Ganzkörperuntersuchungen

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1 Ganzkörperuntersuchungen Was leisten die Früherkennungstests? Für manchen ist das der Traum der Krebsfrüherkennung: Wenn es statt einer Vielzahl verschiedener Tests, die jeweils nur ein Organ untersuchen, ein Verfahren gäbe, das den gesamten Körper untersuchen könnte. Erste Ansätze hierfür gibt es und die Werbung für solche Verfahren hat bereits begonnen: Manche Ärzte bieten zur Früherkennung von Krebs und anderen Krankheiten Untersuchungen mit Computertomografie (Y nachfolgend) oder Magnetresonanztomografie (Y Seite 268) als so genannte Ganzkörperuntersuchungen an. Sie sollen bereits bestehende bösartige Tumore so früh entdecken, dass Heilung möglich ist. Diese Angebote sind sehr teuer. Nach der Auswertung der internationalen Literatur ist der Nutzen der Ganzkörperuntersuchungen fraglich: Eine Computertomografie von symptomfreien Menschen ist in Deutschland und Österreich wegen der Strahlenbelastung sogar verboten. Ganzkörperuntersuchungen sind für die Früherkennung von Krebs nicht geeignet. Ganzkörper-Computertomografie Die Computertomografie (siehe auch Abschnitt Grundlegende Methoden der Früherkennung Y Seite 37 ) liefert mithilfe von Röntgenstrahlen ein dreidimensionales Modell des Körpers, in dem Gewebeveränderungen etwa ab einer Größe von fünf Millimetern erkannt werden können. Auch wenn die Untersuchung Ganzkörper-Computertomografie (Ganzkörper-CT) genannt wird, kann zumindest mit älteren Geräten nicht der gesamte Körper in einem Durchgang untersucht werden. Zumeist konzentriert sich die Untersuchung auf den Hals, Brust- und Bauchraum sowie die Organe des Beckens. Moderne Geräte sind allerdings in der Lage, innerhalb von Minuten den gesamten Körper von Kopf bis Fuß zu durchleuchten. Wie läuft die Untersuchung ab? Während der Untersuchung liegt man mit freiem Oberkörper auf einer Liege. Ein Motor schiebt diese Liege langsam und kontinuierlich durch 265

2 Von Kopf bis Fuß den im Inneren des Gerätes rotierenden Röntgenstrahl. Um unscharfe oder verzerrte Bilder zu vermeiden, darf sich die Person nicht bewegen. Was kann die Untersuchung stören? Voraussetzung für das Erkennen einer Auffälligkeit ist eine scharfe Aufnahme. Wer sich während der Messung zu stark bewegt, verwischt die Strukturen, eventuell ist die Abbildung dann unbrauchbar und muss wiederholt werden. Wie treffsicher ist die Untersuchung? Da sich Untersuchungen der Ganzkörper-CT bislang auf den Hals, den Brustkorb, den Bauchraum und die Organe des Beckens konzentrieren, können theoretisch Tumore in Kehlkopf und Schilddrüse, Lunge, Magen, Leber, Bauchspeicheldrüse, Nieren, Blase und nach besonderer Vorbereitung in Dickdarm und Enddarm entdeckt werden. Bei Frauen kommen Gebärmutter und Eierstöcke hinzu, bei Männern die Prostata. Die Computertomografie wird zwar derzeit zur Früherkennung von einzelnen Krebsarten wie Lungenkrebs (Y Seite 74) und Darmkrebs (Y Seite 100) erprobt, bislang gibt es aber keine zuverlässigen Studien, die darüber Auskunft geben, wie treffsicher eine Ganzkörperuntersuchung Krebs entdeckt. Nach vorläufigen Abschätzungen amerikanischer Ärzte müssen von 100 Personen, die eine Ganzkörperuntersuchung machen lassen, etwa 30 mit einem auffälligen Befund rechnen, wovon sich 29 als Fehlalarm herausstellen. Welche Konsequenzen hat ein verdächtiger Befund? Wenn bei einer Computertomografie eine Auffälligkeit entdeckt wird, ist das noch kein Beweis für Krebs. Ein Befund hat deshalb zur Folge, dass sich weitere Untersuchungen anschließen, um den Verdacht zu bestätigen oder zu entkräften. Und je nachdem, in welchem Organ die Auffälligkeit entdeckt wird, kommen Dutzende von weiteren Untersuchungsmethoden infrage. Die wichtigsten Methoden beschreiben wir in den Abschnitten zu den entsprechenden Organen. Was nutzt die Untersuchung? Ziel der Früherkennung ist es, das Risiko zu verringern, an Krebs zu sterben. Zwar machen einige Kliniken intensiv Werbung für die Ganzkörperuntersuchung per Computertomografie, um Krebs frühzeitig zu erkennen, doch bislang gibt es keinerlei Studien, die erprobt haben, ob die Ganzkörper-Computertomografie wirklich die Heilungschancen bei Krebs hebt. Weil diese Beweise fehlen, lehnt die Mehrzahl der Fachleute 266

