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1 iz3w-dossier Euro 2, Geächtet und doch verbreitet Zwangsarbeit und Sklaverei heute

2 Inhalt 3 Editorial 4 Sklaverei:»Man wirft ihn einfach weg«sklaverei ist verboten, geächtet und dennoch weit verbreitet von Winfried Rust 6 Zur Geschichte der Sklaverei von Winfried Rust 8 KindersoldatInnen:»Ihr Leben ist wertlos«interview mit Michaela Ludwig über KindersoldatInnen 10 Zwangsprostitution: Erheblich unterschiedlich Zwischen migrantischer Sexarbeit und sexualisierten Zwangsverhältnissen ist zu differenzieren von Agnieszka Zimowska 13 Zwangsheirat: Sklavinnen der Tradition von Rahel Volz 14 Zwangsheirat und Islam von Birgit Rommelspacher 16 ILO & IOM: Gefangen in den Verhältnissen Internationale Organisationen im Kampf gegen Zwangsarbeit von Sascha Klemz 18 Indien I: An die Armut gebunden Das System der bonded labour von Tamara Enhuber 20 Indien II: Der Preis, eine Frau zu sein In nordindischen Dörfern floriert der Handel mit Sklavinnen von Justin Huggler 22 Brasilien: Schuften für die Handelsbilanz Moderne Sklaverei in Brasilien von Kirsten Bredenbeck 25 Sudan: Ein lukratives Geschäft Zur Bürgerkriegsökonomie gehört auch der Menschenhandel von Tanja Kurreck 26 Webseiten zu Zwangsarbeit und Sklaverei Impressum Herausgeber und V.i.S.d.P.: Aktion Dritte Welt e.v. informationszentrum 3. welt, Postfach 5328, Kronenstraße 16a (Hinterhaus), D Freiburg i. Br. Telefon: 0761/74003, Fax: 0761/709866, Bürozeiten: Montag bis Freitag 10 bis 16 Uhr. Bankverbindung: Konto Nr , Postbank Berlin Redaktion: Kirsten Bredenbeck, Iris Erbach, Stephan Günther, Sascha Klemz, Tanja Kurreck, Rosaly Magg, Tine Maier, Winfried Rust, Christian Stock, Heiko Wegmann, Annika Wust. Titelmotiv: Dieter Kaufmann Satz und Gestaltung: Büro MAGENTA, Freiburg Druck: schwarz auf weiss, Freiburg Das Dossier wurde gefördert aus Mitteln des BMZ durch: Wir danken Dieter Kaufmann für seine Bilder und möchten auf seine Website hinweisen.

3 Editorial Zwangsarbeit und Sklaverei heute Zwangsarbeit und Sklaverei werden gemeinhin historisch verortet. Entsprechend gering ist das öffentliche Wissen darüber, dass es aktuell weltweit viele Millionen Menschen gibt, die als SklavInnen oder in sklavereiähnlichen Verhältnissen leben und arbeiten müssen. Zwar erkennt die International Labour Organisation (ILO) in einem 2005 vorgelegten Bericht»ermutigende Anzeichen«für ein wachsendes internationales Engagement in diesem Bereich, dennoch besteht weiterhin ein hoher Aufklärungs-, Diskussions- und Handlungsbedarf. Neben traditionellen Formen der Sklaverei wie der Leibeigenschaft oder der Schuldknechtschaft haben sich moderne Formen entwickelt; die Grenzen zwischen SklavInnenarbeit im engen Sinne und anderen Formen extremer Ausbeutung sind dabei fließend. Zu den verschiedenen Personengruppen und Erscheinungsformen zählen KindersoldatInnen in mehreren Ländern Afrikas, Zwangsprostituierte aus Osteuropa in Westeuropa, Menschenhandel im Sudan, über Generationen vererbte Schuldknechtschaft auf indischen Teeplantagen oder auf abgelegene nordbrasilianische Fazendas gelockte LandarbeiterInnen. Doch auch direkt in den Ländern Westeuropas existieren Zwangsarbeitsverhältnisse, beispielsweise in Form von Zwangsprostitution oder im Haushalt. Allerdings bleiben diese zumeist unsichtbar und sind kaum ins öffentliche Bewusstsein gedrungen. Häufig fehlt es den Betroffenen an Möglichkeiten, aus diesen Verhältnissen auszubrechen und um Hilfe zu suchen, da sie als Migrantinnen ohne legalen Aufenthaltsstatus ihren Ausbeuter- Innen mehr oder weniger schutzlos ausgeliefert sind. Hier muss gefragt werden, wie die rechtliche und soziale Situation von betroffenen Migrantinnen verbessert werden kann. Die KonsumentInnen in jenen Ländern, die sich für frei von extremer Ausbeutung halten, sind auch über den Weltmarkt mit der Problematik verwickelt. So wird beispielsweise in der Textilindustrie, dem Kaffee- und Kakaoanbau, der Edelsteinverarbeitung, der Lederindustrie oder der Teppichherstellung weltweit auch unter den Bedingungen von extremer Ausbeutung und Sklaverei produziert. Hier ergeben sich über Kampagnen und gezieltes Verbrauchsverhalten Möglichkeiten direkter Einflussnahme der KonsumentInnen. Angesichts der zunehmend unsicheren Arbeitswelt stellt sich die Frage, wo die Grenze zwischen extremen Formen von Ausbeutung durch Lohnarbeit einerseits und Zwangsarbeit bzw. Sklaverei andererseits zu ziehen ist.»sklavenhändler, hast du Arbeit für mich? Sklavenhändler, ich tu alles für Dich«sangen Ton Steine Scherben 1971 und zielten damit auf die ganz normale Ausbeutung. Aber Sklaverei und Zwangsarbeit liegen erst vor, wenn Menschen umfassend der Verfügungsgewalt durch andere unterworfen sind. Die sich weltweit öffnende Schere zwischen Arm und Reich vergrößert dabei das Reservoir schutzloser Menschen für die neue Sklaverei. In der Einleitung dieser Broschüre geht es nach einem kurzen historischen Abriss zunächst darum, was heute eigentlich unter Zwangsarbeit und Sklaverei zu verstehen ist. Mit der International Labour Organization und der International Organization of Migration stellen wir Organisationen vor, die den Kampf gegen die Zwangsarbeit in ihre Agenda aufgenommen haben. In mehreren Länderartikeln befassen wir uns mit Kriegsökonomie und Zwangsarbeit im Sudan, der Versklavung von LandarbeiterInnen in Brasilien und Zwangsheirat in Indien. Mit frauenspezifischen Aspekten beschäftigt sich auch die Kontroverse über die Zwangsverheiratung türkischer Migrantinnen in Deutschland. Außerdem führten wir ein Gespräch mit Michaela Ludwig, die im Auftrag von terre des hommes eine Studie über KindersoldatInnen erarbeitet hat. Im Serviceteil bieten wir einen Überblick über weiterführende Internetadressen, Literatur und aktuelle Kampagnen. Die Zwangsarbeit im NS-Terrorregime greifen wir in diesem Dossier nicht auf. Dieser nur wenige Jahrzehnte zurückliegende größte zwangsweise Arbeitseinsatz mit der größten Deportation seit Ende des Sklavenhandels, der im Unterschied zu anderen Formen auch die planmäßige»vernichtung durch Arbeit«enthielt, verlässt den Rahmen unserer Untersuchung. Wir möchten hier aber auf den Verein hinweisen, der ehemalige NS-ZwangsarbeiterInnen in Osteuropa unterstützt, die bis heute keinerlei Entschädigung erhalten haben. die redaktion 3

4 »Man wirft ihn einfach weg«sklaverei ist verboten, geächtet und dennoch weit verbreitet Die Zahl der SklavInnen ist heute höher denn je. Weil die Sklaverei jedoch weltweit verboten ist, leben und arbeiten sie zumeist im Verborgenen: In Haushalten, in Bordellen oder in versteckten Fabriken. Die Unterschiede zwischen Zwangsarbeit und Sklaverei zu»ganz normalen«ökonomischen Abhängigkeiten verringern sich. Häufig sind die modernen SklavInnen formal Lohnabhängige, die jedoch in Schuldknechtschaft oder Vertragssklaverei leben. von Winfried Rust Vordergründig spielte der Zufall eine große Rolle: Seba wurde von ihrer Großmutter in Mali an eine Bekannte gegeben, die versprach, Seba könne bei ihr in Paris eine gute Stelle und Unterricht haben. Dort angekommen, musste sie im Haushalt den ganzen Tag arbeiten, durfte das Haus nicht verlassen, musste Reste essen und wurde regelmäßig geschlagen. Schließlich wurde sie für ein alltägliches»vergehen«nackt ausgezogen, gefesselt, ausgepeitscht und mit Chili eingerieben, bis sie bewusstlos wurde. Irgendwann bekam ein Nachbar diese Vorfälle mit und Seba wurde von der Polizei befreit. In Frankreich ist Sklaverei illegal. Insofern könnte man zunächst einen Einzelfall besonderer Grausamkeit vermuten. Doch: Allein in Paris wird die Zahl der Haussklavinnen auf geschätzt. 1 Fast überall auf der Welt gibt es informelle Sektoren und Milieus, in denen Sklaverei gedeiht: Holzkohlebrennereien im brasiliani- schen Regenwald, Bordelle in Thailand, Ziegelfabriken in Pakistan, Paläste in Saudi Arabien, Kamelwirtschaft in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Es gibt KindersoldatInnen im Kongo, Trägerkolonnen des myanmarischen Militärs, Schuldknechtschaftsbeziehungen in der pakistanischen Landwirtschaft, Liebesdienerinnen in südindischen Tempeln, junge Haussklavinnen in Gabun, rituelle Sklavinnen in Ghana, SklavenarbeiterInnen auf Kakaoplantagen in der Elfenbeinküste, verkaufbare Restavecs 2 in Haiti und Zwangsprostituierte in München. Per Vertrag unfrei Drei Arten der Sklaverei werden unterschieden: Leibeigenschaft, Schuldknechtschaft und Vertragssklaverei. Die Leibeigenschaft kommt der alten Sklaverei am nächsten. Eine Person wird verkauft oder gefangen, ihre Kinder werden als Besitz der Herrschaft betrachtet. Diese Art ist heute nicht mehr häufig und existiert am ehesten in Nord- und Westafrika und in einigen arabischen Ländern. In Schuldknechtschaft leben etwa 20 Millionen Menschen: Eine Person muss sich für ein Darlehen verpfänden, weil sie keine anderen Sicherheiten hat. Dauer und Art des Dienstes sind nicht festgelegt, die geleistete Arbeit verringert die ursprüngliche Schuld kaum und auch Nachkommen können versklavt werden. Am weitesten verbreitet ist das in Indien. Die dritte Art mit dem größten Zuwachs ist die Vertragssklaverei. Mit Verträgen werden ArbeiterInnen an einen Arbeitsplatz gelockt und dort versklavt. Den VertragssklavInnen wird unter Gewaltandrohung die Bewegungsfreiheit beschnitten und der Lohn vorenthalten. Vertragssklaverei existiert vor allem in Südostasien, Brasilien, einigen arabischen Staaten und Teilen des indischen Subkontinents. Weiter gibt es Kriegsversklavung, Versklavung von ZwangsarbeiterInnen durch den Staat, Verkauf eigener Kinder oder religiös motivierte Ritualsklaverei. Sklaverei wird durch unmittelbare Gewalt oder deren Androhung durchgesetzt. Die SklavInnen unterliegen einer personalen Herrschaft und haben keine Entscheidungsgewalt über ihr Leben. Nicht die Arbeitskraft, sondern die ArbeiterIn wird verkauft. SklavInnen 4

5 Bilderserie von Dieter Kaufmann Der Mensch, ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen werden»zum gesellschaftlichen Tod verurteilt«3. Zwangsarbeit ist hingegen oft zeitlich begrenzt, sie ist nicht notwendigerweise erblich und sie ist nicht vorwiegend auf Kinder und Fremde begrenzt. Zum ersten Mal in der Geschichte besteht ein Überangebot an potentiellen Sklaven Herrschaft und Profit Die Gesamtzahl der neuen SklavInnen ist heute mit etwa 27 Millionen größer denn je. 4 Viele können das kaum glauben, denn Sklaverei ist weltweit verboten. Das formal freie und gleiche Subjekt gilt als Norm. Die Sklaverei hat sich jedoch nur verändert. Ausgangspunkt für die Beschreibung der neuen Sklaverei ist das Übereinkommen des Völkerbundes von 1926 (Art. 1(1)), wonach Sklaverei definiert ist als»zustand oder Stellung einer Person, an der die mit dem Eigentumsrecht verbundenen Befugnisse oder einzelne davon ausgeübt werden.«schon hier wird die Abschaffung von Sklaverei»in all ihren Formen«(Art.2(b)) gefordert. Die weite Definition schließt die meisten Formen der Zwangsarbeit bereits ein. Darauf verabschiedete die Internationale Arbeitsorganisation IAO im Juni 1930 ein»übereinkommen 29 über Zwangs- oder Pflichtarbeit«. Gemeint war»jede Art von Arbeit oder Dienstleistung, die von einer Person unter Androhung irgendeiner Strafe verlangt wird und für die sie sich nicht freiwillig zur Verfügung gestellt hat«. Später wurden von der IAO auch Schuldknechtschaft und extreme Formen der Kinderarbeit als Zwangsarbeit gewertet. Auf der UN-Weltkonferenz gegen Rassismus in Durban stand im Jahr 2001 die Sklaverei auf der Tagesordnung. Die westlichen Staaten taten ihr Möglichstes, um die Forderungen nach»reparationen«für die die alte Sklaverei aus Beschlüssen fernzuhalten. Afrikanische Staaten regten hingegen finanzielle Entschädigungen zugunsten ihrer Staatskassen an. Die arabischen Staaten machten keine Anstalten, ihre besondere Verantwortung in der Versklavungsgeschichte zu thematisieren und konzentrierten sich auf die Verurteilung Israels. Eine weltweite Offensive gegen die Sklaverei blieb aus. Die Regierungen jener Staaten, die Sklaverei informell tolerieren, sind ein besonderes Problem. In Mauretanien oder im Sudan zeigt sich eine ethnoreligiös grundierte Komplizenschaft mit Sklaverei. In anderen Ländern bestechen SklavenhalterInnen die örtliche Autorität. Beidem kann die UN wenig anhaben. Die UN verurteilt die»übersteigerte«herrschaft und Profitorientierung der Sklaverei. Deren Grundkategorien steht sie unkritisch gegenüber. Der Blick auf außerstaatliche Opposition gegen Zwangsarbeit und Sklaverei ist also geboten. Die Organisation Anti-Slavery International ist die älteste, noch bestehende internationale NGO. Sie wurde am 17. April 1839 als British and Foreign Anti-Slavery Society gegründet. Ihre Kampagnen trugen entscheidend zum Verbot der Sklaverei bei. Heute arbeitet sie eng mit amnesty international und anderen humanitären und Menschenrechtsgruppen zusammen, die sich gegen Zwangsarbeit und Sklaverei engagieren. In dem Maße, wie die Ursachen der alten Sklaverei verblassen (so die Akzeptanz, dass»wilde«durch Sklaverei zivilisiert werden könnten), verstärken sich andere Voraussetzungen: Das wirtschaftliche Erfordernis, die billigsten Rohstoffe zu kaufen, begünstigt Unternehmen, die die»unzeitgemäßen«sklavenarbeiterinnen einsetzen. Sklaverei und Zwangsarbeit bewegen sich heute in mehr Sektoren, Schattierungen, Ausprägungen denn je. Moderne SklavInnen sind billig geworden. Sie müssen nicht mehr tausende Kilometer entfernt gefangen und transportiert werden. Die SklavInnen sind oft nicht mehr offiziell im Besitz der»herrschaft«und können umstandslos»entlassen«werden. Sklaverei hat sich, ganz im ökonomischen Trend, verschlankt und flexibilisiert. Die Unterscheidung zu Zwangsarbeit minimiert sich. SklavInnen dienen kürzere Zeit und in größerer Distanz zu»ihren Herren«. Sie ist von den traditionellen Formen der Sklaverei noch grundiert, aber sie verliert kulturelle Begründungen zugunsten der flexiblen Ausbeutung machtloser Randständiger. Die von der Gewalt der Verhältnisse generierte»überflussbevölkerung«hat Folgen für den»sklavinnenmarkt«:»zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte besteht ein Überangebot an potentiellen Sklaven«, schreibt der Sklavereiexperte Kevin Bales, und dies sei mit der rücksichtslosen Mentalität verbunden:»man wirft ihn einfach weg«. 5 Ein Beispiel aus 5

