Übung zur Kommunalökonomie

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1 Übung zur Kommunalökonomie 16. Februar 2010 Susie Lee Wintersemester 2009/10

2 Aufgabe 1 Zur Funktionsweise und dem Verhalten einer Behörde gibt es unterschiedliche Erklärungsansätze. a. Stellen Sie in groben Zügen das Weber'sche Verwaltungsmodell der Bürokratie nach Niskanen gegenüber. b. Zeigen Sie in einer Grafik, inwiefern ein Bürokrat (nach Niskanen) sein Verhalten vom optimalen Verhalten eines Behördenleiters ableitet. Unterstellen Sie dabei, dass es um den Umfang des Angebots einer öffentlichen Dienstleistung geht. c. Wofür steht "Neues Steuerungsmodell"? Welche Rolle spielt in ihm das sogenannte "Benchmarking"?

3 Aufgabe 1a Bürokratiemodell nach Max Weber Merkmale: Professionalisierung (Berufsbeamtentum) Feste Zuordnung von Kompetenzen und Entscheidungsbefugnissen (hierarchisches Organisationsprinzip und Arbeitsteilung) Regelgebundenes Handeln Ann.: Bürokraten handeln wohlfahrtsmaximierend Bürokratische Herrschaft als effizienteste Organisationsform bzgl. Schutz vor Willkür (insb. Willkür damaliger feudaler Herrschaft) Berechenbarkeit, Nachvollziehbarkeit, Transparenz Präzision, Schnelligkeit Kontinuität, Einheitlichkeit Kritik: Starre, ineffiziente Strukturen Prinzipal-Agenten-Problem (Niskanen)

4 Aufgabe 1a Bürokratiemodell nach Niskanen Annahmen: Eigennutzorientierter Bürokrat: Bürokraten streben nach maximalem und nicht optimalem Budget, da hohes Budget mit höherem Prestige, Arbeitsplatzsicherheit, Karrierechancen, etc. verbunden ist. Informationsvorsprung des Bürokrates: Nur der Bürokrat kennt die tatsächlichen Kosten zur Bereitstellung der Leistungen. Politiker (Geldgeber) sind nur unvollständig informiert über die Kosten der Bereitstellung öffentlicher Leistungen. Diese Informationssymmetrie führt zur Bewilligung eines höheren Budgets. Bilaterales Monopol (Bürokrat Anbieter, Politiker Nachfrager): Der Politiker teilt dem Bürokrat die aggregierte marginale Zahlungsbereitschaft und der Bürokrat setzt die Menge fest. Budgetmaximierungsverhalten der Bürokratie ist allokativ ineffizient, da Bürokraten zwar nach Kostendeckungsprinzip ohne Gewinnmaximierungskalkül handeln. (max B(Q) s.t. B(Q) = C(Q) Überversorgung mit öffentlichen Leistungen)

5 Aufgabe 1b Bürokratiemodell nach Niskanen [ ] C(Q) B N B * B(Q) Q: Menge an öffentlichem Gut (Dienstleistung) B: Budget (= öffentlicher Nutzen) C = C(Q): Kosten für die Bereitstellung, C (Q) > 0, C (Q) > 0 B = B(Q): Nutzen von öffentlicher Dienstleistung, B (Q) > 0, B (Q) < 0 [ ] Q* Q N Q Optimum: C (Q) = B (Q) Angebotsmenge Q* C (Q) bzw. A Bürokrat: C(Q) = B(Q) Angebotsmenge Q N Bürokrat will das Budget (öffentlichen Nutzen) gleich den Kosten halten und wählt Q N so, dass die Fläche =. Konsumentenrente wird durch Ineffizienz des Bürokraten vollständig verzehrt. Q* Q N B (Q) bzw. Nf Q Folgen: Q* < Q N : Überversorgung allokativ ineffizient

