Konzeption und Entwicklung eines datenbankbasierten Systems zur Verwaltung von GNSS-Daten

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1 Fachbereich Landschaftsarchitektur, Geoinformatik, Geodäsie und Bauingenieurwesen Masterstudiengang Geoinformatik und Geodäsie Konzeption und Entwicklung eines datenbankbasierten Systems zur Verwaltung von GNSS-Daten Masterarbeit vorgelegt von: Markus Bradke Zum Erlangen des akademischen Grades Master of Engineering (M.Eng.) Erstprüfer: Zweitprüfer: Prof. Dr.-Ing. Andreas Wehrenpfennig Dr. Jens Wickert Angefertigt am Helmholtz-Zentrum Potsdam Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ im Zeitraum vom 02. Januar August 2012 urn:nbn:de:gbv:519-thesis

2 Kurzfassung Die Beobachtung des Erdsystems und die Erforschung geodynamischer Prozesse mit Hilfe globaler Navigationssatellitensysteme (GNSS) haben in den letzten Dekaden stark an Bedeutung gewonnen. Die Modellierung dieses Systems basiert auf einer Vielzahl von Daten, die von global verteilten Beobachtungsstationen registriert werden. Für die Analyse und Auswertung dieser Daten müssen die Eigenschaften der Stationsempfänger und -antennen sowie der Satelliten bekannt sein. Die benötigten Informationen werden derzeit dateibasiert, redundant und ohne Möglichkeit zur Datenvalidierung verwaltet. Das Ziel der vorliegenden Masterarbeit besteht in der Konzeption und Entwicklung eines datenbank- und webbasierten Systems zur Verwaltung von Beobachtungsstationsund Satellitenmetadaten. Die Applikation soll dazu beitragen den Verwaltungsaufwand bei der Pflege der Metainformationen zu minimieren. Die graphische Benutzeroberfläche wurde auf Basis von PHP 5.3, HTML und JavaScript entwickelt. Für die Verwaltung der Metainformationen wurde das objektrelationale Datenbankmanagementsystem PostgreSQL 8.4 genutzt. Durch den modularen und objektorientierten Programmieransatz lässt sich die Applikation leicht um zusätzliche Funktionalitäten erweitern.

3 Abstract The monitoring of the earth system and the research of geodynamic processes based upon global navigation satellite systems (GNSS) became more significant in the last decades. The modelling of this system rested on a variety of data that are registered by globally distributed observation stations. The analysis and evaluation of these data require established features of the station s receivers and antennas as well as satellites. This information is currently redundantly stored in ASCII data files without an option for validation. The present master thesis focuses on the conception and development of a databasebased web application for the management of station and satellite metadata. The application shall contribute maintaining metainformation and minimizing administration effort. The implementation of the graphical user interface is based upon PHP 5.3, HTML and JavaScript. The data management restricts on the usage of the object-relational database management system PostgreSQL 8.4. Due to the modular and object-oriented programming approach the application is simply extensible.

4 Abkürzungsverzeichnis ACID AJAX API CGI CSS CSV DBMS DBS DSN DTD EPN EUREF GFZ GIS GLONASS GPS GUI HTML HTTP IGS ITRF JS JSON LDAP PDF PHP RINEX SEMISYS SQL TCP/IP URL WWW Atomicity, Consistency, Isolation, Durability Asynchronous JavaScript and XML Application Programming Interface Common Gateway Interface Cascading Style Sheets Comma-Separated Values Datenbankmanagementsystem Datenbanksystem Data Source Name Document Type Definition EUREF Permanent Network Reference Frame Sub Commission for Europe Helmholtz-Zentrum Potsdam Deutsches GeoForschungsZentrum Geoinformationssystem Globalnaja Nawigazionnaja Sputnikowaja Sistema Global Positioning System Graphical User Interface Hypertext Markup Language Hypertext Transfer Protocol International GNSS Service International Reference Frame JavaScript JavaScript Object Notation Lightweight Directory Access Protocol Portable Document Format PHP:Hypertext PreProcessor Receiver Independent Exchange Sensor Meta Information System Structured Query Language Transmission Control Protocol/ Internet Protocol Uniform Resource Locator World Wide Web III

