KRONBERGER DIALOG ZUKUNFTSVORSORGE THESENPAPIER ZUM 3. KAMINGESPRÄCH AM 19. SEPTEMBER 2012

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1 KRONBERGER DIALOG ZUKUNFTSVORSORGE THESENPAPIER ZUM 3. KAMINGESPRÄCH AM 19. SEPTEMBER 2012 Entgeltumwandlung, Finanzwissen und Aufklärung der Arbeitnehmer Seite 1 von 5

2 AUSGANGSLAGE Herkömmliche Leistungszusagen sind aus Sicht der Unternehmen nicht mehr finanzierbar und sterben aus. Die Renteneinkünfte aus der staatlichen Rente werden sich ab 2030 auf ca % des letzten Einkommens verringern (von derzeit ca %): Rentenniveau und Beitragssatz, % 30,0% Brutto-Standardrentenniveau (nach 45 Beitragsjahren) 55% 50% 45% 40% 35% 30% 25% Rentenniveau (linke Skala) Ist-Werte Projektion Beitragssatz (rechte Skala) 27,5% 25,0% 22,5% 20,0% 17,5% 15,0% 12,5% GRV-Beitragssatz (% der vers.pflichtigen Bruttoentgelte) 20% 10,0% Quelle: Prof. Dr. Martin Werding, Lehrstuhl für Sozialpolitik und öffentliche Finanzen, Ruhr-Universität Bochum (2011): Demographie und öffentliche Haushalte (Simulationen für den Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Basisvariante). Daher wird der Druck und Anreiz für die Arbeitgeber zunehmen, der bav in ihren Entgeltsystemen wieder größere Bedeutung beizumessen. 1 Eine Schließung der drohenden Rentenlücke wird jedoch nur dann gelingen, wenn die Entgeltumwandlung in den neuen beitragsorientierten Plänen eine weit bedeutendere Rolle spielt als bisher. 2 1 Vgl. Ergebnispapier zum 1. Kronberger Dialog Zukunftsvorsorge vom September 2011, https://www.fidelity.de/static/pdf/institutional/zusammenfassung-kamingespraech-kronberger-dialog.pdf 2 Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wurden Milliarden (d.h. 0,7% des Bruttoverdienstes) über Entgeltumwandlung investiert: Seite 2 von 5

3 Auf Unternehmen, Arbeitnehmervertreter und Produktgeber kommt eine neue Verantwortung zu. Entscheidend kommt es bei der Entgeltumwandlung darauf an, dass eine hohe Teilnahmequote erzielt wird. Auf der einen Seite sind deutsche Firmen gut beraten, die Auswahl der Anlagemöglichkeiten bei beitragsorientierten Plänen wegen der Einstandspflicht des Arbeitgebers für den Werterhalt der Beiträge auf risikoadäquate Anlagemöglichkeiten zu begrenzen. Auch zeigt die praktische Erfahrung etwa bei 401k- Plänen in den USA, dass eine sehr große Auswahl bei den Anlagemöglichkeiten eher kontraproduktiv wirken kann. 3 Auf der anderen Seite bleibt selbst dann, wenn der Arbeitgeber nur ein Anlagekonzept anbietet, die Entscheidung über das Ob der Entgeltumwandlung beim Arbeitnehmer. Eine Entscheidung, die nur dann sachgerecht getroffen werden kann, wenn die Arbeitnehmer die Vor- und Nachteile der bav im Vergleich zum privaten Vorsorgesparen oder Riester abwägen können. Damit hält als durchaus gewollter Nebeneffekt der Entgeltumwandlung - die persönliche Finanzplanung Einzug in die bav und damit auch die Frage der angemessenen Information und Aufklärung des Arbeitnehmers durch den Arbeitgeber. 4 Professor Andreas Hackethal, Professor für Finanzen im House of Finance und Dekan des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt, wird in seinem Impulsvortrag Was Privatanleger und Patienten gemeinsam haben Heilmittel für verbreitete Anlegerfehler erörtern, unter welchen Voraussetzungen private Anleger sachgerechte Anlageentscheidungen treffen können. Der Impulsvortrag liefert damit die Grundlage für die Diskussion, wie eine sachgerechte Mitarbeiterkommunikation im Rahmen der Entgeltumwandlung ausgestaltet werden sollte. Professor Hackethal lehrt und forscht auf den Gebieten Bankenmärkte, Anlegerverhalten, Finanzberatung, Vergütungsstrukturen und Unternehmensfinanzierung. Er verantwortet im House of Finance das Retail Banking Competence Center und ist einer der Direktoren des E-Finance Labs, das gemeinsam von den Universitäten Frankfurt und Darmstadt betrieben wird. Seit 2009 ist er Mitglied des Fachbeirats der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, seit Ende 2011 Mitglied der Börsensachverständigenkommission beim Bundesministerium für Finanzen. 3 Vgl. Ergebnispapier des 2. Kronberger Dialogs Zukunftsvorsorge vom März 2012: https://www.fidelity.de/static/pdf/institutional/zusammenfassung-kamingespraech-kronberger-dialog-2012.pdf 4 Vgl. Roth, Private Altersvorsorge, S. 408ff. Seite 3 von 5