6 Thailand: Siri, wurde für etwa Euro den Eltern abgekauft. Das Mädchen wurde mit diesem Geld in Schuldknechtschaft genommen. Gleichzeitig wurden phantastische Zinsen angesetzt, die Reise angerechnet, das Zimmer und Verpflegung hoch in Rechnung gestellt. So geschieht es, dass ein Mädchen gleichzeitig hohe Renditen für die Bordellbesitzer erwirtschaftet und seine Schulden trotzdem steigen. Die ungefähr Sexsklavinnen machen fünf Prozent der Prostituierten Thailands aus. Sie bedienen die unteren Schichten der Freier und begegnen den ausländischen Sextouristen kaum. Der Thaibuddhismus wertet Frauen ab und fördert die Fügung in ihr»karma«.»praktisch alle befragten Mädchen erzählten die gleiche Geschichte: Es wurde zuerst jeder Widerstand, jede Verweigerung mit Schlägen und Vergewaltigungen beantwortet. Der sofortige Einsatz von Terror ist der erste Schritt einer erfolgreichen Versklavung.«6 Eine Aidsinfektion führt allerdings sogleich zum Rauswurf. Sklaverei im Heim Hausarbeit ist besonders für moderne Sklaverei anfällig, weil der Arbeitsplatz weit abseits der Öffentlichkeit liegt: In der Privatsphäre der ArbeitgeberInnen. Der Anteil der Schwarzarbeit ist hier besonders hoch. Das Ansehen der Arbeit ist traditionell niedrig. Eine neue»dienstbotengesellschaft«lässt MigrantInnen aus ärmeren Ländern Reproduktionsarbeit leisten in einem neuen Sektor rassifizierter, entgarantierter Niedriglohnarbeit. Die ambulanten Pflegedienste schätzen allein die Anzahl der ausländischen Pflegerinnen in live-in Arbeitsverhältnissen (die im Haus wohnen) auf bis in Deutschland. 7 Nach Angaben der Beratungsstelle IN VIA arbeiten sie oft jahrelang und ohne Rechte. Bei Hausarbeiterinnen ist die live-in Die neue Sklaverei findet statt, weil sie rentabel ist Arbeit unbeliebt. Entsprechend häufig wird sie von illegalen MigrantInnen geleistet. Generell kann man sagen, dass die Entscheidungsfreiheit informeller Hausarbeiterinnen durch solche Arbeitsbedingungen, Niedriglohn und fehlende Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigung extrem eingeschränkt ist. Bridget Anderson rückt informelle Hausarbeit und Sklaverei eng zusammen: Mit Sklaverei»kann man die extrem erniedrigenden und ausbeuterischen Lebens- und Arbeitsbedingungen darstellen«. Der Begriff umfasse»auch die persönliche Abhängigkeit der Arbeiterin von den ArbeitgeberInnen, die Tatsache, dass viele Arbeiterinnen nicht die Freiheit haben, ihre ArbeitgeberInnen zu verlassen«. 8 Die Präsenz von Gewalt macht jedoch einen Unterschied der Sklaverei zur informellen Hausarbeit aus. Informelle Hausarbeit ist ein Sektor, in dem es beides gibt: Sklaverei und Lohnarbeit. Beides ist in Bewegung. Die personale Herrschaft dehnt sich im informellen, privaten Arbeitssektor aus. Die neue Hausarbeit, die sich im Laboratorium des reinen Privaten zwischen ArbeitgeberInnen und informellen live-in HausarbeiterInnen herausbildet, befördert eine Herrschaftsstruktur, die unsere Zeit historisch grundiert: die Sklaverei. Ausbeutung und Gewalt Verallgemeinerungen, wie sie häufig unter dem Begriff»neue Sklaverei«formuliert werden, können jedoch schnell in die Irre führen. Wozu ohnehin dramatische Umstände durch den Begriff Sklaverei weiter dramatisieren? Je genauer ein Begriff, umso unnötiger ist Dramatisierung. Ein rassistisch zonierter Arbeitsmarkt ist noch keine Sklaverei. Umgekehrt ist Sklaverei nicht der alleinige Tiefpunkt von Unterdrückung: Die meisten Menschen, die verhungern, sind»frei«. Von der steigenden Produktivität freigesetzte Arbeitskräfte verlieren ihren Lebensunterhalt und müssen jede Arbeit annehmen. Wenn sie dazu noch eine Staatsgrenze überschreiten müssen, so entledigt das Migrationsregime sie oft der bürgerlichen Rechte. Ökonomische Erpressbarkeit und Rechtlosigkeit laden zur Steigerung der Ausbeutung und Beherrschung ein. Die»Dienstbotengesellschaft«und neue Sklaverei gehören zu den Folgen. Die neue Sklaverei findet massenhaft statt, weil sie rentabel ist. Sie findet statt, weil die Betroffenen schutz-, machtund perspektivlos sind. Zur Kulturgeschichte fast aller Gesellschaften gehört das Bild des in eine entwürdigende Stellung gefesselten Sklaven, der guten Gewissens halbtot geprügelt wird. Noch Zur Geschichte der Sklaverei Sklaverei gibt es nicht»schon immer«, aber schon sehr lange. Sie tauchte vor etwa Jahren im»fruchtbaren Dreieck«des Mittleren Ostens auf: im Land der Sumerer und der Ägypter. Erhaltene Gesetzessammlungen zeigen, dass die Gesellschaft Sumers in vier Klassen aufgeteilt war: Die Adligen, die Nichtadligen, die Muschkenum (»der sich zur Erde niederbeugt«) und die SklavInnen. Die erste»sklavenhaltergesellschaft«entstand im antiken Griechenland. Sie war die erste Gesellschaft, in der die Sklaverei zum wichtigsten Produktionsmodus überhaupt wurde. Vorsichtig geschätzt übertraf die Zahl von SklavInnen die Zahl der waffenund arbeitsfähigen Athener Bevölkerung. Ein Zahlenverhältnis, das später auch in Rom und nach dem 18. Jahrhundert noch einmal in der Karibik, Brasilien und dem Süden der Vereinigten Staaten bestehen sollte und diese Regimes als Sklavenhaltergesellschaften auszeichnen sollte. Aus dem Römischen Reich sind drei große SklavInnenaufstände überliefert. Der dritte unter der Anführung des Thrakers Spartacus war der aussichtsreichste. Nach dessen Niederschlagung ließ Prätor Crassus entlang der Via Appia SklavInnen kreuzigen. Die Sklavenhaltergesellschaften waren von Gesellschaften umgeben, in denen Sklaverei nebengeordnet, aber SklavInnen waren meist Fremde Schwarze, Andersgläubige, Barbaren ebenso selbstverständlich war. Nach dem Ende der Völkerwanderung bestand Sklaverei in Europa noch bis ins 19. Jahrhundert. Eine besondere Form der mittelalterlichen Zwangsarbeit in Europa war die Hörigkeit. Ihr folgte die Sklaverei in den Kolonien. In islamischen Gesellschaften war Sklaverei weit verbreitet. SklavInnen wurden zunächst im Mittelmeerraum und Südrussland gefangen. Seit dem 7. Jahrhundert kamen SklavInnen aus den Ländern südlich der Sahara dazu. Schätzungen des Historikers Ralph A. Austen zufolge wurden in über Jahren Transsahara-Handel rund 7,5 Millionen AfrikanerInnen verschleppt. Mit den gefangenen SklavInnen der Ostküste Afrikas und aus Somalia oder Sudan kommt man auf über 11 Millionen Opfer, was ungefähr der Zahl des transatlantischen SklavInnenhandels entspricht. Die Tragödie Afrikas setzte schon vor der Eroberung Amerikas ein. Der arabische SklavInnenhandel ist weniger bekannt, als es seiner Bedeutung entspricht. Ein Hindernis der Aufarbeitung ist sicher, dass die Praxis der Sklaverei im Koran gutgeheißen wird. Mit dem arabischen SklavInnenhandel und der»entdeckung«amerikas wurde die Entwicklung Afrikas völlig verändert. Zwar kannte Afrika kriegerische Konflikte und Skla- 6