5 Inhaltsverzeichnis Abkürzungsverzeichnis III 1 Einleitung 1 2 Grundlagen Global Navigation Satellite Systems (GNSS) Grundprinzip der Positionsbestimmung Aufbau globaler Navigationssatellitensysteme International GNSS Service (IGS) Datenbanksysteme Eigenschaften eines Datenbanksystems Datenbankmodelle PostgreSQL Datensicherung Internet-GIS Geodaten Technologie Online-Kartenanwendungen und Programmierschnittstellen Analyse Datengrundlage IGS Site Information Form (Sitelog) IGS Receiver/Antennen-Tabelle IGS Antennengraphik-Datei GFZ Satellitenparameter-Tabelle Anforderungen Funktionale Anforderungen Nichtfunktionale Anforderungen Technische Anforderungen Stand der Technik IGS Metainformationssystem EPN Metainformationssystem IV

6 Inhaltsverzeichnis 4 Konzeption und Entwurf Systemarchitektur Datenmodellierung Verwaltung von Metainformationen Projektbezogene Nutzer-, Rechte- und Sitzungsverwaltung Protokollierung von Änderungen Datensätze sperren Fehlerbehandlung Struktur und Funktionen der Systemkomponenten HTML-Grundgerüst Datenbankkommunikation Fehlerbehandlung Authentifizierung Rechteverwaltung Projektbezogene Verwaltung von Metainformationen Interaktive Kartendarstellung Graphische Benutzeroberfläche Implementierung und Testphase Systemarchitektur Basiskomponenten Datenbank Programmier- und Skriptsprachen Systemkomponenten Authentifizierung Nutzerbereich Administrativer Bereich Testphase Komponententest Systemtest Zusammenfassung und Ausblick 70 Literaturverzeichnis Abbildungsverzeichnis Tabellenverzeichnis Anhang VI IX XI XIV V

7 1 Einleitung Die Beobachtung des Erdsystems und die Erforschung geodynamischer Prozesse mit Hilfe globaler Navigationssatellitensysteme (GNSS, engl. Global Navigation Satellite System) haben in den letzten Dekaden stark an Bedeutung gewonnen. Die Sektion 1.1 GPS/Galileo Erdbeobachtung des Deutschen GeoForschungsZentrums Potsdam (GFZ) beschäftigt sich mit der Nutzbarmachung satellitengestützter Verfahren für geowissenschaftliche Anwendungen. Die Grundlage dieser Anwendungen stellen Daten dar, die von global verteilten Beobachtungsstationen registriert und von Analysezentren ausgewertet werden. Für die Analyse und Auswertung dieser Daten müssen die Charakteristika der Stationsempfänger- und antennen sowie der Satelliten bekannt sein. Für die historische Erfassung und Verwaltung von Stationsmetadaten hat sich eine vom International GNSS Service (IGS) konzipierte ASCII-basierte Datei (als IGS Sitelog bezeichnet, IGSCB (2012d)) als De-facto-Standard im geowissenschaftlichen Umfeld etabliert. Die Verwaltung der Satellitenparameter erfolgt in einer vom GFZ geführten Textdatei. Das grundlegende Ziel dieser Arbeit ist die persistente, datenformatunabhängige und validierte Speicherung aller Stations- und Satellitenmetainformationen an einer zentralen Stelle. Durch die zentrale Verwaltung soll sich insbesondere der Aufwand bei der Pflege und Verwaltung der IGS Sitelogs der vom GFZ verwalteten Stationen 1 minimieren. Darüber hinaus soll die Applikation die Grundlage für die Weiterentwicklung der Routine-Software des operationellen Datenzentrums am GFZ Potsdam darstellen, um für eigene Stationen automatisch spezifische RINEX-Header 2 (engl. Receiver Independent Exchange) der empfangenen Beobachtungsdaten zu generieren und die RINEX-Header externer Beobachtungsdaten gegenüber den in der Datenbank hinterlegten Metainformationen zu validieren. Dadurch wird verhindert, dass inkonsistente Beobachtungsdaten archiviert werden, die bei der Analyse der Daten zu Fehlern führen. Im Rahmen der vorliegenden Masterarbeit wurde ein lauffähiger, auf Client/Server-Technologie basierender Prototyp zur projektbezogenen Verwaltung von Stations- und Satellitenmetadaten für das GFZ Potsdam konzipiert und entwickelt. Darüber hinaus wurde ein internetbasiertes Geoinformationssystem (Internet-GIS) mit Grundfunktionalitäten für die Visualisierung und einfache Analyse der Beobachtungsstationen implementiert. 1 Das GFZ Potsdam betreibt derzeit circa 30 eigene, global verteilte Beobachtungsstationen. 2 Der Kopf einer RINEX-Datei (siehe Gourtner und Estey (2012)) enthält wichtige stationsspezifische Metainformationen (u.a. Stationsname, Receivertyp, Empfängertyp). 1