6 Aufgabe 1c Neues Steuerungsmodell NSM: Betriebswirtschaftlich-manageriale Reform des öffentlichen Sektors mit der Zielsetzung klarer Abgrenzung zwischen Politik und Verwaltung Leitbild: Kommunale Verwaltung als Dienstleistungszentren Outputorientierte dezentrale Steuerung Reformelemente: Kontraktmanagement: Delegation der Verantwortung (Erweiterung der Handlungsspielräume, Motivation durch Anreizinstrumente) Konzernstruktur: Kosten- und Leistungsbewusstsein in den einzelnen Fachbereichen (Einführung von Kosten- und Leistungsrechnung) Steuerung über Controlling: Controlling koordiniert und plant, berichtet an die politische Führung Outputorientierung: Verhinderung des budgetmaximierenden Verhaltens, Produktdefinition Bürgerorientierung Aktivierung des Wettbewerbs (interkommunales Benchmarking als Wettbewerbssurrogat)

7 Benchmarking Einführung von interkommunalen Benchmarking als eine Form des Quasi- oder nicht-marktlichen Wettbewerbs im öffentlichen Sektor Zielt auf standardisierte, kennzahlgestützte Leistungsvergleiche zwischen öffentlichen Einheiten Systematisches Lernen von Best-Practice-Lösungen zur Erhöhung der Leistungsfähigkeit der Verwaltung Bewertung: Serviceverbesserung, Produktivitätssteigerung und Wirtschaftlichkeitsverbesserung Kritik: Probleme der Implementierung: Hohe Transaktionskosten der Reform, Notwendigkeit der Haushaltskonsolidierung (Finanzkrise vs. Reform), Motivationsprobleme (Personalabbau vs. Reform) Controlling und interkommunaler Leistungsvergleich nur bedingt vereinbar mit den Stimmenmaximierungsstrategie der Politiker (Bürgermeister) Probleme bei der Delegation von Budgetverantwortung (auf Fachbereiche) Kontrollprobleme bei der Outputsteuerung

8 Aufgabe 2 Viele Kommunen versuchen durch Private Public Partnerships (PPP) eine höhere Effizienz in der Aufgabenerfüllung und gleichzeitig eine finanzielle Entlastung ihrer Haushalte zu erreichen. a. Wie funktioniert ein PPP? b. Diskutieren Sie, ob durch PPPs das Bürokratieversagen nach Niskanen entschärft werden kann. Erläutern Sie hierzu zunächst das Bürokratiemodell nach Niskanen.

9 Aufgabe 2a Private Public Partnership PPP: Einschaltung privater Unternehmen bei der Erfüllung öffentlicher Aufgaben Bank Einredeverzicht Kommune Gebühr Kapital Leistungsentgelt für Betrieb Dienstleistung Bürger Betrieb Bauleistung Forfaitierung Private Unternehmen Vorteile: Effiziente Erbringung öffentlicher Leistungen durch priv. Auftragnehmer Risikoallokation (z.b. Risiko der Bauleistung liegt bei der Bank und Risiko des Betrieb bei priv. Auftragnehmer)

10 Aufgabe 2b PPP und Bürokratieversagen Bürokratiemodell nach Niskanen: (siehe Aufgabe 1a) Die Einführung von PPP kann zur Entschärfung des Bürokratieversagens dienen, indem die Privatwirtschaft in der Erfüllung öffentlicher Aufgaben eingeschaltet wird (Bürokratie wird z.t. durch priv. Wirtschaftssubjekte ersetzt). Die öffentlichen Jurisdiktionen zielen dabei auf die Entlastung des Staatshaushaltes, die Verteilung der Risiken und die Effizienzsteigerung durch die priv. Erbringung öffentlicher Aufgaben. Dabei wird die Kooperation zwischen öffentlichen Instanzen und Privatwirtschaft vertraglich geregelt. Allerdings hat - insbesondere die Risikoallokation in Verträgen - bei Vorliegen von Moral Hazard (z.b. aufgrund des unbekannten Verhalten der Auftragnehmer nach Vertragsabschluss) Informations- und Anreizwirkungen zur Folge, die mit Wohlfahrtsverlusten verbunden sind. Informationsprobleme bleiben auch nach der Austausch der Agenten (Bürokratie private Wirtschaftssubjekte) bestehen. Hinzu kommt der geringe Anreiz zur Kontrolle für die Politik aufgrund des öffentlichen Gut-Charakters von Kontrolle, was die Informationsprobleme verstärkt. Weitere Probleme: Interessenkonflikt (Gewinnmaximierungsziel priv. Unternehmen vs. Gemeinwohlinteresse der Politik), Erhöhung der verdeckten Verschuldung

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