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1 ideas März 2015 Ausgabe 155 Werbemitteilung Anlageideen für Selbstentscheider Bestseller: Die beliebtesten Aktien 2015» Im Interview: Dr. Thomas Mayer, Volkswirt und Gründer des Flossbach von Storch Research Institute

2 8 Titelthema: Bestseller Die beliebtesten Aktien Interview: Dr. Thomas Mayer, Volkswirt und Gründer des Flossbach von Storch Research Institute 32 Währungsstrategie: US-Dollar Steht und fällt mit der Inflation 4 Aktuelles 6 Marktbericht DAX erklimmt die Marke von Punkten 8 Titelthema Bestseller: Die beliebtesten Aktien Interview»Eine stabile Geldordnung für den Euro schaffen«18 Technische Analyse EURO STOXX 50 und ING Groep 22 Akademie Das Theta: Und die Zeit läuft ab jetzt! 24 Neue Basiswerte Vervollständigen Sie Ihr Depot 27 Messen, Börsentage & Seminare Commerzbank Derivate-Experten vor Ort 28 ideastv Alle Aktien fliegen hoch! 30 Aktienstrategie DAX-Sentimentindikatoren zeigen ein gemischtes Bild 32 Währungsstrategie US-Dollar: Steht und fällt mit der Inflation 34 Rohstoffstrategie Kupferpreis aus fundamentaler Sicht zu niedrig 38 Pinnwand Pressestimmen, Free Trade-Aktionen und Buchbesprechung 40 Terminkalender Die wichtigsten Termine im März 41 Disclaimer/Kontakt/Impressum 42 Bestellkupon 2

3 Inhalt / editorial Bestseller: Die beliebtesten Aktien 2015 Und schon wieder ein Rekord: Im Februar knackte der DAX die Marke von Punkten. Deutschlands Börsenbarometer kennt derzeit nur eine Richtung: nach oben. Seit Jahresanfang hat es bereits 12 Prozent dazugewonnen mehr als im gesamten Jahr Für viele Experten ist eine Aktienanlage derzeit alternativlos der schwache Euro, niedrige Energiekosten sowie der bevorstehende Geldregen seitens der EZB wiegen (noch) stärker als die Ungewissheit über die künftige griechische Staatsfinanzierung und die Unruhen rund um den Krieg in der Ukraine. Auch das Aktienresearch der Commerzbank ist für die kommenden Monate grundsätzlich positiv für die Aktienmärkte gestimmt. Viele Leser werden sich an dieser Stelle fragen:»in welche Aktien soll ich investieren?«ähnlich wie bei Alben- oder Büchercharts greifen Anleger oft zu Aktien aus»bestsellerlisten«, meist auf Basis des zugrunde liegenden Umsatzes. Frei nach dem Motto»Was viele kaufen, muss ja auch gut sein«. Und so ganz von der Hand zu weisen ist die Sinnhaftigkeit dieses Prinzips auch nicht. So können Topseller auf einer tieferen Entscheidungsebene ein guter Indikator sein, welche Aktien aktuell am Markt am interessantesten sind. Um Ihnen die Investitionsentscheidung noch weiter zu erleichtern, stellen Ihnen die Aktienstrategen der Commerzbank ihre Meinung zu sechs der beliebtesten Aktien aus dem Jahr 2015 vor. Neben einem Blick auf die Aktienlieblinge der Anleger finden Sie in der aktuellen Ausgabe weitere Beiträge unserer Produktexperten sowie Aktien-, Währungsund Rohstoffanalysten. Spannende Themen wie»us-dollar: Steht und fällt mit der Inflation«,»DAX-Sentimentindikatoren zeigen ein gemischtes Bild«,»Das Theta: Und die Zeit läuft ab jetzt!«und»kupferpreis aus fundamentaler Sicht zu niedrig«warten auf Sie. Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Lesen der aktuellen Ausgabe! Laura Schwierzeck Chefredakteurin 3

4 Aktuelles Save the Date: Deutsche Anlegermesse am 27. und 28. März 2015 Besuchen Sie uns in der Finanzmetropole Frankfurt und erleben Sie spannende Fachvorträge und Diskussionsrunden zu aktuellen Themen rund um die Börse. Die Deutsche Anlegermesse Frankfurt ist die größte Finanzmesse im Rhein-Main-Gebiet und findet im jährlichen Turnus im Forum der Messe Frankfurt statt. Nutzen Sie die Gelegenheit und treffen Sie bekannte»börsengesichter«aus Funk und Fernsehen. Wir freuen uns auf Ihren Besuch! Wann Wo Eintritt März 2015, von bis Uhr Forum der Messe Frankfurt, Ludwig-Erhard-Anlage 1, Frankfurt am Main Interessierte Anleger haben die Möglichkeit, sich im Vorfeld der Messe kostenfreie Eintrittskarten zu sichern. Einfach registrieren unter: Vorträge Freitag, 27. März Uhr: Die aktuelle technische Lage an den Finanzmärkten (Referent: Achim Matzke, Leiter Technische Analyse) Uhr: Sind ETFs wirklich die Antwort auf niedrige Zinsen? (Referent: Thomas Meyer zu Drewer, Geschäftsführer ComStage ETFs) Samstag, 28. März Uhr: Einführung in die technische Analyse (Referentin: Petra von Kerssenbrock, Technische Analystin) Uhr: Der Zins ist tot es lebe die Dividende? (Referent: Thomas Meyer zu Drewer, Geschäftsführer ComStage ETFs) Uhr: Die aktuelle technische Lage an den Finanzmärkten (Referentin: Petra von Kerssenbrock, Technische Analystin) Commerzbank Europas bester Optionsschein-Anbieter! Bei der feierlichen Verleihung der European Structured Products & Derivatives Awards 2015 in London nahe der Tower Bridge erhielt die Commerzbank die Auszeichnung»Best Warrant Provider«in Europa (bester Optionsschein-Anbieter). Seit 1989 ist die Commerzbank in diesem Bereich aktiv. Damals legte die Bank hier in Deutschland ihren ersten gedeckten Call Optionsschein auf BMW auf. Heute bietet die Commerzbank rund Optionsscheine in Europa an. Die gesamten Ergebnisse sowie weitere Informationen zu den SRP Awards stehen Ihnen unter zur Verfügung. Nicht verpassen: ideas Webinar im März Gold, Öl & Co. Unter dem Motto»Märkte, Strategien, Investments«präsentieren Ihnen die Experten aus dem großen Handelssaal der Commerzbank an jedem zweiten Donnerstag eines Monats das neue Format ideas Webinar. Die Details im Überblick Wann: 12. März 2015 um Uhr Wer: Eugen Weinberg, Leiter der Rohstoffanalyse Thema: Einblick in die Rohstoffmärkte Gold, Öl & Co. Sie haben Interesse an unserer ideas Webinar - Reihe? Dann melden Sie sich jetzt zu unserem Webinar-Newsletter an und Sie erhalten Neuigkeiten, Termine und Wissenswertes bequem per . Jetzt kostenlos anmelden unter: 4

