Unterrichtsversuch Lernen mit Tablets am Nordpfalzgymnasium Kirchheimbolanden ( Juni 2013) ein kleines Resümee

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1 N O R D P F A L Z G Y M N A S I U M Staatliches Gymnasium in Trägerschaft des Donnersbergkreises Dr.-Heinrich-von-Brunck-Straße 47a Kirchheimbolanden Tel : Fax: Unterrichtsversuch Lernen mit Tablets am Nordpfalzgymnasium Kirchheimbolanden ( Juni 2013) ein kleines Resümee Hendrik Förster Die Lerngruppe bestand aus zehn Schülerinnen und zehn Schülern der fünften und sechsten Jahrgangsstufe des Nordpfalzgymnasiums Kirchheimbolanden. Die Kinder hatten ipads 2 (16 GB mit WiFi) und Lenovo Thinkpads2 (mit Windows 8, WiFi und 16 GB) zur Verfügung. Sie durften die Tablets an vier Tagen mit nach Hause nehmen. Außerdem stand der Lerngruppe eine mobile Ladestation für 30 ipads der Firma Mobiles Lernen Deutschland GmbH zur Verfügung. Die medialen Vorkenntnisse der Schülerinnen und Schüler im Hinblick auf die Nutzung von entsprechender IT-Hardware waren recht unterschiedlich. Vier gaben an, bereits eigene ipads zu besitzen oder zur Verfügung zu haben. Drei Schülerinnen und Schüler besaßen ein iphone, die übrigen ebenfalls ein Smartphone anderer Hersteller. 17 von 20 gaben in einer Befragung an, mindestens eine eigene Spielekonsole zu besitzen. Drei Schülerinnen und Schüler gaben zu, über ein eigenes Facebook-Konto zu verfügen. Der Unterrichtsversuch sollte Antworten auf folgende Fragen liefern. #1 Können Schülerinnen und Schüler dieser Jahrgangsstufe mit Tablets (verantwortungsbewusst) umgehen? Wie ist die Akzeptanz? #2 Sind die Geräte (schul-)alltagstauglich? #3 Lassen sich Unterschiede zwischen den Geräten erkennen? #4 Welchen Mehrwert erreichen Tablet-PCs im Unterricht? #5 Welche didaktischen Konzepte können (nur) mit Tablets realisiert werden? 1

2 #1 Können Schülerinnen und Schüler dieser Jahrgangsstufen mit Tablets (verantwortungsbewusst) umgehen? Wie ist die Akzeptanz? Den Erziehungsberechtigten der am Projekt teilnehmenden Schülerinnen und Schülern wurde ein Leihvertrag über vier Tage angeboten. 18 von 20 nahmen diesen an. Insofern konnte es 18 Schülerinnen und Schülern gestattet werden, die Geräte auch nach Beendigung des Projektunterrichts mit nach Hause zu nehmen. Alle Geräte wurden sehr sorgfältig behandelt und pünktlich zurückgegeben. Kein Schüler hat sein Tablet an auch nur einem der vier Tage zu Hause vergessen. Lediglich ein Schüler gab bei Rückgabe an, dass sein Vater eine Micro-SIM Karte eines Mobiltelefons versuchsweise in den SIM-Card-Reader eines Lenovo Thinkpads gesteckt und von dort nicht wieder herausbekommen hat. Die Motivation bei allen beteiligten Schülerinnen und Schülern war schon bei der Ausgabe der Tablets als auch im gesamten Projektverlauf sehr hoch. Insgesamt führte die hohe Motivation bei der Arbeit mit Tablets zu höherer Anstrengungsbereitschaft und Ausdauer. #2 Sind die Geräte (schul-)alltagstauglich? Alltagstaugliche Medien in Schülerhand müssen eine ganze Reihe von Anforderungen erfüllen. Sie sollten möglichst leicht, aber dennoch robust sein. Bei dem Einsatz von Notebooks oder Tablets in der Schule muss eine Akku-Laufleistung gewährleistet werden, die einen Einsatz über mindestens 8 Zeitstunden sicherstellen kann. Die notwendige Software muss entweder lizenzfrei sein oder aber die Bildungseinrichtung bzw. der Schulträger ist in der Lage, die notwendigen Lizenzen zu erwerben. Die Hard- und Software muss virenfrei sein und möglichst auch bleiben. Ein Austausch eines defekten Gerätes sollte innerhalb kürzester Zeit (weitgehend kostenfrei) realisiert werden können möglichst mit dem identischen image des defekten Tablets. Die Geräte müssen weiterhin besonders intuitiv bedienbar sein: Ein Aufschalten des Lehrer-Desktops auf das Schülergerät und ein Präsentieren des Schülerbildschirms auf die anderen Geräte bzw. über einen Beamer oder ein interaktives Whiteboard sollten ohne viel (technischen und zeitlichen) Aufwand möglich sein. Es versteht sich von selbst, dass für den Einsatz von Notebooks und Tablets ein leistungsstarkes WLAN Netz besonders sinnvoll ist. Allerdings ist es sicher auch wünschenswert, Schülerinnen und Schülern zur Lösung bestimmter (anderer) Aufgaben den Internetzugang zeitweise zu blockieren oder nur bestimmte Webinhalte zur Verfügung zu stellen. In dem Unterrichtsversuch zeigte sich, dass die ipads gegenüber den Lenovo Thinkpads leichte Vorteile besaßen. Alltagstauglich waren indes beide getesteten Geräte. Der größte Vorteil der ipads lag in der größeren Akku-Laufzeit sowie der deutlich intuitiveren Bedienbarkeit. 2

