tatsache, dass man vektorbasierte Modelle im Nachhinein nach Belieben verändern kann und der kreativen, interaktiven Verwendung somit nichts im Wege steht, hat mich davon überzeugt, meine Arbeit der vektorbasierten 3D Präsentation von Produkten zu widmen. Fest steht, dass dreidimensionale Visualisierungen im Internet generell zu einer gesteigerten Aufmerksamkeit beim Nutzer führen, was sich in positiver Weise beim Onlineverkauf von Produkten widerspiegelt. Die erhöhte Aufmerksamkeit ist allerdings nur ein Vorteil der 3D Präsentation von Produkten. 2.3 Produktverkauf in 3D Verschärfter Konkurrenzkampf durch die Vielzahl an Onlineshops Der Kampf um die Kundschaft war noch nie so schwer wie heute. Die Schwelle zur Gründung eines eigenen Onlineshops, einer Imageseite für das eigene Unternehmen, oder einer Seite zur Akquise von Kunden für eine angebotene Dienstleistung, sinkt stetig. 10 3D im Internet

21 Der Grund hierfür liegt in neu aufkommenden Techniken und den dazu immer besser werdenden Hilfsmitteln. Vorgefertigte Templates für mietbare Onlineshops, die von Anbietern für ein vergleichsweise geringes Budget sogar gepflegt werden, machen es Einsteigern besonders leicht. So ist es nicht verwunderlich, dass Onlineshops wie Pilze aus dem Boden sprießen und ein Preiskampf ausgebrochen ist, der Seinesgleichen sucht. Es gilt also, sich im positiven Sinne von der breiten Masse abzuheben und durch Außergewöhnliches, wie zum Beispiel interaktive 3D Produkte, den Nutzer zu animieren, auf der Webseite zu bleiben. Eine gekonnt gestaltete Webseite schafft zudem ein positives Image. Die Verwendung von 3D Content hebt dieses Image meist zusätzlich an. Der Grund hierfür ist, dass man Produkte, die man im Internet erstehen möchte, meistens noch nicht live gesehen hat. Es fehlt die haptische Ebene, die Auskunft über Wertigkeit, Verarbeitung, die verwendeten Materialien und Maße eines Produkts gibt. Mit 3D kann man sich von der Masse absetzen 3D Produktansichten als Ersatz für die haptische Ebene Eines, oder mehrere hochauflösende Fotos mit einer ausführlichen, schriftlichen Beschreibung sind zwar ein guter Anfang, um dem Mangel an Haptik positiv entgegenzuwirken, oder zumindest etwas zu verringern, dennoch wird dem potentiellen Kunden jegliche Form von Interaktion vorenthalten, die er in einem Geschäft in seiner Umgebung vorfinden würde. 3D im Internet 11

22 Auch im Internet gilt: Qualität schafft Vertrauen Meist entscheidet das Bauchgefühl Gerade in der Anonymität und der Weite des Internets ist es also immens wichtig, Vertrauen mit potentiellen Kunden, den Webseitenbesuchern, aufzubauen. Bei einem Onlineshop erreicht man Vertrauen einerseits durch gängige Methoden wie PayPal-Zahlungsverfahren, ein TÜV- oder Trusted Shops Siegel, ein rechtsgültiges Impressum mit gültiger Steuernummer, eine gültige Anschrift und ein ordentliches, seriösen Seitenlayout. Durch die Verwendung von interaktiven 3D Produktmodellen, kann man jedoch einen zusätzlichen Aha-Effekt und somit Professionalität und Seriosität vermitteln. Denn viele der oben genannten objektiven und prüfbaren Sicherheitsfaktoren werden von Kunden nicht überprüft. Meist entscheidet das sogenannte Bauchgefühl über Ver- oder Misstrauen, welches durch weiche, subjektive und meist visuelle Faktoren bestimmt wird. Die 3D Visualisierung eines Produkts, gepaart mit einer umfangreichen Produktbeschreibung, liefert potentiellen Kunden also ein Plus an Informationen, was Seriosität schafft und im Idealfall kaufentscheidend sein kann. Das Ziel der Verkaufsförderung wäre somit erreicht. Es bleibt also zu hoffen, dass sich die momentane Scheu vor der Platzierung von Produkten in 3D bald in ein starkes Interesse verwandelt. 12 3D im Internet

23 ?? 3D sucks! Abbildung 2.5 Das Interesse an 3D Produktpräsentationen ist momentan sehr zurückhaltend Eigene Abbildung 3D im Internet 13