7 Sklaverei als sich in der bürgerlichen Welt der Übergang zur Verregelung von Strafen und Arbeitsbeziehungen vollzog, blieb die Sklaverei Ort überbordender Bestrafungen. Sklaverei war nicht kompatibel mit verfeinerten Disziplinierungstechniken und Verträgen, aber sie existierte, zunächst legal, weiter fort. Nicht nur in der Ökonomie liegt das Potenzial der Renaissance von Sklaverei. Rache, Hass und Verachtung sind in der bürgerlichen Gefühlsökonomie verwaltet, nicht gestorben. Eine von Herrschaft determinierte Psyche kann von der Abwertung anderer profitieren, die Vergleichung wertet das Ich auf. Mit SklavInnen wird Willkür praktiziert: Teilweise als rationale Herrschaftstechnik, teilweise als Selbstverwirklichung. In einem Buch von Bridget Anderson,»Britain s Secret Slaves«, wird die Leidensgeschichte der Dienstbotin Laxmi Swami in London erzählt. Die schlechte Behandlung durch ihre Herrinnen, zwei Halbschwestern des Emirs von Kuwait, steigerte sich: Schläge mit einem Besenstil, einem verknoteten Elektrokabel oder einer Pferdepeitsche. Einmal wurden ihr zwei Zähne ausgerissen, ein anderes Mal wurde ihr fälschlicherweise erzählt, ihr Kind sei bei einem Motorradunfall umgekommen. Abends musste Laxmi Swami an jener Stelle bei der Tür stehen bleiben, an der sie war, als die Prinzessinnen das Haus verließen. 9 Karl Marx wählte in einer Betrachtung über Religion einmal eine Kategorie, die für einen langen Zeitraum passt die Verachtung:»Die Kritik der Religion endet mit der Lehre, dass der Mensch das höchste Wesen für den Menschen sei, also mit dem kategorischen Imperativ, alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist, Verhältnisse, die man nicht besser schildern kann als durch den Ausruf eines Franzosen bei einer projektierten Hundesteuer: Arme Hunde! Man will euch wie Menschen behandeln!«10 Die Abstraktion der Warenform macht»den Nächsten«zur Sache und damit einfacher zum Knecht. Die Besonderung der Eigenen von den Anderen und deren Abwertung lebt fast ungebrochen fort. Diese Herabwertung erscheint in der neuen Sklaverei, in der bestimmte Menschen weiter zu Wesen definiert werden, für die elementare Rechte ungültig sind.»die Geschichte des Rassismus ist die des Hasses, die Geschichte der Sklaverei ist die der Verachtung«, schreibt Christian Delacampagne 11. Letztlich ist die Verachtung der Menschen durch die Menschen abzuschaffen, die Verachtung ihrer selbst. Sie beseitigt die Hemmung, Menschen zu entrechten. Natürlich spielt Profit eine große Rolle. Aber erst aus dem Impuls der Verachtung besteht die Sklaverei, auch wenn sie verboten ist, fort. Sklaverei ist historisch und mental zu eng an die bislang fünf Jahrhunderte währende kapitalistische Epoche geknüpft, als dass sie sich per Federstrich beseitigen ließe. Sklaverei zurückzudrängen bedeutete sehr oft, sie repressiv zu unterdrücken. Das ist notwendig, genügt aber nicht. Zur Unterdrückung und Vermeidung von SklavInnenhandel werden oft dieselben Mittel eingesetzt, die ihn gestern noch abgesichert hatten: Marine, Polizei oder Zoll. Aber gerade sie drängen MigrantInnen auch in die Illegalität und Rechtlosigkeit, was wiederum Versklavung fördert. Anmerkungen: 1 Kevin Bales: Die neue Sklaverei, München 2001, S. 7 2 Nach: rester avec = bleiben bei. Zumeist Mädchen aus armen ländlichen Familien in Haiti, die von ihren Eltern weggegeben oder verkauft werden. 3 Christian Delacampagne: Die Geschichte der Sklaverei, Düsseldorf 2004, S.14 4 Zahlenangabe nach: Sklaverei und Zwangsarbeit im 21. Jahrhundert, Hg.: Anti-Slavery International u.a., London und Brüssel 2001, pdf/glob_sklaverei_broschuere.pdf, S. 3. Ebenso: Bales. Die Zahlenangaben schwanken von mindestens 12 Millionen Menschen (ILO, Terre des hommes) bis 150 und über 200 Millionen Menschen (Torrès, Dominique, Esclaves). 5 Bales, S Bales, S Vgl. Bridget Anderson: Doing the dirty work?, Berlin Vorwort von Doris Schierbaum und Monika Becker, S. 8ff. 8 Anderson, S Nach Bales, S Karl Marx: Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung, MEW Bd. 1, S Delacampagne, S. 311 t Winfried Rust ist Mitarbeiter im iz3w. verei auch ohne Zutun von»außen«. Zudem waren viele der späteren SklavInnenhändler Schwarze. Aber der»demografische Aderlass«und die SklavInnenjagd nahm bis Ende des 19. Jahrhunderts ein Ausmaß an, mit dessen Folgen die Menschen des Kontinents noch heute kämpfen. Im 17. Jahrhundert internationalisierte sich der SklavInnenhandel weiter. Sogar die Brandenburger ließen sich 1687 auf der Insel Arguin nieder und mischten mit: SklavInnen gegen Zucker. Die Ausbeutung der SklavenarbeiterInnen wurde immer systematischer. Die Lebenserwartung von SklavenarbeiterInnen auf den Zuckerrorplantagen Brasiliens betrug im 17. Jahrhundert weniger als zehn Jahre. Lange Zeit nahm kaum jemand Anstoß an der Sklaverei (außer den Betroffenen). In der Antike, im Römischen Reich, im arabischen Raum, in Europa hatte diese Gleichgültigkeit dieselbe Wurzel: SklavInnen waren meist Fremde Schwarze, Andersgläubige, Barbaren. Diese Überzeugung haftet den Sklavenhaltergesellschaften an. Der Begriff Sklave kommt von»slawe«und das meinte, dass SklavInnen oft gefangene SlawInnen waren. SklavInnen waren Fremde. Die Versklavung von Menschen aus der eigenen Bevölkerung war die Ausnahme (außer Leibeigenschaft), die Versklavung von Fremden galt als legitim. Bis in das 18. Jahrhundert war keine Kritik an der Sklaverei zu vernehmen: Das ist ein großer Makel der Aufklärung erklärte Vermont als erster Staat die Sklaverei auf seinem Boden für illegal. In der Schlussakte des Wiener Kongresses von 1815 wurde Sklavenhandel verurteilt. Dennoch wurden noch an die zwei Millionen SklavInnen über den Atlantik verschleppt. Der transsaharische SklavInnenhandel in den arabischen und osmanischen Raum blühte noch bis Dann wurde er durch die europäische Kolonisierung Afrikas erschwert. Die Berliner Kongo- Konferenz verpflichtete ihre Unterzeichner, gegen SklavInnenhandel und Sklaverei vorzugehen: Ausgerechnet diese kolonialistische Konferenz brachte einen effektiven Schritt gegen Sklaverei wurde die Sklaverei in den USA abgeschafft. Das System der Rassentrennung hielt sich jedoch bis Mitte des 20. Jahrhunderts und wirkt noch heute fort. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Sklaverei einzig in einigen muslimisch geprägten Ländern noch nicht abgeschafft. Dies geschah letztendlich 1949 in Kuwait, 1952 in Katar, 1962 im Jemen, 1962 in Saudi-Arabien, in Oman 1970 und 1981 in Mauretanien. Aber beispielsweise in Mauretanien gilt Sklaverei weiter als»tief verwurzelt«oder»völlig normal«. Zu jeder Zeit agierten die SklavInnen selbst, um ihrer Stellung zu entfliehen. Die humanistische Anteilnahme am Los der SklavInnen fiel nicht vom Himmel, sondern hängt mit ihren Kämpfen zusammen. Die SklavInnen erreichten ihre Freisprechung selbst, wurden zum Teil aber erst in der zweiten oder dritten Generation als gleichberechtigte Subjekte sichtbar. Die weit über 30 Millionen aus ihrer Heimat verschleppten SklavInnen sind trotz extremer Einschränkungen in der Handlungs- und Bewegungsfreiheit AkteurInnen der Weltgeschichte, deren aktiver Anteil daran, wie Geschichte geworden ist, von der einseitigen Sicht auf vorgebliche Passivität verdeckt wird. Winfried Rust 7

8 »Kinder gelten als folgsame und mutige SoldatInnen«Kinder als SoldatInnen Seit 2002 verbietet ein Zusatzprotokoll zur UN-Kinderrechtskonvention den Einsatz von Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren in Kriegen. Dennoch haben laut UNICEF in mindestens zwanzig Ländern, in denen zwischen 2001 und 2004 bewaffnete Auseinandersetzungen oder Kriege stattfanden, Kinder mitgekämpft. Dazu zählen Kolumbien, Afghanistan, Irak, Angola, Uganda, die Demokratische Republik Kongo, Liberia, Ruanda und Sudan, aber auch Länder wie Indien, die palästinensischen Autonomiegebiete, die Philippinen und Sri Lanka. Weltweit kämpfen nach verschiedenen Schätzungen heute etwa bis Kinder als KindersoldatInnen, davon allein etwa in afrikanischen Ländern. Etwa zwei Millionen KindersoldatInnen sind zwischen 1990 und 2000 in Kriegen gestorben, sechs Millionen wurden zu Invaliden, zehn Millionen leiden unter schweren seelischen Schäden, so das Kinderhilfswerk terre des hommes. Fast nie schließen die KindersoldatInnen sich freiwillig den bewaffneten Truppen an, sondern sie werden entführt, versklavt, unter Drogen gesetzt und unter Androhung von Gewalt zum Bleiben gezwungen. Viele Kinder schließen sich den Rebellen auch aus Hunger und Armut an. Man verspricht ihnen einen hohen Sold, mit denen sie ihre Eltern und Geschwister unterstützen möchten. Häufig werden die KindersoldatInnen unter Drogen gesetzt, bevor sie zum Töten geschickt werden. Schon Neunjährige werden darin trainiert, leichte Waffen wie z.b. Maschinenpistolen zu bedienen. Zusätzlich zum gewaltsamen Kämpfen müssen die Kinder Lasten schleppen, Proviant besorgen oder als SpäherInnen die Umgebung erkunden. Je jünger ein Kind ist, desto weniger zählt es innerhalb der Gruppe als SoldatIn. Wer ungehorsam ist oder versucht zu fliehen, wird erschossen oder gefoltert. Jungen und Mädchen sind laut terre des hommes gleichermaßen gefährdet und betroffen. Mädchen sind zusätzlich zur Ausbeutung als Soldatinnen häufig sexueller Gewalt ausgesetzt, sie werden von erwachsenen Soldaten oder Rebellenführern vergewaltigt und als Haussklavinnen ausgebeutet. In Deutschland leben etwa 300 ehemalige KindersoldatInnen als Asylsuchende. IE»Ihr Leben ist wertlos«interview mit Michaela Ludwig über KindersoldatInnen Fotos: F. Goemans/echo Wie beschreiben die KindersoldatInnen ihren Alltag? Wie werden sie rekrutiert? Ludwig: Das hängt von der Form des Konflikts ab. Meist leben die betroffenen Kinder in den jeweiligen Konfliktgebieten. Nur wenn die Eltern genug Geld haben, bringen sie ihre Kinder raus, zum Beispiel in die Hauptstadt oder ins Nachbarland. Viele Kinder werden zwangsrekrutiert. Sie werden auf dem Weg zur Schule, zum Feld, beim Wasser holen entführt und manchmal auch aus dem Hause weggeholt. Durch zum Teil äußerst brutale Initiationsriten werden sie auf die Truppe eingeschworen und zum Töten gedrillt. Einige melden sich auch freiwillig. Die Gründe dafür sind sehr unterschiedlich aus Überzeugung, scheinbarer Zustimmung zu den vermeintlichen Zielen der Bewegung, aus Abenteuerlust oder schlicht, weil sich nichts zu verlieren haben oder weil die Familie getötet wurde und sie auf der Straße leben... Auch ihr Alltag ist äußerst unterschiedlich: Er reicht von einem militärischen Tagesablauf bis zum Sich-durch-den-Busch-Schlagen auf der Suche nach Essbarem. Zu unserer Definition von KindersoldatInnen 8

9 KindersoldatInnen gehören ja auch diejenigen Jungen und Mädchen, die nicht mit der Waffe kämpfen, sondern LastenträgerInnen, KöchInnen oder KundschafterInnen sind. In einigen Gruppen, beispielsweise der LRA (Lord s Resistance Army) in Norduganda, werden auch Mädchen rekrutiert, die zunächst mitkämpfen müssen und die nach der Pubertät mit Kommandeuren zwangsverheiratet und von ihnen täglich vergewaltigt werden. Welche Formen von Gewalt erleben die Kinder im Krieg? Erleben Jungen das Kämpfen anders als Mädchen? t Auch das hängt vom Konflikt und von der Truppe ab. Sie erleben zunächst natürlich die ganz»normale«gewalt des Krieges. Kinder üben Gewalt aus und werden Opfer von Gewalt. Sie töten Menschen und werden selber verletzt oder getötet. Doch werden Kinder ja nicht umsonst rekrutiert: Sie sind gehorsamer, einsatzbereiter, auch gewissenloser, wenn eine bestimmte Stufe überschritten ist. Sie werden erniedrigt und unterworfen, und sie werden den größten Gefahren ausgesetzt. So werden sie meist in den vorderen Reihen eingesetzt oder auf Minenfelder vorgeschickt. Bei der Rekrutierung werden viele ZeugIn davon, wie Familienmitglieder oder FreundInnen ermordet werden. In manchen Gruppen werden die Kinder sogar gezwungen, sich daran zu beteiligen. Werden sie gefangen genommen, werden sie nicht wie Kriegsgefangene behandelt, sondern wie Schwerverbrecher, sie werden gefoltert und getötet. Ist der Einsatz von KindersoldatInnen eine moderne Form der Sklaverei? Oder trifft eher der Begriff Zwangsarbeit zu? t Bei bestimmten Konflikten und Rebellenverbänden wie zum Beispiel der LRA in Norduganda, der Warlord-Truppen während des Krieges im Kongo und des heutigen Krieges im Ostkongo können wir durchaus von moderner Sklaverei sprechen. Diese Kinder wurden und werden in der Regel gegen ihren Willen rekrutiert, häufig unter Androhung oder mit dem Vollzug äußerst brutaler Gewalt, sie werden gezwungen, brutalste Menschenrechtsverletzungen zu begehen und erhalten weder Sold noch Nahrung. Was zählt, ist ihre Arbeitskraft. Ihr Leben ist wertlos, weil auswechselbar. In ihrer Studie ist die Rede davon, dass der Einsatz von KindersoldatInnen ein wichtiger Bestandteil der Ökonomie der»neuen Kriege«sei. Was bedeutet das? t Dabei beziehe ich mich auf Heribert Münklers Buch»Die neuen Kriege«. Diese neuen Kriege sind ja vor allem billige Kriege, weil sie mit leichtem Kriegsgerät geführt werden können. So können Warlords, Milizen- oder Rebellenführer überall auf der Welt ihr Gefolge schnell und kostengünstig ausrüsten. Da es sich um leichte Waffen handelt, können Kinder ab sechs Jahren mit ihnen umgehen. Diese sind leicht zu rekrutieren und billig in der Unterhaltung. Lebensmittel müssen sie sich mit ihrer Waffe selbst organisieren. Und sie gelten als folgsame und mutige SoldatInnen. Gibt es aktuelle Zahlen darüber, wie viele ehemalige KindersoldatInnen als Flüchtlinge in Deutschland leben und Asyl beantragt haben? t Es existieren keine offiziellen Zahlen, da die Flucht- oder Asylgründe von Flüchtlingen in keiner mir bekannten Statistik erfasst werden. Zum anderen hat nur ein kleiner Teil der Betroffenen Asyl beantragt. Wie viele von ihnen als Fluchtgrund tatsächlich ihre Desertion aus bewaffneten Gruppen oder Streitkräften genannt haben, vermag ich nicht zu sagen. Das Katholische Sozialwerk in München schätzt die Zahl auf 300 ehemalige KindersoldatInnen, die als unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in der Bundesrepublik leben. Bei dieser Zahl muss man zweierlei beachten: zum einen gelingt immer weniger unbegleiteten Minderjährigen die Flucht in die Bundesrepublik, zum anderen sind viele nicht mehr minderjährig. Wie sieht die rechtliche Situation der minderjährigen Flüchtlinge in Deutschland aus? t Nach dem geltenden Asyl- und Ausländerrecht wird diesen Jugendlichen kein gesicherter Aufenthalt gewährt. In der Theorie ist der Asylantrag der einzige Weg, um den notwendigen Schutz zu erhalten. Doch in der Realität, das heißt im Asylverfahren, werden kinderspezifische Fluchtgründe nicht anerkannt. Ganz abgesehen davon sind viele sicherlich auch nicht in der Lage und psychischen Verfassung, kurz nach der Einreise diese Prozedur erfolgreich durchzustehen. Erschwerend wirken häufig auch fehlende Schulbildung was bei ehemaligen KindersoldatInnen offensichtlich ist und mangelnde Sprachkenntnisse. Das Asylverfahren ist immer noch nicht an kinderspezifischen Erfordernissen ausgerichtet. Das Bundesamt definiert»kinderspezifische Fluchtgründe sind in Deutschland nicht anerkannt«kindersoldatinnen immer noch als»deserteure«. Der Tatbestand der Fahnenflucht allein wird jedoch im Asylverfahren nicht als Verfolgungsgrund akzeptiert, sondern sie muss Teil einer politischen Verfolgung sein. In das neue Zuwanderungsgesetz wurde zwar die nichtstaatliche Verfolgung beispielsweise durch eine Rebellengruppe aufgenommen. Doch soweit ich in Erfahrung bringen konnte, gibt es noch keine positiven Bescheide. Das bedeutet, dass die meisten Betroffenen in einer Duldungssituation, also der Aussetzung der Abschiebung, verharren. Wie gehen die Kinder mit dem Erlebten um? Gibt es spezielle psychologische Betreuung und Hilfe? t In verschiedenen größeren Städten gibt es PsychologInnen, die in der Behandlung von traumatisierten Flüchtlingen erfahren sind. In einigen Großstädten können ehemalige KindersoldatInnen in speziellen Beratungs- und Therapieeinrichtungen psychologische Hilfe finden. Voraussetzung ist natürlich, dass die jeweiligen BetreuerInnen, Vormünder oder MitarbeiterInnen des Jugendamtes auf die Probleme der Jugendlichen aufmerksam geworden sind und mit ihnen zusammen eine Einrichtung aufsuchen. Welche Perspektiven haben die Kinder in Deutschland? t Aufgrund ihres in der Regel ungesicherten Aufenthaltsstatus haben sie keine Perspektive in Deutschland. Hier liegt die Perversion: Die unsichere Situation verhindert oder blockiert beispielsweise bei einer Therapie den Heilungsprozess. Andererseits genießen die meisten Betroffenen einen Abschiebeschutz, solange sie sich in Therapie befinden. Wie alle anderen Flüchtlingskinder oder -jugendlichen können sie inzwischen in den meisten Bundesländern die Schule besuchen, doch mit Ende der Schulpflicht sind sie sich selbst überlassen. Ausbildung und Arbeit, die Integration und Stabilität bringen würde, sind durch die gesetzlichen Rahmenbedingungen fast ausgeschlossen. t Michaela Ludwig lebt in Hamburg und ist freie Journalistin mit den Schwerpunkten Entwicklungspolitik und Ostafrika. Im Auftrag von terre des hommes hat sie die Studie»Ehemalige Kindersoldaten als Flüchtlinge in Deutschland«verfasst, für die sie viele Interviews mit betroffenen Kindern gemacht hat. Die Studie kann unter heruntergeladen werden. Das Interview führte Iris Erbach, Mitarbeiterin des iz3w. 9