3 #3 Lassen sich Unterschiede zwischen den Geräten erkennen? Das ipad 2 hatte eine Masse von 600 Gramm und die (gerundeten) Abmessungen mm. Die Akkulaufzeit betrug etwa 9 Stunden. Die tatsächliche Speicherkapazität betrug ca. 12 GB. Das aktuelle Apple-Betriebssystem ios war bereits installiert. Das ipad 2 verfügte über eine Front- und eine Rückseiten-Kamera. Das Lenovo Thinkpad 2 hatte eine Masse von etwa 540 Gramm und die (gerundeten) Abmessungen 263 mm x 164 mm x 10 mm. Die Akkulaufzeit lag bei knapp 10 Stunden. Die reale Speicherkapazität lag bei 27 GB. Als Betriebssystem stand Windows 8 (32 Bit) zur Verfügung. Das Lenovo Thinkpad 2 verfügte über auf der Vorderseite über eine 2 Megapixel und auf der Rückseite über eine 8 Megapixel-Kamera. Das Tablet von Lenovo war also insgesamt etwas leichter, verfügte über eine etwas längere Akkulaufzeit und eine deutlich höhere Speicherkapazität. Vom ipad ging indes eine höhere Faszination für die Schülerinnen und Schüler aus. Es konnte beobachtet werden, dass mit dem ipad arbeitende Schülerinnen und Schüler mehr Aufmerksamkeit und Zuspruch bei anderen erfuhren. Das ipad mit dem Betriebssystem ios der Firma Apple schien insgesamt intuitiver bedienbar zu sein. Schülerinnen und Schüler konnten bestimmte Aufgaben schneller mit dem ipad lösen. Die Nachteile für das Lenovo Thinkpad ergaben sich möglicherweise aus der gewöhnungsbedürftigen Windows-8-Oberfläche. #4 Welchen Mehrwert erreichen Tablet-PCs im Unterricht? Die sehr hohe Begeisterung für den Einsatz von Tablets sorgte für die bereits beschriebene hohe Motivation bei den Schülerinnen und Schülern. Der Novitätseffekt ist indes keine dauerhaft tragende Motivation für Unterricht. Die bloße Beschäftigung mit den Geräten kann zweifellos nicht Anliegen von zeitgemäßem Unterricht sein. Tablets müssen handfeste Vorteile gegenüber PC s, Notebooks oder auch Mobiltelefonen (insbesondere Smartphones) bieten, um ihre Anschaffung und ihren Einsatz im Unterricht zu rechtfertigen. Und diese Vorteile müssen zudem mögliche Nachteile überwiegen. Hardware: Die Tablets haben größere und besser lesbare Displays als Handys, sind aber deutlich leichter als Notebooks. Ihre Akkus reichen in der Regel auch viel länger als die von Notebooks. Die virtuelle Tastatur der Tablets lässt sich leichter und schneller als die von Handys bedienen. Die Masse eines ipads von ca. 600 Gramm entspricht in etwa einem leichteren Schulbuch. Die derzeit schwersten Lehrbücher auf dem deutschen Markt wiegen knapp über 1000 Gramm, 3