24 3 Gestaltung Die visuelle Ebene als Entscheidungsfaktor Der Gestaltung von 3D Produktpräsentationen im Web widme ich ein eigenes Kapitel, da diese aus meiner Sicht den Hauptgrund für den Erfolg oder das Misslingen eines 3D Projekts darstellt. Denn Konsumenten werden seit Jahrzehnten von der Medienwelt trainiert, auf die visuelle Ebene besonders emotional anzusprechen. Sie wurden für das Thema sensibilisiert. Man sollte also bei einer Produktpräsentation im Web auf die Welle mit aufspringen, die Film, Fernsehen und Print bereits erfolgreich ins Rollen gebracht haben. Was ist gutes Design? Da Design eine sehr subjektive Angelegenheit ist, gibt es natürlich keine allgemeingültige Regel, welche bestimmt, ob eine 3D Präsentation gelungen oder missraten ist. Es gibt allerdings einige Regeln und Gestaltungsgrundlagen, die den Gestaltungsprozess in die richtige Richtung führen. Wenn man die Wirkung der einzelnen Faktoren eines Designs versteht, kann man mit ihnen gezielt arbeiten und den gewünschten Effekt erzielen. Klare Zieldefinition Man sollte also von vorne herein wissen, was für eine Wirkung die 3D Präsentation auf den Benutzer haben soll. Möchte ich beispielsweise eine edle Anmutung im klassischen Sinne, ein neutrales und konservatives Erscheinungsbild, eine moderne, sterile Wirkung (clean design) oder aber eine verspielte, polarisierende Optik erzeugen? Diese Frage nach der Art der Gestaltung einer Webseite mit 3D Inhalt steht ganz am Anfang und beein- 14 Gestaltung

25 flusst den Gestaltungsprozess von Grund auf. Denn auf der Basis der Gesamtwirkung der Webseite sollten alle Einzelteile des Designs gestaltet werden. Man arbeitet sich quasi von Außen nach Innen, vom Groben bis hin zum kleinsten Detail. Diese Art der Umsetzung, also das Aufschlüsseln eines Design in kleine Einzelteile, ist zwar sehr aufwendig, aber eben sehr gut kontrollierbar. In den folgenden Absätzen erkläre ich die Wirkung verschiedener Gestaltungsmittel und Bestandteile einer 3D Produktpräsentation. Aufschlüsseln bis ins kleinste Detail 3.1 Objekt Das 3D Objekt im Sinne des dargebotenen Produkts steht im Mittelpunkt der Präsentation, es ist der Grund für die Erstellung der Webseite. Für die Erstellung dieses 3D Objekts wird im Workflow der Produktpräsentation meist sehr viel Mühe und Zeit investiert. Es ist somit sehr wichtig, wie es gestaltet wird. Aus diesem Grund sollten noch vor dem Beginn der Erstellung etliche Fragen geklärt werden. Welche Funktion soll das 3D Objekt haben? Steht die Übermittelung von Informationen im Vordergrund oder hat die Ästhetik Vorrang? Wie hoch wird der Grad an Interaktivität sein? 1 Welche Grenzen bei der Gestaltung werden aus technischer Sicht gezogen? 2 Welche Qualität ist überhaupt darstellbar? 1 s. K. 4 Interaktivität 2 s. K. 6 Performance Für die Gestaltung eines dreidimensionalen Produkts Gestaltung 15

26 kann man die Gewichtung auf verschiedene Aspekte legen. Jede Art der Gestaltung hat hierbei gewisse Vor- und Nachteile. Im folgenden Unterkapitel differenziere ich zwischen verschiedenen Arten der Gestaltung, beleuchte ihre Unterschiede bezüglich der Wirkungsweise sowie ihre Stärken und Schwächen Gestaltungsart Geht es um die Vermittlung von Information, ist meist eine fotorealistische Darstellung, also möglichst eine 1:1-Umsetzung eines Produkts in ein digitales 3D Objekt, die beste Variante. Die Realistische Darstellung eines 3D Modells erfordert eine hohe Anzahl von Polygonen sowie hoch auflösende Texturen, was die Performance negativ beeinflusst Bei dieser Produktvorschau sind eine hohe Auflösung und eine große Detaildichte besonders wichtig. Das 3D Modell sollte eine hohe Polygonanzahl besitzen, um die Originalform des Objekts detailgetreu wiederzugeben. Die Texturen sollten in einer besonders hohen Auflösung erstellt werden, um den fotorealistischen Eindruck nicht durch Artefakte und Verpixelung zu trüben. Besonders wichtig ist eine hohe Auflösung bei interaktiven Modellansichten, die eine Zoom-Ansicht bereitstellen. Selbst wenn bei einer Standardansicht das 3D Produkt noch sehr realistisch erscheint, bekommt man schon bei geringer Vergrößerung sehr schnell ein verschwommenes, verpixeltes Ergebnis. Daher gilt es, das Ziel der Verwendung gleich von Beginn an klarzustellen. Anders herum gilt es natürlich, nicht mit Kanonen auf Spatzen zu schießen. Bei einer kleinen 3D Produktansicht, beispielsweise 300x200 Pixel, muss man keine 5 Megapixel umfassende Textur verwenden, welche 16 Gestaltung