5 Aktuelles Was Sie schon immer zum Thema Börse und Kapitalmarkt wissen wollten das und noch vieles mehr erfahren Sie auf dem Anlegertag in Düsseldorf und dem Börsentag in München. Eintritt kostenfrei Experten aus der Praxis stehen Ihnen Rede und Antwort. Informieren Sie sich über Neuheiten an der Börse und nutzen Sie die Möglichkeit, das Geschehen aus nächster Nähe zu erleben. Es werden aktuelle Trends der Branche vorgestellt und komplexe Themen auf verständliche Art und Weise vermittelt. Neben interessanten Ausstellern wartet ein umfangreiches Vortragsprogramm auf Sie. Anlegertag Düsseldorf Börsentag münchen Wann: 14. März 2015, von 9.30 bis Uhr Wann: 21. März 2015, von 9.30 bis Uhr Wo: Vorträge: Classic Remise, Harffstraße 110a, Düsseldorf bis Uhr im Raum 2: Die aktuelle technische Lage an den Finanzmärkten (Referent: Thorsten Grisse, Technischer Analyst Commerzbank) bis Uhr auf dem Messepodium (Ausstellungshalle): Investieren mit Strategie: Technische Analyse Dividenden Strategie (Referent: Thorsten Grisse, Technischer Analyst Commerzbank) Weitere Informationen unter Wo: MOC Veranstaltungscenter München Atrium 3 + 4, Lilienthalallee 40, München Vortrag: bis Uhr, Atrium 4, Raum 5 Kapitalmarkttrends, technische Markteinschätzung und aktuelle Anlagestrategien (Referenten: Thomas Timmermann, Leiter Asset Management Commerzbank und Sophia Wurm, Technische Analystin Commerzbank) Weitere Informationen unter DDV-Umfrage: Strukturierte Produkte haben einen Stammplatz im Depot Der Deutsche Derivate Verband (DDV) hat im Februar Privatanleger befragt, welchen Anteil strukturierte Produkte in einem ausgewogenen Depot haben sollten. Davon nannte mehr als ein Viertel der Befragten einen Anteil von bis zu 5 Prozent. Für 22,1 Prozent sollte der Anteil zwischen 5 und 10 Prozent liegen. Dagegen hält jeder Fünfte einen Anteil von mehr als 10 Prozent für angemessen. 16,9 Prozent der Teilnehmer sehen den Anteil sogar bei mehr als 30 Prozent. Für einen Anteil von zwischen 20 und 30 Prozent entschieden sich 12,2 Prozent.»In ausgewogenen Depots haben Zertifikate einen Stammplatz«, so Lars Brandau, Geschäftsführer des DDV.»Besonders im derzeitigen Zinsumfeld bleiben Finanzprodukte mit Renditen oberhalb der Inflationsrate sowie geringem Risiko gefragt. Außerdem achten viele Anleger verstärkt auf die Kosten. Hier können insbesondere Anlagezertifikate punkten, denn mit ihnen lassen sich kostengünstig und transparent attraktive Renditen erwirtschaften.«weitere Informationen finden Sie auf der DDV-Webseite unter Welchen Anteil sollten strukturierte Produkte in einem ausgewogenen Depot haben? 12,2 % 16,9 % 20,7 % bis zu 5 Prozent zwischen 5 und 10 Prozent zwischen 10 und 20 Prozent zwischen 20 und 30 Prozent mehr als 30 Prozent 28,1 % 22,1 % Stand: 12. Februar 2015 Quelle: Deutscher Derivate Verband (DDV) 5

6 Marktbericht DAX erklimmt die Marke von Punkten Anouch Alexander Wilhelms (Derivate-Experte, Equity Markets & Commodities) Nach 2012 und 1996 legte der DAX in diesem Jahr den drittbesten Januar seit 1980 hin. Im Februar 2015 knackte das deutsche Börsenbarometer sogar die Marke von Punkten. Die Euphorie am Aktienmarkt hält an. Experten sprechen von weiter steigenden Kursen:»Ich sehe das technische Potenzial für den DAX in einer Range zwischen und Punkten bis Jahresende 2015«, so der Ausblick von Achim Matzke, Leiter der Technischen Analyse beim Commerzbank Research. Die Umsätze im Zertifikate-Bereich sprechen bezogen auf den DAX für sich. Dieser ist nach wie vor der beliebteste Index unter deutschen Privatanlegern. Gefragt sind neben Hebel- Grafik 1: Brent vs. WTI papieren vor allem Discount- und Bonus- Zertifikate. Ganz oben auf der Agenda der meistgekauften DAX Discount-Zertifikate stand im Januar ein Papier mit einem Cap bei Punkten und einer Laufzeit bis 22. Dezember 2015 (WKN: CR1 CXG). Die maximale Rendite liegt hier aktuell bei 2,31 Prozent per annum. Anleger bezahlen heute für ein Zertifikat 85,84 Euro, das entspricht umgerechnet DAX-Punkten. Notiert der Deutsche Aktienindex am Laufzeitende bei mindestens Punkten, erhält der Investor die maximale Rendite. In der Spanne»Seit Ende Januar geht es wieder bergauf mit dem Ölpreis.«zwischen und Punkten entsteht kein Verlust, die Rendite fällt allerdings mit jedem DAX-Punkt weniger geringer aus. Erst wenn der DAX am Laufzeitende unterhalb von Punkten steht, entstehen Verluste für den Käufer aus jetziger Sicht. Dementsprechend kann der DAX rund 22 Prozent bis Jahresende nachgeben, bis der erste Cent Verlust entsteht. Alle relevanten Informationen zu Discount- Zertifikaten können Interessierte unter abrufen oder die Broschüre frei Haus kostenlos bestellen. Dazu einfach den Kupon am Ende dieses Magazins ausfüllen und abschicken. in US-Dollar Jan 10 Jul 10 Jan 11 Jul 11 Jan 12 Jul 12 Jan 13 Jul 13 Jan 14 Jul 14 Jan 15 WTI Brent Stand: 16. Februar 2015; Quelle: Bloomberg Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung. Öl weiter vorne Im Januar setzten sich die Nordseesorte Brent-Öl (Brent) und das US-Leichtöl WTI (WTI) erneut an die Spitze (Platz 2/Platz 4) der meistgekauften Basiswerte im Zertifikate-Bereich der Commerzbank. Das verwundert wenig, da die Preisbewegungen beim Ölpreis in den vergangenen Monaten für Furore sorgten. Brent und WTI erreichten beide ihre vorläufige Talsohle im Januar bei etwa 45 US-Dollar. Doch seit Ende Januar geht es wieder bergauf. Rund 30 Prozent stiegen die Preise, gerechnet vom jeweiligen Tiefststand. Der Großteil der Zertifikate-Käufer setzte im Januar auf einen wieder steigenden Ölpreis. Zumindest die jüngsten 6

7 Marktbericht»Am 30. Januar 2015 ging der Burgerladen Shake Shack an die New Yorker Börse.«Entwicklungen gaben ihnen Recht. Ganz oben auf der Liste standen ein Faktor-Zertifikat 6x Long auf Brent (WKN: CR5 JL9) und ein ETC, der ebenfalls den Ölpreis Brent abbildet. Im Bereich WTI kauften Anleger vor allem ein Partizipations-Zertifikat (WKN: CR5 GZ1). Neuemissionen auf»shake Shack«Burgerläden erobern die Wall Street Am 30. Januar 2015 ging in New York eine Firma an die Börse, die erst im Jahr 2004 ihre erste Filiale eröffnet hatte: Shake Shack. Drei Jahre zuvor hatten die Betreiber einen mobilen Hotdog-Stand im Madison Square Park in New York aufgestellt erhielten sie die Lizenz, einen fest installierten Kiosk im Park zu eröffnen. Heute zählt das Unternehmen 63 Filialen und wird nach dem Börsengang in New York mit einem Marktwert von knapp 1,5 Milliarden Dollar bewertet. Deutsche kommen bisher nicht in den Genuss eines Shake Shack-Angebots in ihrer Nähe. Der nächste Laden befindet sich in London, wo bereits eine weitere Filiale geplant ist, die Mitte 2015 eröffnet werden soll. Die Kette betreibt vor allem in den USA zahlreiche Burgerläden, ist aber auch in Russland, der Türkei und dem Mittleren Osten vertreten. Zu 21,00 US-Dollar emittiert, kletterte der Aktienkurs bereits am Emissionstag auf über 46,00 US-Dollar. Als erster Emittent in Deutschland hat die Commerzbank nun Produkte auf die US-Aktie Shake Shack begeben. Erste in Deutschland handelbare Unlimited Turbo-Zertifikate auf Shake Shack WKN Basiswert Typ Basispreis Knock-Out-Barriere Hebel Geld-/Briefkurs CR8 F4B Shake Shack Inc. Bull 30,02 USD 31,35 USD 3,1 12,19/12,41 EUR CR8 F4C Shake Shack Inc. Bull 32,02 USD 33,44 USD 3,6 10,43/10,65 EUR CR8 F4D Shake Shack Inc. Bull 34,02 USD 35,53 USD 4,3 8,67/8,89 EUR CR8 F4E Shake Shack Inc. Bull 36,02 USD 37,62 USD 5,6 6,85/6,89 EUR Faktor-Zertifikat mit unbegrenzter Laufzeit WKN Basiswert Strategie Faktor Indexgebühr Geld-/Briefkurs CR5 JL9 Öl (Brent Future April 2015) Long 6 0,75 % p.a. 4,00/4,08 EUR Partizipations-Zertifikat mit unbegrenzter Laufzeit WKN Basiswert Bezugsverhältnis Basispreis Geld-/Briefkurs CR5 GZ1 Öl (WTI Future April 2015) 1:1 2,23 USD 43,78/43,80 EUR Classic Discount-Zertifikat WKN Basiswert Cap Bewertungstag Discount Max. Rendite p.a. Geld-/Briefkurs CR1 CXG DAX Pkt ,86 % 2,31 % 85,83/85,84 EUR Stand: 20. Februar 2015; Quelle: Commerzbank Corporates & Markets Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter zur Verfügung. 7