8 2 Grundlagen 2.1 Global Navigation Satellite Systems (GNSS) Der Begriff Global Navigation Satellite Systems (GNSS) bezeichnet den Zusammenschluss verschiedener satellitengestützter Systeme für die Positionierung und Navigation auf der Erdoberfläche und in der Luft. Zu diesen zählen u.a. die sich im operationellen Betrieb befindlichen Systeme GPS (Global Positioning System) und GLONASS (Globalnaja Nawigazionnaja Sputnikowaja Sistema) sowie die sich im Aufbau befindlichen Systeme Galileo und Beidou/Compass Grundprinzip der Positionsbestimmung Satellitennavigationssysteme wurden entwickelt, um die Position, Geschwindigkeit und Zeit eines Körpers oder Punktes im erdfesten System zu bestimmen. Alle mit GNSS bestimmten Positionen beruhen auf der Entfernungsmessung zwischen dem Satelliten und der Empfangseinheit auf der Erde (vgl. Abbildung 2.1). Abbildung 2.1: Positionsbestimmung mittels GNSS (Zogg, 2011, S. 17) 2

9 Kapitel 2. Grundlagen Die Distanz zu jedem der beobachteten Satelliten kann über die Laufzeit des Signals (skaliert mit der Lichtgeschwindigkeit c = m s ) ermittelt werden. Bei allen Satellitennavigationssystemen handelt es sich um Einweg-Entfernungsmessverfahren, d.h. das Sende- und Empfangszeit von unterschiedlichen und nicht synchronisierten Uhren bestimmt werden und somit einen bestimmten Offset aufweisen. Es werden daher nur Pseudoentfernungen (engl. Pseudorange) und die Zeit, zu der das Signal im Empfänger einläuft, gemessen. Für die Bestimmung einer dreidimensionalen Empfängerposition sowie des Empfängeruhrfehlers werden daher mindestens vier Satelliten zur mathematischen Lösung der vier unbekannten Größen benötigt. (vgl. Seeber (2003, S. 211), Zogg (2011, S. 11ff)) Aufbau globaler Navigationssatellitensysteme Alle satellitengestützten Navigationssysteme können strukturell in drei Segmente gegliedert werden: dem Raumsegment, dem Kontrollsegment und dem Nutzersegment. Raumsegment Das Ziel aller Systeme ist die kontinuierliche, globale Bestimmung von Positionen auf der Erde. Daher muss eine Satellitenkonstellation entwickelt und gewählt werden, bei der an jedem Ort und zu jedem Zeitpunkt (mindestens) vier Satelliten nutzbar sind. Die Satelliten sind mit Atomuhren, Radio Transceivern 3, Computern und zusätzlichen Equipment (u.a. Sonnenkollektoren zur Stromversorgung, Antriebssystem zur Bahnkorrektur und Stabilität) ausgestattet, um die Satelliten zu betreiben (Hofmann-Wellenhof et al., 2008, S. 6f). Die Satelliten senden Signale auf definierten Frequenzen, die die aktuelle Position des Satelliten sowie die Zeit, zu der dieses Signal ausgesandt wurde, enthalten. Diese Signale werden vom Empfänger registriert und in eine Pseudoentfernung transformiert. Kontrollsegment Das Kontrollsegment ist für die Steuerung des Gesamtsystems zuständig. Zu den Hauptaufgaben zählen (vgl. Zogg (2011, S. 51), Seeber (2003, S. 217)): Überwachung, Kontrolle und Wartung des Systems inklusive Satelliten, Berechnung und Übermittlung der Bahndaten (Ephemeriden und Almanach), Überwachung und Synchronisation der Satellitenuhren, Kommunikation mit den Satelliten (Übermittlung von Navigationsnachrichten, Einleitung von Manövern). 3 Ein Transceiver ist eine zusammengesetzte technische Einrichtung, bestehend aus einem Transmitter (Sendeeinheit) und einem Receiver (Empfangseinheit). 3