10 Erheblich unterschiedlich Zwischen migrantischer Sexarbeit und sexualisierten Zwangsverhältnissen ist zu differenzieren In der öffentlichen Diskussion über Prostitution von Migrantinnen fällt häufig das Wort»Sklaverei«. Zahlreiche Fälle, in denen migrationswillige Frauen zwangsweise nach Westeuropa gebracht wurden, um sie dort unter dem Einsatz von Gewalt zu sexuellen Dienstleistungen zu bringen, legen diesen Vergleich nahe. Viele Migrantinnen sind jedoch aus eigener Entscheidung in der Sexarbeit tätig. Sie klagen über Kriminalisierung und Stigmatisierung. Die Unterschiede und Gemeinsamkeiten beider Phänomene zu erkennen, ist eine wichtige Voraussetzung für politische Maßnahmen im Sinne der Migrantinnen. ihre menschenrechtliche Argumentationslinie jedoch durch die deutliche Kritik der bei Razzien aufgegriffenen migrantischen Frauen an dieser Praxis. von Agnieszka Zimowska In einer Ausstellungsbroschüre zum Thema»Frauenhandel und Prostitution im Zeitalter der Globalisierung«skandalisiert die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes das»geschäft mit der Vermarktung des weiblichen Körpers«.»Frauenhandel«, aber auch Prostitution allgemein werden darin als moderner Sklavinnenhandel dargestellt, dessen Dimensionen die historischen Formen der Sklaverei überträfen. Durch diesen Vergleich will Terre des Femmes die schwerwiegenden Verletzungen frauenspezifischer Menschenrechte zum Politikum machen. Besonders Frauen aus Südost- und Mittelosteuropa sind nach Beobachtung verschiedener Frauenrechtsorganisationen in prekären Verhältnissen anzutreffen, was auf dem Wohlstandsgefälle zwischen westeuropäischen Staaten, in denen die Nachfrage nach gefügigen Dienstleistenden besteht, und dem geographisch nahe gelegenen Osteuropa beruhe. Die Organisationen kritisieren aus menschenrechtlicher Perspektive die Degradierung von Frauen zu Waren in einer durchkapitalisierten Welt. Einige rechtfertigen vor diesem Hintergrund internationale Kontrollmaßnahmen gegen Menschenhandel sowie Polizeirazzien etwa in Bordellen. Irritiert wird Selbst gewählt oder nicht? Im Verständnis der interkulturellen Frauenorganisation agisra (Arbeitsgemeinschaft gegen internationale, sexuelle und rassistische Ausbeutung) liegt»frauenhandel«vor,»wenn Frauen mittels Täuschung, Drohungen, Gewaltanwendungen angeworben werden und im Zielland zur Aufnahme und Fortsetzung von Dienstleistungen und Tätigkeiten gebracht oder gezwungen werden, die ausbeuterisch oder sklavenähnlich sind, d.h. ihre Menschenwürde verletzen. Zur Erfüllung des Tatbestandes Frauenhandel sind Nötigung, der Zwang und die Täuschung als Kernelemente notwendig. Zwang kann verschiedene Formen annehmen. Es kann durch direkte physische Gewalt oder durch Androhung derselben, Erpressung, unrechtmäßiges Einbehalten von Dokumenten und verdientem Geld, Raub und Isolation und Betrug ausgeübt werden. Auch Reduzierte Opfersemantik hilft den migrantischen Sexarbeiterinnen nicht das Ausnutzen einer hilflosen Lage, der Autoritätsmissbrauch und die Schuldknechtschaft sind Formen des Zwanges«. Im bundesdeutschen Strafgesetzbuch ( 232 StGB) wird seit 2005 von»menschenhandel mit dem Zweck der sexuellen Ausbeutung und der Zwangsprostitution«gesprochen. Diese gängigen Definitionen von»frauenund Menschenhandel«fokussieren auf die Ahnungslosigkeit und Handlungsunfähigkeit betroffener Frauen, die von Dritten missbraucht wird. Die Erfahrungen der in der Beratungsarbeit tätigen UnterstützerInnen von migrantischen Sexarbeiterinnen zeigen aber, dass viele Klientinnen bei der Ausreise ins Zielland um den Charakter ihrer zukünftigen Arbeit wussten. Allerdings hätten sie niemals mit so prekären Arbeitsbedingungen gerechnet. Diese Aussagen zeugen weder von Handlungsunfähigkeit noch von jenen Zwangsverhältnissen, die in der Opfersemantik über»zwangsprostitution«mitschwingen. Es stellt sich also die Frage, ob es sich hier nicht um zwei voneinander zu trennende Phänomene handelt, die fälschlicherweise unter den Kategorien»Zwangsprostitution«und»Frauenhandel«zusammengefasst wer- 10

11 Zwangsprostitution dar. Die Lebensbedingungen von Frauen als»unglücklichen Gewinnerinnen«(so die Feministin Christa Wichterich) der Globalisierungsprozesse in osteuropäischen Transformationsgesellschaften sind von Chancenlosigkeit und Mehrfachbelastung geprägt. Ihre Erwerbsbiographien, die nach dem Ende des Ostblocks durch Diskontinuität und Dequalifizierung gekennzeichnet sind, weisen eine gesteigerte Bereitschaft zu flexibilisierten und prekären Beschäftigungsformen auf. Frauen, die sich zur Migration nach Westeuropa entscheiden, versprechen sich bessere Bildungs- und Verwirklichungschancen. Sie begreifen sich als wagemutig und wollen ihr Leben in die Hand von denen sie sich teilweise abhängig machen, was zum Verlust an Selbstbestimmung führt. Ein anderer Teil der Frauen hingegen hat keine Pläne, im Sexbusiness zu arbeiten. Erst wenn dies durch Dritte missachtet wird und die Frauen zu sexuellen Dienstleistungen gezwungen werden, handelt es sich um Zwangsverhältnisse. Hinter dem undifferenzierten Umgang mit dem Phänomen»Frauenhandel«steckt der gesellschaftliche Umgang mit Sexarbeit an sich. Der sexualisierte Einsatz des Körpers, so die gängige frauenrechtlich wie bürgerlich fundierte Annahme, wird zum Ausverkauf des Selbst als Ware, was gegen jegliche Würde verstoße. Diese Prinzipien und Normen des Abolitionismus halten es nicht für möglich, dass eine»normale«frau sich jemals freiwillig für die Migration in die Sexarbeit entscheiden kann. Alle anderen müssten vor sich selbst geschützt werden. Diese Annahmen führen zur Auffassung, dass alle osteuropäischen Migrantinnen in der Sexarbeit Opfer des»frauenhandels«seien. Migrantische Sexarbeiterinnen werden mit Waffen geschlagen, die vermeintlich zu ihrem Schutz da sind den: nämlich die selbstgewählte Migration zum Zweck der Sexarbeit (wenn auch oft unter miserablen Bedingungen) auf der einen Seite und die gezielte Beraubung von Persönlichkeitsrechten sowie Zwang zu sexuellen Handlungen mit kommerziellen Absichten auf der anderen. Die Umsätze migrantischer Sexdienstleistender werden im öffentlichen Diskurs in eine Reihe mit den Profiten aus dem Waffen-, Drogen- oder Organhandel gestellt. Diese Schätzungen orientieren sich an einfachen Hochrechungen und unterliegen in ihrer Interpretation politischen Konjunkturen. Laut der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di nehmen in Deutschland täglich etwa 1,2 Mio. Kunden die Sexdienstleistungen von ca männlichen und weiblichen AnbieterInnen in Anspruch, was das Sexbusiness si- Professionelle Sexarbeiterinnen hingegen fassen Prostitution als annehmbare Erwerbsarbeit auf, die einen hohen Grad an Können, aber auch Verletzlichkeit aufweist. Ihre Professionalität beruht gerade darin, den Eindruck von Intimität zu verkaufen, ohne persönlich involviert zu sein. Ihre Tätigkeit vergleichen sie häufig mit Dienstleistungen im Bereich der physio- und psychosozialen Fürsorge. Die gesellschaftliche Kampagne»Look beneath «des US-Departement of Health & Human Services Stigmatisierung, die der Sexarbeit anhängt, erschwert aber eine positive Bezugnahme auf cherlich zu einem der profitabelsten Märkte macht. Dieser wird zu 60 Prozent von Migrantinnen bedient. Es wird dabei je nach Quelle von einem Anteil von 2 bis 20 Prozent der Migrantinnen in Zwangsverhältnissen ausgegangen. Diese hohe Schwankung beruht vor allem darauf, ob unter den Begriffen»Frauenhandel und Zwangsprostitution«die meisten Formen migrantischer Sexarbeit subsumiert werden oder ob die hier bevorzugte trennende Perspektive eingenommen wird. nehmen. Sie greifen dabei gerne auf den als Erfolgsgeschichten vermittelten Erfahrungsschatz von Pionierinnen zurück, die in geschlechtsspezifisch zugeteilten und flexibilisierten Sektoren im Zielland Arbeit fanden. Dazu zählt neben niedrig qualifizierten Hausund Pflegetätigkeiten auch die Sexarbeit. Hierbei ist jedoch zu unterscheiden, um welche Form von Migration es sich handelt. Ein großer Teil osteuropäischer Migrantinnen wählt Sexarbeit bewusst als eine vorläufige Erwerbstätigkeit, die sie mit der Zeit ausbauen die Erwerbstätigkeit im Sexbusiness oder gar eine Organisierung. Die überwiegende Mehrzahl der in Deutschland anzutreffenden migrantischen Sexarbeiterinnen entscheidet sich bewusst für ihre Erwerbstätigkeit. Stigmatisierung und Illegalität sind für sie von Nachteil, nicht aber die Arbeit an sich. Die Zwangsverhältnisse, die ein Teil der Migrantinnen erfährt, liegen nicht in der Sexarbeit als solcher begründet. Vielmehr handelt es sich dabei um permanente Grenzüberschreitungen, um Verge- oder aber fallen lassen wollen. Es ist nicht waltigung und um den gewaltvollen Entzug Globalisierte feminisierte Migration nur die blanke Not, die sie diese Erwerbsform der Entscheidungsfreiheit betroffener Frauen, Einen zentralen Ausgangspunkt der Machtverhältnisse im Bereich migrantischer Sexarbeit stellt die hohe Migrationsbereitschaft junger Frauen aus Südost- und Mitteleuropa wählen lässt, sondern auch die Aussicht auf niedrige Qualifikationsansprüche und schnelles selbstverdientes Geld. Sie greifen dabei auf die Hilfe informeller Netzwerke zurück, die um jede Handlungsmöglichkeit kämpfen müssen. Diese Unterscheidung zwischen professioneller Sexarbeit und Vergewaltigung ist von zentraler Bedeutung für 11