8 Titelthema: die beliebtesten Aktien 2015 Bestseller: Die beliebtesten Aktien 2015 Marc C. Gemeinder, Stefan Schöppner, Uwe Treckmann (Investmentstrategie Private Kunden) Laura Schwierzeck (Produktmanager, Equity Markets & Commodities) Das neue Jahr hat an den Finanz- und Kapitalmärkten erwartungsgemäß recht turbulent begonnen. Erst die Entscheidung der Schweizer Nationalbank, den Franken nicht weiter an den Euro zu binden, dann die jüngsten geldpolitischen Maß nahmen der Europäischen Zentralbank (EZB), durch den Kauf von Staats anleihen die Märkte mit Geld zu fluten, und nun die Ereignisse rund um die Wahlergebnisse in Griechenland. So hat die EZB den Druck auf die neue griechische Regierung massiv erhöht. Sie kippte eine Sonder regelung und erschwert damit den ohnehin angeschlagenen griechischen Banken den Zugang zu frischem Geld. 8

9 Titelthema: die beliebtesten Aktien 2015 Auch wenn die Entscheidungen der EZB zu Griechenland den Eurokurs nicht nachhaltig belastet haben, so kann man das Jahr 2015 bereits jetzt als»dramatisch«für die europäische Gemeinschaftswährung werten. So fiel der Euro/US-Dollar-Wechselkurs seit Jahresbeginn von über 1,20 zwischenzeitlich auf unter 1,12 US-Dollar und damit auf den niedrigsten Stand seit weit über zehn Jahren. An den europäischen Aktienmärkten ist die Furcht vor einem neuen Hochkochen der Staatsschuldenkrise nahezu spurlos vorübergegangen. Nach einem famosen Januar setzt insbesondere der deutsche Aktienmarkt seinen Höhenflug im Februar fort und erklimmt beinahe täglich neue Höchststände. Bis auf knapp 16 Punkte hat sich der DAX Anfang Februar der er-Kursmarke genähert. Aktuell notiert der deutsche Leitindex bei rund Punkten. Für viele Experten ist eine Aktienanlage derzeit alternativlos der schwache Euro, niedrige Energie kosten sowie der bevorstehende Geldregen seitens der EZB wiegen (noch) stärker als die Ungewissheit über die künftige griechische Staatsfinanzierung. Auch das Aktienresearch der Commerzbank ist für die kommenden Monate grundsätzlich positiv für die Aktienmärkte gestimmt. Viele Leser werden sich an dieser Stelle fragen:»in welche Aktien soll ich investieren?«ähnlich wie bei Alben- oder Büchercharts greifen Anleger oft zu Aktien aus»bestsellerlisten«, meist auf Basis des zugrunde liegenden Umsatzes. Frei nach dem Motto»Was viele kaufen, muss ja auch gut sein«. Doch so ganz von der Hand zu weisen ist die Sinnhaftigkeit dieses Prinzips allerdings auch nicht. So können Topseller auf einer tieferen Entscheidungsebene ein guter Indikator sein, welche Aktien aktuell am Markt am interessantesten sind. Um Ihnen die Investitionsentscheidung noch weiter zu erleichtern, stellen Ihnen die Aktienstrategen der Commerzbank ihre Meinung zu sechs der beliebtesten Aktien aus dem Jahr 2015 vor. EINSCHÄTZUNG UND AUSBLICK DER COMMERZBANK INVESTMENTSTRATEGIE PRIVATE KUNDEN Erfahren Sie mehr über die Lieblinge der Anleger und nutzen Sie die Einschätzungen unserer Experten. Des Weiteren geben Ihnen unsere Produktexperten Investitionsmöglichkeiten in Form von Faktor-Zertifikaten an die Hand, mit denen Sie an der Entwicklung der einzelnen Aktien partizipieren können. So bieten Faktor-Zertifikate risikobewussten Anlegern, die mit etwas mehr Chancenpotenzial investieren möchten, die Möglichkeit, sowohl ausgeprägte Trendverläufe eines Basiswerts mit einem konstanten Hebel zu begleiten, als auch kurzfristige Kursbewegungen für sich zu nutzen, um überproportional an Kursveränderungen eines Basiswerts zu par tizipieren. 9

10 Titelthema: die beliebtesten Aktien 2015 Airbus Group Langfristige Perspektiven herausragend Stefan Schöppner (Investmentstrategie Private Kunden) Neuentwicklungen am Start Der neue A350 bringt wie das neue Kurzund Mittelstreckenflugzeug A320neo schon vor Produktionsbeginn ungeahnte Vertriebserfolge. Mittelfristig sieht es für Airbus aufgrund des überquellenden Orderbuchs gut aus. Operativ ist insbesondere die steigende Nachfrage aus Asien wichtig. Airbus hat ein Update für den Langstreckenflieger A330 angekündigt. Das Flugzeug bekommt modernere Triebwerke, die den Flieger wesentlich effizienter machen. Die damit verbundenen Entwicklungskosten werden die Marge aber bis zur Markteinführung belasten. Mittelfristig wird die Produktpalette damit attraktiver. Budgetrestriktionen im Verteidigungsgeschäft Der Verteidigungsbereich fällt dagegen durch einen stabilen Ergebnisbeitrag auf. In Zukunft werden außereuropäische Exportmärkte von herausragender Bedeutung sein. Airbus stößt für den Verteidigungsbereich ein massives Restrukturierungsprogramm an, um die Kostenbasis zu verbessern. Aus ertragsschwächeren Randbereichen wie zum Beispiel der Rüstungselektronik will sich Airbus verabschieden. Regierungseinfluss tendenziell rückläufig Die unterschiedlichen Interessen der Regierungen von Frankreich, Deutschland und Großbritannien hatten Ende 2012 den Zusammenschluss mit dem Konkurrenten BAE Systems verhindert. Den Konzern hat das nicht umgeworfen, die Stärke liegt ohnehin im Zivilgeschäft. Die Diskussionen zeigten exemplarisch den Handlungsbedarf im Verteidigungsgeschäft und die starken Staatsinteressen, die nicht unbedingt im Gleichklang mit denen der privaten Aktionäre stehen. Starker Jahresverlauf Airbus hatte das dritte Quartal beim Umsatz besser abgeschlossen als erwartet. Die positive Überraschung stammte aus der Zivilflugzeugsparte. Besonders beeindruckend war der Cashflow, der deutlich besser ausfiel als vom Markt kalkuliert. Außerdem kündigte das Management eine deutlich höhere Ausschüttungsquote an, der Markt geht von einer mittelfristig drastisch steigenden Dividende aus. Negative Nachrichten Es fehlen Anschlusskunden für den A380. Wir rechnen damit, dass auch hier vor dem Erfolg des Riesen eine Bestückung mit moderneren Triebwerken notwendig wird. Es wird zu Produktionskürzungen kommen. Der Militärflieger A400M macht immer noch Probleme. Weitere Einmalbelastungen sind ärgerlich, aber verkraftbar. Im Ergebnis bleibt deshalb das operative Ergebnis in 2016 etwas hinter der bisherigen Prog nose zurück. Fazit: Das volle Orderbuch sichert das Geschäft auf lange Zeit ab, die vielen Aufträge müssen»nur«ohne Probleme abgearbeitet werden. Der aufgewertete US-Dollar hat zuletzt geholfen. Die weiter fallenden Kerosinpreise wurden dadurch etwas überlagert. Niedrigere Treibstoffkosten machen weniger verbrauchseffiziente ältere Flugzeuge wieder attraktiver. Grafik 1: Wertentwicklung Airbus-Aktie Aktienkurs in Euro Feb 10 Aug 10 Feb 11 Aug 11 Feb 12 Aug 12 Feb 13 Aug 13 Feb 14 Aug 14 Feb 15 Anlageidee: Faktor-Zertifikate WKN Basiswert Strategie Faktor Laufzeit Geld-/Briefkurs CZ9 PPU Airbus Long 2 Unbegrenzt 11,26/11,31 EUR CR0 JH0 Airbus Long 3 Unbegrenzt 7,83/7,88 EUR CZ3 2JR Airbus Short 2 Unbegrenzt 4,54/4,56 EUR CR1 0B5 Airbus Short 3 Unbegrenzt 7,66/7,71 EUR Stand: 20. Februar 2015; Quelle: Commerzbank Corporates & Markets Indexgebühr: 0,70 % p.a. Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produkt informationen stehen im Internet unter zur Verfügung. Stand: 6. Februar 2015; Quelle: Commerzbank Corporates & Markets Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung. 10