27 die Ladezeit verlängert und die Performance unnötig verlangsamt. Abbildung 3.1 Sehr detaillierte und realistisch texturierte 3D Automodelle Cars_2010_USA.html Die realitätsnahe, dreidimensionale Darstellung von Produkten ist ganz klar die Königsdisziplin der 3D Computergrafik. Die Maßstabstreue und die Vielfalt an Details fordert allerdings ihren Tribut in der Erstellungszeit und momentan bei der Performance. Denn das Zielmedium Internet birgt einige Hürden für die Darstellung von komplexen, speicher- und renderlastigen Inhalten. Deshalb führt im Moment kein Weg an aufwendigen Plugins 1 vorbei, die dem Browser weit- 1 siehe K. 5.2 Unity Gestaltung 17

28 reichende Hardwareunterstützung ermöglichen. Als Vorteil sehe ich klar die mögliche Konkurrenz zur 360 Grad Fotografie, welche über kurz oder lang durch die fotorealistische Darstellung von 3D Modellen ersetzt werden könnte. Wird ein 3D Modell noch durch interaktive Elemente ergänzt, stellt das einen klaren Vorteil gegenüber der Produktfotografie dar. Der Nachteil ist momentan lediglich die Performance. Funktionsorientierte 3D Grafik Wenn man den Schwerpunkt einer 3D Präsentation eher auf die Funktionsweise eines Produkts setzen möchte, als Zweck also klar die Informationsvermittlung in erklärender Weise steht, gibt es neben der fotorealistischen Darstellung einen zweiten Weg der Umsetzung: Eine schemenhafte, grafisch illustrierte Funktionsabbildung. Diese ist besonders hilfreich, wenn komplexe Details oder Vorgänge nur schwer mit Bildern und Worten erklärt werden können. Abbildung 3.2 Das Bosch Innovation Special beinhaltet ein 3D Objekt im Infografik-Stil 18 Gestaltung

29 Bei dieser Art von Gestaltung kann man gezielt für den Präsentationszweck unwichtige Details weglassen, um den wichtigen Elementen mehr Beachtung zu schenken. Man lenkt das Auge des Benutzers durch gezielte Akzentuierung. Im technischen Bereich ist diese grafisch anmutende Art und Weise der Gestaltung von 3D Objekten sehr verbreitet. Bei Bedarf kann diese Gestaltungsvariante auch mit interaktiven Elementen erweitert werden, was den Bezug zum Benutzer deutlich erhöht. Hier als Beispiel mit Textfeldern durch Roll-Over. Der Vorteil dieser Gestaltungsart ist einerseits eine größere Übersichtlichkeit gegenüber einer fotorealistischen Darstellungsweise durch geringere Detailtiefe und andererseits eine deutlich besserer Performance, da Texturen einfacher gehalten werden können und die Wirkung trotz geringerer Polygonanzahl sehr ansprechend sein kann. Als Nachteil sehe ich die eingeschränkte Verwendbarkeit. Manche Produkte verlieren ihre ästhetische Wirkung, wenn beispielsweise Reflexionen auf der Oberfläche fehlen, oder Details wegfallen. Grafisch anmutende 3D Modelle sind besonders im technischen Sektor beliebt Eine weitere Möglichkeit für die Gestaltung eines 3D Produkts ist eine Darstellung mit der Gewichtung auf künstlerisch, ästhetischen Aspekten. Diese Darstellungsweise ist vorrangig der Erzeugung von Image verschrieben, die Einhaltung von Maßstäben oder die korrekte Abbildung der Realität ist nicht nötig. Solange eine ästhetisch ansprechende Optik erreicht wird, kann der Abstraktionsgrad beliebig hoch sein. Ästhetische Darstellung zur Erzeugung von Image Gestaltung 19

