B u c h f ü h r u n g u n d B i l a n z i e r u n g 3. Lektion 1 Industriekontenrahmen

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1 B u c h f ü h r u n g u n d B i l a n z i e r u n g 3 Lektion 1 Industriekontenrahmen Entstehen des Kontenrahmens - Systematische Ordnungen entstanden erst um Nach dem zweiten Weltkrieg wurde der Gemeinschaftskontenrahmen der Industrie (GKR) entwickelt - Der Industriekontenrahmen (IKR) wurde im Jahre 1971 entwickelt. Es ist den Unternehmen empfohlen, aber nicht vorgeschrieben. Bedeutung des Kontenrahmens - Ein gut durchdachter einheitlicher Kontenrahmen o Verbessert die Übersicht in der Buchführung o Erleichtert Zahlenvergleich in einem Betrieb durch mehrere Jahre o Erleichtert Zahlenvergleiche verschiedener Betriebe der gleichen Branche o Stellt gegliedertes Zahlenmaterial für Kalkulation, Statistik und Planung zur Verfügung o Kann jedem Interessierten einen schnellen Einblick in die Lage des Betriebes vermitteln Aufbau des Industriekontenrahmens - Kontenklasse 0: Immaterielle Vermögensgegenstände und Sachanlagen - Kontenklasse 1: Finanzanlagen - Kontenklasse 2: Umlaufvermögen und aktive Rechnungsabgrenzung - Kontenklasse 3: Eigenkapital und Rückstellungen - Kontenklasse 4: Verbindlichkeiten und passive Rechnungsabgrenzung - Kontenklasse 5: Erträge - Kontenklasse 6: Betriebliche Aufwendungen - Kontenklasse 7: Weitere Aufwendungen - Kontenklasse 8: Ergebnisrechnungen - Kontenklasse 9: Kosten- und Leistungsrechnung Vom Kontenrahmen zum Kontenplan - Der Kontenrahmen enthält alle Konten, die in einem Industriebetrieb vorkommen können - Der Kontenplan enthält die Konten, die in einem Industriebtrieb benötigt werden - Somit kann jeder Betrieb den für ihn zweckmäßigen Kontenplan aus dem Kontenrahmen ableiten und somit auf seine speziellen Bedürfnisse abstellen. Wesen der Industriebuchführung - Aufgaben eines Industriebetriebes sind die Herstellung von Gütern und der Verkauf dieser Güter. Dementsprechend muss die Buchführung auch eingerichtet sein - Aufgabe der Industriebuchführung ist es, neben den finanzbuchhalterischen Vorgängen die Kosten und Leistungen genau zu erfassen und so die Unterlagen für die Kalkulation und die Ergebnisrechnung zu liefern.

