3. Außenwirtschaftliches. Gleichgewicht. 3.1 Grundlagen Devisenmarkt-Gleichgewicht 3. 4 Das Mundell Fleming Modell

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1 3. Außenwirtschaftliches Gleichgewicht 3.1 Grundlagen 3. 2 Kaufkraftparität - Der Big Mac Index 3. 3 Devisenmarkt-Gleichgewicht 3. 4 Das Mundell Fleming Modell 3. 5 Europäische WährungsunionW Blanchard/ Illing: Kapitel 18 bis 21 Seite 1

2 3. Außenwirtschaftliches Gleichgewicht Grundfragen: Welchen Einfluss haben außenwirtschaftliche Beziehungen auf das makroökonomische Gleichgewicht? Was bestimmt die Nettoexportnachfrage (X-Im)? Wichtiger Faktor: Abwertung: Wechselkurs relativer Preis von Auslands- zu Inlandsgütern verbilligt Exporte; verteuert Importe Stimuliert Beschäftigung; verteuert Konsum Was bestimmt den Wechselkurs? Untersuche: Bedingungen für Gleichgewicht am Devisenmarkt Wie wirken sich verschiedene Wechselkurssysteme aus? Seite 2

3 3.1 Grundlagen Devisenmarktgleichgewicht (Handel von $ gegen ) Angebot an Devisen = Nachfrage nach Devisen Gleichgewichtsmechanismus: Anpassung des Wechselkurses Was bestimmt die Nachfrage nach Devisen und Wechselkurse? Handelsströme: Exportüberschuss: Überangebot an Fremdwährung Nettokapitalströme: Kapitalexport: Überangebot an einheimischer Währung Unterscheide: Kurze vs. mittlere Frist Wirksamkeit von Geld- und Fiskalpolitik in offener Volkswirtschaft: bei unterschiedlichen Wechselkurssystemen (fixe vs. flexible Wechselkurse) Seite 3

4 Die Zahlungsbilanz VGR mit Außenwirtschaft: Wichtige Posten der Zahlungsbilanz Produktionsseite: Handelsbilanz: Nettoexporte von Waren Dienstleistungsbilanz Außenbeitrag: Nettoexporte NX = X IM Handels- u. Dienstleistungsbilanz in D traditionell Exportüberschüsse in D meist defizitär (starker Tourismus) Einkommensseite: Inländer erzielen auch Einnahmen im Ausland; Ein Teil der Einkommen inländischer Produktion geht an Ausländer Leistungsbilanz: berücksichtigt den Saldo der Primäreinkommen SP (Unterschied zwischen BIP und BNE: BNE= BIP + SP) Leistungsbilanz = Handels- und Dienstleistungsbilanz (Außenbeitrag) + Saldo der Primäreinkommen SP + Saldo der laufenden Übertragungen LB = NX + SP = X IM + SP Kapitalbilanz: Veränderung der Kapitalströme Seite 4

5 3.1.1 Handels und Leistungsbilanz Saldo der Primäreinkommen (Erwerbs- und Vermögenseinkommen) BNE = BIP + SP (Saldo der Primäreinkommen) BNE übersteigt das BIP, falls inländische Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital höhere Auslandseinkommen erzielen als Ausländer im Inland Umgekehrt (BIP >BNE), falls ein hoher Anteil des inländischen Produktionswerts an Ausländer fließt Leistungsbilanz LB = X IM + SP wirkt sich aus auf: Angebot von/ Nachfrage nach Devisen Nettoersparnis im Ausland (Vermögensänderung) Zunächst unterstellen wir aber: Saldo der Primäreinkommen gleich Null (also: Nettoexportüberschuss = Leistungsbilanzüberschuss) SP = 0 LB = X IM Großer Unterschied nur, falls hohe Auslandsverschuldung /-vermögen Seite 5

6 3.1.1 Handels- und Leistungsbilanz 20% 15% 10% 5% 0% -5% -10% -15% Bruttoinlandsprodukt minus Bruttonationaleinkommen, in Prozent des BIP, % Kuwait Irland BRD USA Seite 6

