KLAUSUREN-INTENSIV- LEHRGANG 2013

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1 KLAUSUREN-INTENSIV- LEHRGANG 2013 KLAUSUR: BILANZSTEUERRECHT AUFGABE Fall: Tischendorf GmbH & Co. KG AWS ARBEITSKREIS FÜR WIRTSCHAFTS- UND STEUERRECHT OHG ADENAUERALLEE OBERURSEL TELEFON: TELEFAX: Alle Rechte vorbehalten. Die Weitergabe dieser Arbeitsunterlagen an Dritte sowie die Vervielfältigung ist nicht gestattet. Alle Angaben ohne Gewähr. 0313

2 AWS BILANZSTEUERRECHT SEITE I Bearbeitungszeit: 6 Stunden Empfohlene Hilfsmittel: Steuergesetze Steuerrichtlinien Steuererlasse Textausgaben des C. H. Beck Verlags, München Bitte beachten Sie bei der Bearbeitung: 1. Geben Sie bitte auf der ersten Seite Ihrer Arbeit oben links Ihren Namen an. 2. Halten Sie bitte immer auf der rechten Seite einen Korrekturrand von ca. 4 cm frei. 3. Bitte schreiben Sie mit Füllfederhalter oder Kugelschreiber, aber keinesfalls mit Blei- bzw. Rotstift.

3 AWS BILANZSTEUERRECHT SEITE 1 Fall Tischendorf GmbH & Co. KG A. Allgemeines Die Tischendorf GmbH & Co KG mit Sitz und Geschäftsleitung in Oberursel ist im Bereich des Industriebaues tätig. Das Wirtschaftsjahr stimmt mit dem Kalenderjahr überein. Bei den Jahresabschlussarbeiten 2012 hat die Firma Bedenken hinsichtlich der Behandlung einiger Geschäftsvorfälle. Der Buchhaltungsleiter, der bereits eine vorläufige Hauptabschlussübersicht erstellt hat, die mit einem handelsrechtlichen Verlust von abschließt, bittet, die in Abschnitt D geschilderten Sachverhalte in steuerlicher Hinsicht zu überprüfen. B. Aufgabe 1. Zu den einzelnen Sachverhalten ist handels- und steuerrechtlich Stellung zu nehmen. Soweit es erforderlich ist, sind die geänderten Bilanzansätze in der Steuerbilanz zu errechnen; für Umbuchungen in der Steuerbilanzbuchhaltung sind die Buchungssätze anzugeben. 2. Die Firma will nur die jeweils nach 7 EStG höchstzulässigen Absetzungen vornehmen. Die Gewerbesteuerrückstellung ist nicht zu ändern. Auf umsatzsteuerliche Fragen ist nicht einzugehen; im Text angegebene USt-Beträge sind jedoch auf die Richtigkeit der Buchung zu überprüfen. 3. In Zweifelsfällen will die Firma keinen Rechtsbehelf führen, sondern der Auffassung der Verwaltung (z. B. EStR) folgen. 4. In einer Mehr- und Weniger-Rechnung nach der GuV-Methode (vgl. Anlage) ist der steuerrechtliche richtige Gewinn zu errechnen. Außerdem sind die Gewinnverteilung und die Kapitalkontenentwicklung vorzunehmen. Erforderliche Sonderbilanzen mit GuV-Rechnungen sind zu erstellen. C. Anlage Mehr- und Weniger-Rechnung

4 AWS BILANZSTEUERRECHT SEITE 2 D. Einzelerläuterungen 1. Beteiligungsverhältnisse und Gewinnverteilung Persönlich haftende Gesellschafterin ist die Firma Tischendorf GmbH mit einer Einlage von und Sitz in Oberursel. Die GmbH hat ein Stammkapital von und verfügt über keinen eigenen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb. Seit Gründung der Tischendorf GmbH & Co KG ( ) sind Kommanditisten Frau Wahl mit einer Einlage von und Herr Lang mit einer Einlage von Die Gründung der GmbH erfolgte am , die Eintragung ins Handelsregister am Gesellschafter waren Herr Wahl mit einer Einlage von nominal und Herr Lang mit einer Einlage von ebenfalls nominal Das Stammkapital wurde bei Gründung voll eingezahlt. Gesellschafter der GmbH sind am die Eheleute Wahl, wohnhaft in Oberursel. Im November 2012 hat die Ehefrau des Gesellschafters Wahl die Anteile von nominal für von Herrn Lang, wohnhaft in Wiesbaden, erworben. Als Dividende schüttete die GmbH für 2011 im Mai 2012 aufgrund eines am getroffenen Gewinnausschüttungsbeschlusses einen Betrag in Höhe von 10% bezogen auf das Stammkapital aus. Für das Geschäftsjahr 2012 wird die Dividende wahrscheinlich wieder 10% betragen. Ein Beschluss darüber wurde von den Gesellschaftern noch nicht gefasst, da man erst die weitere Entwicklung des Unternehmens abwarten will. Der Gewinn oder Verlust der KG wird im Verhältnis der Pflichteinlagen verteilt, wobei die GmbH für das von ihr übernommene Haftungsrisiko laut Gesellschaftsvertrag einen Vorabgewinn von jährlich erhält, den die KG als Aufwand gebucht hat. Die Kapitalkonten der Gesellschafter werden nicht verzinst. Für 2011 wurden den Gesellschaftern folgende Gewinne auf ihren Kapitalkonten gutgeschrieben: Tischendorf GmbH Frau Wahl Herr Lang Soweit nicht im Sachverhalt angegeben, wurden von den Gesellschaftern in 2011 und 2012 keine Entnahmen und Einlagen getätigt.