30 Abbildung 3.3 Abstraktion durch Veränderung der Farbe und den Einsatz von futuristisch und clean anmutenden Reflexionen index.php Der Vorteil dieser kreativen Art der Gestaltung ist eine sehr hohe Zielgruppenaffinität, indem man den Stil der Darstellung wie gewünscht anpasst. Als Nachteil kann eine eventuelle Enttäuschung auf Kundenseite sein, falls erzeugte Erwartungen des digitalen 3D Produkts in der Realität nicht erfüllt werden. Die Gestaltung sollte dem Zweck der Verwendung angepasst sein Jede Art der Umsetzung hat bei situationsgerechter Verwendung ihre Berechtigung, solange der Zweck und das Ziel der Produktpräsentation und die anzusprechende Zielgruppe klar definiert sind. Ganz egal auf welche Art oder in welchem Stil ein 3D Objekt gestaltet wird, gibt es dennoch einige konstante Faktoren, welche die Qualität eines Objekt beeinflussen. So spielt die richtige Farbwahl beispielsweise eine bedeutende Rolle in der Gestaltung von 3D Objekt und dazugehörigem Layout. 20 Gestaltung

31 3.2 Farbe Bevor man Farbe als Gestaltungsmittel einsetzt, sollte man sich zuerst den Darstellungsmöglichkeiten des Zielmediums bewusst sein. Diese sind im Falle des Internets und somit des Computers, der die Webseiten schließlich auf einem Monitor darstellt, erst seit geraumer Zeit auf einem hohen Niveau. Erst Anfang der 1990er Jahre bescherte IBM der Grafikkarte die Anzeigemodi SVGA und XVGA, welche erstmals eine Farbtiefe von 16 Bit bzw. 32 Bit boten, für die kommerzielle Verwendung erschwinglich waren und somit die privaten Haushalte bedienten (Eickmann, 2004, S.19). 16 Bit Farbtiefe, auch als High Color bekannt, kann 2 16 und demnach Farben darstellen. 32 Bit setzt sich aus 24 Bit True Color, eine Darstellung von 2 24 somit 16,7 Millionen Farben und zusätzlich einen 8 Bit Alphakanal zusammen. Die späteren Standards UVGA, SXGA und UXGA können höhere Auflösungen darstellen und bieten je nach Ausführung die gleichen Farbtiefen. Allen gemeinsam ist auch die Darstellung sämtlicher Farben aus dem RGB-Farbraum, was der additiven Farbmischung entspricht (siehe Abb. 3.6, S.22). Laut Küthe und Küthe (2002) hat dieser Farbraum, welcher eigentlich RGV für Rot-Grün-Violett heißen müsste (Blau ist eine Grundfarbe von CMYK), Schwächen in der Darstellung von Grün und Rot, da das Farbdreieck für ein akzeptables Gelb angepasst wurde. Dieser Tatsache sollte man sich bei der Gestaltung stets bewusst sein. Abbildung 3.4 Monochromer Phosphor-Screen von IBM 1 Bit Farbtiefe, auch Monochrom genannt Abbildung 3.5 RGB-Farbdreieck Das schwarze Dreieck entspricht den 3 Grundfarben, das weiße Dreieck zeigt die angepasste Farbdarstellung Eigene Abb., nach Küthe und Küthe, 2002 Gestaltung 21

32 Abbildung 3.6 Vergleich der Farbmischungen: Additive (RGB) und subtraktive (CMYK) Farbmischung (v.l.n.r.) Eigene Abb., nach Küthe und Küthe, 2002 Die Bedeutung von Farbe wird oftmals unterschätzt Nachdem die Möglichkeiten des Zielmediums abgesteckt sind, beginnt die kreative Gestaltung mit einer Vielfalt an Farben. Diese sollte wohl überlegt sein, denn die Bedeutung von Farbe wird oft unterschätzt. So bricht laut Küthe und Küthe (2002) Farbe die Form, sie löst eine Gestalt auf. Eine nicht unerhebliche Gesetzmäßigkeit, die von einigen Tierarten als Tarnung genutzt wird. Da man im Webdesign allerdings dem Auge durch klare Formen und Farben schmeicheln sollte, gilt es, eine Koexistenz von Farbe und Form zu schaffen. So kann man gezielt das Auge des Betrachters reizen und fordern indem man durch Farbe und Form eine Spannung erzeugt. Außerdem kann man den Betrachter navigieren und ihm durch klare Strukturen und Farben Seriosität und Übersicht vermitteln. Das nächste Unterkapitel zeigt verschiedene Gestaltungswege, die dem jeweiligen Zweck angepasst sind. So sollte sich die Farbwahl für eine klassische Produktpräsentation von der einer modernen und frechen unterscheiden. 22 Gestaltung

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