11 Titelthema: die beliebtesten Aktien 2015 Apple Sehr hohe Wachstumserwartungen Marc C. Gemeinder (Investmentstrategie Private Kunden) Global herausragende Marke Apple verfügt unter den globalen Markenartiklern über eine der wertvollsten Marken weltweit. Natürlich ist nach einer solchen Entwicklung die Beibehaltung des in den letzten Jahren gesehenen Wachstumstempos sehr unwahrscheinlich. Die Konkurrenz bleibt schließlich nicht untätig. Der Preisdruck nimmt zu, wir rechnen aber damit, dass Apple niedrigere Preise mit höheren Volumina kompensieren kann. Apple reagiert zudem mit Zukäufen (Kopfhörerproduzent und Musikstreamdienstleister Beats) und öffnet seine Plattform stärker als bisher für externe Entwickler. Apple und IBM wollen im Geschäftskundenbereich kooperieren, was bedeutet, dass Apple-Produkte im gewerblichen Bereich attraktiver werden. Neue Produkte Apple präsentierte wie immer zum Herbstanfang neue bzw. weiterentwickelte Produkte. Der IT-Gigant lieferte letztendlich das, was vom Markt erwartet worden war. Am nachhaltigsten den Markt verändern könnte die Bezahlfunk tion per NFC-Chip, die sich bei der Konkurrenz bisher noch nicht durch gesetzt hat. Zuletzt konnten für das Abrechnungssystem»Apple Pay«bereits viele Partner im Handel und vor allem zahlreiche ameri kanische Banken gewonnen werden. Apple versucht damit, die Verwässerung seiner Marke zu vermeiden, und bleibt weiter in der Luxusecke positioniert. Wir rechnen in der Konsequenz mit tendenziell starken Margen, aber zurückgehenden Marktanteilen. Weltweiter iphone-boom im ersten Quartal des Geschäftsjahres Zuletzt veröffentlichte Apple einen Rekordgewinn in Höhe von 18 Milliarden US-Dollar, nie zuvor hat ein Unternehmen mehr in einem Quartal verdient. Im Weihnachtsgeschäft wurden allein 74,5 Millionen iphones verkauft, gleichzeitig stieg der Umsatz um fast 30 Prozent auf 74,6 Milliarden US-Dollar. Vor allem die neuen iphone 6-Modelle waren ein großer Absatzgarant. Stark zeigten sich auch die Umsätze in China. Hier hilft die abgeschlossene Kooperation mit China Mobile, womit auch 2015 ein starkes Wachstum auf dem chinesischen Markt möglich sein sollte. Ungewiss bleibt noch der Markterfolg der Apple Watch, die im April auf den Markt kommt und für die Konzernchef Tim Cook bereits kräftig die Werbetrommel rührt. Insgesamt ist die Bewertung der Aktie bereits hoch. Enttäuschungen bei Nichterreichen der immer höher gesteckten Ziele werden wahrscheinlicher. Ein kritischer Faktor im neuen Jahr könnte auch die Stärke des US-Dollar werden. Nachdem umfangreiche Absicherungsgeschäfte auslaufen, wird Apple durch die Wechselkursentwicklung voraussichtlich mehr Gegenwind erhalten. Fazit: Apple bleibt erfolgreich. Die Dynamik unverändert in die Zukunft fortzuschreiben, wird allerdings schwieriger und die Wachstumserwartungen für die Folgequartale sind sehr ambitioniert. Wir rechnen mit eher unspektakulären Weiterentwicklungen bestehender Produkte. Typischerweise freuen sich die Investoren vor und mit der Einführung neuer Produkte über Kursgewinne. Danach bröckeln die Spannungskurve und anschließend häufig auch der Aktienkurs. Anlageidee: Faktor-Zertifikate WKN Basiswert Strategie Faktor Laufzeit Geld-/Briefkurs CR5 222 Apple Long 2 Unbegrenzt 10,38/10,42 EUR CR5 23S Apple Long 5 Unbegrenzt 11,52/11,64 EUR CR5 1WR Apple Short 2 Unbegrenzt 6,89/6,92 EUR CR5 1YG Apple Short 5 Unbegrenzt 4,10/4,14 EUR Stand: 20. Februar 2015; Quelle: Commerzbank Corporates & Markets Indexgebühr: 0,70 % p.a. Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produkt informationen stehen im Internet unter zur Verfügung. Grafik 2: Wertentwicklung Apple-Aktie Aktienkurs in US-Dollar Feb 10 Aug 10 Feb 11 Aug 11 Feb 12 Aug 12 Feb 13 Aug 13 Feb 14 Aug 14 Feb 15 Stand: 6. Februar 2015; Quelle: Commerzbank Corporates & Markets Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung. 11

12 Titelthema: die beliebtesten Aktien 2015 Bayer Ausblick langfristig positiv, Aktie aber nicht mehr günstig Uwe Treckmann (Investmentstrategie Private Kunden) Sämtliche Geschäftsfelder entwickeln sich positiv Beim operativen Gewinn hat Bayer zuletzt neben gesunkenen Entwicklungskosten in der Pharmasparte auch von einer besseren Auslastung der Produktionsanlagen profitiert. Im Bereich MaterialScience war der operative Gewinn lange Zeit nicht zufriedenstellend. Immerhin weist die Sparte zuletzt Umsatzwachstum und eine Margensteigerung auf, die Talsohle dürfte also durchschritten sein. Darüber hinaus hat das Management wie von uns erhofft verkündet, dass die Sparte an die Börse gebracht werden soll, was der Bayer-Aktie viel Phantasie beschert hat. Der Bereich CropScience sollte sich weiterhin überdurchschnittlich entwickeln, da sich derzeit sowohl die Produktpipeline als auch das operative Umfeld als vorteilhaft erweisen. Im Bereich HealthScience entwickelt sich das Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten weiterhin gut. Zwar belasten Sammelklagen im Bereich der Verhütungsmittel, die neben den hohen Kosten einen Imageschaden zur Folge haben können. Andererseits gab es in den letzten Quartalen wiederholt gute Nachrichten aus der Pipeline bzw. Zulassungen von Medikamenten mit recht großem Potenzial. Langfristige Treiber bei Bayer In der HealthCare-Sparte ist man mit den neuen Produkten wie Xarelto und Eylea wieder in die Oberliga der Pharmaindustrie aufgestiegen. Die Pipeline verspricht weiteres Potenzial. Im Bereich Consumer- Health ist durch den Zukauf der Merck- OTC-Sparte mit signifikanten Umsatzsynergien ab 2016 zu rechnen. Die Pipeline ist hier zudem gut gefüllt, von daher sollten schon bald positive Nachrichten das Sentiment der Bayer-Aktie weiter unterstützen. MaterialScience weist einen klar verbesserten Cashflow auf und wird nun für einen Verkauf vorbereitet. Hohe Klagerisiken Allerdings belasten Sammelklagen im Bereich der Verhütungsmittel, die neben den hohen Kosten einen Imageschaden zur Folge haben können. In der Kritik steht unter anderem der Wirkstoff Drospirenon, der beispielsweise in Antibabypillen Verwendung findet. Es besteht der Verdacht eines stark erhöhten Thromboserisikos. Es wurden bereits hohe Summen in Vergleichsverfahren gezahlt. Auch die Blutverdünner der»zweiten Generation«werden kritisch beäugt, da starke Blutungen auftreten können und noch kein zugelassenes Gegenmittel existiert. Fazit: An der guten operativen Entwicklung von Bayer haben wir grundsätzlich derzeit keine Zweifel, allerdings bereiten uns die zahlreichen Klagen und die Bewertung Sorgen. Wir bleiben daher momentan zurückhaltend für den Titel und warten zunächst ab, bis mehr Klarheit bezüglich der möglichen Belastungen (es drohen Schadenersatzforderungen in Milliardenhöhe, die Rückstellungen würden hierfür nicht ausreichen) herrscht. Insgesamt ist die hohe Relative Stärke der Aktie vor dem Hintergrund der mittlerweile nicht mehr moderaten Bewertung jedoch beachtlich. Grafik 3: Wertentwicklung Bayer-Aktie Aktienkurs in Euro Feb 10 Aug 10 Feb 11 Aug 11 Feb 12 Aug 12 Feb 13 Aug 13 Feb 14 Aug 14 Feb 15 Anlageidee: Faktor-Zertifikate WKN Basiswert Strategie Faktor Laufzeit Geld-/Briefkurs CZ6 RP7 Bayer Long 2 Unbegrenzt 19,66/19,69 EUR CZ6 TNP Bayer Long 4 Unbegrenzt 31,88/31,99 EUR CZ2 4KM Bayer Short 2 Unbegrenzt 4,91/4,92 EUR CZ0 VWG Bayer Short 4 Unbegrenzt 1,67/1,68 EUR Stand: 20. Februar 2015; Quelle: Commerzbank Corporates & Markets Indexgebühr: 0,70 % p.a. Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produkt informationen stehen im Internet unter zur Verfügung. Stand: 6. Februar 2015; Quelle: Commerzbank Corporates & Markets Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung. 12