5 AWS BILANZSTEUERRECHT SEITE 3 Zum wurde ausschließlich folgende Bilanz erstellt: Aktiva KG Passiva Grundstück Darmstadt: Kapital GmbH Grund und Boden Gewinn Gebäude Fuhrpark Pkw Beteiligung Kies AG Kapital Wahl Gewinn Forderung Darlehen Kapital Lang Gewinn Sonstige Aktiva Sonstige Passiva Grundstücke in Darmstadt Am musste die KG ihr Betriebsgrundstück mit Gebäude (Lagerhalle) an die Stadt Darmstadt übereignen, da ihr wegen eines Schnellstraßenbaues mit Enteignung gedroht wurde. Durch ein Gutachten der Stadt wurde für das übereignete Grundstück ein Verkehrswert von festgestellt, davon entfielen auf den Grund und Boden. Die KG hatte das Grundstück am für erworben (Buchwerte laut Bilanz: Grund und Boden , Gebäude , bisherige Jahres-AfA ). Als Gegenleistung erhielt die Gesellschaft von der Stadt ein unbebautes Grundstück, auf dem sie beabsichtigt, in 2013 Reihenhäuser zu errichten und diese zu veräußern. Der Buchhalter hatte am folgende Buchung vorgenommen: Unbebautes Grundstück an Grund und Boden Gebäude Nach einigem Bemühen erwarb die KG am als Ersatz ein anderes unbebautes Grundstück in Darmstadt für Darauf errichtete sie eine Lagerhalle für

6 AWS BILANZSTEUERRECHT SEITE 4 (Antrag auf Baugenehmigung am ). Um eine bessere Nutzung der Halle zu erreichen, wurde eine Krananlage für fest in die Halle eingebaut, so dass die gesamten Aufwendungen für die neue Halle betragen haben. Das Gebäude mit Krananlage wurde am fertig gestellt. Die KG buchte: Grund und Boden Lagerhalle an Bank Frau Wahl hatte die Pläne für die Halle und die Krananlage selbst entworfen. Das Pauschalhonorar betrug zzgl USt und wurde der KG in Rechnung gestellt. Die KG buchte: Grundstücksaufwendungen Vorsteuer an Privat Frau Wahl Die Nutzungsdauer der neuen Halle beträgt 50 Jahre, die der Krananlage 20 Jahre. Weitere Buchungen sind bisher nicht erfolgt. 3. Grundstück in Wiesbaden Am erwarb die KG im Wege einer von ihr betriebenen Zwangsversteigerung ein Grundstück mit aufstehendem Gebäude in Wiesbaden. Der Zuschlag erfolgte bei (= Meistgebot). Die Anschaffungsnebenkosten betrugen Nach einem Gutachten hatte das Grundstück einen Verkehrswert von , wobei auf den Grund und Boden entfielen. Die KG hatte das Grundstück nur ersteigert, um ihre Darlehensforderung in Höhe von zu retten. Sie beabsichtigt, das Grundstück als Anlagevermögen zu nutzen. Die Gerichtskosten bleiben aus Vereinfachungsgründen unberücksichtigt. Im Grundbuch waren folgende Grundpfandrechte eingetragen: Nr. 1 Sparkasse Wiesbaden Valuta Nr. 2 Deutsche Bank " Nr. 3 Tischendorf GmbH & Co KG " Das Gebäude war am fertig gestellt worden.

7 AWS BILANZSTEUERRECHT SEITE 5 Die KG buchte den Geschäftsvorfall wie folgt: Grund und Boden Gebäude Kosten des Geldverkehrs an Grundpfandrechte: Sparkasse Wiesbaden Deutsche Bank Bank Abschreibung Forderung an Forderungen Grundstück in Oberursel Das Grundstück in Oberursel hatte die KG gegen eine monatliche Pacht von von dem Vater von Frau Wahl gepachtet, der am verstarb. Als Alleinerbin hatte er seine Tochter, Frau Wahl, eingesetzt. Diese verpachtete das Grundstück weiter an die KG. Die Pacht wurde mit monatlich ab an Frau Wahl auf ein privates Bankkonto gezahlt. Von diesem Bankkonto überwies sie auch die laufenden Grundstücksaufwendungen, die für die Zeit vom bis in Höhe von entstanden sind. Ihr Vater hatte das Grundstück am für erworben und zwei Jahre später den Bauantrag zur Errichtung einer Lagerhalle gestellt (Bauantrag vom ). Die Herstellungskosten betrugen Infolge einer Insolvenz des ursprünglich beauftragten Bauunternehmers wurde die Halle erst am fertig gestellt und nach 7 Abs. 4 EStG abgeschrieben. Auf Wunsch der KG hatte der Vater in 2011 begonnen, eine Krananlage auf dem Grundstück errichten zu lassen, die am fertig gestellt und an die KG mitverpachtet wurde. Die Herstellungskosten der Krananlage haben betragen. Die Nutzungsdauer der Krananlage wurde auf 10 Jahre geschätzt. Die Abschreibung erfolgte im ersten Halbjahr 2012 mit Frau Wahl hatte ein Gutachten erstellen lassen, welches die Vermögenswerte zum Todestag wie folgt auswies: Grund und Boden Gebäude Krananlage Bisher hat die KG nur die Pachtzahlungen als Aufwand gebucht. 5. Beteiligungen Die KG ist mit 700 Aktien zum Nominalwert von 100 pro Stück an der Kies AG beteiligt. Die Aktien wurden von der Gesellschaft in 2011 für erworben. Die restlichen Akti-