7 Posten der deutschen Zahlungsbilanz 2005 (Mrd. ) Leistungsbilanz (1) Handelsbilanz 160,6 Warenexporte 786,2 Warenimporte 625,6 (1a) Ergänzungen zum Außenhandel 20,2 (2) Dienstleistungsbilanz 27,9 (3) Außenbeitrag (1+1a+2) 112,5 (4) Saldo Primäreinkommen 8,6 (5) Übertragungen 28,9 (6) Saldo Leistungsbilanz 92,2 (3+4+5) (7) Saldo der Vermögensübertragungen 1,3 Kapitalbilanz (8) Saldo der Direktinvestitionen 10,4 (9) Wertpapiertransaktionen und Finanzderivate (Saldo) 18,6 (10) Kredite (Saldo) 73,2 (11) Saldo der Devisenbilanz 2,2 (12) Saldo der Kapitalbilanz 100,1 Statistische Diskrepanz (6+7+12) 9,1 BIP ,5 Mrd. Quelle: Deutsche Bundesbank, Monatsbericht März 2006 Seite 7

8 3.1.1 Leistungsbilanz und Kapitalbilanz Am Devisenmarkt werden Angebot von/ Nachfrage nach Währungen bestimmt durch A) Reale Transaktionen (Handelsströme) Handel von Waren und Dienstleistungen Handelsströme werden bestimmt von relativen Preisen: (Realer Wechselkurs) Unterschiede der Inflationsraten beeinflussen Wettbewerbsfähigkeit, falls Wechselkurs sich nicht anpasst B) Kapitalbewegungen (Nettokapitalströme) Kapitalbilanz: Internationale Portfolioentscheidungen abhängig von Zinsunterschieden, Wechselkurserwartungen und Risikoeinschätzungen Seite 8

9 3.1.1 Leistungsbilanz und Kapitalbilanz Dominanz der Kapitalströme Global Foreign Exchange Market Turnover, daily average Mrd. $ April 89 April 92 April 95 April 98 April 01 April 04 Spot transactions Outright forwards and foreign exchange swaps Quelle: Dt. Bundesbank Monatsbericht 1/2002 Quelle: BIS, Triennal Central Bank Survey, 2005 Seite 9

10 3.1.2 Der Wechselkurs Außenhandelsgleichgewicht (Stromgleichgewicht) Handelsströme passen sich nur träge an (Beispiel: Unterbewertung Verteuerung der Importe, Stimulierung der Exporte Aufwertung) Langsamer Prozess, behindert von Transaktionskosten Portfoliogleichgewicht (Bestandsgleichgewicht) Internationale Anleger müssen bereit sein, die angebotenen Mengen an internationalen Assets zu halten. Riesige Kapitalbestände Geringfügige Änderungen der Erwartungen führen zu starken Preisreaktionen Seite 10

11 3.1.2 Der Wechselkurs Nominaler Wechselkurs - Zwei Berechnungsmethoden: Nominaler Wechselkurs - Zwei Berechnungsmethoden: Unterscheide: Mengen- und Preisnotierung 1. Wir verwenden: Wechselkurs in Mengennotierung: E: $/ Wieviel $ bekomme ich je [für eine Einheit einheimischer Währung]? Steigt E, wertet sich der Euro gegenüber dem Dollar auf! 2. Traditionell: Wechselkurs in Preisnotierung: /$: (Inverse 1/E) Wieviel kostet der Kauf eines $ in einheimischer Währung? Aktuell: Dezember 2007: Wechselkurs des Euro gegenüber US-Dollar: Mengennotierung E = $ je : 1,33 $ je Preisnotierung 1/E je $ 0,75 je $ Seite 11

12 3.1.2 Der nominale Wechselkurs Vergleich Dollar je Euro Januar 1999 Oktober 2007 Nominaler Euro-Dollar-Wechselkurs, ,5 1 0, Mengennotierung E: $ / E: Der Preis der inländische Währung in Einheiten der ausländischen Währung Abwertung des Euro entspricht einem Sinken des Wechselkurses! Aufwertung des Euro entspricht einem Anstieg des Wechselkurses! Seite 12

13 3.1.2 Vom nominalen zum realen Wechselkurs Unterscheide zwischen nominalen und realen Wechselkursen: Unterscheide zwischen nominalen und realen Wechselkursen: Beobachtung: Starke Schwankungen des nominalen Wechselkurses Bedeutet eine Aufwertung des Euro zwangsläufig, dass Europäer sich real mehr Güter leisten können? Es kommt auf die reale Kaufkraft an! Wir müssen auch die Entwicklung der Inflationsraten berücksichtigen! Wie hoch ist der reale Preis von Exporten und Importen? Exportgüterpreise P: in ; Importgüterpreise P* in Fremdwährung ($) Exporte müssen zum Wechselkurs E in Dollar umgerechnet werden: P E Seite 13

