Beeinflusst Geldpolitik die Einkommensverteilung in der Schweiz?

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1 Beeinflusst Geldpolitik die Einkommensverteilung in der Schweiz? Christoph A. Schaltegger Universität Luzern Tagung Geldpolitik 2020 der Stiftung Lilienberg Ermatingen, 4. Oktober 2013

2 Inhalt 1. Resultate von Pierre Monnin 2. Weitere Evidenz zum Zusammenhang Geldpolitik und Einkommensverteilung 3. Was könnte für die Schweiz gelten? 3.1 Entwicklung der Top Einkommen in der Schweiz 3.2 Was wir wissen: Einfluss der Steuerpolitik 3.3 Hinweise auf einen Einfluss der Geldpolitik 4. Abschliessende Bemerkungen 2

3 1. Resultate von Pierre Monnin (1) Quelle: - Top 1% U-förmiger Zusammenhang Kuznets Internationaler Handel (wirkt positiv auf Top-Einkommen) Inflation: Bestätigung von Galli & van der Hoeven (2001): nichtlinearer Zusammenhang zwischen Inflation und Einkommensverteilung: unter- und überdurchschnittliche Inflation gemessen am historischen Mittel führt zu einer grösseren Ungleichheit der Einkommen (hoher top 10% Einkommensanteil) 3

4 2.1 Finanzmarkt und die Einkommen der Top 1% Roine, Vlachos & Waldenström (JPubE, 2009): Financial Development (Bankeinlagen und Aktienmarkt als Anteil des BIP) wirkt sich positiv auf den Einkommensanteil der reichsten 1 Prozent aus Kein signifikanter Einfluss auf die restlichen top 10 Prozent (90-99%) Bankenkrisen wirken sich negativ auf den Einkommensanteil der reichsten 1 Prozent aus Kein signifikanter Einfluss auf die restlichen top 10 Prozent (90-99%) Der Finanzmarkt scheint zentral für die reichsten 1 Prozent Ein Einfluss der Geldpolitik auf die Einkommen der Top 1 Prozent über den Kanal des Finanzmarktes scheint plausibel. 4

5 2.2 Verteilungseffekte des Quantitative Easing Bank of England (Quarterly Bulletin, 2012 Q3): QE besteht hauptsächlich aus dem Kauf von Staatsanleihen (gilts) Folge ist jedoch eine steigende Nachfrage und damit eine deutliche Wertsteigerung bei Aktien und Unternehmensanleihen Einfluss von QE auf Pensionsfonds ist neutral Den Wertsteigerungen der Assets stehen sinkende Zinsen auf gilts gegenüber, was die Verpflichtungen der Fonds erhöht Das Finanzvermögen (ausserhalb von Pensionsfonds) ist sehr ungleich verteilt Survey of Consumer Finance (2010) Starke Korrelation zwischen Einkommen und Finanzvermögen QE erhöht die Ungleichheit, da insbesondere die Reichsten von Wertsteigerungen profitieren («wealth effects are for the wealthy») 5

6 2.2 Zusammensetzung der Top Einkommen Note: The figure displays the top 0.1% income share and its composition. Top 0.1% defined by market income including realised capital gains 6

7 2.3 Geldpolitik und Einommensverteilung Coibion, Gorodnichenko, Kueng & Silvia (NBER 2012): Einfluss von expansiver Geldpolitik Einkommensverteilung a priori unklar: reduziert Einkommensungleichheit: Sparer leiden und Schuldner profitieren von Inflation Tiefe Einkommen leiden am meisten unter Arbeitslosigkeit erhöht Einkommensungleichheit: Gewinne steigen stärker als Lohneinkommen Hohe Einkommen sind aktiv am Finanzmarkt und reagieren auf Änderungen der Geldpolitik Wertsteigerung von Finanzvermögen im Vergleich zu Bankeinlagen Empirische Untersuchung von Mikrodaten in der USA seit 1980 Resultat: kontraktive geldpolitische Schocks verstärken die Ungleichheit in Bezug auf Haushaltseinkommen und Konsum 7

8 3.1 Langfristige Entwicklung in der Schweiz Quelle: Maddison Data und eigene Berechnung. 8

9 3.1 Top Einkommensanteile in der Schweiz Quelle: Schaltegger und Gorgas (2011), aktualisiert. 9

10 3.2 Top Einkommen in den Schweizer Kantonen Variation der Einkommenskonzentration unter den Kantonen, 2009 SZ: 22.68% ZG: 17.84% OW: 10.8% UR: 5.08% GR: 7.41% LU: 7.57% Quelle: Frey, Gorgas und Schaltegger (2013) 10

11 3.2 Empirische Schätzungen zur Rolle der Steuern Quelle: Frey, Gorgas und Schaltegger (2013) 11

12 3.2 Empirische Schätzungen zur Rolle der Steuern IV (Strukturbrüche DBSt, StHG, AHV) FE, Variablen Top 1% Einkommensbezieher Steuer Top 1 Nachbarsteuer Top 1 Steuer Top 0,5 Nachbarsteuer Top 0.5 Steuer Top 0,1 Nachbarsteuer Top 0,1 Steuer Top 0,01 Nachbarsteuer Top 0, *** (-3.83) 0.148*** (2.67) Top 0,5% Einkommensbezieher *** (-3.81) 0.136*** (3.21) Top 0,1% Einkommensbezieher *** (-2.99) ** (2.39) Top 0,01% Einkommensbezieher (-1.57) (0.76) N F F test of excluded instruments Quelle: Frey, Gorgas und Schaltegger (2013) t Statistik in Klammern. * p < 0.10, ** p < 0.05, *** p <

13 3.3 Top Einkommensanteile in der Schweiz Quelle: Frey, Gorgas und Schaltegger (2013) 13

14 3.3 Top Einkommensanteile und Inflation Quelle: Frey, Gorgas und Schaltegger (2013) 14

15 3.3 Top Einkommensanteile und Wachstum Quelle: Frey, Gorgas und Schaltegger (2013) 15

16 3.3 Gini-Koeffizient, Inflation und Wachstum (1) Quelle: Frey, Gorgas und Schaltegger (2013) 16

17 3.3 Gini-Koeffizient, Inflation und Wachstum (2) Quelle: Frey, Gorgas und Schaltegger (2013) 17

18 3.3 Polarisierung und Inflation (1) Quelle: eigene Berechnungen gemäss Esteban, Gardin und Ray (EGR, 2007) und Foster und Wolfson (2010) 18

19 3.3 Polarisierung und Inflation (2) Quelle: eigene Berechnungen gemäss Esteban, Gardin und Ray (EGR, 2007) und Foster und Wolfson (2010) 19

20 4. Abschliessende Bemerkungen Ein Zusammenhang zwischen Inflation und den Top Einkommensanteilen ist in der Schweiz nicht offensichtlich Auch ein Zusammenhang von pro Kopf Wachstum und den Top Einkommensanteile ist nicht festzustellen Das Pro Kopf Wachstum scheint den Gini-Index nicht zu erhöhen Es besteht jedoch eine positive Korrelation zwischen der Inflationsrate und dem Gini-Index (berechnet aus Steuerdaten) Zudem besteht eine positive Korrelation zwischen der Inflationsrate und der Polarisierung Mittelstand scheint unter Inflation zu leiden 20

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