10 Kapitel 2. Grundlagen Das Kontrollsegment besteht im Allgemeinen aus einer Hauptkontrollstation sowie mehreren Monitor- und Bodenkontrollstationen. Die Monitorstationen beobachten permanent alle sichtbaren Satelliten und senden die registrierten Daten an die Hauptkontrollstation, wo die Bahn- und Uhrparameter aus diesen Beobachtungen berechnet werden. Die Ergebnisse werden an die Bodenkontrollstationen übermittelt und von dort an die Satelliten übertragen. (vgl. Hofmann-Wellenhof et al. (1993, S. 18f), Seeber (2003, S. 217)) Nutzersegment Das Nutzersegment umfasst im Wesentlichen alle Empfangseinheiten (engl. Receiver), mit denen Satellitensignale empfangen und die enthaltenen Informationen zur Berechnung der eigenen Position genutzt werden können. Nach Hofmann- Wellenhof et al. (2008) kann das Nutzersegment in Nutzerkategorien, Receivertypen und verschiedene Informationsdienste klassifiziert werden. Die Nutzerkategorien lassen sich sowohl in zivile und militärische als auch in autorisierte und nicht-autorisierte Nutzergruppen unterteilen. Die Unterteilung in Receivertypen ergibt sich aus der Vielfalt der auf dem kommerziellen Markt angebotenen Geräte 4, die unterschiedliche Eigenschaften aufweisen können. Die Receiver lassen sich u.a. nach den empfangenen GNSS-Typen (z.b. GPS, GLONASS, Galileo), nach der Anzahl der Kanäle sowie nach den empfangenen Beobachtungstypen (z.b. L1, L2, P1, P2) charakterisieren. Für die Bereitstellung von GNSS Status-Informationen und GNSS-Daten für die Nutzer haben sich verschiedene behördliche Institutionen und private Unternehmen etabliert. Sie veröffentlichen u.a. Bahndaten (Ephemeriden, Almanach), Erdrotationsparameter, atmosphärische Parameter sowie Beobachtungsdaten. Als Beispiel sei an dieser Stelle der International GNSS Service (IGS) zu nennen, der im Nachfolgenden näher vorgestellt werden soll International GNSS Service (IGS) Der International GNSS Service (IGS) ist ein freiwilliger Zusammenschluss von mehr als 200 weltweit operierenden Organisationen. Der IGS bündelt die Ressourcen der mitwirkenden Organisationen und kann dadurch ein globales Netzwerk an GNSS-Stationen erschließen, das aktuell 5 aus 440 Stationen besteht. Die GNSS-Stationen zeichnen permanent Rohdaten auf und senden diese an die zuständigen operationellen Datenzentren. Da die Rohdaten binär und empfängerspezifisch sind, müssen diese in das ASCII-basierte, 4 Der International GNSS Service (IGS) führt derzeit 282 unterschiedliche, im geodätischen und geowissenschaftlichen Umfeld genutzte Receivertypen (IGSCB, 2012c, Stand: ). 5 Stand:

11 Kapitel 2. Grundlagen empfängerunabhängige Datenformat RINEX konvertiert und auf Validität geprüft werden. Anschließend werden die formatierten Daten an regionale oder globale Datenzentren übertragen. Auf Grundlage der gewonnenen Daten können präzise GNSS-Produkte erzeugt und bereitgestellt werden, die für wissenschaftliche und technische Anwendung genutzt werden. Dazu zählen: GPS und GLONASS Ephemeriden, Erdrotationsparameter, GPS Satelliten- und Stationsuhreninformationen, Koordinaten der Beobachtungsstationen sowie ionosphärische und troposphärische Parameter. Die Aktivitäten der GNSS-Stationen, Datenzentren und Analysezentren werden durch das Zentralbüro (engl. Central Bureau, CB) koordiniert. IGS CB veröffentlicht Standards und Richtlinien, an die sich die Beteiligten richten müssen. Darüber hinaus ist das Zentralbüro für die Verwaltung der IGS Sitelogs sowie für die Aktualisierung weiterer Metadaten verantwortlich. Die qualitative Sicherung der Analyseergebnisse und veröffentlichten Produkte ist ebenso Bestandteil der Aufgaben des IGS CB. Das GFZ Potsdam, als mitwirkende Organisation, unterstützt den IGS mit 24 6 weltweit verteilten Stationen sowie einem operationellen Daten- und Analysezentrum. Das GFZ beteiligt sich an der Generierung und Instandhaltung des International Reference Frame (ITRF) sowie an der Bereitstellung hochgenauer Satellitenorbits, Uhrenparameter und Erdrotationsparameter. Für die Analyse der Beobachtungs- und Navigationsdaten und der damit verbundenen Generierung von GNSS-Produkten müssen die Eigenschaften der Stationsempfänger und -antennen bekannt sein. Hierfür stellt der IGS für jede Station eine ASCII-basierte Datei (IGS Sitelog) bereit, die für die historische Erfassung der Stationsmetadaten genutzt wird. Darüber hinaus werden textbasierte Dateien mit Informationen über Receiver- und Antennentypen zur Verfügung gestellt. Die dateibasierte Verwaltung von Metadaten ist für eine kleine Anzahl an Beobachtungsstationen unproblematisch. Mit zunehmender Stationsanzahl und der damit verbundenen Menge an Daten und komplexen Zusammenhänge hat sich der Verwaltungsaufwand erhöht. Darüber hinaus gibt es keine Möglichkeit der Bearbeitung nutzerspezifischer Anfragen. Ein datenbankbasierter Ansatz ist somit unumgänglich. 6 Stand:

12 Kapitel 2. Grundlagen 2.2 Datenbanksysteme Ein Datenbanksystem (DBS) ist ein System, das der elektronischen Speicherung und Verwaltung von Daten dient und aus zwei Komponenten besteht: dem Datenbankmanagementsystem (DBMS) und der eigentlichen Datenbank. Die Datenbank ist eine strukturierte Sammlung einheitlich beschriebener, persistent gespeicherter Daten (Brinkhoff, 2008). Das Datenbankmanagementsystem ist die Software, die als Schnittstelle zwischen der Datenbank und den Applikationen fungiert und einen einheitlichen und effizienten Zugriff auf die Daten ermöglicht, ohne dass deren interne Struktur bekannt ist. In Abbildung 2.2 ist der Zugriff eines Anwenderprogramms über die Programmschnittstellen des DBMS auf die Datenbank graphisch dargestellt. DBS Datenbank Datenbank- Managementsystem (DBMS) Applikation Applikation Abbildung 2.2: Aufbau eines Datenbanksystems (angelehnt an Bartelme (2005) und Brinkhoff (2008)) Eigenschaften eines Datenbanksystems Die Motivation zum Einsatz von Datenbanksystemen ergibt sich aus den Unzulänglichkeiten beim Nutzen von Dateisystemen (Bradke, 2009, S. 6). Dateisysteme bieten als Strukturierungsmechanismus Dateien und hierarchische Verzeichnisse an. Sie bieten aber keine Funktionalitäten hinsichtlich einer Integritätsprüfung, eines Mehrbenutzerbetriebs oder einer Anfragebearbeitung. Diese Schwächen werden bei der datenbankbasierten Verwaltung von Daten aufgelöst. Nachfolgend sollen die Eigenschaften eines Datenbanksystems beschrieben werden (angelehnt an Codd (1970)). Datenunabhängigkeit Die Datenmodellierung und -abfrage erfolgt unabhängig von der physischen Organisation der Daten, d.h. dass die enge Verknüpfung zwischen den Daten und den Applikationen aufgelöst wird und sich Änderungen bei der Datenspeicherung nicht auf das Anwenderprogramm auswirken (vgl. Brinkhoff (2008)). Zentrale Datenhaltung, Mehrbenutzerbetrieb und Datensicherheit Die Daten werden zentral auf einem Server gehalten und stehen den Anwendern somit in gleicher Form zur Verfügung. Das Datenbanksystem muss daher einen Mehrbenutzerbetrieb sicherstellen, sodass mehrere Anwender gleichzeitig sowohl lesend als auch schreibend auf die 6

13 Kapitel 2. Grundlagen Datensätze in der Datenbank zugreifen können (Brinkhoff, 2008). Dies hat zur Folge, dass das DBMS ein Transaktionskonzept (ACID-Prinzip, siehe Tabelle 2.1) unterstützen muss, um die Konsistenz des Datenbestandes zu gewährleisten. Eigenschaften Bedeutung Beschreibung Atomicity Atomarität Eine Transaktion wird entweder als Ganzes oder gar nicht ausgeführt. Consistency Konsistenz Die Datenbank ist vor und nach jeder Transaktion in einem konsistenten Zustand. Alle Datenmanipulationen müssen den Integritätsbedingungen des Datenmodells entsprechen. Isolation Isolation Jede Transaktion läuft isoliert, d.h. unabhängig von anderen Transaktionen. Durability Dauerhaftigkeit Alle transaktionalen Änderungen werden persistent in der Datenbank gespeichert. Tabelle 2.1: Das Transaktionskonzept nach dem ACID-Prinzip (vgl. Kemper und Eickler (2011, S. 289)) Datenintegrität Sämtliche Daten sollten nur einmal gespeichert werden, um Redundanzen und somit die Gefahr von Dateninkonsistenzen zu vermeiden. Operationen und Performance Ein Datenbanksystem stellt im Gegensatz zur dateibasierten Verwaltung eine strukturierte Datenbanksprache zur Verfügung, mit der der Datenbestand abgefragt, beschrieben oder manipuliert werden kann. Als Beispiel ist an dieser Stelle SQL (engl. Structured Query Language) zu nennen. Bei Dateisystemen steigt die Zugriffszeit auf die Daten im Allgemeinen proportional mit dem Datenvolumen. Datenbanksysteme verwenden hingegen Indexverfahren, um einen performanten Zugriff auf große Datenvolumina und große Mengen von Datensätzen zu gewährleisten. Zugriffskontrolle und Datenschutz Datenbanksysteme verfügen über eine integrierte Benutzerverwaltung, die den Zugriff auf die Datenbank und somit die Rechte jedes Nutzers steuert. Dadurch kann der Datenbestand vor nicht-autorisierten Zugriffen geschützt werden Datenbankmodelle Datenbanksysteme können grundsätzlich auf verschiedenen Modellen basieren, die die Struktur einer Datenbank auf Grundlage von Regeln und Konzepten beschreiben und 7