14 3.1.2 Vom nominalen zum realen Wechselkurs Unterscheide: Realer vs. nominaler Wechselkurs Unterscheide: Realer vs. nominaler Wechselkurs Nominaler Wechselkurs E: Der relative Preis verschiedener Währungen (etwa: $/, $/Yen, /Yen) Realer Wechselkurs = P E/ P * : Preis inländischer Güter in Einheiten ausländischer Güter Anstieg von : verteuert inländische Güter reale Aufwertung im Inland Wert der Nettoexporte in : realer Nettoexport: Seite 14

15 3.1.2 Vom nominalen zum realen Wechselkurs Reale vs. nominale Wechselkurse Beispiel Deutschland und USA, : Nominale Kursänderungen dominieren realen Wechselkurs 2 Realer und Nominaler Euro-Dollar-Wechselkurs, ,5 1 0,5 0 Q Q Q Q Q Q Q Q Q Q Q Q Q Q Nominal Real Seite 15

16 3.2 Kaufkraftparität - Der Big Mac Index Was bestimmt den langfristigen Trend der Wechselkurse? Einfache Überlegung: Alle Güter sollten weltweit einheitlichen Preis haben Absolute Kaufkraftparität Prägnantes Beispiel: Der Big Mac Index (Economist) Forderung: Preis für einen Hamburger sollte weltweit gleich sein! Simple Theorie zur Prognose von langfristigen Wechselkursbewegungen Seite 16

17 3.2 Realer Wechselkurs und Kaufkraftvergleich Die Wahl zwischen einheimischen Gütern und Importen: Die Wahl zwischen einheimischen Gütern und Importen: Realer Wechselkurs: Relativer Preis eines bestimmen Warenkorbs: Realer Wechselkurs: Relativer Preis eines bestimmen Warenkorbs: Sei P = Preis für Big Mac in München (in Euro) P* = Preis für Big Mac in New York (in Dollar) E = Nominaler Wechselkurs $/ Mai 2006 Preis für Bigmac Euroraum: 2,94 ; USA: 3,10 $ Wechselkurs Mai 2006 : E = 1,28 $ je Preis eines EU-Big Macs, umgerechnet in Dollar: = EP EP Realer Wechselkurs: = P * E P = 3,76 = 3,76 / 3,10 = 1,213 >1 Der Preis eines Big Mac ist in München höher als in New York. Um den realen Wechselkurs auf 1 zu senken, müsste der Euro gegenüber dem Dollar abwerten (d.h. E müsste sinken auf P*/P=1,05). Seite 17

18 3.2 Kaufkraftvergleich - Der Big Mac Index $ je $ je Quelle: Economist Februar 2007 Seite 18

19 3.2 Kaufkraftparität Realer Preis: = E P/ P* Langfristiges Gleichgewicht: * =1 Falls < 1: Inlandsgüter sind zu billig a) Nettoexporte steigen (Exporte billiger, Importe teuer) b) Schlechtere Terms of Trade (niedriger Lebensstandard) Aus * = E P/ P* = 1 folgt: E * = P * / P Falls E < E * unterbewertete Währung: hohe Nettoexporte; starke Nachfrage nach einheimischer Währung E steigt (Aufwertung) Falls E > E * überbewertete Währung: hohe Nettoimporte; starke Nachfrage nach ausländischer Währung E sinkt (Abwertung) Seite 19

20 3.2 Kaufkraftparität Absolute Kaufkraftparität (Gesetz des gleichen Preises) Big-Mac Beispiel zeigt, dass absolute Kaufkraftparität zu strikt ist Gilt kurzfristig nicht, weil Handelsströme nur langsam reagieren (Transportkosten etc.) Gilt aber auch langfristig nicht, weil viele Güter nicht handelbar sind (Wohnungen, Dienstleistungen) keine Preisarbitrage Relative Kaufkraftparität: zielt auf Änderungsraten: E E = p p * * p p = π * π Monetäre Erklärung für Wechselkursbewegungen: Wechselkursänderungen bestimmt von Unterschieden der Inflationsraten Strukturelle (reale) Änderungen können aber auch verändern Seite 20

21 3.3 Devisenmarkt-Gleichgewicht Bedingung für ein außenwirtschaftliche Gleichgewicht: Zunächst fordern wir: Ausgeglichene Handelsbilanz: NX=X- Im/ = 0 (wir vernachlässigen vorerst den Kapitalmarkt!) Anpassungdes realen Wechselkurses Beispiel: Handelsbilanzdefizitin in den den USA (NX<0) E: Nominaler Wechselkurs P: Inländisches Preisniveau P*: Ausländisches Preisniveau Analyse aus Sicht der USA: E: /$ Importeure in den USA benötigen, haben aber $: Überangebot an Dollar Abwertung des Dollar; Aufwertung des Euro ( /$ sinkt) Exporte und Importe hängen vom realen Wechselkurs ab Bei konstanten Preisen: Abwertung (E fällt) verbilligt einheimische Güter in den USA stimuliert dies die Nettoexporte? Seite 21