3 Computertomografie bislang die Untersuchung für Menschen ohne Symptome ab. US-Experten schätzen, dass regelmäßige Ganzkörper-CT-Untersuchungen bei 50-jährigen Männern die Lebenserwartung nur um sechs Tage verlängern. Und dieser Zeitgewinn kommt sehr teuer: Hochgerechnet auf ein gewonnenes Lebensjahr fallen Kosten zwischen und Euro an. Der Nutzen der Ganzkörper-Computertomografie wird als mit mittlerer Zuverlässigkeit widerlegt bewertet. Welche Risiken gibt es? Y Welche Risiken sind mit der Anwendung verbunden? Bei einer CT-Untersuchung wird Röntgenstrahlung eingesetzt. Die Strahlenbelastung ist immerhin so groß, dass die Untersuchung nach Abschätzung US-amerikanischer und australischer Expertengremien zu einer spürbaren Steigerung des Risikos führt, an Krebs zu erkranken. Allerdings sind diese Schätzungen bislang sehr unsicher: So muss 1 von etwa 400 bis Personen im Alter von 45 Jahren damit rechnen, an einem durch eine einmalige Ganzkörper-CT-Untersuchung verursachten Krebs zu sterben. Das Risiko ist damit so groß, dass es zumindest für Männer und Frauen unter 50 Jahren einen möglichen aber unbewiesenen Nutzen durch die Untersuchung aufwiegt. Y Welche Risiken sind mit einem verdächtigen Befund verbunden? Zu den durch die Untersuchung direkt bedingten Risiken kommen noch die negativen Konsequenzen hinzu, die sich aus dem Befund der Untersuchung ergeben. Bei einer Ganzkörper-CT-Untersuchung kommt es nach vorläufigen Schätzungen bei etwa einer von drei Personen zu einem Fehlalarm, der zumindest eine Zeit lang Angst auslösen kann. Das bedeutet, dass bei einem auffälligen Befund fast immer weitere Untersuchungen zur Abklärung nötig sind, die ihre eigenen Risiken mit sich bringen. Außerdem muss man einkalkulieren, dass bei der Suche nach Krebs viele weitere, gutartige Auffälligkeiten entdeckt werden, die bislang keine Beschwerden bereitet haben. Es ist unklar, wie viele dieser so genannten Nebenbefunde überflüssige Diagnosen sind, die keinerlei gesundheitliche Bedeutung haben, einmal entdeckt aber zu weiteren Untersuchungen und eventuellen Behandlungen führen. Insgesamt werden die Risiken der Ganzkörper-CT-Untersuchung als erhöht bewertet. 267