2 Lektion 2 Kosten im Fertigungsbetrieb Kosten sind betriebsbedingter Verbrauch von Gütern und Dienstleistungen zur Erstellung von betrieblichen Leistungen Einzelkosten (direkte Kosten) - Sind Kosten, die für das einzelne Erzeugnis unmittelbar aufgewendet wurden und genau festgestellt werden können. - Materialeinzelkosten (Fertigungsmaterial) o Sind Materialien, die dem Fertigungserzeugnis direkt zugerechnet werden können. o Fremdbauteile sind fertig bezogene Einzelteile eines Fertigerzeugnisses, die von anderen Firmen hergestellt wurden und im Betrieb eingebaut werden. - Fertigungslöhne o Es zählen diejenigen Löhne, die einem Fertigerzeugnis direkt zugerechnet werden können. - Sondereinzelkosten o Sondereinzelkosten der Fertigung können Konstruktionskosten, Modellkosten, Patent- und Lizenzkosten oder Kosten der Spezialwerkzeuge sein o Sondereinzelkosten des Vertriebs sind Kosten für Spezialverpackungen, Versicherungen, Vertreterprovisionen und Frachten. Gemeinkosten - Fallen für mehrere Erzeugnisse gemeinsam an und müssen nach einem bestimmten Verfahren auf die einzelnen Erzeugnisse umgelegt werden - Materialgemeinkosten o Hilfsstoffe gehen in das Fertigerzeugnis ein, ohne jedoch Rohstoff zu sein, z.b. Leim und Lack in der Möbelindustrie. o Betriebsstoffe dienen dazu, Maschinen anzutreiben und zu pflegen o Weitere Materialkosten sind Heizkosten der Lagerräume und Lagerverwaltung, kosten für Gas und Wasser, Löhne und Gehälter im Materialbereich, anteilige Sozialkosten, Versicherungsprämien für Lagerräume und Vorräte, Miete für Lagerräume, Bürokosten für die Lagerverwaltung, Abschreibungen im Materialbereich. - Fertigungsgemeinkosten o Fallen im Fertigungsbereich an o Löhne für Hilfsarbeiter, Gehälter im Fertigungsbereich, anteilige Sozialkosten, Kosten für Maschinenreparaturen und Abschreibungen im Fertigungsbereich. - Verwaltungsgemeinkosten o Kosten für die einzelnen Abteilungen der Geschäftsverwaltung o Heizkosten, Kosten für Wasser, Licht und Gas im Verwaltungsbereich, Gehälter der Verwaltung mit den anteiligen Sozialkosten, Instandhaltungskosten der Büromaschinen, Steuern, Gebühren, Beiträge, Versicherungsprämien, Mieten, Bürokosten, Finanzkosten und Abschreibungen im Verwaltungsbereich

3 - Vertriebsgemeinkosten o Entstehen durch die Bereitstellung, den Verkauf und den Versand der hergestellten Fertigerzeugnisse o Z.B. Gehälter im Vertriebsbereich mit den anteiligen Sozialkosten, die Verkehrskosten, etc. Buchung der Materialkosten - Beim Kauf von Materialien werden sie auf den aktiven Bestandskonten Rohstoffe, Hilfsstoffe, Betriebsstoffe und Fremdbauteile gebucht ( ) - Werden die Materialien in die Fertigung gegeben, sind sie auf die Konten Aufwendungen für Rohstoffe, Hilfsstoffe, Betriebsstoffe oder Fremdbauteile zu buchen ( ) - Die Schlussbestände der Konten werden über das Schlussbilanzkonto abgeschlossen - Die Aufwendungen auf sind über das Gewinn- und- Verlust- Konto abzuschließen

4 Lektion 3 Erlöse im Fertigungsbetrieb Umsatzerlöse für eigene Erzeugnisse - Umsatzerlöse sind die Nettobeträge, die ein Industriebetrieb durch den Verkauf der hergestellten Erzeugnisse erzielt. - Das Erfolgskonto 500 Umsatzerlöse eigene Erzeugnisse nimmt im Haben die Nettobeträge auf, die der Betrieb von den Käufern zu erhalten hat. - Das Konto wird über das Gewinn- und- Verlust- Konto abgeschlossen Bestandsveränderungen an fertigen und unfertigen Erzeugnissen - Fertigerzeugnisse sind verkaufsfertige Erzeugnisse eines Industriebetriebes - Unfertige Erzeugnisse haben den Fabrikationsprozess noch nicht ganz durchlaufen - Die Schlussbestände an fertigen und unfertigen Erzeugnissen werden durch Inventur ermittelt und auf die entsprechenden Konten übernommen - Ein sich ergebender Mehr- oder Minderbestand ist auf das Konto 5201 Bestandsveränderungen an unfertigen Erzeugnissen oder 5202 Bestandsveränderungen an fertigen Erzeugnissen zu buchen - Die Konten 5201 und 5202 sind über das Gewinn- und- Verlust- Konto abzuschließen Aktivierte Eigenleistungen - Wenn Handwerker einen neuen Gegenstand herstellen, entsteht ein Vermögensanteil, der zu aktivieren ist. Diese Herstellung ist eine Leistung des Betriebes, die als Ertrag auf dem Konto 530 Aktivierte Eigenleistung zu buchen ist. - Das Konto ist über das GuV- Konto abzuschließen - Nicht aktiviert werden dagegen Eigenleistungen kleineren Umfangs, durch ie die Gebrauchsfähigkeit einer Anlage wiederhergestellt wird. Umsatzerlöse für Handelswaren - Einige Industriebetriebe beschäftigen sich neben der Produktion von Fertigerzeugnissen auch mit dem Handel fertig bezogener Waren. Für diese Waren ist ein eigenes Konto 228 Handelswaren zu führen, auf dem der Nettobetrag der Waren zu erfassen ist. - Beim Verkauf ist das vereinnahmte Entgelt auf das Konto 510 Umsatzerlöse für Waren zu buchen, welches über das GuV- Konto abgeschlossen wird. - Der schlussbestand an Handelsware wird im Haben des Kontos 228 gebucht. Der Saldo dieses Kontos stellt den Mehr- oder Minderbestand dar und kommt auf das Konto 608 Aufwendungen für Handelswaren