22 3.3.1 Die Marshall-Lerner Bedingung Stabilitätsbedingung: Normale Reaktion der Nettoexporte: Nettoexporte NX steigen bei Abwertung (Rückgang von = E P/ P*) Normale Reaktion: Nettoexporte steigen, wenn inländische Güter billiger werden (wenn sinkt - reale Abwertung) Anpassung zum Gleichgewicht: Bei konstanten Preisen P, P* spielt sich E so ein, dass bei * das Gleichgewicht NX=0 erreicht wird 0 NX Bei normaler Reaktion: Devisenmarkt ist stabil Seite 22

23 3.3.1 Die Marshall-Lerner Bedingung Wann reagiert die Handelsbilanz normal? Falls Handelsbilanzdefizit bei Abwertung abgebaut wird [mit sinkendem (steigendem) E muss NX=X- Im/ zu (ab)nehmen] Intuition Beispiel USA vs. Europa: 1) Exporte der USA nach Europa werden billiger; Auslandsnachfrage/ -exporte nach Gütern aus USA nimmt zu X steigt 2) Importgüter in die USA werden teurer: Importmengen Im sinken; NX steigt 3) Problem aber: NX=X- Im/ Importwert steigt NX - Gesamteffekt auf Im/ somit unbestimmt Marshall-Lerner Bedingung: Normale Reaktion von NX = X Im/ Nur falls die Gütermengen stark genug reagieren: Angebots- und Nachfrageelastizitäten im In- u Ausland müssen hoch genug sein: Summe der absoluten Elastizitäten der Import- und Exportnachfrage >1 Seite 23

24 3.3.1 Die Marshall-Lerner Bedingung Die Marshall-Lerner Bedingung Die Marshall-Lerner Bedingung Formale Darstellung Nettoexporte: NX X Im/ NX = X(Y*, ) - Im (Y, ) / NX/ = X / - Im / 1/ + Im / 2 3 Wirkungen einer Aufwertung (Anstieg von ) auf die Handelsbilanz: 1. X sinkt ( X / <0) 2. Im steigt ( Im / >0) 3. Importwert Im / sinkt Mengeneffekte NX Werteffekt (bei konstantem Im): NX Die Marshall-Lerner Bedingung: Eine Aufwertung dämpft die Handelsbilanz, falls der Rückgang von X und der Anstieg von Im zusammen den Werteffekt Im / übertrifft. Seite 24

25 3.3.1 Die Marshall-Lerner Bedingung Mathematische Ableitung NX/ = X / - Im / 1/ + Im 1/ 2 <0? Multipliziere mit 2 /Im Ausgangspunkt: NX X Im/ =0 also: Dämpft eine Aufwertung die Netttoexporte? X Im 2 Im Im Im 2 Im 2 < 0 X X + Mengeneffekte Im Im Werteffekt Summe der absoluten Elastizitäten der Import- und Exportnachfrage >1 Seite 25 > 1

26 3.3.1 Die Marshall-Lerner Bedingung Beachte: Mengenreaktion erfolgt aber nur langsam; Preisreaktion dagegen unmittelbar Beispiel: Führt Abwertung zu einer Verbesserung der Leistungsbilanz? Normale Reaktion: Exporte X steigen, Importe Im sinken Handelsbilanzsaldo X Im / verbessert sich Aber: Laufende Lieferverträge sind kurzfristig meist fix Mengenreaktion erfolgt nur verzögert (Kurzfristige Elastizitäten kleiner als langfristige) Falls Importe in ausländischer Währung fakturiert: Importwert nimmt bei Abwertung zunächst zu verschlechtert sich noch weiter J-Kurven Effekt Seite 26

27 3.3.1 Die Marshall-Lerner Bedingung Dynamische Effekte einer Abwertung: + J-Kurven Effekt Netto exporte, NX Zeit - Seite 27

28 3.3.1 J Kurve: Empirische Überprüfung 120 Realer Effektiver Wechselkurs (Index, 2000=100) und Außenhandelsdefizit (in Prozent des BIP) in Deutschland, % -1% 110-2% -3% -4% 100-5% -6% -7% % Realer Effektiver Wechselkurs Außenhandelsdefizit Deutschland bis 1999: Exportüberschuss steigt bei Abwertung Beachte: Negatives Defizit entspricht Überschuss; Sondereffekt 1990 Seite 28

