Schuldenkrise in Europa Auswirkungen auf die Finanz- und Realwirtschaft

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1 Schuldenkrise in Europa Auswirkungen auf die Finanz- und Realwirtschaft Prof. Dr. Clemens Fuest Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) Mannheim Braunkohletag, Köln, 16. Mai 2013

2 I. Ursachen der Verschuldungskrise und die Reaktion der Politik II. Was muss passieren, damit die Verschuldungskrise überwunden wird? III. Gibt es Fortschritte in dieser Richtung? IV. Beendet die EZB die Eurokrise? V. Ausblick: Wie geht es weiter?

3 I. Ursachen der Krise und die Reaktion der Politik

4 Renditen auf Staatsanleihen (10 J) ,00 20,00 15,00 Prozent Deutschland Irland Griechenland 10,00 Spanien Italien Portugal 5,00 0, Daten: Eurostat

5 Nettovermögensposition zum Ausland (Mill. Euro) Deutschland Irland Griechenland Spanien Italien Portugal Daten: Eurostat

6 BIP Deflator : Abnehmende Wettbewerbsfähigkeit Südeuropas (Index 2000=100) Eurozone 120 Deutschland 110 Griechenland Spanien 100 Italien 90 Portugal Daten: Eurostat

7 Staatsschulden (in % des BIP) Deutschland 100 Griechenland Irland 80 Italien 60 Portugal 40 Spanien Daten: IMF

8 Rechtliche Ausgangslage des Krisenmanagements 1. No Bailout Klausel des Vertrags von Maastricht 2. Statuten der EZB verbieten Staatsfinanzierung

9 Implikation dieser Rechtslage: Insolvenz von Staaten, die den Kapitalmarktzugang verlieren Warum ist das nicht passiert?

10

11 II. Was muss passieren, damit die Verschuldungskrise überwunden wird?

12 1. Wettbewerbsfähigkeit der Krisenstaaten wiederherstellen 2. Abbau der privaten Verschuldung und Sanierung des Bankensektors 3. Sanierung der Staatshaushalte 4. Wiederherstellung des Investorenvertrauens 5. Institutionelle Reformen für eine langfristig stabile Währungsunion

13 III. Gibt es Fortschritte in dieser Richtung?

14 Hauptproblem: Kurzfristige Konflikte zwischen den Sanierungszielen

15 Leistungsbilanzsalden in % des BIP (Prognose ab 2013) 8,000 6,000 4,000 2,000 Deutschland 0, , Griechenland Irland Italien -4,000 Portugal -6,000 Spanien -8,000-10,000-12,000 Daten: IMF WEO April 13

16 Budgetsalden in % des BIP (Prognose ab 2013) Deutschland -4 Griechenland -6 Irland -8 Italien -10 Portugal -12 Spanien Daten: IMF WEO April 2013

17 Staatsschulden in % des BIP (Prognose ab 2013) Deutschland Griechenland 130 Irland Italien 110 Portugal 90 Spanien Daten: IMF WEO April

18 75,0 2000Q1 2000Q2 2000Q3 2000Q4 2001Q1 2001Q2 2001Q3 2001Q4 2002Q1 2002Q2 2002Q3 2002Q4 2003Q1 2003Q2 2003Q3 2003Q4 2004Q1 2004Q2 2004Q3 2004Q4 2005Q1 2005Q2 2005Q3 2005Q4 2006Q1 2006Q2 2006Q3 2006Q4 2007Q1 2007Q2 2007Q3 2007Q4 2008Q1 2008Q2 2008Q4 2009Q1 2009Q2 2009Q3 2009Q4 2010Q1 2010Q2 2010Q3 2010Q4 2011Q1 2011Q2 2011Q3 2011Q4 2012Q1 2012Q2 Lohnstückkosten (indexiert 2005=100) 125,0 120,0 115,0 110,0 105,0 Eurozone (15) Deutschland 100,0 Irland 95,0 Griechenland 90,0 Spanien 85,0 Frankreich 80,0 Italien Portugal Daten: Eurostat

19 BIP-Deflator (2000=100, Prognose ab 2013) 150,0 140,0 130,0 Deutschland Spanien 120,0 Frankreich Italien 110,0 Portugal 100,0 90, Daten: Eurostat

20 BIP-Deflator (2000=100, Prognose ab 2013) 150,0 140,0 130,0 Deutschland Irland 120,0 Spanien Frankreich 110,0 Italien Portugal 100,0 90, Daten: Eurostat

21 BIP-Deflator (2000=100, Prognose ab 2013) 150,0 140,0 Deutschland 130,0 Irland Griechenland 120,0 Spanien Frankreich 110,0 Italien Portugal 100,0 90, Daten: Eurostat