14 Kapitel 2. Grundlagen somit festlegen, wie die Daten gespeichert und bearbeitet werden können. Nachfolgend sollen kurz die gängigen, in der Praxis verwendeten Datenbankmodelle vorgestellt werden. Eine längere Einführung in diese Thematik wurde bereits in Bradke (2009, S. S. 8ff) gegeben. Ausführliche Erläuterungen finden sich unter anderem in Brinkhoff (2008) und de Lange (2002) Relationales Modell Das relationale Datenmodell basiert auf den theoretischen Grundsätzen von Codd (1970) und hat sich seit Mitte der 1980er Jahre als Standard kommerzieller Datenbanksysteme etabliert. Das Modell beschreibt die Datenbank als eine Sammlung von Tabellen (Relationen) sowie deren Beziehungen zueinander. Die Datensätze werden eindeutig über die Verwendung von Primärschlüsseln identifiziert. Die Beziehungen zwischen den Relationen werden über Fremdschlüssel hergestellt. Darüber hinaus müssen relationale DBMS (RDBMS) über mengen- und relationenorientierte Operatoren verfügen, mit deren Hilfe sich Tabellen kombinieren bzw. Datenbestände hinsichtlich vielfältiger Kriterien selektieren lassen Objektorientiertes Modell Das objektorientierte Modell nutzt Objekte sowie deren Eigenschaften und Methoden zur Beschreibung der Struktur der Datenbank. Das Datenbanksystem muss sowohl den in Abschnitt beschriebenen Datenbankeigenschaften als auch den nachfolgenden Prinzipien des Objektmodells entsprechen (vgl. Atkinson et al. (1989, S. 2ff): die Zusammensetzung einfacher Elemente zu komplexen Objekten, die eindeutige und systemweite Identifizierung von Objekten, die Kapselung von Objekten, die hierarchische Organisation von Objekten gleicher Struktur und äquivalentem Verhalten in Form von Klassen, die Vererbung von Objekteigenschaften und -methoden, der Polymorphismus sowie die Vollständigkeit und Erweiterbarkeit. Das objektorientierte Modell findet v.a. in komplexen Systemen seine Anwendung, um stark strukturierte Objekte zu beschreiben. Auf dem kommerziellen Markt konnten sich objektorientierte DBMS (OODBMS) bisher aber nicht durchsetzen, was nicht zuletzt an der Dominanz und weiten Verbreitung des relationalen Ansatzes liegt (vgl. Brinkhoff 8