29 3.3.1 J Kurve: Empirische Überprüfung Realer Effektiver Wechselkurs (Index, 2000=100) und Außenhandelsdefizit (in Prozent des BIP) in den USA, % 135 5% 4% 115 3% 95 2% 1% % Realer Effektiver Wechselkurs Außenhandelsdefizit USA: mit Abwertung geht Handelsdefizit zurück; J Kurve seit 2003? Seite 29

30 3.3.2 Exportüberschuss und Kapitalexporte Außenhandelsüberschuss entspricht einer Übernachfrage nach Euros: Exporteure verkaufen ihre BMWs in die USA und wollen $ Erlöse in Euro tauschen Ausgleichsmechanismus bei flexiblen Wechselkursen ohne Kapitalströme: Nominaler Wechselkurs E passt sich an, bis das Gleichgewicht NX=0 erreicht Viele Staaten haben aber über längere Zeit keine ausgeglichene Handelsbilanz Beispiele: Deutschland: Traditionell (bis 1990) hoher Exportüberschuss; nach der Vereinigung wandelte er sich zeitweise in ein Defizit das im Ausland akkumulierte Netto-Kapitalvermögen ist entsprechend gesunken USA: Chronisches extrem hohes Leistungsbilanzdefizit Gefahr der Abwertung? Warum passt sich der nominale Wechselkurs E nicht an, bis Export- und Importströme ausgeglichen sind? (NX=0) Kein Problem, solange Kapitalanleger bereit sind, das Defizit zu finanzieren! Seite 30

31 3.3.2 Exportüberschuss und Kapitalexporte Beispiel Deutschland Saldiertes Auslandsvermögen (linke Skala) und Saldo der Leistungsbilanz (rechte Skala) der BRD Mio Saldo Auslands- 0 0 vermögen Ende 2006: Mrd. Auslandsvermögen Leistungsbilanz Quelle: Deutsche Bundesbank Seite 31

32 3.3.2 Exportüberschuss und Kapitalexporte Ausgleichsmechanismen Außenhandelsüberschuss kann ausgeglichen werden durch: 1) Nettokapitalexporte (bei flexiblen Wechselkursen und freiem Kapitalmarkt) Gleichgewichtsbedingung: NX + KI = 0 Wert der Nettoexporte = Wert der Nettokapitalexporte z.b.: BMW Verkäufer legen ihre $-Erlöse direkt in den USA an Wechselkurs E passt sich an, bis Gleichgewicht NX+KI=0 erreicht 2) Ankauf von Devisenreserven der Zentralbank (bei fixen Wechselkursen) ~ entspricht expansiver Geldpolitik NX = Δ M: erhöht einheimische Geldmenge ( steigende Preise im Inland) Seite 32

33 3.3.2 Exportüberschuss und Kapitalexporte Nicht nur Exportüberschuss, sondern auch Einkommensüberschuss (SP) führt zu Überangebot an Devisen: Leistungsbilanz = Außenbeitrag (X-IM) + Saldo der Primäreinkommen SP LB = NX + SP = X IM + SP Unterscheide zwischen Produktion im Inland: Y (BIP) und Einkommen der Inländer (BNE = Y + SP) Produktion im Inland: Y = C + I + G + X Im / Einkommen der Inländer: Y+SP=C + T+ S Devisenmarkt insgesamt ausgeglichen, falls: LB + KI = NX+SP+KI= 0 Seite 33

34 Exportüberschuss und Kapitalexporte Y Haushalte S T Budget defizit C Staat G-T G Unternehmen I Netto-Exporte NX Finanzsektor Ausland Seite 34

35 3.3.2 Exportüberschuss und Kapitalexporte Ersparnis, Investitionen und und Leistungsbilanz Es gilt: Es gilt: Y = C + I + G + X Im/ und S = Y+ SP (C + T) Setze Y= in S= Y+ ein und kürze C : S = I + G - T + X - Im LB / + SP Wegen LB X Im / + SP LB = S + (T - G) - I = Nettokapitalexporte Seite 35

36 3.3.2 Exportüberschuss und Kapitalexporte Ersparnis, Investitionen und und Außenhandelsüberschuss LB = S I + (T-G) LB = S I + (T-G) Beachte: Leistungsbilanzüberschuss: Leistungsbilanzdefizit: Inländische Ersparnis übersteigt Investition Inländische Investition übersteigt Ersparnis Zunahme der Investitionen muss sich widerspiegeln entweder in Anstieg privater oder staatlicher Ersparnis oder in Verschlechterung der Leistungsbilanz Zunahme des Budgetdefizits muss sich widerspiegeln entweder in Anstieg privater Ersparnis, Rückgang privater Investionen oder in Verschlechterung der Leistungsbilanz Ein Land mit hoher privater oder staatlicher Sparrate hat entweder hohe private Investitionen oder hohen Leistungsbilanzüberschuss. Seite 36

