Gebärmutterhalskrebs vorbeugen! EINE INFORMATION FÜR ALLE FRAUEN

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1 Gebärmutterhalskrebs vorbeugen! EINE INFORMATION FÜR ALLE FRAUEN

2 Inhalt Vorwort EINLEITUNG Eine große Herausforderung FRAGEN UND ANTWORTEN Wie entsteht Gebärmutterhalskrebs? Wie infiziert man sich mit HPV? Was geschieht nach einer HPV-Infektion? Woran erkenne ich, dass ich mit HPV infiziert bin? Wie erfahre ich, wie mein Pap-Test ausgefallen ist? Mein Pap-Test ist positiv. Was muss ich tun? Der Befund meines Pap-Tests war zu einem früheren Zeitpunkt positiv, dann fiel er negativ aus. Heute, nach Jahren, ist er wieder positiv. Was ist passiert? Kann eine Infektion mit HPV auch Krebs bei Männern auslösen? Können Kondome vor einer Infektion mit HPV schützen? Gibt es noch andere Methoden, um eine Infektion mit HPV zu erkennen? Kann eine HPV-Infektion behandelt werden? Kann man sich gegen HPV impfen lassen? Welche Impfstoffe gibt es? Wer soll sich gegen HPV impfen lassen? Wo erhalte ich weitere Information?... 12

3 Gebärmutterhalskrebs vorbeugen! 01 Vorwort Liebe Südtirolerinnen, Frauengesundheit genießt höchste Priorität in jedem Gesundheitsdienst, so insbesondere auch im öffentlichen Gesundheitswesen Südtirols. Zu einem modernen Gesundheitsdienst gehört die gründliche Vorsorge und Vorbeugung von Krankheiten, die als ernst, häufig und vermeidbar gelten. Dazu gehört auch der Gebärmutterhalskrebs. Dagegen kann man vorbeugen. Der öffentliche Gesundheitsdienst bietet jetzt allen Mädchen im zwölften Lebensjahr eine kostenlose Impfung an. Damit setzen wir ein starkes Zeichen für die Gesundheit aller Frauen. Nutzen Sie die Information, die Ihnen dieses Heft bietet, zu Ihrem Wohl und zum Wohle Ihrer Anvertrauten! Ihr Dr. Richard Theiner Landesrat für Gesundheits- und Sozialwesen

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5 Gebärmutterhalskrebs vorbeugen! 03 EINLEITUNG EINE GROSSE HERAUSFORDERUNG Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) ist eine der häufigsten Krebserkrankungen im Genitalbereich der Frau. Gebärmutterhalskrebs entsteht nicht von heute auf morgen, sondern er benötigt in der Regel Jahre für seine Entwicklung. Es ist daher lebenswichtig, den Krebs in seinem Anfangsstadium, dem Stadium der Präkanzerose oder Dysplasie, zu erkennen. Die allgemein empfohlene Früherkennungsmaßnahme (Screening) für Gebärmutterhalskrebs ist der Pap-Test. Damit konnten die Fälle von Gebärmutterhalskrebs in unserer Bevölkerung deutlich verringert werden. Der Pap-Test wird von Frauenärztinnen bzw. Frauenärzten öffentlicher und privater Einrichtungen durchgeführt. Dabei wird ein Zellabstrich vom Gebärmutterhals entnommen und im Labor von geschultem Personal unter dem Mikroskop beurteilt. Der Pap-Test ist harmlos und völlig schmerzfrei. Jede Frau sollte regelmäßig diesen Test machen. Der Pap-Test ist nur als Früherkennungsmaßnahme von Gebärmutterhalskrebs und nicht von Gebärmutterkörperkrebs oder Eierstockkrebs geeignet. Keinesfalls ersetzt er die gynäkologische Untersuchung.

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7 Gebärmutterhalskrebs vorbeugen! 05 FRAGEN UND ANTWORTEN WIE ENTSTEHT GEBÄRMUTTERHALSKREBS? Verursacht wird Gebärmutterhalskrebs fast ausschließlich durch ein Virus namens HPV. Das ist die Abkürzung für Humanes Papilloma Virus (Englisch: Human Papilloma Virus). Davon gibt es zahlreiche verschiedene Typen. Eine Infektion des weiblichen Genitalbereichs mit HPV erfolgt sehr häufig im Laufe des Lebens einer Frau. Man geht davon aus, dass über 75% der sexuell aktiven Frauen sich in ihrem Leben mit HPV infiziert. Vor allem bei jungen Frauen bis 25 Jahre ist die Infektion weit verbreitet. Die Weltgesundheitsorganisation hat den Gebärmutterhalskrebs als ersten Krebs anerkannt, der auf eine Infektion zurückzuführen ist. Rund 70% aller Fälle von Gebärmutterhalskrebs wird von nur zwei Subtypen des HPV verursacht: HPV 16 und 18. WIE INFIZIERT MAN SICH MIT HPV? Das HPV wird beim Geschlechtsverkehr übertragen, wobei die Infektion sowohl vom Mann auf die Frau als auch von der Frau auf den Mann erfolgen kann. Andere Übertragungswege können jedoch nicht vollständig ausgeschlossen werden.