5 Lektion 4 Buchungen beim Einkauf von Rohstoffen, Hilfsstoffen, Betriebsstoffen und Fremdbauteilen Bezugskosten - Für jede Stoffart wird ein eigenes Bezugskostenkonto geführt (2001, 2011, 2021, 2031) - Die Bezugskonten sind über das zugehörige Materialkonto abzuschließen Rücksendungen an den Lieferer und Gutschriften vom Lieferer - Auf der Habenseite der Materialkonten sind Rücksendungen an den Lieferer und Gutschriften vom Lieferer zu buchen - Die Vorsteuer muss in jedem Fall mit berichtigt werden Nachlässe vom Lieferer - Rabatte o Werden vom Rechnungsbetrag abgezogen und daher nicht gesondert gebucht. - Skonti und Boni, vom Lieferer gewährt o Können im Netto- und im Bruttoverfahren gebucht werden o Wird auf dem Konto 2002 Nachlässe durch Lieferer gebucht o Da Nachlässe den Einstandspreis der Rohstoffe vermindern, muss das Nachlasskonto über das Rohstoffkonto abgeschlossen werden. Buchungen beim Verkauf von Fertigerzeugnissen - Transport- und Verpackungskosten für ausgehende Sendungen o Gebucht wird auf 614 Frachten und Nebenkosten oder auf 604 Verpackungsmaterial o Trägt der Betrieb die Kosten, so ist die Vorsteuer ist zu berücksichtigen o Die Konten werden über das GuV- Konto abgeschlossen - Rücksendungen von Kunden und Gutschriften an Kunden o Rücksendungen werden lediglich zurückgebucht o Gibt man den Kunden für die Lieferung mangelhafter Fertigerzeugnisse eine Gutschrift, bucht man den entsprechenden Betrag auf dem Konto 5001 Erlösberichtigungen o Weil die Erlösberichtigungen die Umsatzerlöse für eigenen Erzeugnisse vermindern, muss man das Konto 5001 über das Konto 5000 abschließen - Nachlässe an Kunden o Skonti und Boni werden über das Konto 5001 Erlösberichtigungen gebucht o Das Konto 5001 ist über das Konto 5000 abzuschließen