37 3.3.3 Zinsparität Welche Motive bewegen internationale Anleger am Devisenmarkt? Zinsdifferenzen; Erwartungen über zukünftige Rentabilität Internationale Kapitalströme: Umschichtungsversuche bei Änderungen von Zinsen/ Erwartungen Portfolioreaktion Effekt auf Wechselkurs Einfachster Fall: Perfekte Kapitalmobilität - Internationale Anlagen sind perfekte Substitute (ohne Risikozuschlag) Gleichgewichtsbedingung: Angleichung erwarteter kurzfristiger Renditen Zinsparitätentheorie: Zins im Inland ist niedriger als Zins im Ausland, wenn die Kapitalmärkte mit einer Aufwertung der einheimischen Währung rechnen (falls E e t+1 >E t ) Falls keine Wechselkursänderungen erwartet werden: i=i* Seite 37

38 3.3.3 Zinsparität Ertrag bei einer Anlage von X für ein Jahr: Erwartete Effektivrendite muss gleich hoch sein, egal ob ich das Geld am Euro- oder Dollarmarkt anlege (abgesehen von Risiko und Transaktionskosten) Euro- Anleihe X Nächstes Jahr: Ertrag X (1+i) $ Anleihe X E t Gedeckte Zinsparität: heute schon Verkauf am Terminmarkt (Swap ) Ertrag in $: X (1+i*) E t Ertrag in : X (1+i*) E t / E e t+1 Seite 38

39 3.3.4 Devisen- und Kapitalmarkt - Fazit Bei flexiblen Wechselkursen passt sich der nominale Wechselkurs E an, bis der Devisenmarkt im Gleichgewicht ist. Traditionell: Gleichgewicht bei Ausgleich von Export- und Importströme (ausgeglichene Handelsbilanz: NX=0) Modern: simultanes Gleichgewicht von internationalen Kapital- und Güterströmen: NX +SP+ KI = LB + KI= 0 Kurzfristig dominieren Kapitalströme (Kapital ist viel mobiler als Güter) Wechselkursbewegungen werden kurzfristig von den Kapitalströmen bestimmt: Portfoliogleichgewicht Kriterium für mobiles Kapital: Erwartete Renditeunterschiede Zinsparität als Gleichgewichtsbedingung Seite 39

40 3.4 Das Mundell-Fleming Modell Erweiterung des IS/ LM Modells um Außenwirtschaft Wie wirksam ist Geld- und Fiskalpolitik in offener Volkswirtschaft? Antwort hängt vom Wechselkursregime ab: Fixe Wechselkurse: Geldpolitik unwirksam Flexible Wechselkurse: Fiskalpolitik erschwert; Geldpolitik besonders wirksam Seite 40

41 3.4 Das Mundell Fleming Modell Was verändert sich im IS/LM Modell? a) IS Kurve: Nettoexporte sind Teil der Güternachfrage Nettoexporte hängen ab vom realen Wechselkurs und vom in- und ausländischen Produktionsniveau b) LM Kurve: Bei fixen Wechselkursen wird das Geldangebot endogen c) Devisenmarkt erfordert zusätzliche Gleichgewichtsbedingung: Internationales Kapitalmarktgleichgewicht Anpassung über Änderungen des Wechselkurses (bei flexiblen Wechselkursen) oder über Änderungen der Geldmenge (bei fixen Wechselkursen) Seite 41

42 3.4.1 Die IS-Kurve in der offenen Volkswirtschaft Gleichgewicht auf auf dem dem Gütermarkt (IS) IS) Inländische Gesamtnachfrage Inländische Gesamtnachfrage Nettoexport NX(Y,Y*, E) X(Y*, E) - Im(Y, E) / E Gleichgewichtsproduktion abhängig von Zinssatz (i) und vom Wechselkurs (E) (dabei sei inländisches und ausländisches Preisniveau gegeben (normiert auf P/P* = 1; so dass gilt: = E) Aufwertung dämpft Gesamtnachfrage: E Nachfrage nach inländischen Gütern Gesamtnachfrage Y Aber Im =im Y: Importquote im Ein Teil der zusätzlichen Nachfrage fließt ins Ausland Seite 42