15 Kapitel 2. Grundlagen (2008)). Ein weiterer Nachteil zeigt sich vor allem bei der Verarbeitung großer Datenmengen und der damit verbundenen schlechteren Performance gegenüber relationalen Datenbanksystemen Objektrelationales Modell Die Alternative zum Einsatz des objektorientierten Modells stellen objektrelationale DBMS (ORDBMS) dar, die das etablierte relationale Modell um die zuvor beschriebenen objektorientierten Konzepte erweitern. Die Speicherung der Objekte erfolgt nach dem relationalen Grundsatz tabellenbasiert. Das DBMS muss hierfür strukturierte Datentypen und entsprechende Speicherungskonzepte zur Verfügung stellen. Alle großen Datenbankhersteller bieten mittlerweile ORDBMS an. Auf kommerzieller Seite sind die DBMS von Oracle und IBM zu nennen. Im Open-Source-Bereich sind MySQL und PostgreSQL führend. Nachfolgend soll das ORDBMS PostgreSQL vorgestellt werden, da dieses die Grundlage des zu entwickelnden Systems darstellen soll PostgreSQL PostgreSQL bezeichnet ein auf Postgres basierendes, quelloffenes, objektrelationales Datenbankmanagementsystem. Postgres wurde an der University of California at Berkley unter Leitung von Prof. Michael Stonebraker von 1986 bis 1993 entwickelt. Seit 1996 trägt PostgreSQL den aktuellen Namen und steht unter der anerkannten PostgreSQL Licence (Initiative (2012)), die den Einsatz im kommerziellen Bereich erlaubt Kommunikation PostgreSQL wurde auf Grundlage eines Client-Server-Modells entwickelt. Ein Serverprozess ist für die Verwaltung der Datenbankdateien, für den Verbindungsaufbau zwischen Client und Server sowie für die Bearbeitung der Client-Anfragen zuständig. Das Datenbank-Serverprogramm wird als postgres bezeichnet. Für die Kommunikation mit postgres können unterschiedliche Clients verwendet werden, die die Verbindung zum Datenbankserver aufbauen und Datenbankoperationen durchführen. In der PostgreSQL-Distribution sind u.a. ein terminal-basierter (psql) sowie ein graphischer Client (pgaccess) enthalten. Die verteilte Architektur hat den Vorteil, dass Client und Server nicht auf demselben Host installiert sein müssen. Die Kommunikation erfolgt über TCP/IP 8. Durch diese Architektur muss der PostgreSQL Server in der Lage sein, mehrere konkurrierende 7 Der Quellcode der Software ist verfügbar unter: 8 TCP/IP ist ein Netzwerkprotokoll und steht für Transmission Control Protocol/Internet Protocol 9

16 Kapitel 2. Grundlagen Datenbankverbindungen zu verwalten. Das Serverprogramm postgres startet in diesem Fall einen neuen Prozess, der die Client-Server-Kommunikation übernimmt. (vgl. PostgreSQL (2012a), Scherbaum (2012)) Funktionsumfang Ein Vorteil von PostgreSQL ist der große und ständig wachsende Funktionsumfang. Es unterstützt den Großteil des SQL-Standards (ISO/IEC 9075:2008) und bietet moderne Funktionalitäten wie komplexe Abfragen, Trigger, Sichten (engl. Views) und transaktionale Integritätsprüfungen an (PostgreSQL, 2012b). Darüber hinaus kann Postgre- SQL auf Grundlage der Objektorientierung um weitere Eigenschaften erweitert werden. Dazu zählen u.a. benutzerdefinierte Datentypen, benutzerdefinierte Funktionen, Operatoren, Indexierungsmethoden und prozedurale Sprachen. Ein Beispiel für den Einsatz dieser objektorientierten Konzepte ist das Zusatzmodul (engl. Add-on) PostGIS, mit dem PostgreSQL um räumliche Datentypen, räumliche Funktionen und räumliche Indexierungsmechanismen erweitert werden kann Datensicherung Die Sicherung der in einer Datenbank abgelegten Informationen ist ein wichtiger Aspekt, um Verlusten insbesonderer sensibler und täglich benötigter Daten (z.b. für die Analyse und Prozessierung von Beobachtungsdaten) entgegenzuwirken. Hierfür ist eine sinnvolle Strategie zu entwickeln, die auf der einen Seite größtmögliche Sicherheit 9 und auf der anderen Seite eine optimale Ausnutzung des Speicherplatzes bietet. Im Allgemeinen wird bei der Sicherung einer Datenbank zwischen Hot- und Cold-Backup unterschieden. Das Cold-Backup stellt die sicherste Variante dar, da die Datenbank im heruntergefahrenen Zustand komplett gesichert wird. Dieses Verfahren wird aus Gründen der Verfügbarkeit aber zumeist nicht verwendet. Die Alternative stellt das Hot-Backup dar, bei der die Datenbank während des laufenden Betriebs gesichert wird. Der Nachteil dieser Sicherungsart besteht in der Gefahr, dass Inkonsistenzen im Datenbestand auftreten können. Das Datensicherungskonzept ist von verschiedenen Einflussfaktoren abhängig (vgl. BSI (2012b) und BSI (2012a)): Verfügbarkeit Das zu wählende Sicherungsverfahren ist abhängig von den Anforderungen an die Verfügbarkeit. Bei dauerhafter Verfügbarkeit (24/7) kommt in der Regel nur ein Hot-Backup in Frage. 9 Das impliziert sowohl den größtmöglichen Prozentsatz an sichergestellten Daten als auch die Vermeidung von inkonsistenten Datenbeständen. 10

