Medien und interkulturelle Kommunikation

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1 Medien und interkulturelle Kommunikation Emergenz und Paradigmen des Forschungsfeldes im deutschen Sprachraum Martin Löffelholz Deutsch-chinesische Konferenz zur interkulturellen Kommunikation März 2010 Humboldt-Universität, Berlin

2 Gliederung 1. Emergenz: Von der normativen zur empirischen interkulturellen Medienforschung - Historisch-hermeneutische Orientierung - Empirisch-analytische Orientierung - Sozial- und kulturtheoretische Orientierung 2. Paradigmen: Internationalität, Interkulturalität und Transkulturalität in der Medienforschung - Internationalität - Interkulturalität - Transkulturalität

3 Emergenz: Von der normativen zur empirischen 1 interkulturellen Medienforschung ab 1900 ab 1960 ab 1990 universal-gelehrte Orientierung historischhermeneutische Orientierung empirischanalytische Orientierung sozial- und kulturtheoretische Orientierung

4 Emergenz: Von der normativen zur empirischen 1 interkulturellen Medienforschung ab 1900 Historisch-hermeneutische Orientierung 1916 Gründung Institut für Zeitungskunde, Leipzig Zeitschrift Zeitungswissenschaft: Monatszeitschrift für Internationale Zeitungsforschung bis 1930 Institutionalisierung an 10 Universitäten in D. und Ö Instrumentalisierung durch NS-Regime 1950 Gründung Hans-Bredow-Institut, Hamburg (seit 1957 Herausgabe Internationales Handbuch Medien ) 1956 Gründung der Zeitschrift Publizistik Karl Bücher

5 Emergenz: Von der normativen zur empirischen 1 interkulturellen Medienforschung ab 1900 ab 1960 Empirisch-analytische Orientierung 1963 Gerhard Maletzke: Psychologie der Massenkommunikation bis 1969 Ab 1970 Gründung DGPuZ (Dt. Ges. für Publizistik und Zeitungswiss.) Zeitungs-/Publizistikwissenschaft an 6 Universitäten etabliert Vermehrt Studien zur internationalen Medienkommunikation (Nachrichtenfluss, Mediensysteme/-strukturen, Entwicklungskommunikation, Europäisierung, Kriegs-/Krisenkommunikation) 1972 Umbenennung in DGPuK ( Kommunikationswissenschaft ) DFG-Programm Medienwirkungen

6 Emergenz: Von der normativen zur empirischen 1 interkulturellen Medienforschung ab 1900 ab 1960 ab 1990 Sozial- und kulturtheoretische Orientierung Ab 1990 Stärkere Kulturalisierung der Medienforschung (z.b. Ernest W.B. Hess-Lüttich: Medienkultur und Kulturkonflikt, 1992) Aber: Dominanz systemtheoretisch-konstruktivistischer Ansätze (z.b. Funkkolleg Medien und Kommunikation, 1991) ab 1994 Entdeckung der transkulturellen Medienkommunikation (Wolfgang Welsch: Transkulturalität. Lebensformen nach der Auflösung der Kulturen) 2007 Initialkonferenz des Netzwerks interkulturelle und internationale Kommunikation im Auswärtigen Amt, Berlin

7 Paradigmen: Internationalität, Interkulturalität, 2 Transkulturalität in der Medienforschung internationale Medienkommunikation territoriale Orientierung Referenz: Nationalstaaten interkulturelle Medienkommunikation territoriale Orientierung Referenz: Nationalkulturen transkulturelle Medienkommunikation deterritoriale Orientierung Referenz: Hybridkulturen

8 2 Paradigmen: Internationalität von der Auslandsberichterstattung zur globalen Medienkommunikation Auslandsberichterstattung bezeichnet Inhalte und Prozesse der Medienberichterstattung über Sachverhalte jenseits des Heimatstaates. (Hafez 2005: 22) begann bereits mit dem Entstehen von Massenmedien Anfang des 17. Jahrhunderts institutionalisiert seit Mitte 19. Jahrhundert basiert auf Konzept des Nationalstaates: - internationale Informationssammlung - nationale Informationsdistribution März-Spiegel von 1849

9 2 Paradigmen: Internationalität von der Auslandsberichterstattung zur globalen Medienkommunikation Internationale Medienkommunikation internationale Produktion und internationale Verbreitung von Medienangeboten Primärinteresse: Vergrößerung des Distributionsgebietes medialer Angebote bei: Nachrichten- und Fernsehnachrichtenagenturen (z.b. Reuters TV, AP TV News) Fernsehsendern (z.b. CNN 1980, Euronews 1993, Al Jazeera 1996, u.a.) Unterhaltungsindustrie (Filme, Shows, etc.)