43 3.4.1 Die IS-Kurve in der offenen Volkswirtschaft Wegen Importneigung ist die Multiplikatorwirkung abgeschwächt (ein Teil der Nachfragestimulierung geht ins Ausland): Im =im Y mit Importquote im - IS Kurve wird steiler Zunahme der Produktion erhöht Importe Handelsbilanz verschlechtert sich Aufwertung (Anstieg von E): dämpft Nettoexporte und damit gesamtwirtschaftliche Nachfrage Wechselkurskanal Annahme: Marshall-Lerner Bedingung ist erfüllt. Seite 43

44 3.4.2 Die LM-Kurve in der offenen Volkswirtschaft Gleichgewicht auf auf Geld- und und Finanzmarkt Geldangebot = Geldnachfrage Bei flexiblen Wechselkursen: an LM Kurve ändert sich nichts Bei fixen Wechselkursen: Geldangebot von Devisenmarkt bestimmt Abwertungsdruck: Verkauf von Devisenreserven ( M sinkt) Aufwertungsdruck: Ankauf von Devisenreserven ( M steigt) Seite 44

45 3.4.3 Devisenmarktgleichgewicht Zinsparität als als Gleichgewichtsbedingung: Wir gehen von einem perfekten Kapitalmarkt aus Arbitragebedingung: Zinsunterschiede nur möglich bei erwarteten Wechselkursänderungen: 1+ i t e Et = E * t it Vereinfachung: konstante Erwartungen über zukünftigen Wechselkurs: e e E t +1 = E Mit steigendem Zins im Inland i: Kapitalanlage im Inland wird attraktiver Aufwertungsdruck Anfängliche Aufwertung muss so hoch sein, dass die erwartete Abwertung den Zinsanstieg gerade kompensiert: Seite 45

46 3.4.3 Devisenmarktgleichgewicht Internat. Kapitalmarktgleichgewicht: i > i* sofortige Aufwertung i i < i* sofortige Abwertung Zinsparität bei gegebenem Auslandszins i* und gegebenen Wechselkurserwartungen E e E e E Zinsanstieg: führt zu einer sofortigen Aufwertung in Höhe der zukünftig erwarteten Abwertung Seite 46

47 3.4.4 IS-LM Modell in offener Volkswirtschaft 3 Gleichgewichtsbedingungen: Gütermarktgleichgewicht: Produktion hängt von i und von E ab: Y = C(Y-T) + I(Y,i) + G + NX(Y,Y*,E) Geldmarktgleichgewicht: Zinssatz i bestimmt durch: M/P = Y L (i) Devisenmarktgleichgewicht: Bedingung der Zinsparität positive Beziehung zwischen Zins i und aktuellem Wechselkurs E 1+ i 1+ E t e t t = E * t+ 1 = 1+ it 1+ i * t i E e Seite 47

48 3.4.4 IS-LM Modell in offener Volkswirtschaft Wir Wir fassen Güter- ter-und Devisenmarktgleichgewicht zusammen: Bestimmungsgleichung für Wechselkurs E in IS Kurve einsetzen: IS: Y = C(Y - T) + I(Y, i) + G + NX Y, Y*, 1+ i 1+ i * E e Mit steigendem Zins i geht Gesamtnachfrage zurück: Direkter Effekt auf Investitionsnachfrage: i Y Indirekter Effekt durch Aufwertung der inländischen Währung i E NX Y IS IS Kurve mit mit integrierter Wechselkursanpassung verläuft flacher als als ohne Berücksichtigung des des Wechselkurskanals! Seite 48

49 3.4.4 IS-LM Modell in offener Volkswirtschaft Bei Bei flexiblen Wechselkursen IS Kurve mit integrierter Wechselkursanpassung: Y = C(Y-T) + I(Y,i) + G + NX [Y,Y*, (1+i)/(1+i*) E e ] i IS Kurve bei konstanten Wechselkursen i i* i 1 Y 0 * Y 1 * Y induzierte Änderungen des Wechselkurses verstärken Mengenreaktion bei Zinsänderung E e E Zinssenkung induziert Abwertung; Nettoexporte werden stimuliert Seite 49

50 3.4.4 IS-LM Modell in offener Volkswirtschaft Bei Bei fixen Wechselkursen: Zentralbank hat hat keine Kontrolle über die die Geldmenge Zentralbank fixiert den Wechselkurs beim Kurs E Erwartung konstanter Wechselkurse: E e =E Aus der Zinsparität-Gleichung folgt damit unmittelbar: Der inländische Zins wird durch den Weltmarktzins bestimmt: i = i* Die LM-Kurve muss sich also so anpassen, dass: M/P = Y L(i*) Um den Wechselkurs konstant zu halten, muss die Zentralbank die Geldmenge immer so anpassen, dass der Zins auf i = i* bleibt! Seite 50