17 Kapitel 2. Grundlagen Datenvolumen Bei der Art der Sicherung muss das gesamte Datenvolumen der Datenbank berücksichtigt werden. Es wird grundsätzlich zwischen komplettem, differentiellem und inkrementellem Backup unterschieden (siehe Tabelle 2.2). Typen Beschreibung Vollständig Alle Daten werden auf einem unabhängigen Speichermedium gesichert. Differentiell Es werden nur die Änderungen seit der letzten vollständigen Sicherung gespeichert. Inkrementell Es werden nur die Änderungen seit der letzten Sicherung gespeichert. Tabelle 2.2: Typen der Datensicherung (vgl. BSI (2012a)) Bei größer dimensionierten Datenvolumen empfehlen sich aus Zeit- und Kapazitätsgründen Teilsicherungen der Datenbank, bei der nur die Änderungen gesichert werden. Dieses Vorgehen hat allerdings den Nachteil, dass bei der Restaurierung der Daten ein höherer Aufwand und Zeitbedarf besteht als bei der Volldatensicherung, da die wiederherzustellenden Daten aus mehreren Sicherungen extrahiert werden müssen. Maximal verkraftbarer Datenverlust Die Anzahl und das Zeitintervall durchzuführender Sicherungen ist abhängig von den Anforderungen an die Relevanz, der Verfügbarkeit und der Integrität der Daten. Je höher diese Faktoren einzustufen sind, desto häufiger sollten Sicherungen durchgeführt werden. Wiederanlaufzeit Die maximal zulässige Wiederanlaufzeit der Datenbank nach einem Absturz muss spezifiziert werden, um die Anforderungen an die Verfügbarkeit zu gewährleisten. 11

18 Kapitel 2. Grundlagen 2.3 Internet-GIS Geographische Informationssysteme (engl. Geographic Information Systems, GIS), die auf Webtechnologien 10 basieren, stellen aufgrund ihrer flexiblen Einsatzmöglichkeiten eine gute Alternative zum bewährten Desktop-GIS dar (vgl. Peng und Tsou (2003, S. 1f)). Als GIS werden rechnergestützte Systeme bezeichnet, die aus den Komponenten Hardware, Software, Daten und Anwendungen bestehen und der Erfassung und Verarbeitung, Verwaltung und Organisation, Modellierung und Analyse sowie der alpahanumerischen und graphischen Präsentation raumbezogener Daten dienen (Bill und Fritsch, 1994, S. 40) Geodaten Die Qualität der resultierenden Analyse- und Visualisierungsergebnisse hängt primär von der Güte des zugrunde liegenden Datenmaterials ab. Ohne entsprechende Daten wären Analysen sowie die Darstellung der Analyseergebnisse nicht möglich. Unter Geodaten werden Daten mit einem räumlichen Bezug zu Objekten der realen Welt verstanden. Sie können sowohl direkt (Position im Raum über Koordinaten) als auch indirekt (durch Relationen) referenziert und aus verschiedenen Datenarten gebildet werden. Dazu zählen sowohl raumbezogene und attributbezogene Daten, die miteinander in Beziehung gesetzt werden, als auch graphische Daten (z.b. Hintergrunddaten, Symbole, Texte etc.), die der besseren Orientierung dienen Technologie Das Ziel internetbasierter GIS-Anwendungen ist die weltweite, schnelle und kostengünstige (in vielen Fällen kostenlose) Bereitstellung von Geodaten für eine breite Öffentlichkeit. Dementsprechend wird eine technologische Architektur benötigt, die diesen Zielstellungen gerecht wird. Dabei wird zumeist auf das Modell der n-tier Client-Server-Architektur zurückgegriffen (vgl. Peng und Tsou (2003, S. 20)), die im Nachfolgenden näher erläutert werden soll Komponenten Im Allgemeinen besteht ein Internet-GIS aus vier Hauptkomponenten: dem Client, dem Webserver, dem Kartenserver und dem Datenserver (siehe Abbildung 2.3). Die Interaktion des Nutzers mit der Applikation und dem zugrunde liegenden Datenmaterial erfolgt einzig und allein mit Hilfe eines Webbrowsers (Client), der die Datenanfragen des Nutzers an den Webserver 11 sendet und die Antwort graphisch präsentiert. 10 Dazu zählen neben dem Internet auch internetbasierende Systeme (z.b. Intranet, Extranet). 11 Der Webserver wird aufgrund des verwendeten Protokolls meist auch als HTTP-Server (Hypertext Transfer Protocol) bezeichnet. 12

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