12 unterstützende Maßnahmen zugunsten von Migrantinnen. gesprochen, die Frauen in ihrem Herkunftsland als Prostituierte zu outen. Ob die Sexarbeit ihrem Selbstverständnis entspricht oder nicht es ist für die meisten nach wie vor undenkbar, offen damit umzugehen. Ein zentraler Unterschied in den Abhängigkeitsverhältnissen besteht hingegen im Charakter der Beziehung von Frauen zu den jeweiligen Netzwerken, welche die Sexarbeit organisieren. Migrantische Sexarbeiterinnen haben die Option, zwar unter prekären Bedingungen, aber auf eigene Rechnung arbeiten zu können. Meist bleibt es den Frauen überlassen, auf welche Sexdienstleistungen sie sich einlassen. Sie können sich gemeinsam organisieren, auch wenn die Solidarität untereinander nicht gerade überschwänglich ist. Wenn sie mit einem Zuhälter arbeiten, IOM-Kampagne»Open your eyes«gemeinsame Abhängigkeiten Die Abhängigkeitsverhältnisse, in denen sich migrantische Sexarbeiterinnen sowie in Zwangsverhältnissen lebende Migrantinnen befinden, weisen dabei durchaus einige Ähnlichkeiten auf. So sind die meisten Frauen bei ihrer Einreise im Besitz eines dreimonatigen Touristinnenvisums. Für dessen Beschaffung verlangen die VermittlerInnen horrende Summen. Unabhängig davon, ob dies zuvor vertragsähnlich vereinbart worden war oder aufgezwungen wurde, verschulden sich die Frauen. Ihr Touristinnenstatus erlaubt es nicht, legal einem Erwerb nachzugehen. Migration in Verbindung mit Sexarbeit ist in Deutschland für Nicht-EU-BürgerInnen ausländer- wie arbeitsrechtlich kriminalisiert. Auch das vergleichsweise liberale deutsche Prostitutionsgesetz von 2002 schließt den größeren Teil der Sexdienstleistenden programmatisch aus. Jeder Verstoß kann zur Ausweisung führen. Nach Ablauf des Visums sind die Frauen ohnehin der Illegalität ausgesetzt, was sie erpressbar und ausbeutbar macht. Ohne legalen Aufenthaltsstatus bleiben Migrantinnen von rechtlichen, sozialen und medizinischen Strukturen ausgeschlossen. Durch die Kriminalisierung werden die Frauen im Kontext des herrschenden Migrationsund Arbeitsregimes mit denselben Waffen geschlagen, die vermeintlich zu ihrem Schutz angewandt werden. Erst dadurch sind sie kriminellen informellen Netzwerken ausgesetzt auch jene Migrantinnen, die sich bewusst für die Sexarbeit entscheiden. Eine weitere Parallele bei den Abhängigkeitsverhältnissen stellt die Klandestinität der Sexarbeit dar. Sowohl die zu sexuellen Handlungen gezwungenen Frauen als auch die Sexarbeiterinnen sind in öffentlichen Räumen kaum anzutreffen. Die erwerbstätigen Frauen arbeiten eigenverantwortlich hauptsächlich in Bordellen, Clubs oder in angemieteten Modellwohnungen. Die von Zwangs- und Gewaltsituationen betroffenen Frauen werden hingegen in Wohnungen regelrecht eingesperrt, von wo aus sie von ihren Peinigern zum für den Kunden geeigneten Ort gebracht werden. Nicht zuletzt stellt die Erpressbarkeit der Frauen eine Parallele dar. Die Stigmatisierung sexueller Dienstleistungen als Selbstausverkauf trifft sowohl migrantische Sexarbeiterinnen als auch Frauen in Zwangsverhältnissen. Damit sie sich mit miserablen Arbeitskonditionen abfinden oder um ihren Widerstand zu brechen, wird innerhalb der informellen Sexarbeits-Netzwerke oft die Drohung aussind diese nicht selten ihre Beziehungspartner. Das schafft zwar eine spezifische persönliche Abhängigkeitsstruktur, die Erfahrungen zeigen aber, dass diesen Männern an»produktiven Bedingungen«gelegen ist. Wie groß der Grad der Selbstbestimmung migrantischer Sexarbeiterinnen ist, entzieht sich dabei oft ihrem Einfluss: unfaire Arbeitskonditionen, Einbehaltung des Lohns oder überhöhte Zimmermieten sind keine Seltenheit. Frauen in reinen Zwangsverhältnissen hingegen haben zu ihren Peinigern meist keine persönliche Bindung. Den an Profit aus Zwangsverhältnissen orientierten Netzwerken stehen andere Wege offen, sich des Gehorsams der gegen ihren Willen festgehaltenen Frauen zu vergewissern: Gewalt, Misshandlungen, Vergewaltigungen oder die Drohung, ihren Familien etwas anzutun. Die in Zwangsverhältnissen lebenden Frauen hegen kaum Vertrauen in Polizei und Justizapparate, weder in Herkunfts- noch Zielländern. In Deutschland steht Opfern zwar die Möglichkeit offen, Rechtsprechung einzufordern und in Zeugenschutzprogramme aufgenommen zu werden. Wiedergutmachung oder langfristige Bleiberechte werden jedoch selten gewährt. Den meisten Frauen fehlt zumal das Wissen um Unterstützungsnetzwerke, falls sie den Zwangsverhältnissen zu entkommen versuchen. Gut gemeinte Skandalisierung Indem selbstbestimmte Sexarbeiterinnen zu Opfern sklavenähnlicher Verhältnisse deklariert werden, um Solidarität mit ihnen zu legitimieren, fallen die Forderungen der Unterstützerinnen hinter ihr eigentliches Ziel zurück. Denn so gilt die Unterstützung nur denjenigen, die so gut wie gar nicht agieren können. Denjenigen Migrantinnen, die sich als Sexarbeiterinnen in unwürdigen Arbeitsbedingungen gesellschaftlichen Antagonismen aussetzen und dort um Würde und Respekt kämpfen, bleibt Solidarität hingegen vorenthalten. Dies erinnert an die gut gemeinte, aber letztlich restriktive Argumentation früherer Abolitionistinnen im ideologischen Kampf um Rechte für Frauen. Tatsächlich hat die SklavInnenhandelssemantik ihre Wurzeln in der Frauenrechtsbewegung des frühen 20. Jahrhunderts im Kampf gegen den»weißen Sklavenhandel«. Schon damals wurde die eigenverantwortliche Entscheidung junger Frauen zur Arbeitsmigration in Übersee unter dem Druck der frühkapitalistischen Verhältnisse aus der Perspektive bürgerlicher Frauenrechtlerinnen als»sklaverei«diffamiert. Wenn heute also im Zusammenhang mit Migration und Sexarbeit überhaupt von»sklaverei«gesprochen wird, muss eine Differenzierung der Migrationsformen vorgenommen werden. Anderenfalls treffen die Skandalisierungen aktueller Zwangsverhältnisse und prekärer Arbeitsbedingungen für Migrantinnen auf den fruchtbaren Boden einer Migrationspolitik, die mit Mitteln der Abschottung, Kontrolle und Razzien arbeitet und die ihnen zugrunde liegenden repressiven Verhältnisse stabilisiert. Diese Politik hat mit dem Kampf um Menschenrechte und Respekt wenig gemein. t Agnieszka Zimowska promoviert derzeit in Europäischer Ethnologie zu Selbstund Arbeitsverständnissen polnischer Sexarbeiterinnen in Deutschland. 12

13 Zwangsheirat Das Thema Zwangsarbeit und Sklaverei wirft auch die Frage nach frauenspezifischen Formen der Unterdrückung auf. Hierzu gehört die Zwangsprostitution ebenso wie die völlige Entrechtung und Ausbeutung mancher Hausangestellten in europäischen Haushalten. Ein Thema, das in den letzten Monaten die Öffentlichkeit beschäftigt hat, ist das Problem der Zwangsheirat. Angestoßen wurde die Debatte unter anderem durch die Veröffentlichungen der Migrationsforscherin Necla Kelek. In ihrem Buch»Die fremde Braut«beschreibt sie die Situation junger türkischer Migrantinnen, die in Deutschland zwangsverheiratet werden, als eine moderne Form der Sklaverei. Viele dieser Frauen befinden sich in einem Zustand völliger Rechtlosigkeit und sind schutzlos den psychischen und physischen Übergriffen der neuen Familie ausgesetzt. Sie verfügen weder über eigene finanzielle Mittel, noch über soziale Netzwerke in der neuen Umgebung und sind der Landessprache (zunächst) nicht mächtig häufig außer Stande, einen Ausweg aus ihrer Situation zu finden. Viele der»importbräute«haben unter Zwangsverhältnissen zu leiden, die die Bezeichnung Sklaverei durchaus gerechtfertigt erscheinen lassen. Das Problem der Zwangsheirat darf jedoch nicht wie es häufig geschieht allein auf vermeintlich rückständige türkische Communities projiziert werden. Zum einen sind Gewalterfahrungen und Entrechtung innerhalb und außerhalb der Ehe auch für eine Vielzahl von deutschen Frauen noch immer alltäglich. Und zum anderen führt eine schlichte Entgegensetzung von»traditionellen islamischen MigrantInnen«und aufgeklärter deutscher Gesellschaft vor allem zu Ausgrenzung und repressiver Migrationspolitik. In unserer Kontroverse begrüßt die TERRE DES FEMMES Mitarbeiterin Rahel Volz, dass durch Autorinnen wie Necla Kelek und die Kampagne»STOPPT Zwangsheirat«eine längst überfällige Debatte in Politik und Gesellschaft angekommen ist. Birgit Rommelspacher hingegen kritisiert Necla Kelek, die ihrer Meinung nach keine Analyse der entwürdigenden Situation der Importbräute vornimmt, sondern den Islam als Ursache allen Übels vorschnell verurteilt. TM Sklavinnen der Tradition von Rahel Volz Noch vor drei Jahren war das Thema Zwangsheirat in der öffentlichen Debatte fast völlig unbekannt. Sowohl von Seiten der deutschen Gesellschaft als auch von einem Großteil der MigrantInnen wurde das Problem totgeschwiegen. Das hat sich mittlerweile geändert. Von Talkshows über die Boulevardpresse bis hin zu den großen Tageszeitungen haben alle die Brisanz des Themas entdeckt. Es vergeht kaum eine Woche ohne eine Meldung von einer jungen Frau, die von ihrer Familie bedroht, zu einer Ehe gezwungen oder ermordet wurde. Zu der gestiegenen Aufmerksamkeit hat auch Necla Kelek mit ihrem Buch»Die fremde Braut«beigetragen. Zu Recht nennt Kelek die Zwangsheirat eine moderne Form der Sklaverei. Frauen sind dabei Menschen zweiter Klasse, denen keine eigenen Entscheidungen zugebilligt werden. Letztlich werden sie nicht als Menschen mit individuellen Gefühlen wahrgenommen, sondern als Objekte angesehen, die dem Wohl Die Unterdrückung der Frauen endet keineswegs mit dem Tag der Hochzeit und der Ehre der Familie zu dienen haben. Die Unterdrückung der Frauen endet keineswegs mit dem Tag der Hochzeit. Während der Ehe werden die Frauen oftmals wie Sklavinnen gehalten. Sie wechseln in den Haushalt der Familie des Mannes, sind der Schwiegermutter untergeordnet und werden als billige Arbeitskräfte missbraucht. In jeglicher Form werden sie an einer freien Lebensgestaltung gehindert. So können viele Frauen ihre Ausbildung nicht beenden, sie dürfen nicht arbeiten und sind somit auch finanziell von ihrem Ehemann abhängig. Sie werden zu sexuellen Diensten gezwungen und haben keine Entscheidungsfreiheit bezüglich der Anzahl und des Abstands ihrer Schwangerschaften. Auch die Arbeitsgruppe zu zeitgenössischen Formen der Sklaverei der Vereinten Nationen hat Zwangsheirat als moderne Ausprägung von Sklaverei thematisiert. 1 Im Namen der Ehre Arrangierte Ehen sind in vielen Kulturkreisen als traditionelle Form der Eheschließung üblich. Bei der Auswahl des passenden Ehegatten kommt der ganzen Familie im Rahmen einer arrangierten Ehe eine zentrale Rolle zu, das letzte Wort haben jedoch die HeiratskandidatInnen. In der Praxis ist der Übergang zu einer Zwangsehe allerdings oft fließend. Wenn z.b. wirtschaftliche Vorteile oder familiäre Verpflichtungen bei den»eheverhandlungen«eine Rolle spielen, schrumpft der Entscheidungsspielraum der zukünftigen Ehegatten. Die Erfahrungen von Hilfsorganisationen zeigen, dass Mädchen und junge Frauen von der Familie teilweise unter enormen psychischen Druck gesetzt werden, vielfach verbunden mit körperlicher Gewalt. In diesem Fall spricht man von einer Zwangsehe. Die Angst vor dem Verlust der eigenen Identität und Kultur gegenüber der deutschen Gesellschaft sowie die fremdartigen und oftmals als negativ empfundenen Einflüsse auf die jungen Frauen verstärken den Wunsch nach Bewahrung von kulturellen und 13