51 3.4.5 Wirkung expansiver Geldpolitik Fixe Fixe Wechselkurse: i A i* Y LM Y Expansive Geldpolitik wirkungslos: Geldmengenausdehnung senkt Zinsen unter Weltmarktniveau (i<i*) (Punkt B) Nettokapitalexporte Überschussnachfrage nach Devisen Abwertungsdruck Verkauf von Devisenreserven Geldmenge muss wieder reduziert werden, bis i=i* (Punkt A) Einziger Effekt: Rückgang der Devisenreserven Seite 51

52 3.4.5 Wirkung expansiver Geldpolitik Das Unmöglichkeitsdreieck: Autonomie der Geldpolitik nicht möglich bei fixen Wechselkursen und Kapitalmobilität Zins vom internationalen Kapitalmarkt bestimmt; Geldmenge endogen Seite 52

53 3.4.5 Wirkung expansiver Geldpolitik Flexible Wechselkurse: Expansive Wirkung der Geldpolitik: Zinsen wird bei flexiblen Wechselkursen durch die induzierte Abwertung (Stimulierung der Nettoexporte) noch verstärkt i IS Kurve bei konstanten Wechselkursen LM 0 i i * A LM 1 i B B Y A Y E B E A E Seite 53

54 3.4.6 Wirkung expansiver Fiskalpolitik Flexible Wechselkurse: ΔG Rechtsverschiebung der IS Kurve Zinsanstieg Aufwertung (E ) Nettoexporte sinken Verschlechterung der Handelsbilanz i Neue IS Kurve bei konstanten Wechselkursen LM i Zinsparität i* A A Y A Y E A E Seite 54

55 3.4.6 Wirkung expansiver Fiskalpolitik Bei Bei fixen Wechselkursen: Bei fixen Wechselkursen: i * i i B A B Wirkung expansiver Fiskalpolitik (von A nach B) wird durch Ausdehnung der Geldmenge verstärkt: Zinsanstieg (i>i*) induziert Nettokapitalimporte Überangebot an Devisen Y A Y B Y Aufwertungsdruck Aufkauf von Devisenreserven Ausdehnung der Geldmenge, bis Zins wieder bei i=i* in Punkt C Seite 55

56 3.4.7 Zusammenfassung Geldpolitik Fixe Wechselkurse Wirkungslos: Keine Autonomie der Geldpolitik Flexible Wechselkurse Sehr effektiv: Induzierte Wechselkursanpassung verstärkt Effekt Fiskalpolitik Wirkung durch induzierte Anpassung der Geldmenge verstärkt Gegenläufige Wechselkursanpassung: Wirksamkeit begrenzt Seite 56

57 3.5 Europäische Währungsunion Euroraum: Seit 1999 einheitliche Geldpolitik der EZB für 13 Länder (seit auch Slowenien) ab auch Malta + Zypern Währungsunion Abwägung zwischen Effizienzgewinnen vs. Kosten durch Verzicht auf Stabilisierung Seite 57

58 3.5 Europäische Währungsunion Monetäre Effizienzgewinne: Wechselkurs -sicherheit Transaktionskosten, Handel, Kapitalmarktintegration Verzicht auf ökonomische Stabilisierung: Einheitlicher Zinssatz Stabilisierung länderspezifischer Schocks über autonome Geldpolitik (und flexiblen Wechselkurs) ist im Euroraum keine Option mehr Ist der Euroraum ein optimaler Währungsraum? Kriterium: Effizienzgewinne > Stabilisierungsverluste - Symmetrische Schocks: Einheitliche Geldpolitik optimal - Asymmetrische Nachfrage-/Angebotsschocks Alternative Stabilisierungsmechanismen: - Stärkere Bedeutung von Fiskalpolitik (aber: Budgetgrenzen der Staatsverschuldung) - Höhere Mobilität der Faktoren (notwendig: flexible Arbeitsmärkte) Seite 58

59 3.5 Europäische Währungsunion Flexible Arbeitsmärkte: Mobilität der Arbeitskräfte Anpassung von Preisen und Löhnen 130 Lohnstückkosten in ausgewählten Ländern, Index, 2000= Österreich Belgien Dänemark Finnland Frankreich Deutschland Irland Italien Luxemburg Niederlande Spanien Schweden Seite 59

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