8 AWS BILANZSTEUERRECHT SEITE 6 en im Nominalwert von befinden sich in Streubesitz. Auf Grund der schlechten Ertragslage der AG hatte die KG die Aktien zum auf den niedrigeren Teilwert von abgeschrieben. Die Zulässigkeit der Abschreibung wird unterstellt. Da der Wert der Aktien zum auf gestiegen ist, hatte der Buchhalter zur Verbesserung des Betriebsergebnisses der KG folgende Buchung vorgenommen: Wertpapiere Kies AG an s. b. Ertrag Warenbestand Aus den Inventurunterlagen geht hervor, dass die Tischendorf KG ihren Bedarf an Kies bei der Kies AG deckt (vgl. 5.). Auf Nachfrage erklärt die KG Ihnen, dass die Wareneinkäufe auf Grund der guten Geschäftsverbindungen, die zwischen der KG und der AG bestehen, erfolgen. Die KG hat in der ersten Hälfte des Jahres 2012 für die Kieslieferungen der AG insgesamt bezahlt. Davon sind Waren in Höhe von noch nicht verbraucht und im Warenbestand von enthalten. Nach Aussagen des Geschäftsführers erhält die KG einen Rabatt von 50% auf die üblichen Verkaufspreise der AG. Anderen Kunden werden keine Rabatte eingeräumt. 7. Nicht abziehbare Betriebsausgaben Die KG hatte einem Angestellten einer Wohnungsbaugesellschaft für die Anbahnung eines Vertragsabschlusses eine Provision in Höhe von gezahlt. Da die KG den Empfänger nicht benennen wollte, ließ das Finanzamt bei der Veranlagung 2011 den Betrag gemäß 160 Abs. 1 AO nicht zum Abzug zu. Die Veranlagung ist inzwischen bestandskräftig. Da der Vertrag nicht zustande kam, zahlte der Angestellte in 2012 die erhaltene Provision ohne Absenderangabe auf das betriebliche Bankkonto zurück. Die KG buchte: Bank an nicht abziehbare Geschenke Damit betrugen für 2012 die nicht abziehbaren Betriebsausgaben per Saldo nur

9 AWS BILANZSTEUERRECHT SEITE 7 8. Unfertige Bauten Der Bilanzansatz für unfertige Bauten betrug zum Baustelle Hanau In 2011 hatte sich die KG gegenüber einem Fertighaushersteller verpflichtet, für die in der Zeit vom bis bestellten Keller, einen Festpreis in Höhe von netto zu berechnen (Festpreisgarantie). Der Fertighaushersteller hatte im Dezember 2012 drei Keller in Auftrag gegeben. Mit den Erdarbeiten wurde noch im Dezember begonnen. Der Fertigstellungsgrad je Keller beträgt zum %. Der KG, die einen Gewinnaufschlag von 20% erhebt und in ihrer internen Kalkulation von Herstellungskosten in Höhe von ausgeht, sind bis zum bereits Aufwendungen von entstanden. Sie hat daher die 3 Keller auf dem Konto Unfertige Bauten mit insgesamt aktiviert. Auf Grund einer durchgeführten Nachkalkulation wurde vor Bilanzerstellung festgestellt, dass sich durch die in 2012 gestiegenen Material- und Lohnkosten die Herstellungskosten für die Keller auf je und die Selbstkosten auf je belaufen werden. Zusätzlich zu den Herstellungskosten sind in den Selbstkosten Vertriebskosten enthalten, die in vollem Umfang auf das Jahr 2013 entfallen. Baustelle Dieburg Die KG hatte in der Zeit vom bis die Scheune eines Kunden umgebaut. Der Festpreis für diese Baumaßnahme war mit zzgl USt vereinbart. Der Auftraggeber hat die Räume im Dezember 2012 bezogen. Eine förmliche Bauabnahme hatte nicht stattgefunden. Die Schlussrechnung wurde Anfang Januar 2013 erstellt. Die Herstellungskosten sind mit ausgewiesen.

10 AWS BILANZSTEUERRECHT SEITE 8 Anlage Mehr- und Weniger-Rechnung nach GuV-Methode Nr. Bezeichnung Berichtigter Gewinn

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