14 religiösen Traditionen. Der Konflikt ist vorprogrammiert, wenn sich die Töchter nicht an diesen»ehrenkodex«halten. So wurde die 15jährige Nuray in den Sommerferien in der Türkei mit einem 12 Jahre älteren Mann verheiratet, weil die Eltern herausfanden, dass sie einen deutschen Freund hatte. Ein ähnliches Schicksal widerfuhr der Albanerin Behare, die mit 20 Jahren immer noch nicht ans Heiraten dachte und schon allein deshalb verdächtigt wurde, dass mit ihrer Jungfräulichkeit»etwas nicht stimmte«. Als Frauenrechtsorganisation sind wir froh, dass eine lange überfällige Debatte endlich in Politik und Gesellschaft angekommen ist. Die Kampagne»STOPPT Zwangsheirat«, die TERRE DES FEMMES im Jahr 2002 gestartet hat, hat häufig Kritik nach sich gezogen. Gegenwind kam auch aus der Linken, die sich ja traditionell als Anwältin der MigrantInnen sieht, aber auf dem Ohr der Frauenrechtsverletzungen lange Zeit taub zu sein schien. Der Kampf gegen Zwangsheirat wird immer noch als Einmischung in religiöse Traditionen und kulturelle Normen gesehen. Die Wertschätzung kultureller Vielfalt darf aber keinesfalls dazu führen, dass Menschenrechtsverletzungen nicht angeprangert werden. Andererseits haben viele MigrantInnengruppen geleugnet, dass Zwangsheirat in größerem Umfang in Deutschland existiert. Bis zum heutigen Tag haben nur wenige MigrantInnenorganisationen klar gegen Zwangsheirat Stellung bezogen und diese Position auch an ihre Mitglieder kommuniziert. Allerdings werden in den Medien und in der öffentlichen Wahrnehmung Schlagworte wie Zwangsheirat, Ehrenmord, Integration und Islam wild durcheinander gewürfelt. Mit dafür verantwortlich sind auch die politischen AkteurInnen. Statt Maßnahmen zu ergreifen, die den von Zwangsheirat Betroffenen wirklich helfen könnten, wird die Debatte zur Rechtfertigung restriktiver Migrationspolitik genutzt. Mit der Diskussion um Einbürgerungstests für Muslime werden Klischees verstärkt und eine ganze Bevölkerungsgruppe stigmatisiert. Das Gesetzesvorhaben der Bundesregierung, den Ehegattennachzug auf 21 Jahre hoch zu setzen, dient eher dazu, Einwanderung zu begrenzen, als Zwangsehen zu verhindern. Gleichzeitig wird zugelassen, dass anonyme Schutzeinrichtungen für Betroffene wie Wasta und Rabea geschlossen werden. Schweigen aus Angst Die Zahl der hilfesuchenden Mädchen und jungen Frauen in Deutschland steigt. Allein im Jahr 2005 hat TERRE DES FEMMES 191 Fälle von Verbrechen im Namen der Ehre bearbeitet, von denen sich 105 Fälle um drohende oder vollzogene Zwangsheiraten drehten. In 121 Fällen waren bereits konkrete Morddrohungen ausgesprochen worden. Nach einer Umfrage in etwa 200 Einrichtungen aus dem Jugendhilfe- und Migrationsbereich in Berlin gab es im Jahr 2004 allein 300 Fälle, in denen ein Mädchen oder eine junge Frau wegen einer drohenden oder bereits vollzogenen Zwangsheirat eine Beratung gesucht hat. Diese Zahlen dokumentieren allerdings nur die»spitze des Eisbergs«. Viele Betroffene schweigen aus Angst vor den Konsequenzen. Damit ein gewaltfreies und selbstbestimmtes Leben für alle Frauen möglich wird, bedarf es eines massiven Ausbaus präventiver Maßnahmen. Für alle Berufsgruppen, die mit potentiell betroffenen Mädchen und Frauen zusammen arbeiten, müssen bundesweit Fortbildungen angeboten werden. In erster Linie sollte sich dieses Angebot an LehrerInnen, MitarbeiterInnen im Jugendamt, PolizistInnen sowie Ärzte und Ärztinnen richten. Die Arbeit an den Schulen sowohl mit den Jugendlichen als auch mit den Eltern kann dabei helfen, eine andere Vorstellung von Ehre zu entwickeln. Beispielhaft ist die Initiative der Berliner Jugendeinrichtung MaDonna, die in Kooperation mit TERRE DES FEMMES Plakate und Postkarten mit der Aufschrift»Ehre ist für die Freiheit meiner Schwester zu kämpfen!«verteilt. Wichtig ist es aber auch, Frauen wie Serap Cileli oder Fatma Bläser zu unterstützen, die beide gegen ihren Willen verheiratet wurden und heute dafür kämpfen, dass diese frauenverachtenden Traditionen nicht weiter bestehen. Sie haben den Mut aufgebracht, mit ihrer eigenen Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen. Dadurch geben sie jungen Frauen in derselben Situation Selbstvertrauen, sich gegen das ihnen zugedachte Schicksal zu wehren. Ihnen und vielen engagierten Migrantinnen ist es zu verdanken, dass das Problem der Zwangsheirat ins öffentliche Bewusstsein gelangt und damit Auswege möglich gemacht werden. Anmerkung: 1 Report on the Working Group on Contemporary Forms of Slavery, E/CN.4/Sub.2/2005/.39, vom 5. August 2005, S.6 t Rahel Volz ist Mitarbeiterin des Referats»Gewalt im Namen der Ehre«von TERRE DES FEMMES. Zwangsheirat und Islam von Birgit Rommelspacher In Necla Keleks Büchern finden sich erschütternde Geschichten von gewalttätigen Ehemännern und von Schwiegermüttern, die junge»bräute«für ihre Söhne aus der Türkei nach Deutschland»importieren«. Angesichts dieser Gewalt ist ihr Furor berechtigt. Richtig ist auch, dass sich in Deutschland kaum jemand diesem Thema angenommen hat und die Situation so skandalisiert, dass der Gewalt und dem Unrecht entschieden entgegentreten wird. Die Situation der»importierten Bräute«ist katastrophal: Sie kommen oft mit großen Hoffnungen nach Deutschland, wurde ihnen doch vielfach ein luxuriöses Leben versprochen. Hier sind sie völlig fremd, der Sprache nicht mächtig und ganz auf ihre neue Familie angewiesen. Diese nutzt vielfach ihre Unkenntnis und Hilflosigkeit und lässt sie alle niederen Arbeiten verrichten. Oft werden sie, wie auch eine Untersuchung von Ahmet Toprak bestätigt, bereits»präventiv«geschlagen, damit sie nicht auf»dumme«gedanken kommen und sich dem Willen ihres Mannes und dem der Schwiegermutter widersetzen. Diese jungen Frauen sind praktisch rechtlos, weil sie sich nirgendwo Unterstützung zu verschaffen wissen. Sie haben keine sozialen Netze und der Zugang zu professioneller Hilfe ist ihnen verstellt. Sie sind, wie Kelek meint, Sklavinnen der Familie, zumindest bis sie einen Sohn zu Welt bringen. Die Ursachen dafür liegen für Kelek im Islam. Dabei stellt sie apodiktisch»den«islam»der«arrangierte Ehen sind weniger eine Frage der Religion deutschen/westlichen Kultur und»dem«christentum gegenüber. So erklärt sie, dass»das Alte Testament wie der Koran nur Geschichten von Blut und Gewalt«erzähle, während»das Neue Testament eine Botschaft der Liebe und Hoffnung«sei. Die altbekannten Polarisierungen zwischen dem Christentum als Liebesreligion gegenüber einem patriarchalen, gewalttätigen Judentum werden nun ergänzt durch die Gegenüberstellung von Christentum und Islam. Dabei werden die positivsten Aspekte der einen Seite den negativsten der anderen gegenübergestellt. Religion bzw. Kultur wird hier als die gesamte Gesellschaft prägend verstanden und diese zu einer weitgehend 14

15 Zwangsheirat homogenen Einheit stilisiert. In dieser polarisierten Sichtweise steht dem liberalen»modell Deutschland«das rückständige»modell Medina«unversöhnlich gegenüber. Kulturalistische Brille Deutschland wird so zum Ort der Erlösung. Allerdings mit einem Makel behaftet, nämlich zu tolerant zu sein. Die Deutschen, so weiß sie zu berichten, leiden an einem Schuldkomplex und sehen in jedem Türken einen potentiellen Juden. Sie versteigt sich zu der gewagten Hypothese, dass junge Frauen in Deutschland deshalb ein Kopftuch anlegen würden, weil sie spürten, dass»die deutsche Gesellschaft gerade denen fürsorglichen Schutz gewährt, die sich als besonders anders geben, weil die Deutschen diese immer wieder als Bewährungsprobe für ihre eigene Toleranz missverstehen«. Kein Wunder, dass ein Politiker wie Otto Schily, der die Einwanderungspolitik weitgehend auf repressive Maßnahmen reduzierte, von Keleks Thesen begeistert ist und ihr Buch jedermann zur Lektüre empfiehlt. Jenseits solch kulturalistischer»analysen«stellt sich jedoch in der Tat die Frage, was die Ursachen für die katastrophale Situation eines Teils der jungen Heiratsmigrantinnen aus der Türkei sein können. Dabei ist die Lebenssituation der Betroffenen auf dem Hintergrund des gesamtgesellschaftlichen Kontextes und den hier wirksamen Machtverhältnissen zu analysieren: So spielt zum einen sicherlich die Migrationssituation eine Rolle. Diese evoziert häufig Retraditionalisierungstendenzen, wenn Einstellungs- und Verhaltensmuster, die für den Kontext im Herkunftsland adäquat gewesen sein mögen, ihre Plausibilität in dem neuen Zusammenhang verlieren. Die damit ausgelöste Verunsicherung wird durch eine forcierte Identifikation mit traditionellen Normen abzuwehren versucht. Das gilt auch für den häufig erlittenen Statusverlust durch die Migration. Insofern kann der besondere Wert, der auf die»ehre«in diesen Migrantenfamilien gelegt wird, zumindest teilweise auch mit diesen Umstrukturierungs- und Entwertungserfahrungen erklärt werden. So berichtet etwa Lale Agkün von einer Untersuchung aus der Türkei, in der festgestellt wurde, dass»ehrenmorde«vor allem in den Familien gehäuft vorkommen, die aus ländlichen Gebieten nach Istanbul oder Ankara migriert sind. Im Falle der türkischen MigrantInnen nach Deutschland geht es jedoch nicht nur um den Wechsel von einer ländlich traditionalen Kultur in die Stadt, sondern auch in ein fremdes Land. Das kann auf Seiten der Eltern zu massiven Autoritätsverlusten führen mit der Folge, dass sie sich auf eine Macht zurückziehen, die auch den Machtlosen offen steht, als Ausdruck bestimmter Lebensverhältnisse nämlich einer sozialmoralischen Überlegenheit der fremden Gesellschaft gegenüber. Die unbedingte Loyalität der Familie gegenüber, die hier eingefordert wird, kann jedoch nicht nur als Re-Traditionalisierung, sondern auch als eine funktionale Reaktion auf die Migrationssituation verstanden werden. Die Forcierung familialer Normen werden dann dringend notwendig, wenn die Familienmitglieder existentiell aufeinander angewiesen sind und z.b. Kinder zeitweise bei Verwandten untergebracht werden müssen. TERRE DES FEMMES-Kampagne»STOPPT Zwangsheirat«Zwangsassimilation statt Integration Nun könnte man auch der Argumentation folgen, dass es auch kulturelle (oder religionsspezifische) Gründe gibt, die die Menschen so inadäquat reagieren lassen. Allerdings ist die arrangierte Ehe oder Zwangsehe keineswegs islamspezifisch, denn diese gibt es auch in Indien und China genauso wie es sie in Teilen des christlich geprägten Europa gab. Arrangierte Ehen sind somit weniger eine Frage der Religion als Ausdruck von bestimmten Lebensverhältnissen. So ist sie heute vor allem da verbreitet, wo die soziale Sicherung auf dem Familienverband und nicht auf staatlichen Versorgungseinrichtungen beruht. Auch wenn in der Tradition des Islam kollektivistische Werte gegenüber individualistischen vorherrschen, heißt das nicht, dass der Islam nicht auch auf diese Entwicklungen reagiert, wie dies verschiedene Richtungen innerhalb des Islam zeigen. Schließlich spielen, über die migrationsspezifischen und kulturellen Gründe hinaus, auch soziale Gründe eine wesentliche Rolle. Man darf nicht vergessen, dass die MigrantInnen häufig bitterster Armut entflohen sind und auch hier unter sehr deprivierten Verhältnissen leben. Unter diesem Gesichtpunkt erscheint die arrangierte Ehe in einem anderen Licht: So ist nach Toprak die ökonomische Absicherung der Kinder den Eltern viel wichtiger als eine romantische Liebe. Kelek hingegen geht es nicht um eine Analyse verschiedener Einflussfaktoren. Auch wenn sie einräumen muss, dass Zwangsehen nicht repräsentativ für türkische Ehen sind, ist nach ihrer Auffassung die»sklavenhaltermentalität der Schwiegermütter und die Sklavenmentalität der Kinder in den türkisch-muslimischen Familien, Willkür wie Fatalismus gegenüber dem eigenen Schicksal durch jahrhundertealte Übung tief verwurzelt«. Vor diesem Hintergrund sind auch die Forderungen Keleks kritisch zu betrachten: Zweifellos ist das geltende Verbot von Zwangsheirat durchzusetzen. Warum aber gleich das Nachzugsalter von Ehegatten auf 24 Jahre hochsetzen, wie Kelek empfiehlt? Auch sind Sprach- und Integrationskurse für neu Eingewanderte sicherlich wichtig. Ebenso sind Beratungsangebote dringend notwendig. Wenn die Kurse und Beratungen allerdings auf Keleks Thesen ausgerichtet werden, dann werden sie auf eine Zwangsassimilation hinauslaufen. Literatur: Kelek, Necla (2006, 8. Aufl.): Die fremde Braut. Ein Bericht aus dem Inneren des türkischen Lebens in Deutschland. Köln, Kiepenheuer und Witsch Kelek, Necla (2006): Die verlorenen Söhne. Plädoyer für die Befreiung des türkisch-muslimischen Mannes. Köln, Kiepenheuer und Witsch Toprak, Ahmet (2005): Das schwache Geschlecht die türkischen Männer. Zwangsheirat, häusliche Gewalt, Doppelmoral der Ehre. Freiburg, Lambertus t Birgit Rommelspacher ist Professorin für Psychologie mit dem Schwerpunkt Interkulturalität und Geschlechterstudien an der Alice Salomon Hochschule Berlin. Zuletzt veröffentlichte sie:»der Hass hat uns geeint Junge Rechtsextreme und ihr Ausstieg aus der Szene«. Frankfurt, Campus