22 Exporte in % des BIP (Prognose ab 2013) 120,0 100,0 80,0 Griechenland 60,0 Irland Italien 40,0 Portugal Spanien 20,0 0, Daten: Eurostat

23 Exporte von Waren und Dienstleistungen in % des BIP (Prognose ab 2013) 45,0 40,0 35,0 30,0 25,0 Griechenland 20,0 Italien 15,0 Portugal 10,0 Spanien 5,0 0, Daten: Eurostat

24 Vor uns liegen noch gewaltige Aufgaben: Beispiel Sanierung der Staatsfinanzen

25 Prognistizierte Verbesserungen der strukturellen Primärsalden 3,5 3,0 2,5 Griechenland 2,0 Irland 1,5 Italien 1,0 Portugal 0,5 Spanien 0, , Daten: IWF

26 BIP-Wachstum (Prognose ab 2013) 6 4 Deutschland 2 Frankreich Griechenland Irland Italien -4 Portugal Spanien -6-8 IMF WEO April 13

27 Veränderung der Prognosen BIP Wachstumsrate Spanien 3 EU Stabilitätsprogramm ,5 IWF Sep 11 2 IMF Apr 12 1,5 IMF Oct 12 1 IMF Apr 13 0, ,5-1 -1,5-2 -2,

28 IV. Beendet die EZB die Eurokrise?

29 Beispiel: Die EZB-Entscheidung vom 6. September zum Aufkauf von Staatsanleihen (OMT-Programm)

30 Auswirkungen des EZB-Aufkaufprogramms Signal zur kurzfristigen Steigerung des Investorenvertrauens Keine Lösung des Verschuldungsproblems, aber Entlastung bei den Finanzierungskosten

31 Risiken des EZB-Aufkaufprogramms Problem der mangelnden Durchsetzbarkeit wirtschaftspol. Auflagen ( Zeitinkonsistenzproblematik der Konditionalität) Debatte zu Mandatsüberschreitung Wird der Bundestag künftig noch ESM-Programmen zustimmen, wenn dadurch Aufkäufe von Staatsanleihen unbestimmter Höhe ausgelöst werden? Unterordnung der Geldpolitik unter Ziele der Fiskalpolitik und der Finanzstabilität: Ende unabhängiger Geldpolitik?

32 Risiken des EZB-Aufkaufprogramms Erlahmen der Anpassungs- und Reformbereitschaft: Bsp Bankenunion: Offenlegung von Altlasten/ Bankensanierung sehr zögerlich Kein Durchbrechen des Teufelskreises aus gegenseitiger finanzieller Abhängigkeit zwischen Banken und Staaten Keine gemeinsame Einlagensicherung

33 V. Ausblick: Wie geht es weiter?

34 Negativszenario: Japanisierung Europas Nachlassen der Reformen und der Haushaltssanierung in den Krisenstaaten wegen Beruhigung der Lage an den Kapitalmärkten Dominanz der Geldpolitik durch Ziele der Fiskalpolitik und Finanzstabilität Behandlung der wirtschaftlichen Probleme als Liquiditätsprobleme, nicht als Solvenzprobleme Dauerhafte Stagnation in Südeuropa, wachsende Schulden des Krisenstaaten bei der EZB und Rettungsschirmen, Eurozone degeneriert zur Weichwährungszone, anhaltender wirtschaftlicher Abstieg der Eurozone.

35 Was bedeutet das für Deutschland? Sinkende Exporte in die Krisenstaaten der Eurozone, gute Exportaussichten in den Rest der Welt Niedriger Eurokurs steigert Wettbewerbsfähigkeit der Exportindustrie gegenüber dem Rest der Welt, aber verteuert Importe Wachsende Konfikte mit den Schuldnerstaaten in der Eurozone Dauerhafte Stagnation in den Krisenstaaten könnte dazu führen, dass die Eurozone doch zerbricht

36 Positivszenario: Entschlossene Eingriffe als Basis für wirtschaftliche Erholung Voraussetzung: Politik setzt Reformen in den Krisenstaaten und auf EU-Ebene entschlossen fort (insb. Bankenunion) Kombination aus Kredithilfen, bail-in privater Kapitalgeber zumindest bei Banken, Reformen in den Krisenstaaten und expansiver Geldpolitik (Zinssenkung, schwacher Euro) bringt eine Wende. Gesundschrumpfen der Krisenstaaten, aber Erholung ab 2014/2015 Die Gläubigerstaaten akzeptieren sanfte Enteignung durch Niedrigzinspolitik der EZB.

37 Vielen Dank

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