13 Titelthema: die beliebtesten Aktien 2015 BMW Rekordabsatzzahlen, aber Marge leicht rückläufig Uwe Treckmann (Investmentstrategie Private Kunden) Ankeraktionäre sorgen für langfristige Planungssicherheit BMW ist zweifellos gut aufgestellt und es gibt viele Argumente, die für den Autobauer sprechen. Die Quandt-Familie als Ankeraktionär gewährt beispielsweise eine langfristige Planungssicherheit. Dadurch konnte BMW die Vorreiterrolle bei der Spriteffizienz erobern. Die durchschnittliche CO 2 -Emission ist mittlerweile die geringste in der Premiumklasse. Konsumenten sind zwar kaum bereit, für Technik zum Benzinsparen einen Aufpreis zu zahlen, aber der Fahrzeugverbrauch/ die Umweltverträglichkeit spielt in der Kaufentscheidung eine zunehmende Rolle. BMW gilt als einer der nachhaltigsten Autoproduzenten, was sich auch positiv auf den Aktienkurs auswirkt. Neue Modelle, gefülltes Orderbuch BMW hat zudem in den letzten Quartalen diverse neue Modelle an den Start gebracht, die am Markt gut ankommen. Insgesamt ist das Orderbuch gut gefüllt und das Preisumfeld für BMW immer noch gut. BMW hatte zudem auf der Kostenseite in den vergangenen Jahren klar an Boden gewonnen. Die im Jahr 2000 wiederbelebte britische Traditionsmarke»Mini«erfreut sich ebenfalls einer großen Beliebtheit. Mittelfristig dürften die Entwicklungsund Produktionskosten durch einheitliche Plattformen weiter gesenkt werden, was die Renditen weiter anheben sollte. Hoher Markenwert, starkes Image Zweifellos hilft beim Absatz das gute Image des Auto- und Motorradproduzenten. Durch den hohen Markenwert kann BMW das bestqualifizierte Personal rekrutieren. Beispiele für den Markenerfolg sind auch die»bmw Welt«, die mittlerweile mehr Besucher anzieht als Neuschwanstein, die hohen Merchandising- Einnahmen sowie die Diebstahlstatistik, wonach BMW-Modelle bei Langfingern besonders»beliebt«sind. Absatzrekorde, aber Marge sinkt Die BMW-Aktie weist eine recht hohe Korrelation zu chinesischen Wirtschaftsdaten auf, was angesichts der Bedeutung des Markts (mittlerweile größter Einzelmarkt von BMW) für die Marge wenig verwundert. Ein Absatzrückgang (beispielsweise aufgrund von staatlichen Restriktionen, um die Umwelt zu entlasten oder um die einheimischen Automarken zu unterstützen) würde deutliche Spuren hinterlassen. Wir sind derzeit allerdings noch optimistisch für den chinesischen Absatzmarkt gestimmt. Die Wachstumsraten flachen aber auch bei BMW ab. Trotz immer neuer Absatzrekorde verzeichnete der Konzern aufgrund der hohen Investitionen zum Beispiel in neue Antriebstechnologien tendenziell eine fallende Marge. Fazit: Eine solide Bilanz ermöglicht eine günstige Refinanzierung, hohe Cash- Bestände könnten mittelfristig zudem zu einer Sonderdividende oder einem verstärkten Aktienrückkaufprogramm führen. BMW ist in Summe deutlich besser positioniert als viele andere Autobauer, dies ist aber gleichzeitig den Marktteilnehmern auch bestens bekannt. Wir sehen die Aktie insgesamt positiv. Darüber hinaus profitieren die deutschen Autobauer ganz allgemein derzeit von der Euroschwäche, dem niedrigen Ölpreis und den Maßnahmen der EZB. Grafik 4: Wertentwicklung BMW-Aktie Aktienkurs in Euro Feb 10 Aug 10 Feb 11 Aug 11 Feb 12 Aug 12 Feb 13 Aug 13 Feb 14 Aug 14 Feb 15 Anlageidee: Faktor-Zertifikate WKN Basiswert Strategie Faktor Laufzeit Geld-/Briefkurs CZ6 RQ3 BMW Long 3 Unbegrenzt 26,70/26,77 EUR CZ6 TNN BMW Long 4 Unbegrenzt 31,58/31,69 EUR CR1 0AK BMW Short 3 Unbegrenzt 4,63/4,64 EUR CZ0 VWF BMW Short 4 Unbegrenzt 1,93/1,94 EUR Stand: 20. Februar 2015; Quelle: Commerzbank Corporates & Markets Indexgebühr: 0,70 % p.a. Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produkt informationen stehen im Internet unter zur Verfügung. Stand: 6. Februar 2015; Quelle: Commerzbank Corporates & Markets Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung. 13