4 Von Kopf bis Fuß Bewertung Ziel der Früherkennung ist es, das Risiko zu verringern an Krebs zu sterben. Dass eine Ganzkörper-CT-Untersuchung diesen Nutzen bringt, ist mit mittlerer Zuverlässigkeit widerlegt. Die Methode ist allerdings gleichzeitig mit ernst zu nehmenden Risiken verbunden: Die Strahlenbelastung ist so hoch, dass sie selbst ein spürbares Krebsrisiko bedeutet. Hinzu kommt, dass Fehlalarme sehr häufig sind. Die Abwägung von Nutzen und Risiken fällt daher negativ aus. Die Ganzkörper-CT-Untersuchung ist zur Früherkennung von Krebs nicht geeignet. Übernehmen die Krankenkassen die Kosten? Die Kosten für eine Ganzkörper-CT-Untersuchung zur Früherkennung von Krebs werden nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Wegen der Strahlenbelastung fällt die Methode unter die Röntgenverordnung und darf bei Personen ohne Symptome auch nicht als individuelle Gesundheitsleistung angeboten werden. Wie viel kostet die Untersuchung? Die Ganzkörper-CT-Untersuchung ist in der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) nicht als eigene Leistung vorgesehen, sondern würde sich aus der Summe mehrerer Einzeluntersuchungen berechnen, die sich auf bis zu 450 Euro addieren würden. Wie ist die Situation in Österreich? Verordnungen gemäß der EU-Strahlenschutzrichtlinie schließen auch in Österreich aus, dass Menschen ohne begründeten medizinischen Verdacht einer Strahlenbelastung ausgesetzt werden. Ganzkörper-Magnetresonanztomografie Die Magnetresonanztomografie (MRT, siehe auch Abschnitt Grundlegende Methoden der Früherkennung Y Seite 45 ) liefert detailreiche Bilder aus dem Inneren des Körpers. Bei einer MRT-Untersuchung wird keine Röntgenstrahlung eingesetzt, sondern eine Kombination aus starken Magnetfeldern und Radiowellen. Auch wenn die Untersuchung Ganzkörper-MRT heißt, wird nicht der gesamte Körper in einem Durchgang untersucht, sondern immer in mehreren Etappen, um die 268

5 Magnetresonanztomografie Einstellung der Geräte zu ändern oder um den Patienten Kontrastmittel zu spritzen. Zumeist konzentriert sich die Untersuchung nacheinander auf den Hals, Brust- und Bauchraum sowie auf die Organe des Beckens. Jede dieser Untersuchungen dauert abhängig vom eingesetzten Gerät und dessen Einstellungen zwischen 12 und 60 Minuten. Wie läuft die Untersuchung ab? Während der Untersuchung liegt man mit Unterwäsche bekleidet auf einer Liege im Inneren des Geräts. Bei Bedarf verabreicht der Arzt dem Patienten ein Beruhigungsmittel. Die zu untersuchende Person darf keine metallischen Gegenstände am Körper tragen, weil diese sich im starken Magnetfeld der Geräte entweder losreißen oder stark erhitzen können. Da die Geräte während der recht langwierigen Untersuchungen ein lautes Klopfgeräusch entwickeln, wird den Untersuchten entweder ein Gehörschutz oder ein Kopfhörer mit Musik angeboten. Was kann die Untersuchung stören? Voraussetzung für die Diagnose einer Auffälligkeit sind scharfe Aufnahmen des Körpers. Um unscharfe oder verzerrte Bilder zu vermeiden, darf sich die Person nicht bewegen und muss auf Anweisung immer wieder den Atem anhalten. Wie treffsicher ist die Untersuchung? Die Ganzkörper-MRT-Untersuchung wird bislang nur von wenigen Praxen und Kliniken zur Früherkennung angeboten, gerade in Deutschland hat das Verfahren aber Fürsprecher. Bislang konzentrieren sich die Untersuchungen vor allem auf den Schädel, das Herz und die Lunge, auf die Gefäße und den Dickdarm. Ziel der Suche sind nicht nur Tumore, sondern auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bislang gibt es keine zuverlässigen Studien, die darüber Auskunft geben, wie treffsicher eine Ganzkörper-MRT-Untersuchung Krebs entdeckt. Es existieren nur unvollständige Erfahrungsberichte, darunter auch Fallsammlungen deutscher Mediziner: Sie haben bei der Untersuchung von 169 Patienten bei etwas mehr als der Hälfte eine Auffälligkeit entdeckt. Meist handelte es sich dabei um so genannte Nebenbefunde beispielsweise haben sie bei der Untersuchung des Dickdarms einen Nierentumor gefunden. Von zehn Personen müssen nach vorläufigen Schätzungen bis zu vier Personen mit einem Befund im jeweils untersuchten Organ rechnen. Von den übrigen Personen müssen sich wiederum bis zu vier mit einem zufälligen Befund in einem Nachbarorgan auseinander setzen. Krebs ist nur selten darunter. 269