4 THESEN ZUR DISKUSSION These 1: Sachgerechte Mitarbeiterkommunikation ist gerade bei der automatischen Entgeltumwandlung ein Muss. Im Rahmen des Arbeitsverhältnisses und der damit verbundenen Fürsorgepflicht des Arbeitgebers ist eine Aufklärung der Mitarbeiter über die Vor- und Nachteile des jeweiligen Entgeltumwandlungsprogramms erforderlich. Diesem Punkt kommt umso größere Bedeutung zu, je stärker die Entgeltumwandlung automatisiert wird. Zum Beispiel sieht der von Fidelity für seine Mitarbeiter in Deutschland neu konzipierte Vorsorgeplan 2012 eine automatische Entgeltumwandlung mit Ausstiegsmöglichkeit vor: Die Mitarbeiter wandeln automatisch 4% ihres Bruttogehalts um (über der BBG 5%), sofern sie nicht ausdrücklich erklären, dass sie keine Entgeltumwandlung oder nur einen geringeren Betrag (z.b. 2% des Gehalts) umwandeln möchten. In einer derartigen Konstellation ist der Arbeitnehmer schnell überfordert, ohne weiteres die für ihn richtige Entscheidung zu treffen. Eine transparente und verständliche Mitarbeiterkommunikation ist unentbehrlich. Sie muss insbesondere das typischerweise geringe oder fehlende Finanzwissen des Mitarbeiters berücksichtigen. In aller Regel sind Unternehmen hierauf weder personell noch inhaltlich vorbereitet und beziehen bei der Ausgestaltung und Durchführung der Mitarbeiterkommunikation spezialisierte Anbieter ein. These 2: Sachgerechte Mitarbeiterkommunikation ist wirtschaftlich möglich, wenn sie in standardisierter Form erbracht wird. In der bav kann die Beratung stärker systematisiert und strukturiert werden, weil der Anlagehorizont in der Regel bis zum Erreichen des Rentenalters vorgegeben ist. Weil der Arbeitgeber in Deutschland stets den nominellen Werterhalt der eingebrachten Beträge gewährleistet, gibt dieser meist die zulässigen Anlagemodelle vor oder bietet generell nur ein Anlagemodell an. Der Umfang der Aufklärungs- und Informationspflicht des Arbeitgebers hängt sicher vom Einzelfall ab. Auf jeden Fall muss die Mitarbeiterkommunikation die Mitarbeiter in die Lage versetzen, das vom Arbeitgeber angebotene Anlagekonzept zu verstehen. Dazu gehören sicherlich die nach WPHG erforderlichen Produktinformationen. Darüber hinaus sollten die typischen Vor- und Nachteile der Entgeltumwandlung dargestellt werden, z.b. - Besteuerung erst bei Auszahlung - vollständige Ersparnis der Sozialbversicherungsbeiträge - gegebenenfalls Arbeitgeber-Zuschüsse - langfristige Kapitalbindung - keine Möglichkeit der Beleihung. Seite 4 von 5

5 Eine andere Frage ist, inwieweit die Mitarbeiterkommunikation zur Entgeltumwandlung auch Vergleiche mit alternativen Vorsorgemöglichkeiten enthalten muss. Dies dürfte weniger ein rechtliches Erfordernis sein, als vielmehr ein Service des Arbeitgebers, der mit seinem bav-modell die Wertschätzung der Mitarbeiter gegenüber dem Unternehmen erhöhen will. Wird ein solcher Zusatzservice erbracht, muss der Arbeitgeber sicherstellen, dass die Informationen zutreffend sind. Auch hier bietet ein einfaches und qualitativ hochwertiges Anlagemodell Vorteile, z.b. ein Lebenszykluskonzept, welches die Interessen des Arbeitgebers am Kapitalerhalt mit den Interessen der Mitarbeiter harmonisiert, die eine möglichst hohe reale Wertsteigerung anstreben. Ein solches Modell erleichtert eine Standardisierung und Automatisierung der Mitarbeiterkommunikation, die den Kostenvorteil der bav nicht auf der Beratungsebene gefährdet. These 3: Automatisierte Beratungslösungen minimieren Rechtsrisiken für den Arbeitgeber. Grundsätzlich haftet der Arbeitgeber über seine Hinweis- und Aufsichtspflichten gegenüber dem Arbeitnehmer. Gerade bei der Entgeltumwandlung besteht eine erhebliche Fürsorge- und Informationspflicht. Die Verwendung von Beratungs-Tools in der Mitarbeiterkommunikation erlaubt die Minimierung des damit verbundenen Rechtsrisikos, da die Beratungsprozesse dokumentiert sind und im Rahmen einer neutralen (Vorab-)Prüfung durch externe Sachverständige getestet und abgezeichnet werden können. Der Kronberger Dialog Zukunftsvorsorge eine Initiative von Fidelity Worldwide Investment Der Kronberger Dialog Zukunftsvorsorge hat das Ziel, der betrieblichen Altersvorsorge in Deutschland über alle Branchen hinweg und besonders im Mittelstand zu einem höheren Stellenwert zu verhelfen. Dazu soll der Dialog zwischen Vertretern aus Unternehmen, Gewerkschaften, Wissenschaft und Politik angestossen und gefördert werden. Das von Fidelity Worldwide Investment initiierte Forum setzt einen inhaltlichen Schwerpunkt auf die empirisch-praktischen Aspekte der betrieblichen Altersvorsorge. MK7408 Weitere Informationen finden Sie unter Seite 5 von 5

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