S Ü D W E S T R U N D F U N K F S - I N L A N D R E P O R T MAINZ S E N D U N G:

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1 Diese Kopie wird nur zur rein persönlichen Information überlassen. Jede Form der Vervielfältigung oder Verwertung bedarf der ausdrücklichen vorherigen Genehmigung des Urhebers by the author S Ü D W E S T R U N D F U N K F S - I N L A N D R E P O R T MAINZ S E N D U N G: Windige Finanzberater: Schwarze Schafe bleiben vor scharfer Kontrolle verschont Autorinnen: Monika Anthes Claudia Butter Kamera: Marc Flachmeyer Helmut Fischer Hans Schauerte Schnitt: Jörg Hommer Moderation Fritz Frey: Von den Kindern zu denen, die älter werden. Unabhängig davon, welche Parteien am Regierungsruder sind, ein Signal ist immer dasselbe: nutzen Sie, liebe Bürgerinnen und Bürger, wenn immer es geht, auch die Möglichkeiten einer privaten Altersvorsorge. Ein Appell, der auch sogenannte freie Finanzvermittler auf den Plan gerufen hat. Nicht selten versprechen die einem, wenn es um die private Altersvorsorge geht, das Blaue vom Himmel herunter. Und die Regierung tut kaum etwas dagegen. Monika Anthes und Claudia Butter erzählen von Familie Berges. Die hat ihrem Finanzvermittler geglaubt.

2 2 Bericht: O-Ton, Michael Berges:»Wir haben für unser Häuschen für unsere Kinder gearbeitet, wir haben uns nichts zu Schulden kommen lassen. Und heute stehen wir hier und wissen nicht, ob wir das Haus behalten können.ich kann bis heute noch nicht begreifen, dass solche Vermittler, mit solchen Mitteln die Leute rumkriegen.«familie Berges aus der Nähe von Köln. Michael Berges ist Schreiner, seine Frau Beate ist Sachbearbeiterin. Das Geld ist knapp, reicht gerade um das Häuschen abzubezahlen. Alles war gut, bis zu dem Tag, als ein freier Finanzvermittler sie besuchte, ihnen eine Unternehmensbeteiligung als Altersvorsorge verkaufte.»wir haben noch gesagt an diesem Tag der Unterschrift. Wir haben gesagt: Herr, können wir Ihnen da vertrauen? Sie wissen, das ist unsere Altersvorsorge, wir haben sonst nichts. Da hat er gesagt: Ja Sie können mir hier vertrauen, ich selber habe das auch, und es ist absolut sicher.«jetzt ist das Unternehmen pleite, das eingezahlte Geld ist weg. Trotzdem sollen sie weiter zahlen, insgesamt noch Euro und zwar auf einen Schlag.»Ich habe ihm unsere Situation erklärt und habe gesagt: Wir verlieren unser Haus! Und er sagte nur: Das ist mir doch egal und nicht mein Problem.«Ortswechsel: Ein Finanzvermittler bei der Arbeit, heimlich gefilmt. Über dieser Vermittler verkaufen in deutschen Wohnzimmern hochriskante Geldanlagen. Wir wollen Euro sicher als Altersvorsorge anlegen.

3 3 O-Ton, Gedächtnisprotokoll :»Das sind super Renditen, ein echter Vermögensaufbau und ich kriege nur 0,5 Prozent Provision. Und das ist sehr sicher, da kann kein Kapital verloren gehen!«er lässt zahlreiche Unterlagen da. Auch darin große Versprechen: 18 Prozent Rendite. Diese Unterlagen zeigen wir dem Finanzwissenschaftler Professor Andreas Oehler und Deutschlands oberstem Verbraucherschützer Gerd Billen. Ihr Urteil: O-Ton, Gerd Billen, Vorstand Verbraucherzentrale Bundesverband:» Also das ist definitiv für eine Altersvorsorge nicht geeignet. Vielleicht für einen Millionär, der Euro übrig hat, aber nicht für eine Person, der es um die Sicherheit im Alter geht.«o-ton, Prof. Andreas Oehler, Finanzwissenschaftler, Universität Bamberg:»Ich würde in dem Fall auch gar nicht von einer Beratung sprechen. Sondern das ist ein nackter Verkauf aus der Geldgier eines Vermittlers.«Tausende verlieren durch die Tricks dubioser Finanzberater ihr Geld. Experten schätzen den Schaden für Kleinanleger auf über 20 Milliarden Euro pro Jahr. Dagegen wollte Finanzminister Wolfgang Schäuble etwas tun. Deshalb hat er ein Anlegerschutzgesetz vorgeschlagen. Seine Kernforderung: Freie Finanzvermittler sollten von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, kurz BaFin, erfasst und streng überwacht werden. Doch daraus wurde nichts. Das Gesetz legt jetzt fest, dass die Vermittler weiterhin von über kleinen Gewerbeämtern in den Kommunen beaufsichtigt werden. Doch können die Gewerbeämter das überhaupt leisten?

4 4 O-Ton, Prof. Andreas Oehler, Finanzwissenschaftler, Universität Bamberg:»Die haben einfach nicht das Personal, die Experten, das zu machen. Das heißt, man hat sozusagen jetzt Leute eingesetzt was zu kontrollieren, was sie gar nicht kontrollieren können. Erweckt aber bei den Verbrauchern den Eindruck, sie sind gut geschützt.«dennoch hat die FDP die Aufsicht durch Gewerbeämter durchgesetzt, alles natürlich zum Wohle von Vermittlern und Anlegern, versichert uns der finanzpolitische Sprecher Volker Wissing. O-Ton, Volker Wissing, FDP, Finanzpolitischer Sprecher:»Die laufenden Kosten einer Beaufsichtigung haben wir für die kleinen Anlagenvermittler so gehalten, dass sie noch am Markt bleiben können. Verbraucherschutz bedeutet auch Wettbewerb am Markt.«Doch worum ging es der FDP wirklich? Der Bundesverband der freien Finanzvermittler jedenfalls ist sehr dankbar, vor allem dem FDP-Politiker Frank Schäffler. Kein Wunder, der ist schließlich selbst Finanzvermittler. O-Ton, Frank Rottenbacher, AfW Bundesverband Finanzdienstleistung:»Herr Schäffler hat sich stark dafür eingesetzt und, wie gesagt, er kennt die Branche und konnte eben daher auch gut einschätzen, was es für Konsequenzen für den unabhängigen Vermittler hätte, wenn das Schäuble-Gesetz durchkommt.«und Frank Schäffler wurde dabei von höchster Stelle unterstützt, sagt Gerd Billen: O-Ton, Gerd Billen, Vorstand Verbraucherzentrale Bundesverband:»Die FDP spielt an dieser Stelle eine ganz unselige Rolle, weil es die Lobby geschafft hat über das Wirtschaftsministerium, über den damaligen Minister Brüderle, diese Aufweichung des Verbraucherschutzes durchzusetzen.«

5 5 Klientelpolitik statt Anlegerschutz über diesen Vorwurf hätten wir gerne mit Rainer Brüderle und Frank Schäffler gesprochen, doch an einem Interview haben beide kein Interesse. Betroffene Anleger, wie Familie Berges, fühlen sich von der Politik im Stich gelassen.»die dürfen es einfach weiter machen und der Staat, die Politik greift nicht ein. Da werden Gesetze geschaffen, die einfach manchmal lächerlich sind, aber so was, was wirklich wichtig ist, es wird nichts gegen getan.«

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