6 Von Kopf bis Fuß Welche Konsequenzen hat ein verdächtiger Befund? Wenn bei einer Ganzkörper-MRT-Untersuchung eine Auffälligkeit entdeckt wird, ist das noch kein Beweis für Krebs. Ein Befund hat deshalb zur Folge, dass sich weitere Untersuchungen anschließen, um den Verdacht zu überprüfen. Und je nachdem, in welchem Organ die Auffälligkeit entdeckt wird, kommen Dutzende von weiteren Untersuchungsmethoden infrage. Die wichtigsten Methoden sind in den Abschnitten zu den entsprechenden Organen beschrieben. Was nutzt die Untersuchung? Bislang gibt es keinerlei Studien, die erprobt haben, ob die Ganzkörper-MRT-Untersuchung das Risiko verringert, an Krebs zu sterben. Der Nutzen der Untersuchung lässt sich deshalb nicht abschätzen. Welche Risiken gibt es? Y Welche Risiken sind mit der Anwendung verbunden? Bei einer MRT-Untersuchung wird keine Röntgenstrahlung eingesetzt, die starken Magnetfelder sind nach derzeitigem Wissen ungefährlich. Eine wichtige Ausnahme sind aber Personen mit dauerhaften Metallimplantaten wie Gefäß- oder Knochenklammern, Herzschrittmachern oder künstlichen Gelenken. Sie dürfen nicht mit MRT untersucht werden. Wenn zur Untersuchung ein Kontrastmittel injiziert wird, kommt es bei etwa 1 von 100 Personen zu einer Komplikation wie Übelkeit, Hautjucken, Atembeschwerden oder Herz-Kreislauf-Reaktionen. Y Welche Risiken sind mit einem verdächtigen Befund verbunden? Bislang gibt es keine guten Abschätzungen, wie oft es bei der Ganzkörper-MRT-Untersuchung zu einem Fehlalarm kommt. Man muss aber damit rechnen, dass bei der Suche nach Krebs viele weitere, gutartige Auffälligkeiten entdeckt werden, die bisher keine Beschwerden verursacht haben. Bislang ist unklar, wie viele dieser Nebenbefunde überflüssige Diagnosen sind, die keinerlei gesundheitliche Bedeutung haben. Einmal entdeckt führen solche Befunde aber fast immer zu weiteren Untersuchungen, die ihre eigenen Risiken mit sich bringen. Insgesamt lassen sich die Risiken der Ganzkörper-MRT-Untersuchung nicht abschätzen. 270

7 Magnetresonanztomografie Bewertung Ziel der Früherkennung ist es, das Risiko zu verringern an Krebs zu sterben. Ob eine Ganzkörper-MRT-Untersuchung von sym ptomfreien Menschen diesen Nutzen bringt, ist mangels zuverlässiger Studien bisher unklar. Man muss durch die Untersuchung mit Befunden rechnen, die Anlass für weitere Untersuchungen geben und zumindest eine Zeit lang Angst auslösen können. Die Risiken lassen sich aber nicht abschätzen. Die Abwägung von Nutzen und Risiken fällt insgesamt negativ aus. Die Ganzkörper-MRT-Untersuchung ist zur Früherkennung von Krebs somit nicht geeignet. Übernehmen die Krankenkassen die Kosten? Die Kosten für eine Ganzkörper-MRT-Untersuchung zur Früherkennung von Krebs werden nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Wie viel kostet die Untersuchung? Die Ganzkörper-MRT-Untersuchung ist in der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) nicht als eigene Leistung vorgesehen, sondern errechnet sich aus der Summe mehrerer Einzeluntersuchungen, die sich auf bis zu etwa 700 Euro addieren können. Wie ist die Situation in Österreich? Die Ganzkörper-MRT-Untersuchung ist in Österreich kein Bestandteil der kostenlosen Vorsorgeuntersuchungen. Bei begründetem Verdacht werden die Kosten für die Untersuchung einzelner Körperteile von den Kassen übernommen. Für Privatleistungen können Ärzte in Österreich mit den Patienten das Honorar frei vereinbaren. Ein Anhaltspunkt: Die Wiener Gebietskrankenkasse zahlt Ärzten jeweils 171 Euro für eine MRT beispielsweise des Oberbauches, der Nieren oder beider Brüste. 271

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