6 Lektion 5 Anzahlungen, Personalkosten, Steuern Anzahlungen - Jede Art von Anzahlung ist steuerpflichtig - Geleistete Anzahlungen o Geleistete Anzahlungen auf Sachanlagen sind in der Klasse 0, für Vorräte in der Klasse 2 zu buchen o Im Moment der Überweisung einer Anzahlung entsteht eine Forderung an den Lieferer. Diese Forderung wird auf dem Konnte 23 Geleistete Anzahlungen auf Vorräte gebucht o Das Konto 23 wird über die Verbindlichkeiten abgerechnet o Ist die geleistet Anzahlung am Jahresende noch nicht verrechnet, dann ergibt sich auf dem Konto 23 ein Schlussbestand, der auf das Schlussbilanzkonto zu übernehmen ist. - Erhaltene Anzahlungen o Wenn der Betrieb von einem Kunden eine Anzahlung enthält, entsteht eine Verbindlichkeit, die auf dem Konto 43 Erhaltene Anzahlungen zu buchen ist. Personalkosten - Der Begriff Personalkosten beinhaltet alle die Aufwendungen, die für die Mitarbeiter aufgrund gesetzlicher Vorschriften oder freiwillig bezahlt werden. - In der Praxis müssen die Arbeitgeber für jeden Mitarbeiter ein Lohn oder Gehaltskonto führen, das die persönlichen Daten des Arbeitnehmers enthält und dem Nachweis der Steuerzahlungen dient. - Gehälter o Die Höhe der Gehälter ist durch Tarif oder durch Arbeitsvertrag festgelegt. o Für den Betrieb stellt das Bruttogehalt den Personalaufwand dar und ist deshalb auf dem Konto 630 Gehälter zu buchen o Bis zu dem Zeitpunkt der Überweisung der Lohnabzugssteuern entsteht für den Betrieb eine Verbindlichkeit, die auf dem Konto 483 Sonstige Verbindlichkeiten gegenüber Finanzbehörden zu buchen ist o Der Gesamtsozialversicherungsbeitrag in voraussichtlicher Höhe ist spätestens am drittletzten Bankarbeitstag des laufenden Monats fällig. o Die Vorauszahlung des gesamten Sozialversicherungsbeitrages durch Bankeinzug ist über das Konto 264 SV- Vorauszahlung zu buchen. o Der Arbeitgeberanteil zur gesetzlichen Sozialversicherung stellt zusätzlichen Aufwand des Betriebes dar und wird auf dem Konto 641 Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung gebucht o Sollten die noch abzuführenden Steuerabgaben am Jahresebnde noch nicht überwiesen sein, so ist der Saldo des Kontos 483 auf das Schlussbilanzkonto zu übernehmen. o Gewährt ein Industriebetrieb einem Mitarbeiter einen Gehaltsvorschuss, so entsteht eine kurzfristige Forderung, die auf dem Konto 265 Forderungen an Mitarbeiter gebucht wird, welches über das Schlussbilanzkonto abgeschlossen wird. o Bei der nächsten Gehaltszahlung wird dann der Vorschuss ganz oder zum Teil wieder verrechnet. - Löhne o Bruttolöhne werden auf dem Konto 620 Löhne gebucht

7 o Für die Verbuchung von Abschlagzahlen wird das Konto 486 Verbindlichkeiten gegenüber Arbeitnehmer verwendet. o Die Löhne, die man einem Erzeugnis direkt zurechnen kann, bezeichnet man als Fertigungslöhne und bucht auf 6201 Fertigungslöhne o Die Löhne, die nicht direkt auf das einzelne Produkt umzulegen sind, sind Hilfslöhne und werden auf 6202 Hilfslöhne gebucht o Fertigungs- und Hilfslöhne werden aufgrund von Lohnscheinen genau erfasst. Steuern - Steuern mit Kostencharakter o Alle Steuern, die in der Kostenrechnung zu berücksichtigen sind, also in den Verkaufspreis der Fertigerzeugnisse eingehen. Sie werden in der Klasse 7 erfasst - Privatsteuern o Steuern, wie die Einkommensteuer, Kirchensteuer, Solidaritätssteuer, Kraftfahrzeugsteuer für das Privatauto oder die Grundsteuer für private Grundstücke und Gebäude werden direkt auf das Privatkonto 3001 gebucht - Zu aktivierende Steuern o Aktiviert werden müssen alle Steuern, die beim Kauf on Gegenständen zwangsläufig anfallen, z.b. die Grunderwerbsteuer. o Die Steuer ist mit dem reinen Preis zu aktivieren - Durchlaufsteuern o Durchlaufsteuern sind Steuern, die der Unternehmer aufgrund gesetzlicher Vorschriften einbehalten oder eingezogen hat und an das Finanzamt abführen muss (z.b. Umsatzsteuer oder Kirchensteuer) o Die Schlussbestände dieser Konten sind am Jahresende auf das Schlussbilanzkonto zu übernehmen.

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