8 WAS GESCHIEHT NACH EINER HPV- INFEKTION? In den meisten Fällen heilt die HPV-Infektion von selbst aus, weil das Virus vom Immunsystem erfolgreich abgewehrt wird. Manchmal jedoch bleibt die Infektion bestehen. Dieses Risiko hängt auch vom jeweiligen HPV-Typ ab. Dabei kommt es zu Veränderungen des Gewebes, einer sogenannten Dysplasie, die zu Gebärmutterhalskrebs entarten kann. Begünstigt wird die Entwicklung zum Krebs durch verschiedene Faktoren, z.b. durch eine Immunschwäche oder durch den Tabakrauch. WORAN ERKENNE ICH, DASS ICH MIT HPV INFIZIERT BIN? Eine HPV-Infektion verursacht in der Regel keine Symptome. Mit dem Pap-Test kann sie allerdings nachgewiesen werden. Manchmal zeigen sich auf den äußeren weiblichen Geschlechtsorganen, der Vulva, kleine Warzen, die von HPV stammen können (Condylomata). Diese Condylomata oder Feigwarzen können auch am Penis des Mannes auftreten. Im Unterschied zu den Dysplasien des Gebärmutterhalses entwickeln sich die Condylomata aber nicht weiter und es entsteht aus ihnen kein Krebs. Sie sind jedoch ein Zeichen für eine HPV-Infektion.

9 Gebärmutterhalskrebs vorbeugen! 07 WIE ERFAHRE ICH, WIE MEIN PAP-TEST AUSGEFALLEN IST? Jeder Frau, die sich einem Pap-Test unterzogen hat, wird der Befund per Post zugestellt. Eine Kopie des Befundes geht auch an die Frauenärztin bzw. an den Frauenarzt oder die Hebamme, die den Abstrich vorgeommen haben. MEIN PAP-TEST IST POSITIV. WAS MUSS ICH TUN? Ist der Befund des Pap-Testes nicht normal (positiv), dann sollte ein Termin für eine kurzfristige gynäkologische Facharztvisite vereinbart werden. Dabei werden genaue Auskünfte über die Bedeutung des Befunds erteilt und weitere Maßnahmen zur Überprüfung des Ergebnisses vereinbart. Eine Wiederholung des Pap-Tests oder eingehendere Untersuchungen wie die Kolposkopie oder Biopsie können notwendig sein. Kolposkopie und Biopsie sind einfache und harmlose Untersuchungsmethoden und geben mit einer größeren Sicherheit Aufschluss über Art und Ausmaß der Gewebsveränderung.

10 DER BEFUND MEINES PAP-TESTS WAR ZU EINEM FRÜHEREN ZEITPUNKT POSITIV, DANN FIEL ER NEGATIV AUS. HEUTE, NACH JAHREN, IST ER WIEDER POSITIV. WAS IST PASSIERT? Eine HPV-Infektion kann vorübergehend verschwinden und nach Jahren wieder auftreten. Manchmal ist ein anderer und später übertragener Virentypus für eine Neuinfektion verantwortlich. Ist eine Virusinfektion ausgeheilt, kann eine Reinfektion durch denselben Virustyp meistens ausgeschlossen werden. Solange also bei Frau und Mann kein Partnerwechsel erfolgt, ist eine neuerliche Infektion unwahrscheinlich. KANN EINE INFEKTION MIT HPV AUCH KREBS BEI MÄNNERN AUSLÖSEN? Peniskarzinome sind sehr viel seltener als Gebärmutterhalskrebs und nur ein Teil von diesen lässt sich auf HPV zurückführen. Sollten aber Warzen (Condylomata) am Penis auftreten, ist eine fachärztliche Visite auf jeden Fall angeraten. KÖNNEN KONDOME VOR EINER INFEKTION MIT HPV SCHÜTZEN? Kondome schützen, sofern sie richtig angewandt werden, bis zu einem gewissen Grad HPV-Infektionen. Da das Virus aber auch die Haut der Vulva und die Leistengegend infizieren kann, ist der Schutz durch ein Kondom nicht immer ausreichend. Die Verwendung von Kondomen außerhalb einer festen Partnerschaft ist dennoch