16 Lange galt Zwangsarbeit als Phänomen totalitärer Staaten. Heute sind es meist private Akteure, die menschliche Arbeitskraft oder Sexualität gewaltsam ausbeuten. Weil Menschenhandel häufig über Grenzen hinweg und an staatlichen Strukturen vorbei stattfindet, wächst die Bedeutung international tätiger Organisationen im Kampf gegen die Zwangsarbeit wie der International Labour Organization (ILO) und der International Organization for Migration (IOM). Gefangen in den Verhältnissen Internationale Organisationen im Kampf gegen Zwangsarbeit von Sascha Klemz Laut Präambel will die ILO (siehe Kasten) durch mehr soziale Gerechtigkeit den Weltfrieden sichern. Zahlreiche Abkommen, Versammlungen, Berichte und Sonderprogramme der ILO richten sich gegen Zwangsarbeit und Sklaverei. Als internationale Organisation ist sie dabei auf den Umsetzungswillen und die entsprechende Kompetenz ihrer Mitgliedsstaaten angewiesen. Direkte Kontrollund Sanktionsmechanismen stehen der ILO nicht zur Verfügung. In ihren Studien stellt die ILO fest, dass Zwangsarbeit ein Phänomen sei, das in nahezu allen Ländern und in allen Arten von Volkswirtschaften auftrete und kontinuierlichem Wandel unterliege. Dabei bildeten die oft ungenau definierte Rechtslage und die seltene strafrechtliche Verfolgung der TäterInnen einen Teufelskreis, in dem mangelnde Strafverfolgung und fehlendes Problembewusstsein sich gegenseitig bedingen. Doch der ILO geht es nicht nur um die Bestrafung der TäterInnen und den Schutz der Opfer, sie will auch strukturelle Ursachen von Zwangsarbeit und Sklaverei beseitigen. Um ihre Ziele zu erreichen, ist die ILO seit 2001 vor allem in drei Bereichen aktiv. Erstens verfasst sie Berichte und Analysen, um das Problem der Zwangsarbeit zu quantifizieren und zu bewerten. Damit soll eine kritische Öffentlichkeit geschaffen werden, die zivilgesellschaftlichen Druck auf Staaten ausüben oder über Konsumverhalten versuchen kann, Unternehmenspolitik zu beeinflussen. Diverse Kampagnen der ILO unterstützen diese Öffentlichkeitsarbeit. In Europa kooperiert sie mit Fernsehsendern (BBC, Arte) und produziert eigene Filme über Menschenhandel in Osteuropa. Ende 2004 hat sie gemeinsam mit dem israelischen Gewerkschaftverband eine Kampagne zur Aufklärung chinesischer ArbeitsmigrantInnen in Israel begonnen, über deren Arbeitsrechte, ihren Rechtsstatus und die vorhandenen lokalen Unterstützungsmöglichkeiten. In Pakistan, Nepal und Indien unterstützt die ILO Gewerkschaftsseminare, fördert Radiosendungen und Straßentheater. Zur Öffentlichkeitsarbeit der ILO gehört auch, den Widerstand gegen solche Kampagnen durch diejenigen zu dokumentieren, die von der Zwangsarbeit profitieren. Zweitens soll durch die Zusammenarbeit mit staatlichen, zwischenstaatlichen oder internationalen Foren und Organisationen wie UN, EU, Europol oder OSZE-Arbeitsgruppen die (inter-)nationale Umsetzung von ILO-Normen verbessert werden. Der dritte Arbeitsbereich der ILO erstreckt sich auf direkte Maßnahmen wie z.b. Mikrokredite gegen Schuldknechtschaft. An deren Planung und Durchführung sollen lokale Gruppen beteiligt werden. Vor allem in Indien, Pakistan, Nepal und Bangladesh werden»sozialorientierte Finanzdienstleistungen«erprobt, die besonders Der Kampf gegen Zwangsarbeit richtet sich nicht selten gegen Flüchtlinge gefährdeten Gruppen den Zugang zu neuen Geldquellen erschließen sollen. Ziel ist zum einen, die Abhängigkeit der ArbeiterInnen von Lohnvorschüssen zu verringern, zum anderen soll die Rehabilitation ehemaliger SchuldarbeiterInnen erleichtert werden. In Nepal, wo das Schuldarbeitssystem gesetzlich abgeschafft ist, führt die ILO ein Projekt zur Beseitigung der Schuldknechtschaft durch, indem es ehemalige kamaiya- Familien beim Aufbau von Kleinstbetrieben unterstützt und über ihre Rechte aufgeklärt. Im indischen Tamil Nadu unterstützt ein ILO- Projekt mehr als Familien, die vorwiegend zur Kaste der Unberührbaren zählen, sowie ca Frauengruppen. In Kooperation mit der Gewerkschaft UNIFRONT konnte eine 75prozentige Erhöhung der Tageslöhne für Landarbeiterinnen durchgesetzt werden. Ausgrenzung statt Unterstützung Einen gänzlich anderen Ansatz verfolgt die IOM. Obwohl deren eigentliche Aufgabe wie der Name»International Organisation for Migration«deutlich macht in der Regulierung von Migration besteht, hat auch sie sich den Kampf gegen Zwangsarbeit auf ihre Fahne geschrieben. Im Fokus stehen dabei illegalisierte Arbeitmigration und Menschenhandel. Die IOM arbeitet eng mit ihren Mitgliedsstaaten zusammen. Im Rahmen dieser Kooperation leistet die IOM Politikberatung, sie erfasst und dokumentiert»migrations- 16

17 ILO & IOM Die Grenzen zwischen (Selbst-)Ausbeutung und Sklaverei verschwimmen ströme«, bildet Grenz- und PolizeibeamtInnen aus, hilft bei der Verhinderung so genannter illegaler Migration und fördert die Zusammenarbeit aller Mitgliedstaaten bei der Migrationskontrolle. KritikerInnen sehen die IOM weniger als eigenständige internationale Organisation, sondern als Erfüllungsgehilfin repressiver Migrationsregimes, nicht zuletzt wegen ihrer Unterscheidung von ökonomisch nützlichen und unnützen, von legalen und illegalen MigrantInnen. Beispiele für die Arbeit der IOM sind die Unterstützung bei der technologischen Aufrüstung der Grenzen der Ukraine und der baltischen Staaten, die Abwehr von Bootsflüchtlingen vor Australien und ihre Unterbringung in Flüchtlingslagern sowie die Unterstützung der britischen Regierung bei der»freiwilligen und unfreiwilligen Rückführung«von AsylbewerberInnen. So bekamen Anfang Menschen (darunter ca Flüchtlinge aus Irak und Afghanistan) Post von der britischen Regierung, die ihnen anbot, gegen eine Zahlung von Pfund bis zum 30. Juni 2006 in ihr Herkunftsland zurückzukehren. Flüge und Rückkehrerprogramme im jeweiligen Land, die von NGOs durchgeführt werden, organisiert die IOM. Obwohl die IOM davon spricht, dass der Schutz der Opfer und die Bekämpfung der Fluchtursachen als wichtigste Maßnahme gegen Menschenhandel anzusehen seien, handelt sie in der Praxis selten nach diesen Vorgaben. Eine auf»krisenmanagement«beschränkte Armutsbekämpfung, stärkere Grenzkontrollen, das Betreiben von Auffanglagern und die»hilfe bei der Rückkehr«dienen wohl kaum den Interessen der MigrantInnen, die Opfer von Zwangsarbeit werden. Alles nur Marktversagen Das Thema Zwangsarbeit macht grundlegende Probleme bei der Durchsetzung der Menschenrechte auf internationaler Ebene deutlich. Internationale Organisationen wie die ILO befinden sich im Spannungsfeld zwischen internationalen Abkommen und der globalen Ökonomie, zwischen konkurrierenden Nationalstaaten und der Zivilgesellschaft. Da sie jedoch nur über begrenzte Mittel und Kapazitäten verfügen und selbst keine administrativen Aufgaben übernehmen, versuchen sie, dieselben Nationalstaaten zur Unterzeichnung und Einhaltung von Abkommen zu bewegen, die als Wettbewerbsstaaten für den reibungslosen Ablauf kapitalistischer Wirtschaftstätigkeit und für die Durchsetzung staatlicher Migrationspolitik zu sorgen haben. Der Druck, (Arbeits-)Kosten durch jedes verfügbare Mittel zu senken, erhöht jedoch die Wahrscheinlichkeit, dass Zwangsmittel eingesetzt werden. Zusätzlich verschwimmen mit der Deregulierung der Arbeitsmärkte formelle und informelle Wirtschaft. Je größer und unübersichtlicher der informelle Sektor wird, desto schwieriger lassen sich Scheinselbstständigkeit, Arbeitsausbeutung und Sklaverei unterscheiden und kontrollieren. Je seltener»echte«arbeitsverträge werden, desto leichter wird es, Arbeitsgesetze zu umgehen. Dies erzeugt einen nur schwer lösbaren Widerspruch. Einerseits benötigt die ILO die Nationalstaaten zur Umsetzung von Gesetzen und zum Abschluss internationaler Abkommen wie dem NAALC (North American Agreement on Labor Cooperation, ein Zusatzabkommen zur NAFTA, das Arbeitsbedingungen in Handelsfragen einschließt). Andererseits ist es gerade der nationale Wettbewerbsstaat, der im Zuge seiner Standortpolitik die Deregulierung des Arbeitsmarktes vorantreibt oder repressive Migrationsregime errichtet. Doch nicht nur die widersprüchlichen Interessen unterschiedlicher staatlicher Strukturen stehen dem internationalen Kampf gegen Zwangsarbeit im Wege. Auch eine internationale Organisation wie die IOM verfolgt gegensätzliche Ziele und blockiert mit ihrer Zielsetzung alle Ansätze zum Schutz vor Zwangsarbeit und Sklaverei. Wo Rechte gefordert sind, bietet die IOM Hilfestellung bei der Kontrolle von Flüchtlingsströmen sowie bei der Abschiebung in die Herkunftsländer. In der Logik von ILO und IOM sind Widersprüche innerhalb von Staaten und zwischen internationalen Organisationen vermeidbare Fehlfunktionen eines prinzipiell funktionierenden kapitalistischen Systems. Zwar verfolgen beide Organisationen tatsächlich unterschiedliche und sich entgegen stehende Ziele, beiden Organisationen gemein ist aber, dass sie Zwangsarbeit lediglich als»marktversagen«in einer globalen Marktwirtschaft sehen, deren Regulierung nicht ausreichend funktioniert. Dass Zwangsarbeit das Ende einer Entwicklung sein könnte, die Arbeitskraft immer billiger macht, dass also die Strukturen des globalen Kapitalismus (mit-)verantwortlich sein könnten für die neue Sklaverei, spielt bei beiden Organisationen keine Rolle. t Sascha Klemz ist Politikwissenschaftler und lebt in Freiburg Die ILO Die ILO (International Labour Organisation) ist die älteste derzeit bestehende internationale Organisation. Sie wurde 1919 gegründet und ist seit 1946 eine Sonderorganisation der UN. Die ILO legt mit Hilfe ihrer»übereinkommen«internationale Arbeitsund Sozialnormen fest, welche von einzelnen Staaten ratifiziert werden können. So entsteht so etwas wie ein internationales Arbeitsgesetzbuch. Momentan sind 178 Staaten Mitglied der ILO. Sie entsenden jeweils 4 Vertreter (2 von der Regierung, 1 von Arbeitgeberverbänden, 1 von Gewerkschaften) in die Vollversammlung der ILO, die internationale Arbeitskonferenz. Seit ihrer Gründung hat sich ILO in unterschiedlicher Art und Weise mit Zwangsarbeit und Sklaverei beschäftigt. Der Kampf gegen Zwangsarbeit findet seinen Niederschlag vor allem in den ILO-Übereinkommen 29 und 105, die Teil der sogenannten ILO-Kernarbeitsnormen sind und von 168 bzw. 165 Staaten ratifiziert wurden. In jüngerer Zeit widmet sich die ILO»neuen«Formen der Zwangsarbeit und deren Zusammenhang mit der Globalisierung. Unter dem Begriff Zwangsarbeit fasst die ILO folgende Phänomene zusammen: 1. vom Staat auferlegte Zwangsarbeit: Darunter fällt Zwangsarbeit, die vom Militär auferlegt wurde, Teilnahmepflicht an öffentlichen Arbeiten oder Zwangsarbeit in (öffentlichen oder privatisierten) Gefängnissen und Zwangsarbeitslagern; 2. durch private Akteure auferlegte Zwangsarbeit zur kommerziellen sexuellen Ausbeutung; 3. von privaten Akteuren auferlegte Zwangsarbeit zur Ausbeutung der Arbeitskraft: z.b. Schuldarbeit, Zwangsarbeit im Haushalt, in der Landwirtschaft usw. Außerdem unterscheidet die ILO»gehandelte«und»nicht gehandelte«zwangsarbeiterinnen. Die IOM Die IOM (International Organisation for Migration) trägt ihren Namen seit 1989 und hat die Aufgabe, Migration zu»kontrollieren und zu managen«. Der IOM gehören zur Zeit 112 Staaten als Mitglieder an, weitere 23 Staaten und 63 nicht-staatliche Organisationen haben Beobachterstatus. Damit ist die IOM eine klassische zwischenstaatliche Organisation, die die Interessen ihrer Mitgliedsstaaten vertritt, indem sie Migrations- und Social-Engineering betreibt. Zu den Aufgaben der IOM gehört vor allem die Vermittlung und Organisation legaler internationaler (Arbeits-)Migration sowie die Bekämpfung so genannter illegaler Migration. Die IOM unterscheidet zwischen»smuggling«(illegale Migration mit Zustimmung der MigrantInnen) und»trafficking«(menschenhandel). Menschenhandel findet ohne Zustimmung der Betroffenen oder unter der Vortäuschung falscher Tatsachen statt. 17