4 der Diercke-Weltatlas (Westermann) kommt in der aktuellen Auflage auf etwa 1300 Gramm, der Seydlitz-Weltatlas (Schroedel) auf etwa 1600 Gramm. Eine Einsparung von nur einem Schulbuch durch die Verwendung eines Tablets reduziert daher die Masse einer Schultasche bereits um einige Gramm. Um mit den Tablets sinnvoll arbeiten zu können, erscheint ein WLAN-Zugang unumgänglich. Smartphones können einerseits auch über WLAN mit dem Internet verbunden sein, andererseits aber auch über das Telefon eine Datenverbindung aufbauen (abhängig vom Mobilfunkvertrag. Notebooks sind in der Regel über WLAN oder mittels Kabelverbindung (LAN) im Internet. Daraus folgen unterschiedliche, in der Praxis oft auch nur eingeschränkte Möglichkeiten der Kontrollier- und Steuerbarkeit. MEYER,T. (2009) umreisst mit dem Schlagwort a hole in the wall das grundsätzliche Problem, dass das ehemals eng umgrenzte Klassenzimmer längst so durchlässig geworden ist, dass Schülerinnen und Schüler heute auch während des Unterrichts im Internet (zum Beispiel in sozialen Netzwerken) unterwegs sind. Und das häufig auch ohne Zustimmung der Lehrkraft (MUUß-MEERHOLZ, 2013, S.140). Software: IPads besitzen wie iphones bereits einige vorinstallierte kleine, kostenlose Programme (sogenannte Apps). Zusätzlich lassen sich weitere Apps aus dem App-Store kostenfrei herunterladen. Andere Apps kosten Geld, in der Regel liegt die Spanne zwischen 0,50 und 20,-. Um überhaupt weitere Programme herunterladen zu können, ist eine sogenannte Apple-ID notwendig. Bei der Anmeldung muss eine gültige Kreditkartennummer angegeben werden. Mit den derzeit verfügbaren und zudem kostenfreien Apps in deutscher Sprache ist noch zu selten lehrplangemäßer Fachunterricht möglich, der nicht mindestens mit ebenso schnellem Erfolg ohne Nutzung des Mediums Tablet zu erreichen wäre. Einige Werke der Grundlagenliteratur sind in auch in deutscher Sprache als ibook gratis herunterzuladen. Spezielle Apps ermöglichen das Erstellen von Rätseln, von Präsentationen oder von kleinen Comics und Bildergeschichten. Mit ausreichend schneller WLAN-Verbindung sind Filme unter YouTube oder in Mediatheken und Standardanwendungen wie Google Earth abrufbar. Die Funktionen eines wissenschaftlichen Taschenrechners können durch eine App auf dem ipad weitgehend ersetzt werden. Sogar die Darstellung von Funktionsgraphen ist möglich. Oft deutlich mehr in der Schule nutzbare Apps gibt es für Fremdsprachen, insbesondere für Englisch. Nachschlagewerke und Wörterbücher sind oft gratis verfügbar. Im Store von itunesu dem Portal für Bildung der Firma Apple sind viel häufiger bereits deutsche Fachhochschulen, Hochschulen und Universitäten mit ihren Onlinekursen und angeboten vertreten. Überraschend hoch ist auch die Zahl von nutzbaren Apps für den Primarbereich. Das Angebot von Bildungsapps wächst indes ständig und wird zunehmend unüberschaubarer. Tablets wie das Lenovo Thinkpad sind mit dem Betriebssystem Windows 8 im Unterricht fast genauso nutzbar wie etwa ein Notebook oder ein PC mit Windows-Oberfläche. Hier gibt es 4

5 noch weniger spezielle Software für Tablets oder Smartphones. Dafür können auch die Programme genutzt werden, die auch auf dem Notebook oder PC zu Hause installiert sind. In der Regel sind diese aber kostenpflichtig. Viel häufiger als Apps für den Bildungsbereich gibt es kostenlos verfügbare Spiele. Erst wenn alle Schulbücher in Zukunft digital auch auf allen Tablets verfügbar und in einigen Jahren sicher auch speziell für Tablets konzipiert sind (dann z.b. über Hyperlinks in Texten verfügen, Bilder aus dem Buch heraus gezoomt und 3D animiert werden können), kann von einem echten und vor allem deutlichen Mehrwert der Tablets gesprochen werden. #5 Welche didaktischen Konzepte können (nur) mit Tablets realisiert werden? Didaktische Konzeptionen zum Einsatz mit Tablets sind gerade erst im Entstehen und daher selten verfügbar. Es laufen seit einigen Jahren deutschlandweit Schulversuche zum Einsatz von Tablets, nur wenige sind dabei wissenschaftlich begleitet und entsprechend publiziert. Es besteht eindeutig Bedarf an didaktischer Forschung und Evaluation in diesem Bereich. Hierbei muss zielgruppenadäquat vorgegangen werden. Untersuchungen zum Tableteinsatz im Primarbereich sind sicher nicht ohne weiteres auf die gymnasiale Oberstufe übertragbar. Interessante Ergebnisse zum Einsatz von Tablets sind im Zusammenhang mit Konzepten der inklusiven Pädagogik zu erwarten. Arbeit mit dem ipad. FÖRSTER (2013) 5

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