10 2 Paradigmen: Internationalität von der Auslandsberichterstattung zur globalen Medienkommunikation Globale Medien? Idee und Hintergrund Welt als Rahmen medialer Produktion, Distribution und Rezeption Produkte werden dort hergestellt, wo die Kosten einer Verlagerung der Produktion niedriger sind als der erzielbare Verlagerungsgewinn, z. B. durch Lohndifferenzen Situation Globalisierung international operierender Medien: Glokalisierung als Absatzstrategie Globale und internationale Ereignisse werden medial nationalisiert Spiegel special. International Edition, No. 7 / 2005

11 2 Paradigmen: Internationalität von der Auslandsberichterstattung zur globalen Medienkommunikation Globale Medien? Situation Globale Medien bislang nicht verwirklicht Mediennutzung weiterhin in geo-lingualen Räumen regionalisiert Behauptungen statt (empirische) Befunde Zwischenfazit Nicht Weltoffenheit, sondern das Denken in nationalen Mustern prägt Auslandsberichterstattung und internationale Medienkommunikation.

12 2 Paradigmen: Interkulturalität der Relevanzgewinn kulturbezogener Forschung zur Medienkommunikation Beispiel: Kultur und Journalismus Robert Park (1940): News as a Form of Knowledge Stuart Hall (1973): Encoding and Decoding in TV John Hartley (1982): Understanding News John Hartley (1996): Popular Reality Rudi Renger (2000): Populärer Journalismus Margreth Lünenborg (2005): Journalismus als kultureller Prozess Kernaussagen Medien = kulturabhängig Medien = Form von Kultur

13 Paradigmen: Interkulturalität der Relevanzgewinn 2 kulturbezogener Forschung zur Medienkommunikation Kulturbegriff der interkulturellen Medienforschung Kultur -> sichtbar als soziale Standardisierung und kognitive Muster Kultur -> Entwicklung stabiler Interpretations- und Verhaltensmuster Kultur -> nicht statisch, sondern zeitabhängig und veränderbar Kulturelle Elemente -> (medienvermittelt) kreiert, tradiert, modifiziert Kulturelle Identität -> (medienvermittelte) Identifikation mit und die wahrgenommene Akzeptanz innerhalb einer Gruppe

14 2 Paradigmen: Interkulturalität der Relevanzgewinn kulturbezogener Forschung zur Medienkommunikation Medien = kulturabhängig Was Medien beobachten (Selektion) Wie Medien Beobachtungen systematisieren (Organisation) Welche Bedeutung Medien Beobachtungen zuweisen (Interpretation) beruht auf durch Kultur vermittelten und geprägten Erfahrungen.

15 Paradigmen: Interkulturalität der Relevanzgewinn 2 kulturbezogener Forschung zur Medienkommunikation Medien = Form von Kultur Medien als Teil einer Nationalkultur (territoriales Verständnis) soziodemographische Differenz (essentialistisch) Lebensstil (milieuspezifisch) Teil einer Werteordnung (werte-zentriert) Nicht nur in der deutschsprachigen Kommunikations- und Medienwissenschaft dominiert ein territoriales Verständnis von Medienkultur.

16 2 Paradigmen: Interkulturalität der Relevanzgewinn kulturbezogener Forschung zur Medienkommunikation Medienkommunikation und Interkulturalität Interkulturelle Medienkommunikation als politisches Instrument (Propaganda bis Dialog der Kulturen ) Interkulturelle Medienkommunikation: Ansprache kulturell definierter Zielgruppen (z.b. MigrantInnen) Interkulturalität -> Prämisse: homogene, sich wechselseitig ausschließende Kulturen ( Kulturen als Billard-Kugeln )

17 Paradigmen: Transkulturalität die Analyse von 2 Medienkulturen jenseits nationalkultureller Muster Transkulturalität statt Nationalkultur Wolfgang Welsch (1994): Transkulturalität. Lebensformen nach der Auflösung der Kulturen. In: Kurt Luger & Rudi Renger (Hg.): Dialog der Kulturen: Die multikulturelle Gesellschaft und die Medien. Wien, Wolfgang Welsch

18 Paradigmen: Transkulturalität die Analyse von 2 Medienkulturen jenseits nationalkultureller Muster Transkulturalität statt Nationalkultur Kulturen nicht homogen, sondern differenziert in Lebensstile, sozio-ökonomische Verhältnisse, Werteordnungen ( innere Multikulturalität ) Kulturen nicht abgeschlossen, sondern offen, vernetzt und vermischt ( Hybridisierung ) Innere Fremdheit so groß wie äußere Fremdheit Wolfgang Welsch Individuen als kulturelle Hybriden: Kultur nicht durch Reisepass determiniert

19 2 Paradigmen: Transkulturalität die Analyse von Medienkulturen jenseits nationalkultureller Muster Transkulturelle Medienkommunikation? Konsequenzen von Transkulturalität für Medienrezeption intensiver thematisiert Konsequenzen für Produktion von Medienangeboten vor allem im Hinblick auf Unterhaltungsindustrie analysiert, kaum hinsichtlich des Journalismus Forschungsfrage: Herausbildung von Medienkulturen jenseits nationalkultureller Muster?

20 Vielen Dank für f r Ihr Interesse! Kontakt ilmenau.de Telefon +49 (0) Anschrift Univ.-Prof. Dr. Martin LöffelholzL Technische Universität t Ilmenau Institut für f r Medien- und Kommunikationswissenschaft Ilmenau

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