14 Titelthema: die beliebtesten Aktien 2015 Daimler Margenverbesserung durch Erneuerung der Modellpalette Uwe Treckmann (Investmentstrategie Private Kunden) Sämtliche Geschäftsfelder mit Verbesserungen oder stabilem Trend In China und anderen stark wachsenden Märkten hinkt man im Geschäftsfeld Daimler Trucks gegenüber den Wettbewerbern hinterher. Die Absätze in den USA entwickeln sich derzeit hervorragend, besonders schwach dagegen aber auch nicht überraschend Russland und Brasilien. Europa konnte sich von einem niedrigen Niveau aus stabilisieren. Bei Daimler Buses sind die Margen deutlich niedriger als in anderen Geschäftsfeldern, Wettbewerber aus dem Ausland (wie beispielsweise Solaris aus Polen) wildern selbst im Heimatmarkt von Daimler. Allerdings konnten auch hier zuletzt Margenverbesserungen erzielt werden. Beim Geschäftsfeld Financial Services profitiert der Konzern weiterhin von niedrigen Risikokosten. Die deutschen Hersteller haben durch niedrigere Refinanzierungskosten einen Wettbewerbsvorteil gegenüber einigen anderen Herstellern. Anlageidee: Faktor-Zertifikate WKN Basiswert Strategie Faktor Laufzeit Geld-/Briefkurs CR0 JGH Daimler Long 2 Unbegrenzt 13,94/13,96 EUR CR0 JGJ Daimler Long 3 Unbegrenzt 15,57/15,61 EUR CZ2 4KQ Daimler Short 2 Unbegrenzt 2,92/2,93 EUR CR1 0AR Daimler Short 3 Unbegrenzt 4,58/4,59 EUR Stand: 20. Februar 2015; Quelle: Commerzbank Corporates & Markets Indexgebühr: 0,70 % p.a. Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produkt informationen stehen im Internet unter zur Verfügung. Modellfeuerwerk im Pkw-Segment sorgt für steigende Marge Die Marke mit dem Stern hat viele Modelle komplett überarbeitet. Der Höhepunkt im Flottenalter wurde 2012 erreicht, seitdem wird die Modellflotte»jünger«. Diese Verjüngung wird für gewöhnlich von den Anlegern mit Kursphantasie belohnt, da damit ein höheres Volumen und ein besseres Pricing einhergehen. Vor allem kann nun auch bei jedem neuen Fahrzeug die Modularbauweise angewendet werden, was die Kosten reduziert: Rund 1,5 Milliarden Euro jährlich sollen dadurch eingespart werden. Daimler bietet im Vergleich zu VW und BMW ein großes Kostensenkungspotenzial, schon allein weil die beiden letztgenannten Autobauer in ihren Bemühungen weiter vorangeschritten sind und Mercedes-Benz erst vor kurzem diese Bauweise bei sich eingeführt hat. Allein diese Maßnahme könnte mittelfristig eine Anpassung der Gewinnschätzungen durch die Investoren nach oben bringen. Grafik 5: Wertentwicklung Daimler-Aktie Aktienkurs in Euro Märkte entwickeln sich positiv für den Konzern Die USA sind mittlerweile der wichtigste Markt (noch vor Deutschland) für Mercedes. Im Gegensatz zu Westeuropa ist für die USA zudem von einem strukturellen Wachstum (demografiebedingt) auszugehen. Und in China konnten nach langen Verhandlungen die zwei Vertriebswege zusammengefügt werden, wodurch die bisher übliche Kannibalisierung bei den Preisen ein Ende gefunden hat. Neue Produktionsstätten außerhalb von Deutschland ermöglichen darüber hinaus langfristig eine höhere operative Marge. Fazit: Vieles läuft heute rund bei Daimler, auch wenn es weiterhin eine Menge zu tun gibt. Die zahlreichen Probleme sind den Marktteilnehmern allerdings auch bestens bekannt. Die neue Produktionsmethode und neue Modelle führen zudem zu einer höheren Marge. Die Durststrecke in diesem Bereich ist also beendet. Mercedes kann derzeit das prozentual stärkste Wachstum unter den drei deutschen Premiumherstellern aufweisen. Wir sehen das Chance-Risiko-Verhältnis daher weiterhin leicht positiv. Darüber hinaus profitieren die deutschen Autobauer ganz allgemein derzeit von der Euroschwäche, dem niedrigen Ölpreis und den Maßnahmen der EZB. 20 Feb 10 Aug 10 Feb 11 Aug 11 Feb 12 Aug 12 Feb 13 Aug 13 Feb 14 Aug 14 Feb 15 Stand: 6. Februar 2015; Quelle: Commerzbank Corporates & Markets Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung. 14

15 Titelthema: die beliebtesten Aktien 2015 Deutsche Post Globale Aufstellung herausragend Stefan Schöppner (Investmentstrategie Private Kunden) Unter den Weltmarktführern im Express- und Logistikgeschäft Das Express- und Logistikgeschäft sollte weiter von seiner mittlerweile deutlich verbesserten globalen Aufstellung profitieren. Die Ergebnisbeiträge sind inzwischen nach jahrelangem Anlauf höher als im klassischen Briefgeschäft. Leichte Preiserhöhungen erscheinen uns nicht unwahrscheinlich. Riskante Akquisitionen stehen nicht mehr auf der Agenda. Jetzt kommt es auf stetige Verbesserungen der Kostenstrukturen an. Eine mögliche globale Konjunkturerholung würde sich positiv auswirken. Briefgeschäft strukturell rückläufig Das Briefgeschäft ist trotz struktureller Rückgänge im Grundsatz nur wenig zyklisch, kam aber in der letzten Krise auch aufgrund geringerer Werbeaktivität der Wirtschaft stärker unter Druck. Das liefert aber damit gleichzeitig Argumente für weitere Sparbemühungen. Glaubhafte Kostensenkungsspielräume im Briefgeschäft sind weiter vorhanden. Dazu gibt es auch wieder Portoerhöhungen nach jahrelanger Pause, zuletzt Anfang Portoerhöhungen werden in Zukunft etwas leichter möglich sein als bisher, weil die Berechnungsformel zur Berücksichtigung eines Inflationsausgleichs sich leicht zugunsten der Post verbessert hat. Gegenwind kommt aber immer wieder von den Regulierungsbehörden, die den Ex-Monopolisten kritisch beobachten. Boomender Internethandel Das vom Internethandel getriebene inländische Paketgeschäft boomt. Das Management hat das mittelfristige Gewinnziel für die Brief- und Paketsparte angehoben. Die Post plant eine Expansion in ausgesuchte ausländische Paketmärkte. Personalkosten im Blickpunkt Die Post zahlt ihren inländischen Mitarbeitern deutlich mehr als den festgesetzten Mindestlohn. Ergebnisverbesserungen sollen aber durch eine niedrigere Vergütung für neu einzustellende Mitarbeiter über eigens gegründete Tochtergesellschaften erreicht werden. Die Post will sich dem Lohnniveau ihrer privaten Konkurrenten annähern. Es gibt erhebliche Diskussionen mit den Arbeitnehmervertretern. Wir sehen letztendlich durchaus Potenzial für sinkende Personalkosten pro (Paket-) Sendung, insbesondere deswegen, weil die Volumina weiter deutlich steigen. Wachstumskurs ohne bilanzielle Risiken Im Gesamtkonzern soll bis 2020 das operative Ergebnis im Durchschnitt um etwa 8 Prozent jährlich zulegen, hauptsächlich getrieben von DHL. Die Bilanz ist in guter Verfassung und die Dividendenrendite ist ansprechend. Große Akquisitionen stehen nicht auf der Agenda. Der staatliche Großaktionär KfW hat seinen Anteil kürzlich weiter reduziert. Wir werten einen steigenden Streubesitz und einen verringerten Staatsanteil deutlich positiv. Fazit: Das Express- und Logistikgeschäft der Deutschen Post sollte weiter von seiner herausragenden globalen Aufstellung profitieren. Der große Umbau des Konzerns ist vorbei, jetzt kommt es stärker auf den Rückenwind der globalen Konjunktur an. Anlageidee: Faktor-Zertifikate WKN Basiswert Strategie Faktor Laufzeit Geld-/Briefkurs CR0 JGJ Deutsche Post Long 3 Unbegrenzt 15,57/15,61 EUR CZ6 SNN Deutsche Post Long 5 Unbegrenzt 32,34/32,89 EUR CR1 0AR Deutsche Post Short 3 Unbegrenzt 4,58/4,59 EUR CR1 0AX Deutsche Post Short 5 Unbegrenzt 4,26/4,33 EUR Stand: 20. Februar 2015; Quelle: Commerzbank Corporates & Markets Indexgebühr: 0,70 % p.a. Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produkt informationen stehen im Internet unter zur Verfügung. Grafik 6: Wertentwicklung Deutsche Post-Aktie Aktienkurs in Euro Feb 10 Aug 10 Feb 11 Aug 11 Feb 12 Aug 12 Feb 13 Aug 13 Feb 14 Aug 14 Feb 15 Stand: 6. Februar 2015; Quelle: Commerzbank Corporates & Markets Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung. 15