18 Indien An die Armut gebunden Das System der bonded labour in Indien Millionen Menschen in Indien arbeiten unter Verhältnissen, die mit einer freien Wahl des Arbeitsplatzes wenig zu tun haben. Oft, aber nicht immer ist es die Schuldknechtschaft, welche die ArbeiterInnen an Kreditgeber oder andere Profiteure fesselt. In vielen Fällen ist bonded labour auch eine Frage des Geschlechtes und der Stellung im Kastensystem. von Tamara Enhuber Bonded labour hat in Indien viele Gesichter. Etwa das von Vikram, der seit sechzehn Jahren wegen der Aufnahme eines Kredits für den Kauf eines Medikaments für seine schwerkranke Tochter an einen Grundbesitzer gebunden ist. Zusammen mit seiner Frau und einem Sohn bestellt er den Acker, ein weiterer Sohn hütet das Vieh, das jüngste Mädchen verrichtet Arbeiten im Haus des Masters. Der Tageslohn besteht aus drei Schalen minderwertigem Getreide. Um die Mitgift für seine älteste Tochter bezahlen zu können, wird Vikram einen neuen Kredit aufnehmen und darauf verzichten müssen, auf absehbare Zeit der bondage zu entkommen. Yellamma, ein junges Mädchen aus Südindien, wurde wie schon ihre Mutter vor ihr in einer Zeremonie mit der Dorfgottheit vermählt und zur Devadasi geweiht. Sie muss sich nun um den Tempel kümmern und die sexuellen Bedürfnisse der einflussreichen Männer des Ortes befriedigen, bis sie durch ein neues Mädchen ersetzt und an ein Bordell versteigert wird. Yekhuvi, 40, Angehöriger der Sema, ist seit seiner Geburt in bondage, wie bereits seine Eltern und Großeltern. Als Ausgleich für den Schutz durch das Stammesoberhaupt muss seine Familie sechs Monate im Jahr freie Arbeit auf dessen Feldern leisten, sowie die größten Jagdfänge und den besten Teil der eigenen Ernte an ihn abtreten. Obwohl Yekhuvis Kinder die Schule besucht haben, werden auch sie innerhalb der Sema weiterhin als Sklaven identifiziert. Eigentlich nicht existent 1976 wurde bonded labour in Indien gesetzlich abgeschafft. Dennoch leben noch heute je nach Schätzung 15 bis 40 Millionen Menschen in bondage: in der Landwirtschaft, in Steinbrüchen und Ziegeleien, in der Fischerei und Forstwirtschaft, auf Zuckerrohr- und Teeplantagen, in der Teppich- und Textilindustrie, in der Bau- und Hotelbranche, in Hafenanlagen, in Bordellen, ja selbst in manchen Armut und Verschuldung zwingen viele zur bonded labour Staatsbetrieben und Tempeln. Vieles spricht dafür, dass die Tendenz nach oben geht, denn besonders in der Landbevölkerung kommt es zu einem drastischen Anstieg der unter die Armutsgrenze fallenden Personen und der Verschuldung. Für bonded labour gibt es in der deutschen Sprache keinen adäquaten Begriff. Ein/e bonded labourer ist auf der Grundlage eines Zwangssystems an einen bestimmten Arbeitgeber, in der Regel auch an einen festen Ort gebunden. Vereinfacht dargestellt sind es zwei Wege, die in bondage führen: Entweder verlangen Brauchtum oder soziale Verpflichtungen, dass eine Person aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu den Kastenlosen (Dalit) oder den Adivasi (indigene Bevölkerung) bestimmte Arbeitsleistungen gegenüber anderen Mitgliedern der Dorfgemeinschaft zu erbringen hat. Oder es ist die Inanspruchnahme eines Kredits, eines Stückchens Land oder einer anderen Vorleistung von GrundbesitzerInnen oder BetriebsinhaberInnen, die eine Person und in vielen Fällen auch ihre Familienangehörigen zwingt, für den Kreditgeber unentgeltlich oder für minimale Entlohnung zu arbeiten ( Schuldknechtschaft ). Selbst wenn bonded labourers an einem anderen Arbeitsplatz ein höheres Einkommen oder auf dem Markt bessere Preise für ihre Produkte erzielen könnten, was ihnen erlauben würde, die Kredite schneller abzubezahlen, sind sie verpflichtet, bei ihren KreditgeberInnen zu bleiben. Diese haben kein Interesse an einer schnellen Rückzahlung, da die Schuld sie mit billigster Arbeitskraft und Prestige ausstattet. Das Ende des meist auf unbestimmte Dauer eingegangenen Beschäftigungsverhältnisses wird oft durch Wucherzinsen und Betrug hinausgezögert. Nicht wenige ArbeiterInnen leben Jahrzehnte in bondage und reichen diese von Generation zu Generation weiter. In den meisten Fällen beschränkt sich das System der bonded labour nicht auf ökonomische Ausbeutung: die ArbeiterInnen und ihre Familien werden häufig gesundheitlichen Risiken, Unfällen und Mangelernährung ausgesetzt. Nicht selten werden sie bis in ihr Privatleben hinein kontrolliert und schikaniert, misshandelt, sexuell missbraucht, ihrer zivilen und politischen Rechte beraubt und als Stimmvieh benutzt. Frei ohne Freiheit Bondage ist eng verknüpft mit Armut und mit sozialen Traditionen, die auf einer extrem hierarchisierten Gesellschaft basieren. Zu letzterem tragen das Kastensystem und die damit verbundene Arbeitsteilung bei, verknüpft mit ungleichem Zugang zu Land, Eigentum oder Bildung. Durch hohe Arbeitslosigkeit, einen informellen Arbeitsmarkt, häufig semi-feudalen Agrarbeziehungen, der ansteigenden Migration zwischen den Bundesstaaten, machtvollen religiösen Glaubenskonzepten und sozialen Bräuchen wie z.b. hohe Ausgaben für Mitgift und Zeremonien verstärken sich Armut, Bondage und hierarchische Gesellschaft wechselseitig. Dies erklärt, warum immer wieder Millionen von Menschen in bondage geraten und die Mehrheit der Befreiten schnell in bondage zurückfällt. Indische NROs kritisieren, dass es teils aufgrund einer Schwerpunktverlagerung von 18

19 Foto: Tragni/tamtam/ROPI Armutsbekämpfung zu neoliberaler Wirtschaftsagenda, teils aufgrund der Interessenkoalitionen von PolitikerInnen und GrundbesitzerInnen keinen politischen Willen (mehr) gibt, bonded labour abzuschaffen. Nach dem Wirken einer Generation sozial engagierter BeamtInnen des Indian Administrative Service in den 1970er und 80er Jahren sind heute nur vereinzelte, voneinander isolierte Bemühungen einiger DistriktbeamtInnen festzustellen. So werden in den meisten Fällen die Gesetze und Programme gegen bonded labour nicht oder nur unzureichend umgesetzt. Doch selbst bei vorschriftsgemäßer Implementierung ist die ökonomische und soziale Integration sowie psychische Unterstützung der ehemaligen bonded labourers nicht gewährleistet. Oft hat dies die paradoxe Folge, dass Menschen befreit werden, ohne dass ihnen andere Möglichkeiten der Existenzsicherung zur Verfügung stehen. In Gewerkschaften, Dalit-Netzwerken oder anderen Teilen der Zivilgesellschaft ist bonded labour kaum Thema. Dies dürfte unter anderem darauf zurückzuführen sein, dass erstere andere soziale Gruppen vertreten und unterschiedliche Ziele verfolgen, und dass in Indien kein gesellschaftliches oder religiöses Konzept individueller Rechte existiert. Jedoch haben sich seit den 1970er Jahren regionale NGOs und lokale soziale Bewegungen gegen bonded labour herausgebildet. Deren Strategien umfassen spektakuläre (Befreiungs-)Aktionen, die Einreichung von Serienklagen und Petitionen, Training von ehemaligen bonded labourers, Aufbau von Mikro-Kredit-Gruppen und vorsichtige Bewusstseinsbildung von Distriktbehörden, Polizei und bonded labour- ArbeitgeberInnen. Andere NGOs wiederum arbeiten mit einem integrativen Ansatz zu Fragen der Dorfentwicklung, Landverteilung, Bildung und politischer Partizipation der unteren Kasten. Kein Vertrauen in den Staat Die Organisierung von bonded labourers ist äußerst schwierig. Von den Betroffenen wird oft nicht bonded labour als Hauptproblem gesehen, sondern die prekäre Sicherung des Lebensunterhalts. Etliche bonded labourers betrachten ihre Situation als selbst verursacht ( Karma ) und deren Durchleben als ihre Aufgabe ( Dharma ). Der unter ihnen verbreitete Analphabetismus erschwert ihnen den Zugang zu Informationen über Rechte, Regierungsprogramme oder Organisationen. Bonded labourers fühlen sich oft moralisch verpflichtet, den Kredit zurückzuzahlen oder abzuarbeiten, oder sind angesichts einer ungewissen Zukunft zur Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber gezwungen. Die allgegenwärtigen Erfahrungen von Machtlosigkeit sowie Angst vor möglichen Konsequenzen wie Gewalt und totale Boykottierung schmälern ebenfalls die Chance auf Widerstand. Bonded labourers und NROs werden immer wieder von ArbeitgeberInnen und deren Schlägergruppen bedroht und tätlich angegriffen. Nicht zuletzt mangelt es bonded labourers an Vertrauen in die Unterstützung durch StaatsbeamtInnen. Von den NutznießerInnen des bonded labour-systems ist kein freiwilliger Rückzug zu erwarten, und an Druck fehlt es: in den über hunderttausend offiziell dokumentierten Fällen von bondage wurde bislang nur eine einzige (!) Strafe ausgesprochen. Dreißig Jahre nach der Verabschiedung des Gesetzes gegen bonded labour bleiben also große Aufgaben für die indische Regierung. t Tamara Enhuber ist Soziologin und assoziiert an das Südasien-Institut Heidelberg. Sie promoviert im Rahmen des Graduiertenkollegs Sklaverei Knechtschaft und Frondienst Zwangsarbeit der Universität Trier. 19

20 Der Preis, eine Frau zu sein In nordindischen Dörfern floriert der Handel mit Sklavinnen von Justin Huggler Triplas Kindheit und Jugend war nicht leicht gewesen, dafür war die Armut in ihrem Dorf zu groß. Doch immerhin lebte sie bei ihren Eltern und konnte ihre Freundinnen treffen. Als sie 18 wurde, änderte sich ihre Situation grundlegend. Für umgerechnet 250 Euro verkauften ihre Eltern Tripla an einen Mann, der nach einer Ehefrau Ausschau hielt. Er nahm sie quer durch Indien mit sich in sein Dorf nahe Delhi. Ihr Zuhause sah sie seither nie wieder. Sechs Monate lang lebte Tripla mit dem Mann zusammen, obwohl sie nicht formal mit ihm verheiratet war. Dann wollte ihr Ehemann sie zwingen, mit seinem Bruder zu schlafen, weil dieser keine Ehefrau finden konnte. Tripla weigerte sich, woraufhin ihr Mann sie auf ein Feld brachte und mit einer Sichel köpfte. Als Rishi Kant, ein indischer Menschenrechtsaktivist, Triplas Eltern im Bundesstaat Jharkhand aufspürte und ihnen die Nachricht vom Tode ihrer Tochter überbrachte, brach die Mutter in Tränen aus.»was hätten wir anderes tun können?«, klagte sie.»wir sind so arm, dass wir keine andere Wahl hatten, als Tripla zu verkaufen.«obwohl Tripla erst als junge Erwachsene starb, ist sie ein Opfer der in Indien weit verbreiteten Praxis, weibliche Föten abzutreiben, weil die Eltern nur männliche Nachkommen wollen. In den Dörfern des Bundesstaates Haryana rund um Delhi ist es durch diese selektiven Abtreibungen zu einem eklatanten Frauenmangel gekommen. Weil sie vor Ort keine Partnerinnen finden, kaufen die Männer nun Frauen aus den ärmeren Regionen Indiens. Nur 40 Kilometer entfernt von den glitzernden Shopping Malls der Hauptstadt Delhi sind Sklavinnenmärkte entstanden, die im lokalen Slang»Baros«genannt werden. Jeder in den Dörfern ist über die aktuelle Preisentwicklung informiert. Die Preise beginnen bei Rupien (ca. 60 Euro) und reichen bis Rupien, wenn eine Frau als besonders schön gilt. Hautfarbe, Alter und Jungfräulichkeit bestimmen ebenfalls über den Preis. Wie eine Ware Viele indische Eltern sehen ihre Töchter als große finanzielle Belastung an. Um Töchter verheiraten zu können, müssen sie eine große Mitgift aufbringen, während Söhne im Falle ihrer Hochzeit Geld in die Familie bringen und darüber hinaus auch bessere berufliche Perspektiven haben. Der indische Staat ist derzeit bemüht, die Praxis des weiblichen Fötizids zu unterbinden. Ende März 2006 wurde erstmalig ein Arzt zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, weil er einer Schwangeren unerlaubterweise das Geschlecht ihres ungeborenen Kindes verraten hatte. Doch in Haryanas Dörfern ist der Frauenmangel längst zum Problem geworden. Als die Polizei Triplas Ehemann verhaftete, konnte er keine Heiratsurkunde vorlegen. In den meisten Fällen sind die gekauften Frauen lediglich in sexueller Hinsicht Bräute. Nicht selten teilen sich Verwandte, die sich keine eigene Frau leisten können, eine Braut. Auch der Weiterverkauf von Bräuten ist verbreitet, vor allem wenn die Männer sich aufgrund deren Schönheit ein gutes Geschäft davon versprechen. Wie etwa im Falle von Munnia: Sie wurde von ihren Eltern verkauft, als sie gerade erst 17 war. Innerhalb weniger Wochen wurde sie dreimal weiterverkauft. Munnia kam ebenfalls aus Jharkhand, doch im Gegensatz zu Tripla hatte sie Glück: Sie konnte fliehen. Heute lebt sie in einem staatlichen Frauenhaus. Als Munnia ihre Geschichte erzählt, bricht sie mehrfach in Tränen aus.»mein Vater verkaufte mich an einen Mann namens Dharma. Ob und wie viel er für mich bezahlte, weiß ich nicht. Meine Mutter brachte mich nach Delhi, und dann nahm mich Dharma mit zu seinem Dorf. Er schlug mich immer wieder, bis ich ihn mit mir schlafen ließ. Er brauchte meistens über eine halbe Stunde.«Nach nur 20 Tagen verkaufte Dharma sie an einen Mann aus Haryana. Doch bald merkte Munnia, dass der neue Mann sie ebenfalls weiterverkaufen wollte. Da flüchtete sie. Munnia wurde bei ihrer Flucht von einem Sozialarbeiter unterstützt. Damit hatte sie großes Glück, denn die meisten Frauen, die aus den Dörfern flüchten wollen, überleben dies nicht. Munnia ist von ihren Erlebnissen tief traumatisiert. Wenn sie spricht, spielt sie ständig nervös mit ihrem Schal. Als wir sie fragen, ob sie zurück nach Hause will, antwortet sie:»ich weiß nicht. Ich habe keinen Willen und keine Hoffnung mehr in dieser Welt.«Überfüllte Frauenhäuser... In Dörfern wie Ghasera, aus dem Munnia flüchtete, sind hunderte Frauen in ähnlichen Sklavinnen-Ehen gefangen. Obwohl der Ort nahe bei Delhi liegt, ist er doch eine ganze Welt davon entfernt. Ghasera ist von einer Mauer umgeben, wie ein Jahrhunderte altes Fort, und Zugang gibt es nur durch ein kleines Tor. Die Straßen sind schmutzig und die Häuser baufällig. Die DorfbewohnerInnen machen einen feindseligen Eindruck. Fremde werden sofort von einer misstrauischen Menge eingekreist. Selbst die Polizei riskiert es nicht, unbewaffnet in diese Dörfer zu kommen. BeamtInnen, die versucht hatten, Bräute zu befreien, wurden angegriffen und ihre Dienstfahrzeuge angezündet. Anwari war ebenfalls von Jharkhand nach Ghasera verkauft worden. Das Haus, in dem 20

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