11 Gebärmutterhalskrebs vorbeugen! 09 immer angeraten, da das Kondom vor einer Infektion mit dem HIV- bzw. dem Hepatits-B-Virus sowie Erregern von Geschlechtskrankheiten schützt. GIBT ES NOCH ANDERE METHODEN, UM EINE INFEKTION MIT HPV ZU ERKENNEN? Eine Infektion mit HPV sowie Gewebsveränderungen im Gebärmutterhals lassen sich auch mit biomolekularen Techniken (HPV-Test) nachweisen. Diese HPV-Tests sind allerdings kompliziert und teuer. Sie sagen auch nichts darüber aus, ob die Infektion spontan ausheilen wird oder sich ein Tumor entwickeln wird. Der HPV- Test wird zurzeit nur in Ausnahmefällen und immer als Ergänzung zu einem Pap- Test durchgeführt. KANN EINE HPV-INFEKTION BEHANDELT WERDEN? Zurzeit gibt es keine spezifische Therapie für HPV-Infektionen. HPV-Infektionen heilen in den meisten Fällen von selbst, sodass Therapien überflüssig sind. Bleibt hingegen die Infektion bestehen und entwickelt sich eine Dysplasie, kann diese wohl behandelt werden. Die Behandlung besteht meist in einem kurzen, harmlosen Eingriff, bei dem das veränderte Gewebe entfernt wird.

12 KANN MAN SICH GEGEN HPV IMPFEN LASSEN? Ja. Seit kurzem gibt es eine Impfung, die vor einer HPV- Infektion schützt. Die Impfung schützt zwar in etwa 70% der Fälle vor Gebärmutterhalskrebs, d.h. vor jenen HPV-Typen, die im Impfstoff enthalten sind, jedoch nicht vor allen. Bei bereits mit HPV infizierten Mädchen und Frauen ist er unwirksam. Auch bei geimpften Frauen ist somit die regelmäßige Durchführung des Pap-Tests notwendig. WELCHE IMPFSTOFFE GIBT ES? Zur Vorbeugung einer HPV-Infektion stehen derzeit zwei Impfstoffe zur Verfügung. Beide Impfstoffe beugen Infektionen mit HPV-Typ 16 und 18 vor; diese werden am häufigsten kausal mit Gebärmutterhalskrebs in Verbindung gebracht. Zur Grundimmunisierung werden in beiden Fällen jeweils drei Impfdosen verabreicht. Bei 90-95% der Frauen, die vor der Impfung noch nicht mit HPV infiziert wurden, besteht nach der Impfung eine wirksame Immunabwehr gegen diese beiden HPV- Typen. Bezüglich der Dauer des Impfschutzes und der Notwendigkeit einer Auffrischungsimpfung gibt es derzeit noch keine endgültigen Daten. WER SOLL SICH GEGEN HPV IMPFEN LASSEN? Die Impfung ist besonders vor dem ersten sexuellen Kontakt ratsam, weil damit bereits vor einer möglichen Infektion mit HPV ein wirksamer Schutz aufgebaut

13 Gebärmutterhalskrebs vorbeugen! 11 wird. Der öffentliche Gesundheitsdienst bietet daher allen Mädchen im 12. Lebensjahr die Impfung kostenlos an. Auch ältere Mädchen und Frauen bis zum 26. Lebensjahr können die Impfung gegen HPV bei den unten angeführten Diensten zu den von der Landesregierung festgelegten Tarifen erhalten. Allerdings wird mit zunehmendem Alter die Impfung immer weniger zielführend, da mit Beginn der Sexualkontakte eine HPV-Infektion immer wahrscheinlicher wird. Die HPV- Impfung wird, wie alle anderen Impfungen im Kindes- und Jugendalter, im Dienst für Hygiene und öffentliche Gesundheit aller Gesundheitsbezirke durchgeführt, und ebenso von den mit Impfungen betrauten Vertragsärzten: Sprengelhygieneärztinnen/-ärzte und Kinderärztinnen/-ärzte.

14 WO ERHALTE ICH WEITERE INFORMATION? Für weiterführende Information wenden Sie sich bitte an Ihre/n Frauenärztin/-arzt. Für Fragen zur Impfung stehen auch der Dienst für Hygiene und öffentliche Gesundheit oder die zur Impfung beauftragten Ärztinnen bzw. Ärzte in allen Gesundheitsbezirken des Südtiroler Sanitätsbetriebes zur Verfügung. Impressum Herausgeber: Autonome Provinz Bozen - Südtirol, Abteilung Gesundheitswesen Amt für Hygiene und öffentliche Gesundheit Kanonikus M. Gamper Str. 1, Bozen Tel.: , Fax: Ausgearbeitet von: Dienst für Pathologische Anatomie und Histologie im Südtiroler Sanitätsbetrieb Amt für Hygiene und öffentliche Gesundheit der Landesabteilung für Gesundheitswesen Für die Zusammenarbeit gedankt wird den Diensten für Hygiene und öffentliche Gesundheit der Gesundheitsbezirke. Grafik: online-meran.it Druck: 2008

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