16 interview Eine stabile Geldordnung für den Euro schaffen Interview mit Dr. Thomas Mayer, Volkswirt und Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Institute ideas: Herr Dr. Mayer, das neue Jahr hat an den Finanz- und Kapitalmärkten erwartungsgemäß recht turbulent begonnen. Erst die Entscheidung der Schweizer Nationalbank, den Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken aufzuheben, dann die Bekanntgabe der EZB, im großen Stil Staatsanleihen von Euroländern aufzukaufen, und nun die Wahlergebnisse in Griechenland. Das Resultat: Der Euro stürzte ab und notiert seither auf dem tiefsten Stand seit über zwölf Jahren. Auf der anderen Seite des Atlantiks bereitet sich die Notenbank in den USA auf höhere Zinsen vor. Stehen wir kurz vor einem Währungskrieg? Dr. Thomas Mayer: Noch nicht. Solange das Wachstum in den USA von der heimischen Nachfrage getrieben bleibt, kann die dortige Politik den Druck billigerer Exporte aus Europa und Japan verkraften. Sollten allerdings die heimischen Kräfte erlahmen, werden sich die USA gegen die Abwertung von Euro und Yen stemmen. Die Schweizer verfolgen da eine andere Strategie. Sie scheinen zu befürchten, dass die EZB den Euro zur Weichwährung macht, und wollen sich vor Fluchtkapital aus dem Euroraum schützen, indem sie Schweizer Vermögenswerte teurer machen. Dabei trauen sie der Schweizer Industrie zu, dass sie wie schon in der Vergangenheit mit der Währungsaufwertung fertig wird. Schätzen Sie die Euro-Abwertung als ein sinnvolles Instrument ein, um die wirtschaftlichen Probleme im Euroraum lösen zu können? Nein. Eine Abwertung der Währung ist immer ein Signal, dass es ein Land nicht»man kann die Pferde zur Tränke führen, aber man kann sie nicht zwingen, zu saufen.«karl Schiller schafft, durch bessere oder kostengünstigere Produkte auf dem Weltmarkt zu bestehen. Die Abwertung hilft bestehenden Unternehmen, veraltete, auf wenig effiziente Weise hergestellte Produkte abzusetzen, aber sie macht es neuen Unternehmen schwer, für neue Produkte und Produktionsprozesse Kapital und Arbeitskräfte zu bekommen. Und sie schädigt natürlich die Konsumenten, die mehr für importierte Güter bezahlen müssen. Auf den Euroraum bezogen heißt dies, dass eine Weichwährungspolitik für den Euro in den Krisenländern ineffiziente Strukturen zementiert und in den stärkeren Ländern den Druck vermindert, für effiziente Strukturen zu sorgen. Am Ende verlieren wir dabei alle. Viele Beobachter halten die Möglichkeiten und die Mittel der EZB im Kampf gegen Mini-Inflation und Konjunkturflaute für schier unbegrenzt, andere sehen sie längst an ihre Grenzen gestoßen. Wie schätzen Sie die Macht der Europäischen Zentralbank ein? Viele Leute verstehen nicht, dass in unserer Geldordnung die Banken Giralgeld über die Vergabe von Krediten schöpfen. Die Zentralbank versucht, ihren Zielwert für die Inflation zu erreichen, indem sie über die Steuerung des Zinses für den Geldmarkt unter den Banken den Kapitalmarktzins, die Kreditnachfrage und damit die Konjunktur beeinflusst. Es ist in diesem System viel leichter, ein zu starkes Kreditwachstum durch Zinserhöhungen zu zügeln, als ein zu schwaches durch Zinssenkungen anzuregen. Auch hier gilt Karl Schillers Spruch: Man kann die Pferde zur Tränke führen, aber man kann sie nicht zwingen, zu saufen. Wenn die Banken zu schwach sind, um Kredite zu vergeben, oder die Unternehmen und Haushalte zu pessimistisch in die Zukunft sehen, um Kredite nachzufragen, dann ist auch die Zentralbank machtlos. Ich fürchte, dass im Euroraum weder die Banken noch die Unternehmen oder Haushalte viel Appetit auf Kredite haben. Deshalb wird die EZB mit ihrer Politik des billigen Geldes wenig bewirken können. Welche Gefahr sehen Sie dabei für die europäischen Finanzmärkte? Bei jedem Medikament gilt, dass die erwarteten positiven direkten Wirkungen nicht von den schädlichen Nebenwirkungen überlagert werden dürfen. Wie gesagt erwarte ich nicht viel positive direkte Wirkung von der EZB-Politik des leichten Geldes. Dem stehen schädliche negative Wirkungen gegenüber. Durch die Manipulation der Zinsen durch die EZB wird es zu Fehlinvestitionen und im schlimmsten Fall zu einer Neuauflage der Finanzkrise kommen. Herr Dr. Mayer, nach den Wahlen in Griechenland hat der Syriza-Vorsitzende Alexis Tsipras die absolute Mehrheit nur knapp verpasst und ist daher ein umstrittenes Regierungsbündnis mit den rechtspopulistischen»unabhängigen Griechen«eingegangen. Gemeinsamer Nenner beider Parteien ist die strikte Ablehnung der Sparprogramme und die Forderung eines Schuldenerlasses durch die internationalen Kreditgeber. Ist es sinnvoll, Griechenland zumindest teilweise die Schulden zu erlassen? Klar ist, dass Griechenland seine Schulden nicht zurückzahlen kann. Wenn ein Land eine öffentliche Schuldenquote von mehr als 175 Prozent des BIP hat und 16

17 interview»bei jedem Medikament gilt, dass die erwarteten positiven Wirkungen nicht von den schädlichen Nebenwirkungen überlagert werden dürfen.«das in Fremdwährung, denn die Griechen können den Euro ja nicht selbst drucken, dann ist es insolvent. Man kann sich auf den Standpunkt stellen, dass es für die Gläubiger in diesem Fall keinen Unterschied macht, ob sie freiwillig auf die Forderung verzichten oder den Zahlungsausfall abwarten. Das Problem dabei ist jedoch, dass ein freiwilliger Verzicht des Gläubigers den Schuldner dazu einlädt, sich erneut zu überschulden. Griechenland hat schon zwei Schuldenerlasse bekommen: einen von den privaten Gläubigern in Form eines Schuldenschnitts und einen von den öffentlichen Gläubigern in Form von Zinssenkungen und der Verlängerung der Tilgungsfristen. Die Griechen wollen sich nun aber nicht an die dabei getroffenen Vereinbarungen zu sparsamer Haushaltsführung und Reformen der Wirtschaftsstruktur halten. Die logische Konsequenz wäre, nun einen Zahlungsausfall hinzunehmen und auf die disziplinierende Kraft des Markts zu vertrauen. Für wie wahrscheinlich halten Sie den Austritt Griechenlands aus der Eurozone? Ich bin kein Hellseher, aber ich vermute, dass man alles tun wird, um Griechenland im Euro zu halten. Dabei wird man den Rechtsrahmen der EWU so verbiegen, dass er nicht mehr zu erkennen ist. Statt Griechenland dem Euro, wird man den Euro Griechenland anpassen. Und den Deutschen wird man sagen, dass sie der größte Nutznießer dieses Euro seien und ein Austritt für sie in keinem Fall in Frage komme. Wie schätzen Sie die Folgen eines Austritts Griechenlands für den Euro ein? Die Frage ist doch, was werden die Folgen für den Euro sein, wenn sich die griechische Regierung mit ihren Forderungen an die Partner durchsetzt? Dann ist die Mutation des Euro vom Nachfolger der D-Mark zum Nachfolger der mediterranen Weichwährungen endgültig vollzogen. Im Vergleich dazu halte ich den Austritt Griechenlands für das geringere Übel, wenn er hilft, den Euro als Hartwährung wiederherzustellen. Wenn die Pläne der EZB nicht aufgehen, um die Krise im Euroraum zu beenden, wie muss das Währungssystem Ihrer Meinung nach umgebaut bzw. weiterentwickelt werden? Wir brauchen erstens eine staatliche Insolvenzordnung und zweitens eine Prozedur für den Austritt eines Staates aus der EWU. Dann könnte sich die EZB nicht länger verpflichtet fühlen, Pleitestaaten zu finanzieren. Drittens sollten wir eine sichere Bankeinlage im Euroraum schaffen, also eine Einlage, die zu 100 Prozent durch die Hinterlegung von Zentralbankgeld bei der EZB gedeckt ist. Dann kann eine Bank auch pleitegehen, denn der Einleger bekommt in jedem Fall sein Geld wieder, weil dies ja bei der EZB liegt. Viertens muss die EZB das Wachstum ihrer Reservegeldmenge und damit das der sicheren Einlagen an das langfristige Potenzialwachstum der Wirtschaft binden. Und fünftens sollten wir als Konkurrenz zum Euro andere Währungen auch auf regionaler Basis zulassen. Der Euro wäre dann eine europäische Gemeinschaftswährung und nicht mehr Einheitswährung der EWU-Länder. Was werden aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen der europäischen Wirtschaft in den nächsten Jahren sein? Der Bau einer stabilen Geldordnung für den Euro und der demografische Wandel. Leider sind gegenwärtig die Aussichten dafür, dass wir mit diesen Herausforderungen fertig werden, nicht sehr gut. Vielen Dank für das Gespräch! Das Interview führte Laura Schwierzeck. 17

18 Technische Analyse»Der EURO STOXX 50 beendete die siebenmonatige Seitwärtsbewegung in Richtung neuer Hausse-Tops.«EURO STOXX 50: Neues Kaufsignal Sophia Wurm (Technische Analyse, CM Research) Der Euro Stoxx 50 befindet sich aus langfristiger technischer Sicht seit März 2009 (Start bei Punkten) in einer moderaten Haussebewegung. Der dazugehörige Trend liegt aktuell im Bereich von Punkten. Innerhalb dieser übergeordneten Bewegung ergab sich ab Juni 2012 ausgehend von Punkten ein beschleunigter Haussetrend, in dessen Verlauf es dem Index gelang, die massive Widerstandszone aus den Vorjahren im Bereich von bis Punkten nachhaltig mit einem Kaufsignal zu überwinden. Im Juni 2014 erreichte der EURO Stoxx 50 ein neues Hausse-Top bei Punkten. Es folgte eine mittelfristige Seitwärtsbewegung im Bereich von Punkten (Unterstützung) und bis Punkten (Widerstand). Aus langfristiger Sicht wies diese Seitwärtskonsolidierung einen trendbestätigenden Charakter nach oben auf. Mit dem Rückenwind der geldpolitischen Maßnahmen der EZB (unter anderem Ankündigung eines Kaufprogramms von Staatsanleihen) sprang der Index Mitte Januar mit einem neuen Investment-Kaufsignal an und beendete die siebenmonatige Seitwärtsbewegung in Richtung neuer Hausse-Tops. Als Konsequenz arbeitet der EURO Stoxx 50 nun an der Etablierung eines neuen mittelfristigen Aufwärtstrends. Vor diesem Hintergrund eröffnet sich für den Index weiteres technisches Kurspotenzial, so- dass mit Blick auf den weiteren Jahresverlauf 2015 Kurse im Bereich von Punkten (Widerstandszone aus 2008) möglich sein sollten. Trotz dieser (isolierten) mittelfristigen Verbesserung weist der Index allerdings unter anderem aufgrund seiner Sektorzusammensetzung (zum Beispiel Öl & Gas sowie Banken, bei denen ein sehr differenziertes technisches Bild vorliegt) eine Relative Schwäche gegenüber dem DAX auf. Bei einem Indexinvestment in den EURO Stoxx 50 sollte auf eine Partizipation an den verhältnismäßig hohen Dividenden (Dividendenrendite ca. 3,5 Prozent) geachtet werden. 18

19 Technische Analyse Anlageidee Spekulativ Mit dem Faktor-Zertifikat 4x Long auf den EURO STOXX 50 Future können Anleger gehebelt an der Wertentwicklung des EURO STOXX 50 partizipieren. Die Laufzeit des Zertifikats ist unbegrenzt. Steigt der EURO STOXX 50 Future, steigt der Wert des Faktor-Zertifikats circa um den jeweiligen Faktor (Hebel) und umgekehrt. Neutral Mit dem Unlimited Index-Zertifikat auf den EURO STOXX 50 können Anleger eins zu eins an der Wertentwicklung des EURO STOXX 50 partizipieren sowohl positiv als auch negativ. Die Laufzeit des Zertifikats ist unbegrenzt. Konservativ Beim Kauf des Classic Discount-Zertifikats auf den EURO STOXX 50-Index erhalten Anleger einen Preisabschlag (Discount) auf den aktuellen Wert des EURO STOXX 50. Im Gegenzug für diesen Discount verzichtet der Anleger auf die Möglichkeit, unbegrenzt an Kurssteigerungen des EURO STOXX 50 zu partizipieren. Der maximale Rückzahlungsbetrag entspricht 36,00 Euro. Produkttyp Faktor-Zertifikat WKN CR0 HLU Basiswert EURO STOXX 50 Future März 2015 Strategie Long Bezugsverhältnis 1:1 Laufzeit Indexgebühr Geld-/Briefkurs Faktor 4 Unbegrenzt 0,50 % p.a. 12,76/12,84 EUR Produkttyp Unlimited Index-Zertifikat WKN Basiswert EURO STOXX 50- Index Bezugsverhältnis 100:1 Laufzeit Geld-/Briefkurs Unbegrenzt 34,72/34,72 EUR Produkttyp WKN Cap Bezugsverhältnis 100:1 Classic Discount-Zertifikat CR0 GLX Punkte Bewertungstag Fälligkeit Geld-/Briefkurs Discount 6,59 % 32,46/32,47 EUR Max. Rendite p.a. 13,01 % Stand: 20. Februar 2015; Quelle: Commerzbank Corporates & Markets. Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter zur Verfügung. EURO STOXX 50 Punkte V V Pkt V Pkt. V 200-Tage-Linie K K Pkt. Baissetrend V Pkt Pkt Stand: 16. Februar 2015; Quelle: Reuters, Commerzbank Corporates & Markets Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung. V V Pkt Pkt. K Pkt Pkt. K Pkt. K = Kaufsignal V = Verkaufssignal TP = Take-Profit-Signal Pkt. Beschleunigter Haussetrend Moderater Haussetrend K Neues Kaufsignal Pkt. 19

20 Technische Analyse»Die ING Groep-Aktie arbeitet an der Etablierung eines neuen mittelfristigen Aufwärtstrends.«ING Groep: Im langfristigen Comeback Achim Matzke (Leiter Technische Analyse, CM Research) Der Stoxx Europe 600 Banks ist gemessen an der Free-Float-Marktkapitalisierung mit einem Anteil von ca. 13,6 Prozent unverändert der größte Sektor des Stoxx Europe 600 (Anteil Mitte 2007 allerdings 21,0 Prozent). Innerhalb des Sektors liegt aktuell eine stark differenzierte technische Entwicklung vor. Die Aktie der niederländischen ING früher Mitglied im Stoxx Europe 600 Insurance und heute Nummer 8 im Stoxx Europe 600 Banks (Indexanteil ca. 4,6 Prozent) hatte ab Oktober 2006 (Start bei 27,8 Euro) eine heftige Baissebewegung durchlaufen und erreichte im März 2009 Tiefstkurse um 1,8 Euro. Nach einem ausgeprägten Recovery (Kursanstieg auf 9,8 Euro innerhalb weniger Monate) ging die Aktie ab Oktober 2009 in eine langfristige Seitwärtsbewegung (Kernzone: 4,5 bis 10,0 Euro) über. Hierbei ergab sich ein Wechselspiel aus mittelfristigen Auf- und Abwärtstrends. Im September 2013 etablierte ING einen Aufwärtstrend, der die Aktie zum Jahreswechsel 2013/2014 über die langfristige Widerstandszone um 10,0 Euro führte. Allerdings folgte sofort die nächste einjährige Seitwärtsbewegung direkt oberhalb der neuen Unterstützungszone (ehemalige Widerstandszone) um 10,0 Euro. Diese hatte aus mittelfristiger technischer Sicht einen trendbestätigenden Charakter nach oben. Mitte Februar 2015 schließlich gelang es der Aktie, die Seitwärtsbewegung mit einem neuen Investment-Kaufsignal zu beenden. Als Konsequenz arbeitet die Aktie an der Etablierung eines neuen mittelfristigen Aufwärtstrends, sodass die Aufarbeitung der Baisse aus den Jahren 2006 bis 2009 nun in Gang kommen sollte. Aus technischer Sicht ist ING deshalb ein (Zu-)Kauf. Das nächste Zwischenziel liegt im Bereich von 14,0 Euro (Ausdehnung der einjährigen Seitwärtsbewegung). 20

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